Path:
Periodical volume Nr. 204, 31.08.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

reichen Beiträgen vor allem solche zur Besprechung auS, 
die märkisch-berlinische Redensarten in neuer und an 
sprechender Weise erklären. 
„Kinkerlitzen machen" sagt der Märker, aber auch der 
Berliner, wenn er Flunkereien oder unnützes Tun und 
Treiben bezeichnen will. Wie ist dieses Wort zu er 
klären? Im „Deutschen Wörterbuch" sucht Rudolf Hilde» 
braud mit dem Aufgebot großer Gelehrsamkeit den Schleier 
zu lüften, der dies merkwürdige Volkswort umgibt. Er 
nimmt an, daß „Kinker-litzen" ein zusammengesetztes Wort 
ist, dessen ersten Teil aus dem italienischen cinciglio = 
Flitter entstanden ist. während der zweite Teil das 
baierische Wort „Litz" (Laune, Kniff. List) enthalten soll. 
Aber die Sache liegt viel einfacher; der Ursprung deS 
rätselhaften Wortes ist, wie Dr. Kück uns zeigt, nieder 
deutsch. In der Lüneburger Heide gebraucht man den 
Ausdruck „Kunkelitschen", der ersichtlich mit „Kinkerlitzen" 
identisch ist. Eine „Kunkel-tasch" ist eine Geheimnis 
krämerin. „Kunkeln" heißt im niederdeutschen „Ränke 
schmieden", besonders aber wird das Wort gebraucht „vom 
heimlichen Verkaufen oder Vertauschen, wie es Weiber 
hinter dem Rücken der Männer tun." Ganz ähnlich ver 
steht man in der Lüneburger Heide unter „Kunkelitschen" 
die Schliche und Durchstechereien der Frauen, besonder- im 
Verkehr mit den herumziehenden Händlern, von denen sie 
allerlei nichtigen Kram kaufen oder eintauschen. Wir 
sehen also, daß „Kunkelitschen" ungefähr dieselbe Be 
deutung wie „Kinkerlitzen" hat: beide Wörter bezeichnen 
Kleinigkeiten ohne Wert und zugleich Flausen und 
Flunkereien. Die Endung — itschen oder itzen — aber 
ist ein Anhängsel, das auch sonst bei Wortbildungen ge 
braucht wird. So nennt z. B. der niederdeutsche Bauer 
die Bilder oder Schildereien, die an der Wand seiner 
Stube hängen: Schiller-atschen oder Schiller-atsen. Zur 
weiteren Bestätigung dieser Erklärung sei noch erwähnt, 
daß es im Waldeck'schen ein „Kungelije" gibt, das „heim 
licher Handel" bedeutet. 
Der Ausdruck „uzen" erfreut sich bekanntlich einer 
großen Beliebtheit. Auch hier hat man mancherlei 
Deutungen versucht, die aber nicht überzeugend wirken. 
Die einen erklärten „uzen" für ein Wort hebräisch 
jüdischen Ursprunges; andere leiteten es von Utz, dem 
Kosenamen von Ulrich, ab. Aber auch dieses Wort 
stammt aus dem Niederdeutschen. „Uzen" gehört zu 
„utse", einem mittelniederdeutschen Wort, das Kröte be 
deutet. Noch heute fühlt man an der Waterkante den 
Zusammenhang des Verbums „uzen" mit der als reizbar 
bekannten Kröte; man sagt dort „Uetz" oder „Uetzsch", um 
einen reizbaren, übelnehmerischen, krötigen Menschen zu 
bezeichnen. Also heißt „uzen" soviel wie: einen krötig 
machen. 
„Aus der Tüte sein" ist eine beliebte, aber nicht mehr 
verstandene Wendung der Umgangssprache, die in dem 
selben Sinne wie „aus dem Häuschen" sein verwendet 
wird. Besonders in der Mark, auch im Mecklenburgischen 
sagt man „ut de Tüt komen" — außer sich vor Vergnügen 
sein. Wie ist die Redensart zu diesem Sinne gekommen? 
Kück zeigt uns, daß es sich in beiden Fällen um dieselbe 
Redensart handelt. Früher hießen nämlich die Tüten auch 
„Kramer-Hüskens" (Krämer-Häuschen). In Ostfriesland 
sagt man heute noch „Hüsken" für Tüte. Tüte ist also 
in unserer Redensart für ein älteres Hüsken einsetzt 
worden, vermutlich weniger, weil der alte Sinn von 
Hüsken in der Wendung verdunkelt war, als vielmehr in 
der Absicht, eine komische Wirkung zu erzielen. 
Am 9. Februar 1857 schrieb Theodor Fontane, der 
geborene Märker, der akklimatisierte Berliner, aus London 
in übler Laune an seine Frau: „Eigentlich ist es doch eine 
miserable Existenz, und wenn ich mir diesen Jammer so 
ansehe, so erfüllt er mich neben aufrichtigem, herzlichem 
Mitleid mit einer Art Ingrimm. Es ist alles so sehr 
mierig, so niederdrückend." Das Wort „mierig" ist in 
der Mark, überhaupt wohl im ganzen niederdeutschen 
Gebiet, noch recht gebräuchlich; es hat sich auch in Berlin 
erhalten, wie mir viele bezeugen werden. „Mierig" heißt 
geizig, eigensüchtig, filzig. Sich mierig machen heißt: sich 
knauserig zeigen und dadurch verächtlich werden. Man 
spricht von einem mierigen Kerl. Man sagt, es ist alles 
so mierig = es ist alles so erbärmlich. Die Bedeutung 
deS Wortes steht also fest, aber sein Ursprung ist dunkel. 
Im fünfundzwanzigsten Heft des Jahrganges 1904 des 
„Korrespondenzblattes des Vereins für niederdeutsche 
Sprachforschung", Seite 64, findet man nicht weniger als 
sechs verschiedene Deutungen. Ist „mierig" eine Neben 
form von schmierig? Kann man eS aus mllrig ---- schlammig, 
Wind und Wetter, auch gegen Banditen und Räuber fühlte 
er keine Angst, aber jetzt —! 
Mit großen Schritten eilte Lippone davon, nicht ohne 
angstvolle Rückblicke, nur fort aus dem Bereiche der Teufels 
schlucht. Der Schnee fiel jetzt in großen weichen Flocken als 
glitzernde Sterne auf seinen braunen Mantel und den form 
losen Hut, den er fest auf sein dunkles Haar drückte, als er 
den schmalen Pfad zur Höhe hinan stieg.' Der Berg war steil 
und seifig, zeigte aber verschiedene Terrassen und Talmulden, 
die »u Anpflanzungen benutzt waren, zwischen denen einzelne 
Landhäuser lagen. 
Lippone war an einem großen Gebäude, dessen Veranden 
und Laubengänge mit jetzt blattlosen Weinreben umsponnen 
waren, schon vorüber gelaufen, als er plötzlich stehen blieb, 
sich vor die Stirn schlug, leise auflachte und wieder umkehrte. 
Seitlich vortretende mit Grün bewachsene Fels- und Berg 
hänge schützten das Haus gegen den Sturm, gestatteten aber 
einen Durchblick nach' dem Meere, dessen Brausen, wenn auch 
sehr abgeschwächt, noch manchmal zu hören war. 
Die Fenster waren durch Jalousien geschlossen, doch schim 
merte durch ihre Spalten Licht. Der Bursche pochte vorsichtig 
an die große Haustür, die nach einer Weile geöffnet wurde. 
Ein älterer Mann, offenbar ein Diener, groß, grauhaarig, 
sehr hager und schon gebückt, vielleicht mehr infolge steter 
Untertänigkeit, als hohen Alters, sah heraus. Er behielt den 
Türgriff mißtrauisch in der Hand, während er kurz nach Liv- 
pones Anliegen fragte. 
„Ich hätte etwas mit dem Herrn Baron zu reden, ist er 
zu Hause, Jnnocenzo?" Des Burschen Stimme klang sanft 
und einschmeichelnd, er wünschte den Alten günstig zu stimmen, 
zweifellos. 
dreckig erklären? Oder ist es etwa vom Dativ deS per 
sönlichen Fürwortes mir abgeleitet, um einen egoistischen 
Menschen zu bezeichnen, der alles für sich begehrt? Am 
entsprechendsten ist die Erklärung, die Kück gegeben hat. 
Er bringt „mierig" in Zusammenhang mit dem mittel 
niederdeutschen Hauptwort mßre — Gerede, Gerücht. „Lüt- 
märich" heißt im Mittelniederdeutschen: laut öffentlich, 
ruchbar. Demnach wäre „mierig" zunächst der, welcher in 
einem schlechten Rufe steht. Es ist wohl möglich, daß 
das Wort später mit eingeengter Bedeutung besonders zur 
Bezeichnung solcher Leute gebraucht wurde, die sich durch 
Knauserei in schlechten Ruf gebracht hatten. Vielleicht 
wird das Wort noch einmal literaturfähig. 
„Eie find wohl nicht recht bei Troste?" sagen unsere 
Damen mit Vorliebe, wenn sie in milder Form andeuten 
wollen, daß einer nicht bei gesundem Verstand ist. Die 
Redensart „nicht bei Troste sein" soll nach der gewöhn 
lichen Erklärung die Bedeutung haben: „ganz verlassen 
sein, sich nicht zu helfen wissen". Bei dieser Konjektur 
hat man sich an das mittelhochdeutsche „tröst" — Sicherheit 
und Schutz gehalten. Kück verweist uns dagegen auf die 
mittelniederdeutsche Wendung „bi gudeme tröste" = be 
trunken, angeheitert. Man kann also annehmen, daß der 
Ausdruck hauptsächlich zur Bezeichnung einer Gemüts- 
stimmung verwendet wurde. Wer in heiterer Gemüts 
verfassung ist, weiß sich zu trösten; er ist bei gutem Troste. 
Den Gegensatz hiervon bildet die trostlose oder schwer 
mütige Stimmung, die leicht den Eindruck erweckt, daß 
der Betreffende „nicht seinen gesunden Verstand hat". 
Zum Schluß seien noch zwei Wörter genannt, die 
schon vielen Erklärer» Kopfzerbrechen verursacht haben. 
Woher stammt das Wort „Fasching"? Für dieses Wort 
hat Kück folgende alte Formen auS dem Niederdeutschen 
nachgewiesen: vast-gank — vast-gink — vasting. Demnach 
bedeutet Fasching daS Kommen oder Nahen der Fasten. 
Das zweite, bisher unerklärte Wort ist ein Blumenname: 
Maßliebchen. Kein Mensch, wird glauben, daß dieses 
Wort unter die Zusammensetzung mit Maß gehört. 
Welchen Sinn sollte diese Deutung haben? Auch hier hat 
Kück ältere Formen aus dem Niederdeutschen beigebracht: 
madelieve — maetelieoe — maeghdelieve. Eine über 
raschende Entdeckung! Maßliebchen hat also die Be 
deutung: Mägdeliebe, Jungfrauenliebe. Das ist in der 
Tat eine sinnige Bezeichnung der Blume mit den weißen, 
rot angehauchten Blütenblättern. Und diesen schönen 
Namen verdient die Blume umsomehr, als sie schon früh 
zum Blumenorakel der Liebenden verwendet worden ist. 
Allgemeines. 
fj Zur Frage der Unterbringung geistes 
kranker Verbrecher bringt die soeben erschienene Ver 
öffentlichung deS Königl. Statist. Landesamts „Die Heil 
anstalten im preußischen Staate" einige interessante Be 
merkungen. Danach besitzen wir bereits sechs Abteilungen 
für geisteskranke Verbrecher, nämlich in den Strafanstalten: 
Berlin, Lehrterstraße, Breslau, Köln, Graudenz, Halle a. S. 
und Münster; es stehen hier zur Aufnahme von geistes 
kranken männlichen Verbrechern bereits 297 Plätze zur 
Verfügung. Diese Abteilungen nehmen Geistesgestörte 
oder der Geistesstörung verdächtige Gefangene auf, um sie 
einem Heil- und Beobachtungsverfahren zu unterziehen. 
Werden sie als geistesgesund erkannt oder bessert sich ihr 
Zustand soweit, daß sie ihre Strafe weiter verbüßen 
können, so werden sie in den geordneten Strafvollzug 
zurückversetzt; sind sie wegen Geistesstörung dauernd straf 
vollzugsunfähig, so wird der Strafvollzug unterbrochen 
und sie werden der gewöhnlichen Jrrenpflege überwiesen. 
Die in den Strafvollzug Zurückgenommenen werden ver 
suchsweise in die Hauptanstalt überwiesen, um hier noch 
unter psychiatrischer Beobachtung des Anstaltsarztes zu 
bleiben. Bei vielen dieser Verbrecher bricht die Geistes 
krankheit zeitweilig wieder durch. Männliche Straf 
gefangene aus den Strafanstalten und Gefängnissen der 
inneren Verwaltung (die dem Ministerium des Innern 
unterstehen) sollen nicht mehr zur Beobachtung ihres 
Geisteszustandes in die gewöhnlichen Irrenanstalten auf 
genommen werden. Die Zahl der letzteren belief sich Ende 
1903 auf 222, von denen elf dem Staate angehören. Die 
neue städtische Irrenanstalt in Buch soll bekanntlich auch 
eine Abteilung für geisteskranke Verbrecher erhalten; es 
würde dies die siebente im preußischen Staate sein. 
Freilich läßt die Eröffnung der Anstalt Buch noch immer 
auf sich warten. 
0 Irrungen im Postkarte «wesen. Die Zu- 
lassung schriftlicher Mitteilungen auf der Vorderseite von 
Es schien ihm nicht zu gelingen, Jnnocenzos Blick verlor 
einen abweisenden, unzufriedenen Ausdruck nicht: „Und wo 
ollte unser junger Herr denn noch sein, so spät am Abend!" 
antwortete er achselzuckcnd. „Tie Heiligen seien gepriesen, 
Baron Ercole verläßt das Haus nicht in der Nacht. Was 
möchte die gnädige Baronin dazu sagen!" 
Lippone krümmte sich etwas, doch gleich darauf glitt die 
Lüge leicht und glatt über seine Lippen; hielt er sie für ein 
Unrecht, so hoffte er sicher, sie bald wieder abzubüßen. „Jn 
nocenzo, Du weißt doch, wie gern Baron Ercole etwas schießt, 
und er ist lange nicht zur Jagd gewesen. Nun habe ich dort." 
er wies mit seinem alten Hute nach dem Meere, „etwas ge 
sehen — o Jnnocenzo, etwas — wenn Baron Ercole — erst 
gestern hat er mir befohlen, ihm sofort Nachricht zu geben —* 
„Mach, daß Du hinauskommst! Die gnädige Baronin 
erlaubt ihm nicht, so spät noch auszugehen," unterbrach der 
Alte den redseligen Burschen, indem er ihn an der Schulter 
herumdrehte, um ihn hinauszubefördern und die Tür zu 
schließen. Vielleicht hatte er Lippone wirklich zu derb angefaßt, 
der Bursche stieß einen Schrei aus und wand sich wie in 
heftigem Schmerz. Und ehe sich Jnnocenzo von seinem Schrecken 
darüber erholen und einsehen konnte. Lippone betrüge ihn, 
sagte eine klangvolle, jugendliche Männerstimme hinter ihm: 
„Laß den Burschen los, Jnnocenzo! Was hat er Dir 
getan, Lippone?" Ein schlanker, auffallend schöner junger 
Mann, mit offenen, fteien Zügen voll Geist und Leben, doch 
von leiser Schwermut beschattet, stand neben dem alten Diener, 
der erschreckt zur Seite wich. 
Lippone hatte seinen Zweck erreicht und hütete sich, 
Jnnocenzo noch mehr Unannehmlichkeiten zu bereiten, er trug 
seine Lüge schnell und mit noch weniger Gewissensbissen zum 
Ansichtskarten gibt fortgesetzt Anlaß zu Irrungen beim 
Publikum. Immer wieder begegnet man die Verwechslung 
von gewöhnlichen Postkarten und solchen mit Ansichten. 
Briefliche Mitteilungen auf der Vorderseite sind nur dann 
zulässig, wenn sich auf der Rückseite ein Bild befindet. 
Amtliche Formulare können somit niemals auf der Vorder 
seite mit Mitteilungen beschrieben werden. Notwendig ist 
ferner, das der links befindliche Teil getrennt wird. Der 
beschriebene Teil darf höchstens die Hälfte der Vorderseite 
einnehmen. Selbstverständlich kann man auch den Strich 
auf Postkarten die ihn noch nicht haben, selbst ziehen. 
Solche Mitteilungen sind zunächst nur im inneren deutschen 
Verkehr zulässig. Merkwürdigerweise hat die Ankündigung, 
daß sie vom 1. September an auch im europäischen zu 
gelassen sein sollen, häufig den Irrtum veranlaßt, schon 
jetzt die Ansichtskarten nach dem Ausland vorne zu be 
schreiben. Auch nach dem 1. September darf man nur 
Ansichtskarten nach Deutschland den europäischen Ländern 
mit Ausnahme von Großbritannien und Irland auf der 
Vorderseite beschreiben. Man muß dabei in Kauf nehmen, 
das die Mitteilung durch einen Stempel weniger deutlich 
gemacht wird. Der der Post verbleibende Teil der 
Vorderseite wird von dem Vordruck, der Briefmarke, der 
Adresse und dem Aufgabestempel so in Anspruch ge 
nommen, daß kein Platz mehr für den Ankunftsstempel 
übrig bleibt. Gr muß wohl oder Übel auf die linke Hälfte 
der Karte gesetzt werden. Auch ist von den schnell 
arbeitenden Postbeamten nicht zu verlangen, daß sie Hede 
Karte umständlich darauf prüfen, wo der Stempel am 
besten angebracht werden kann. 
'Lokales. 
f Abschied vom August. Die Zahl 31 auf dem 
Kalenderblatt für den Monat August hat die finstersten 
Blicke zu ertragen, und mit faltiger Stirn und herabge 
zogenen Mundwinkeln nimmt der Ehemann da- letzte 
Mittagsmahl in der Runde rasch gewonnener Mit-Stroh- 
witwer, um den lustigen Kaffeeskat gegen gestrenge Nach 
tischverhöre einzutauschen über wo, wann, bis wann, mit 
wem usw. Der vorsichtige Mann denkt daran, den letzten 
Rest seiner Scheiderrechnung zu bezahlen, damit ihm der. 
Schneider von neuem für den Winter borge. In den 
Schaufenstern der Modewarengeschäste sind die Herbst 
neuheiten ausgestellt, und manches Auge ruht bereits be 
gehrlich auf allen diesen Werken der Zukunft. Die Haus 
frauen werden infolge der Unterhandlungen mit den 
Modistinnen sehr liebenswürdig und sogar zärtlich gegen 
die Ehegatten. In den vier Pfählen herrscht Ruhe und 
Frieden. Freilich aber soll das in manchen Häusern nicht 
allzu lange dauern, der Gatte merkt zuweilen die 
fromme Kriegslist, und der häusliche Herd wird zum 
Herd des Krieges um die Toiletten für die Herbst- und 
Winterzeit. 
t Die Gemeiudebaubeamte» soweit sie zu den 
höheren Staatsbaubeamten gehören, haben sich mit einer 
Denkschrift an ihre Gemeindeverwaltungen gewandt, in 
der sie ihre jetzige Stellung klarlegen und darüber Klage 
führen, daß ihnen nicht diejenige äußere Stellung gewährt 
worden sei, die ihnen nach ihrem Bildungsgrad und der 
Bedeutung ihres Amtes zukomme. Die Leiter von Ge 
meindebauämtern in Britz, Groß-Lichterfelde, Lichtenberg, 
Nieder-Schönhausen, Ober-Schönweide, Rummelsburg, 
Steglitz, Tempelhof, Treptow, Wilmersdorf und Zehlen 
dorf erklären zum Schluß ihrer Eingabe, daß sie nur dann 
ihre Stellung als einwandfrei ansehen und ihre Kräfte 
zum vollen Nutzen der Gemeinde entfalten können, wenn 
sie dem Gemeindevorstand als Schöffen angehören. Sie 
berufen sich schließlich darauf, daß der Verband deutscher 
Architekten- und Jngenieurvereine sich schon wiederholt 
für diese Forderung gesprochen habe. In Friedenau ist 
schon lange, namentlich von Interessenten der Wunsch 
kund gegeben, einen höheren Regierungsbaubeamten als 
besoldeten Bauschöffen anzustellen. Wie unS nun aus 
interessierten Kreisen mitgeteilt wird, könnte sich im 
nächsten Jahr der lange gehegte Wunsch endlich erfüllen. 
t Zum Königlichen Mufikdirigeuten ernannt 
ist der auch in Friedenau bekannte und beliebte Leiter des 
Garde-Schützen-Bataillons, Herr Görisch. 
f Grundstückswechsel. Das von dem kürzlich 
verstorbenen Herrn Dr. phil. Langmann im Besitz ge 
wesene Haus Fregestraße 73 ist von Herrn Baumeister 
Berg, Handjerystraße 74, käuflich erworben worden. — 
Die Parzelle 6 in der Bornstraße, bisher den Herren 
Architekten Klitscher und Afdring gehörig, ging in den 
Besitz zweier Steglitzer Herren über. 
zweiten Male vor, doch dieses Mal mit verschiedenen Aus 
schmückungen, die auf des jungen Mannes Jagdlust berechnet 
waren. 
Umsonst drohte ihm Jnnocenzo heimlich, zupfte ihn am 
Mantel, schüttelte ausdrucksvoll den Kopf und hob abwehrend 
die Hände, machte seinen jungen Herrn auch mit Grabes 
stimme auf den Wind und die nächtliche Dunkelheit aufmerk 
sam, Ercole tat, als sähe er ihn nrcht. 
„Ich danke Dir, Lippone," sagte er endlich. „Laufe 
hinauf zu Herrn Laveggi, er geht gewiß auch gern mit." 
Lippone verschwand eiligst und Jnnocenzo atmete er 
leichtert auf. „O, wenn Herr Laveggi mitgeht, wird die 
gnädige Baronin es eher erlauben, aber ganz allein —" 
Jnnocenzo sah sich um, Baron Ercole war auch weg 
gegangen. So benutzte der Alte die Gelegenheit, seinem 
Herzen Luft zu machen, drohte hinter Lippone mit der Faust 
her und brummte wenig schmeichelhafte Motte vor sich hin. 
„Tagedieb, Faullenzer! Hast hier nichts zu suchen und kommst 
doch immer wieder. Ich werde Dir vas Haus verbieten. 
Kannst bei Deiner Großmutter, der alten Hexe, bleiben, ihr 
paßt zu einander. Die Heiligen mögen nur geben, daß Herr 
Ercole es selbst seiner Mutter sagt — ich — ich tue es jeden 
falls nicht, nein, gewiß nicht." Mit einer Miene, die größte 
Entschlossenheit andeuten sollte, fuhr sich der alte Mann mit 
beiden Händen durch sein graues Haar, doch in seinen Worten 
wie im Ton seiner Stimme lag schon ein leiser Zweifel, und 
als er seine vorhin hastig abgeworfene Schürze mit langsamer 
Umständlichkeit wieder umband, seufzte er tief aut. Lautes 
Geklapper aus der Küchenregion verttet sehr Kalo, daß er 
seine durch Lippone unterbrochene Tätigkeit wieder aufge- 
nommen hatte. (Fortsetzung folgt.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.