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Periodical volume Nr. 218, 16.09.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Vorstand habe beschlossen, ssich mit einem Aufruf an diese 
zu wenden und sie zu bitten, daß sie genehmigen, daß die 
Rosetten angebracht werden. Er hoffe, daß dem Aufrufe 
Folge geleistet werde. Auch auf gärtnerischem Gebiete sei 
fleißig gearbeitet worden, Schillerplatz und Friedrich 
Wilhelm-Platz zeigen sich in schönem Blumenschmucke. 
Auch den Borgärten sei ein besonderes Augenmerk geschenkt 
worden, immerhin laffen aber noch einige Hausbesitzer hin- 
sichtlich der Pflege der Gärten viel zu wünschen übrig. 
In den Vorstand sei an Stelle des Herrn verstorbenen 
Rentier Warnke Herr von Wrochen gewählt worden. 
Herr Schwarzenberger habe seinen Austritt erklärt. Ueber 
einen eingegangenen Antrag auf Statutenänderung könne 
nur in der Generalversammlung beraten werden. Herr 
Bürgermeister Schnackenburg teile in einem Schreiben mit, 
daß zur Zeit 48 Häuser von den Nachtwächtern geschloffen 
würden, die Erlaubnis hierzu sei schon vor Jahren erteilt 
worden. Die Wächter erhielten für das Haus mit einem 
Treppenaufgang monatlich 1 M., mit 2 Treppenaufgängen 
1,60 M. Zwei Mitglieder habe der Verein während den 
Ferien durch den Tod verloren, die Herren Matschke und 
Klemme. Das Andenken derselben wird durch Erheben 
von den Plätzen geehrt. Neu aufgenommen wurden die 
Herren M. Dobert, Nany Wegner, Kaufmann Zuther, 
W. Obermeit, Grothe, Neuhaus, Albrecht, Maas, Geschwister 
Roenneberg, Dr. Dämmer, Gebr. Biedermann, Architekt 
Reinhardt, Baurat Krüger und Dr. Schulz. Als nächster 
Punkt der Tagesordnung kam sodann zur Beratung „An 
regung betreff die Einbeziehung Friedenaus in den Verkehr 
der behördlichen Aktenwagen". Herr Vorsitzender Lehment 
bemerkte hierzu, es sei ja bekannt, daß von den Behörden 
Aktenwagen gestellt werden, welche die Akten für die Be 
amten bis in das Haus bringen. In Betracht kämen vor 
allem die Herren des Gerichts, die sich zu Hause mit dem 
großen Aktenmaterial zu beschäftigen haben. Es erscheine 
als wünschenswert, daß die Aktenwagen auch nach Friedenau 
herausfahren, bisher gingen sie nur bis Schöneberg. Nun 
sei es natürlich, daß die Herren nur dort wohnen könnten, 
wohin der Aktenwagen fahre. Für das nächste Jahr sei 
eine neue Einteilung der Gerichte in Aussicht genommen, 
in die nächste Nähe Friedenaus nach Schöneberg komme 
ein Amtsgericht (1. Juni 1906) und zwar an den Wartburg 
platz. Aus diesem Grunde wäre es angebracht, wenn der 
Verein jetzt an die maßgebenden Stellen herantrete, vor 
allem einmal für die Gerichtsbeamten die Vergünstigung 
zu erhalten. Herr Schöffe Lichtheim begrüßt diesen Vor 
schlag, ist jedoch dasür, daß auch für die Beamten des 
Ministeriums und der anderen Ressorts in gleicher Weise vor 
gegangen werde. Herr Gerken unterstützt diesen 
Antrag. Herr Lichtheim schlägt weiter vor, auch 
den Gemeindevorstand zu veranlaffen, daß er in 
der Angelegenheit Schritte tue. In diesem Sinne 
faste die Versammlung auch Beschluß. Herr Architekt 
Ruhemann referierte hierauf über den Entwurf zur Ab 
änderung der Baupolizeiverordnung für die Vororte von 
Berlin. Der wesentliche Inhalt seiner Ausführungen deckt 
sich in der Hauptsache mit dem die gleiche Materie be 
handelnden Artikel in Nr. 211 unserer Zeitung, indem er 
ebenfalls die einschneidende Änderung des ß 13 (Vorgarten 
frage) hervorhob. Herr Vorsitzender Lehment dankte 
Redner für die trefflichen Ausführungen, an die sich eine 
Debatte nicht anschloß. Herr Kaufmann Franz Schmidt 
erbat sich sodann das Wort zu einer persönlichen Be 
merkung, da er sich eine Rechtfertigung hinsichtlich des von 
uns veröffentlichten Artikels „Lokalpatriotismus" schuldig 
zu sein glaubte. In längerer Ausführung, in deren 
Verlauf er mit Klagen wegen Verleumdung drohte, ver 
suchte er, den Sachverhalt zu widerlegen. An der Materie 
selbst, daß er tatsächlich von vornherein gegen Anbringung 
der Rosetten gewesen und auch bis heute noch keine 
Genehmigung erteilt habe und daß er tatsächlich 10 Mark 
Konventionalstrafe gefordert habe, konnte er allerdings 
nichts ändern. Die Vesammlung hörte teilnahmslos die 
Schmerzeri des Schmidt an und ging ohne Debatte zur 
Tagesordnung über. Im Fragekasten fand sich die Frage 
vor, ob es der Verein in Anbetracht der Fleischnot und 
Fleischteuerung mit seinen Satzungen vereinbar hält, dem 
Gemeindevolstande zu empfehlen, daß er sich an einem ab- 
Stolzes, Freies aber zugleich etwas Abweisendes, wie Girolamo 
fühlte. „Mein Traum soll Wahrheit werden," sagte er ent 
schieden. „Sie soll aufs neue anfangen zu leben und ihr 
Leben wird keinen Inhalt haben, der mir frenid oder hinder 
lich wäre. Sie braucht nichts zu vergessen und ich werde 
von nun an ihr Leben ausfüllen. Es wird mir gehöreu, niein 
sein, ich werde sie führen und leiten, nichts braucht ausgelöscht 
oder bekänipft zu werden —" 
„Höre auf, Ercole! Sie wird vielleicht niemals wieder 
eines geistigen Lebens fähig sein. Wolltest Du Dich an eine 
schwachsinnige Frau binden? Du, dessen Geist so rege —" 
„Ist er rege, so genügt er für uns beide und ich, glaube 
mir, Girolamo, ich werde nichts entbehren. Geduldig wie eine 
Mutter werde ich ihre Schritte lenken, werde ihr Lehrer, 
Freund und —" Ercoles Stimme hob sich und unwillkürlich 
preßte er Girolamos Hand fester — „Gatte sein. Sie soll 
alles nur, mir allein zu danken haben, denn ich will sie, der 
mein Herz vom ersten Augenblick an zu eigen war, mit unlös 
lichen Banden an mich fesseln." 
Eine leise Enttäuschung regte sich in Girolamo. Die so 
jäh und überwältigend entkeimte Leidenschaft hatte alles andere 
in Ercole ausgelöscht, was schon als ernste Mahnung an ihn 
herangetreten war. Ein Recht, gegen des Freundes Willen zu 
reden, hatte er nicht, er sagte nur eindringlich: „Nicht, bevor 
ihr Geist hinreichend erwacht ist, um zu wissen, was sie tut, 
was Du verlangst." 
Unwillig schüttelte Ercole seinen Kopf, seine Augen blitzten. 
Konnte Laveggi glauben, er werde so unedel handeln. „Nicht, 
bevor ich ihr Herz errungen habe, sie mir angehören will, und 
dann wird sie erwachen." 
Girolamo schwieg, er durfte nichts mehr sagen. Er sah, 
Ercole streckte seine Hand nach dem Glück aus, das seine 
Seele für sich verlangte; vielleicht machte er sich dadurch ganz 
frei. Das Gefühl, es sei seiner unwürdig, noch länger in 
kindischer Abhängigkeit fortzuleben, mußte jetzt aufwachen, so 
konnte es nicht weiter gehen. 
* * * 
(Fortsetzung folgt.) 
zuhaltenden Städtetag beteilige. AuS der Versammlung 
wurden verschiedene Ansichten laut. Herr v. Wrochem 
glaubt, daß sich der Verein wohl der Sache annehmen 
könne, es sei ihm dadurch Gelegenheit gegeben, zu zeigen, 
daß er nicht nur die Jntereffen der Hausbesitzer, sondern 
auch der Mieter vertrete. Herr Gerken ist ebenfalls 
dafür, daß der Verein sich der Sache annehme. Herr 
Franz Schmidt kann an eine Fleischteuerung nicht 
glauben, das Fleisch sei nicht teurer als vor 30 Jahren, 
es werde nur mehr gegessen. In Österreich (Böhmen) 
koste das Pfund Schweinefleisch 98 Pf. (Doch wohl nur 
Heller. D. R.), sei also ebenso teuer, wie in Deutschland. 
(Zuruf: Hier kostet es 1 M. 20 Pf.) Der Verein habe 
kein Recht, darauf anzugehen. (Herr Franz Schmidt ver 
dient für seine Ausführungen, daß er vom Landwirtschafts 
minister recht bald einen Orden erhält. D. R.) Herr 
Baumeister Graßmann tritt den Ausführungen des Herrn 
Schmidt in äußerst sachlicher Weise entgegen. Herr Gerken 
bemerkt in humoristischer Weise, daß man doch nicht mehr 
mit den Mägen von vor 30 Jahren zu rechnen habe. 
Herr Hofrat Franzelius glaubt nicht, daß das Öffnen der 
Grenzen die Fleischteuerung beseitigen würde. Für die 
Gänse seien die Grenzen nicht geschlossen und doch seien 
sie im Preise gestiegen. Herr Baurat Krüger verspricht 
sich von einem Vorgehen des Vereins nichts, in Österreich 
sei das Fleisch ebenso teuer. Herr Gerken bemerkt, außer 
Österreich gebe es ja auch noch andere Länder, aus denen 
Fleisch eingeführt werden könnte, z. B. Dänemark und 
Holland. Er beantrage, den Gemeindevorstand zu ersuchen, 
in angebrachter Weise an leitender Stelle die Sache zur 
Sprache zu bringen. Herr Schöffe Lichtheim führt 
Herrn Baurat Krüger gegenüber aus, daß er in den letzten 
Wochen in Salzburg und Tirol gewesen sei, er habe fest 
gestellt, daß das Fleisch dort überall um 10 bis 15 Pfg. 
billiger gewesen sei als hier. Der Antrag des Herrn 
Gerken fand sodann Annahme. Als weitere Frage fand 
sich im Fragekasten: Der Gemeinde Friedenau fehlen ein 
Park und schöne Spaziergänge. Könnte nicht auf irgend 
eine Weife eine Verbindung mit dem Schöneberger Park 
durch Unterführung der Ringbahn geschaffen werden? In 
der Aussprache wurde ausgeführt, daß eS in Friedenau 
doch nicht an schönen Plätzen und Anlagen fehle und daß 
eine Unterführung der Mngbahn in der Fortsetzung der 
Lauterstraße ein zu kostspieliges Projekt sei. Schluß der 
Sitzung gegen 11 Uhr. 
-j- Der Jmkerverci» Kreis Teltow hält am 
Sonntag, den 17. d. Mts., Nachmittags 4 Uhr im 
Restaurant Hennig, G.-Lichterfeide, feine Wandervrrsamm- 
kung ab. Tagesordnung: Abrechnung über die Honig 
lotterie; Bericht iiber die Ausstellungen in Danzig und 
Stuttgart; Vortrag des Herrn Kantor Lichterfeld-Grotz- 
Beeren über: „Die Einwinterung der Bienen"; Bereins- 
angelegenheiten. 
-f Eine Kantine errichtet die Firma C. P. Goertz 
für ihre Arbeiter. Der Bau der Kantine ist bereits soweit 
vorwärts geschritten, daß sie in den nächsten Tagen dem 
Betriebe übergeben werden kann. 
f Wechsel in der Schriftlcitnng der Mit 
teilungen des Evangelischen Bundes für die 
Provinz Brandenburg. Herr Professor W. Schmidt, Ring 
straße 47, ist nachdem die Schriftleitung der Mitteilungen 
des Evangelischen Bundes für die Provinz Brandenburg 
8 Jahre in seinen Händen gelegen, von dieser zurückge 
treten. Die neue Schriftleitung hat Herr Oberlehrer Bahr, 
Schöneberg, übernommen. 
f Viel des Schönen und Wonnigen ist jetzt 
trotz des nahenden Herbstes noch in der Natur zu finden. 
Die Blüten des Lenzes sind zu Früchten gereift und 
winken glänzend und verlockend von den Zweigen. Die 
Kühle der Herbsttage bringt angenehme Frische und 
Rührigkeit in die von der Sonnenhitze ermatteten unb er 
schlafften Glieder und jedes Blümchen, das einsam am 
Wege blüht, jedes Fleckchen Grün fteut uns doppelt, da 
bald das Ende aller Herrlichkeit naht. Duftige Marien 
fäden schweben durch die klare Luft, und der Lerche 
jubelndes Trillern klingt entzückend selbst noch über den 
Stoppelfeldern. Die Natur ist ja immer schön, immer 
bewunderungswert, ob im Blütenduft des Lenzes, im 
Sonnenglanze des Sommers, im Früchtereichtum des 
Herbstes oder in der weißen gewaltigen Majestät des 
Winters! Glücklich die Menschen, welche ein Auge, welche 
Sinn und Herz für die tausendfachen Reize der Natur 
haben, welche zu würdigen und zu faffen verstehen, was 
das große reiche All bietet an wechselndem Zauber und 
verschwenderischer Fülle! Darum noch jetzt in den Tagen 
des Scheidens und Sterbens der sommerlichen Herrlichkeit — 
hinaus ins Freie und der Natur volle Bewunderung gezollt! 
Der Verein Fraueu-Erwerb (E. V.) eröffnet 
seinen diesjährigen Vortrags-Zyklus im Bürgersaal des 
Berliner Rathauses mit einer Vorlesung von Paul Oskar 
Hoecker aus eigenen Werken, Dienstag, den 19. September, 
Abends 8 Uhr. Das Programm lautet: I. „Ihr Roman", 
Novellette, „Die Lichter", Plauderei; II. „Im Warte 
zimmer", Skizze, „Der gute Kerl", Humoreske. Ein 
ladungen durch die Zentralstelle des Vereins, Berlin W 15, 
Lietzenburgerstraße 13, 2—4 Uhr. 
t Der Sportpark Steglitz hat sich veranlaßt 
gesehen, um den vielfach ausgesprochenen Wünschen nach 
einem Platz mittlerer Preislage (zwischen Sattelplatz und 
Stehplatz) gerecht zu werden, einen Kurvenplatz an der 
Nordkurve der Rennbahn anzulegen, für den inkl. der 
Billetsteuer Mk. 2,50 erhoben werden. Was die Kon 
kurrenz im kleinen goldenen Rade (1 Stunde) und im 
großen goldenen Rade (100 Klm.) betrifft, so ist die 
Direktion bemüht, nur tüchtige Fahrer an den Start zu 
bringen, die in letzter Zeit gutes geleistet haben und dem 
Publikum spannende Kämpfe bieten werden. 
Erntefest. Die Laubenkolonie Wiesbadener-, 
Ecke der Rheingaustraße feiert morgen ihr diesjähriges 
Erntefest. Der rührige Wirt Herr Grube sorgt aufs beste 
für Speise und Trank. 
Grammophon-Konzert. Ein Grammophon- 
Konzert mit auserwähltem Programm findet heute abend 
im Saale des Restaurants „Hohenzollern" statt. 
t Fuhrmann, Walde - Sänger. Im Kaiser 
Wilhelmgarten gastieren heute Abendjsbei vollständig neuem 
Programm die so beliebten Führmann, Walde - Sänger. 
Wir können den Besuch der Vorstellung nur angelegentlichst 
empfehlen. 
f Für Varleteefrennde. Im Schöneberger Winter- 
garten finden alltäglich Vorstellungen statt, die den allge 
meinen Beifall des stets zahlreich anwesenden Publikums 
finden. Was dort geboten wird, kann den Anspruch auf 
Kunst machen, mögen die einzelnen Darbietungen nun 
auf gesanglichem oder artistischem Gebiete liegen. Auf 
vielseitiges Verlangen mußteu einige Künstler des ersten 
Programms prologniert werden. Der geschmackvoll aus 
gestattete Theatersaal befindet sich Golzstraße 9 und ist 
mit Linie v. der elektrischen Straßenbahn von hier in 
15 Minuten zu erreichen. 
Schöneöerg. 
— Der Wahl-Ausschutz des Schöneberger Haus 
und Grundbesitzervereins, hat in seiner letzten Sitzung 
folgenden Beschluß gefaßt: „Bei den bevorstehenden Stadt- 
verordneten-Wahlen haben die Vereinsmitglieder im all 
gemeinen für die Wiederwahl des bisherigen Stadtver 
ordneten einzutreten. Eine Ausnahme hiervon sollen nur 
diejenigen Kandidaten bilden, die sich als Feinde der 
heutigen Gesellschaftsordnung und der berechtigten Jnter 
effen der Grundbesitzer erwiesen haben." 
— Die Trauerfeier für den verstorbenen Direktor 
der Großen Berliner Straßenbahn Moritz Marhold fand 
gestern unter Teilnahme von etwa 3000 Leidtragenden 
auf dem Straßenbahndepot in Schöneberg statt. 
— Firmenlöschung. Die unter Nr. 11084 einge 
tragene Firma Joseph Felix Keklerhof in Schöneberg ist 
gelöscht. ‘ 
Berlin und Wororle. 
8 Landtags-Ersatzwahl. Für den verstorbenen 
Anwalt der deutschen Gewerkoereine Dr. Hirsch, der im 
Abgeordnetenhause den Wahlbezirk I Berlin (linkes Spree- 
ufer, untere Stadt) vertrat, hat der Ober-Präsident sveben 
die Termine der Ersatzwahl anberaumt. Danach werden 
die Wahlmänner-Ergänzungswahlen am 5. Dezember und 
die Wahl des Abgeordneten am 12. Dezember d. I. statt 
finden. Zmn Wahlkommiffar ist der Stadtschulrat 
Dr. Gerstenberg, zu seinem SteÄvertreter der Stadtrat 
Kalisch, beide in Berlin, ernannt worden. 
8 Die neue Thabor-Kirchsu-Gemeinde hat num 
ihren „Parochicck-Regulierungs-Plan" erhalten, der bis zum 
15. Oktober d. I. wochentäglich vo« 10 bis 2 Uhr im 
Zimmer 2 des Kgl. Konfistoriums, Schützensttaße 26 pari., 
zur öffentlichen Einsicht ausliegt. Einwendungen gegen 
den Plan können gehörig legitimierte Beteiligte hier 
schriftlich oder zu Protokoll erheben. Die Grenzen der 
neuen „selbständigen,, patrvnatsfreien, evangelischen Kirchen 
gemeinde" — die Thabor-Kirche liegt am>Görlitzer Ufer — 
sind wie folgt in Aussicht genommen: Westlich: Von der 
Spree durch die Bevern- und Oppelnerstraße bis zum 
Schnittpunkt der Wiener- und LiegniArstratze; südlich: 
von der Wienerstraße bis zur Weichbildgrenze: östlich 
und nördlich: Bis zuv Spree. Es werden zwei Pfarrstellen 
errichtet werden. 
8 Ei« wichtiger Gedenktag in der Berliner 
Theatergeschichte ist der heutige 16. September. Genau 
vor 50 Jahren, am 16, September 1855, eröffnete Franz 
Wallner in der „Grünen Neune", Blumenstratze Nr. 9, 
das „Königstädtische Vaudeville-Theater", das er von 
Theodor Kerf übernommen hatte und das- unter deffen 
Leitung zu keiner Blüte gelangen konnte/. Auch Franz 
Wallner ging es zuerst herzlich schlecht, denn die ersten 
Vorstellungen fanden fast vor leeren Bänken statt. Erst 
nach und nach wurde das Publikum daraus aufmerksam, 
was in dem im Aeußern wie im Innern wenig ein 
ladenden Theater draußen in der Blumenstraße geboten 
wurde. Dazu trugen vor allem die vorzüglichen Kräfte 
bei, über die Franz.Walluer verfügte. Außer seiner Gattin 
Frau Agnes Wallner waren es besonders Karl Helmer 
ding und Theodor Reusche, sowie später Anna Schramm, 
die bald durch ihre urwüchsige Komik die erklärten Lieb 
linge der Berliner wurden. Aber noch eine andere Per 
sönlichkeit wußte. Wallner an sein junges Institut zu 
fesseln, es war dies kein geringerer als David Kalisch, der 
Vater der Berliner Poffe, dessen erste größere Arbeit „Der 
Aktien-Budiker" am 9. Juli 1856 unter Wallners Leitung, 
in Bouchös Sommergarten aufgeführt wurde. In diesem 
Garten, der neben der „Grünen Neune'" lag, hatte sich 
Wallner ein Sommertheater bauen laffen. in dem während' 
der heißen Jahreszeit gespielt wurde. Im Winter fanden- 
die Vorstellungen nach wie vor in d« „Grünen Neune" 
statt, wo nach und nach -von Kalisch „Der gebildete Haus 
knecht", „Berlin, wies weint und lacht.",, „Otto Bellmann!', 
„Kriselack und seine Nichte vom Ballet" und andere Pofftzn 
gegeben wurden. Am 30. November 1864 fand die letzte 
Vorstellung in der „Grünen Neune" statt und am 
3. Dezember 1865 wurde in Gegenwart des Konigspaares 
und des Prinzen daS neue Wallu«»theater, das heutige 
Schillertheater O-, eröffnet, das sich auf dem Gelände von 
Bouchös Sommergarten erhebt. 
8 Der monumentale Bau der Korsischen 
Oper am Weidendamm wird jetzt vom Baugerüst befreit. 
Das schöne Gebäude, das von einem hohen weithin sicht 
baren Bühnenhause überragt wird und eine prachtvolle 
mit eigenartigem Schmuck versehene Sandsteinfaffade hat, 
gereicht der Gegend zur großen Zierde. 
8 Die SpirituS-Glühlichtlaterueu, die seit vielen 
Jahren den Ostrand des Tiergartens von der Lennüftraße. 
bis zur Charlottenburger Chaussee erhellten und kürzlich 
durch elektrische Bogen- und Nernstlampen ersetzt worden 
sind, werden jetzt herausgenommen und nach dem äußersten 
Westen des Tiergarten in die Umgegend des Zoologischen 
Gartens versetzt. Hier, auf der Grenze von Berlin und 
Charlottenburg brennt noch eine ganze Anzahl, von 
Petroleumlaternen, die man immer noch an der Peripherie 
der Stadt findet und die dann nach und nach eingezogen 
werden.
        
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