Path:
Periodical volume Nr. 222, 21.09.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

klagen. Zum ehrenden Andenken erhob sich die Versamm 
lung vösi den Platzen. Herr Berger macht dann die 
weitere Mitteilung, daß das Mitglied Herr Apotheker 
Sadtze zum Gemeindeschöffen gewählt worden sei. Er 
sei der festen Überzeugung, daß Herr SadLe auch in dieser 
neuen Stellung die Jntereffen des Handel- und Gewerbe- 
standes auf beste vertreten werde. Nach Verlesen des 
letzten Sitzungsprotokolls, das zur Annahme gelangte, 
wurde Herr Kaufmann Hagg als Mitglied aufgenommen. 
Die von der Kommission gemachten Vorschläge, betreffend 
die gemeinschaftliche Reklame im „Friedenauer Lokal- 
anzeiger". fanden den Beifall der Versammlung und 
wurden angenommen. Den Mitgliedern wird ein Zirkular 
mit den näheren Bestimmungen übersandt werden. Über 
die Notwendigkeit der Errichtung einer Badeanstalt 
referierte Herr Habermann. Er erinnerte zunächst daran, 
daß schon vor längerer Zeit der G.-V. Leo Schultz in der 
Gemeindevertreter-Sitzung die Errichtung einer Badeanstalt 
angeregt habe, wenn auch einer der Gemeindeverordneten 
den Zuruf „Bierbrauerei" gemacht habe, sei doch ver 
sprochen worden, die Sache im Auge zu behalten. Not 
wendig sei auf jeden Fall eine Badeanstalt. In der Straße 
in der er wohne (Albestraße), seien 34 Häuser mit 250 
Familien, von diesen haben 150 keine Badeeinrichtung im 
Hause. In den Neubauten jwestlich der Kaiserallee habe 
auch nicht jedes Haus eine solche. Er schlage vor, mit 
einer Resolution an den Gemeindevorstand heranzugehen, 
daß der Bau einer Badeanstalt so rasch als möglich in 
Angriff genommen werde. Herr Baumeister Graßmann 
bemerkt, daß die Frage der Errichtung einer Badeanstalt 
schon längst in Angriff hätte genommen werden müssen. 
Es werde doch das große Schulgebäude in der Goßlerstraße 
gebaut, dabei müffe doch ein Brausebad sein. Ein Schwimm 
bad sei eben so notweendig. Es werde doch sonst soviel Rück 
sicht genommen auf die Mieter, man höre immer eine Ge 
meinde müsse alles tun, umsteuerkräftigeMieter herbeizuziehen 
und doch habe man nicht einmal eine Badeanstalt. Auf eine 
Rentabilität sei doch auch zu rechnen. Herr Rentier 
Gerken begrüßt das Vorgehen des Vereins und erkennt 
das Bedürfnis zur Errichtung einer Badeanstalt völlig an 
und befürchtet nur, daß mit einem Schwimmbad eine 
größere Seuchengefahr verbunden sei. Herr Apotheker 
Sad^e erwidert hierauf, daß im Fall des Ausbruches 
einer Epidemie überhaupt sämtliche Badeanstalten, Brause-, 
wie Schwimmbadeanstalten behördlich geschlossen würden. 
Er glaube aber nicht, daß die Gemeinde die Badeanstalt sobald 
bekomme. Der Herr Bürgermeister sei ja sehr dafür, aber 
der Rathausbau gehe doch vor. Herr Vorsitzender Berger 
beklagt das Fehlen eines kommunalen Bauamtes, wodurch 
alle Bauten verzögert würden. Es fehle an geeigneten 
Beamten. Es sei Platz und Geld für den Bau der Bade 
anstalt vorhanden, es fehle nur der tüchtige Baumeister, 
der die Sache in die Hand nehme. Er schlage vor, direkt 
beim Grmeindevorstand die Errichtung einer Badeanstalt 
zu beantragen. Im Verlauf der weiteren Diskussion 
bringt Herr Malermeister Schölzel Mißstände am Platze 
an der Kaisereiche zur Sprache. Seit Wochen liegen dort 
Steine angefahren und hindern den Verkehr. Die Straßen 
bahngesellschaft habe zur Herstellung der ganzen Strecke 
in der Saarstraße nicht so lange gebraucht, als die 
Gemeinde zur Herstellung des Platzes an der Kaisereiche. 
Der Verkehr dort sei direkt lebensgefährlich. Die Straßen 
bahn fahre so nahe am Platze vorbei, daß es ihn wundere, 
daß noch kein Unglück passiert sei. Eine Entfernung der 
Steine müffe unbedingt erfolgen, was der Bürger nicht 
dürfe, das dürfe doch auch die Gemeinde nicht machen. 
Schließlich wurde beschloffen, beim Gemeindevorstande eine 
ausführliche Petition um schleunige Errichtung einer 
Badeanstalt einzureichen. Unter Jnteressenfragen empfahl 
Vorsitzender den Mitgliedern, auch Gebrauch von den 
Vergünstigungen zu machen, die den Mitgliedern durch 
Abschluß eines Vertrages mit der Stuttgarter Versicherungs 
gesellschaft gewährt werden. Herr Leo Schultz führte 
dann noch Klage über die ungenügende Besprengung der 
Straßen und der Bäume. Besonders die Bäume in der 
Rheinstraße verlieren dadurch jetzt schon ihr Laub. Nach 
dem weitere Fragen nicht gestellt wurden, konnte die 
Versammlung gegen 11 Uhr geschloffeu werden. 
f Parochialverein. Eine Leseprobe für das am 
4. Oktober erstmals zur Aufführung gelangende Schau 
spiel „Maria" von Will-Miltenstein fand gestern Abend 
im Hohenzollernsaale statt. Die Hauptrollen sind nun 
mehr verteilt und auch für die Volksszenen eine größere 
Anzahl Herren als Statisten gewonnen. Um jedoch diese 
Volksszenen wirkungsvoller erscheinen zu lassen, wären 
weitere freiwillige Anmeldungen immerhin erwünscht. Die 
Nächste Probe findet am Freitag statt. 
-j- Männer-Turnvereiu. Sonntag, den 24. Sep 
tember, Turnfahrt der 1. Schülerabteilung. Abfahrt 7.40 
vom Wannseebahnhof nach Wannsee. Marsch über Nikolsko«, 
Sakrow, Römerschanze, Nedlitz, Potsdam. Die Fahrkosten 
betragen 60 Pf., ein Teil derselben wird aus der Retzdorff- 
Stiftung gedeckt. Die Begleitung der Eltern ist sehr 
erwünscht, auch andere Gäste herzlich willkommen. 
-j- Der „Neue Frauenbund des Westens" 
nimmt mit dem Ablauf des Sommers seine Tätigkeit in 
vollem Maße wieder auf. Zweck und Ziel des Vereins 
sind, eine möglichst große Anzahl armer Kinder durch 
Verabreichen warmer Kleidungsstücke gegen die Unbilden 
des Winters zu schützen und ihnen ein fröhliches Weih 
nachtsfest zu bereiten. Damen, die Lust und Zeit haben, 
einige Stunden in der Woche für arme Kinder zu nähen 
oder zu stricken, sind herzlich willkommen. Ebenso werden 
noch irgenwie verwendbare Kindersachen, wie Stoffe, 
Schuhe u. dgl. — auch das Geringste — mit wärmstem 
Dank entgegengenommen. Nähere Auskunft wird täglich 
von 11—1 Uhr im Bureau des Vereins, Schöneberg, 
Stubeurauchstraße 4 I, erteilt. 
f Die Schuruckier'sche Villa in der Moselstr. 3 
wird nun auch bald verschwinden um einem großen, im 
modernsten Stile zu erbauenden Wohnhause Platz zu 
machen. 
t Der Sportpaek Steglitz hat für das große 
goldene Rad, welches am Sonntag, den 24. September er., 
zur Entscheidung kommt, ein Preisausschreiben Erlassen, 
für welches Barpreise von 100, 50, 30, 20, 5 mal 10 
und 10 mal 5 Mark, zusammen 300 M. ausgesetzt sind. 
Bekanntlich nehmen an dieser Konkurrenz Th. Robl, 
Demke, Günther und der Amerikaner Walthour Teil. .An 
dem Preisbewerb kann Jedermann sich beteiligen und aus 
Postkarten, die an den Sportpark Steglitz, Körnerstraße, 
zu richten sind, ist nur anzugeben, wer von den vor 
genannten vier Fahrern der voraussichtliche Sieger ist und 
in welcher Zeit der Sieger die 100 Kilometer-Sttecke 
beenden wird. Wer beide Fragen richtig erratet, oder der 
wirklich gefahrenen Zeit des Siegers am nächsten kommt, 
ist Gewinner des Preisbewerbes; alle Preise kommen 
bestimmt zur Verteilung. Für die Besucher des Goldenen 
Rades hat die Direktion des Sportparks auch eine Extra 
prämie in Gestalt eines vergoldeten Rades ausgesetzt, das 
demjenigen zufällt, dessen Programm-Nummer mit der 
Nummer übereinstimmt, die durch Treten eines Rades 
ermittelt wird. 
f Es Herbstelt . . . Wenn auch die goldene Sonne 
noch so lockt, man sitzt nicht mehr gern im Freien und 
Viele greifen schon zum Überzieher — es Herbstelt. Bei 
mehreren hiesigen Restaurateuren heißt es nun wieder: 
„August, trag' den Garten 'rein." Der ist jetzt in der 
Tat ein überflüssiges Möbel, denn hinter den tragbaren 
Spalieren von Epheu und wildem Wein hält sich kaum 
noch jemand auf. 
ff- Neue Kurse im Klavier-, Violinspiel und in der 
Theorie beginnen in Rudolf Haupt's Konservatorim, 
Hauffstraße 15, am 1. Oktober. 
ff- Orchesterverein -cs Westens. Morgen Abend 
9 Uhr beginnen im „Hohenzollern", Handjerystraße 64, 
die übungsstunden. Dieselben finden regelmäßig jeden 
Freitag statt. 
f Zum Wohnungswechsel. Inserate, die für 
den jeden Sonnabend erscheinenden „Wohnungsanzeiger" 
bestimmt sind, müssen spätestens Sonnabend, Mittags 
12 Uhr in unserer Geschäftsstelle eingeliefert sein. 
t Ein Zusammenstoß zwischen einem Lastwagen 
der Firma Fiebig in Schöneberg und einem von Steglitz 
kommenden Wagen der elektrischen Straßenbahn erfolgte 
gestern Abend x / 2 6 Uhr in der Friedenauerstraße, Ecke- 
Fregestraße. Der Fuhrknecht bog bei der Einfahrt in der 
Friedenauerstraße vorschriftsmäßig ein, konnte aber eine 
Kollision mit dem von Steglitz kommenden ^Straßenbahn 
wagen nicht mehr vermeiden. Durch den Zusammestoß brach 
die Deichsel des Wagens, die Pferde stürzten und wurden 
noch 4 Meter mitgeschleift, bis der Straßenbahnwagen zum 
Stehen gebracht werden konnte. Der Fuhrknecht und die 
Insassen des Straßenbahnwagens kamen mit dem Schrecken 
davon. Der Fuhrherr erleidet durch den Verlust der 
Pferde einen bedeutenden Schaden. 
Schöneöerg. 
— Zur Gemarkung Schöneberg gehört eine 
zwischen dem linken Spreeufer und dem durch seinen 
Schwimmsport bekannten Kochsee gelegene Enklave, die 
ein Areal von nahezu 45 Morgen umfaßt. Sie wird im 
Süden von der Gemarkung Charlottenburg begrenzt und 
stößt im Osten und Westen an zwei Wilmersdorfer En 
klaven. Die Berlin—Hamburger Bahn und der nach 
Westen führende Nordring durchschneiden das Gebiet. 
Dieses „Schöneberg an der Spree" bildet den letzten Rest 
der ehemaligen Bauernwiesen, die schon zu Anfang des 
17. Jahrhunderts Eigentum der Schöneberger waren. Ein 
Teil der Schöneberger Enklave befindet sich im Besitz des 
königlichen Kronfideikommiß, es ist dies das westliche, an 
den Kochsee grenzende *^nde des Schloßparks von Char 
lottenburg. Heute teilen sich außer der Krone und dem 
Eisenbahn- und Wasserbaufiskus noch sieben Eigentümer 
in den Besitz, zu ihnen zählen fünf alteingesessene Schöne 
berger Familien. 
Werlin und Wororle. 
8 Die Silberhochzeit des Kaiserpaares im 
Februar k. Js. hat, wie bereits mitgeteilt, den Berliner 
Magistrat in einer seiner letzten Sitzung beschäftigt. Der 
Stadtverordnetenversammlung ist nunmehr eine Vorlage 
zugegangen, in welcher der Magistrat der Versammlung 
vorschlägt, „wie bei ähnlichen Veranlassungen geschehen, 
über die anläßlich dieser Feier zu treffenden Maßnahmen 
in gemischter Deputation von 5 Magistratsmitgliedern und 
10 Stadtverordneten zu berathen." Der Magistrat ersucht 
die Versammlung, diesem Vorschlage zuzustimmen und 
seinerseits 10 Mitglieder für die Deputation zu ernennen. 
Über die Vorlage sowohl, wie über die Beratungen der 
gemischten Deputation wird zunächst natürlich Stillschweigen 
beobachtet werden. 
8 Die feierliche Grundsteinlegung zur dritten 
Kirche in der Gemeinde zum Heiligen Kreuz, Marheineke- 
platz 1—2, fand heute Vormittag statt. In Vertretung 
der Kaiserin war der Kammerherr von Veltheim beauf 
tragt. Außerdem wohnten der Feier bei Oberkonsistorial- 
rat v. Dömming, vom evangelischen Kirchenrat, der 
Präsident der königl. Ministerial-Militär- und Bau- 
Kommission Kayser, Konsistorialrat Crisolli, als Vertreter 
des königl. Konsistoriums Berlin Bürgermeister Dr. Reicke, 
Stadtschulrat Dr. Michaelis, die Stadtverordneten Esmann, 
Berger und Liebenow, sowie die Mitglieder des Gemeinde 
Kirchenrats und verschiedene Berliner Geistliche. 
Die Feier wurde eingeleitet durch das von der Kapelle 
des Alexander Regiments gespielte niederländische Dank 
gebet: „Wir treten zum Beten vor Gott". Nachdem hier 
auf der Kirchenchor den Psalm: „Jauchzet dem Herrn 
alle Weltl" und die Gemeinde den Choral: Lobe den 
Herrn" gesungen hatte, hielt Pfarrer Stage von der ersten 
Heiligen Kreuzkirche eine Ansprache. Kirchenältester Burg- 
hard verlas die Urkunde, worauf der Grundstein gelegt 
und durch den Generalsupecintendenten D. Faber geweiht 
wurde. Nach den üblichen Hammerschlägen sprach Super 
intendent Krüger Gebet und Segen. 
8 Für die Einkommensteuer-Veranlagungs- 
Kommisfion sind demnächst 21 Mitglieder und 25 Stell 
vertreter durch die Stadtverordneten - Versammlung zu 
wählen. Die Königl. Direktion für die Verwaltung der 
direkten Steuern hat den Magistrat ersucht, die Ergänzungs 
wahlen baldmöglichst zu veranlassen und dabei auf die 
Wahl von Restaurateuren und Bäckern, welche Branchen 
unter den vorhandenen Mitgliedern nur in geringerer 
Zahl vertreten sind, Bedacht zu nehmen. 
8 Die alte Kirche zum Heilige« Geist an der 
Ecke der Spandauerstraße und Heiligegeistgafle ist jetzt von 
beiden Seiten durch den Neubau der Handelshochschule 
vollständig eingebaut worden. In der Heiligegeistgasse 
schließt sich unmittelbar an das Gotteshaus ein runder 
Turm, der dieselbe Höhe wie dieses hat und gewisser 
maßen den Übergang zum Schulgebäude bildet. In der 
Spandauerstraße grenzt zunächst an die Kirche ein etwas 
zurücktretender zweigeschoßartiger Bauteil der Schule, der 
an der Nordwestseite, also etwas von der Kirche entfernt, 
von einem hohen viereckigen Uhrturm überragt werden 
wird. Dann folgt der dreigeschossige Hauptteil, der hier 
und bei der nach der Neuen Friedrichstraße zn gelegenen 
Front bereits seiner äußeren Vollendung entgegen geht. 
8 Eine uralte „Gate", die letzte in der Stadt, 
befindet sich, wie wenig bekannt sein dürfte, zwischen den 
Häusern Molkenstraße 1 und 2, nahe dem Molkenmarkt. 
Sie wird nach der Straße zu durch eine ziemlich hohe 
Mauer abgeschlossen, deren oberer Teil mit Ziegeln gedeckt 
ist und in der sich eine alte verschließbare Holztür be 
findet. „Gaten" waren im alten Berlin schmale Wege, 
die zwischen den Häusern frei blieben und nach und nach 
zu Gassen und Sttaßen erweitert wurden. „Gate" ist ein 
sehr altes Wort und mit „Gang" verwandt. Bereits im 
Gothischen findet es sich in der Form gatvö, das althoch 
deutsch gazza und später gasse lautete. 
Wilmersdorf. Zum 1. April n. Js. wird unsere 
Gemeinde wohl die Stadtrechte noch nicht erlangen. Diese 
Nachricht hat hier sehr verstimmt. Bekanntlich schweben 
seit längerer Zeit zwischen der Gemeindeverwaltung und 
dem Teltower Kreisausschusse über die Bedingungen des 
Ausscheidens aus dem Kreisverbande Verhandlungen, die 
sich außer auf die an den Kreis zu entrichtende Ab 
findungssumme auch darauf beziehen, daß die zukünftige 
Stadt mit dem Kreise betreffs des Teltowkanals und 
anderer kommunaler und wirtschaftlicher Anlagen und 
Einrichtungen eine Interessengemeinschaft bilden soll. Die 
Verhandlungen sind nun noch nicht soweit gediehen, daß 
ein baldiger Abschluß nnd demnach die Stadtwerdung 
bereits zu Ostern n. Js.- erfolgen können. — Eine Spar 
kasse wird unsere Gemeinde noch im Laufe dieses Jahres 
erhalten. 
Schmargendorf. Nach ministerieller Anordnung wird 
die neue. durch Wilmersdorf und Schmargendorf in den 
Grunewald führende und von der Kaiserallee in der Nähe des 
Joachimsthalschen Gymnasiums ausgehende Prachtstraße 
innerhalb der Gemarkung Wilmersdorf „Preußendamm", 
nicht „Hohenzollerndamm" wie zuerst verlautete, genannt 
werden. 
Lichterfelde. Unser Ort wird in nächster Zeit einen 
zweiten besoldeten Schöffen anstellen. Der alte Gemeinde 
friedhof, der noch bis vor einigen zwanzig Jahren mit 
seinen ein und einen halben Morgen genügte, geht als 
Begräbnisplatz ein und wird in einen öffentlichen Park 
umgewandelt. — Eine Viermillionlkn-Anleihe hat die Ge 
meindevertretung aufzunehmen beschlossen. Das Darlehen 
wird von der Kur- und Neumärkischen Ritterschaftsbank 
zum Tageskurse von 99,40 mit einer Verzinsung von 3 X / 2 
v. H., einem Amortisationssatze von 1 und einem Zuschuß 
von x / 10 v. H. zu deu Verwaltungskosten der Gemeinde 
gewährt. Die Hälfte der Summe dient zur Rückzahlung 
einer früheren, bei der Teltower Kreissparkasse aufge- 
nommenen Anleihe. 
Gerichtliches. 
P. Gin betrügerischer Auuoucen-Agent in derIPerson des 
Kaufmanns Paul Burtschick stand gestern vor der 2. Straslammer des 
Landgerichts. Gegen ihn war Anklage erhoben wegen Diebstahls, 
Betruges und Urkunden älschung. Bei dem Zeitungsverleger von 
Prollius war B. als Annoncenagent mit Provision angestellt. Im 
Zar uar dieses Jahres brachte B. dem v. P. einen Jahresauftrag über 
350 M. lautend angeblich von dem Friedenauer Bildgießer Hermann 
Noack aufgeben, der aber in Wirklichkeit gar keinen Auftrag gab. 
Ein aus dem Kontor des Noack herrührendes Formular soll B. ent- 
wendet haben, um den fingierten Auftrag glaubhaft zu machen. In 
Wirklichkeit wurde die Annonce betr. ein .Kaiser Friedrich-Denkmal' 
abgedruckt. AIS N. eine Insertions-Rechnung zugesandt erhielt, be 
anstandete er die verlangte Zahlung mit der Erklärung, er habe über- 
Haupt keinen Auftrag erteilt und auch gar keinen Bestellschein unter- 
schrieben, somit müsse die Unterschrift gefälscht sein. — Dem B. war 
vor der Strafkammer zur Last gelegt, daß er das Formular, auf 
welchem der gefälschte Bestellschein verfertigt word.n war, aus dem 
Kontor des N. gestohlen hrbe, als er in d.ffen Abwesenheit mit der 
Ehefrau N. verhandelte. Wegen Diebstahls konnte B. indessen nicht 
verurteilt werden, weil in dieser Beziehung der Beweis fehlte, daß das 
Formular wirklich auS dem Kontor d.s N. herrühre. Dagegen war 
klipp und klar die Urkundenfälschung durch Fälschung der Namens- 
unterichrift des N und ferner der Betrug durch Annahme der bei 
v. Prollius berechneten Provision erwiesen. Bon der Anklage des 
Diebstahls wurde B. freigesprochen, dagegen wurde er wegen Betruges 
und Urkundenfälschung zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. 
Vermischtes. 
* Ei« unhöflicher Konsul Im Staatsdepartement zu 
Washington sind aus Gothenburg (Schweden) Beschwerden gegen den 
amerikanischen Konsul Robert S. Bergh, daselbst, eingelaufen, weil 
dieser es verabsäumt haben soll, den König Oscar von Schweden 
gelegentlich des letzten Geburtstages des Monarchen die bei den Ver 
tretern auswärtiger Mächte übliche Ehrenbezeugung zu erweisen. 
Bekanntlich pflegen die Gesandtschaften und Konsulate am Geburts 
tage des Fürsten, bei dem sie accreditiert sind, über ihrem LmtS- 
gebäude die Flagge zu hifstn. Diese Regel internationaler Höflichkeit 
ist auch von allen Konsulaten Gothenburgs beobachtet worden, nur 
nicht vom amerikanischen. Erschwerend fällt dabei ins Gewicht, daß 
Konsul Bergh ein geborener Norweger ist und man daher als wahr 
scheinlichen Grund seiner Unterlassung angibt: er habe dadurch seine 
persönliche Mißachtung vor König Orcar dokumentieren wollen. In 
folge jener Beschwerden hat das Staatsdepartement den Herrn Be:gh 
zur Berichterstattung aufgefordert. 
* A« der Gerichtstafel z« Brrea (Kamerun) prangt ein: 
öffentliche Ladung des Kaiserlichen Odergerichls, nach welcher der 
Maschinenmeister Paul Fleischer aus Cyarlottenburg, zuletzt in Lome 
(Togo) wohnhaft gewesen, der Körperverletzung beschuldigt und in den 
Sitzungssaal des Kaiserlichen Bezirksgerichts in Lome geladen wird. 
Das Obergericht der Schutzgebiete Kamerun und Togo hat hier die 
Berufungsverhandlung auf den 15. Januar k. Zs., Vormittags 9 Uhr 
anberaumt; nach dem Gesetze kann auch zur Verhandlung geschritten 
werden, wenn Herr Fleischer aus Charlottenburg nicht erscheint. Die 
Ladung wird auch von der Regierung zu Potsdam veröffentlicht.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.