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Periodical volume Nr. 207, 04.09.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

um irrigen Ergebnissen vorzubeugen. Den Landräten ist 
unbedingt zur Pflicht zu machen, sich einer genauen Durch 
sicht der Zählungsergebnisse zu unterziehen und erforder 
lichenfalls örtliche Nachprüfungen zu veranlassen. Die 
einzelnen Gemeinden und Gutsbezirke haben innerhalb 
ihrer Bezirke die Volkszählung selbst auszuführen; sie sind 
verpflichtet, die durch die Annahme von Zählern ent 
stehenden Kosten zu übernehmen. Etwaige Entschädigungen 
an Zähler können weder aus der Reichs- noch aus der 
Staatskasse erstattet werden. 
6. Ferner mache ich noch darauf aufmerksam, daß Ver 
anstaltungen, welche den Stand der ortsanwesenden Be 
völkerung am Zählungstage vorübergehend wesentlich ver 
ändern könnten, nach Möglichkeit zu verhindern sind. 
Wegen der Kram- und Viehmärkte ist in dieser Beziehung 
bereits früher Vorsorge getroffen worden. 
7. Etwaige Zweifel über de« Inhalt der Zählpapiere 
oder der Ausführungsbestimmungen sind dem Königl. 
Statistischen Landesamte mitzuteilen, welches die Anfragen 
erforderlichenfalls zu meiner Kenntnis und Entscheidung 
bringen wird. 
8. Im übrigen ist über die Wahrnehmungen, welche 
bei der Zählung gemacht werden, nach Beendigung des 
Zählgeschäfts unter Benutzung des durch den Erlaß vom 
15. November 1880 — I A 8771 — mitgeteilten Musters 
an mich zu berichten. 
9. Der dort zur Mitteilung an die Kreisbehörden 
erforderliche Bedarf an Zählpapieren A bis H wird recht 
zeitig vom Kgl. Statistischen Landesamte direkt zugesandt 
werden. 
Mgerrreines. 
0 Ortstaxe für Briefe rc. Eine weitere Aus 
dehnung^ des Geltungsbereiches der Ortstaxe Berlins auf 
das Vorortsgebiet lehnt die Reichspost ab. Es hat soeben 
dem Magistrat von Köpenick, der mit Unterstützung der 
Stadtverordneten eine mit zahlreichen Unterschriften ver 
sehene diesbezügliche Petition an Herrn v. Kraetke einge 
reicht hatte, einen ablehnenden Bescheid gegeben. 
Lokales. 
t Von der Witterung. Unsere Wetterkundigen, 
an ihrer Spitze der verstorbene Professor Falb, haben von 
jeher ihre kritischen Tage mit den großen Ereignissen im 
Weltenraume, Sonnen- und Mondfinsternissen zusammen 
gelegt. Es ist eben eine alte Beobachtung, daß die 
Begleiterscheinungen dieser Finsternisse gewaltige Elementar 
ereignisse sind, mögen diese nun als Erdbeben, Eruptionen 
feuerspeiender Berge oder durch gewaltige Witterungs 
umschläge zu Tage treten. Auch die letzte Sonnenfinsternis 
in der vergangenen Woche hatte in ganz Deutschland 
einen gewaltigen Wettersturz zur Folge, der wohl gestern 
seinen Höhepunkt fand. Schon am Sonnabend Nacht 
gingen starke Niederschläge nieder, doch brach sich am 
Sonntag Morgen die Sonne durch den Wolkenschleier 
Bahn, ohne jedoch ihre Herrschaft behaupten zu können. 
In den Nachmittagsstunden setzte neuerdings Regen ein, 
der mit kurzen Unterbrechungen bis in die Morgenstunden 
des heutigen Tages anhielt. Ein gewaltiger Sturm hat 
zugleich während der Nacht besonders in den Vorgärten 
großen Schaden angerichtet. Die Temperatur ist merklich 
zurückgegangen. Ein Leser unseres Blattes läßt uns 
folgenden Stoßseufzer zugehen: 
Ein Sonntag war'S in Friedenau, die Bäume grün, der Himmel 
grau, in Strömen fließt der Regen. Der Wind pfeift übn'S Feld 
daher, und ähnelt schon dem Sturme sehr. Morast auf allen Wegen. 
Im Liede heißt's „in Friedenau, da ist der Himmel immer blau', 
das scheint nicht sehr zu stimmen, denn hört nicht bald der Regen 
auf, vergrößert sich des Wassers Lauf und wir, wir lernen schwimmen. 
Wir werden Wassermolche noch und buddeln uns ein großes Loch 
in Friedenaues Teichm. Denn lange wird'S nicht dauern mehr, ist 
Friedenau ein großes Meer, dem weit die Ufer reichen. 
Drum bitten wir Herrn PeteruS hör' auf mit deinem ew'gen 
Guß, laß deine Sonne blinken. Wir gehen dann mit froher Miene 
hinüber zu der Feldkantine, um auf dein Wohl zu trinken. 
j- Das diesjährige Pferdemusterungsgeschäft 
findet in Friedenau am Mittwoch,' den 15. November, 
Vormittags 9i/ 2 Uhr, auf dem Maybachplatz statt. 
f Von den neuen Straßenbahnlinie». Durch 
die Wetterführung der Linie 88 hat diese nunmehr eine 
Länge von 12,7 Kilometer erhalten, die sie in 691/2 Min. 
durchfährt. Die Linie 60 ist 17,4 Kilometer lang, die 
Fahrdauer beträgt 87 Minuten. Der Betrieb der Linie 88 
beginnt werktags am Krankenhause um 6 Uhr 58 Min. 
und endet um 11 Uhr 59 Min. Ab Schlesischer Bahnhof 
Kapitel 2. 
So nah, wie es seine abergläubische Furcht zuließ, hatte 
sich Lippone an den Eingang zur Schlucht herangewagt, doch 
als alles so lange still blieb, nicht einmal der Hund bellte, 
schlugen seine Zähne klappernd aneinander und er murmelte 
ein Stoßgebet nach dem andern. Gewiß hatten sich die bösen 
Geister gezeigt . . . Nun würden die Herren wohl daran 
glauben . . . Sollte er noch länger hier bleiben oder weg 
gehen? . . . Beides schien ihm gefährlich. Er kauerte hinter 
einem Felsblock nieder, in der etwas unklaren Hoffnung, dort 
auch gegen die Geister geschützt zu sein. 
Da, endlich tauchte ein Kopf aus der unheimlichen Tiefe 
auf. Es war Ercole, der, von Girolamo unterstützt, langsam 
heraufstieg und etwas in seinen Armen trug. Das — das 
war eine, menschliche Gestalt, Girolamos kurzer Mantel darnni 
geschlagen. Lippones schwarze Augen weiteten sich. Kein Grab, 
aber ein Leichentuch! . . . Also das, das war es! ... Aber 
warum die Leiche herauftragen — ihr ein Grab geben, 
vielleicht — 
Die jungen Männer glaubten, Lippone sei weggegangen, 
riefen nicht nach ihm, und er meldete sich nicht. Alles sehen, 
ohne zu einer Handreichnung gezwungen zu sein, war sein 
inniger Wunsch, seine Neugier befriedigen, ohne dabei beachtet 
zu werden, das hoffte er für sich. So schlich er unhörbar 
hinter den beiden Herren her, versteckte sich, wenn sie stehen 
blieben und sich ausruhten oder mit der schweren Bürde ab 
wechselten. Der Weg war steil, es ging langsam vorwärts. 
„Wohin?" fragte Laveggi, als sie die Billa vor sich 
sahen. 
„Zu uns, selbstverständlich," lautete Ercoles Antwort, 
und ohne ein Wort darüber zu verlieren, gehorchte Girolamo. 
Ihr Verhältnis zu einander war ein anderes geworden, beide 
fühlten es. 
von 6 Uhr 271/2 bis 10 Uhr 59i/z. Der Betrieb der 
Frühwagen von 5.28 Uhr bis 6.58 Uhr erfolgt wie bisher 
ab Eisenacherstraße. Die Linie 60 beginnt den Betrieb 
am Krankenhaus 7.6 Uhr und beendet denselben 9.52 Uhr; 
ab Weißensee von 6.35 Uhr bis 9.24 Uhr. Die Früh 
wagen von 5.14 bis 7.6 Uhr verkehren ab Wartburgplatz. 
Die Linie 66 ist von der Rosberitzerstraße bis zum 
Kaiserplatz in Wilmersdorf verlängert worden. 
i - f Eine Besichtigung der Quartiere unserer 
militärischen Gäste fand gestern Vormittag durch einen 
Offizier und einen Assistenzarzt statt. — Die Parade auf 
dem Tempelhofer Felde, dir nunmehr auf heute Vormittag 
angesetzt war, fand wiederum nicht statt, da in früher 
Morgenstunde — unsere Einquartierung stand bereits in 
Paradeuniform marschbereit — auf Befehl des Kaisers die 
Parade abgesagt wurde. Ein neuer Termin ist noch vor 
behalten worden, doch haben sich die Truppen sowohl 
heute (Montag) Nachmittag wie morgen (Dienstag) Vor 
mittag zum Paradeausmarsch bereit zu halten. 
f Die Sedaufeier verregnet. Die Sedanfeier, die 
im vorigen Jahre von der herrlichsten Witterung begünstigt 
war, verregnete gestern gründlich. Der auf dem Sport 
plätze errichtete Holzstoß konnte, da die Feier überhaupt 
nicht stattfand, nicht abgebrannt werden. 
f Oktoberumzug. Mit Rücksicht darauf, daß der 
1. Oktober ein Sonntag ist, an welchem nach § 3 des 
Gesetzes vom 30. Juni 1834 (G.-S. S. 92) die Umzugs 
pflicht ruht, haben die sämtlichen Termine um einen Tag weiter 
zu rücken. So muß der am 2. Oktober beginnende Umzug 
(mit Bezug auf die Pvlizeiverordnung vom 26. März 
1870), bei kleinen, aus höchstens zwei Zimmern mit Zu 
behör bestehenden Wohnungen an demselben Tage 
(2. Oktober), bei mittleren, aus drei und vier Zimmern 
mit Zubehör bestehenden Wohnungen am 3. Oktober, 
mittags 12 Uhr, und bei großen, mehr als vier Wohn 
zimmer nmfassenden Wohnungen am 4. Oktober mittags 
12 Uhr, beendet sein. 
-s Mangelhafte Beleuchtung. Nicht unberechtigte 
Klagen werden über die Mißstände geführt, die zur Zeit 
in der Varzinerstraße, beim Ringbahnhofe herrschen. Dort 
wird zur Zeit die Straße reguliert. Sie wird zur Tages 
zeit wenig oder garnicht benutzt, da eine direkte Ver- 
bindungsstraße zwischen Ringbahnhof und Handjerystraße 
über den ehemaligen Sportplatz geschaffen ist. Diese 
provisorische Straße ist natürlich noch nicht durch Laternen 
erhellt, sodaß der Weg zur Nachtzeit schwer zu finden ist. 
Wer nun Nachts auf dem Ringbahnhof ankommt, wird 
der Sicherheit halber den Weg der Bahn entlang, die 
Varzinerstraße, vorziehen. Hier ist aber die Beleuchtung 
durch eine oder zwei Straßenlaternen bei den Zuständen, 
in denen sich die Straße zur Zeit befindet, völlig unzu 
reichend. Das gestrige Regenwetter machte die Straße 
nahezu völlig unpassierbar. Zahlreiche Passanten kamen 
auf dem schlüpfrigen Lehmboden zu Fall, oder hatten doch 
durch mächtige Pfützen zu waten, die eben in der Dunkel 
heit nicht gesehen wurden. Die Aufstellung von Not 
lampen kann dringend geboten erscheinen. 
f Asphaltierung. Die Asphaltierung am Friedrich 
Wilhelmplatz westlich der Kirche ist nunmehr fertiggestellt. 
Das Asphalt scheint dort jedoch zu früh mit schweren 
Lastfuhrwerken befahren worden zu sein, es zeigen sich in 
dem neuen Asphalt tiefeinschneidende Furchen, in denen 
sich gestern das Regenwasser streckenweise zu kleinen 
Tümpeln ansammelte. 
f Militärische Patrouillen durchzogen gestern 
und Sonnabend Nacht die Straßen, wobei auch die Gast 
wirtschaften nach etwaigen Ausreißern durchsucht wurden, 
die ohne Erlaubnis solche aufgesucht hatten. 
f Der Laubfall von den Lindenbäumen in der 
Rheinstraße ist bereits so stark, daß einzelne Bäume nahezu 
völlig entlaubt dastehen. Wie wir seinerzeit mitteilten, 
trägt eine winzige Blattlaus die Schuld an dem frühen 
Welken der Blätter. Die Gemeindegärtnerei wird Sorge 
tragen, daß ein weiteres Umsichgreifen des Insektes ver 
hütet wird. 
f Die Reisezeit geht zu Ende. Allmählich 
kehren die Städter aus der Sommerfrische zurück, und gar 
verschieden ist das, was sie von ihrem Aufenthalt im 
Gebirge oder an der See zu erzählen haben. Der eine 
spricht mit gelangweilten Mienen von dem „öden Nest", 
wo er seine Ferien zubringen mußte, der andere kann in 
begeisterten Worten nicht genug von den herrlichen 
Gegenden reden, die er gesehen, und ein dritter rühmtffich, 
Dona Nicoletta lag noch aus den Knien im heißem 
Gebet, da hörte sie Schritte, aber so, als werde Schweres ge 
tragen. Alles, was sie je für Ercole befürchtet, stand ans 
dem Hintergründe der schreckensvollen Erinnerung an ihres 
Gemahls Verlust sofort als entsetzliche Gewißheit vor ihr. 
Mit einen: Schrei sprang sie auf, um gleich wieder auf einen 
Stuhl nieder zu sinken, ihre Knie zitterten, sie konnte sich 
nicht halten. Doch das war seine Stimme, laut und klang 
voll . . . Der Mutter Herz schlug laut und freudig, ihr 
Atem ging freier, die Farbe kehrte in ihre Wangen zurück. 
Er war also da, er lebte. — 
Sie stürzte zur Tür, öffnete und sah sich vor Laveggi. 
„Wo ist er, warum kommt er nicht zu mir, mein Ercole?" 
Und in plötzlich neuerwachter Angst fügte sie hinzu: „Es ist 
ihm doch nichts geschehen, nicht wahr?" 
„Nein, nichts, noch ist er niemanden! im Wege," versetzte 
Girolamo und trat zur Seite, um Nicoletta den Blick in das 
nächste Zimmer frei zu geben, wo Ercole mit Hilfe Jnnocenzos 
das „Etwas", das er getragen, auf ein Ruhebett gleiten ließ. 
Bestürzt, erstaunt und verivirrt schaute Dona Nicoletta 
darauf hin, dann schritt sie zögernd vorwärts, bis sie neben 
ihrem Sohne stand, der mit selbstvergessenem Blick aus ein 
junges Weib hinabsah, das vor ihm lag. Nur ein weites 
Untergeivand von Seide umschloß den zarten Leib, blondes 
Haar, in zwei Zöpfe geflochten, hing über ihre Schultern; 
fein gezeichnete dunkle Brauen wölbten sich über fest ge 
schlossenen weißen Lidern, unter denen bläuliche Schatten 
lagerten; eine schmale, gerade Nase, ein schön geschweifter 
Mund, aber auch hier die blauen Linien, die kaum je einem 
Lebenden angehören. Tie erstarrten Hände zeigten keine Ringe, 
keinen Schmuck, um den schneeweißen Hals schloß sich eng das 
seidene Gewand, unter dessen Saum reizende kleine Füße 
hervorsahen, nackt und wie der übrige Körper kalt, tot,.- starr. 
(Fortsetzung folgt.) 
daß er die verwegensten Kletterpartieen und die schwierigsten 
Alpenbesteigungen ausgeführt habe. Manche Hausfrau 
hat über dem Tadeln des „ewigen Restaurantsessens" ganz 
vergessen, sich in die Schönheit des betreffenden Ortes zu 
versenken, eine andere Dame dachte nur an Gefallenwollen 
und Flirten, sodaß ihr allein die Herren ip der Erinnerung 
geblieben sind, die dort waren. Ein junges Mädchen 
schwärmt entzückt von den lauschigen Waldwegen, auf 
denen ein scheues Reh ab und zu umherirrte, während 
ihrer Freundin die Toilettenpracht der Röunion-Besucherinnen 
am besten im Gedächtnis geblieben ist. Und gar die jungen 
Herren! Da kenne ich einen, dem eines der herrlichsten 
Fleckchen Erde zuwider war, weil dort kein Tennisplatz 
existierte, ein anderer verträumte die Tage im Schaukel 
stuhl mit einer Zigarre im Mund, wieder einer war fort 
während unterwegs und genoß in Hast, um nur möglichst 
viel zu sehen, alles oberflächlich. Die Hauptsache aber, 
daß die Reisezeit Körper und Geist kräftigen sollte, ist bei 
den wenigsten Menschen erreicht worden. 
f Der Sportpark Steglitz sollte gestern seine 
Pforten zum ersten Riale öffnen. Tausende von Menschen 
hatten sich trotz des strömenden Regens eingefunden, man 
fand alles sehr hübsch und praktisch und wenn über etwas 
geschimpft wurde, so waren es das schlechte Wetter und 
die sich in schrecklichem Znstande befindlichen Zugänge 
zum Rennparke, deren Schmutz es dem Publikum fast un 
möglich machte, zu den Tribünen zu gelangen. Um so 
ärgerlicher wurde man, als die Bahnleitung mitteilen 
mußte, daß infolge des unaufhörlichen Regens die Rennen 
nicht stattfinden könnten. - Nun, vielleicht ist das Eröffnungs 
meeting am nächsten Sonntag von besserer Witterung 
begünstigt. 
f Aufgehobene Versteigerung. Das Inventar 
des Rheinschlosses sollte zu Beginn dieser Woche versteigert 
werden. Der 3. Hypothekengläubiger, der Erbauer des 
Rheinschlosses Herr Förster hat dagegen Protest erhoben, da 
durch diese Versteigerung die Hypothekengläubiger geschädigt 
würden, weil doch das Inventar zum Grundstücke gehöre. 
Durch Beschluß des Landgerichtes II wurde nunmehr die 
Versteigerung aufgehoben. Die Pforten des Rheinschlosses 
sollen aus diesem Grunde sich bald wieder öffnen. 
f Herbstesahnen durchzieht Wald und Flur, 
Herbstesahnen erfüllt die Seele des Menschen. Der 
Sommer geht zur Rüste, bald schon ist sein „Reigen ver 
hallet". Dieser Wechsel der Jahreszeit erweckt namentlich 
bei älteren Personen leicht trübsinnige Stimmen, und auch 
die Dichter und Künstler pflegen die Herbstahnung in 
ihren Arbeiten mit. einer, gewissen Melancholie zu be 
handeln. Andererseits aber wird der Herbst auch von 
vielen, ja wohl von den meisten Menschen mit großer 
Freude begrüßt, da er nach heißen Sommertagen die 
langersehnte Kühlung bringt und Wald und Garten mit 
neuen Reizen schmückt. Zwar ist die herrliche Blumen- 
pracht verschwunden, an Stelle der lieblichen Rosen sind 
die duftlosen Astern und Georginen getreten, und der 
Blick kann sich nicht mehr an dem wogenden, mit Korn 
blumen und Klatschrosen durchwirkten Ahrenwald erquicken, 
aber dafür prangt das Laub der Bäume bald in allen 
Farben, und die Bäume liegen klar und greifbar vor den 
Augen des Wanderers, dem vom Baum herab die rot 
backigen Äpfel verlockend zunicken. Hoffentlich ist uns in 
diesem Jahre ein schöner Herbst beschert, dessen Tage, 
wenn sie auch immer kürzer werden, doch noch für Körper 
und Geist Genuß und Kräftigung bringen. 
-j- Hohenzollern-Theater. Die Wintersaison 1905/06 
eröffnet Herr Direktor Behle am Dienstag, den 19. Sep 
tember mit einer hochinteressanten Novität. Bei der großen 
Beliebtheit und dem glänzenden Renommee, welches sich 
Herr Dir. Behle durch seine hervorragend guten Vor 
stellungen hier erworben hat, wird man allseitig mit 
Spannung und Interesse dem Wiederbeginn der regel 
mäßigen Dienstagsvorstellungen entgegensehen. Herr Dir. 
Behle hat die erfolgreichsten Novitäten der letzten Saison 
für Friedenau erworben und ein Personal zusammengestellt, 
welches das vorjährige an Güte noch bedeutend übertrifft. 
Über die Eröffnungsvorstellung, wie über das neue Personal, 
werden wir in den nächsten Tagen näheres bringen. 
-j- DaS Kiueuratographeu-Theater in der Schloß- 
Ecke Mommsenstraße hatte gestern trotz des ungünstigen 
Wetters einen sehr guten Besuch zu verzeichnen. Das 
elegante Unternehmen, welches Abends feenhaft erleuchtet 
ist, ist äußerlich schon sehenswert und drinnen werden die 
interessantesten Programme auf. dem Gebiet der lebenden 
Bilder geboten. Heute gibt's wieder eine gediegene Ab 
wechslung und lohnt es sich wirklich, das Theater nicht 
nur einmal sondern öfters zu besuchen. 
t Der Tanzunterricht des Tanzlehrers Herrn 
Kinder beginnt am Montag, den 11. September, im 
„Hohenzollern", Handjerystraße 64. Weiteres ist aus der 
Anzeige zu ersehen. 
f Verkehrsstörung. Durch die anhaltenden 
Niederschläge wurde gestern der nördliche Teil der Kaiser 
allee wieder unter Wasser gesetzt. Durch die fortgesetzte 
Einwirkung des Wassers wurde um 9 Uhr der Motor 
eines Wagens der Straßenbahnlinie F defekt. Nur mit 
Mühe konnte der Führer den Wagen bis zum Endziel 
Zoologischer Garten bringen, von wo ihn ein v-Wagen 
in das Wagenhinterstellungsgebäude in Schöneberg über- 
führte. Von 10 Uhr ab mußte am Ringbahnhof 
überhaupt umgestiegen werden und die Passagiere mußten 
den Weg bis zur Kirche, wo ein weiterer Wagen hielt, 
zu Fuß zurücklegen. 
f Ein Bodendieb stattete am Sonnabend dem 
Hause Niedstraße 7 einen Besuch ab. Der junge Mann, 
welcher anständig gekleidet war, hatte vier Böden er 
brochen und diverse Gegenstände gepackt, als er von der 
Portierfrau überrascht wurde. Diese schlug sofort Alarm, 
trotzdem entkam der Dieb ohne diesesmal etwas erobert 
zu haben. Es sei vor ihm gewart zumal den Spitzbuben 
dieser Art bei der jetzigen Umzugszeit die „Arbeit" sehr 
erleichtert wird. 
f Der Finger abgebissen im Verlaufe einer 
Schlägerei wurde heute Nacht 1 / 2 1 Uhr einem Burschen, 
der in einem hiesigen Tanzlokale mit Kollegen in Streit
        
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