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Periodical volume Nr. 208, 05.09.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

getragen hat. Ich bin gewiß, daß Sie auch als Schöffe die 
Pflicht voll und ganz tun werden. — Eine Vereidigung der 
Herren ist nicht nötig, da sie erst in einer anderen Sache 
den Staatsbürgereid geleistet haben- 
Auf Anregung des Herrn Bürgermeisters Schnacken- 
burg, der noch immer unpäßlich ist, wurde hierauf in die 
Beratung eines Punktes der geheimen Sitzung ein 
getreten. Nach nahezu einstündiger Debatte konnte die 
öffentliche Sitzung wieder eröffnet werden. 
Auf der Tagesordnung stand zunächst die Änderung 
des Projekts für den Neubau der Volksschule. 
Das Referat lag in den Händen des Herren Schöffen 
Bache. Es handle sich um den Neubau der Volksschule, 
man müffe auf die Angelegenheit zurückkommen, weil der 
Entwurf die Genehmigung der Kgl. Regierung nicht ge 
funden habe, da die vorgeschlagenen beiden Treppen für nicht 
ausreichend angesehen würden. Um nun die verlangte 
dritte Treppe zu schaffen, soll die Klassengröße verringert 
werden. Es sei jedoch nicht nötig die Größe der sämt 
lichen 35 Klassen zuverringern, 20 Klaffen würden 
die jetzige Größe beibehalten. Klein könne man 
die Klaffen auch nicht nennen, da sie 60 Schüler 
aufnehmen könnten, mehr seien in einer Klaffe nicht gut 
zu unterrichten. Die Klaffen seien auch vor allem höher 
als die.in der Volksschule der Älbestraße, so daß Luft 
genug vorhanden sei. Es liege nunmehr das neue Projekt 
vor, mit , dem sich auch der Herr Rektor einverstanden 
erklärt habe. Dieser gibt in seinen Ausführungen zu, 
daß die Schulzimmer für Lehrer und Schüler das Wichtigste 
sei. Bei dem fünfstündigen Aufenthalte sei es natürlich 
sehr erwünscht, daß die Zimmer so groß bemeffen würden, 
daß immer gute Luft vorhanden sei. Nach der hygienischen 
Seite hin sei nun bei dem neuen Projekte genug getan. 
Herr G.-V. Schremmer erkennt an, daß es sehr lobens 
wert sei, das neue Projekt ohne besondere Verteuerung 
auszuführen, auf der anderen Seite müffe er bedauern, 
daß durch die Änderung die Zimmer erheblich kleiner 
würden, es komme nicht darauf an, ob 50 oder 60 Kinder 
in einem Zimmer sitzen, es komme darauf an, daß in den 
Klaffen auch noch Platz ist, wo kein Kind sitzt. Ob dieses 
Prinzip durchgeführt sei, wolle ihm nicht scheinen. Es sei 
doch vielleicht möglich, die dritte Treppe in den Gang zu 
legen, sodaß dann die Zimmer nicht verkleinert werden 
brauchten. Es könne nicht genug getan werden für die 
Größe der Schulräume. Je mehr Luft in jedem Schul 
zimmer, desto besser sei es. Herr Schöffe Bache führt 
aus, es sei ja richtig, was Herr Schremmer sage, aber es 
gehe einfach nicht. Würde die Treppe in den Korridor 
gelegt werden, so würde dieser zu dunkel. Er sei anfangs 
auf demselben Standpunkte, wie Herr Schremmer gestanden, 
aber man müffe darauf halten, daß dieser Korridor voll 
ständig Licht habe. Herr G.-V. Schremmer glaubt, daß 
die Regierung seinen Vorschlag genehmigen würde. Herr 
Bürgermeister stimmt Herrn Schöffen Bache bei. Die 
Sache gehe nicht so, wie Herr Schremmer meine, auch 
Herr Architekt Dunz sei ursprünglich für dies Projekt 
gewesen. Das neue Projekt sei nun in der Regierung 
durchgesprochen worden und die Ansicht darüber sei die 
gewesen, daß das Projekt sehr gut sei. Zwischen diesen 
kleinsten Klaffen und den jetzigen besten Klassen sei ein 
enormer Unterschied. Man habe bei den neuen Klaffen 
4 Meter Lichthöhe gegen 3,60 Meter bei den jetzigen 
Klaffen. Herr G.-V. Leo Schultz ist der Ansicht, daß zu 
wenig Klaffen angelegt sind, er hält die zwei Treppen für 
Raumverschwendung und wünscht die zwei kleinen Treppen 
an den Seiten der Korridore am Bauwich zu legen, hier 
durch wird eine weitere Klaffe gewonnen. Die zwei 
kleineren Treppen führen dem Korridor kein Licht zu und 
es wird in einem jeden Stock eine Klaffe gewonnen. Herr 
Schöffe Draeger bemerkt, den Luxus mit den drei 
Treppen habe auch der Ausschuß empfunden. Auch er 
habe den Raum besser ausnützen wollen, aber die 
Regierung versage einfach die Genehmigung. Herr G.-V. 
Schremmer tritt nochmals für sein Projekt ein und wird 
hierbei von Herrn G.-V. Haustein unterstützt, der zugibt, 
daß er im ersten Augenblicke, als Herr Schremmer im 
Bauausschuffe den Vorschlag gemacht habe, nicht dafür 
gewesen sei, nach reiflicher Überlegung habe er aber doch 
eingesehen, daß der Vorschlag ein guter sei. Es könnten 
auch Kosten gespart werden, zu verwerfen sei der Vorschlag 
auf keinen Fall. Idealer sei das jetzige Projekt, praktischer 
der Vorschlag Schremmer. Herr Bürgermeister Sch na cken- 
burg meint, wenn die Herren Sachverständigen anfingen, 
sich in die Haare zu geraten, sei es für den Laien schwer, 
sich ein Urteil zu bilden. Der Regierung sei es gleich, 
wo die Treppen hingelegt werden, sie sagt, so viel Schüler 
kommen in das Haus, für soviel Schüler müffe sie eben 
Treppen haben. Herr G.-V. Lohmann entgegnet Herrn 
Schremmer, daß in den Klassen genug Luftraum vorhanden 
sei. (Herr Bürgermeister Schnackenburg steht sich 
genötigt, die Sitzung zu verlassen und verabschiedet sich 
von den Herren auf drei Wochen. Die Leitung übernimmt 
Herr Schöffe Bache.) Herr Schöffe Draeger glaubt, daß 
man ja den Vorschlag des Herrn Schremmer einmal der 
Regierung unterbreiten könne. Übrigens bekämen die 
Zimmer auch andere Heizung und Ventilation als bisher. 
Herr G.-V. Homuth ist für Annahme des Projektes des 
Bauausschusses. Herr Schöffe Bache ist für Annahme 
des vorliegenden Projektes. Wenn der Herr Rektor damit 
zufrieden sei, so könnten es die Herren auch sein. Herr 
G.-V. Hendrich führt aus, daß der Herr Rektor eben nur 
zufrieden sei, weil es nicht anders gehe/, i-n* glaube nicht, 
daß er gegen eine Vergrößerung der Zimmer im allge 
meinen sein könne. Der Vorschlag Schremmer sei nicht 
ohne, wenn er durchgeführt werden könne. Schließlich 
wird beschlossen, das Schremmersche Projekt der Regierung 
zu unterbreiten, im Falle der Nichtannahme, das Projekt 
des Bauausschuffes aber zur Ausführung zu bringen. 
Herr Rektor Hannemann referierte sodann über die 
Errichtung einer neuen Klasse in der Gemeinde 
schule und zwei neuen Klassen in der Fort 
bildungsschule. Wie er schriftlich mitgeteilt habe, habe 
er die Absicht gehabt, die drei zweiten, sowie die drei 
dritten Mädchenklassen zu zwei zweiten und zwei dritten 
Klaffen zusammenzuziehen, bei den zweiten Klaffen sei dies 
möglich, bei den dritten nicht, weil eine zu hohe Schüler 
zahl erreicht würde. Es müffe also eine neue Klaffe 
errichtet werden. Im Voranschlag seien nun 700 M. für 
eine Hilfslehrerin bereitgestellt. Die Schuldeputation hat 
nun beschlossen, zu empfehlen, zum 1. April n. I. einen 
Lehrer zu berufen. Die Klasse solle jetzt bis 1. April 
einer Lehrerin übertragen werden, besondere Kosten seien 
nicht zu bewilligen, weil 700 M. im Voranschlag stehen. 
Nach nur kurzer Debatte gelang.e dieser Antrag zur An 
nahme. Hinsichtlich der Fortbildungsschule bemerkte Herr 
Rektor Hannemann, die Schule habe sich über Erwarten 
entwickelt, 96 Schüler seien in drei Klaffen untergebracht. 
75 Schüler, also der größte Teil, sei in Friedenau be 
schäftigt, gewiß ein Beweis, wie sich das Gewerbeleben im 
Orte entwickelt habe. Zu diesen 96 Schülern, die sich auf 
drei Klaffen (34, 36 und 28 Schüler) verteilen, komme 
nun der Michaeliabgang von der Gemeindeschule; dieser 
betrage 15 bis 20 Schüler, sodaß eine Teilung der 
3. Klaffe unbedingt erforderlich sei. Auch die zweite 
Klaffe müffe geteilt werden und eine neue Zeichenklaffe 
eingerichtet werden. Mittel stünden zur Verfügung, es 
seien nur Zweifel entstanden, ob aus dem vorhandenen 
Fonds, wenn neue Klaffen und dann auch neue 
Schränke erforderlich seien, ob diese auch aus dem Titel 
genommen werden dürften. Herr Schöffe Bache bemerkt, 
daß tatsächlich reichlich Mittel zur Verfügung ständen. 
Die Vertretung beschloß debattenlos die Einrichtung zweier 
neuer Klassen und die Anschaffung von zwei Schränken 
aus den zur Verfügung stehenden 700 M. in zwei 
Lesungen. (Schluß folgt.) 
Lokales. 
-j- Audienz. Das Kaiserpaar empfing im Schlosse 
zu Potsdam unsern Mitbürger den Marinemaler Professor 
Hans Bohrdt, der die Studien seiner auf Einladung des 
Generaldirektors Ballin erfolgten Reise mit dem Dampfer 
„Fürst Bismarck" nach Island und dem Nordland vorlegte. 
Dem Künstler wurde vom Kaiserpaar die höchste 
Anerkennung für die unter den schwierigsten Verhältnissen 
entstandenen Arbeiten ausgesprochen. Im Laufe des 
Winters sollen die Bilder in Berlin und Hamburg aus 
gestellt werden. 
t Die Parade auf dem Tempelhofer Felde 
hat heute Vormittag stattgefunden. Aus diesem Anlasse 
fiel der Unterricht heute Vormittag in den Schulen wieder 
aus. Drei schulfreie Tage hat unsere Jugend durch 
den wiederholten Ausfall der Parade erhalten. Nach der 
Parade marschierte die Fahnenkompagnie der Gardeschützen 
mit klingendem Spiel durch die Rheinstraße nach Lichter 
felde in die Kaserne zurück. 
Über Monatskarten bei der Elektrischen. Die 
Verlängerung der Straßenbahnlinien 52, 60, 66 und 88 
bis Friedenau, bezw. Wilmersdorf hat bei dem größten 
Teile derjenigen Abonnenten, welche eine Karte für alle 
Linien der Großen Berliner Straßenbahn besitzen, die 
Meinung hervorgerufen, daß dieselben diese verlängerten 
Linien bis zu ihrem jetzigen neuen Endpunkt benutzen 
können. Dem ist jedoch nicht so. Die Giltigkeit dieser 
Karten erlischt an der Grenze, an welcher der Betrieb der 
Großen Berliner auf die Westliche Vorortbahn übertritt. 
Diese Grenze ist in Schöneberg für die Linien 60 und 88 
an der Haupt», Max- und Koburger Straße; für die Linie 52 
an der Grunewaid- und Martin Lutherstraßenecke, für die 
Linie 66 an der Rosberitzer Straße, Ecke der Kaiserallee. 
Abonnements für einzelne dieser Strecken in ihrer ganzen 
Ausdehnung haben nur Giltigkeit, wenn die Karten die 
Tekturen (Überklebzettel) enthalten, auf welchen die neuen 
Straßenzüge vermerkt sind. Wochenkarten gelten auf den 
Anschlußlinien nur auf den eigenen Strecken der die Wochen 
karten ausstellenden Verwaltung. Hinsichtlich des Fahr 
preises ist der Zehnpfennigtarif nur auf den Linien 60 
und 88 eingeführt. Auf den Linien 52 und 66 kostet die 
ganze Fahrt 15 Pfennige. Zehnpfennigteilstrecken auf der 
Linie 52 sind: „Danziger Straße—BabelsbergerStraße" und 
„Brandenburger Tor—Wilhelmsaue". Auf der Linie 66: 
„Lichteuberg—Rosberitzer Straße, Ecke Kaiserallee" und 
„Spittelmarkt—Kaiserplatz". 
t Die Potsdamer Handelskammer (zu welcher 
Friedenau gehört), hielt am 31. August eine Gesamtsitzung 
ab und nahm darin zunächst' die Vorschlagswahlen von 
fünf Handelsrichtern und fünf Stellvertretern für die zum 
1. Oktober dieses Jahres neu zu errichtende vierte Kammer 
für Handelssachen bei dem Landgericht II Berlin vor. 
Darauf wurde eingehend über die Bestechung der Ange 
stellten kaufmännischer und industrieller Betriebe durch 
Lieferanten verhandelt. Obwohl man anerkannte, daß 
derartige Unkauterkeiten sich in vielen Branchen und zum 
Teil schon seit langer Zeit bemerkbar gemacht, in manchen 
Geschäftszweigen sich sogar zu einem schweren Mißstande 
herausgebildet haben, konnte man sich nicht zur Befür 
wortung einer neuen strafrechtlichen Vorschrift dagegen ent 
schließen, da man der Ansicht war, daß die Anwendung 
der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen (§ 826 B. G. B. 
und § 133 e Gew.-O.) im allgemeinen genügenden Schutz 
biete, außerdem aber auch im Wege der Selbsthilfe eine 
wirksame Bekämpfung jener Mißstände möglich sei. Die 
übrigen Punkte der Tagesordnung waren belanglos. 
f Besitzwelchsel. Das von Herrn Architekt Wilhelm 
Melling erbaute herrschaftliche Wohnhaus Stubenrauch- 
straße 19/20, Ecke Schillerplatz ging für den Kaufpreis 
von 225 000 M. in den Besitz des Herrn Earl Aug. Loos, 
Rönnebergstr. 16 über. 
-s Kriegsveterauenvereiu. Die am Sonnabend 
im Vereinslokal stattgefundene Monatsversammlung wurde 
vom Vorsitzenden in der üblichen Weise mit einem Kaiser 
hoch eröffnet. Bekanntgegeben wurde eine Einladung vom 
Männerturnverein zur Sedanfeier. Es folgte hierauf eine 
Besprechung über das im nächsten Jahre zu feiernde 10. 
Stiftungsfest, das in würdigster Weise begangen werden 
soll. Im „Hohenzollern" veranstaltet am 11. Oktober 
Kamerad Oskar Werner ein Konzert, er bittet die Kameraden 
um Abnahme von Billets. Zum Schluffe der Sitzung ge 
dachte der Vorsitzende der 35jährigen Wiederkehr des Tages 
von Sedan, widmete den gefallenen Kameraden warme 
Worte ehrenden Andenkens und brachte schließlich ein be 
geistert aufgenommenes Hoch auf unser deutsches Vaterland 
aus. Nach der Sitzung blieben die Kameraden noch lange 
in gemütlicher Unterhaltung beisammen. 
-j- Der Friedenauer Stenographen Verein 
Stolze-Schrey hielt am Freitag, den 1. dS. Mts. seine 
monatliche Hauptversammlung für September ^rb und zwar 
nicht mehr im „Rheinschloß", sondern im Restaurant 
„Piater", Rheinstr. 39a Ecke Kaiser-Allee, da der Verein 
gezwungen war, sein altes Heim, infolge Abbruch des 
„Rheinschloffes", zu verlaffen. Laut T.-O. waren die 
neuen Kurse zur Fortbildung und für Anfänger, als Haupt 
gegenstände zur Sprache zu bringen, da diese Kurse jetzt 
nach den Ferienmonaten wieder in vollem Umfange infolge 
Neuanmeldungen eröffnet werden müssen. Der Anfänger 
kursus beginnt somit am Donnerstag, dem 7. September 
und die Fortbildungskurse am Mittwoch, dem 9. September, 
beide abends 8 Uhr in der Gemeindeschule Albestr. Die 
Sitzung war wiederum sehr gut besucht und konnte der 
Vorstand auch einige Neuaufnahmen bei dieser 1. Sitzung 
im neuem Heim verkünden. 
Schöneöerg. 
— Die Stadtverordneteu-Versammlrrng hielt 
gestern ihre erste Sitzung nach den Ferien ab. Die Mit 
glieder, die fast vollzählig erschienen waren, wurden von 
dem Vorsteher Prof. Heyne herzlich willkommen geheißen. 
11 Stadtverordnete mit dem Stadtv. Justizrat Reinbacher 
an der Spitze haben einen Antrag gestellt, dessen Dring 
lichkeit einstimmig anerkannt wurde. Er lautet: 
„Die Versammlung wolle beschließen, I) den Magistrat zu 
ersuchen, sich den bereits von anderen Städten angebahnten Proteste» 
gegen die Fleischteuerung anzuschließen und 2) den für den Branden 
burgischen Städtetag delegierten Vertretern der Versammlung aufzu- 
geben, doit mit Nachdruck für die Beseitigung der Ursachen der 
Fleischteuerung einzutreten." 
Ein ähnlicher Antrag war von den 7 sozialdemo 
kratischen Mitgliedern der Versammlung eingegangen. Sein 
Wortlaut ist folgender: 
„Da die gegenwärtige Flcischteuerung, verursacht durch Grenz 
sperre und Mangel an inländischem Schlachtvieh, zu den schlimmsten 
Folgen für die Ernährung und Gesundheit deS Volkes führen muß, 
ersucht die Versammlung den Magistrat, mit ihr gemeinsame Schritte 
zu unternehmen, die den BundeSrat veranlassen, daß er die Sperrung 
der Grenze gegen die Vieheinfuhr aufhebt um dadurch unbeschränkte 
Zulassung ausländischen Schlachtviehs nach allen Orten Deutschlands 
zu ermöglichen.'' , 
Beide Anträge wurden angenommen. Von dem 
früheren Bürgermeister Dr. Gerhardt, der nach .einer Mit 
teilung des Magistrats sein Schöneberger Amt am 6. Juli 
d. Js. niedergelegt hat, ist ein Schreiben an die Versamm 
lung gerichtet worden, indem er auf das lebhafteste 
bedauert, daß es ihm infolge der Ferien nicht vergönnt 
gewesen ist, sich von der Versammlung, in der er fast bet 
jedem einzigen das beste Entgegenkommen gefunden habe, 
zu verabschieden. Der Vorsteher, der von diesem Schreiben 
Mitteilung machte, sprach ebenfalls sein Bedauern darüber 
aus, daß es der Versammlung nicht möglich gewesen sei, 
dem Scheidenden ihren Dank auszusprechen. Er wies 
unter dem Beifall der Stadtverordneten darauf hin, daß 
Dr. Gerhardt während feiner 8 jährigen Wirksamkeit in 
Schöneberg an der Lösung der großen Aufgaben, die an 
die junge Stadt herantraten, an hervorragender Stelle 
erfolgreich mitgearbeitet habe. Zu Delegierten für den 
am 18. und. 19. September d. Js. in Charlottenburg 
stattfindenden 28. Brandenburgischen Städtetag, wählte 
die Versammlung den Vorsteher Prof. Heyne und den 
Stadtv. Justizrat Reinbacher. Den Magistrat wird Ober 
bürgermeister Wilde vertreten. Der Magistratsvorlage 
betr. die Errichtung von 9 Oberlehrerstellen zum 1. ApÄl 
1906 wurde zugestimmt und die nach dem Normaletat 
erforderlichen Gehälter zur Einsetzung in den nächstjährigen 
Etat bewilligt. Es sind folgende Oberlehrerstellen nötig: 
1 am Helmholtz-Realgymnasium, je 2 an der höheren 
Mädchenschule und am Werner-Siemens-Realgymnasium 
und 4 an der Realschule. Für die Entsendung eines Vor 
sitzenden, eines Arbeitgeber- und eines ArbeitnehmerbeisttzerS 
des Gewerbegerichts zu dem in Würzburg stattfindenden 
Verbandstage deutscher Gewerbegerichte wurden die 
erforderlichen Kosten bewilligt. Die Magistratsvorlage betr. 
die Hinzuziehung weiterer 6 Räume in den Mietshäusern 
Kolonnenstraße 65 und 66 für die Errichtung städtischer 
Baubureaus wurde angenommen. Die Stadtverordneten 
Speck und v. Frankenberg erhoben Klage über die Unzu 
länglichkeit der in diesen Häusern von der Stadt bereits 
gemieteten Räume. Außerdem beschloß die Versammlung, 
auch fernerhin die Verhandlungen der Stadtverordneten- 
Versammlung stenographisch aufnehmen zu lassen. Der 
Berichterstatter Dr. v. Gordon wies auf die Wichtig 
keit derartiger Aufnahmen hin. Ein Durchlesen der steno 
graphischen Berichte sei auch in sofern von Nutzen, als 
dadurch Wiederholungen in der Diskussion vermieden 
werden könnten. Dies würde vielleicht eine Verkürzung 
der Verhandlungen zur Folge haben, so daß dann wie in 
Charlottenburg die Sitzungen nur alle 14 Tage stattzu 
finden brauchten. 
Merlin und Mororle. 
8 Der Stadtkämmerer «nd Stadtrat Maaß 
hat mit seinem Penstonsantrag zugleich ein Urlaubsgesuch 
an den Oberbürgermeister eingereicht, sodaß er, da das 
letztere genehmigt worden ist, seine Dienstgeschäfte über 
haupt nicht wieder aufnehmen wird. Unter Beifügung 
eines Attestes seines langjährigen Hausarztes, des Geh. 
Sanitätsrats Dr. Thorner, weist der Kämmerer darauf 
hin, daß sein Gesundheitszustand schon seit mehr als 
Jahresfrist viel zu wünschen übrig lasse. „Ich habe mich", 
so fährt er fort, „in der Hoffnung aus eine Befferung 
trotzdem bemüht, meinen Amtspflichten gerecht zu werden, 
habe jedoch zu meinem Leidwesen schon seit geraumer Zeit 
zu der Überzeugung gelangen müssen, daß ich meinem 
Amte nicht mehr gewachsen bin, da mein Gesundheits 
zustand sich ganz erheblich verschlechtert hat. So schwer 
mir ein Scheiden aus einem liebgewordenen Amte auch 
wird, so ist dieser Schritt in sachlicher und persönlicher 
Hinsicht geboten." Der Magistrat hat inzwischen dem
        
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