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Periodical volume Nr. 203, 30.08.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Berlinische Bodengesellschaft hat bereits 11 Grundstücke 
verkauft. Ein Käufer ist schon bei der hiesigen Bauver» 
waltnng unter Einreichung der Bauzeichnung um die 
Bauerlaubnis eingekommen und will noch im Herbst mit 
der Ausschachtung beginnen. 
-j- Die Einqnatiernug die unser Ort vom 
31. August bis 3. September erhalten sollte, trifft einen 
Tag später, also erst am 1. September ein. 
-j- Der Monat September nahm im altrömischen 
Kalender die siebente Stelle ein. Karl der Große nannte 
ihn „Herbstmonat", weil am 23. Tage desselben diese 
Jahreszeit beginnt. Wenn auch die Dämmerung jetzt schon 
viel früher eintritt, als während des Sommers, so sind 
die hellen Tage doch noch lang genug, um zu weiten 
Spaziergängen einzuladen. Grade jetzt bietet die Natur 
in der abwechslungsreichen Laubfärbung ein besonders 
reizvolles Bild und die milde Luft wirkt erfrischend auf 
uns ein. Die Zeit dei Weinernte kommt heran und mit 
ihr nahen die vielgepriesenen Mostfeste. Wenn die Zug 
vögel auch langsam Anstalten zur Reise nach dem Süden 
treffen, und so mancher Mensch, den sein Beruf hier fest 
hält, am liebsten mit ihnen forteilte, so bleibt doch dem 
Städter dafür so manches andere Vergnügen aufgespart, 
bei dem er "sich für das Dableiben entschädigen kann. 
Die Bekannten kommen alle nach und nach zurück, alte 
Freundschaften werden erneuert, die Geselligkeit macht einen 
schüchternen Versuch, sich wieder einzubürgern, und die 
Kunststätten werden von neuem geöffnet. Theater, Konzerte, 
Vorträge, alles beginnt in der neuen Saison und bringt 
vielei Anregung und Genuß. Auch der Stammtisch tritt 
wieder in seine Rechte: die gemütliche Skatabende, die 
heiteren Zusammenkünfte im Restaurant oder in den 
Familien sind alles Gaben des Septembers. 
-j- Zahlung vou Pflasterkosteu. Die Profefforen 
Hermes, Hoffmann, die Erben des Ministers v. Bosse, und 
20 Genoffen waren zu Beiträgen für die Pflasterung der 
Lindenstraße (eine bereits schon früher gepflasterte Straße) 
in Steglitz herangezogen worden. Nachdem die Klage 
gegen die Heranziehung in den Vorinstanzen abgewiesen 
worden war, erkannte das Oberverwaltungsgericht auf 
Zurückweisung der Revision, indem u. a. ausgeführt 
wurde, e§ sei zulässig, die Beschlußfassung über die Heran 
ziehung zu Straßenanliegerbeiträgen zwecks Deckung der 
Kosten für Neu- oder Umpflasterungen, die nicht unter 
das Baufluchtliniengesetz vom 2. Juli 1875 fallen, so ein 
zurichten, daß zunächst ein allgemeiner, das ganze Netz 
derartiger Straßen in der Gemeinde umfassender Beschluß 
herbeigeführt wird, dem dann Sonderbeschlüsse für einzelne 
Straßen folgen. Der Angriff, daß durch die Neu 
pflasterung der Lindenstraße den hier in Frage kommenden 
Anliegen besondere wirtschaftliche Vorteile nicht erwachsen 
sseien, konnte im gegenwärtigen Verwaltungsstreitverfahren 
nicht berücksichtigt werden. Die Entscheidung über solche 
Einwendungen erfolge nur im Beschlußverfahren. Dem 
Verwaltungsrichter stehe eine Prüfung darüber, ob die an 
genommenen Vorteile vorhanden seien, gicht zu; seine Zu 
ständigkeit beschränke sich auf die Frage, ob, der Forderung 
des Gesetzes entsprechend, bei Verteilung der Beiträge das 
Verhältnis der Vorteile als das allein maßgebende an 
gesehen sei. 
f Für eine Verminderung der Schnlauffichts» 
Instanzen hat sich der Lehrerverein Berlin-Land-Teltow 
ausgesprochen. Auf Antrag von Sparmann-Schöneberg 
wurde folgende Resolution angenommen: „Im Interesse 
der Schularbeit ist eine Verringerung der Schulaufsichts 
instanzen zu wünschen; die Ortsschulinspektion in jeder 
Form ist zu beseitigen und den fachmännisch gebildeten 
Kreisschulinspektoren zu übertragen. Die Befugnisse des 
Schulleiters haben sich auf die äußerlichen Schulangelegen 
heiten zu beschränken." Für die Provinzialversammlung 
wurde ein Antrag angenommen, den Vorstand des 
preußischen Lehrervereins zu ersuchen, geeignete Schritte 
zu tun, um den Lehrern das passive kommunale Wahl- 
recht zu verschaffen. 
Von der Linie 88. Heute Nachmittag fanden 
Probefahrten auf der neuen erweiterten Straßenbahn 
linie Schlesisches Thor—Schöneberger Krankenhaus statt 
und dürfte die Eröffnung der Linie nun wohl bestimmt 
am 1. September erfolgen. Die Haltestellen an der 
Kaisereiche bezw. Kirchstraße werden verlegt und zwar vor 
den Häusern Rheinstraße 55 (Raphaelsches Kaufhaus) und 
gehabt haben, denn er hat mir auch meine Photographie, 
die ich wahrscheinlich in der Tasche trug, gestohlen. Hier 
ist sie" — und Doktor Herbert hielt seiner leichenblaß 
gewordenen Frau das eorpus delicti vor die Augen. 
Das war sie wirklich, die Photographie, die sie dem 
Detektiv zur Beobachtung ihres Mannes gegeben hatte. 
„Was ist Dir denn aber, wie stehst Du denn aus, 
Anni? rief Rudolf bei dem Anblick seiner kleinen Frau. 
„Ach, ich bin so grundschlecht, verabscheuungswürdig, 
elend!" Frau Anni brach in leidenschaftliches, nicht enden 
wollendes Weinen aus. Der Doktor suchte sie zu 
beruhigen, endlich gelang das, und nun erzählte die kleine 
Frau mit stockender Stimme die ganze lange Geschichte 
und wälzte sich die große Schuld von ihrem gequälten 
Herzen herunter. Als sie zu Ende war und ihren Mann 
fragend ansah, brach dieser in ein herzliches Lachen aus. 
Er faßte die ganze Geschichte als einen köstlichen Spaß 
auf und bedauerte die kleine Frau nur wegen der 200 
Mark, die so verschwendet, und wegen der Angst und 
Sorge, die sie ausgestanden hatte. 
Doktor Herbert hatte ein viel zu reines Gewissen, um 
Frau Anni, die er über alles liebte und der gegenüber er 
sich nicht der geringsten Untreue bewußt war, auch nur 
eine Minute zu zürnen. Die Geschichte mit dem Privat 
detektiv, der sich zugleich als Spitzbube entpuppt hatte, 
blieb aber Geheimnis zwischen den drei daran Beteiligten. 
Frau Anna bat flehentlich, die Sache nicht an die große 
Glocke zu hängen, und ihr Mann willigte lachend ein. 
Die 300 Mark hat der Schwindler nie bekommen, dafür 
machte das glückliche Ehepaar während der Pfingsttage eine 
wunderhübsche kleine Rheinreise. 
Rheinstraße 16 (Adler Apotheke). An der Kaisereiche wird 
eine Signalscheibe zur Aufstellung gelangen, da diese Stelle 
jetzt für den Wagenverkehr noch gefährlicher wird als dies 
schon bisher durch die Elektrische der Fall war. 
t I« der stimmungsvoll dekorierte« Kapelle 
deS hiesigen Friedhofs fand am Montag die Trauerfeier 
für die dahingeschiedene Frau Jda Retzdorff statt. Obgleich 
diese Feier nur für einen kleineren Kreis bestimmt war, 
hatte sich dennoch eine größere Zahl von Leidtragenden 
eingesunden. Ein alter Freund der Familie, Herr Prof. 
Dr. C. Müller, entwarf in warm empfundenen Worten 
ein Lebensbild der Entschlafenen und hob besonders deren 
Charaktereigenschaften hervor, die ihr in weitesten Kreisen 
ein Gedenken sichern werden. Die Gesänge wurden von 
dem Fettkenheuerschen Quartett ausgeführt. Nach Be 
endigung der erhebenden Feier wurde der Sarg nach dem 
Bahnhof überführt, da auf Wunsch der Verstorbenen die 
Einäscherung der Leiche in dem Krematorium in Gotha 
heute, Mittwoch, erfolgen sollte. 
-j- Die totale Sonnenfinsternis, die heute Nach 
mittag von 1 Uhr 10 Minuten bis 3 Uhr 23^Minuten 
währte, wuroe vom Publikum vielfach mit Interesse 
beobachtet. Leider bekam man von dem himmlischen 
Schauspiel wenig oder garnichts zu sehen, da die trüben 
Wolken während der ganzen Zeit alles verdeckten. 
-j- Das „Taschengeld". Wenn fürsorgliche Eltern 
ihren Kindern, die in der fremden Stadt zu ihrer Aus 
bildung, zum Broterwerb, beim Militär usw. weilen, 
das übliche Postpaket mit Wäsche und Kleidungsstücken, 
Naturalien und sonst Nötigein und Nützlichen senden, 
pflegen sie meist auch einiges „Taschengeld" beizufügen, 
das, fälschlicherweise als „nebensächlich" betrachtet, in ein 
Stück Papier gewickelt, irgendwo in eine Ecke des Packeis 
gestopft wird. Vielfach geschieht dies auch so eilig und 
verstohlen, weil's — „Vater nicht sehen soll". Kein 
Wunder, daß die kleine und doch so wichtige Beigabe auf 
der weiten Reise sich irgendwo durch eine Ritze der Kiste 
usw. herausstiehlt, beim Werfen der Pakete herausfällt 
und diese dann für den Empfänger oft sehr an „Wert" 
verlieren. „Verloren" sind diese Taschengroschen freilich 
nur selten; denn mit rührender Gewissenhaftigkeit werden 
sie aufgehoben und registriert: das Amtsblatt des Reichs- 
Postamtes bringt in jeder Nummer eine genaue Aufzählung 
solcher Funde. In der letzten Nummer sind's nicht weniger 
als neun und diese repräsentieren einen Barwert von 
35 Mark und 20 Pfg. Gefunden werden die kleinen Be 
träge, eingewickelt oder lose, in den Packwagen der Züge, 
in den Packet-Laderäumen, in den Paketsäcken, ja, im 
„Einschreibbunde" oder der „Bestelltasche". Es lind meist 
Silbermünzen im Werte von fünf, drei, zwei und einer 
Mark, österreichische Kronen oder Doppelkronen. Wenn 
es sich in der Regel auch nur um Summen von etwa 
drei dis acht Mark handelt — für den Sender und be 
sonders den Empfänger haben sie zweifellos einen hohen 
Wert. Beide lesen aber wohl kaum das Amtsblatt, das 
genau angibt, bei welcher Ober-Postdirektion der Verlierer 
sein Geld wieder erhalten kann. Wäre eS darum nicht 
viel einfaches, die elterliche Liebe packte diese Beigaben 
sicherer ein oder opferte noch einen Nickel für eine Post 
anweisung? Beiden Teilen wäre damit geholfen. 
-j- Die Eröffnung der neuen Radrennbahn 
in Steglitz, welche am Sonntag den 3. September statt 
findet, hat eine große Zahl von Rennfahrern zur Meldung. 
-j- NachtkriegSspiei des „Alt-Wandervogels". 
In der Nacht von Sonnabend zum Sonntag veranstaltete 
der Bund der Jugendwanderungen „Alt-Wandervogel" 
im Grunewald ein Kriegsspiel in größerem Maßstabe. 
Trotz des regnerischen Wetters hatten sich am Bahnhof 
Grunewald gegen 1 / 2 9 Uhr über 80 Teilnehmer eingefunden, 
unter denen sich auch Schüler des hiesigen Gymnasiums 
befanden. Nachdem man sich in. zwei Armeen geteilt 
hatte, marschierten die jungen Leute, in ihre Regenpele 
rinen gehüllt, unter fröhlichem Gesang der Havel zu. 
Da§ Operationsgebiet erstreckte sich von Schildhorn bis 
zum Kaiser-Wilhelm-Turm zwischen der Havel und der 
Spandau-Potsdamer-Chaussee. Die Grenze zwischen den 
feindlichen Parteien bildete eine größere Schlucht am 
Dachsberg. Allmählich hatte der Regen nachgelassen, und 
das Spiel konnte um 3 / 4 12 begonnen werden. Beide 
Armeen hatten sich in Unterabteilungen geteilt, und es 
galt nunmehr, die Stellung des Feindes auszukundschaften, 
was bei der großen Dunkelheit keine Kleinigkeit war. 
Nach langen ermüdenden Märschen traf man schließlich 
morgens gegen 1 j 2 A in der Grenzschlucht zusammen, wo 
ein kurzer Ringkampf schnell das Spiel entschied. Vereint 
ging es dann nach Bahnhof Grunewald, wo der erste 
Wagenzug benutzt wurde, um wieder nach Hause zu fahren 
und sich von den Strapazen des Marsches durch einen 
ordentlichen Schlaf zu erholen. Allen Teilnehmern wird 
dieser eigenartige Ausflug eine dauernde Erinnerung 
bleiben. 
Die letzten Mufikwcisen der beliebten Apollo- 
Kapelle werden morgen im „Rheinschloß" erklingen. Nach 
dem reichhaltigen interessanten Programm zu schließen wird 
sich dieses Abschieds- und Benefiz-Konzert äußerst 
interessant gestalten. Ein gemütliches Familienkränzchen 
wird den Ehrenabend beschließen. Herr Musikdirektor 
Börner und seinen wackeren Mitspielern ist der beste Erfolg 
zu wünschen, vor allem auch gutes Wetter. Bei ungünstigem 
Wetter findet das Konzert im Saale statt. 
1° Vandalsn auf der Stadt- und Vorortbahn. 
Zu einer großen Plage für die Eisenbahn-Verwaltungen 
des Stadt und Vorortverkehrs ist das gefährliche Treiben 
rücksichtsloser Gesellen worden. Sie richten während der 
Fahrt in den Zügen oft das größte Unheil an und 
scheuen sich keineswegs niederträchtige Handlungen auszu 
führen, die fiir das Publikum die größten Folgen nach sich 
ziehen können. Mutwilligerweise öffnen sie während der 
Fahrt die Wagentüren, die dann von den kreuzenden 
Zügen leicht erfaßt werden können. Aus den Wagen 
werden die auf der Innenseite der Tür angebrachten 
Rahmen der Klassen- und Nummerschilder abgeschraubt 
und gestohlen. Ferner werden die in den Rauchab 
teilen angebrachten Aschenbecher zerschlagen. Auch die 
Polster in der zweiten Wagenklasse wurden in letzter Zeit 
Wiederholt zerschnitten vorgefunden. Um den nichtS- 
würdigen Tätern auf die Spur zu kommen, haben die 
Eisenbahn-Verwaltungen mehrfach Belohnungen ausgesetzt. 
In Bekanntmachungen werden demjenigen, der den bezw. 
die Täter so bezeichnet, daß die gerichtliche Bestrafung er 
folgen kann, eine Geldbelohnung zugesichert. An die 
Fahrgäste richten die Verwaltungen das Ersuchen, bei 
vorkommenden Fällen die Behörden zu unterstützen. 
Schöneöerg. 
— Firrneneiutragnug. Bei Nr. 4072. (Firma 
Paul Rieger, Berlin.) Der Sitz der Firma ist nach 
Schöneberg verlegt. Inhaber wohnt in Schöneberg. 
Werlin und Wororte. 
8 Berliner Mufik-FachauSstellung des Zentral- 
Verbandes Deutscher Tonkünstler und Tonkllnstler-Vereine, 
vom 5.—20. Mai 1906, in den Räumen der Philharmonie. 
Der Geschäftsausschuß für die Ausstellung hat sich kon 
stituiert und seine Arbeiten begonnen. Der Ausschuß setzt 
sich aus folgenden Herren zusammen: Kapellmeister Ad. 
Göttmann, Vorsitzender des Zentral-Verbandes, Komponist 
Rich. I. Eichberg, Schriftführer des Zentral-Verbandes, 
Professor Herm. Schröder, Schatzmeister des Zentral- 
VerbandeS, Redakteur Leop. Hausmann, General-Sekretär 
des Zentral - Verbandes, Rechtsanwalt Leo Kempner, 
Syndikus des Zentral-Verbandes, Kapellmeister Franz 
Reckentin-Berlin, Komponist Ernst Heuser-Köln, Gesang 
lehrer W. Bädorff-Köln, Direktor Th. Raillard-Leipzig, 
Konzertsänger Julius Schweitzer-München. Alle Anfragen 
und Offerten sind an das ständige Bureau der Musik- 
Fachausstellung, Berlin W, Bülowstraße 82, zu richten. 
Steglitz. Der Bau der neuen Oberrealschule an der 
Elisenstraße präsentiert sich jetzt in seinem vollem Um 
fange dem Beschauer. Es ist dazu ein außerordentlich 
großes Terrain in Anspruch genommen worden. Für 
astronomische Zwecke hat Direktor Dr. Lüdeke einen dreh 
baren Turm an der Spitze des einen Flügels errichten 
lassen. Nach den bisherigen Dispositionen soll der Einzug 
der Schüler am 10. Oktober erfolgen. 
Gerichtliches. 
(:) Im Hinblick auf 8 15 de« Fluchtltuieugesetze« war 
Frau K. zu ca. 1200 M. Anliegerkosten herangezogen worden, wett 
auf dem fraglichen Grundstück ein Abortanbau errichtet worden sei. 
Nach fruchtlosem Einspruch und erfolgloser Klage legte Frau K. mit 
Erfolg Revision ein und behauptete, der Abortanbau sei kein Gebäude 
im ISinne deS § 15 des FluchtliniengesetzeS. Abweichend vom 
Bezirksausschuß trat daS Oberverwaltungsgericht dieser Anficht bei, 
indem es u. a. ausführte, ein Anbau könne nur dann als Gebäude 
angesehen werden, wenn er nach seiner Konstruktion und nach seiner 
Bestimmung einem selbständigen Gebäude gleich zu achten sei. Ein 
Anbau könne nicht schon auS dem Grunde als Gebäude angesehen 
werden, weil durch ihn eine Vermehrung der bebauten Fläche und deS 
Kubikinhalts des Wohnhauses eingetreten sei. Ohne Zweifel könne 
nicht der Anbau eineS starken Strebepfeilers oder einer Stützmauer 
bet einem Hause als Errichtung eines Gebäudes erachtet weiden, 
wenn auch dadurch die bebaute Fläche vermehrt weide. Dem frag» 
lichen Anbau fehle aber jede Selbständigkeit nach Konstruktion und 
Bestimmung. ES handle sich lediglich um eine unerhebliche Er 
weiterung eines bisher benutzten Raumes. Ein derart unbedeutender 
und unselbständiger Anbau sei kein Gebäude im Sinne deS § 15 deS 
FluchtliniengesetzeS und könne eine Heranziehung zu den Straßenbau- 
kosten nicht rechtfertigen. 
Gemeinnütziges. 
4 gute Klotz-Rezepte. Mehl-Knödel. Von 
300 Gramm Mehl wird mit Milch und 4 Eiern ein Teig 
gemacht, in der Dicke wie ein Epatzenteig, und gehörig 
gesalzen. Dann werden zwei Milchbrote in Würfel ge 
schnitten, schön gelb geröstet und an den Teig gegeben. 
Sodann werden in siedendes gesalzenes Wasser mit einem 
Löffel runde Knödel eingelegt, */ 4 Stunde gekocht, beim 
Anrichten in zwei Teile geschnitten und halbgeröstetes 
Reibmehl darüber gegeben. — Griesskubanky.^ GrieS 
wird in Salzwasser zu steifem Brei gekocht, dann mit dem 
Löffel herausgenommen, wodurch große Nocken entstehen, 
und mit zerlassener heißer Butter und gerösteter schwarzer 
Zwiebel serviert. — Kartoffelknödel mit Speck. Schneide 
kalte, gekochte Kartoffeln in kleine Würfel, ebenso 
geräucherten Speck, menge geröstete, geschnittene Zwiebeln, 
2 Eier, etwas Salz, Milch und Mehl gehörig durch 
einander und bereite und forme aus dieser Masse Knödel, 
welche i/z Stunde in kochendes Waffer gelegt werden. 
Vor dem Servieren werden sie gut mit recht heißem 
Schmalz übergössen. — Fleisch-Knödel. Ein Pfund 
rohes, mageres Rindfleisch wird in einem halben Pfund 
Speck feiu gehackt, drei altbackene Semmeln fein gerieben, 
das gehörige Salz, eine Messerspitze Pfeffer, nebst 3 Eiern 
zu dem Fleisch gegeben, gut durcheinander gemengt, in 
siedendem, gesalzenem Wasser eine Stunde gekocht und in 
einer Buttersoße zu Tisch gegeben. 
Gewürzgurken einzumachen. Kleinere, etwa 
fingerlange Schlangengurken werden eine Nacht in frisches 
Wasser gelegt, dann herausgenommen, gut abgebürstet und 
auf reinen Tüchern zum Abtrocknen ausgebreitet. Auf 
4 Suppenteller voll Gurken, rechnet man 2 Suppenteller 
voll Dill, 4 lange, gereinigte und in Stücke geschnittene 
Meerrettichstangen, Pfefferkörner und Seftfsamen. — Die 
Gurken werden lagenweise mit diesen Zutaten in einen 
Steintopf gepackt, während man 2 Liter Weinessig und 
1 Liter Wasser mit 125 Gramm Salz aufkocht. Man 
läßt auskühlen, rührt 3 Eßlöffel Maggi's Würze hinein, 
füllt dies über die Gurken und legt einen Holzdeckel, mit 
großem Stein beschwert, darauf. Der Zusatz von Maggis 
Würze erhöht den Wohlgeschmack ganz überraschend. 
Vermischtes. 
' Dprichwörter-Witze. Für den Freund naturwüchsigen 
Humors ist es ein Festtagsvergnügen, eine gute Sprichwörter-Samm- 
lung zur Hand zu nehmen und darin zu blättern, Hier liegt der seit 
1000 Jahren gehäufte Schatz, zu den das Volk seinen gesunden Ver-
        
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