Path:
Periodical volume Nr. 273, 20.11.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Gleichzeitig Organ für den ßriedenaner Grtsteil von Schöneberg nnd den Bezirkrverein Süd-West. 
Unparteiische Zeitung für Kommunale 
Bezugspreis 
bei Abholung aus der Expedition, Rhein- 
ftraße 15,1,20 M. vierteljährlich; durch Boten 
inS Haus gebracht oder durch die Post be 
zogen 1 M. 50 Pf., monatlich 50 Pf. 
Bestellungen 
in der Expedition, bei sämtlichen Zeitungs- 
spediteuren und Postanstalten. 
Fernsprecher: Nr. 129. 
Erscheint täglich abends 
Ses»ndere 
Jeden Mittwoch: 
WiHbtcrtl „Seifenblasen". 
Druck und Verlag von 
Leo Schultz in Friedenau. 
und bürgerliche Angelegenheiten. 
Erscheint täglich abends 
Beilagen 
Jeden Sonnabend: 
Mlättev für deutsche Krauen. 
Verantwort!. Redakteur: 
Leo Schultz in Friedenau. 
Sl «zeigen 
werden bis 1 Uhr mittags angenommen. 
Preis der 5 gespaltenen Zeile oder deren 
Raum 25 Pf. 
Die Reklaniezeile kostet 60 Pf. 
Anzeigenannahme 
in der Expedition, Rheinstraße 15, sowie 
in allen Annoncenexpeditionen. 
Fernsprecher: Nr. 129. 
Ur. 217. 
Friedenau, Freitag den 15. September 1905. 
12. Iahrg. 
Pepeschen. 
Kassel. Eine zahlreich besuchte öffentliche Versamm 
lung verschiedener Parteien erklärte sich im Gegensatz zu 
einer Resolution des Hauptredners, Reichtagsabgeordneten 
Lattmann, mit großer Mehrheit für die unbedingte 
Öffnung der Grenzen. 
Mährisch-Szörrberg. Der Kassierer der Olleschauer 
Papierfabrik hat sich erschaffen. Der Direktor ist flüchtig. 
Es sind Unterschlagungen in Höhe von 2 Millionen 
Kronen aufgedeckt worden, die sich auf 20 Jahre verteilen 
und durch falsche Bilanzen verdeckt wurden. 
Budapest. Der heutige Tag verspricht sehr erregt 
zu werden, besonders vor dem Parlament. Schon um 
7 Uhr morgens wird die gesamte Arbeiterschaft Budapests 
und der Umgegend vor das Parlament ziehen, da heute 
in allen Fabriken und Werkstätten die Arbeit ruht und 
auch die Straßenbahn fast den gesamten Betrieb einstellt, 
überdies werden auch mehrere tausend Anhänger der 
Koalision vor das Parlament ziehen. Da man dort einen 
Zusammenfluß von etwa 100 000 Menschen erwartet, 
werden überaus umfaffende polizeiliche Maßregeln ge 
troffen, besonders um einen Zusammenstoß zwischen 
Sozialisten und der Koalition zu verhindern. Welchen 
Verlauf die Sitzung nehmen wird, läßt sich nicht voraus 
sehen. Vor der Sitzung wird der Präsident eine Depu 
tation der Koalitionsanhänger empfangen, sowie eine 
Deputation der Sozialisten und der neu organisierten 
Sozialisten, welche eine mit 800 000 Unterschriften bedeckte 
Petition für das allgemeine Wahlrecht überbringen. 
Monteleone. Zu der Erdbebenkatastrophe wird 
noch berichtet: Was bis jetzt gedruckt ist, kann unmöglich 
den Eindruck der tristen Wirklichkeit wiedergeben. Wort 
und Bild genügen nicht. Mehrere Ortschaften müssen von 
Grund aus neu aufgebaut werden. Die Verzweiflung der 
Bewohner ist grenzenlos. Telegraphisch ist es unmöglich, 
alle Einzelheiten aufzuzählen. Der Sanitätsdienst ist noch 
in den Anfängen. In einzelnen Ort hat die Brotver- 
letlung und der Barackenbau begonnen. In Monteleone 
sind jetzt 5 Bataillone Infanterie und Pioniere ange 
kommen. Die Bevölkerung ist freudig gerührt, weil der 
gesamte Rettungsdienst in einer Hand, der des Generals 
Lamberti konzentriert ist. Gestern erfolgten noch zwei 
leichte Stöße, die stellenweise Panikszenen erregten. 
Kraka«. Bei einer Automobilfahrt in der Hohen 
Tatra stürzte der Gefängnisdirektor Tollan mit seinen 
beiden Söhnen an einer Wegebiegung den Abhang 
hinunter. Die drei Insassen sind lebensgefährlich verletzt, 
das Automobil ist zertrümmert. 
Petersburg. Das armenische revolutionäre Komitee 
in Moskau hat eine Proklamation erlassen, worin die 
Studenten der Universität zu einer bewaffneten Erhebung 
aufgefordert werden. 
Einer Statistik zufolge sind im Laufe des April und 
Mai d. I. in Rußland 115 Attentate gegen Beamte aus 
geführt worden; in 42 Fällen sind die Opfer, darunter ein 
Gouverneur, auf der Stelle gelötet warben. In 68 Fällen 
wurden die Opfer verwundet und nur 5 kamen unver 
sehrt davon. 
Paris. Witte wird seine Anwesenheit in Paris auch 
zu Pourparlers über eine neue russische Anleihe benutzen. 
Das „Petit Journal" meldet aus Petersburg, daß 
am Hofe ein freudiges Ereignis bevorstehe. Seit einigen 
Tagen empfange die Kaiserin die Besuche ihres Leibarztes 
täglich, auch weile eine Geburtshelferin ständig im Schlosse. 
London. Der Schwimmer Burghes, dessen Versuch, 
den Kanal zu durchschwimmen, scheiterte, teilt mit, daß er 
am Montag bei günstigem Wetter seinen Versuch wieder 
holen werde. 
Tiflis. Neue Verstärkungen sind nach Baku abge 
gangen. Der Gouverneur hat aus Elisabethpol weitere 
Truppen verlangt angesichts des Ernstes der Lage. Eine 
Deputation von Einwohnern hat ebenfalls sofortige Maß 
regeln erbeten, um ein neues Blutvergießen zu verhindern. 
Die Revolutionäre haben eine Proklamation erlassen, 
welche zur allgemeinen Erhebung infolge der Ereignisse 
der letzten Zeit auffordert. 
Neuyork. Komura hat sich etwas gebessert, sodaß 
Takahira sich entschlossen hat, auf seinen Washingtoner 
Gesandtenposten zurückzukehren. Gestern traf im Hotel für 
Komura ein Telegramm seiner Gattin ein, worin diese 
sich nach seinem Befinden erkundigt. Durch dieses Tele 
gramm wird die Nachricht eines -römischen Blattes von 
der Ermordung der gesamten Familie Komuras in Tokio 
wiederlegt. 
Ein Telegramm aus Viktoria meldet, daß dort Nach 
richten eingetroffen seien, wonach die Chinesen in der 
Provinz Schantun einen Aufstand gegen die Deutschen 
vorbereiten. Jede Familie soll aufgefordert worden sein, 
je einen Krieger zu stellen, dessen Ausrüstung durch eine 
Subskription gestellt wird. Mehrere Tausend Männer 
sollen bereits für diese Erhebung bereit stehen, deren 
Beginn auf den 16. September festgesetzt sei. 
Tokio. Der russische und der japanische Kommissar, 
welche mit der Festsetzung der Bedingungen des Waffen 
stillstandes betraut sind, sind gestern Nachmittag zusammen 
getroffen und sind dahin übereingekommen, daß die 
Feindseligkeiten in der Mandschurei vom 16. d. M. ab 
eingestellt werden. Auch die neutrale Zone, welche keine 
der beiden Armeen betreten darf, wurde zwischen den 
vorderen Linien der Russen und Japaner festgesetzt. Beide 
Armeen haben bis Morgen Mittag Zeit, um sämtliche 
Truppen hiervon in Kenntnis zu setzen. 
In der Eingemeindungsfrage der Wororle 
gab der Antrag des Stadtverordneten Wallach in Berlin: 
„Die Versammlung ersucht den Magistrat, mit ihr in ge 
mischter Deputation zu beraten, welche Mittel und Wege 
geeignet sind, die Forderungen der Vororte abzuwehren 
und in ihren pekuniären Folgen für Berlin unschädlich zu 
machen" Veranlassung zu einer längeren Aussprache mehrerer 
Stadtverordneten, wobei vielfach die Ansicht auftauchte, daß 
Berlin „den Anschluß verpaßt" hätte. Wichtig war zum 
Schluß die Rede des Oberbürgermeister Kirschner. Da 
bekanntlich Friedenau s. Zt. an der großen Ein 
gemeindung mit beteiligt war, ist die Rede des Ober 
bürgermeisters sehr interessant und wird unsere Mitbürger, 
was innerhalb der letzten 10 Jahre in der EingemeinduNgs- 
frage sich abgespielt hat, sehr interessieren. 
Es ist notwendig, so führte der Herr Oberbürgermeister aus, die 
Frage zu diskutieren: wer ist eigentlich daran schuld, daß die Ein 
gemeindungsfrage ins Stocken gekommen ist. Für die außenstehende 
Kreise ist es notwendig, da die Behauptung aufgestellt ist, daß die 
Stadt Berlin, wenn nicht allein, so doch vorzugsweise die Schuld 
trägt, die Sache klarzustellen. Das, was der Stadtv. Singer ange- 
führt hat, ergibt, daß mr Zeit, als die Verhandlungen schwebten, 
Differenzen über den Umfang der Eingemeindung bestanden. (Sehr 
richtig!) Die Stadtverordnetenvesiammlung und auch die Regierung 
wünschten eine Eingemeindung in einem weiteren Umfange, als schließlich 
der Magistrat sie ins Auge fasten konnte. Aber der Umstand, daß 
damals keine Einigkeit über den Umfang war, ist nicht daran schuld, 
daß überhaupt keine Eingemeindung stattfand, sondern die Regierung 
hat die Eingemeindungsfrage in jedem Umfang überhaupt damals 
ruhen laffen, uns sogar auf unser Ersuchen die Gründe dafür nicht 
angegeben und späterhin die Stellung eingenommen, daß sie über- 
Haupt eine Eingemeindung in irgend einem erheblichem Umfange 
nicht wünscht. Also die Sache liegt so: Dieselbe Kgl. Staats- 
regierung, die die Eingemeindung in einem großen Umfange als not 
wendig darstellt und verlangt hatte, dieselbe Kgl. Staatsregierung 
hat die Verhandlungen über die Eingemeindung abgebrochen und 
schließlich verhindert. Noch eine Tatsache kann ich anführen, die 
meines Erachtens ausschlaggebend ist. Bor zwei oder drei Jahren ist 
der Magistrat mit der Eingemeindung einzelner Gemeinden vor 
gegangen. M. H., ich bin auch heute der Überzeugung, daß das der 
richtige Weg gewesen ist, daß die ganze Eingemeindungsfrage zum 
großen Teil daran gescheitert ist, daß man auf einmal die Lösung mit 
einer ganzen Reihe von Nachbargemeinden herbeiführen wollte, 
während bei den Verhandlungen mit jeder einzelnen Gemeinde schon 
Schwierigkeiten entstanden. Die betreffenden Gemeinden waren 
bereit, in Verhandlungen einzutreten, sie sind «der durch Verfügungen 
der Aufsichtsbehörde gehindert worden, diese Verhandlungen wckter 
fortzusetzen. (Hört! Hört!) M. H. Ich für meine Person fühle mich 
in dieser Beziehung ganz schuldlos, denn die Sache, liegt der Zeit, 
wo ich einen wesentlichen Einfluß auf die Verhältniffe noch gar nicht 
ausüben konnte. Aber wenn man objektiv die Dinge betrachtet, so 
ist eS richtig: Durch die Verhandlungen im Schoße der städtischen Be- 
Hörden ist die Sache so lange verzögert worden, bis im Ministerium 
ein Wechsel eingetreten war, (sehr wahr! bei den Soz.h welcher das 
Ministerium zu einer anderen Haltung brachte. Hätte die Stadt- 
gcm inde zur Zeit zugegriffen, so wäre die Sache wahrscheinlich zu 
eiuem Abschluß gekommen. (Stadtv. Singer: Na also!) Insofern ist 
richtig, daß der richtige Zeitpunkt verpaßt wurde- (Sehr wahr!) 
Man kann billiger Weise nicht unerwähnt laffen dabei, daß die Frage 
einer so umfaffendeu Eingemeindung eine so bedeutende ist, daß es 
wohl naturgemäß ist, wenn die städtischen Behörden in dieser Be- 
ziehung nicht kurzer Hand ja sagten und im Laufe der Beratungen 
die Ansichten der einzelnen gewechselt haben. Wenn man aber ab- 
gesehen davon die Frage auswirft: wer hat die Eingemeindung tat 
sächlich verhindert, so steht meines Erachtens die Stadt Berlin schuld 
los da, und es hat niemand das Recht zu sagen, die Stadt- 
gemeinde hätte schließlich nicht die Bereitwilligkeit gehabt, auf 
diese Frage einzugehen. (Sehr richtig!) Der Stadtv. Singer hat 
dann angeregt, indem er auf die Eingemeindung vorläufig ver 
zichtet, es mochte der Magistrat in einer schnelleren und energi 
schen Weise den Anregungen nachgeben, die ihm von der Stadt 
verordnetenversammlung in der Errichtung von Zweckverbänden auf 
bestimmten Gebieten geworden sind. Meine Herren, das entspricht 
nicht den Tatsachen. (Sehr richtig!) Die Stadtverordnetenversammlug 
hat solche Anregungen an den Magistrat nie gelangen lasten. (Sehr 
richtig!) Der Stadtv. Singer verwechselt die Stadtverordneten- 
Versammlung mit einzelnen Mitgliedern. Für den Magistrat können 
nur die Beschlüße der Versammlung maßgebend sein und die in dieser 
Gesagtes Spiel. 
Roman von H. von Schreibershofen. 
14. (Nachdruck verboten.) 
Wir Erden alles aufbieten. Sie bei uns willkommen zu 
Men. Es würde Ihnen dort gefallen, o gewiß, es »st, sehr 
chön bei uns. Vielleicht," Gabriel: ergriff tu gut gespielter 
eidenschaftlicher Aufwallung die Hand der Marchefa und zog 
ie an seine Lippen, indeni er flüsterte, „vielleicht bleiben S 
jann für inmier da." Tief aufatniend sah er ste M endlich an. 
Sie neigte das schöne Haupt und ihre dunklen Augen 
uhten mit eigentümlichen durchdringenden Bück aus ihm. L 
°ar, als wollte sie in den TwseniencerSe^lAen Doch 
ne Tiefe, die sie suchte, fand sie nicht, ^hr Blick Ml tnyt 
lber ihn hinweg, als sic antivortete: „Wir werden sehen. 
Mit sehr befriedigtem Gefühle ging Gabriel: davon. 
Zetzt mußte sein Vater ihn loben, er hatte mehr getan, alv er 
elbst für möglich gehalten. b fc{)cn * 
Die Marchefa aber wiederholte: „Wir werocn Mtu. 
reizte sie die Vorstellung, dein Grafen dort entgegen zu 
reten, wo ihm eine Verstellung doppelt Nwierrg sem mußte 
oo sie ihn auf Schritt und Tritt an Cstella erinnern uno 
hn jede Minute beobachten konnte. 
Kapitel 6. 
Der Früblinq hatte seinen verspäteten Einzug gehalten 
mb die ^de schnell mit verschwenderischer Pracht geschmückt. 
>eder Tag brachte neue Wunder, neues Grün, neue Bluten. 
Äderchen Fruchtbäumen hing es wie em Glanz von zahlt 1 
euchtenden weißen und rosa Blüten und alle wetteiferten, Duft 
» spenden. Wohin das Auge blickte, schimmerte zartev, sr'schev 
Grün, legte sich wie ein durchsichtiger.Schleier über die ver 
witterten, grauen Felsen und bedeckte die braune Erdkrume 
wie mit einer Sammetdecke. Die Feigen und Kastanien ent 
falteten ihre großgczacktcn Blätter, an besonders geschützten 
Plätzen bildeten sogar die Rosensträucher schon Knospen, gelbe 
und rote Anemonen wiegten sich im Winde und blaue Veilchen- 
augen sahen schüchtern unter den runden Blättern hervor. 
Selbst die Hütte der alten Fortunata, Lippones Großniutter, 
sah weniger baufällig und altersschwach aus unter den grünen 
Ranken der Schlingpflanzen, die vom Dache herab hingen 
und wie ein Feenmantel alle Schäden, alles Unschöne zu 
deckten. Und am tiesblaucn Himmel zogen leichte weiße Wolken 
hin, zart und durchsichtig, „wie Engelsflügel", sagten die 
Küstenkinder. 
Steinmann hatte sich überzeugt, daß Fortunata das wollene 
Hemd, sein Geschenk an Lippone, wirklich trug. Nicht zum 
Schutz gegen die Kälte, nur zum Schmuck, als einen Zierrat, 
der ihr altes Herz erfreute. Vergebens hatte er versucht, ihr 
den Zweck des Hemdes klar zu machen, schließlich aber gelacht 
und es aufgegeben. „Nun, alte Dame, die Hauptsache ist bic- 
Freude daran, der Nutzen ist hierzulande sehr häufig Neben 
sache; ich füge mich." 
Und dann hatte er die unvergleichliche Aussicht be 
wundert. In gleicher Höhe wie das Kapuzinerkloster, doch 
jenseits des Felsengratcs, durch den sich die neue Fahrstraße 
einen Tunnel gebohrt, lag das Häuschen wunderbar schön. 
Das hellgrüne Meer warf leise murmelnd seine langen Wogen 
an das Felsgestade. In heuchlerischer Sanftmut, wie Stein 
mann meinte. Nichts erinnerte an die Sturmnacht, in der 
die rollenden, zornigen Wellen ihren Gischt bis hier herauf 
geschleudert hatten, an die Nacht, die der Villa Noverdo den 
schönen, geheimnisvollen Gast gebracht. 
Es war nicht allein die Neugier, wie Fortunata das 
Geschenk Steimnanns angewendet, die den Teutschen her 
untergeführt. Er war überzeugt, Lippone könnte Licht in 
die rätselhafte Angelegenheit der schönen Fremden bringen. 
Zweifellos hatte er die beiden jungen Männer mit Absicht 
nach der Teufelsschlncht gelockt, und vielleicht wußte die Alte 
durch ihn davon. Lippone selbst hatte sich weder im Kloster 
noch in der Villa kürzlich sehen lassen. Auch nicht bei seiner 
Großmutter, wie sie behauptete, seit er nach Sorrent gegangen 
war, um Gismonda zu besuchen. 
„Nach Sorrent!" rief Stcinmann überrascht aus. „Was 
treibt er in Sorrent?" 
Die alle Fortunata kicherte vor sich hin. „Er wird 
wiederkommen, wenn er Lust hat und sein Geld zu Ende ist. 
Es gibl ihm niemand-dort Geld." 
Steinmann erfuhr nichts weiter von der Alten und mußte 
Girolamo Recht geben, der ihn ausgelacht über die Idee, durch 
Lippone Ausschluß über die Fremde zu erhalten. „Und könnte 
er etwas sagen über ihr Hierherkommen, ja auch über ihre 
Vorgeschichte, zu ihrer Heilung könnte cs schwerlich beitragen. 
Wir müssen jetzt nur suchen, sie herzustellen." 
„Und ihr den Verstand wieder zu geben," hatte Stcin 
mann hinzugesetzt. 
Girolamo hatte genickt, ja darauf kam alles an. Das 
Gift, das man ihr beigebracht, hatte ihr Leben, dank der 
rechtzeitigen Hilfe, nicht zerstört, wohl aber hatte es ihren 
Geist umnachtet. Es konnte auch noch übergroße Schwäche 
sein, mit der Zeit konnten sich die Nerven niehr und mehr 
erholen und das Gedächtnis wieder erwachen — vielleicht. 
Sie hatte sich unter der veränderten Behandlungsweise 
Laveggis schon erholt, die Kräfte kamen zurück, sie konnte 
aufstehen, und Dona Nicolctta stellte bereitwillig ihre ganze
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.