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Periodical volume Nr. 283, 02.11.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

f Der Bau des Friedenaner Güterbahuhofes 
an der Rembrandtstraße ist jetzt soweit gediehen, daß man 
sich schon ein Bild der gesamten Anlage machen kann. 
Die Böschungen sind zwischen Brücke und Menzelstraße 
abgetragen und das Terrain des Bahnhofes geebnet worden, 
eine gepflasterte Straße zieht sich zwischen Brücke und 
Menzelstraße zwischen den Geleisen hin. Die Zufahrt er» 
folgt an der Menzelstraße, wo bisher der Kohlenplatz 8 lag. 
In der nächsten Zeit wird bereits mit dem Bau der 
StationS- und Lagergebäude begonnen werden. 
-j- Zeitungsbestellung bei den Briefträgern. 
Auf Anregung der Postbehörde weisen wir unsere 
Abonnenten bei dem bevorstehenden Quartalswechsel 
wiederum auf die postalischerseits getroffene Einrichtung 
hin, daß die Zeitungsgelder von den Briefträgern, welche 
zur rechtsgiltigen Quittungsleistung ermächtigt sind, ein 
gezogen werden können. Eine weitere Bequemlichkeit liegt 
für das Publikum darin, daß die Einziehung der Zeitungs 
gelder bei Neubestellungen schriftlich beantragt werden 
kann. Man wirft nur einen Benachrichtigungszettel in 
den nächsten Briefkasten und am nächsten Tage erscheint 
der Briefträger zur Entgegennahme der' Bestellung und 
Abholung des Geldes. Kosten entstehen durch dieses Ver 
fahren nicht. 
-j- Soziale Fürsorge. Sämtliche Arbeiter der 
Optischen Anstalt C. P. Goerz Akt.-Ges. erhalten einen 
achttägigen Urlaub und zwar vom 17. bis 24. d. M. bei 
voller Lohnzahlung. Die in den einzelnen Abteilungen 
der Reparaturen wegen zurückbleibenden Arbeiter bekommen 
als Entschädigung den doppelten Lohn. Die Beamten 
haben bereits alle ihren 14tägigen Urlaub absolviert. 
Dieses Entgegenkonimen gegenüber den Angestellten kostet 
der Firma ca. 35 000 M. Das Vorgehen der welt 
bekannten Gesellschaft verdient volle Anerkennung und 
kann zur Nachahmung auch für kleinere Geschäfte nur 
empfohlen werden. 
t Niesenbirnen. Auf Dahlemer Gebiete konnte zu 
Beginn dieser Woche eine Birne mit dem respektablen 
Gewichte von 610 Gramm geerntet werden. Immerhin 
ein hübsches Gewicht von 510 Gramm zeigt eine Birne, 
die gestern hier auf einem Grundstücke der Niedstraße 
gepflückt wurde. 
t Der Engpaß in der Saarstratze In der 
Saarstraße begegneten sich gestern ein Wagen der elektrischen 
Straßenbahn und ein Möbelwagen. Ein Ausweichen war 
unmöglich. Schließlich blieb nichts anderes übrig, als 
daß die Elektrische zurückfuhr, damit der Möbelwagen an 
der Brücke ausweichen konnte. Gewiß keine dem Verkehr 
entsprechenden Zustände bei der jetzigen Umzugszeit! 
f Fortbildung für Damen In der gegen 
wärtigen Zeit, in der den Frauen das Studium einiger 
Fächer erlaubt ist, fehlt es diesen oft an den Vorkennt- 
niffen im Lateinischen und in der Mathematik: ebenso not 
wendig und wichtig sind diese Kenntniffe aber auch für 
die Erzieherinnen und selbst für die künftigen Mütter. 
Die Erzieherin, die meist auf dem Lande in Familien tätig 
ist. muß dem Lehrer weichen, sobald für die Knaben 
Unterricht in den beiden erwähnten Fächern notwendig 
wird. Könnte sie aber denselben erteilen, so würde sie 
neben dem Vorteil, in den ihr liebgewordenen Verhält 
nissen zu bleiben, auch den eines höheren Gehaltes haben. 
Die Mutter aber, die ihrem Sohne helfend und ratend 
bei seinen Schularbeiten auch in den genannten wichtigen 
Fächern zur Seite stehen könnte, würde von ihm mit ganz 
besonderer Hochachtung angesehen werden. Alle diese 
Gründe haben die Schulvorsteherin Fräulein Lucie Kühne 
in Steglitz, Lindenstraße 31, bestimmt, vom Oktober an in 
den Räumen ihrer Anstalt einen Nachmittagskursus für 
Latein und Mathematik einzurichten, an dem Damen und 
junge Mädchen teilnehmen können. Anmeldungen zu dem 
selben werden in den Sprechstunden der Vorsteherin, von 
12—1 und 4—5 Uhr entgegengenommen. 
t Septemberwind. Wild und frei streicht er über 
die blauen Berge, durch das einsame Tal und die licht 
gewordenen Baumwipfel,' lose Blätter wirbeln vor ihm 
her, glitzernder Mariensommer zieht auf seinen Fittichen 
mit ihm. Sein Athem ist herb geworden, die Blumen 
zittern vor ihm und halten ihre flatterigen, welkenden 
Blüten fester, um noch wenige Stunden spätsommerlicher 
Schönheit zu retten. So manche der bunten Kelche haben 
sich erst aufgetan, uneingedenk, daß der Sommer versunken 
ist, — und die Vogellieder verhallt sind; nun sehen die 
blassen Spätlinge bang über die leeren Hänge und der 
Wind saust frisch und scharf daher, eine Winterahnung 
Sammetllcid verstreut waren. Amathrffte von seltenem Feuer 
und ungewöhnlicher Größe funkelten in ihrem Haar und 
schmückten Hals wie Arme. Die Aiarchesa war schön und 
sie war sich dessen ganz bewußt, als sie Graf Gabricli entgegen 
trat. Tic ältere Dame, die sie der Welt wegen bei sich hatte, 
war diskret genug, sich in die entfernteste Ecke zurück zu 
ziehen, wo sie sich in einen englischen Roman vertiefte. 
Die Aiarchesa sprach mit dem jungen Grafen, der sich in 
ihrer Nähe, unter ihrem Blicke verwirrte, von dem Verluste, 
dc>r seine Familie erlitten. „Aber ich bin weit mehr zu be 
klagen, denn ich habe eine Schwester, eine Herzensfreundin 
verloren. Sie nur eine Verwandte, deren Tod Ihr Leben 
nicht vereinsamt. Sie entbehren nichts," rief sie aus und in 
ihrer Stimme bebte tiefer Schmerz. 
„Man hatte uns für einander bestimmt," antwortete er 
leise und zeichnete niit der Spitze seines Fußes die Blumen 
des Teppichs nach, ohne aufzusehen. 
Die Aiarchesa zog den Handschuh ab, den sie noch trug 
und nickte. „Ja, auch ist es möglich, daß Sie darauf ein 
gegangen wären, doch Gräfin Estclla nicht, wie Sie wissen." 
Er schwieg und sah starr zu Boden. „Woran ist sie so plötzlich 
gestorben? Ich habe noch immer nichts Näheres darüber er 
fahren können." 
Er sah zur Seite. „Es war durchaus nicht plötzlich, wir 
fanden sie seit lange schon verändert und der Arzt kam häufig, 
um sie zn beobachten." 
»Aber ich hatte noch kurz zuvor Briefe von ihr, die von 
keinem Unwohlsein sprachen. Im Gegenteil, sie erzählte mir 
von Ausflügen —" 
»Sie ging herum," sagte Gabrieli schnell, „auch ich hätte 
sie kaum für krank gehalten, doch mein Vater war besorgt 
und ließ den Arzt kommen." 
mit sich tragend. Die scharlachnen Korallenbüschel der 
Ebereschen tanzen auf und nieder, in den langsam sterben 
den Zweigen rauscht und knistert es. Jedes Blättchen 
wehrt sich gegen das Scheidenmllffen — der Himmel ist 
so tief und klar, Tag um Tag steigt die leuchtende Sonne 
auf und lächelt über all das Blühen und Glühen. Reich 
und bunt, farbensprühender als selbst der Hochsommer, 
verschimmelt es von allen Wegen und Siegen. Der 
flüchtige Sommer ist weitergewandert, aber das satte, reife 
Gold der Ähren, der dunkle Purpur sonnenheißer Trauben, 
die Smaragdfarbe üppiger quelldurchrieselter und blumen- 
durchwirkter Wiesenflächen ist zur Stunde noch der Erde 
geblieben und sie träumt wie ein törichtes Kind, daß es 
so bleiben müßte. Wie eine sorglose Hand mit Schätzen, 
so spielt der Septemberwind mit diesem letzten Schmuck 
den die Welt angetan hat, hier eine Blüthe knickend, die 
müde geworden ist, ohne daß sie selbst es wußte, da ein 
Zweiglein niederwirbelnd, das an Knospen dachte. Wo 
es dahingeflogen ist, wirds leerer und stiller, nur auf dem 
Boden liegt es wie ein vielfarbiger Teppich, raunt und 
klagt in letzter, heißer, machtloser Sehnsucht. Mit ihm 
möchten sie flattern, obwohl er sie vom Stamme gerissen 
hat, all die kleinen bunten, totgeweihten Blätter, durch 
die warmen Lüfte wirbeln, bis hinzu den seligen Stätten, 
wo die Sonne niemals untergeht, die Märchen schauen, 
die er ihnen vorgesungen hat, in langen duftigen Sommer 
nächten. Sie steigen und flattern, wie flügelwunde Vögel, 
aber er nimmt sie nur zum Spiel auf seine Flügel und 
fegt sie mit sich, bis er sie wieder abschüttelt, daß sie 
müde am Wege liegen bleiben, mährend er hinausstürmt 
wild und frei in alle Weiten. Und hinter ihm kommt 
das bange Dunkel des Herbstes und der Winter mit seinen 
klirrenden Ketten. 
-j- Die Schwalben find in diesen Tagen fort 
gezogen, d. h. mir befinden uns in der melancholischen 
Zeit des allgemeinen Abschieds. „Wenn die Schwalben 
heimwärts zieh'n". Diese traurige Melodie summt jetzt 
durch die ganze Natur. Nun leidets auch die andern 
Zugvögel nicht mehr bei uns, der große Winterrückzug ist 
angetreten, es wird immer öder. Nun verlassen uns die 
Staare, Lerchen, Bachstelzen, Drosseln, Goldammern, Rot 
schwänzchen, Sperber, Bussarde, Kibitze, Schnepfen, Haus 
rötlinge, Taucher, Rotkehlchen; von letzteren überwintern 
auch einige bei uns, wenn sie geschützte wärmere Stellen 
in der Nähe der Häuser und Nahrungsplätze merken. 
Dagegen nehmen bei uns vorübergehenden Aufenthalt 
Drosseln aus dem Norden und vom Norden rücken noch 
zu uns Goldhähnchen, Finkmeisen, Zwergfalken, nordische 
Möwen, Wildenten, Bussarde. Unsere Standvögel kommen 
aus dem Walde in die Dörfer.^ Der Wald wird ganz 
einsam. 
-j- Schülerwanderungen. Der Bund für Jugend- 
Wanderungen „Alt-Wandervogel" veranstaltet in diesen 
Herbstferien wiederum 15 verschiedene mehrtägige Wande 
rungen in die schönsten Teile Deutschlands. .Die dififu'iit' 
Beteiligung, welche die in den Samntt- Pfingst- und 
Osterferien veranstalt-r^p Fahrten aufwiesen und sich fast 
auf 600 Schüler belief, läßt hoffen, daß auch in der be 
sonders zum Wandern geeigneten Herbstzeit recht viele 
Eltern ihren Söhnen dieses harmlos jugendliche Ver 
gnügen gestatten werden. Die Teilnahme ist jedem 
Schüler einer höheren Lehranstalt gestattet. Ausführliche 
Programme versendet kostenlos eanä- phil. E. Anklam, 
Berlin N. 20, Stettinerstraße 52. Von dort werden auch 
Zettel für die allsonntaglich stattfindenden Halbtages- und 
Tageswanderungen versandt. 
t Nobl In der Mornmsenstratze. Liebings 
Kinematograph hat seit gestern eine ganz besondere Zug 
nummer. Die erste der Lokalaufnahmen wurde gezeigt 
und zwar das Eröffnungs-Rennen auf dem Steglitzer 
Sportpark vom letzten Sonntag. Die Bilder, die als ge 
lungen zu bezeichnen sind, wurden von den zahlreichen 
Zuschauern mit großem Interesse verfolgt. Es berührt so 
recht eigenartig, Vorgänge mittels Kinematograph wieder 
gegeben zu sehen, die man selbst erlebt hat. Der Besuch 
des Theaters kann nur angelegentlichst empfohlen werden. 
t „Frische Wurst" giebts wieder, das besagen die 
mit weißer Schürze behängten Stühle vor den Restau 
rationen und Schlächterläden. Von ersteren läßt sich's 
wieder der „olle ehrliche Seemann", Herr Wilhelm 
Hegert, Roenneberg-, Ecke Handjerystraße, angelegen 
sein, den Freunden delikater frischer Blut- und Leber 
wurst das Beste zu bieten, ebenso auch Herr 
Robert Raabe, Rheinstraße 36, dessen hausschlachtene 
Die Marchcsa beugte sich vor und sah den jungen Mann 
fest an. „Bitte, wie starb sie und wie — wie sah sie aus als 
— als Leiche?" Ihre Lippen zitterten. 
Gabrieli rieb sich verlegen die Hände. „Ich — ich habe 
sie nicht gesehen." 
„Was!" rief die junge Frau ans, so erstaunt und zugleich 
so entrüstet, daß Grabrieli ganz erschreckt anssah. Ein' un 
bedeutendes unentwickeltes Gesicht, schlaffe Züge ohne Kraft 
und Energie. „Und Sie wollen Estella geliebt haben und 
konnten es über sich geunnnen, keinen Blick mehr auf die zu 
werfen, deren Hand Sie begehrten!" Welche Verachtung in 
den Worten! 
„Ich bürste es nicht, der Ansteckung halber, nian schloß 
den Sarg sofort und — es hat sie niemand mehr sehen 
dürfen," stammelte Gabrieli. 
Der Anstandsdame laute Atemzüge verrieten, daß das 
Buch sie nicht mehr fesselte; es mar auf den Teppich ge 
glitten, ihre Hände lagen gefaltet in ihrem Schoß, sie störte die 
Unterhaltung" nicht. 
„Aber wer war denn bei ihrem Tode zugegen? Sie 
werden doch Ihre zukünftige, oder erhoffte Braut nicht ganz 
allein gelassen haben!" ries die Marchcsa mit blitzenden Augen. 
Welche Mittel hätte der Gras di Bogn wohl angewendet, um 
Estclla, ein Mädchen voller Geist und Leben, diesem nichts 
sagenden, schwachen Menschen anzuverloben! 
Er war eingeschüchtert, sie sah es. „Gewiß nicht! Ter 
Arzt, zwei Pflegerinnen und mein Vater waren um sie", 
sagte er ängstlich. 
Die Aiarchesa brach plötzlich in Tränen aus. „O ich 
hatte sie so lieb, und daß Sie so glcicbgiltig und ruhig davon 
reden können, ist mir entsetzlich! ^ie können Estella nicht ge 
liebt haben, nein, Sic haben nichts für sie empfunden." 
Wurst uns als vorzügliche bestens bekannt ist. Für 
Deckung des größten Bedarfs in und außer dem Hause 
haben beide Quellen gesorgt. 
f Entgleisungen der Elektrischen Straßenbahn 
kamen gestern Nachmittag und heute Vormittag wiederholt 
in der Kaiserallee nahe, dem Friedrich Wilhelmplatz vor. 
Die Wagen sprangen beim Übergang aus dem neuen auf 
das alte Geleise. Hoffentlich wird diesem gefährlichen 
Mißstand auf irgend eine Weise in Bälde abgeholfen. 
ch Die Leiter deS Restaurant „Roland", Rhein 
straße 28, die Herren Schultz und Zitzmann, ersuchen unS, 
mitzuteilen, daß sie mit dem von unS in der Mittwochs 
nummer unseres Blattes- publizierten Artikels „Die Rache 
des Kellners" nicht gemeint sind. 
ch Polizeibericht. Gefunden wurde ein Porte 
monnaie mit Inhalt. Näheres im Polizeibureau in der 
Feurigstraße. 
Schöneöerg. 
— Abgereist zum Kongreß für öffentliche Gesundheits 
pflege sind die Herren Oberbürgermeister Wilde, Stadt- 
baurat Gerlach und die Stadtverordneten I. Lulay und 
Dr. Freund. Der Oberbürgermeister wird während dieser 
Zeit durch den Stadtältesten und Stadtrat Heyl vertreten 
werden. 
— Entlaufen. Auf der Steglitzer Polizeiwache 
erschien vorgestern Abend nach 11 Uhr ein neunjähriger 
Knabe mit seiner etwa fünf Jahre alten Schwester. Der 
Junge erzählte, sein Vater sei vor einem Jahr gestorben 
und die Mutter liege jetzt tot in der Wohnung. Weitere 
Angaben machten die beiden nicht. Die Kinder führten 
übrigens auf einem Sportwagen einen Beamtenmantel 
mit, dessen Inhalt schließlich auf die Spur wies. Es 
fand sich nämlich in der Rocktasche des Mantels ein Notiz- 
zettel vor, welcher die Polizei vermuten ließ, daß es sich 
um die Kinder eines an dem Güterbahnhof beschäftigten 
Zugführers B—r handelt, der in der Gotenstraße zu 
Schöneberg wohnt. Der Knabe hatte seinen Eltern 50 M. 
entwendet und dafür den Wagen gekauft bezw. das Geld 
vernascht. Der Vater nahm schließlich die Flüchtigen 
gestern Mittag in Empfang. 
Wertin und Wororte. 
8 Das neue Obcrverwaltungsgerichtsgebände 
an der Hardenbergstraße in Charlottenburg soll nunmehr 
definitiv zum 1. April 1907 fertiggestellt sein, sodaß mit 
diesem Termin die Übersiedelung des Gerichts in sein neues 
Heim erfolgen wird. In dem Hochparterre des Gebäudes 
werden die Bureauräume, die zunächst dem Verkehr des 
Publikums dienen, untergebracht, während die Arbeits 
räume der Richter und die Sitzungssäle in der 1. Etage 
angelegt.werden, Dort werden auch je eine Wohnung füv 
den Gerichtspräsidenten und für den BureaudireNt^'- hev 
gerichtet werden. Diejenige des Erstgenannten wird 
15 Zimmer umfassen, außerdem wird sie so mit den 
Arbeitsräumen dieses höchsten Richters des Gerichts ver 
bunden, daß z. B. der große Konferenzsaal, der für die 
Plenarsitzungen bestimmt ist, gegebenenfalls als Festsaal 
dienen kann. An die Wohnung des Bureaudirektors 
schließen sich die Bureaus der Kasse und Zentralverwaltung. 
An der Ostseite, mit der Aussicht auf den Tiergarten, be 
finden sich die Arbeitsräume für die 46 OberverwaltungS- 
Räte, von denen je 2 einen Raum erhalten, ferner die 
Arbeitszimmer der 7 Senatsprästdenten, an die sich deren 
Gerichtsschreibereien schließen. 
8 Städtische Personalien. Ihre Pensionierung 
haben beim Magistrat die beiden Stadt-Schulinspektoren 
Königl. Schulrat Stier und Schulrat Dr. Zwick zum 
1. Oktober d. I. beantragt. Beide sind über 65 Jahre 
alt, sie haben 42 bezw. 41 Dienstjahre hinter sich. — Zu 
gleicher Zeit werden in den Ruhestand treten: die 
Gemeindeschul-Rektoren Ernst Schulz (104.) und Karl 
Böhme (25. Gemeindeschule), der Ober - Stadtsekretär 
Wilhelm Schmidt und die Magistrats-Sekretäre Heinrich 
Ensinger und Hermann Neubert. 
8 AufdemweiteuHiuterlaude desv.Nederuschen 
Palais Unter den Linden an der Ecke des Pariser Platzes 
ist jetzt mit den Vorarbeiten für das erste Hotel, das auf 
dem Grundstück erstehen soll, begonnen worden. Die alten 
Bäume des Gartens, der sich hier hinzog, sind sämtlich 
abgeholzt und auch die Ausschachtungsarbeiten bereits in 
Angriff genommen worden. Das Vorderhaus, in dessen 
Er bewegte sich unruhig auf seinem Sessel hin und her. 
Wäre er ein besserer Schauspieler gewesen oder schon weiter 
vorgeschritten in seines Vaters Schule, er hätte zweifellos jetzt 
die Gelegenheit ergriffen, um der Marchcsa zu versichern, sein 
Herz habe stets nur ihr, niemals Estella gehört, nur seines 
Vaters Befehl habe ihn gezwungen, eine 'Neigung zu heucheln, 
die sich erst jetzt ihrem eigentlichen Gegenstände zuwenden 
dürfe. 'Aber er hatte auch keine Leidenschaft für die Marchcsa, 
nur hätte ihr Reichtum den Sohn von seinem Vater unab 
hängig gemacht. Das allein wußte er zu schätzen. 
Er hatte etwas zu lange überlegt, die Schlafende er 
wachte, ließ ein diskretes Husten hören und die Aiarchesa rief 
sie heran. 
Gabrieli erhob sich. 
Die Marchcsa bat ihn zu bleiben, sie wolle ihren Schwieger 
vater benachrichtigen lassen, der ihm seine Teilnahme aus 
zudrücken wünsche, doch der junge Mann entschuldigte sich, er 
müsse leider gehen. Konnte er nicht allein mit der Marchcsa 
sein, so verlor sein Besuch, wie er meinte, jeden Zweck. 
„Ueber Estellas Krankheit und ihren Tod haben Sie mir 
so gut iuic_ nichts erzählt," sagte die junge Frau, die sich 
wieder gefaßt hatte, nun aber mit Gabrieli doch nicht länger 
allein sein wollte. 
Er biß sich auf die Lippen. Dieses stete Zurückkommen 
auf Estella verdroß ihn, er mochte nichts mehr von ihr hören, 
die ihn bei Lebzeiten schlecht behandelt hatte und häufigen 
Grurid zum Unfrieden mit seinem Vater gegeben. 
„Ich werde einmal selbst nach Sizilien reisen müssen, um 
etwas zu erfahren," setzte die Marchcsa hinzu, da er beharrlich 
schwieg. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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