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Periodical volume Nr. 206, 02.09.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

zusammen 105 Kinder und erfahrungsgemäß erhöht sich die Schüler- 
zahl dieser Klaffen Michaelis durch Zuzug von außerhalb meist nicht 
unbedeutend, wobei noch besonders zu berücksichtigen ist, daß gerade 
Michaelis d. Js. eine größere Anzahl von neuen Häusern bezogen 
wird. Bei der Zusammenzichung der drei dritten zu zwei dritten 
Klaffen würde also die Schülerzahl zu groß werden. Ich sehe mich 
deshalb genötigt, die Beibehaltung der drei dritten Klaffen und die 
Einrichtung einer neuen Lehrer- oder Lehrennstelle zu beantragen. 
Der Herr KreiLschulinspektor hat sich damit einverstanden erklärt, 
gez. Hannemaun. 
Die 4. Klaffe hat z. Zt. 26, die 3. Klaffe 35 und die 2. Klaffe 
34 Schüler. Dazu kommen die Schüler, welche Michaelis entlaffen 
werden. Es ist also die Bildung einer neuen Klaffe für Deutsch und 
Rechnen erforderlich. Die 1. Zeichenklaffe hat 24, die 2. Klaffe 22 
und die 8. Klaffe 17 Schüler. Auch hierzu kommt der Michaelis- 
Zuzug, sodaß die Bildung einer neuen Zeichenklaffe notwendig wird. 
Mittel zur Bildung der beiden neuen Klaffen sind im Etat vor 
gesehen. Ich bitte ergebenst, den Schulvorstand zur Beschlußfassung 
einzuberufen und gestatte mir. Freitag', den 1. September, Abends 
7 Uhr, vorzuschlagen rc. Im Voranschlag heißt es unter 
Abschnitt IV, 4: 600 M. zur Errichtung weiterer Klaffen zu Michaelis 
1905 zur Verfügung der Gemeindevertretung. Falls die Bewilligung 
der Gemeindevertretung zur Einrichtung der beiden neuen Klaffen not 
wendig ist, bitte ich ergebenst, gütigst dafür Sorge tragen zu wollen, 
daß der Antrag auf die Tagesordnung der nächsten Gcmeinde- 
vertretersitzung kommt, damit ick, die Vorarbeiten für die Einrichtung 
der Klaffen noch rechtzeitig erledigen kann. gez. Hannemann. 
Da z. Zt. noch die Äußerungen der Schuldeputation 
und des Ausschusses für die Fortbildungsschule ausstehen, 
werden wir unsere Anträge in der Sitzung stellen. 
Genehmigung des Entwurfs für ein Bedürfnishäuschen auf dem 
Friedrich Wilhelmplatz. Ref.: Herr Bürgermeister Schnackenburg. 
Im Haushaltsplan des laufenden Jahres sind 4000 
Mark für Errichtung eines Bedürfnishäuschens auf dem 
Friedrich Wilhelmplatz vorgesehen. Auch der verflossene 
Sommer hat wieder gezeigt, wie unbedingt notwendig 
eine Klosettanlage auf diesem Platze ist. Unser Architekt 
Herr Duntz hat ein Projekt ausgearbeitet, das wir in der 
Sitzung vorlegen werden. In ihm ist ein Raum für eine 
Wartefrau, zwei Klosetts für Männer und zwei für Frauen 
(davon eins als Kinderklosett ausgestaltet) sowie ein Ab- 
halteraum für Kinder vorgesehen. Auch bei diesem 
Häuschen ist darauf Bedacht genommen, daß es tunlichst 
zu einer Zierde des Platzes wird. An Raum beansprucht 
es nur halb so viel wie das Markthäuschen. Die Kosten 
würden den im Etat vorgesehenen Betrag nicht erreichen. 
Mit der Ausführung soll sofort begonnen werden. 
Änderung des Platzes an der Kaisereiche. Referent: Herr Bürger 
meister Schnackenburg. 
Infolge der Überführung der elektrischen Bahn von 
der Rheinstraße nach der Saarstraße wird ein Teil des 
Schmuckplatzes an der Kaisereiche für den Bahnkörper in 
Anspruch genommen. Dies macht eine vollständige Um 
änderung des Platzes an der Kaisereiche erforderlich. Das 
hierfür von Herrn Obergärtner Körte aufgestellte Projekt 
verfolgt einerseits den Zweck, die Kaisereiche als Mittel 
punkt besonders hervortreten zu lassen, andererseits die 
Einfahrten von der Rheinstraße nach der Mosel- und Jll- 
straße breiter und zweckmäßiger zu gestalten. Wir sind 
der Meinung, daß er diese Absicht vollauf erreicht und daß 
der Platz trotz seiner erheblichen Verkleinerung viel schöner, 
aber auch viel zweckmäßiger werden wird. Nach den auf 
gestellten Kostenanschlägen werden die gärtnerischen 
Arbeiten etwa 250 M.. die Pflasterarbeiten etwa 1000 M. 
erfordern. Während die Pflasterung des Fahrdammes am 
Platze, soweit er von den Schienen der elektrischen Bahn 
durchschnitten wird, dem Vertrage entsprechend von 
letzterer gepflastert worden ist, fällt die Pflasterung der 
anderen Seite des Platzes (am Restaurant Kaisereiche) der 
Gemeinde zur Last. Sie soll aus alten, aber noch sehr 
guten in der Kaiserallee gewonnenen Material ausgeführt 
werden. Wir beantragen, dem Projekt zuzustimmen und 
die erforderlichen Mittel aus dem Dispositionsfonds der 
Gemeindevertretung zu bewilligen. 
Annahme eines Geschenkes der Aachen-Münchener Feuerversicherungs- 
gesellschaft für Zwecke des Feuerlöschwesens. Referent: Herr 
Schöffe Sadöe. 
Die Aachen-Münchener Feuerversicherungsgesellschaft 
hat an uns nachstehendes Schreiben gerichtet: 
Berlin 81V., den 14. August 1905. Zurückkommend auf das ge 
ehrte Schreiben vom 13. Juni d. Js. und unter höflicher Bezugnahme 
auf die vor Kurzem zwischen Ihnen sehr geehrten Herrn Bürger 
meister Schnackenburg und dem ergebenst Unterzeichneten statt 
gefundene Unterredung teilen wir Ihnen ergebenst mit, daß unsere 
Gesellschaft bereit ist, der Gemeinde Friedenau zu den Unterhaltungs- 
ktsten des dortigen Feuerlöschwesens einen einmaligen Beitrag von 
500 M. zu überweisen. Wir bitten daher den verehrlichen Gemeinde 
vorstand, die für derartige Zuwendungen üblichen, in zwei Exem 
plaren hier beigefügten Bedingungen gütigst untcrschristlich zu voll 
ziehen und uns ein Exemplar derselben, nebst einer vollzogenen ent 
sprechenden Quittung, zu welcher ebenfalls der Entwurf hier beiliegt, 
demnächst wieder zugehen zu laffen, worauf wir den Betrag der 
dortigen Gemeindekaffe zustellen werden. Nachdem wir unsere Direktion 
znr Bewilligung des vorgenannten Betrages veranlaßt haben, ge 
statten wir uns noch der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß der ver- 
ehrliche Gemeindevorstand unsere Gesellschaft bei der demnächstigen 
Vergebung der Versicherung des neuen Elektrizitätswerkes, dortselbst, 
sowie der in Zukunft eintretenden Gemeinde-Versicherungen nach bester 
Möglichkeit berücksichtigen möge und nehmen hierbei noch ergebenst 
Bezug auf unser an denselben gerichtetes Offertenschreiben vom 
25. April d. Js., die Versicherung des vorgenannten Werkes be- 
treffend. Wir haben die Ehre zu zeichnen mit größter Hochachtung 
Aachener und Münchener Feuer-Versicherungs-Geseüschoft. Die General- 
Agentur gez.: Unterschrift. 
Bedingungen unter welchen die Aachener und 
Münchener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft an die von ihr 
zu bezeichnenden Empfänger Feuerlöschgeräte oder bare 
Beiträge zur Verbesserung des Feuerlöschwesens überweist. 
A. Wenn die Aachener und Münchener Feuer-Verstcherungs-Ge- 
sellschaft bereit ist, einer Gemeinde oder einen baren Beitrag zur Ver 
besserung des Feuerlöschwesens zu überweisen, so' hat 1. der Ge- 
meindcrat (Gemeindeversammlung- über die Annahme der gegen 
wärtigen Bedingungen einen Beschluß jZv fassen und letzteren mit der 
gegenwärtigen vom Gemeindevorstand zu unterschreibenden Be- 
dingungen zusammen einzusenden. 2. Dieser Beschluß muß außerdem 
die Verpflichtung enthalten: „den Empfang des baren Beitrages in 
dem Orte gelesensten öffentlichen Blatte zu bescheinigen und der 
Agentur der Gesellschaft ein Exemplar dieses Blattes einzusenden/ 
Die Gesellschaft wünscht, daß diese Bescheinigung nicht in Form einer 
Empfehlung erfolge. Das Anerbieten der Gesellschaft,-tritt ohne 
Weiteres außer Kraft, wenn die Erkiärunp, daß die obigen Be 
dingungen angenommen werden und eventuell der obenerwähnte Ge- 
meinderatsbeschluß nicht innerhalb einer Frist von 4 Wochen, vom 
Datum des Anerbietens an gerechnet, eingehen. 
Wir empfehlen die Schenkung unter den gestellten 
Bedingungen anzlinehmen und behalten uns Vorschläge 
über die Verwendung der 500 M. noch vor. 
Allgemeines. 
[] Entwertung der Qnittungsmarken. Der 
Ober-Präsident der Provinz Brandenburg weist darauf 
hin, daß vom 1. Oktober d. I. ab alle Marken für die 
Jnvaliden-Versicherung alsbald nach dem Einkleben ent 
wertet werden müssen und daß ein neues Formular für 
Quittungskarten festgesetzt worden ist, welches vom gleichen 
Zeitpunkt ab ausschließlich ausgegeben wird. Arbeitgeber 
und Versicherte dürfen, wie hinzugefügt wird, die Marken 
nur dadurch entwerten, daß sie auf den Marken den 
Entwertungstag in Ziffern (z. B. „1. 10. 05.") angeben. 
Die Unterlaffung der Entwertung von Marken, welche 
vom Versicherten statt des Arbeitgebers eingeklebt werden, 
hat auch den Verlust des Erstattungs-Anspruchs zur Folge. 
sj Die von der Berliner Universität verkaufte 
Bibliothek des Prof. Weinhold, deren Preis und Trans 
port der Millionär John D. Spreckels mit rund 30 000 
Mark bezahlte, ist nunmehr vom Prof. Schilling, der den 
Erwerb angeregt hat, in der deutschen Abteilung des 
Bibliotheksgebäudes der Staats-Universität zu Berkeley 
(Kalifornien) klassifiziert und aufgestellt worden. Die 
Weinhold'sche Bibliothek umfaßt 6166 Bände und 
Manuskripte, ihr Wert liegt aber mehr in ihrer Qualität; 
sie übertrifft, wie die „Kalifornia-Staatsztg." bemerkt, alle 
anderen germanischen Bibliotheken, die von amerikanischen 
Universitäten angekauft worden sind und ihre Erwerbung 
mache die Bibliothek der Staatsuniversität zu einer der 
„besten für gemanistische Studien im Lande." Jn derLat 
hat Prof. Weinhold, einer der besten Gelehrten der alten 
Schule und Autorität in mittel- und neuhochdeutschen 
Dialekten, Archäologie und Volksliedern, auf seine Bücher 
sammlung außerordentlichen Fleiß und große Sorgfalt ver 
wendet; in seiner Bibliothek befinden sich Hunderte von 
Original-Ausgaben deutscher Werke, darunter von Luther 
und Hans Sachs bis zu Schiller und Goethe. Von 
einzelnen Dichtern sind vollständige Exemplare der ersten 
Ausgaben vorhanden, reich ist auch die Sammlung der 
ursprünglichen „Musen-Almanache", der „Taschenbücher" 
und deutschen Volkslieder, vom Anfang des 16. Jahr 
hunderts an. Zahlreiche Kopien mittelalterlicher Manu 
skripte haben Prof. Weinhold oder dessen Schüler selbst 
hergestellt. 
Lokales. 
f Erkrankt ist durch leichte Erkältung unser be 
liebtes Ortsoberhaupt. Herr Bürgermeister Schnackenburg. 
Aus diesem Grunde fand eine für gestern Abend angesagte 
Sitzung des Gemeindevorstandes nicht statt. Hoffen wir, 
daß in dem Befinden des Herrn Bürgermeisters bald 
völlige Besserung eintritt, sodaß er in der Gemeindever 
treter-Sitzung am Montag wieder den Vorsitz führen kann. 
-s- Mit dem Aufreißen des Pflasters in der 
Wilhelmstraße ist jetzt doch begonnen worden und soll der 
Umbau der Straße schleunigst erfolgen. Die Wilhelmstraße 
erhält Gußasphalt, ebenso der Platz vor dem Friedhof. 
„$or dem Friedhof. wird ein Jnselperron in einer Länge 
von 10 Metern und 6 Meter Breite hergestellt. 
-s- Eine Verschönerung der Rheinstraße soll 
weiter erfolgen. Die Probe, Rasen zwischen den Schienen 
zu legen, was sich bei der Elektrischen an der Kaiser 
Wilhelm-Gedächtniskirche vorzüglich bewährt hat, soll auch 
in der Rheinstraße versucht werden und hiermit am 
Montag bereits begonnen werden. Ferner soll der Platz 
an der Kaisereiche, nachdem ein Stück des Platzes zu den 
neuen Bahngeleisen genommen, ganz umgestaltet werden. 
Der Weg soll eingehen und der ganze Platz umzäunt 
werden. Die Bäume, mit Ausschluß der Kaisereiche, 
kommen fort. Der Platz erhält außer Rasen Blumen 
anlagen. Vor der Eiche soll aus Blumen ein riesiges 
„Eisernes Kreuz" gepflanzt werden. 
-s- Söjähriges GeschäftSjubNäum Unser Mit 
bürger Herr Glasermeister August Barth beging gestern 
die Feier des fünfundzwanzigjährigen Bestehens seines 
Geschäftes. Zahlreich wurde der Jubilar mit schriftlicher wie 
mündlicher Beglückwünschungen bedacht und kostbar waren 
die Blumenspenden und Geschenke, die ihm von Freundes 
hand überreicht wurden. Der Skatklub „Gemütlichkeit" 
war dabei als erster an die Spitze und der „Friedenauer 
Männergesangverein 1875" hatte eS stch nicht nehmen lassen, 
seinem langjährigen, eifrigen Baßsänger ein Ständchen zu 
bringen. Der Ehrentag wird Herrn Barth und allen die 
ihn mit erlebt haben, lange in Erinnerung bleiben, und 
daß der Jubilar noch viele Jahre sein Glasergeschäft so 
strebsam und bei bei bester Gesundheit in unserem Ort 
weiterführen möge, das sei hiermit von Herzen gewünscht. 
-f Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das 
in Friedenau, Schmargendorferstraße 26, belegene, im 
Grundbuche von Friedenau auf den Namen der Witwe 
Ernestine Hallatz, geb. Aumann, zu Friedenau, eingetragene 
Grundstück am 7. November 1905, Mittags 12 Uhr, ver 
steigert werden. Das Grundstück — Hofraum mit 
Gebäuden und Hausgarten — ist mit 6300 M. Nutzungs 
wert zur Gebäudesteuer veranlagt. 
-j- Die alte Bedürfnisanstalt am Markte ist nun 
mehr entfernt worden, während die sie ehemals be 
schattenden Bäume noch stehen geblieben sind. 
f Die Parade auf dem Tempelhofer Felde 
fand der ungünstigen Witterung wegen nicht statt. Die 
einquartierten Mannschaften und Offiziere der Garde du 
Corps verlassen unseren Ort morgen Sonntag. 
t Geschäftswechsel. Das bekannte Fuhrgeschäft 
von Däumich ist in andere Hände übergegangen. Der 
nunmehrige Besitzer ist Herr Wolff aus Bernburg. 
-j- Astronomisches vom September. Merkur, im 
Löwen, in den ersten Tagen sichtbar, eilt der Sonne stark 
voran, ist Mitte, des Monats l 1 ^ Stunden, zum Schluß 
1 Stunde am Morgenhimmel sichtbar. — Venus, im Krebs 
und im Löwen, Morgenstern, geht anfangs um ll 1 ^ Uhr, 
zum Schluß um 3 Uhr morgens auf. — Mars, im Skorpion, 
geht anfangs um 9 1 / 2 Uhr, zum Schluß um 8 1 / 2 Uhr unter. 
— Jupiter, im Stier, geht anfangs um 1IV2 Uhr abends, 
zum Schluß um 7y 2 Uhr auf und ist die ganze Nacht 
sichtbar. — Saturn, im Wassermann, anfangs die ganze 
Nacht, zum Schluß bis 2 Uhr morgens sichtbar. — Am 
1. September abends gegen 9 Uhr stehen in Berlin in der 
Richtung von Süden nach Norden folgende Sternbilder: 
Adler, Delphin, Leier, Schwan, Kleiner Bär,- Fuhrmann. 
Im Osten: Pegasus, Andromeda, Perseus, Casstopeja. Im 
Westen: Herkules, Krone, Bootes, Drache, Großer Bär. — 
Dauer der Dämmerung im September: 39 Minuten. 
f D«s zweite Kabarett - Gastspiel im „Hohen- 
zollern" hatte gestern einen guten Besuch und anerkennens 
werten Erfolg aufzuweisen. Herr Direktor Weiß bot dem 
Publikum soviel interessante Abwechslung, daß die Stunden, 
die man dort verlebt hat, keine verlorene gewesen sind, 
und recht ansprechend war die kleine Aufmerksamkeit der 
Direktion den Damen beim Eintritt eine Blumenspende zu 
überreichen. Die alten bewährten Künstler sahen wir 
wieder und einige neue tüchtige Kräfte hatten sich ihnen 
zugesellt. Den Stern des Abends bildete wieder Frau 
Walkotte durch ihr wirkungsvolles chikes Auftreten. Ihre 
graziöse Bühnengewandheit, sowie ihre liebliche Stimme 
erfreute durchweg die Zuhörer, die lebhaften Beifall zollten. 
Der Humorist Herr Sommer brachte die Lachmuskeln 
wieder flott in Bewegung. Er verfügt ebenfalls über eine 
angenehme Stimme, vereint mit einer deutlichen Aussprache 
und außerdem kann er auch gut „pfeifen". Fräulein Popp 
sang uns einige Lieder vor, die nur geteilten Beifall fanden. 
Man hat es hier mit einer Anfängerin zu tun, die bei 
weiterer Schulung eine gediegene Sängerin bezw. Soubrette 
zu werden scheint. Sie war wohl auch nicht disponiert; 
jedenfalls ist Stimmmaterial vorhanden und das ist die 
Hauptsache. Fräulein Dolores sprach mit ihren Deklama 
tionen gut an und wurden ihre vortrefflichen Leistungen 
mit reichlichem Beifall belohnt. Eine gute Aquisition hat 
die Direktion mit dem Bassisten Herrn Hob erg gemacht» 
deffen talentvolle Stimme, vereint mit einer wunderbaren 
Ruhe in der Tiefe wirkte vortrefflich und brachten die Lieder: 
„Die Waldschänke" und „Der Kuhstall" lebhaften Applaus. 
Herr Direktor Weiß gab auch wieder verschiedenes Ge 
diegenes auf literarischem und deklamatorischem Gebiete 
zum Besten und dankten die aufmerksamen Zuhörer mit 
reichem Beifall. Die übrigen Mitwirkenden setzten natürlich 
auch ihr bestes Können ein, sodaß man den Abend einen 
glänzend gelungenen nennen kann. — Wie wir soeben 
erfahren, werden die Kabarett-Abende jetzt regelmäßig jeden 
Freitag stattfinden und zwar ist hierfür das Lokal des Herrn 
Piater, Rheinstraße, Ecke Kaiserallee, gewonnen worden. 
Der nächste Unterhaltungsabend ist also am 8. d. Mts. 
-j- Der Krieger- und Landwehrverein ist zu der 
morgen Sonntag stattfindenden Sedanfeier eingeladen 
worden. Die Mitglieder werden ersucht, sich zu dieser 
nationalen Gedenkfeier recht zahlreich auf dem Festplatze 
im Birkenwäldchen Nachmittags % l j 2 Uhr einzufinden. DaS 
Vereinsabzeichen ist anzulegen. 
-J- Lebende Photographien werden täglich durch 
den Unternehmer Herrn H. Liebing auf dem Platze Schloß- 
Ecke Mommsenstraße gezeigt. Es wird immer ein neues 
erstklassiges Programm geboten, und daß dies Kinemato- 
graphen-Theater ganz besonders zu empfehlen ist, dafür 
bürgen uns die großen Erfolge in allen Orten in denen 
Herr Liebing mit seinem Unternehmen gewesen ist. Inte 
ressieren werden u. a. auch die Lokalaufnahmen und so sei 
den Friedenauern der Besuch dieses Theaters angelegent 
lichst empfohlen. 
t Führmann-Walde Sänger. Wir machen 
auf die heute Abend im Saale des Kaiser Wilhelmgartens 
stattfindende Soiree der Führmann-Walde Sänger auf 
merksam. Die tüchtigen Sänger haben sich hier in kurzer 
Zeit allgemeine Beliebtheit erworben. 
-j- Tierquälerei. Der Gendarm Noll aus Steglitz 
stellte gestern auf den sogenannten Sandgruben im Süd- 
ender Ortsteil eine grobe Tierquälerei fest. Mehrere Gäule 
des Fuhrherrn Lange aus Friedenau wiesen große, teils 
eiternde Wunden auf und wurden durch die Kutscher trotz 
dem in Dienst behalten. Der Beamte sorgte für soforttge 
Ausspannung der Pferde. 
-f Unfall. Der Arbeiter Becker aus der Goltzstraße 
in Schöneberg stürzte gestern Nachmittag beim Verladen 
am Ringbahnhof vom Wagen und erlitt schwere Ver 
letzungen am Kopfe. Von Arbeitskollegen wurde B. be 
wußtlos zur Sanitätswache gebracht, wo ihm ein Notver 
band angelegt wukde. 
-s- Polizeibericht. Zugelaufen ist ein Hund, 
gefunden wurde ein Siegelring. Näheres im Polizei 
bureau in der Feurigstraße. 
Schöneöerg. 
— Schöneberger Volksküchen. Das Gartenfest 
des Vereins zum Besten der Speisung armer Kinder, 
welches am nächsten Dienstag, Nachmittags 4 Uhr, im 
Garten des Herrn Gutsbesitzers Otto Bergemann, Haupt 
straße 64, stattfindet, verspricht sehr unterhaltend zu 
werden. Es findet ein großes Doppelkonzert statt, bei 
welchem abwechselnd die Kapelle der Kgl. Schutzmann 
schaft unter Leitung ihres Dirigenten Herrn Götze und die 
Kapelle der Jugendwehr unter Leitung des Dirigenten 
Herrn Lehmann spielen werden. Das Programm ist sehr 
interessant zusammengesetzt. Die Beleuchtung des Gartens 
hat das Elektrizitätswerk „Süd-West" kostenlos über 
nommen und wird zu diesem Zweck eine Anzahl Bogen 
lampen errichten. 
— Gerichtliche Eintragung. Bei Nr. 27 287. 
(Offene Handelsgesellschaft Gebrüder Fuisting Vereinigte 
Berliner Kalksandstein-Zementwaren- u. Kieswerke, Schöne- 
berg.) In Callinchen ist eine Zweigniederlassung errichtet. 
Werlin und Wororle. 
8 Personalnachrichteu. Der Pfarrer Wilhelm 
Kreitzinger in Wustermark ist zum Superintendenten der 
Diözese Potsdam II ernannt worden. — Die Wahl des 
bisherigen Leiters der Realschule in Schöneberg zum 
Direktor dieser Anstalt ist vom Kaiser bestätigt worden. — 
Der wissenschaftliche Hilfslehrer Pinkus ist als Oberlehrer 
an der 14. Realschule und der Schulamtskandidat Gotthilf 
Riegelmann an der Sophienschule zu Berlin als Ober 
lehrer angestellt worden. — Der bisherige Inhaber des
        
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