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Periodical volume Nr. 209, 06.09.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

des Grundrisses handeln. Dieser wird sodann auch ge 
nehmigt. 
Der nächste zur Beratung stehende Punkt der Tages 
ordnung „Änderung des Platzes an 8er Kaisereiche" 
wurde vertagt. 
Über „die Annahme eines Geschenkes derAachen- 
Münchener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft für 
Zwecke des Feuerlöschwesens" referierte Herr Schöffe 
Wossidlo unter Bezugnahme auf die von uns gebrachte 
Borlage. Die Gemeindevertretung erklärte sich mit der 
Annahme des Geschenkes unter den gestellten Bedingungen 
einverstanden. 
Als letzter Punkt stand auf der Tagesordnung zur 
Beratung „die Ausdehnung jdes Kabelnetzes". Herr 
Diplom-Jngenieur Mulertt führte aus, man habe ur 
sprünglich beschlossen, daß nur der alte Stadtteil mit Kabeln 
belegt würde. Schon in der ersten Kommissionssitzung 
seien damals Bedenken laut geworden, nur auf diesen 
Stadtteil das Kabelnetz zu beschränken. Nun sei gerade 
westlich der Kaiserallee in den letzten Jahren viel gebaut 
worden. Im Laufe der Zeit habe es sich nun herausge 
stellt, daß es nicht gut möglich sei, diesen Stadtteil vor 
läufig unbelegt zu lassen. Von dort sei nicht nur eine 
ziemlich bedeutende Anzahl von Lampen angemeldet worden, 
es sei auch von den dortigen Interessenten nahe gelegt 
worden, hier zu empfehlen, daß auch dorthin Kabel gelegt 
würden. Seinerzeit sei ihnen ein Schreiben zugestellt 
worden, ob sie elektrisches Licht nehmen würden. Sie 
hätten sich damals gemeldet. Es liege aber auch im Inter 
esse des Elektrizitätswerkes neue Konsumenten zu erhalten. 
In Betracht kämen zunächst folgende Straßen, die Wies 
badener-, Wilhelmshöher-, Wilhelms- und Eschenstraße. 
In der WieSbadenerstraße würden die Kabel bis zum 
Schillerplatz gelegt werden, angemeldet seien bis jetzt 
bereits 300 Lampen. In der Wilhelmshöherstraße seien 
von fünf Häusern 8 Lampen angemeldet, diese Anmeldung 
beziehe sich aber nur auf die Treppen, da die Häuser noch 
nicht vollständig ausgebaut seien. In drei Häusern sei 
jedoch bereits Einrichtung für elektrisches Licht getroffen, 
sodaß man auf 5- bis 600 Lampen rechnen könne. In 
der Wilhelmstraße seien bis jetzt 28 Lampen angemeldet, 
eine im Bau befindliche Billa würde ebenfalls elektrisches 
Licht erhalten. In der Eschenstraße sind vop drei Häusern 
für die Treppen 53 Lampen angemeldet. In den drei 
Häusern sei die Einrichtung bereits so getroffen, daß für 
das zweite Haus 200 und für das dritte Haus sogar 
280 Lampen zur Anmeldung kommen werden. Die Kosten 
für die Kabellegung würden betragen in der Wilhelmstraße 
auf einer Seite 2860 M., in der Eschenstraße doppelt 
1500 M., in der Wiesbadener Straße doppelt 4600 M. 
und in der Wilhelmshöher Straße doppelt 2800 M., in 
Summa 12000 M. Die Elektrizitätskommisston habe ihn 
beauftragt, der Gemeindevertretung zu empfehlen, diese 
Straßen mit Kabel zu belegen. Es würde sich auch 
empfehlen, die Stubenrauchstraße mit Kabel zu belegen, 
nachdem auch von dort 50 bis 60 Lampen angemeldet 
seien und dadurch das Kabelnetz völlig wieder geschlossen 
würde. Er habe auch eine diesbezügliche Berechnung auf 
gestellt: es würden 5500 M. erforderlich sein, sodaß die 
Gesamtkosten für Ausdehnung des Kabelnetzes 17 500 M. 
betragen. Herr G.-B. Haustein befürwortet den Antrag 
des Ausschusses. Herr G.-B. Schremmer empfiehlt die 
provisorische Anlage mit Masten für die Stubenrauchstraße. 
Nachdem noch die Herren G.-B. Panse, Draeger, 
Homuth und Matthies zur Sache gesprochen wird der 
Beschluß der Kommission angenommen und die Mittel 
genehmigt. Hierauf brachte Herr Mulertt einen weiteren 
Beschluß der Elektrizitätskommisston zur Beratung, in die 
Straßen des zu bebauenden Sportparkgeländes jetzt schon 
die Kabel zu legen. Wenn man dies tue, habe man den 
Vorteil, daß man später das Straßenpflaster nicht aufreißen 
brauche. Herr Direktor Haberland wolle der Gemeinde 
auch die Kosten in der Höhe von 25 000 M. vorschießen 
und zwar zinsenlos bis zum 1. April. Dann wäre der 
Betrag zurückzuzahlen oder doch entsprechend zu verzinsen. 
Er habe nun einen Anschlag aufgestellt, wieviel die Kosten 
betragen würden, wenn sämtliche Straßen mit Kabel belegt 
würden. Er habe angenommen, daß in diesem neuen 
Stadtteil 4- bis 5000 Lampen installiert würden, die 
Kosten für das Kabelnetz würden 23 OM M. betragen, 
wenn die Firma die Ausführung zu den alten Preisen über 
nehme. Aber schon die Kabellegung in der Stubenrauch- 
straße sei nach dem Vertrage als Extraleistung der Firma 
zu betrachten und es kommen nun die gesteigerten Preise 
in Betracht, zudem seien auch die Kupferpreise stetig im 
Steigen begriffen. Die Elektrizitätskommission halte das 
Angebot auf jeden Fall für vorteilhaft und empfehle es zur 
Annahme. Nachdem Herr Schöffe Draeger sich in gleichem 
Sinne ausgesprochen, wird der Antrag angenommen. 
Hierauf erfolgte gegen 9^/z Uhr Schluß der öffent 
lichen Sitzung. 
Lokales. 
-j- Bürgermeister-Urlaub. Herr Bürgermeister 
Schnackenburg hat einen dreiwöchentlichen Urlaub an 
getreten, den er in „Mühle Schwitz", Kreis Graudenz in 
Westpreußen, verbringt. Hoffen wir, daß unser Orts 
oberhaupt wieder im Besitze vollständiger Gesundheit 
zurückkehrt. 
t Brennkalender für den Monat September. 
Die Abendlaternen brennen bis 1% Uhr. Sie werden 
angezündet vom 1.—4. September um 7 3 / 4 Uhr, vom 
5.—10. September um 7^ Uhr, vom 11.—16. September 
um 71/4 Uhr, vom 17.—22. September um 7 Uhr und 
vom 23.—30. September um 6% Uhr. Die Richt- 
ljaternen brennen vom 1.—2. September von 7 3 / 4 —4 Uhr, 
vom 3.-4. September von 7 3 / 4 Uhr bis 4 1 j i Uhr, vom 
5.—10. September von 7 l L Uhr bis 4*/ 4 Uhr, vom 
11.—16. September von 7 1 / 4 Uhr bis 4AL Uhr, vom 
17.—22. September von 7 Uhr bis 4 3 / 4 Uhr, vom 
23.—26. September von 6% Uhr bis 4 3 / 4 Uhr und vom 
27.—30. September von 6 3 / 4 Uhr bis 5 Uhr. 
t Eine Prüfung der Lehrlinge für das Bäcker- 
und Konditorgewerbe findet wiederum im Oktober d. I. 
für diejenigen Zöglinge statt, deren Meister einer Innung 
im Kreise Teltow nicht angehören. Die Gesuche um Zu 
lassung zur Prüfung sind unverzüglich an den Vorsitzenden 
des Ausschusses, Obermeister A. Trunk in Britz, Werder- 
straße 66, zu richten. Es ist ihnen beizufügen: 1. ein 
kurzer, selbstverfaßter und eigenhändig geschriebener Lebens 
lauf des Prüflings, 2. ein vom Lehrherrn ausgestelltes 
Lehrzeugnis, welches von der Gemeindebehörde kosten- 
und stempelfrei zu beglaubigen ist, und 3. wenn der 
Lehrling eine Fortbildungs- oder Fachschule besucht hat, 
das Zeugnis über den Schulbesuch. Zu späte Anmeldungen 
finden keine Berücksichtigung; in solchem Falle werden 
vielmehr die Prüflinge bis zum Osterquartal 1906 zurück 
gestellt. Die Herren Lehrmeister sind nach § 131 e Abs. 1 
der G.-O. verpflichtet, den Lehrling zur Ablegung der 
Gesellenprüfung anzuhalten. 
-j- Die StandesamtSuachrichten für die Zeit vom 
6. August bis 2. September find in heutiger Nummer 
enthalten. 
-j- Die Einquartierung der Garde du Corps hat 
gestern Nachmittag nach viertägigem Aufenthalte unseren 
Ort wieder verlassen. Mit sehnenden Blicken sah den 
schmucken Reitern so manche Küchenfee nach und die 
Suppe dürfte heute auf manchen Mittagstisch versalzen 
kommen. 
f Gruudstücksankauf. Wie wir erfahren, soll 
Herr Direktor Haberland den Rest der dem Berlin- 
Charlottenburger Bauverein gehörigen, westlich der Kaiser 
allee gelegenen Grundstücke gekauft haben. 
f Besitzwechsel. Das Grundstück Schmargendorfer- 
straße 15, bisher Herrn.Rechnungsrat Szlatohlawek gehörig, 
ist in andern Besitz übergegangen. 
t Im Sportpark Steglitz sind nunmehr alle 
Fahrer für die großen Flieger-Rennen am nächsten 
Sonntag eingetroffen, deren Vorläufe am Donnerstag, 
den 7. September. Abends 6 Uhr, gefahren werden sollen. 
Am Montag lag außer Arend, Scheuermann, Huber, 
Bader rc. auch der alte Weltmeister Ellegaard bereits dem 
Training ob, und am Dienstag kam der neue Weltmeister, 
der Franzose Poulain aus Bordeaux bezw. Paris an. Die 
Begegnung so hervorragender Fahrer wird natürlich den 
Steglitzer Rennen einen ganz besonderen Reiz verleihen 
und den Besuchern guten Sport bieten. Am Donnerstag 
kommt außer den Flieger-Vorläufen noch ein 15 Kilometer- 
Rennen hinter Straßenmotoren, ein Eröffnungs-, Prämien- 
und ein kleines Hauptfahren zur Entscheidung. 
-j- Schöneberger Vezirksverein „Süd-West". 
Die erste Monatsversammlung nach den Ferien findet am 
Freitag, dem 8. September, Abends 9 Uhr im „Reichs 
kanzler", Rembrandtstraße 3, statt. Tagesordnung: Ge 
schäftliche Mitteilungen; Mitteilungen aus der Stadtver 
ordnetenversammlung; die Schulnot in unserem Ortsteil 
(Referent: Herr Justizrat Reinbacher); Jnteressenfragen 
und Fragekasten. 
t Friedenauer Männer-Quartett 1904. Der 
Verein beabsichtigt seine Übungsstunden von Donnerstag 
auf Mittwoch zu verlegen und findet dieserhalb im 
Vereinslokal „Kaisereiche" morgen Abend 9 Uhr eine 
Besprechung statt, zu welcher die Mitglieder vollzählig er 
wartet werden. 
f Für die große landwirtschaftliche Wander 
ausstellung, die von der Deutschen Landwirtschafts 
gesellschaft im nächsten Jahre in Schöneberg veranstaltet 
wird, ist jetzt die Zeit vom 21. bis 26. Juni 1907 fest 
gesetzt worden. Das 32 Hektar große Ausstellungsgelände 
ist von der Stadt Schöneberg unentgeltlich zur Verfügung 
gestellt und befindet sich östlich der Rubensstraße und 
nördlich der Peter Vischerstraße in der Nähe der 
Nathanaelkirche. 
-j- Humpelkasten. Diesen Namen trägt jetzt das 
Direktor Weiß'sche Kabaret, welches die nächste Vorstellung 
im „Kaiser-Wilhelm-Garten" am Freitag den 8. d. Mts. gibt 
Unter den neu engagirten Künstlern befindet sich auch 
Herr Dallmann, der tüchtige Tenorist, der bei seinem 
Auftreten s. Zt. hier im „Rheinschloß" in der Mylius'schen 
„Freien Opernbühne" allgemein gefiel. Es wird wieder 
ein reichhaltiges Programm geboten und hofft die Direktion 
auch in ihrem neuen Heim auf guten Besuch. 
f Die lebenden Photographien in Liebings 
Kinematograph üben täglich eine große Anziehungskraft 
auf das Publikum aus. Das Gebotene entzückt und 
amüsiert die Zuschauer, die vollbefriedigt das geräumige, 
behagliche Theater verlassen. Morgen nachmittag 4 Uhr 
findet eine große Schülervorstellung statt. 
f Ein mysteriöser Fund wurde dieser Tage in 
der Bedürfnisanstalt Ecke der Friedenauer- und Holbein 
straße gemacht. Ein Besucher derselben fand hier einen 
kleinen grauen Koffer, den er sofort der Polizei auslieferte. 
In demselben befanden sich mehrere Kleidungsstücke und 
ein Militärpaß auf den Namen Hermann Mann lautend. 
Nun sucht aber die Charlottenburger Polizei den Hermann 
Mann bereits seit dem 30. Juni d. I. Er wohnte in 
dem Hause Lutherstr. 50 in Schlafstelle und ist ganz plötz 
lich, ohne daß irgend welche Gründe vorlagen, verschwunden; 
man nahm bisher an, daß der Arbeiter verunglückt sei. 
Das Auffinden des Koffers macht jedoch diese Annahme 
hinfällig und es wäre wünschenswert, wenn alle diejenigen, 
die Mann in letzter Zeit gesehen oder über seinen Auf 
enthalt etwas erfuhren, sich bei der oben genannten Be 
hörde meldeten. 
f Ein schwerer Unglücksfall durch Überfahren 
ereignete sich gestern Abend gegen 6 Uhr vor dem Hause 
Ebersstraße 56 in Schöneberg. Der 15 jährige Bursche 
Paul Schwarz, Ebersstraße 43 bei der Mutter wohnend, 
fuhr auf einem Rade die Straße entlang, als ein schwer 
beladener Wagen einer Waschanstalt in schnellem Tempo 
hinter ihm her fuhr. AIs Sch. sich durch Ausbiegen in 
Sicherheit zu bringen versuchte, kam er so unglücklich zu 
Fall, daß ihm der schwere Wagen über Brust und Beine 
hinwegfuhr. Ein Wachtmeister, der zufällig in der Nähe 
des Unglücksfalles sich befand, stellte sofort die Person des 
Kutschers fest und benachrichtigte die Unfallstation. Gerade 
als der Rettungswagen anlangte, traf auch die Mutter 
des Schwerverletzten auf der Unglücksstätte ein und ließ 
ihren Sohn in die naheliegende Wohnung schaffen, um 
ihn in privatärztliche Behandlung zu geben. 
Schöneöerg. 
— Handelsgerichtliche Eintragung. Nr. 3213: 
Sonnengift-Gesellschaft. Sitz ist Schöneberg. Gegenstand 
des Unternehmens ist: Die Fabrikation und der Vertrieb 
der „Sonnengift" genannten Flüssigkeit, eins Erfindung 
zum Schutze von Gegenständen, denen das unmittelbare 
Sonnenlicht schädlich ist. Das Stammkapital beträgt: 
20 000 M. Geschäftsführer: Kaufmann Felix Goldschmidt 
in Berlin und Kaufmann Wilhelm Sonnenfeld in Schöne- 
berg-Berlin. Die Gesellschaft ist eine Gesellschaft mit be 
schränkter Haftung. Der Gesellschaftsvertrag ist am 
22. August 1905 festgestellt. Ist nur ein Geschäftsführer 
bestellt, so erfolgt die Vertretung der Gesellschaft durch 
diesen; sind mehrere Geschäftsführer bestellt, so erfolgt die 
Vertretung der Gesellschaft durch zwei derselben. Außer 
dem wird noch folgendes bekannt gemacht: Die Gesell 
schafter Goldschmidt und Sonnenfeld bringen die Erfindung 
„Sonnengift" zum festgestellten Werte von 17 0M Mark 
ein, und zwar jeder um die Hälfte. 
— Der Polizeihauptmaun Rolliu aus der 
Hauptstraße 26, hielt kurz vor dem Eintreffen des Kaisers 
mit seinem Pferde auf dem Aufmarschgelände an der 
Großgörschenstraße. Plötzlich scheute das Pferd. Haupt 
mann Rollin wurde aus dem Sattel geschleudert, blieb 
aber im Steigbügel hängen und wurde von dem Pferde 
mitgeschleift. Ein Schutzmann sprang hinzu und befreite 
den Unglücklichen aus seiner Lage. Der Verunglückte, der 
schwere innere Verletzungen und einen Beinbruch erlitt, 
wurde sofort nach dem Elisabeth-Krankenhause über 
geführt 
Werlin und Wororte. 
8 Zur Fortführung der Untergrundbahn nach 
Osten zu werden jetzt vor den Häusern Leipziger Platz 5 
und 6, unter denen der Bau bereits in vollem Gange ist 
und die deshalb durch starke Balken gestützt werden müssen, 
große Brnnnenanlageu hergestellt. Sie haben den Zweck, 
das Grundwasser, das den Arbeiten hinderlich ist, vom 
Tunnelbau abzulenken, so daß es ausgepumpt werden 
kann. Der Tunnel wird dann unter den Anlagen des 
Leipziger Platzes hinweg zunächst bis zum Wertheimschen 
Warenhause geführt werden, unter dem bekanntlich der 
Tunnelbau bereits bei der Errichtung des Gebäudes her 
gestellt worden ist. 
8 Im alte« Botanischen Garten ist jetzt eine 
Feldbahn angelegt worden, durch welche der zum 
Planieren des Geländes erforderliche Sand fortgeschafft 
werden soll. 
8 Die alte „Reezen-Gaffe", der zwischen der 
Spandauer- und Jüdenstraße gelegene- Teil der heutigen 
Parochialstraße, wird jetzt vollständig neu reguliert. An 
Stelle des alten vorsündflutlichen Pflasters tritt eine 
Asphaltdecke, und die Bürgersteige, die noch ganz das alte 
Berliner Muster zeigen, werden den Bürgersteigen der 
anderen Straßen gleichgestaltet, d. h. sie erhalten eine 
Bordsteinschwelle und zwischen dieser und den Granitfliesen 
einen Streifen Mosaikpflaster. Infolgedessen muß ein Teil 
des Fahrdammes, der so schmal ist, daß hier nur ein 
Wagen entlangfahren kann, zu den Bürgersteigen hinzu 
genommen werden. Am eigenartigsten wird sich diese 
Neuregulierung an der schmälsten Stelle de§ Gäßleins, an 
ihrer Einmündung in die Spandauerstraße ausnehmen, 
wo die jetzt überaus schmalen Bürgersteige auf 80 Zenti 
meter verbreitert werden, sodaß vom Fahrdamm nur noch 
noch 2 Meter übrig bleiben. Die „Reezen-Gasse" führte 
ihren Namen nach dem Stadtkämmerer David Reez. 
Zwischen der Jüden- und Klosterstraße hieß die Parochial 
straße, die diesen Namen im Jahre 1862 erhalten hat, 
früher „Kronen-Gasse". Diese ist durch den Bau des 
neuen Rathauses ganz bedeutend verbreitert worden und 
wird wohl bald ein ganz anderes Gepröge erhalten. Der 
zwischen der Kloster- und Waisenstraße gelegene Teil hatte 
die Bezeichnung „Parochialkirch-Gasse". 
8 Die böhmischen Obstkähue, die bereits vor 
einiger Zeit vereinzelt hier eintrafen, liegen jetzt in größerer 
Menge an der Burgstraße neben der Friedrichs-Brücke vor 
Anker. Auch zwischen der Schloß- und der Eisernen- 
Brücke, sowie an der Insel-Brücke sieht man solche um 
fangreichen Fahrzeuge, die eine besondere große Breite 
haben und mit Birnen und Apfeln dicht gefüllt find. Der 
Verkauf geschieht meistens im Großen an die Händler 
Berlins und der Vororte, doch werden auch kleine Posten 
abgegeben. Arme Leute kaufen besonders für ein Billiges 
angestoßene Birnen und Apfel, die sorgfältig ausgesucht 
werden und sich nach Entfernung der schadhaften Stellen 
noch ganz gut zum Einkochen eignen. 
Gerichtliches. 
(,:) Uber die WohuungSpolizei hat daS -r^berverwaltungsgericht 
verschiedene Entscheidungen von allgemeinem Interesse getroffen, die 
jetzt von Amtswegen zusammengestellt werden. Die mit der Bau- 
S ei betrauten Behörden find tür alle Anordnungen baulicher Art 
ndig, die die Sicherung des Lebens und der Gesundheit gegen 
Gefahren bezwecken, die aus dem mangelhaften Zustand von Ge- 
bänden erwachsen können. Es kann daher auch von ihnen die 
Räumung von Wohnungen angeordnet werden. Eine andere Ent- 
cheidung erkennt die Befugnis der Polizeibehörde an, einer Pro- 
tiuierten das Wohnen in einem bestimmten Hause auch da zu unter- 
agen, wo daS betteffende Haus in dem Eigentum deS Ehemanns 
teht und von dem Ehemann zum Wohnen 'benutzt wird. Eine 
Polizeiverwaltung hatte eine Verfügung an einen Hausbefitzer er 
lassen, daS Abflußrohr aufzutauen und zu reinigen, die Wasserrohre 
einer zweistündigen Spülung unter Hinzuziehung der Wasserwerks- 
Verwaltung zu unterziehen, die Klosetts mit Rohrunterbrechern zu ver- 
sehen und die Konushähne durch Niederschraubhähne zu ersetzen. 
Gegen diese Verfügung erhob der Hausbefitzer Klage beim Bezirks 
ausschuß, die Klage wurde aber zurückgewiesen. Das Oberverwaltung^, 
gericht hob jedoch das erste Urteil auf und verwies die Sache an den 
oen Verhältnissen näher stehenden Bezirksausschuß behufs weiterer 
Entscheidung. Es sollten beide Parteien gehört und weitere Beweis- 
aufnahmen, Vernehmung eines Sachverständigen, erfolgen. 
Vermischtes. 
' Da« Gewächshaus tu» Korbe. Die Schaufenster unserer 
großen Blumenläden zeigen jetzt eine beachtenswerte Neuerung. Es 
sind flache ovale Körbchen, in denen bald mehr, bald weniger zahl-
        
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