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Periodical volume Nr. 214, 12.09.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Lesern davon ein ungefähres Bild zu geben, haben wir 
die belebtesten Stationen herausgegriffen und die Frequenz 
ziffern des Vorjahres in Klammern beigefügt. An der 
Spitze unserer Millionen-Bahnhöfe steht auch in diesem 
Jahre wieder der Bahnhof Friedrichstraße mit 6 738 812 
verkauften Fahrkarten (6,008), in zweiter Linie folgt 
Bahnhof Alexanderplatz mit 5 171 026 (4,88), der den 
Schlesischen Bahnhof (5,17 gegen 4,88 i. V.) diesmal 
wieder überflügelt hat. Den folgenden Platz (4,02 gegen 
3,62) hat sich Bellevue erobert, denn der Zoologische 
Garten ist mit 4,02 (3,62) diesmal hinter ihm zurück 
geblieben. Sodann folgen, der Frequenz nach geordnet: 
Bahnhof Börse mit 2,84 (2,56), Charlottenburg mit 2,45 
(2,19), Jannowitz-Brücke mit 2,15 (1,85), Savignyplatz, 
der mit 2,09 (1,76) den Lehrter Bahnhof 2,08 (1,87) und 
die Station Tiergarten 1,33 (1,24) geschlagen hat. An 
der Spitze der Fernstationen (die zum Teil freilich auch 
dem Borortvekehr dienen) steht wiederum der Stettiner 
Bahnhof mit 2,43 (2,28) verkauften Fahrkarten, ihn. folgen 
der Görlitzer 1,72, der Potsdamer 1,23, der Hamburg- 
Lehrter 1,00 und der Anhalter Bahnhof, der es noch nicht 
auf eine Million Fahrkarten gebracht hat. Bon den 
Ringbahn-Stationen sind als die frequentesten die folgenden 
zu nennen: Gesundbrunnen 2.96 (2,50), Potsdamer 
Ringbahnhof 2,45 (2,30), Wedding 2,26 (1,87), Warschauer- 
Straße 1,96 (1,65), Stralau-Rummelsburg 1,67 (1,52), 
Schönhauser Allee 1,35 (1,05), Westend 1,15 (1,07) und 
Beußelstraße 1,05 (0,85). Auf dem Wannsee-Bahnhof 
wurden 2,98 (2,82) Millionen Fahrkarten verkauft, in 
Spandau 2,29 (2,13), in Steglitz 1,95 (1,79), in Potsdam 
1,85 (1,84), in Rieder-Schöneweide 1,82 (1,65), auf 
Großgörschenstraße 1,56 (1,44), in Halensee 1,51 (1,25), 
in Friedenau 1 169 945 (1 051 022), Wilmersdorf- 
Friedenau 1025 263 (935 523), in Groß-Lichterfelde- 
West 1,21 (1,08) und in Schöneberg 1,10 (1,01). In 
einzelnen Vororten des Ostens und Südwestens ist der 
Verkehr ganz rapid gestiegen, abgenommen hat er nur in 
verschwindend wenigen, so in Schlachtensee von 476 auf 
448 000. 
-j- Droschkenhalteplätze. Zur Ergänzung unserer 
gestrigen Notiz können wir mitteilen, daß sich auch an der 
Kaisereiche ein Droschkenhalteplatz befindet. 
f Eisenbahn und Fremdenverkehr. Beim 
Minister von Budde hat sich der Aufstchtsrat des Inter 
nationalen Vereins der Gasthofbesitzer über die geplante 
Tarifreform, die vom Standpunkte der Hotelindustrie aus 
beanstandet, beklagt. Der Hauptfremdenstrom ergieße sich 
heute nach der Schweiz, wo dem Reisenden durch die 
General-Abonnements. Rundfahrkarten rc. „jede Annehm 
lichkeit und Erleichterung" geboten werden. Die Petenten 
wünschen, daß die Rückfahrkarten beibehalten und außer 
dem noch weiterere Zugeständnisse an das reisende Publi 
kum gemacht würden, „damit unser in landwirtschaftlicher 
Hinsicht nicht minder schönes und sehenswertes deutsches 
Reich sich wieder eines größeren Besuches. . . auch des 
ausländischen Publikums erfreue, welches jetzt Deutschland 
fast ohne Aufenthalt durchquere." — Diese Klage ist nicht 
ganz unbegründet, sie wird auch in Österreich und Italien 
von den Hotelbesitzern erhoben, obgleich dort das Eisen 
bahn-Verkehrswesen doch gewiß nicht auf einer höheren 
Stufe steht. Der Grund, weshalb soviele Reisende 
Deutschland nur „durchqueren" liegt aber in den Vor 
zügen des Schweizerlandes selbst, seine Luftkur- und Ge- 
birgsorte, die billige und gute Verpflegung in Hotels, die 
sich mit den unsrigen vielfach kaum messen können, locken 
die Reisenden an, die soweit es sich nicht um deutsche 
handelt, Miltelgebirge in eigenem Lande haben; sie suchen 
aber das Hochgebirge nicht etwa wegen der Eisenbahn- 
Verhältnisse auf; denn die „General-Abonnements", die bei 
30 Tagen Giltigkeit 115, 80 und 60 Frcs für die drei 
Klassen kosten, können dem Erholungs-Reisenden garnichts 
nützen, der nicht von einem Orte zum andern reist, um 
alles gesehen zu haben. Und die Rückfahrkarten gelten in 
der Schweiz nur 10 Tage, übrigens wird von den 
schweizerischen Eisenbahnen bereits eine Preiserhöhung der 
General-Abonnements erwogen. Die nach den deutschen 
Ost- und Nordseebädern reisenden Ausländer „durch 
queren" das Land ja meist auch ohne Aufenthalt und auch 
hier klagt man darüber, daß unser Hotelwesen vielfach 
nicht auf der Höhe der Zeit stehe. Die Mittelhotels in 
den Nord- und Ostseebädern, sowie im Harz nehmen 
Preise, die man in denj teuersten Orten der Schweiz, 
wie z. B. in Jnterlaken, in den ersten Hotels kaum zahlt. 
Ferner tritt in den Kurorten noch die unverschämte 
Kurtaxe hinzu, die man schon nach drei Tagen Aufenthalt 
zahlen muß. 
-s Wichtig für Radfahrer. Den Radlern ist 
einer der beliebtesten Radfahrwege in der näheren Um 
gebung Berlins entzogen worden, nämlich der bisher für 
sie allein fahrbare Steig, der kurz hinter Steglitz von der 
alten Potsdamer Chaussee abzweigt und fast alle Wann 
seebahnorte bis nach Potsdam berührt. Von allen radeln 
den Ausflügler» wurde er benutz, und die plötzliche und 
schwer verständliche Sperrung dieses Weges für Radler 
wird sehr schmerzlich empfunden. Zudem sind zahlreiche 
Strafnotierungen die Folge der Neuerung; denn nicht jeder 
Radfahrer sieht die unscheinbare Tafel, die plötzlich am 
Anfang des Weges aufgestellt ist. 
f Hans- und Grundbefitzerverein in Friede 
nau. Einladung zur Monatsversammlung am Freitag, 
den 15. September. Abends 8^ Uhr im Restaurant 
„Hohenzollern", Handjerystraße 64. Tagesordnung: 
Geschäftliche Mitteilungen. Aufnahme und Anmeldung 
neqer Mitglieder. Anregung, betr. die Einziehung Friede 
naus in den Verkehr der behördlichen Aktenwagen. Zur 
Abänderung der Baupolizeiverordnung für die Vororte 
von Berlin. Jnteressenfragen und Fragekasten. Die Ver 
handlungen müssen pünktlich um 8% Uhr beginnen. 
t Krieger- und Landwehrverein. Der Verein 
hielt am Sonnabend seine Monatsversammlung iin Vereins 
lokal „Hohenzollern" ab. Nach Eröffnung der Versamm 
lung in der üblichen Weise durch den Vorsitzenden Herrn 
Geheimen Rechnungsrat Hendrich wurde Herr Restaurateur 
Schindler als Mitglied aufgenommen. Angemeldet wurde 
ein Mitglied. Beim letzten Schießen wurde ein Überschuß 
von 20,25 Mark erzielt, der dem Weihnachtsfonds über 
wiesen werden soll. Es soll versucht werden, in Zukunft 
die Schießstände des Garde-Schützenbataillons im Grune- 
wald für das Schießen zu erhalten. Das Stiftungsfest 
'ludet am 30. September statt. Durch Mitglieder ein 
geführte Gäste haben Zutritt. Die Generalversammlung 
am Sonnabend, den 14. Oktober im Vereinslokal statt 
en. Eine besondere Einladung mit Tagesordnung 
wird jedem Mitgliede zugehen. Ebenso wird die Fest 
ordnung für das Stiftungsfest den Mitgliedern zugestellt 
werden. Anträge, die in der Generalversammlung ver 
handelt werden sollen, müssen bis 1. Oktober schriftlich bei 
dem Vorstande, HerM Geh. Rechnungsrat Hendrich einge 
bracht werden. Als Revisoren der Jahresrechnung wurden 
die Mitglieder Wandascheck, Habermann und Wendtlandt, 
gewählt. Unter Mitteilungen wurde eine Einladung des 
Vereins" ehemaliger 1. Garde-Dragoner zum 25 jährigen 
Stiftungsfeste am 21. Oktober bekannt gegeben. Zu der 
Feier, die in der Philharmonie stattfindet, soll eine Depu 
tation mit Fahne entsendet und ein Fahnennagel gestiftet 
werden. Kamerad Werner veranstaltet am 11. Oktober 
ein Konzert im Hohenzollernsaale, Billets sind beim Vor 
stände zu haben. Der Besuch des Konzertes wird 
empfohlen. Nach Bekanntgabe der Geburtstagskinder 
wurde die Sitzung in üblicher Weise geschlossen. 
-j- Monats- und Generalversammlung der 
Gast- und Schankwirte. Vorsitzender Herr Fechner 
eröffnete die beim Kollegen Siepert im Kaiser Wilhelms 
garten abgehaltene Vereinsversammlung um x / 2 7 Uhr und 
hieß zunächst die Erschienenen herzlich willkommen. Nach 
Verlesen des letzten Sitzungsprotokolls wurden zwei 
Schreiben bekannt gegeben, den Austritt eines Mitgliedes 
und eine Einladung der Selterwasserfabrikanten betreffend. 
Dieser Einladung soll durch Entsendung einer besonderen 
Deputation keine Folge geleistet werden. Herr Fechner 
berichtete sodann über die Bannerweihe des Steglitzer 
Brudervereins, an der 6 Kollegen teilgenommen haben. 
Die Feier habe einen äußerst schönen Verlauf genommen. 
Eine rege Aussprache rief der folgende Punkt der Tages- 
hervor: „Besprechung über den Mittagstisch-Preis." Vom 
Vorstande wurde der Antrag eingebracht, den'Preis für 
den Mittagstisch mit Bier von 60 auf 70 Pfg. zu erhöhen. 
Mehrere Kollegen sprachen sich gegen diesen Antrag aus, 
es solle dem einzelnen überlassen bleiben, wie viel er für 
den Mittagstisch nehmen wolle. Die Versammlung beschloß, 
den Punkt von der Tagesordnung abzusetzen und nicht 
mehr zur Beratung zu bringen, in der Hoffnung, daß die 
Fleischpreise wieder niedriger würden. Herr Reimann machte 
Mitteilungen aus der Verbandsdelegierten-Sitzung über die 
Verleihung von Ehrennadeln, Biersteuer, Verbandskalender. 
Der Verband will eine definitive Entscheidung herbeigeführt 
sehen, ob der Palmsonntag zur Charwoche zu nehmen sei 
oder nicht. Zur Durchfechtung der Klage wurden 300 Mk. 
bewilligt. Unter „Innere Vereinsangelegenheiten" sprach 
Kollege Hermann Schultze den Dank für das ihm vom 
Verein bei seiner silbernen Hochzeit überreichte Geschenk 
aus. In der nach einer Pause folgenden Generalver 
sammlung erstattete Schriftführer Siepert den Jahresbericht. 
Zu Beginn des letzten Geschäftsjahres zählte der Verein 
61 Mitglieder, ausgetreten sind 3, gestorben ist 1 Mitglied. 
Aufgenommen wurden 8 Mitglieder, so daß zurzeit ein 
Bestand von 1 Ehrenmitglied und 64 Mitglieder zu ver 
zeichnen ist. Es fanden statt 11 Vorstandssitzungen und 
11 Monatssitzungen und ein Kirchgang am Vorabend von 
Kaisers Geburtstag. Nach dem Jahresberichte des Ren 
danten betrugen die Einnahmen 811,53 Mk. und die 
Ausgaben 753,65 Mk., so daß ein Kassenbestand von 
75,86 Mk. vorhanden ist, nebst einem Sparkassenbuch mit 
121,10 Mk. Die Neuwahl des Gesamtvorstandes ergab 
folgende Zusammensetzung: 1. Vorsitzender: Fechner; Schrift 
führer: Schischan; Rendant: Kiwitz; Stellvertreter: Gundlach, 
Thieleke und Stechert; Beisitzer: Schmidt, Schreiber, Schütte 
und Thiel; Vertrauensmänner: Stechert, Thieleke und 
Siepert; Verbandsdelegierte: Kiwitz, Schreiber und Schu; 
Kassenrevisoren: Cohn, Thiel und Paul Müller: Banner 
träger: Stechert; Bannerjunker: Warnke und Thieleke. 
f Höchste Auszeichnung. Die Maggi-Erzeugnisse 
wurden auf der Weltausstellung in Lüttich mit der höchsten 
Auszeichnung, dem „Grand-Prix", prämiiert. 
-j- Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern Mittag 
1 Uhr auf einem Neubau am Schillerplatz. Der Schlosser 
Lichtenstein aus Wilmersdorf arbeitete im Erdgeschoße, als 
sich über ihm auf bis jetzt unaufgeklärte Weise der Fahr 
stuhl loslöste und herabsauste. L. sprang rasch zur Seite, 
konnte aber nicht mehr verhindern, daß er mit zu Boden 
gerissen wurde und schwere Verletzungen an der linken 
Kopfseite, besonders am Auge erlitt. Auf der Sanitäts 
wache wurde dem Verletzten die erste Hilfe bis zur Über 
führung ins Lichterfelder Krankenhaus geleistet. 
t Quetschung. Der Arbeiter Nowrotzky aus Berlin 
erlitt gestern Nachmittag beim Schienenlegen eine 
Quetschung des rechten Schienbeins, die seine Überführung 
zur Sanitätswache nötig machte, wo ihm ein Notverband 
angelegt wurde. 
Schöneöerg. 
— Im Sitzungssaal der Stadtverordneten- 
Versammluvg wurde gestern eine gemeinschaftliche 
Sitzung des Magistrats und der Stadtverordneten 
behufs Vornahme der Wahl von 3 Abgeordneten zum 
Provinziallandtage abgehalten. Es wurden gewählt auf 
die Dauer von 6 Jahren Oberbürgermeister Wilde, 
Stadtältester und Stadtrat Heyl und Stadtverordneten- 
Vorsteher Prof. Heyne. Vorher fand eine Auslosung von 
Stadtverordneten statt. Es wurden ausgelost die Stadt 
verordneten Klaus (1. Abteilung) und Zobel (3. Abteilung) 
zum 1. Januar 1906. Ferner scheiden am genannten Tage 
noch aus der 2. Abteil, die Stadtv. Gutsche und Gansow 
aus. Außerdem wurde eine Neueinteilung der 1. Abteil, 
vorgenommen, die sich bisher über die ganze Stadt erstreckte 
und von jetzt ab in 10 Bezirke zerfallen soll. Es wurden 
zugelost zum 1. Bezirke die Stadv. Knoll und Kuznitzki, 
2. Bez. Kaufmann und Julius Fröhlich, 3. Bez. Pullich 
und Busche, 4. Bez. Mette und Schüler, 5. Bez. Dr. v. 
Gordon und Carre, 6. Bez. Göhrmann und Lohausen, 
7. Bez. Claus und Richnow, 8. Bez. Hepner und Karl 
Schneider, 9. Bez. Knorr und Linicus, 10. Bez. Koloffer 
und Behrens. In der sich daranschließenden Sitzung der 
Stadtverordneten-Versammlung richteten die Stadtverord 
neten Gottheimer und Genoffen an den Magistrat das 
Ersuchen, die Vorarbeiter für den Bau des neuen Rat 
hauses sobald wie möglich in Angriff zu nehmen, damit 
den Beamten bessere und gesündere Bureauräume ge 
schaffen werden. Die Räume in dem alten Rathaus und 
die in Privathäusern gemieteten Räumlichkeiten entsprächen 
den gesundheitlichen Anforderungen in keiner Weise. Der 
Stadtv. Bartelt stellte den Antrag, von den Anliegern der 
Hauptstraße für die Neuregulierung der Bürgersteige noch 
nachträglich % der Kosten einzuziehen. Das sei bei der 
Regulierung anderer Straßen auch geschehen, und es müffe 
gleiches Maß für Alle geschaffen werden. In der Dis-, 
kussion, die dem Antrag folgte, sprach sich Stadtsyndikus 
Blankenstein dahin aus, daß es für ein solches Vorgehen 
an jeder gesetzlichen Handhabe fehle. Stadtv. Linicus hob 
hervor, daß sich die Bürgersteige in der Hauptstraße bereits 
vor der Neuregulierung in einem vollständig ordnungs 
mäßigen Zustande befunden haben, und daß die Beseiti 
gung der alten Bürgersteige sehr wider Willen mancher 
Hausbesitzer erfolgt sei. Man könne daher unmöglich noch 
nachträglich einen Kostenbeitrag einziehen. Der Antrag 
Bartelt wurde angenommen. Für die Jahresrechnung 
über die Grundstücksverwaltung für das Jahr 1904, die 
in Einnahme und Ausgabe auf 19145,50 M. festgesetzt 
worden ist, wurde vom Magistrat die Entlastung nach 
gesucht. Die Sache wurde dem Rechnungs- und Finanz 
ausschüsse überwiesen. Für die im Etat der städtischen 
Realschule vorgesehene, zum 1. Oktober d. Js. zu besetzende 
neue Stelle hat der Magistrat den Oberlehrer Hamann 
aus Wilhelmshaven gewählt. Da ihm nach Maßgabe 
seines Dienstalters bereits die erste Alterszulage von 
500 M. jährlich zusteht und eine solche im Etat für diese 
Stelle nicht vorgesehen ist, so bewilligte die Versammlung 
zur ordnungsmäßigen Besoldung bis zum Schluffe des 
laufenden Rechnungsjahres den Betrag von 250 M. nach. 
Die Magistratsvorlage, betr. die Bewilligung der Kosten 
zur Herstellung eines Sammlungszimmers für das Helm- 
holtz-Realgymnasium im Kellergeschoß des Schulgebäudes 
der 8. Gemeindeschule wurde dem Etatsausschuß zur 
Prüfung überwiesen. Verschiedene Stadtverordnete sprachen 
die Befürchtung aus, daß empfindliche physikalische Apparate 
in dem Kellerraum durch Feuchtigkeit leiden könntert. 
— Freie Barbier-, Friseur- und Perücke«- 
macher-Jnnung. Gestern Abend tagte zum zweiten 
Male im „Schwarzen Adler", Hauptstraße, die Schöne 
berger Freie Barbier-, Friseur- und Perückenmacher- 
Jnnung unter Aufsicht der Behörde bei starker Beteiligung 
betreffs Gründung der Zwangs-Innung. Nachdem die 
Diskussionsredner abwechselnd für die Zwangs-Innung 
gesprochen hatten, kam die Versammlung zum Entschluß, 
einstinimig den Antrag an die Behörde zu stellen, die 
Freie Barbier-, Friseur- und Perückenmacher-Jnnnng in 
eine Zwangs-Innung umzuwandeln. Ferner beschloß die 
Innung, am 1. Oktober ihre Fachschule für Lehrlinge 
wieder zu eröffnen. Die Fachschullehrer Herren Franz 
Toelk, Cheruskerstraße 1, und Heinrich Kriebel, Hedwig 
straße 11, wurden zum Erteilen des Unterrichts wieder 
gewählt. 
Werttn und Vororte. 
8 Die geplante Zurückverlegung einzelner 
Klassen des Friedrich Werderschen Gymnasiums nach dem 
alten Gebäude, Dorotheen-Charlottenstraße, hat in Moabit 
große Aufregung hervorgerufen. Der Grundbesitzer-Verein 
„Bellevue- und Hansa-Viertel" hat daher schleunigst an 
den Magistrat petitioniert, mit dem Neubau der Anstalt, 
Bochumerstraße, nunmehr recht bald zu beginnen und bis 
zur Vollendung derselben durch Errichtung von Schul 
baracken oder durch Benutzung von Mietsräumen für die 
schon bestehenden und noch hinzukommenden Klaffen 
Unterkunft zu schaffen. Die Petenten weisen mit Recht 
auf die weite Entfernung und den lebhaften Straßen 
verkehr hin, der den kleinen Paffanten gefährlich werden 
könne. Dazu komme die sittliche Gefahr für die größeren 
Schüler und der Mehraufwand für Fahrkarten der Stadt- 
und Straßenbahn. Schon seit Jahren verließen infolge 
der Schulnot sehr steuerkräftige Bewohner die dortige 
Gegend, um sich in den westlichen Vororten anzusiedeln. 
Vor Jahresfrist habe der Magistrat eine Eingabe dahin 
beantwortet, daß bis zur Fertigstellung des neuen 
Gymnasiums für Bereitstellung von Räumen für die nach 
Moabit verlegten Klassen Sorge getragen werden solle. 
Und Mietsräume zu diesem Zweck seien dort vorhanden. 
ß Der sparsame FinanzfiskuS. Die Ablösungs 
marken, die im Jahre 1903 von unsern Behörden benutzt 
werden mußten, um die Pauschal-Vergütungen für die 
Reichspost neu festsetzen zu können, sind damals nicht auf 
gebraucht worden. Die ungestempelten Restbestände hat 
das Finanz-Ministerium, wie ein Händler ankündigt, meist 
bietend verkauft und so werden dann jetzt ganze Posten 
von „Sätzen" zu 8 Stück (2. 3. 5. 10, 20, 25, 40 u, 50 
Pfennig-Marken) in den Schaufenstern der Briefmarken 
händler feilgeboten. Der Preis ist nicht billig, man fordert 
eine ganze Mark für die 8 Ungestempelten. Viele 
Philatelisten ziehen die „Gestempelten" vor. 
8 Auf die neue Omnibuslinie, die von der 
Wilsnacker- und Turmstraße in Moabit durch den Tier 
garten zum Potsdamer Platz bis zur Hasenheide geht, 
macht der Grundbesitzer-Verein „Bellevue- und Hansa- 
Viertel" seine „verehrten Mitglieder" besonders aufmersam, 
indem er die Bitte ausspricht, „dafür mitsorgen zu wollen, 
daß diese neue Omnibuslinie in den weitesten Kreisen 
bekannt und recht häufig benutzt wird". Die Omnibusse 
benutzen von Moabit nach dem Potsdamer Platz den 
kürzesten und schnellsten Weg.
        
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