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Periodical volume Nr. 160, 11.07.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Spannung 100 Volt, die Stromstärke 10 Ampöre: dann 
bewertet sich die elektrische Leistung zu 100 X 10 — 1000 
Volt-Amptzre. Haben wir an die Leitung dieses Stromes 
beispielsweise einen Elektromotor angeschloffen und be 
nutzen wir diesen, wie beim Wafferfall die Turbine, täglich 
5 Stunden lang in unserer Werkstätte, so verbrauchen wir 
pro Tag 5 X 1000 = 5000 Volt-Ampäre-Stunden Arbeit 
der strömenden Elektrizität. Statt der etwas umständlichen 
Bezeichnung Volt-Ampöre nennt man die Einheit der 
elektrischen Leistung Watt in ehrender Erinnerung an den 
großen Förderer der Dampfmaschine, den Schotten 
James Watt. 
Unser Tageskonsum beträgt also 5000 Wattstunden 
oder 5 Kilowattstunden, wenn wir, wie beim Kilogramm 
oder Kilometer, für das Tausendfache der Einheit die 
übliche griechische Kürzung nehmen. Die Kilowattstunde 
ist somit das Maß für die von uns — in dem gewählten 
Beispiel zum Antrieb eines Elektromotors — verbrauchte 
Arbeit des aus dem Kabelnetz des Friedenauer Elektrizitäts 
werks entnommenen elektrischen Stromes, die wir als Ab 
nehmer nach dem Tarif des Werks zu bezahlen haben. 
Allgemeines. 
0 Mehr Schlafwagen-Plätze! Für die Reisen 
den, welche bei ihren Eisenbahnfahrten Schlafwagen zu 
benutzen pflegen, wird es von Interesse sein, zu erfahren, 
daß die Kgl. Eisenbahndirektion Berlin die inbetracht 
kommenden Dienststellen erneut angewiesen hat, nach Ver 
kauf sämtlicher Plätze in den regelmäßig bei Nachfrage 
nach weiteren Plätzen einen zweiten Wagen einzustellen, 
wenn die Betriebsverhältniffe der zu durchfahrenden 
Strecken es zulaffen. Da die Vorbereitungen für die Ein 
stellung eines Verstärkungs-Wagens längere Zeit bean 
spruchen, muß der Verwaltung der Bedarf an Schlaf 
wagen-Plätzen etwa 12 Stunden vor Abgang des Zuges 
bekannt sein. Um mit Sicherheit auf die Überweisung 
eines Schlafplatzes rechnen zu können empfiehlt es sich 
deshalb, ihn möglichst frühzeitig beim amtlichen Reise 
bureau (Potsdamer Bahnhof), der Fahrkarten-Ausgabe- 
stellen auf Bahnhof Friedrichstraße oder dem Inter 
nationalen Reisebureau zu bestellen. 
Lokales. 
-j- Die Schuldeputation hielt gestern eine Sitzung 
ab, an der auch der Herr Kreisschulinspektor teilnahm. 
Nach Beendigung der Sitzung begaben sich die Herren in 
das Weinrestaurant von Herrn Waldemar Reuter. Dort 
selbst wurde an Herrn Bürgermeister Schnackenburg eine 
Pastkarte mit einem von Herrn Pastor Görnandt verfaßten 
Gedichte abgesandt, das in humoristischer Weise die Fleisch 
not behandelt und in dem unserem Ortsoberhaupte 
Weidmannsglück zur Rebhühnerjagd auf dem väterlichen 
Gute gewünscht wird. 
t Zum Wohnungswechsel. Wir verweisen auf 
die im Anzeigenteile der heutigen Nummer wichtige Be 
kanntmachung den Wohnungswechsel betreffend. 
-j- Rechte eines Bürgermeisters. Das Ober- 
Verwaltungsgericht hat in einer Streitsache zwischen 
Magistrat und Bürgermeister über die Befugnisse des 
Bürgermeisters folgende Entscheidung getroffen: „Der 
Bürgermeister oder Oberbürgermeister ist der unmittelbare 
Vorgesetzte der Mitglieder des Kollegii und seiner Unter 
beamten, sowie der mittelbare Vorgesetzte sämtlicher übrigen 
Kommunalbeamten. Alle diese Beamten sind, ebenso wie 
die Magistratsmitglieder, verpflichtet, ihm in den, zu seinem 
Reffort gehörigen Angelegenheiten Folge zu leisten und 
ihm auf Verlangen jede amtliche Auskunft über die zu 
ihrem Geschäfiskreise gehörigen Gegenstände mündlich oder 
schriftlich zu erteilen." Ferner heißt es in der Entscheidung: 
„Er leitet den formellen Geschäftsgang beim Magistrats- 
kollegio, er trifft, soweit es nicht schon in der gegen 
wärtigen Verordnung geschehen, die zu dieser Leitung re. 
nötigen Anordnungen und gibt die, hierzu erforderlichen 
Instruktionen." 
-j- Der Ärzteverein des Kreises Teltow ver 
sendet an seine Mitglieder folgendes Schreiben: 
Gr.-Lichterfelde, den 7. September 1905. In Sachen der Kreis- 
volizeiverordnung betreffend die Leichenschau vom 21. Mär, 1905 
teilen wir ergebenst mir, d.ß der Ar,leverein des Kreises Teltow in 
der am 4. September stattgehabten Sitzung beschloffen hat, die ürzt- 
liche Tätigkeit im Rahmen der Kreispoliznverordnung abzulehnen und 
vielmehr die Gebührensätze der ärztlichen Taxe vom Jahre 1896 als 
bindend anzuerkennen. Die Herren Ärzte sind angewiesen, in diesem 
Sinne zu handeln. Der r.r,teveicin des Kreises Teltow. I. A. ge,.: 
Dr. Putzer, Sanitätsrat. 
Zu dieser Erklärung bemerkt das amtliche „Telt. 
Kreisbl.", das Organ des Herrn Landrats: Wir sind ge 
spannt, zu sehen, wie sich die Herren Arzte dieser An 
weisung gegenüber verhalten werden, nachdem sie sich fast 
ausnahmslos der Kreisverwaltung gegenüber schriftlich zur 
Übernahme dieser ärztlichen Tätigkeit bereit erklärt haben, 
und zwar unter ganz erheblich ungünstigeren Bedingungen, 
als sie in der genannten Verordnung festgelegt sind. Dies 
geschah im öffentlichen Interesse, weil es nur unter dieser 
Voraussetzung möglich war, das Laienelement bei der 
amtlichen Leichenschau auszuschalten. 
-j- Eine Verbreiterung des Fahrdammes in der 
Saarstraße wird notwendiger Weise doch vorgenommen 
werden müssen, da der Fahrdamm ein Ausweichen mit der 
Elektrischen Straßenbahn nicht zuläßt ohne Gefährdung 
des Verkehrs. Ein Flaschenbierwagen fuhr gestern Nach 
mittag, um der Elektrischen auszuweichen, so nahe an der 
Bordschwelle, daß durch einen Baumast 6 Kästen mit Bier 
herabgeworfen wurden. Glücklicherweise ging zu derselben 
Zeit niemand auf den Bürgersteig, sonst märe ein größeres 
Unglück unvermeidlich gewesen. 
-j- Die neue Neformschule. -Im Juli brachten wir 
einen Aufruf zur Gründung einer neuen Reformschule. 
Während damals noch unbestimmt war, in welchem der 
westlichen Vororte die Gründung stattfinden solle, ist nun 
mehr Friedenau dafür ausgewählt worden. Unter dem 
Namen Erziehungsschule wird die erste derartige Schule 
in Friedenau zu Michaeli eingerichtet werden. Es wird 
uns dazu mitgeteilt: 
Zu Michaeli dieses Jahres soll die erste derartige Schule in 
Friedenau eröffnet werden. Es werden zunächst etwa 15 Kinder Auf- 
nähme finden. Für die Verfolgung unserer Ziele ist die Art und 
Weise des ErstuntcrrichtcS von der größten Bedeutung; von der Ge 
winnung der Giunderkenntniffe hängt der Erfolg unserer Gesamt- 
tätigkeit ab; dcShaib beginnen wir mit Anfangsunterricht, nehmen 
zunächst nur solche Kinder auf, welche noch keinerlei Unterricht ge- 
noffen haben, also Knaben und Mädchen zwischen dem sechsten und 
siebenten Lebensjahr. ES wird sich von Jahr zu Jahr oder auch von 
H-lbjahr zu Halbjahr ein neuer Kursus angliedern, sodaß auf diese 
Weise schließlich ein größeres Schulgebilde herauswächst. Wenn wir 
auch voraussehen, daß unsere Schüler nach Ablarzf von 3 bis 4 Schul- 
jähren dasselbe leisten werden, wie gleichaltrige und gleichbefähigte 
Kinder in der Schule, so werden sich doch für die einzelnen 
Stufen wesentliche Verschiedenheiten ergeben. ES ist daher 
vorgesehen, Zwischenkurse einzuschalten für solche Kinder, deren 
Eltern einen Übergeng zur allgemeinen Schule wünschen. Bei einem 
solchen Kursus würde den Kindern die größere körperliche 
und geistige Frische, deren sie sich infolge unserer Methode ersreuen, 
sehr zu statten kommen. Für den Anfang können wir nur solche 
Kinder aufnehmen, welche auf Grund ärztlicher Zeugniffe vom allge- 
meinen Schulunterricht befreit sind, also schwächliche Kinder, vor allem 
nervöse, aber auch bisher ganz gesunde Kinder, wenn deren Eltern in 
Gemeinschaft mit dem Hausarzte einsehen, daß der allgemein übliche 
Schulbetrieb eine Gefahr für die gedeihliche Entwicklung dieser Kinder 
bedeuten würde. Und solche Gefährdung besteht für eine viel größere 
Anzahl von Kindern, als man gemeiniglich annimmt. Wie schädigend 
die Schule überhaupt und ganz besonders der schroffe Übergang vom 
Spielleben zum Lernzwang auf unsere Sechsjährigen wirkt, müffen 
viele Eltern zu ihrem und der Kinder Schaden zu spät einsehen. 
Gerade hier setzen wir ein und bieten statt schroffer Abkehr eine 
naturgemäße Fortsetzung der kindlichen Ausbildung. Der gesamte 
Unterrichtsbetrieb ist öffentlich, fodaß die Eltern stets Gelegenheit 
haben, sich von dem Ergehen und den Fortschritten ihrer Kinder, 
sowie von der UnterrichtLweise Kenntnis zu verschaffen. 
Die tägliche Unterrichtszeit beträgt 3^ bis 4 Stunden 
Vormittags. Das Schulgeld beträgt 200 M. jährlich und 
ist vierteljährlich im voraus zu entrichten. Voraussichtlich 
wird an mehreren Nachmittagen Gelegenheit zur Erwerbung 
von Handfertigkeit auch größeren Kindern geboten werden. 
Kurse im Modellieren und in Papparbeit werden voraus 
sichtlich zunächst eingerichtet werden. Leiterin der Schule 
ist Fräulein Kati Lotz, Woltersdorfer Schleuse bei Erkner, 
bei welcher alle näheren Bedingungen zu erfahren find. 
t Jnvalidenverfichernng. Alle Arbeitgeber, die 
versicherungspflichtige Arbeitnehmer beschäftigen, sowie alle 
Selbstversicherer werden darauf aufmerksam gemacht, daß 
nach einem Beschluß des Bundesrats vom 1. Oktober d. 
I. ab sämtliche ^Beitragsmarken für die Jnvalidenver- 
versicherung sofort nach dem Einkleben in die Quittungs 
karte entwertet werden müffen. Die Entwertung darf wie 
bisher nur durch Eintragung des Datums der Entwertung 
in arabischen Ziffern (also z. B. 5. 9. 05.) erfolgen. Un 
richtige Entwertung und Unterlaffung der Entwertung 
sind mit Geldstrafe bedroht. 
-j- Interessante Anlagen sind auf dem Gelände 
des neuen pharmazeutischen Jnstitus zu Dahlem geschaffen 
worden. Das zur Anstalt gehörige, etwa 5000 Quadrat 
meter große Grundstück ist mit gärtnerischen Anlagen und 
mit einem Tennisplatz für Erholungsspiele der Studierenden 
versehen. Ein Teil des Gartens blieb der Kultur von 
Arzneipflanzen vorbehalten. Der bereits vorgenommene 
Anbau von Mohn für die Gewinnung von Opium stellt 
die ersten Anfänge einer Arbeit dar, die eine weitere Ent 
wickelung erfahren soll und geeignet erscheint, wichtige 
Fragen auf phytochemischem Gebiete zu lösen. 
-j- Kricgertag auf dem Kyffhäuser. Der 
Kyffhäuser-Bund der Deutschen Landes-Kriegerverbände 
wird am 17. und 18. September auf dem Kyffhäuser in 
der Wirtschaft am Fuße des von den Kriegervereinen 
Kaiser Wilhelm dem Großen errichteten Denkmals seine 
6. Vertreterversammlung abhalten. Diese Versammlungen 
finden dort jährlich statt, um über gemeinsame Angelegen 
heiten zu beraten. Alle Landesverbände werden Vertreter 
schicken, und zwar führt jeder Verband soviel Stimmen, 
wie seine Regierung nach der Reichsverfaffung im Bundes 
rat hat. Bisher war die Gesamtzahl der Stimmen 58, 
da auch der Elsaß-Lothringische Krieger-Landesverband in 
der Vertreterversammlung, anders als in der Reichs 
verfaffung, eine Stimme führt. Nachdem jedoch im vorigen 
Jahre der Verband der Militär- und Kriegervereine des 
Fürstentums Reuß ä. L. in den Kyffhäuser-Bund aufge 
nommen ist, wird die Gesamtzahl der Stimmen auf 59 
erhöht werden. Die Tagesordnung umfaßt nicht weniger 
als 13 Punkte. 
-f Handel- und Gewerbeverein zu Friedenau. 
Ordentliche Monats-Versammlung am Mittwoch, den 
20. September cr., pünktlich Abends 9 Uhr im Restaurant 
„Hohenzollern", Handjerystr. 64. Tagesordnung: 1. Ver 
lesen des Protokolls der letzten Sitzung. 2. Aufnahme 
und Anmeldung neuer Mitglieder. 3. Gemeinschaftliche 
Reklame. 4. Badeanstalt. 5. Jnteressenfragen und 
Fragekasten. 
f Im Sportpark Steglitz soll am Sonntag, den 
24. September, „Das kleine goldene Rad" und „Das 
große goldene Rad" ausgefahren werden. 
f Berliner Schauspiel-Bühne. Im „Kaiser 
Wilhelm-Garten" eröffnet morgen Donnerstag, die 
Berliner Schauspiel-Bühne die Wintersaison mit dem Lust 
spiel „Der Schlafwagenkontrolleur". Das Verzeichnis der 
Mitwirkenden, weist Nanien auf, die in der Bühnenwelt 
einen guten Klang haben, wir erwähnen nur die Groß- 
herzogl. Oldenburgische Hofschauspielerin Mary Rolf, Herrn 
Bruno Borchard, ehem. Mitglied des Berliner „Kleinen" 
und „Neuen Theaters" und Martha Mayerhofer von 
Grothen, ehem. Mitglied des Stuttgarter „Residenz- 
Theaters". Man kann somit dieser ersten Vorstellung mit 
Spannung entgegensehen, zudem die Auswahl der 
Komödie eine äußerst glückliche zu nennen ist. Der 
Schlafwagenkontrolleur" zählt zu den Bühnenwerken, die 
in den letzten Jahren an den hervorragendsten Theatern 
überall mit Erfolg aufgeführt wurden. 
ff- Verirrter k'-Wagen. Heute Mittag fuhr ein 
Wagen der k'-Linie (Steglitz—Zoologischer Garten) anstatt 
die Kaiser-Allee die Rheinstraße entlang. Erst hinter der 
Kaiser-Eiche bemerkte der Führer seinen Irrtum. Unter 
der größten Vorsicht wurde der Wagen über das Quec- 
geleis an der Kaisereiche schnell umrangiert und konnte so 
ohne großen Zeitverlust seinen vorgeschriebenen Weg ein 
schlagen. 
f Die Rache des Kellners. Ein hiesiger 
Restaurateur machte vor einigen Tagen die Entdeckung, 
daß einer seiner Kellner größere Geldbeträge unterschlagen 
habe. Natürlich wurde der Kellner sofort entlassen, der 
nun seinerseits den' Restaurateur angezeigt hat, er habe 
gewöhnliches helles Lagerbier für Pilsener Mer und 
Patzenhofer für echtes Münchener Bier verkauft. 
UuglückSfall. Das vierjährige Töchterchen der 
G.'schen Eheleute, Portier des Hauses Rheinstraße 51, 
stürzte heute Nachmittag gegen 2 Uhr vom Fenster der im 
Quergebäude parterre gelegenen Wohnung in den Hof 
hinab. Das Kind erlitt eine bedeutende Kopfwunde. 
Schöneöerg. 
— Eine Stadtverordnetenversammlung am 
nächsten Montag findet nicht statt. , 
— Abttnrieutenprüfung. Im Prinz Heinrich- 
Gymnasium bestanden sämtliche 15 Prüflinge, hiervon 
9 unter Befreiung von der mündlichen Prüfung. 
— Theaterbau. Die Angelegenheit betreffend die 
Errichtung eines Theaters in Schöneberg wird zum ersten 
Male nach den Ferien noch im Laufe dieser Woche in der 
aus Magistratsmitgliedern und Stadtverordneten bestehenden 
gemischten Deputation/ die zu diesem Zwecke eingesetzt 
worden ist, erörtert werden. Es handelt sich um die 
Besprechung der Einzelheiten hinsichtlich des Theaterbaues 
und um den mit dem Konsortium abzuschließenden Vertrag. 
Der Bau selbst, der sich bekanntlich auf dem Platz P an 
der Grunewaldstraße erheben soll, ist gesichert, der end- 
giltige Abschluß des Vertrages bedarf natürlich der 
Genehmigung des Magistrats und der Stadtverordneten- 
Versammlung. 
— Schöneberger Liedertafel. Am 16. und 17. 
September d. Js. veranstaltet der Verein eine fröhliche 
„Sängerfahrt nach Rheinsberg-Ruppin". Gemeinsame. 
Fahrt am Sonnabend, den 16 Septbr., nachmittags 3 Uhr 
36 Min. vom Stettiner Bahnhof. Die Mitglieder werden 
ersucht spätestens 3 x / 4 Uhr auf dem Stettiner Bahnhof zu 
sein. Die Fahrkarten werden durch Herrn Neumann gelöst. 
Treffpunkt ist die große Vorhalle. 
— In Sachen betreffend da- Konkurs» 
verfahren über das Vermögen der Spar- und Diskonto 
bank in Schöneberg, E. G. m. b. H., ist zur Wahl eines- 
dritten Mitgliedes des Gläubigerausschusses an Stelle deS 
ausgeschiedenen Bankdirektors Freiherrn von Scheie Termin 
auf den 26. September 1905, Vormittags 11 1 /^ Uhr, 
anberaumt. 
— Firmenlöfchuug. Nr. 3806. Rudolf Stirn 
Nachfolger, Schöneberg. 
Berlin und Wororte. 
8 Fahnen - Abholung. Am gestrigen (Dienstag) 
Nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr rückte die erste Kompagnie 
des Kaiser Franz-Garde-Grenadier-Regiments aus, um die 
Fahnen der sechs im Süden der Stadt garnisonierenden 
Regimenter aus dem Königl. Schlosse abzuholen. Mit 
klingendem Spiel kehrten die Truppen, die sechs Fahnen 
an der Spitze, durch Markgrafen- und Lindenstraße wieder 
in ihre Kaserne zurück, begleitet von berittenen Schutz 
leuten und einer großen Zuschauermenge. Heute (Mittwoch) 
rückte die Berliner Garnison zum großen Teil in daS 
Manövergelände ab. 
8 Auf dem Potsdamer Platz wird weiter expert 
mentiert. Gestern hat man vor der südlichen der beiden 
großen Schutzinseln, auf dem sich die neuen Kandelaber 
für die elektrische Beleuchtung erheben, nach der Pots- 
damerstraße zu das Holzmodell einer weiteren Schutzinsel 
errichtet. Es liegt zwischen den Geleisen, die sich von 
Norden nach Süden über den Platz hinziehen und den 
Geleisen, die den Straßenbahnoerkehr zwischen dem Platz 
und der Potsdamerstraße vermitteln. Für Fußgänger, die 
oft zwischen den beiden Geleisen eingekeilt stehen, wird die 
Schutzinsel jedenfalls von Nutzen sein. 
8 Der stille grüne Winkel, den die wenig be 
kannte und wenig betretene Bauhofstraße in ihrem west 
lichen Teil bisher bildete, verschwindet jetzt und wird mit 
einem den Zwecken der Universität dienenden Hause be 
baut. Das Gartengrundstück gehört nämlich zu dem fis 
kalischen Gebäude Dorotheenstraße 5, in dem sich ver 
schiedene wissenschaftliche Sammlungen und, Seminare der 
Universität befinden. Dies Gebäude erhält jetzt einen Er 
weiterungsbau der sich an der Westseite der hier eine 
Sackgasse bildenden Bauhofstraße erheben wird. 
8 Infolge der Cholera sind jetzt in Charlotten 
burg eingehende Untersuchungen des Spreewassers vorge 
nommen worden und gleichzeitig findet eine tägliche 
Warnung der Schiffer und der am Flußlauf wohnenden 
Leute, sowie der dort beschäftigten Arbeiter vor Benutzung- 
ungekochten Spreewassers statt. Seit gestern werden- in 
Charlottenburg noch sämtliche Brunnen auf ihr Wasser 
untersucht und von jedem mehrere Liter zur Probe an 
eine neu in der Kirchhosstraße errichtete bakteriologische 
Untersuchungsanstalt eingesandt. Von einer Verseuchung 
des Wassers in Charlottenburg ist bisher noch nichts er 
mittelt worden. 
8 Zur Mordtat in der Hasenheide wird uns 
kurz vor Schluß der Redaktion aus Berlin telephonisch 
gemeldet, daß die Leiche als die der 27 jährigen Arbeiterin 
Marie Proch erkannt wurde. Damit ist der Kriminal 
polizei auch eine Handhabe gegeben, dem Täter auf die 
Spur zu kommen. In dringendem Verdachte, die Mord 
tat begangen zu haben, steht ein Mann, der längere 
Zeit ein Liebesverhältnis mit der P., 'und zwar gegen 
den ausdrücklichen Willen der Eltern des Mädchens, 
unterhielt. Der Mord scheint in der Zeit zwischen 9 und 
10 Uhr Abends begangen zu sein. Um diese Zeit hörte 
eine in der Nähe der Kaserne stehende Frau einen weib 
lichen Hilferuf. Der Mörder hat, wie festgestellt wordetr 
ist, seinem Oopfer erst einige Messerstiche in den linken 
Unterarm beigebracht und es dann erwürgt. Der Täter 
hält sich zweifellos noch in Berlin auf, wird aber nicht 
mehr lange seinen Häschern entgehen. 
Grunewald. Eine Lustbarkeitssteuer soll auch in 
der Gemeinde Grunewald eingeführt werden. Die Ge 
meindevertretung der Kolonie wird bereits in ihrer nächsten 
Sitzung zu dem Projekte Stellung nehmen. Bekanntlich
        
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