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Periodical volume Nr. 223, 22.09.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

schleunigteres Tempo wäre ganz entschieden am Platze. 
Wie in der Sitzung des Gewerbevereins ausgeführt wurde, 
bildet der Steinhaufen wirklich ein Verkehrshindernis, 
das doch so rasch als möglich beseitigt werden sollte. Wie 
nun, wenn wirklich ein Unglücksfall sich an dieser Stelle 
ereignen sollte und die Gemeinde würde haftbar gemacht 
werden? Nun, vielleicht hat sich die Bepflanzungs 
kommisston gestern bei der stattgehabten Besichtigung selbst 
von den nicht mehr länger haltbaren Zuständen überzeugt. 
Soll der flaue Wind noch länger um die Kaisereiche 
wehen? Übrigens kann der Amtsvorsteher vom Gemeinde 
vorsteher verlangen, daß die Haufen des Abends beleuchtet 
werden. 
ff Konfirmation. Konfirmationen fanden gestern 
durch Herrn Pastor Kleine und heute durch Herrn Pastor 
Goernandt in unser Kirche „zum guten Hirten" statt. Der 
Kirchenchor sang einige Lieder. 
ff Die neuen elektrischen Triebwagen, nach 
welchen die Motorwagen der Hamburg—Altonaer und 
event!, auch der Berliner Stadt- und Vorortbahnen gebaut 
werden sollen, werden gegenwärtig in der Eisenbahnwerk- 
statt bei Tempelhof mit den elektrischen Ausrüstungen ver 
sehen. Man hofft diese Arbeiten bis Anfang Oktober be- 
endet zu haben, um dann mit der auf der Spindlersfelder 
Strecke in Aussicht genommenen Probefahrten beginnen zu 
können. Eingerichtet sind die Wagen für einphasigen 
Wechselstrom von einer Linienspannung von 6000 Volt, 
die durch mitgeführte Umformer auf 750 (innerhalb der 
Betriebsbahnhöfe auf 300) Volt Spannung gebracht 
werden. Die Motoren sollen 115 Pferdekräfte leisten und 
eine Fahrgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde 
ständig gewachsen sein. Für die Hochspannungs-Leitung 
sind die Triebwagen mit je zwei Bügel-Stromabnehmer, 
für die Niederspannungs-Leitung mit ebenso viel Rollen- 
Stromabnehmer (Trolley) ausgerüstet. Zur Rückleitung 
des Stromes sollen die Fahrschienen verwendet werden. 
Die Beleuchtung und Heizung wird auf elektrischem Wege 
bewirkt; jedes der 16 Abteile eines Wagens erhält zwei 
Glühlampen, die in verschiedene Stromkreise eingeschaltet 
werden, damit beim Versagen der einen Lampe die zweite 
noch leuchtet. Die Heizkörper werden unter den Sitz 
plätzen angeordnet und so gesichert, daß jedwede Feuers- 
gekahr ausgeschloffen bleibt. Die kleinste „Zugeinheit" ist 
so gedacht, daß zwei Triebwagen, die an den Enden die 
Motoren führen, zusammengekuppelt werden. An den 
Endstationen braucht der Zug nicht umgedreht zu werden, 
cs ist nur nötig, daß der Motorführer sich an die Spitze 
des Zuges begibt. Erst wenn die Probewagen sich im 
Betriebe bewähren, sollen nach ihrem Muster 50 6 achsige 
Triebwagen für Hamburg—Altona gebaut werden. 
's Für Mieter. Mit besonderer Vorliebe mieten 
sich Wohnungsuchende in Neubauten ein, ohne dabei zu 
bedenken, daß diese neben den Vorteilen einer modernen 
Einrichtung mit allen Bequemlichkeiten auch Nachteile 
haben, die sich meist erst dann herausstellen, wenn die 
Wohnung bezogen ist. Wie viele Mieter haben nur unter 
der Feuchtigkeit ihrer Wohnungen zu leiden. Die Polizei 
achtet ja sehr darauf, daß die Wohnungen nicht gesundheits 
schädlich sind und kann in ihrem Eifer sogar unliebsame 
Überraschungen bereiten. Eine ähnliche wurde kürzlich den 
zahlreichen Mietern eines großartigen Neubaues in 
Schöneberg, Ebers- und Maxstraßen-Ecke, zu teil. Die 
vielen hübschen Wohnungen des stattlichen Baues hatten 
längst Mieter gefunden. Der Besitzer hoffte, die Wohnungen 
zeitig genug zum jetzigen Quartalswechsel fertigstellen und 
sogar seinen Mietern ein recht frühes Einziehen ermög 
lichen zu können. Alles war sorgfältig überdacht, da trat 
die Kapitalsnot an den Bauherrn heran. Die Hand 
werker stellten ihre Arbeiten ein, die Polizei konnte den 
Bau nicht abnehmen, und die vielen Mieter, die bis zuletzt 
die Hoffnung auf einen allerseits befriedigenden Ausgleich 
noch nicht aufgegeben hatten, stehen vor der unangenehmen 
Notwendigkeit, in aller Eile die beschwerliche Wohnungs 
sucherei wieder aufzunehmen; das erhoffte Heim ist ihnen 
mit Brettern vernagelt worden. 
-s Als ein Prachtbau präsentiert sich das im 
Rohbau fertiggestellte „Königliche Forsthaus Paulsborn". 
Nach der Seeseite hin liegt der Saal, dem 4 große Rund 
bogenfenster Licht spenden, geschmackvoll dekorierte Pfeiler 
stützen die im oberen Stockwerke liegenden Räumlichkeiten, 
an denen sich eine söllerartige Veranda in der Länge des 
unter ihr liegenden Saale hinzieht. Die eine Ecke der 
Längsfront ziert ein Turm, die andere eine hochragende 
Giebelwand, unter der ein Eckbalkon hervorlugt. Jagd- 
embleme, Hirschköpfe mit Geweihen usw. sind sowohl an der 
Längsfront als auch an der Schmalfront des Bauwerks 
angebracht. 
's Das goldene Nad, welches am nächsten Sonntag 
im Sportpark Steglitz in zwei Rennen über 1 Stunde und 
100 Kilometer zur Entscheidung kommt, versammelt jetzt 
täglich in den Nachmittagsstunden zahlreiches Publikum 
bei der Arbeit der Dauerfahrer. Das Preisausschreiben 
des Sportparks hat^unter allen Sportfreunden einen außer- 
ocdenllichen Anklang gefunden. Es laufen fortwährend 
Postkarten ein, in denen sowohl Robl, als auch Demke, 
Walthour und Günther als der voraussichtlichen Sieger be 
zeichnet werden; manche schätzen sogar die Zeit, in welcher 
die 100 Kilometer zurückgelegt werden, so gut, daß man 
meinen sollte, die Weltrekords kommen in Gefahr. 
's Lustige Sängerfahrt. Die „Schöneberger 
Liedertafel" unternahm am 16. und 17. d. Mts. eine 
Herrenpartie nach Rheinsberg—Neuruppin, die äußerst 
interessant verlief. 35 Teilnehmer, darunter eine Anzahl 
Gönner des Vereins, fuhren Sonnabend Nachmittag l ( 2 4 Uhr 
vom Stettiner Bahnhof nach Rheinsberg und zwar im ge 
mütlichen Schneckentempo. Dort wurde im Hotel „Zur 
Stadt Berlin" Quartier bezogen und das Abendessen einge 
nommen. Unter Leitung des Herrn Hertzer-Friedenau fand 
ein sehr fideler Kommers statt, der die Teilnehmer lange zu 
sammenhielt. Bei Eröffnung desselben gedachte der Leiter 
des ersten Vorsitzenden, Herrn Rektor Albrecht, der leider 
eines Fußleidensjwegen auf die Partie hatte Verzicht leisten 
müssen. Weitere Ansprachen, gemeinschaftliche Gesänge, 
Vorträge des Vereins, Sologesänge folgten, auch trat Witz 
und Humor reichlich in seine Rechte, sodaß Langeweile 
nicht aufkommen konnte. Einige Sangesbrüder kamen da 
durch erst „früh" zur Ruhe. Sonntag Morgens, durch 
vorzüglichen Kaffee und Frühstück gestärkt, wurde das Schloß 
aufmerksam besichtigt und nach einem Rundgang um 
den See der Rückweg „Zur Stadt Berlin" angetreten. 
Hier sprach Herr ,Lehrer Bernd dem Wirte, Herrn Weger, 
für^seine vortreffliche Bewirtung den Dank aus. Damit 
verabschiedeten sich die Ausflügler und nun ging's mittels 
4 Wagen nach Bienwalde, wo wieder Rast gemacht wurde. 
Von dort wurde die Reise zu Fuß fortgesetzt nach Rott 
stiel. Molchow, Neumühle und langte man um V 2 7 Uhr 
Abends in Neuruppin an. Für Diejenigen, die weniger 
Routine im Dauerlaufen besaßen, war ein Wagen bis zum 
Endziel mitgenommen worden. In einem vornehmen 
Lokal Neuruppins wurde gespeist und nachdem man noch 
einige fröhliche Lieder gesungen hatte, erklärte der stell 
vertretende Vorsitzende, Herr Hertzer, die Partie für be 
endigt. Schleunigst mußte der in entlegener Richtung ge 
legene Bahnhof aufgesucht werden und um ^12 Uhr 
waren die Ausflügler alle wohlbehalten wieder in Berlin 
angelangt. Die Fahrt wird ihnen noch lange in der an 
genehmsten Erinnerung bleiben, welche Dank des rührigen 
Vergnügungs - Ausschußes und der anerkennenswerten 
Führung des Lehrers Herrn Wedel-Rheinsberg so gut zu 
Stande gekommen war und die Teilnehmer so ausge 
zeichnet amüsierte. 
ff Führmann, Walde-Säuger. Wir machen auf 
die morgen Sonnabend stattfindende Vorstellung der 
Führmann, Walde-Sänger im Kaiser Wilhelmsgarten auf 
merksam. 
ff Abschied von Friedenau nimmt am Sonntag, 
den 24. d. Mts. mit der letzten Vorstellung Abends 
10 Uhr der sich hier so gut eingeführte Liebings Kine 
matograph. Man nehme noch die Gelegenheit wahr, die 
vortrefflichen lebenden Photographien in Augenschein zu 
nehmen. 
ff Gänse gewinnen kann man am Sonntag, den 
24. d. M., von Nachmittags 4 Uhr ab auf dem Metz'schen 
Grundstück Schloß-, Ecke Bornstraße. Das Los kostet nur 
10 Pfennig. 
ff Verufsleiden. Ein hiesiger beliebter Gastwirt 
im Schöneberger Ortsteil geriet vor einigen Tagen mit 
einigen Gästen ohne sein Verschulden in Differenzen. Im 
Verlauf des Streites wurde der Gastwirt von einem 
Herrn L. gewaltig gegen das Billard geworfen, sodaß ihm 
eine Rippe brach. Der Wirt liegt nun schwerkrank dar 
nieder und wird von zwei Ärzten behandelt. 
Schöneöerg. 
— Sitzung der Stadtverordneten am Montag, 
den 25. September, Nachmittags 6 Uhr. Tagesordnung: 
1. Zur Auslegung gelangen: a) die Berichte vom 18. d. M. 
über die Prüfung der Stadt-Hauptkaffe, der Stadt-Steuer 
kaffe, der städtischen Sparkasse; b) die Akten, betr. die 
Wahlen der Stadtverordneten Fritsch und Marre. — § 12, 
Absatz 2 der Geschäftsordnung. — 2. Beschlußfassung über 
die gegen die Gemeindewählerliste erhobenen Einsprüche 
und hierzu Bericht des Wahlprüfungsausschusses (Bericht 
erstatter Stadtv. Reinbacher). 3. Kenntnisnahme von der 
Vorlage des Magistrats, betr. die Besetzung der Stellen 
eines zweiten Bürgermeisters und eines Kämmerers. 
4. Desgl., betr. die dauernde Kontrolle der Gasmesser 
bezw. des Gasverbrauchs in städtischen Gebäuden. 5. Desgl., 
betr. Beantwortung der Anfrage der Stadtverordneten 
R. Schneider und Genossen bezüglich der Herstellung der 
Unterführung der Gothenstraße. 6. Beschlußfassung über 
den Antrag der Stadtverordneten Gottheiner und Gen., 
betr. Aufnahme der Vorarbeiten für das neu zu errichtende 
Rathaus. 7. Bericht des Ausschusses über die Vorlage 
des Magistrats, betr. die Aufnahmebedingungen für das 
Auguste Viktoria - Krankenhaus (Berichterstatter Stadtv. 
Kuznitzky). 8. Desgl., betr. Annahme der Offerte des 
Stadtv. Polenz (Berichterstatter Stadtv. Bandmann). 
9. Desgl., betr. Festsetzung einer Besoldungsordnung für 
die Feuermänner und Feuermanns-Anwärter der Stadt 
gemeinde Schöneberg, sowie Genehmigung des Nachtrags 
zum Ortsstatut, betr. die Anstellung und Versorgung der 
Beamten und Bediensteten der Stadtgemeinde Schöneberg 
vom 31. März 1900 (Berichterstatter Stadtv. Dr. Mellmann). 
10. Kenntnisnahme von der Vorlage deß Magistrats, betr. 
Beantwortung der Anfrage der Stadtverordneten Lessig 
und Genossen bezüglich der Denkschrift über die voraus 
sichtliche Ausgestaltung des Verwaltungswesens der Stadt 
in den nächsten drei Jahren rc. 11. Beschlußfassung über 
die Vorlage des Magistrats, betr. Nachbewilligung von 
62,50 M. zum Schuletat A V, Titel I, Ansatz 1. 12. Erste 
Beratung der Vorlage des Magistrats, betr. Entlastung der 
Jahresrechnung der städtischen Sparkasse für 1904. 
13. Desgl., betr. Entlastung der Jahresrechnüng der Feuer 
löschverwaltung für 1904. 14. Desgl., betr. Entlastung 
der Jahresrechnung über die Stiftungsverwaltung für 
1904. 15. Bericht des Ausschusses für Prüfung der Frage 
bezüglich der Heranziehung der Nathanaelkirchengemeinde 
zu den Anliegerbeiträgen (Berichterstatter Dr. v. Gordon). 
16. Bericht des Etats-Ausschusses über die Vorlage des 
Magistrats, betr. Bewilligung von 800 M. zur Herstellung 
eines Sammlungszimmers für dasHelmholtz-Realgymnasium 
(Berichterstatter Stadtv. Hecht). 17. Bericht des Rechnungs- 
Ausschusses über die Vorlagen .des Magistrats, betr. Ent 
lastung von Jahresrechnungen a) über den Ferienkolonie 
fonds für 1903, b) über die Stadtverwaltung für 1903 
(Berichterstatter Stadtverordnetenvorsteher Heyne), e) über 
die Desinfektionsverwaltung für 1904 (Berichterstatter 
Stadtv. Hepner), fl) über den Feuerwehrunterstützungs 
fonds für 1904 (Berichterstatter Stadtv. Kaufmann). 
18. Wahl a) von 6 Stadtverordneten in die gemischte 
Deputation in Angelegenheit der Fleischteuerung, b) von 
3 Mitgliedern und ^Stellvertretern in die Veranlagungs 
kommisston, o) von 4 Vertrauensmännern des Ausschusses 
zur Auswahl der Schöffen und Geschworenen bei dem zum 
1. Juni 1906 neu zu bildenden Amtsgericht Berlin- 
Schöneberg, d) von Bezirksoorstehern und Stellvertretern 
für die Bezirke III, VII, VIII und eines Stellvertreters 
für Bezirk IX, e) eines Armenpflegers für Bezirk II, 
f) von Mitgliedern der neu zu bildenden Gemeindewaisen 
räte und g) eines Stadtverordneten in die gemischte 
Deputation, betr. die Untergrundbahn. 
— Das neue Rathaus. Mehrere Stadtverordnete 
haben beim Magistrat das Gesuch eingereicht, baldigst die 
Vorgrbeiten für daS neu zu errichtende Rathaus in An 
griff zu nehmen, da- die jetzigen Verhältnisse unhaltbare 
sind und den Verwaltungsdienst sehr erschweren, auch im 
Interesse der Gesundheit der städtischen Beamten not 
wendig ist, daß dieselben bessere und gesündere Bureau- 
räume erhalten. 
— Fleischteueruug. Der Magistrat hat beschlossen, 
daß er sich dem Proteste in Angelegenheit der Fleisch 
teuerung anschließen wird. Er hat ferner die Bildung 
einer gemischten Deputation in der Stärke von 2 Magi 
stratsmitgliedern und 6 Stadtverordneten beschlossen, welche 
die zu unternehmenden Schritte vorbereiten soll. 
8 Hinsichtlich der wichtige« Unterführung 
der Gotheustrafie nach Süden zu unter der Gleisanlage 
der Ringbahn hinweg, hat jetzt die Königl. Eisenbahn- 
Direktion, welche die Arbeiten auf Kosten der Stadt aus 
führt, mitgeteilt daß bei den außergewöhnlichen Schwierig 
keiten, welche die Unterführung für die Betriebsverhältnisse 
bedingen, sich die Bauvorbereitungsarbeiten sehr umfangreich 
und zeitraubend gestalten, Die Fertigstellung des Bauwerks 
wird daher wahrscheinlich nicht vor Ostern 1906 zu 
erwarten sein. 
Merlin und Wororte. 
tz In dem provisorischen Heim deS Märkischen 
MuseumS im Markthallengebäude der Zimmerstraße 
wird es immer enger. Bekanntlich ist ein Teil der 
Sammlungen geordnet im ersten Stockwerk aufgestellt 
worden, während eine große Anzahl von Gegenständen 
zum Teil noch in Kisten verpackt in dem Parterregeschoß 
des Vorderhauses und des rechten Seitenflügels unter 
gebracht worden sind. Außerdem befindet sich in dem 
Hause noch die städtische Bibliothek und die Verwaltung 
der städtischen Volks-Bibliotheken und Lesehallen, die zu 
ihrer Erweiterung neue Räumlichkeiten bedürfen. Infolge 
dessen wird jetzt das Parterregeschoß des rechten Seiten 
flügels frei gemacht und die hier befindlichen Sammlungen 
wandern, so gut sie in Kisten verpackt sind, in die Keller 
der Markthalle, in der bekanntlich sehr viel Platz vor 
handen ist, die anderen Gegenstände werden nach den 
Vorderräumen des Parterregeschosses gebracht. 
8 Der Generalleutnant a. D. Priwe, Kalckreuth- 
straße 5 zu Berlin, wird am 1. Oktober d. I. sein 
50jähriges Militärdienst-Jubiläum feiern können. 1855 
trat er als 19jähriger Jüngling in das damalige 
7. Artillerie-Regiment ein und nahm in demselben noch 
an dem 64 er Feldzuge gegen Dänemark teil. Nach dem 
Kriege von 1866, den er als Premierleutnant mitmachte, 
wurde er zu der neu errichteten Artillerie-Schießschule als 
Lehrer kommandiert und nahm dann, zum Hauptmann 
befördert, am deutsch-französischen Feldzuge 70/71 teil. 
Iw' Jahre 1890 zum Generalmajor, 1893 zum General 
leutnant befördert, nahm er. eines zunehmenden Gehör 
leidens wegen, als Inspekteur der ersten Fuß-Artillerie- 
Jnspektion seinen Abschied und lebt nun, seit nahezu zwei 
Jahren, als Privatmann in Berlin. 
8 WohltätigkeitS-Kouzert. Das von dem Verein 
ehemaliger Kameraden der deutsch - afrikanischen Schutz 
truppen veranstaltete Wohltätigkeits-Konzert hatte gestern 
Abend den großen Saal der Philharmonie bis auf den 
letzten Platz gefüllt. Unter den erschienenen Ehrengästen 
bemerkte man den Generaloberst v. Hahnke, General 
v. Massow, den Präsidenten des Reichsmilitärgerichts, 
Major Fischer und Oberstabsarzt Kühn vom Ober 
kommando der Schutztruppen, sowie viele Offiziere und 
alte Soldaten der Schutztruppen. Das Konzert, dessen 
Ertrag den Hinterbliebenen der in Deutsch-Südwestafrika 
ermordeten und gefallenen Ansiedler und der in den 
Gefechten in Südwest- und Ostafrika verwundeten Kameraden 
zufließen soll, wurde ausgeführt von dem Kosleck'schen 
Bläserbund und unter persönlicher Leitung des Herrn Prof. 
Kosleck und durch die Liedertafel, die sich unter Leitung 
ihres Dirigenten Max Werner ohne Entgelt in den Dienst 
der Wohltätigkeit gestellt hatte. 
8 Die Brötcheufrage iu de« Restaurants soll 
nach der Erklärung des Obermeisters Vogel von der 
Berliner Gastwirte-Jnnung, der der vorbereitenden Kom 
mission für die Brötchenfrage angehört, dahin geregelt 
werden, daß die Restaurateure sich verpflichten, jedem Gast 
ein Stück Weißbrot oder Schwarzbrot zu jeder Speise zur 
Verfügung zu stellen, und daß der weitere Bedarf an 
Gebäck besonders bezahlt wird. Die Versammlung der 
Berliner Gastwirte-Jnnung schloß sich den Darlegungen, 
des Obermeisters an und beauftragte ihn, in- der Kom 
mission dafür zu sorgen, daß die Brötchenfrage in der vor 
geschlagenen Weise geregelt werde. Eine demnächst statt 
findende öffentliche Gastwirte-Versammlung wird zu der 
Angelegenheit endgiltig Stellung nehmen. 
Vermischtes. 
* Ei« Kartoffeldenkmal. Jedes größere Schulkind weiß 
heute, daß die Kartoffel erst vor reichlich 300 Jahren aus Amerika 
nach Europa kam-, weniger bekannt aber ist, daß diese zu einem un. 
entbehrlichen Nahrungsmittel gewordene Frucht ein Denkmal auf 
deutschem Boden besitzt. Es steht im Oberharze, auf dem sogen. 
Brandhai zwischen Braunlage und Tanne am Wege. Erst vor 
kurzem ist es vom Walde, der es eng umschloffen hatt», freigelegt 
worden. Auf einem zweistufigen Unterbau ruht ein zwei Meter hoher 
Granitblock, der auf einer eisernen Tafel die nachstehende Inschrift 
trägt: .Hier wurden im Jahre 1748 die ersten Versuche mit dem 
Anbau der Kartoffeln gemacht. 
• LheridauS Hund. AIS Sheridan das Londoner Theater 
dirigierte, gehörte seine .Karavane" zur Tagesordnung. Es w.r 
dies nämlich ein Kaffenstück, in welcher ein Hund, der ern Kind vom 
Ertrinken rettete, die Hauptrolle spielte. Bei einer dieser Vor 
stellungen fühlte ein Schauspieler sich unwohl und äußerte zu Sheri 
dan : .Schade, daß das Stück nicht ununterbrochen gegeben werden 
kann!' — .WaS kann denn die Aufführung hindern? fragte der be 
stürzte Sheridan. — .Ich werde morgen sicherlich krank sein." — 
.Wenn eS weiter nichts ist," antwortete Sheridan; ich glaubte, der 
Hund sei krank geworden!
        
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