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Periodical volume Nr. 221, 20.09.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

und Schöneberg zeigen ganz enorme Bautätigkeit und 
nehmen Berlin von Monat zu Monat immer mehr Ein 
wohner weg. sodaß die Einwohnerzahl im alten Berliner 
Westen immer mehr zurückgeht. Selbst die Garten 
wohnungen können die Wirte im Westen nicht mehr an 
den Mann bringen, da die Vororte schon sehr schöne 
Vorderwohnungen für 500 M. anbieten. Während hier 
Berlin mit groben Wohnungen Konkurrenz gemacht wird, 
tun dasselbe die nördlichen und östlichen Vororte mit den 
kleinen Wohnungen. Hermsdorf, Waidmannslust, Tegel, 
Pankow bieten den Bewohnern des Nordens zu gleichen 
Preisen wie Berlin bessere Wohnungen an und der Zuzug 
nach den Vororten dauert an. So kann man auch jetzt 
schon im Wedding und Gesundbrunnen viel leere Woh 
nungen sehen und die Wirte müffen die Wohnungspreise 
herabsetzen. Allerdings macht sich augenblicklich schon in 
den Vororten ein Mangel von kleinen Wohnungen be 
merkbar, da hier zum größtenteil mittlere Wohnungen ge 
baut werden. Man hat deshalb jetzt auch wieder mit 
dem Bau von kleinen Wohnungen begonnen. In Fach 
kreisen nimmt man an, daß die Vororte jährlich von 
Berlin einen Zuzug von 80 bis 100 000 Mietern er 
halten, rekrutiert sich der gesamte Zuzug doch ausschließlich 
aus Berlinern. Berlin dagegen hat aus den Vororten 
fast gar keinen Zuzug und muß seine Reserven aus der 
Provinz holen, so wird es nicht lange mehr dauern und 
die Berlinern wohnen in den Vororten und in Berlin die 
aus der Provinz Hinzugezogenen. Bemerkenswert ist die 
schwache Bevölkerungszunahme Berlins seit dem Beginn 
des Jahres, sie beträgt nur 20000 Seelen. Zu beachten 
ist dabei allerdings die zunehmende Entvölkerung der 
City, wo ein Geschäftspalast nach dem anderen entsteht, 
während die früheren Bewohner größtenteils in den Vor 
orten Zuflucht gefunden haben. Daß bei diesen Um 
ständen Berlin, die alte Nährmutter, auf die Vororte, ihre 
ungeratenen Kinder, nicht gut zu sprechen ist, erscheint 
erklärlich. Berlin kann verlangen, daß ihre von ihr ab 
hängigen Beamten nicht stadtflüchtig werden und ihre Gelder 
Berlin zukommen lassen, verhindern kann es mit solchen 
Mitteln aber nicht den Aufschwung der Vororte. Gerade 
die Frage des Wohaungsmarktes ist für Berlin eine der 
großen Triebfedern mit den Vororten, nachdem der Zeit 
punkt der Eingemeindung verpaßt ist, einen Zweckoerband 
zu gründen, um durch die Vororte nicht allzusehr ge 
schädigt zu werden. 
-j- Gewerbesteuerwahlen. Der Herr Kreislandrat 
ladet die Gewerbetreibenden der 3. und 4. Gewerbesteuer 
klaffe zur Wahl der Mitglieder der Steuerausschüffe obiger 
Klassen nach dem Kreissitzungssaal, Viktoriastraße 18, ein 
und zwar für die 3. Klaffe am Freitag, den 29. September 
1905, Vormittags 10 Uhr, für die 4. Klasse an demselben 
Tage, Vormittags 11 Uhr. Es sind zu wählen für 
Klasse III 7, für Klasse IV 15 Mitglieder, außerdem für 
jede der beiden Klaffen eine gleiche Anzahl von Stell 
vertretern. Zur Teilnahme an den Wahlen berechtigt 
sind diejenigen Gewerbetreibenden, welche für 1905 in der 
betreffenden Klasse besteuert sind. Wählbar sind nur solche 
männliche Mitglieder der betreffenden Klaffe, welche das 
fünfundzwanzigste Lebensjahr vollendet haben und sich im 
Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befinden. 
-f Die neue Gruncwaldbahu. Ein interessantes 
Straßenbahnprojett beschäftigt unsere Nachbargemeinde 
Steglitz. In eigener Regie der Gemeinde soll eine 
Straßenbahn vom Steglitzer Bahnhof über Dahlem bis 
an das Gatter des Grunewalds gebaut werden. Trotz 
der ungewöhnlich ungünstigen Witterung der letzten 
Wochen sind die Bauarbeiten schon so weit gefördert, daß 
die Eröffnung des Betriebes für Mitte Oktober in Aussicht 
genommen werden kann; in der ersten Oktoberwoche 
sollen bereits die Probefahrten zwecks Einschulung des 
Betriebspersonals beginnen. Die Bahnanlage wird für 
Rechnung der Gemeinde Steglitz hergestellt und der 
Betrieb ist für die ersten 3^ Jahre an die Aktien-Gesell- 
schaft Siemens & Halske übertragen worden. Die zu 
eröffnende Steglitzer Straßenbahn wird auch dadurch 
besonders interessant werden, daß sie auf überaus solide 
und gediegene Ausführung des gesamten Unterbaues und 
alles benötigten Materials außergewöhnlich großen Wert 
legt. Die Wagen sind nach den neuesten Erfahrungen 
gebaut und mit elektrischer Heizung versehen. Im 
Sommer wird ein Anhänger als Sprengwagen so oft mit 
geführt werden, daß die Bahnlinie im Interesse der Fahr 
gäste und der Paffanten möglichst staubfrei bleibt. Unter 
bau und Maschinenmaterial sind derart ausgewählt, daß 
ruhiger und möglichst geräuschloser Gang gesichert ist. 
Man nimmt an, daß sich der Verkehr sehr schnell und 
stark entwickelt, so daß Zehnminutenverkehr und Zehn 
pfennigtarif sofort eingeführt werden kann. Das im Bau 
begriffene Depot der neuen Bahn befindet sich in der 
Nähe des Bahnhofs Steglitz. Am Endpunkte der Strecke, 
am Grunewaldgatter hinter Dahlem, wird eine entsprechend 
ausgestattete Wartehalle errichtet. Die Strecke erhält auch 
eine eigene Fernsprechanlage, sodaß mittelst tragbaren 
Sprechapparates von jedem beliebigen Punkte der Strecke 
mit den beiden Endpunkten gesprochen werden kann. 
t Aus dem Saulus ein Paulus. Herr Franz 
Schmidt, Niedstraße 28, versendet an die Hausbesitzer, selbst 
an solche, die sich niemals geweigert haben, an ihren 
Häusern Rosetten anbringen zu lassen, folgendes Hand 
schreiben: 
Da die Rosetten, welche das Elektrizitätswerk an Ihrem Hause 
anzubringen wünscht, weder Ihr noch die Interessen rer Mieter stört, 
die Aufstellung von Masten aber die Schönheit des Ortsbildes stark 
schädigen würde, so bittet der unterzeichnete Verein Sie, Ihre Ge 
nehmigung nicht zu ver agen; ohne sich zu schädigen, würden Sie dem 
allgemeinen Wohte dienen. — Haus- und Grundbesitzerverein, I. A. 
Franz Schmidt. 
Es lebe der Lokalpatriotismus! Wir können uns 
nur freuen über diese Gesinnungsänderung, denn Herr 
Franz Schmidt wird auch seine Genehmigung zur An 
bringung der Rosette gleichfalls erteilt haben. 
1° Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das 
in Friedenau, an der Stubenrauchstraße belegene, zur 
Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den 
Namen des Kaufmanns Leonhard Lind in Schöneberg 
eingetragene Grundstück am 5. Dezember 1905, Mittags 
12 Uhr, versteigert werden. Da8 Grundstück, Acker an 
der Stubenrauchstraße, ist mit 9S / 100 Taler Reinertrag zur 
Grundsteuer veranlagt. 
-j- Vergrößerung der Optischen Anstalt von 
C. P. Goerz. Die Firma hat im Laufe des ver- 
floffenen Jahres die Zahl .ihrer Angestellten auf 
etwa 1200 erhöht, wurde aber trotzdem so mit Auf 
trägen überhäuft, daß zu dem Ankauf zweier Grund 
stücke und zur Errichtung eines Neubaues geschritten 
werden mußte. Das .neue Gebäude ist im Rohbau bereits 
vollendet und wird, wie dies die starke Beschäftigung der 
Fabrik verlangt, sofort nach Fertigstellung voll in Betrieb 
genommen werden. 
f Gummimäntel für die Nachtwächter schlägt ein 
Mitglied unseres Leserkreises vor und dieses mit Recht. 
Die übrigen Polizeibeamten tragen bereits diesen Schutz 
mantel gegen die Unbilden der Witterung, warum sollten 
ihn nicht auch die Beamten, die Nachts dem Regen und 
im Winter dem Schnee ausgesetzt sind, erhalten. Vielleicht 
verhilft die Anregung unseres Abonnenten die Nacht 
wächter zu dem bedürftigen Gummimantel. 
-j- Bessere Straßenreinigung.e Die Anwohner 
der Saarstraße klagen über mangelhafte Straßenreinigung. 
Auch in der Rheinstraße wäre' eine bessere Reinigung 
am Platze. 
-j- Hoheuzolleru • Sfjeatev. Bei ausverkauftem 
Hause ging gestern das Schauspiel „Traumulus" von 
Arno Holz und Oskar Jerschke als Eröffuungsvorstellung 
über die Bretter. Die Direktion Behle hat sich auch in 
dieser Saison gut eingeführt. Die Wahl des Bühnen 
werkes war die denkbar beste. „Traumulus" ist eine 
Komödie, die uns in das moderne Leben hineinführt, in 
realistischer Weise den Zwiespalt eines Lehrers mit seinem 
Schüler vor Augen stellt und schließlich diesen durch Selbst 
mord enden läßt. Die beiden Autoreu haben wirklich mit 
meisterlichem Geschick ein Schauspiel verfaßt, das sich auf 
den deutschen Bühnen lange Zeit behaupten wird. Das 
Ensemble, unter denen wir viele Bekannte wieder be 
grüßen durften, hatte sich die Einstudierung offenbar sehr 
angelegen sein laffen, denn die Aufführung verdient nur 
volles Lob. Da war vor allem Herr Karl Heuser als 
Professor Dr. Niemeyer, ein prächtiger Schulmann ganz 
im Sinne der beiden Autoren. Mit ihm darf sich Herr 
Alwin Cordes in die Lorbeeren des Abends teilen, der 
als Kurt von Nedlitz aufs neue bewies, welch tüchtiger 
Künstler er ist. Auch die Herren Dallmann und Hermann 
waren ganz am Platze. Von den Damen sei in erster 
Linie Frl. Gertrud Treda genannt, in der wir eine 
talentierte Schauspielerin kennen lernten, die alles in sich 
vereinigt, um einer Leistung den erwünschten Erfolg zu 
verschaffen. Frl. Else Römer mimte ihre Rolle als Lydia 
Link mit der bei ihr bekannten Routine. Auch die übrigen 
Mitwirkenden verdienen nur Lob, sodaß die ganze Auf 
führung als äußerst gelungen bezeichnet werden kann. 
-j- Handels- und Gewerbeverein zu Friedenau. 
Wir machen auf die heute Abend stattfindende Monats 
versammlung aufmerksam. Zur Beratung kommen die 
gemeinschaftliche Reklame des Vereins und die Errichtung 
einer Badeanstalt. Der Beginn der Versammlung ist auf 
Abends 9 Uhr festgesetzt. Die Mitglieder werden in An 
betracht der wichtigen Tagesordnung ersucht, recht zahlreich 
zu erscheinen. 
-j- Gabelsberger Stenographenvereiu. In der 
letzten Monatssitzung referierte Vorsitzender Dr. Neupert 
über den Verlauf des VIII- Verbandstages des Steno 
graphenverbandes Gabelsberger der Provinz Brandenburg, 
der am 9. und 10. September in Frankfurt a. O. stattge 
funden hatte. Das Mitglied unseres Vereins, Herr Paul 
Goldmann, Kandidat des höheren Schulamtes hielt dort 
einen Vortrag über „die Stenographie und ihr Einfluß 
auf die Erziehung", der mit großem Beifall aufgenommen 
wurde. Nach dem Referate des Herrn Dr. Neupert über 
den weiteren Verlauf des Verbandstages wurden die ein 
zelnen Festlichkeiten im kommenden Winter besprochen. 
Am 16. Dezember feiert der Verein sein übliches Weihnachts 
fest und am 13. Januar sein 5. Stiftungsfest. Kommenden 
Sonntag veranstaltet der Verein einen Ausflug. Die Teil 
nehmer fahren um 2 Uhr 9 Min. nach Zehlendorf und 
begeben sich von dort nach dem Restaurant „Mutter 
Molchow". wo Kaffee getrunken werden soll. Bei 
günstiger Witterung! find für den Nachmittag verschiedene 
Belustigungen in Aussicht genommen, um am Abend sich 
wieder bei „Mutter Molchow" zu einer gemütlichen Kneip- 
tafel zu vereinigen. Schließlich sei noch darauf aufmerksam 
gemacht, daß auch der Gabelsberger Stenographenverein 
vom Oktober ab Unterricht abhält. Die Stenographie 
Gabelsberger findet, wie die Statistik nachweist, nunmehr 
auch in Norddeutschland von Jahr zu Jahr mehr Eingang; 
das System ist durchaus nicht schwerer erlernbar als 
andere Systeme, so daß es wirklich Gemeingut aller Ge 
bildeten werden kann. Herr Georg Lührs. Cranach- 
straße 25/26, Schriftführer des Vereins, gibt gerne nähere 
Auskunft hinsichtlich der abzuhaltenden Unterrichtskurse. 
-j- Unbeabfichtigte Schweiuevermehruug. Ein 
zuverlässiger Berichterstatter der „Nat.-Ztg." sendet eine 
humoristische Geschichte über die Schweine des Ministers 
v. Podbielski: 
Der Minister v. Podbielski besitzt in Dallmin eine große Schweine- 
züchterei. Mehr als 250 Mutierschweine sind dort -einem sogen. 
Meier überwiesen. Die Sauen befinden sich während der größten Zet 
des Jahres im Freien. Vor einiger Zeit geschah es, daß ein Sohn 
des Meiers bestürzt und atemlos diesen aussuchte und nur noch die 
Worte: .Ein Bär, ein Bär!" herausbrachte. Schließlich stellte sich 
heraus, daß ein mächtiger Keiler den Weg zu den Sauen gefunden 
hatte. Diese litßen sich die Werbungen des Keilers gefallen, der gar 
Nicht daran dachte, die Stätte wieder zu verlassen. Der dann be- 
nachrichtigte Oberförster war so grausam die Flitterwochen durch eine 
wohlgezielte Kugel zu stören und dem Schwarzkittel den Garaus zu 
machen. Jetzt ist die Herde um einige „Mischlinge" die Frischlingen 
ähnlich sehen, vermehrt worden. 
-j- Gestorben ist im Lichterfelder Krankenhause der 
Maurer Gustav Fenske, welcher am Sonntag in der 
Albrechtstraße in Steglitz unter einen Wagen der Straßen 
bahn geriet und schwer verletzt wurde. Einen erschütternden 
Eindruck machte es, als kurz nach dem Verscheiden des 
Unglücklichen der außerhalb wohnende Vater desselben 
erschien, um nach seinem Sohn zu sehen, den er nur noch 
als Leiche wiederfand. 
— Ordensverleihung. Die Erlaubnis zum 
Tragen des ihm verliehenen Ritterkreuzes des Königlichen 
Rumänischen Ordens „Stern von Rumänien" wurde dem 
Schriftsteller Lindenberg dahier erteilt. 
— Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das 
in Schöneberg, angeblich Prinz Georgstraße 7 auf den 
Namen der verwitweten Frau Emilie Henke, geb. Schroeder 
in Friedenau eingetragene Grundstück am 31. Oktober 
1905, Vormittags 11 Uhr, versteigert werden. Das 
Grundstück, Wohnhaus mit Seitenflügel, Quergebäude und 
Hofraum ist mit 8600 Mark Nutzungswert zur Gebäude 
steuer veranlagt. — Ferner soll das, angeblich Prinz 
Georgstraße 2, zur Zeit der Eintragung des Versteigerungs 
vermerkes auf den Namen des Kaufmanns Adolf Schinski 
zu Berlin eingetragene Grundstück am 12. Dezember 1905, 
Mittags 12 Uhr, versteigert werden. Das Grundstück ist 
mit 9700 Mark Nutzungswert zur Gebäudesteuer veranlagt. 
Wertin und Wororte. 
§ Personalnachrichten. Mit dem Anwachsen der 
Aufgaben der Medizinalstatistik scheint die Vermehrung des 
Personals der bei diesem Ressort des Kgl. Statistischen 
Landesamtes beschäftigten Beamten zusammenzuhängen. 
Wie wir hören, ist der Kreis-Assistenzarzt Dr. Stöltzing 
dem Statistischen Landesamte als Hilfsarbeiter bei der 
Medizinalabteilung vom Minister des Inneren überwiesen 
worden. — An Stelle des verstorbenen Baurats Leithold 
ist der Baurat Heydemann mit der Verwaltung der Kreis 
bauinspektion Berlin II beauftragt worden. — Der Pfarrer 
Martin Büttner an der Zwölf-Apostelkirche in Berlin ist 
zum Superintendenten der Diözese Friedrichswerder II er 
nannt worden. — Die Rechtsanwälte Hertwig-Charlotten- 
burg und. Friedrich Hoeniger-Verlin (II) sind jetzt in der 
Liste der Rechtsanwälte gelöscht. 
8 Mit der Aufstellung des Sarkophags ' für 
Kaiser Friedrich in der Grustkircye des neuen Doms ist 
jetzt begonnen worden. Vor dem Eingangsportal haben 
Zimmerleute ein starkes Gerüst aufgeschlagen mit 
dessen Hilfe das Kunstwerk in das Innere des Gebäudes 
geschafft wird. 
8 Die Tchmnckanlageu um das Märkische 
Museum, die bereits vor 2 Jahren angelegt worden find, 
haben sich nur kümmerlich entwickelt und machen einen 
recht trübseligen Eindruck. Man kann sich auch darüber 
nicht wundern, denn in unmittelbarer Nähe der einge 
pflanzten Bäume und Strauchgruppen lagern große Haufen 
von - Schlacke, Sand und Steinen, die natürlich der Vege 
tation im höchsten Grade hinderlich sind. Bei Bau des 
Museums ist alles noch beim Alten, d. h. es ist noch gar 
nicht abzusehen, wenn endlich einmal das Gebäude seiner 
Bestimmung übergeben werden kann. 
8 Ein neuer Mafsenabbrnch wird am 1. k. MtS. 
in dem Berliner Bankviertel stattfinden. Es fallen die 
Häuser Mauerstraße 25. 26, 27, 28, Französischestraße 1, 
2, 3, 4, 6 und Jägerstraße 74, 75 und 76. An ihrer 
Stelle wird ein Monumentalbau für ein großes Bank 
institut errichtet werden. 
8 Das älteste Haus der Blücherstraße, das die 
Nummer 66 trägt und in dem sich seit langer Zeit 
eine stadtbekannte Gastwirtschaft befindet, wird in kurzer 
Zeit abgerissen werden. Es stammt noch aus der Zeit, 
als die Blücherstraße „Pionierstraße" hieß und im übrigen 
fast unbebaut war. 
8 Die Werdersche Kirche, die wegen Erneuerungs- 
orbeiten im Innern längere Zeit geschloffen war, ist heute 
Vormittag wieder eröffnet worden. Es fand in dem 
festlich geschmückten Gotteshause die Einsegnung der 
Konfirmanden statt. Die Kirche hat u. a. eine vollständig 
neue Heizanlage erhalten. 
Wilmersdorf. Die Gemeindevertretung beschloß 
vorgestern dem in der Entwickelung begriffenen Reform- 
Realgymnasium nebst Realschule den Namen „Goethe- 
Schule" zu geben, und bewilligte für die Verstärkung der 
an der gleichen Anstalt bereits eingerichteten Lehrer- und 
Schülerbibliotheken die beantragten Mittel. Der alte Ge 
meindefriedhof an der Gasteiner- und Sigmaringenstraße, 
auf dem seit mehr als 20 Jahren Bestattungen nicht mehr 
erfolgt sind, wird zu einem über l 1 ^ Morgen großen 
öffentlichen Park ausgestaltet und dementsprechend gärtne 
risch ausgeschmückt werden. 
Gerichtliches. 
k. FuhnnauuSpech. Der Köpenicker Wäschereibefitzer Israel 
geriet am 27. d. I. in der Nähe der Ringbahnbrücke in eine Marsch 
kolonne der 4. Kompagnie des Eisenbahn-Regiments mit seinem 
Wäschewagen hinein. Anstalt sofort zu halten, setzte I. einigen 
Pionieren, die abkommandiert wurden, um das Pferd zu halten, 
tätlichen Widerstand entgegen, indem er die Soldaten mit der 
Peitsche schlug. Infolgedessen ließ' der Kommandoführer der Truppe 
den I. polizeilich feststellen. Vor dem Schöffengericht war I. s. Zt. 
angeklagt worden wegen Widerstandes, jedoch war Freisprechung 
erfolgt, weil die Angabe des I., daß er nicht die Soldaten, sondern 
sein Pferd schlagen wollte, glaubhaft erschien. Der Staatsanwalt 
legte gegen das freisprechende Urteil Berufung ein. Vor der Sträs» 
kammer des Landgerichts behauptete der Angeklagte, er sei ohne sein 
Verschulden in die Marschkolonne hineingeraten, als deren Spitze, in 
der Mitte der Straße marschierend, plötzlich eine Schwenkung nach 
rechts machte. Widerstand geleistet zu haben, bestritt I. Durch eineu 
Unteroffizier und zwei Mann von der 4. Kompagnie des genannten 
Tluppentells, die als Zeugen vernommen waren, erfolgte eme 
Widerlegung der Angabe des Angeklagten. ES wurde erwiesen, daß 
er mutwillig in die Marschkolonne hineinfuhr und dann tätlichen 
Widerstand geleistet hatte. Dem Antrage deS Staatsanwalts gemäß 
lautete das Urteil der Strafkammer unter Aufhebung des ersten 
Urteils auf l Monat Gefängnis. 
vermischtes. 
* Der Dichter Voileau pflegte sich, wenn er zu einer Gesell 
schaft geladen war, stets sehr frühzeitig — meist als der erste Gast 
— einzustellen. Als man ihn eines Tages fragte, warum er dies 
tue, entgegnete er lächelnd: „Aus Diplomatie, denn die Leute lieben 
es, während'der Zeit, in der jemand eine bereits versammelte Gesell 
schaft auf sich warten läßt, dem Abwesenden allerlei Fehler und Un 
tugenden anzudichten." Dout eomws ober nous!
        
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