Path:
Periodical volume Nr. 211, 08.09.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Ziffer 7. Aufbauten über die zulässige Höhe dürfen nicht mehr 
alS ein Drittel der Frontlänge jeder Umfaffungswand unter ihnen 
einnehmen. 
Ziffer 8. . . . nicht mehr als die Hälfte der Frontänge jeder 
Umfaffungswand. 
Zu § 16 Ziffer 2. Die hinter dem Vorderhaus« liegenden 
Gebäude müssen durch eine Zufahrt von mindestens 2,30 Meter lichter 
Breite usw. 
Zu § 17 Ziffer 4. Neu: Nebenanlagen dürfen miteinander und 
mit anderen Gebäuden zusammengebaut werden. 
Zu § 18 Ziffer 1. DaS Wort solches fällt fort. 
Ziffer 2. Hinter Dachkante wird (§ 15 Ziffer 1) eingeschaltet: 
Neuer Absatz: Diejenigen Teile des Dachgeschosses, welche nicht 
zum dauernden Aufenthalt von Menschen benutzt werden dürfen, 
müss>n nach Grundriß und Höhenanordnung die Ausnutzung zu diesem 
Zwecke ausschließen. 
Ziffer 4. Das Wort solches fällt fort, und ist der Schluß der 
Ziffer verlängert um: und höchstens 3,30 Meter unter der Oberkante 
d s Fußbodens des darüber befindlichen Geschosses liegt. 
Z» 8 lS Ziffer 3. Fällt fort. 
Z ffcr 5. Fällt fort. 
Ziffer 7. Neue Ziffer 5 wird Schluß: feuersicheren Zugang zu 
der notwendigen Treppe oder den notwendigen Treppen (§ 35 Ziffer 2 
und 3) haben. 
Zu § 24 Ziffer 1. Freistehende massive Umfassungsmauern 
müssen unbeschadet der Vorschrift im § 22 Ziffer 3 im Dachgeschosse usw. 
Ziffer 2. Neue Fassung: Balkontragende Scheidewände müssen 
in dem obersten Geschosse mindestens 0,25 Meter, in den Geschossen 
darunter mind-stens 0,38 Meter stark sein. 
Zu § 25 Ziffer 2. Eiserne Träger .und Stützen' sind . . . 
Zu § 27 Ziffer 5. Neue Fassung: Bei einer Straßenbreite von 
15 Metein dürfen Vorbauten mit Ausnahme solcher, welche von 
Grund aus ausgeführt werden, 0,60 Meter über die Baufluchtlinie — 
Etraßengrenze — vortreten. Bei breiteren Straßen kann die Polizei 
behörde ein verhältnismäßig weiteres Vortreten, und zwar bis zu 
1,80 Meter bei einer Straßenbreite von 22 Metern oder mehr, 
gestalten. Das Vortreten von Vorbauten, welche von Grund aus 
aufgeführt weeden, in den Bürgersteig ist nur in Straßen von mehr 
alS 15 Meter Breite und nur bei einer Bürgerfteigbreite von 
mindestens 3 Metern bis auf das Maß von 0,25 Metern gestattet. 
Ziffer 10. Neue Fassung: In Vorgärten dürfen über die Vor- 
schriften in Ziffer 5 hinaus Vorbauten, die von Grand aus aufgeführt 
werden, höchstens 0,80 Meter, andere Vorbauten höchstens 1,30 Meter, 
Freitreppen höchstens 3 Meter vortreten; doch muß ein freier Vor- 
gartenraum von mindestens 2,50 Metern, bei der Anlage von Frei 
treppen ein solcher von 1,50 Meter Breite verbleiben. 
Zu § 35 Ziffer 1. Entfernung auf höchstens 25 Meter. 
Ziffer 2. Neue Fassung: Gebäude, welche über dem Kellergeschosse 
nicht mehr als zwei zum dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmte 
Geschosse haben, müssen mindestens eine feuersichere Treppe (notwendige 
Treppe) erhalten. Holztreppen, sofern sie nicht aus Eichenhol, her- 
gestellt sind, gelten nur dann als feuersicher, wenn sie in ihren Unter 
flächen geroh t und geputzt oder mit einer gleich feuersicheren Der- 
kleidung versehen sind. 
In Einfamilienhäusern genügt eine Treppe, auch wenn sie 
nicht feuersicher ist. 
Zu Ziffer 3. Neue Fassung: Gebäude, welche über dem Keller 
geschosse m hr c.lS zwei zum dauernden Aufenthalt von Menschen be- 
stimmte Geschosse haben, müssen mind.stens zwei feuersichere Treppen 
oder eine feuerfeste Treppe (notwendige Treppen) erhalten. Als 
feuerfest gilt eine Treppe, wenn ihre tragenden Teile, Wangen und 
Futterstufen in Stein, Eiserbeton, in unterhalb durch Drahtputz ge- 
schützten Eisen oder auch Eichenholz mit gerohrter und geputzter 
Unte feite hergestellt sind. Die Tiittstufen dürfen einen hölzernen 
Belag erhalten. 
In Einfamilienhäusern genügt eine Treppe, auch wenn sie 
uicht feuersicher oder feuerfest ist. 
Liegt der Fußboden des obersten zum dauernden Aufenthalt von 
Menschen bestimmten Geschosses höher als II Meter über der Erd 
oberfläche vor den ltmfaffungswänden des Gebäudes, so darf eine 
Treppe, auch wenn sie feuerfest ist, nur dann zugelassen werden, wenn 
durch die Herstellung einer zweiten Treppe die bauliche Ausnutzung 
dcS Grundstücks erheblich beeinträchtigt werden würde; und wenn die 
Treppe in den beiden obersten zum dauernden Aufenthalte von 
Menschen bestimmten Gefchoffen den Zugang von nicht mehr als drei 
selbständigen Wohnungen bildet, deren Gesamtfläche nicht mehr alS 
200 Quadratmeter beträgt. Wird nur eine Treppe zugelassen, so ist 
in anderer geeigneter Weise für die Sicherheit der Bewohner bei 
Feuersgesahr Sorge ,u tragen. 
Zu Ziffer 4. Letzter Satz neu: Die Vorschriften in dieser Ziffer 
finden auf Einfamilienhäuser keine Andwendung. 
Ziffer 9 und 10 fallen fort, Ziffer 11 dadurch 9 geworden. 
Ziffer 11, früher Ziffer 13, fällt bekleidet weg; neu: feuersicher 
sein (vergl. § 22 Ziffer 4 Absatz 2). 
Ziffer 13, früher Ziffer 15, statt unverbrennliche (feuerfeste). 
Zu § 39 Ziffer 9 statt mindestens 0,65 Meter mindestens 
0,065 Meter. 
Ziffer 16. Neue Fassung: An ein Schornsteinrohr von 250 
Quadratzentimeter lichtem Querschnitt dürfen höchstens 3 gewöhnliche 
Zimmeröfen angeschlossen werden. 
Zu § 40 Ziffer 7. Neue Fassung: Die Anlage von Sicker- 
gruben, welche bestimmt sind, von Abgängen und Abfallstoffen her- 
rührende Flüssigkeiten dem Untergründe zuzuführen, ist verboten. 
Zu § 41 Ziffer 2. Zweiter Absatz neue Fassung: Für je zwei 
selbständige Wohnungen muß mindestens ein gehörig abgeschlossener 
Abort vorhanden sein. 
Ziffer 9. Neue Fassung: Auf Grundstücke, welche landwirtschaft- 
lichen Betrieben dienen, finden die Vorschriften unter Ziffer 7 und 8 
keine Anwindung. Doch müssen die Abortgruben außerhalb der Um- 
fassungswände der Gebäude, in denen sich Räume zum dauernden 
Aufenthalt von Menschen beffnden liegen. 
Ziffer 10. Neue Fassung: Ausnahmen von den Vorschriften unter 
Ziffer 7 und 8 können für Grundstücke der Bauklassen II, B, C ii. D 
(88 51, 53, 54 und 55) unter folgenden Voraussetzungen zugelassen 
werden: 
a) die Aborte müssen Wasserspülung erhalten, 
d) die Aborte sii,d durch undurchlässige Rohre — die, soweit sie 
auße halb der Umfaffungswände der Gebäude liegen, unter- 
irdisch und frostfrei gelegt weiden müssen — an eine Grube 
anzuschließen. Die Grube muß mindestens 0,50 Meter über 
dem höchsten bekannten Grundwasserstande liegen,' mindestens 
1,50 Meter von Gebäuden, in denen sich Räume zum dauern 
den Aufenthalt von Menschen befinden, entfernt sein und darf 
keine Uberlaufrohre erhallen, 
o) es muß Gewähr dafür geboten sein, daß der Grubcninhalt 
durch Pumpen rechtzeitig geruchlos entfernt und in dicht- 
schließenden Tonncnwagen abgeführt wird. 
Ziffer II. Die Abort- und Sammelgruben (Ziffer 9 und 10) 
sind aus Mauerwerk oder anderen festen Baustoffen wasserdicht her 
zustellen und dichtschliißend zu überdecken. 
Sie u üffen von der Straße usw. wie Schluß alte Ziffer 9. 
Zu § 47 Ziffer 3. Absatz 2 neue Fassung; Für das Maß des 
Bauwichs und der Berechnung des Bruchteiles der Grundstücksfläche, 
welche bebaut werden darf, sind die Vorschltslen derjenigen Bauklaffe 
maßgebend, in welcher das Baugrundstück liegt. 
Zu § 49 Ziffer 1., Neue Fassung: Liegt das Grundstück zum 
Teil im Geltungsgebiet der einen Bauklaffe, zum Teil in dem einer 
anderen Bauklasse, so ist zunächst für jeden Teil nach den Vorschriften 
der für ihn maßgebenden Bauklaffe die Fläche zu berechnen, welche 
bi baut werden darf. Aus der Gesamtzählung der so gefundenen 
Flächenmaße ergibt sich der Gesamlflächeninhalt, welcher bebaut 
werden darf. 
Zu 8 50 Ziffer 1 früher 8 12 Ziffer 1 und 2 jetzt nur 8 12 
Ziffer l. 
Ziffer 5 fällt der Schlußsatz fort. 
Ziffer 6, letzter.Absatz, früher 8 19 Ziffer 1 bis 6, jetzt § 19 
Z ffer 1 bis 4. 
Zu 8 51 Ziffer 1, früher 8 12 Ziffer 1 und 2, jetzt tz 12 
Ziffer 1. 
Zu 8 53 Ziffer 3, früher 12 Ziffer 1 und 2, jetzt tz 12 Ziffer 1. 
Zu 8 54 Ziffer 3, früher 8 12 Ziffer 1 und 2, jetzt § 12 
Ziffer 1. 
Ziffer 6. Neue Fassung: Die Vorschriften in § 52 Ziffer 5 bis 7 
über die Zulässigkeit der Errichtung von Doppelhäusern und Gebäude- 
gruppe», sowie den unmittelbaren Anbau an Eckhäuser finden mit der 
Maßgabe Anwendu, g, das an Stelle des Bauwichs von 5 Meter ein 
solcher von 4 Meter und — im Falle deS AneinanderbauenS von zwei 
oder mehreren Gebäuden — an Stelle tnS Längenmaßes von 50 Meter 
ein solches ron 30 Meter tritt. 
Zu ß 55 Ziffer 1. Absatz 2 neu: Auch können rwei gegenüber- 
liegende Blockseiten in geschl ssener Reihe bebaut weiden, wenn im 
Innern des Blockes unbeschadet der Vorschriften über die unbebaut 
zu lassenden Flächen eine zusammenhängende, überall mindestens 20 
Meter breite unbebaute Fläche gesichert ist, welche an jede der beiden 
anderen Blockseiten durch eine von zwei Bauwichen gebildete, 
mindestens 20 Meter breite Lücke unmittelbare Fortsetzung bis zu den 
Straß n findet. 
Ziffer 3 früher § 12 Ziffer 1 und 2, jetzt § 12 Ziffer 1. 
Ziffer 10. Neu: Für Wirtschaftsgebäude am Grundstücken, welche 
seit Erlatz dieser Polizeiverordnung landwirtschaftlichen oder 
gärtnerischen Betrieben d enen, können Ausnahmen von den Vor- 
schrifteo in Ziffer 3, 7 und 8 zugelassen werden. Jedoch darf der 
G.samlflächeninhair aller am dem G undstllcke errichteten Baulich, 
ketten nicht mehr als 6 /io der nack 8 12 Ziffer 1 für die Bebauung 
inbet-acht kommenden Giundstücksfläche einnehmen. 
Zu § 58. Neu eingefügt: 
Veränderung der Zweckbestimmung von Einfamilien- 
Häusern. 
Gebäude, welche als Einfamilienhäuser unter den für solche zu 
gelassenen besonderen Vergünstigungen erlichtet sind, dürfen zum 
dauernden Aufenthalt von weh eren Familien nur dann Verwendung 
finden, wenn sie den allgemein gültigen Vorschriften dieser Polizei- 
verordnung entsprechend hergestellt worden sind. 
Zu 8 61 Ziffer I. Die Polizeioeroidnurg vom 21. April 1903 
wird aufgehoben. 
Lokates. 
f Die Baukommiffion besichtigte gestern Abend 
den Platz an der Kaisereiche. Zweck der Besichtigung war, 
ein Projekt zu entwerfen, das den Platz in seiner alten 
Schönheit wieder zeigen soll. Die Besichtigung und was 
aus dem Platze gemacht werden soll ist doch Sache der 
Bepflanzungs- rc. Kommission. Sonderbar ist es, daß 
Herr Schöffe Lichtheim sich seine Befugnisse nehmen läßt. 
-j- Die Nascustreifen zwischen den Geleisen der 
elektrischen Straßenbahn sind nun mehr in der Rheinstraße 
beim Kaiser Wilhelm-Garten beginnend eingepflanzt worden 
und verleihen dem Straßenbild einen außerordentlich 
freundlichen Charakter. 
f Die Fertigstellung des Tvltowkauals wird 
von der Kanalverwaltung nach dem augenblicklichen Stande 
der Arbeiten jetzt für das Ende des Jahres angenommen. 
Bis dahin wird der Hauptkanal in der Hauptsache betriebs 
fähig sein. Voraussetzung dabei ist, daß nicht eine be 
sonders ungünstige Witterung oder andere unvorherge 
sehene Störungen eintreten. Die Schleuse in Klein-Machnow 
kann im großen und ganzen als vollendet bezeichnet werden. 
Die elektrischenJnstallationen, dieAufstellung derSteuerungs- 
apparate usw. sind bewirkt und zum größten Teil bereits 
häufig geprüft worden, nachdem auf der Zentrale die 
Erzeugung des elektrischen Stromes in Angriff genommen 
ist. Wiederholte Schleusungen haben die Wirksamkeit der 
angebrachten Maschinerien usw. erwiesen. Mit der Ein 
übung des Personals wird fortgefahren. Die innere Ein 
richtung des großen Schleusenhauses bedarf nur noch in 
einigen nebensächlichen Punkten der Ergänzung. 
f Der Oktoberumzug steht vor der Türe. In 
den Straßen erscheinen bereits die großen Möbelwagen, 
denn besonders die Wohnungen in den Neubauten westlich 
der Kaiserallee können schon jetzt bezogen werden. Das 
Bermietungsgeschäft war im allgemeinen wieder ein sehr 
gutes, so daß ein starker Zuzug für den 1. Oktober zu 
erwarten steht. 
ff- Die Kündigung eines zwischen einem Hauswirt 
und zwei Eheleuten gemeinsam geschloffenen Mietsvertrages 
kann rechtswirksam nicht vom Ehemann erfolgen, sondern 
muß vielmehr von beiden Eheleuten erklärt werden. 
f Arbeiterkarten. Nach dem Winterfahrplane sind 
Arbeiterkarten inr- Stadt-, Ring- und Vorortverkehr an 
Arbeitstagen zu allen Zügen während des ganzen Tages 
benutzbar. Arbeiterwochenkarten dürfen auch an Sonn- 
und Festtagen benutzt werden, wenn diese Tage nach der 
Arbeitseinteilung als Arbeitstage anzusehen sind. Welche 
Züge an Sonn- und Feiertagen sonst noch benutzt werden 
dürfen, wird von Fall zu Fall besonders bestimmt. So 
weit Fernzüge den Verkehr bedienen, gelten die Arbeiter 
karten nur zur 4. Wagenklasse. 
-f Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das 
Gothaerstraße 8, Ecke Belzigerstraße 15, belegene, zur 
Zeit ider Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf 
den Namen der verwitweten Frau Aniela Boener, geb. 
v. Klempinska, zu Schöneberg eingetragene Grundstück am 
21. November 1905, Mittags 12 Uhr, versteigert werden. 
Das Grundstück ist mit 13 400 M. Nutzungswert zur Ge 
bäudesteuer veranlagt. 
-f An der Potsdamer Proviuzial-Chaufsee 
wird nun auch die letzte der alten natürlichen Ruhelauben 
verschwinden, die sich früher in größerer Anzahl und in 
gewissen Abständen hier befanden und dem Wandersmann 
Gelegenheit bieten sollten, im Schatten eine kurze Rast zu 
halten. Die Laube bestand in einer halbkreisförmigen 
Rasenbank, die vom Fliedersträuchern und dichtbelaubten 
Akazien überschattet wurde, während die hohen Chaussee 
pappeln, die früher zu beiden Seiten des Fahrdamms 
standen, nur wenig Schatten spendeten. Die letzte dieser 
Lauben steht auf der Grenze zwischen Steglitz und Lichter 
felde hinter dem Straßenbahndepot tznd wird bald der 
Bebauung, für die bereits hier die Vorbereitungen getroffen 
werden, weichen müssen. 
ff- Turnerisches. Die Berliner Turnerschaft ist nach 
den statistischen Erhebungen der Deutschen Turnerschaft 
wie seit Jahrzehnten immer noch der größte deutsche 
Turnverein. Sie zählt 3018 Erwachsene beiderlei Ge 
schlechts. Sie überragt damit noch um ein Beträchtliches 
die beiden nächst großen Vereine, den Münchner Turn 
verein von 1860 mit 2150 und den Münchner Männer- 
turnoerein mit 2108 Mitgliedern. An vierter Stelle steht 
Nürnberg, dessen Männerturnverein 2075 Mitglieder 
zählt. Der Reihe nach folgen dann Hamburger Turner 
schaft von 1816 mit 1798, die Turnergemeinde in Berlin 
mit 1667 und mit unter 1500 Mitgliedern die Allge 
meinen Turnvereine in Dresden, Leipzig, Pforzheim und 
Chemnitz. 102 Vereine führen je mehr als 500 Mitglieder. 
Daß die Berliner Turnerschaft als größter Verein auch 
in ihren Leistungen zu den führenden Vereinen gehörtz 
hat sie mehr als einmal bewiesen. Sie vertritt seit 
Jahren die besonders im Geräteturnen hervorragende 
„Berliner Schule", die selbst auf die berufsmäßige 
Artistenwelt nicht ohne Einfluß geblieben ist. 
f Erste Hilfe. Herr Apothekenbesitzer Sadse, der 
Leiter unserer Sanitätskolonne, macht uns darauf auf 
merksam, daß die Polizeibeamten sämtlich im Besitz eines 
Verzeichnisses der Kolonnenmitglieder sind. Es empfiehlt 
sich also bei Unglücksfällen wegen Hilfeleistung sich an 
die Polizeibeamten oder Polizeiwache zu wenden. Aner 
kennung verdient diese Unterstützung seitens der Behörde, 
dasunserem Bürgermeister Herrn Schnackenburg zu 
verdanken ist. 
-j- Die K. Postanstalt wird bis auf weiteres d. i. 
bis zum 1. Oktober noch um 7 Uhr geöffnet. Unsere 
gestrige Notiz, die besagte, die Postanstalt sei ab 1. Sep 
tember von 8 Uhr geöffnet, war dadurch veranlaßt, daß 
sich unser Berichterstatter vor einigen Tagen im Schalter 
raum unserer Post einige Minuten vor 8 Uhr einfand, um 
Marken zu kaufen und sämtliche Schalter geschlossen fand. 
s- Im Sportpark Steglitz begannen gestern um 
6 Uhr auf der neuerbauten Rennbahn die Vorläufe zu 
dem am Sonntag stattfindenden großen Fliegerrennen. 
1. Eröffnungs-Prämien-Fahren. 3000 Meter. Nach hartem 
Kampf gegen Stol, der mehrere Runden führte, und Peter, 
der bei der letzten scharf vorkam, ging Theile mit 3 Min. 
52.1 Sek. als Erster durchs Ziel, Zweiter wurde Conrad, 
Dritter Wegener. 2. 15 Kilometer-Rennen mit Straßen- 
motor-Führung. Stol (Schrittmacher Schmidt) gewann 
das Rennen in 15 Min. 13,2 Sek., ihm folgten Müller, 
Theile, Kelbel, Bartelmann um 1002, 1536, 2620, 4140 
Meter zurück. Theile, der erst spät den Anschluß an seinen 
Motor erlangte, holte mächtig auf, während Mohr gleich 
zu Anfang das Rennen aufgab. 3. Steglitzer Hauptfahren. 
1000 Meter, a) 3 Vorläufe über 1000 Mtr. (Der Erste 
eines jeden Vorlaufs kommt in das große Hauptfahren 
am 10. September.) Im ersten Vorlauf führte anfänglich 
Stol. der aber an Ellegard abgeben mußte, der mit 1 Min. 
20.1 Sek. siegte, danach Conrad, Bader. Im zweiten 
Vorlauf führte Scheuermann, von ihm übernahm Arend. 
Zeit 1 Min. 34,2 Sek., dahinter Wegener, Scheuermann. 
Im dritten Vorlauf siegte mit 1 Min. 25,2 Sek. Poulain, 
Zweiter Huber, Dritter Theile, b) Zwei Befähigungsläufe 
über 1000 Mtr. für die Zweiten und Dritten der Vorläufe. 
(Die beiden Ersten und der schnellste Zweite kommen in 
das kleine Hauptfahren am 10. September.) In 1 Min. 
42.2 Sek. ging im ersten Rennen Bader durchs Ziel, 
hinter ihm Theile, dann Wegener, im zweiten Rennen 
Scheuermann mit 1 Min. 54,2 Sek., dann Huber, Conrad. 
4. Kleines Malfahren, 1000 Mtr. Drei Vorläufe über 
1000 Mir., deren drei Sieger in den Endlauf kommen. 
Die Resultate der Vorläufe waren: 1. Vorlag: Kudela. 
Mensing, Wegener. 2. Vorlauf: Theile, Kurzmeier, 
Scheuermann. 3. Vorlanf: Möh-»^ Stol, ^Pet,er. Im, 
Endlauf erreichte Peter das Ziel in 1 Min. 21,2 Sek., 
hinter ihm Kudela und Kurzmeier. 
f Hohenzollern-Theater. Die diesjährige Er 
öffnungsvorstellung Dir. Behles am Dienstag, dem 
19. September wird uns gleich eine hochinteressante 
Novität bringen, über die wir in den nächsten Tagen 
näheres bringen können. Wir wollen heute noch auf einige 
Neuerungen Hinweisen, welche Dir. Behle in diesem Winter 
eingeführt hat. So wird auf vielseitigen Wunsch des 
Publikums nach dem Mnster des Berjiner Schillertheaters 
der Preis für die Gardrobe mit dem Billet gleich mit 
bezahlt und ist hierfür der denkbar niedrigste Preis von 
10 Pfg. angesetzt, und bedeutet dies eine außerordentliche 
Bequemlichkeit und Annehmlichkeit für die Theaterbesucher. 
Herr Di '. Behle sieht sich ferner veranlaßt, die hier bei 
uns eingeführte Billetsteuer, nach welcher er pro Billet 
5 resp. 10 Pfg. Steuer zahlen muß und wodurch der 
Etat seiner Vorstellung ganz bedeutend belastet wird, in 
dieser Saison auf die Billets aufzuschlagen. Die Preise 
der Plätze würden sich demnach in dieser Wintersaison 
folgendermaßen stellen: Loge 1,75 M., Sperrsitz 1,25 M., 
Balkon IM., 2. Platz 60 Pfg. Die Vorstellungen Dir. 
Behles, welche schon im vorigen Winter vorzügliche waren, 
sollen in diesem Winter durch das Engagement noch besserer 
und teurerer Kräfte noch bedeutend großartiger werden, 
so daß unser kunstliebendes Publikum die kleine Preis 
erhöhung gern mit in den Kauf nehmen wird. Billet 
bestellungen nehmen die bekannten Vorverkaufsstellen be 
reits von heute an entgegen. 
-ff Neuer Verein. Eine große Anzahl musikalischer 
Kräfte hat sich zusammen gefunden um einen Orchester- 
Verein zu gründen. Die Konstituierung desselben findet 
heute Abend in der „Kaiser-Eiche" statt. 
-ff Schlager auf Schlager werden heute Abend im 
Kaiser-Wilhelm-Garten durch das Direktor Weiß'sche 
Kabaret-Humpelkasten geboten, worauf hiermit empfehlend 
hingewiesen wird. 
-j- Mißstaud. Die Anwohner der Kaiserallee am 
Friedrich Wilhelmplatz und der Kirchstraße führen berechtigte 
Klage über das Kreischen der elektrischen Straßenbahn bei 
der Kurve auf der westlichen Seite. Im Juni d. I. ist 
bereits schon einmal der Gemeindcvorstand bei der Direktion 
der Westlichen Vorortbahn wegen des Mißstandes vorstellig 
geworden und die Direktion hatte in einem Schreiben 
mitgeteilt, daß das Personal angewiesen sei, die Schienen 
stets feucht zu halten. Diese Dienstanweisung scheint aber 
bereits wieder in Vergessenheit geraten zu sein. 
ff- Ein starker Gasgeruch machte sich gestern 
Abend in der Bismarckstraße bemerkbar. Wahrscheinlich 
wurde bei den Erdarbeiten, die zur Zeit dort ausgeführt 
werden, eine Gasröhre beschädigt. 
-j- Gut abgelaufen. Als gestern Abend 7 Uhr eine 
etwa 35 Jahre alte Dame aus der Blumenthalstraße in 
Berlin den Fahrdamm der Friedenauerstraße bei der Frege- 
straße überschreiten wollte, kam gerade ein Wagen der 
elektrischen Straßenbahn von der Richtung Steglitz. Die 
Dame konnte nicht mehr ausweichen und wurde von dem
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.