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Periodical volume Nr. 213, 11.09.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

jetzigen Rückfahrpreises: die Reform schaffe den Reisenden 
Verkehrs- und Dispositions-Freiheit, sie stelle ihn den 
übrigen Fahrgästen gleich und beseitige den Zwang, 
binnen 45 Tagen die Rückfahrt antreten zu müssen. Dazu 
käme aber noch ein erheblicher Vorteil: viele Geschäfts 
reisende müßten oft mit schweren Musterkoffern reisen, für 
welche die Gepäckfracht jetzt sehr hoch bemessen ist; die 
Tarif-Reform setze die Kraft gerade für schwere Gepäck 
stücke wesentlich herab und bringe sonach gerade für den 
reisenden Kaufmann willkommene Verbesserungen. 
sj An wichtigen Verbesserungen des Winter- 
Fahrplans, der jetzt endgiltig feststeht, hebt die Zeitung 
des Vereins der Eisenb.-Verw. noch die folgenden he vor: 
Die Ostbahn-Schnellzüge zwischen Berlin und Königsberg 
sind wesentlich beschleunigt worden, bei einigen beträgt 
der Zeitgewinn ca. eine halbe Stunde; außerdem ist ein 
neuer Anschluß des Zuges v 2 Königsberg ab 9.03 Vorm., 
Berlin Fr. an 7.16 Abends, an den Schnellzug 18, 
Friedrichstraße ab 7.35 Abends, nach Hannover gewonnen 
worden, der für den Durchgangsverkehr von 0 nach W 
von besonderer Bedeutung ist. Gleichfalls beschleunigt 
sind die Schnellzüge 7, 25 und 26 zwischen Berlin und 
Stettin, sowie der Schnellzug v 18 zwischen Stralsund 
und Berlin. Der hinterpommersche Schnellzug 21, Berlin 
ab 8.27 Vorm., Danzig an 5.03 Nm., erhält in Stargard 
Anschluß vom Zuge 706 aus Kreuz. Im Winter bei 
behalten werden diesmal die Schnellzüge 13 und 14, 
Altona ab 8.14 Vorm., Berlin an 12.20 Mittags, Berlin 
ab 6.20, Altona an 10.33 Vorm., sowie die Sommer- 
Schnellzüge nach dem Harz: Berlin ab 8.45 Vorm., so 
daß die durchgehende Verbindung nach Halberstadt, 
Quedlinburg und Thale bestehen bleibt. 
Lokales. 
f Den Charakter „Geh. Vaurat" hat der lange 
in Friedenau wohnhafte Postbaurat a. D. Herr Hindorf 
von Sr. Majestät erhalten. 
j- Die Gerichtsferien die am 15. Juli begonnen 
haben, gehen nächste Woche am Freitag, den 15. September, 
zu Ende. 
t Die Asphaltierungsarbeiten in der Kaiserallee 
schreiten so rasch vorwärts, daß mit Bestimmtheit darauf 
gerechnet werden kann, daß die Arbeiten in ihrem vollen 
Umfange bis zum 1. Oktober fertig gestellt werden. Im 
nördlichen Teile ist das Asphalt auf der einen Seite voll 
ständig gelegt, ebenso am Friedrich Wilhelmplatz. 
-s Der Vezirksverein Süd-West nahm am Freitag 
seine Vereinstätigkeit nach den Ferien wieder auf. Vor 
sitzender Herr Justizrat Reinbacher eröffnete gegen 9 Uhr 
die sehr gut besuchte Versammlung mit dem Wunsche, daß 
die Versammlungen jetzt nach den Ferien immer recht gut 
besucht sein möchten. Es folgen hierauf einige Mit 
teilungen. Während der Sommerferien sind die Mit 
glieder Gutmann, Dirck und Bartenbach mit Tod abge 
gangen. Besonders Herr Bartenbach habe dem Vereine 
immer reges Interesse entgegengebracht, die Versammlungen 
häufig besucht und durch seinen naiven Humor oftmals 
erfreut. Zum ehrenden Andenken der Verstorbenen erhob 
sich die Versammlung von den Plätzen. Als Mitglieder 
wurden aufgenommen die Herren Restaurateur Karl Leist 
(Reichskanzler) und Kaufmann Karl Cramer (Wieland- 
straße 36). Aus dem Verein wegen Verzug ausgeschieden 
ist das Mitglied Professor Hausmann. Herr Justizrat 
Reinbacher machte sodann Mitteilungen aus der Stadt- 
verordneten-Versammlung betreffend den Abschied des 
Herrn Bürgermeister Gerhard, die Einrichtung einer 
Kämmereistelle, die neu zu schaffende Stelle eines Stadt 
rates, die Entsendung der Stadtverordneten Heyne und 
Reinbacher zum brandenburgischen Städtetag und die neu 
zu schaffende Oberlehrerstelle. Die geringe Anzahl der 
Bureauräume im Rathause mache den baldigen Neubau 
eines Rathauses notwendig. Ein geeigneter Platz sei in 
der Nähe des neuen Stadtparkes vorhanden. Den alten 
Schönebergern müsse ins Gedächtnis geführt werden, daß 
der Schwerpunkt der Verwaltung nicht mehr so sehr im 
alten Schöneberg liege. Die Verhandlungen über die 
Stadtverordneten-Versammlungen sollen auch ferner steno 
graphisch aufgenommen werden. Ein Herr Dr. Schönstedt 
aus der Hohenstaufenstraße habe bis zur in Gebrauchnahme 
des neuen Krankenhauses in seiner Privatklinik 6 Betten 
zur Verfügung gestellt. Auf eine bei dieser Gelegenheit 
aus der Versammlung gestellte Anfrage teilte Vorsitzender 
mit, daß in Schöneberg für Krankheitsfälle täglich etwa 
60 Betten zur Verfügung stehen. Auf Antrag des Herrn 
Stadto. Zobel seien für Jugendspiele Gelder zur Ver 
fügung gestellt worden. Als zweiter Punkt stand auf der 
Tagesordnung: Die Schulnot in unserem Ortsteil. 
Nach der Ansicht des Referenten Herrn Justizrat Rein 
bacher ist tatsächlich eine Schulnot vorhanden, da in den 
Schulen überhaupt schwer unterzukommen, das Gymnasium 
bereits überfüllt und das Fehlen einer höheren Töchter 
schule zu beklagen sei. Die höhere Töchterschule sei nun 
ja erreicht, sie werde zum 1. April 1906 mit 4 Klassen 
errichtet. Es sei ein Mißstand, daß in dem Schulgebäude 
in der Rubensstraße alle möglichen Klassen nebeneinander 
und durcheinander bestehen. Redner brachte sodann eine 
Anzahl von Schreiben zur Kenntnis, aus denen hervor 
geht, daß hier wohnende Eltern, die ihre Kinder vier 
Jahre in die Volksschule geschickt haben, nun nicht in der 
Sexta des. Gymnasiums unterbringen können. Er schließt 
mit dem Wunsche, daß der Magistrat sobald als möglich 
an den Bau des Gymnasiums herangehen möge. In der 
Diskussion ergriff zunächst Herr Professor Rothe das 
Wort. Mit scharfen Worten geißelte er die bestehenden 
Mißstände. Wilmersdorf, Steglitz und Friedenau leiste 
sich eine Schule nach der andern. Er wirft dem Magistrat 
vor, er betreibe kurzsichtige Politik. Wenn die Herren im 
Magistrate ihrer Ausgabe nicht gewachsen seien, sehe man 
sich nach anderen um. Es seien Leute genug vorhanden, 
die ihrer Aufgabe besser gewachsen sind. Auf jeden Fall 
sei darauf zu dringen, daß der Neubau des Gymnasiums 
so bald als möglich in Angriff genommen werde. Herr 
Casten bringt eine Resolution ein, in der der baldigste 
Neubau des Gymnasiums gefordert wird und die Regierung 
ersucht wird, die Unterbringung von Klaffen höherer 
Schulen im alten Gebäude zu untersagen. Herr Rektor 
Drews meint, man müsse eigentlich nicht von einer 
Schulnot, sondern von einer Schulhäusernot reden. Man 
müsse darauf dringen, daß diesen fatalen Zuständen ein 
Ende gemacht werde. Die Töchterschule wäre nicht so nötig 
gewesen als das Gymnasium. Wenn mit dem Bau im nächsten 
Jahre begonnen würde, würde an eine Vollendung doch 
erst im Jahre 1909 zu denken sein. Immerhin wäre es 
besser, wenn erst das Gymnasium und dann der Flügel 
gebaut würde. Herr Justizrat Reinbacher tritt dafür ein, 
daß auch eine Töchterschule äußerst nötig gewesen sei, für 
die Töchter könne doch dasselbe Recht in Anspruch ge 
nommen werden, wie für die Söhne. Man habe erst ein 
mal die Töchterschule in der Tasche haben wollen, nun 
komme man mit dem Gymnasium. Das Gymnasium im 
Ortsteil dürfe nicht länger das Stiefkind bleiben, wie 
bisher. Auch nach anderer Richtung hin, sei das Gym 
nasium ein Stiefkind. Man halte dem Ortsteil nicht nur 
das Gebäude vor, um die Schüler unterzubringen, man 
behalte dem Leiter der Anstalt das vor, was ihm zu 
komme. Während man einem jüngeren Herrn an der 
Realschule das Prädikat „Direktor" gegeben habe, hat man 
dies Prädikat Herrn Prof. Thouret vorbehalten. Was die 
Resolution des Herrn Casten betreffe, so glaube er, daß 
ein einfacher Antrag an den Magistrat, mit dem Bau des 
Gymnasiums schleunigst zu beginnen, genüge. Herr Prof. 
Rothe bespricht in längerer Ausführung den Fall Thouret 
und bittet bei geeigneter Gelegenheit (Etatsberatung) die 
Sache zur Sprache zu bringen. Von Herrn v. Wussow 
wird hierauf die Resolution des Herrn Casten neuerdings 
eingebracht: 
„Der Schöneberger Bezilksverein „Eüdwcst" erkennt an, daß die 
städtischen Behörden den Wünschen des Friedenauer Ortsteils nach 
Errichtung von Schulen nachgekommen sind. Uin so mehr bedauert 
eS der Bereiu, daß der Bau der notwendigen Schulhäuser mit der 
Entwickelung der Schulen nicht gleichen Schritt gehalten hat, sodaß 
sich ein Notstand herausgebildet hat. Der Verein beauftragt den 
Borstand, bei den städtischen Behörden wegen Abstellung dieser Miß- 
stände vorstellig zu werden und wenn diesem Antrage nicht statt 
gegeben wird, die Kgl. Regierung zu ersuchen, keine Räume der Ge 
meindeschule für Zwecke der höheren Schulen zu bewilligen. Der Bor 
stand wird ersucht, in nächster Zeit dem Verein über den Erfolg seiner 
Vorstellung Bericht zu geben." 
Nachdem Herr Zobel die Resolution begründet, 
spricht sich Herr Justizrat Reinbacher nochmals dafür 
aus, daß ein einfacher Antrag' genügen würde, in dem 
Sinne, wie sich Herr Professor Rothe ausgesprochen hat. 
Der Antrag, bei den städtischen Behörden vorstellig zu 
werden, daß der Neubau des Gymnasiums so rasch als 
möglich in Angriff genommen wird, gelangte schließlich zur 
Annahme. Unter Jnteressenfragen regte Herr Nau 
mann die Errichtung einer Steuerannahmestelle im Orts 
teile an. Herr Justizrat Reinbacher versprach, die Sache 
im Auge zu behalten. Herr Naumann führt ferner 
darüber Klage, daß die Bäume in der Wielandstraße nicht 
genügend begossen würden. Von anderen Rednern wird 
ausgeführt, daß in dieser Hinsicht kein Grund zur Klage 
vorliege. Zum Schluffe kam der Vorsitzende noch auf die 
Kanalisation zu sprechen, die bis' 1. August fertiggestellt 
sein sollte. Das Pumpwerk könne heute noch nicht in 
Bewegung gesetzt werden; Schöneberg müsse an Char 
lottenburg gemeinsam mit Friedenau für Aufnahme der 
Abwässer für den Tag 1500 M. bezahlen. Die Sache 
stehe nun so, daß niemand zu sagen wage, wann mit dem 
Pumpen begonnen werden könne. Die Schuld liege an 
den Unternehmern, die Stadtverwaltung werde auch 
Regreßansprüche geltend machen. Herr Rektor Drews 
dankt dem Verein für den ihm übergebenen Betrag von 
40 M., für den bei Schülerausflügen für die Kinder 
Süßigkeiten und andere Überraschungen gekauft worden 
seien und die bei diesem Anlasse aus Dankbarkeit ein Hoch 
auf den Verein ausgebracht hätten. Hierauf konnte gegen 
y a 12 Uhr die Sitzung geschlossen werden. 
f Das erste Rennen in Steglitz hatte gegen 
20 000 Menschen mobil gemacht. Die Bahn war voll 
ständig ausverkauft. Das Große Hauptfahren über 1000 
Meter, welches in 3 Läufen zum Austrag gelangte, ge 
wann der Franzose Poulain mit 4 Punkten gegen Ellegard 
mit 5 und Arend mit 9 Punken. In den beiden ersten 
Läufen siegten Poulain im glänzenden Stil über Ellegard, 
während er im 3. Lauf nach scharfen Kampf von dem 
Dänen um eine halbe Radlänge geschlagen wurde. Arend 
war stets letzter. In dem Stunden-Rennen sollte die neue 
Bahn ihre Feuertaufe inbezug auf Schnelligkeit bestehen 
und wie Demkes Resultat von 81,290 Kilometer zeigte, 
ist die Anlage allen Anforderungen gewachsen. Demke 
fuhr ausgezeichnet und ließ nur einmal im Anfang des 
Rennens Robl auf kurze Zeit an die Spitze, die er sonst 
durchweg behauptete. Ausgezeichnet hielt sich auch 
Günther, der erst nach Verlauf einer halben Stunde in 
Schwung kam und dann bis auf 20 Meter zu Demke 
aufrückte, dann verlor er aber den Anschluß an seinen 
Motor und mußte Demke einen sicheren Sieg überlassen. 
Demke wurde beim Fahren der Ehrenrunde'stUrmisch vom 
Publikum gefeiert. Nachstehend die genauen Resultate: 
Großes Hauptfahren. 1000 Meter. I. Lauf: 1. Poulain 
1 :31,4 2. Ellegard 4 L., 3. Arend. II. Lauf: 1. Poulain 3 Mi». 
45 Sek., 2. Ellegard 4 8-, 3. Arend. III. Lauf: 1. Ellegard 2 Min. 
14 Sek., 2 Poulain >/, L., 3. Arend. Kleines Hauptfahren. 
1. Bader 4P., 2. Scheuermann 6P., 3. Theile8 P. Entschädigungs- 
Kahren. 1000 Meter. 1. Huber 3 P, 2. Wegener 6 P., 3. Conrad 
7 P. Malfahren. 1. Kudela, 2. Rode 2 L., 3. Freudenberg. 
Tandemj-Hauptfahren. 5000 Meter, 1. Poulain-Ellegard 6 Min. 
14 Sek, 2. Arend-Huber 3 L., 3. Bader-Scheuermann. 10 Kilo- 
meter-Renuen für Straßen-Motore. 1. Meinhold 5 Min. 86 Sek., 
2. Kirchheim, 3. Wolff. Stunden-Rennen. 1. Demke 81,290 Kilo- 
meter, 2. Günther 80,240 Kilometer, 3. Robl 78 770 Kilometer, 
4. Schmitter 77,340 Kilometer. 
Nach Beendigung des Rennens wurde es als großer 
Mißstand empfunden, daß die Verkehrsanstalten, Straßen 
bahn und Eisenbahn, nicht genügend Vorsorge getroffen 
hatten, diese kolossale Menschenmenge nach Berlin zurück 
zubefördern. Es kam zu den bekannten Szenen, deren 
Schlußbild ein „über" überfüllter Straßenbahn- oder 
Eisenbahnwagen ist. Auch die Bedürfnisanstalt auf der 
Rennbahn ist entschieden zu klein ausgefallen, sodaß auch 
dort die Raumverhältnisse sehr begrenzte und durchaus 
unzureichend waren. 
-f Neuregulierung. Die Varzinerstraße ist nunmehr 
neu reguliert und ein Teil derselben bereits asphaltiert. 
Einen sehr gefälligen Eindruck macht auch der nun fertig 
gestellte burgartige Erweiterungsbau des Ringbahnhofes. 
Wie verlautet, soll der Bürgersteig eine laubenartige Über 
dachung erhalten, über die weitere Geleise der Ringbahn 
hinweggeführt werden. Gin eigener Aufgang zum Bahn 
hof soll von der Prinzregentenstraße aus geschaffen werden. 
-j- Droschkeuhalteplatz. Gegenüber dem Kaiser 
Wilhelmgarten in der Ringstraße hat man heute einen 
Halteplatz für drei Droschken geschaffen. Damit ist ein 
langgehegter Wunsch der Bürgerschaft erfüllt und einem 
allgemeinen Bedürfnis Rechnung getragen- worden. 
-j- Die Kastanienerute hat begonnen. Unsere 
Jungens haben die größte Freude daran. Weniger Freude 
haben die Strvßenpassanten, die sich vor etwaigen Stein- 
würfen in Acht nehmen müssen. Lehrer und Eltern sollten 
übrigens die Kinder darauf aufmerksam machen, daß diese 
die Kastanien nicht durch Steinwürfe von den Bäumen 
herunterholen sollten. 
-j- Briketts teuerer! Es wird uns geschrieben: ES 
ist vielfach im Publikum die Ansicht verbreitet, daß die 
Kohlenhändler die Preise für Feuerungsmaterial bestimmen. 
Diese Ansicht ist eine irrige, denn in diesem Jahre sind 
in einigen Gruben, wie Ilse, Anhalt'sche Kohlenwerke, 
Monopol rc. die Verkaufspreise welche alle Kohlenhändler 
nehmen müssen, genau festgesetzt. Vom 15. dieses 
Monats ab müssen die Kohlenhändler für Briketts erhöhte 
Preise bereits nehmen. Daher ist es ratsam, vor dem 
15. d. M. den Bedarf zu decken. 
f Vom Rheiuschloß. Aus zuverlässiger Quelle er 
fahren wir, daß über die Wiedereröffnung des Rhein 
schlosses noch nichts näheres bestimmt ist. Eine Änderung 
des Betriebes des Grundstückes wird erst eintreten, wenn 
dasselbe in andere Hände übergegangen ist. Somit kann 
es immer noch einige Zeit dauern, bis das Rheinschloß 
eröffnet wird und vor allem die geschäftlichen Fragen 
ihren Abschluß finden. 
f Das letzte Erntefest in diesem Jahre feierte 
gestern Nachmittag die Laubenkolonie Rheingau. Der Herbst 
hält seinen Einzug und der Aufenthalt in den Lauben ist 
besonders in den Abendstunden bereits ein kühler. 
f Fnhrmauu-Walde-Sänger. Ein ausverkauftes 
Haus gab es am Sonnabend wieder bei den Führmann- 
Walde-Sängern im „Kaiser Wilhelmgarten". Jede einzelne 
Nummer rief nicht endenwollenden Beifall hervor, besonders 
die Herren Chauteau und Walde mußten immer noch 
eine Zugabe machen. Das so außerordentlich zahlreich 
erschienene Publikum amüsierte sich aufs beste. 
t Liebiugs Kinematograph wurde gestern während 
sämtlicher Vorstellungen geradezu gestürmt vom Publikum. 
Das Unternehmen hat sich aber auch zufolge der gediegenen 
Darbietungen und der vortrefflichen Empfehlungen des 
rührigen Geschäftsführers Jacoby gut eingeführt. Die 
künftigen Aufführungen sind ganz besonders zu empfehlen. 
f Zwei Unfälle an gleicher Stelle zu gleicher 
Zeit. Der Kutscher Bergemann aus der Stubenrauch 
straße fuhr am Sonnabend abends 7 Uhr mit einem Last 
wagen durch die Prinzregentenstraße. Durch Auffahren 
auf einen Stein drohte der Wagen umzukippen, B. sprang 
rasch ab nnd kam dabei zu Fall. Das rechte Vorderrad 
ging ihm über beide Füße. Das Mitglied Sauerbrey 
unserer Sanitätskolonne brachte den so schwer Verletzten 
in die Wohnung des Herrn Dr. K. in der Ringbahnstraße, 
wo ihm ein Notverband angelegt wurde. Mittels Kranken 
wagen wurde B. dann in das Krankenhaus in Lichterfelde 
geschafft. Nahe dieser Unfallstelle kollidierte zu gleicher 
Zeit ein Lastwagen des Fuhrherrn Kuhrt mit einem 
Wagen der elektrischen Straßenbahn. Der Schaffner wurde 
ebenfalls so schwer verletzt, daß seine Verbringung in» 
Krankenhaus nach Lichterfelde nötig wurde. 
+ Brennender Lastwagen. In der Friedenauer- 
straße geriet am Sonnabend Abend ein Lastwagen in 
Brand. Der Fuhrknecht war in eine Restauration ge 
gangen und ließ seinen Wagen vor derselben stehen. Als 
er wieder heraustrat, war der Wagen wahrscheinlich durch 
eine der vorne angebrachten Petroleumlampen in Brand 
geraten. Den Bemühungen des Fuhrknechtes und der 
Passanten gelang es, das Feuer in kurzer Zeit zu löschen. 
Wertin und Wororte. 
§ Die Beisetzung deö Generalleutnants a. D. 
von BoguslawSki fand am gestrigen Sonntag Nach 
mittag auf dem alten Garnison-Kirchhof an der Linien- 
straße unter zahlreicher Beteiligung aktiver und inaktiver 
Offiziere statt, unter denen man die Generalleutnants 
v. Lehmann und v. Wildenbruch bemerkte. Die Vereine 
ehemaliger Angehöriger der Infanterie-Regimenter Nr. 6, 
9, 10 und 50, bei denen der Verstorbene längere oder 
kürzere Zeit als Offizier gestanden hatte; waren durch 
starke Abordnungen mit der Fahne und schönen Kranz 
spenden vertreten. Ferner hatten Kränze gewidmet der 
Verein inaktiver Offiziere der deutschen Armee und Marine, 
das 40. Infanterie-Regiment und die „Tägliche Rundschau", 
die den Chefredakteur Rippler und Redakteur Dr. Manz 
entsandt hatte. Die Trauerfeier wurde eingeleitet durch 
den Gesang des Bredowschen Quartetts: „Befiehl du deine 
Wege", worauf Militäroberpfarrer Goens die Gedächtnis 
rede über Psalm 101, 6 hielt. Der mit dem Generals 
helm, den Epauletts und der Schärpe bedeckte Sarg 
wurde sodann unter Vorantritt der Kapelle des Vereins 
Berliner Musiker durch die lange Reihe der Spalier 
bildenden alten Krieger zur Gruft' getragen und unter 
Gebet und Segen der Erde übergeben. Die Gewehr 
sektion des Vereins der ehemaligen Angehörigen des 
6. Infanterie-Regiments gab zu Ehren des Verstorbenen 
3 Salven ab. 
§ Errichtung von Findelhäusern. In einer von 
Damen und Herren der Gesellschaft am 8. September cr. 
stattgehabten Beratung über die momentan so wichtige 
Frage der Gründung eines Findelhauses, durch ' welches 
das durch Armut oder Schamhaftigkeit der betreffenden 
Mütter von Jahr zu Jahr in erschreckender Weise zu 
nehmende Ermorden neugeborener unehelicher Kinder
        
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