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Periodical volume Nr. 202, 29.08.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

0 Nach den Stationen der Weichselbahne« 
und darüber hinaus ist, wie die König!. Eisenbahndirektion 
Berlin bekannt macht, der Gesamtverkehr wieder aufge 
nommen worden. 
Lokales. 
-j- Die erste Sitzung der Gemeindevertretung nach 
den Ferien findet am Montag den 4. September statt. 
Die Tagesordnung ist eine reichhaltige und im Anzeigen 
teile enthalten. 
-j- Vom Gymnasium. Die Michaelisklassen der 
Borschule und der Gymnasialsexta sind vom Minister 
genehmigt; weiterhin von Ostern nächsten Jahres ab die 
neu zu eröffnende Realschule. Vorerst werden die neuen 
Lehranstalten mit dem Gymnasium vereinigt bleiben und 
dürfte eine Trennung erst nach einigen Jahren erfolgen. 
Die Leitung der neuen Anstalt bis zum Ausbau wird 
gleichfalls Herr Direktor Dr. Busch übernehmen. 
Diese Erweiterung des Gymnasiums, bezw. Schaffung der 
neuen höheren Lehrinstitute bedeutet für unseren Ort 
wieder einen großen Vorteil und wird sehr dazu bei 
tragen, den Zuzug des steuerkräftigen Publikums zu 
erhöhen. 
-s Anlegung von Schulgärten. Die Landräte 
des Regtrkungsbezirks Frankfurt a. O. sind vom Re 
gierungspräsidenten aufgefordert worden, um den 
heimischen Obst- und Gartenbau zu fördern, diesen Gegen 
stand auf die Tagesordnung der Kreislehrerkonferenz 1905 
zu setzen. Besonders soll die Anlegung von Schulgärten 
erörtert werden. Die Verfügung der Regierung enthält 
noch einen besonderen Anhang für die Landräte, der auf 
die Schulgartenfrage, den Friedenauer Schulgarten, die 
Aufsätze über den Schulgarten im Schulblatt für die 
Provinz Brandenburg und das Schriftchen von Wilms in 
Nieheim: „Zur Förderung des heimichen Obst- und 
Gartenbaues und Anlegung von Schulgärten" besonders 
aufmerksam gemacht. Die Landräte sollen auf die Kreis- 
eingeseffenen und den Kreistag wegen Anlegung von 
Schulgärten einwirken und binnen Jahresfrist Bericht 
über,die Schulgartenfrage erstatten. 
-s Der morgige 30. August bringt uns ein inter- 
effantes himmlisches Schauspiel: eine totale Sonnen 
finsternis, die nach der Berechnung der Astronomen in die 
Zeit von 12 Uhr 46 bis 3 Uhr 40 Minuten fällt. Wer 
sich gerade in Südfrankreich oder der westlichen Schweiz 
aufhält, kann die Sonnenfinsternis am besten beobachten, 
aber auch wir anderen Europäer werden Gelegenheit 
haben, den eigenartigen Vorgang mit Hilfe berußter Gläser 
verfolgen zu können. Jedenfalls wird man morgen nicht 
verfehlen, denen, die sich anschicken, die Sonnenfinsternis 
zu betrachten — in Auffrischung eines uralten Witzes — 
ein neckendes „Geh nur nicht so dichte 'ran" zuzurufen. 
f Der Gedanke einer Katzensteuer, der zuerst 
in einem Berliner Vorort praktische Gestalt angenommen 
hat, wird von allen Jägern mit Freude begrüßt. Sie 
können auf die guten Erfahrungen hinweisen, die mit der 
Einführung der Hundesteuer in vielen Dörfern gemacht 
worden sind. Dadurch wurden viele unnütze Köter be 
seitigt, die ohne Daseinszweck auf den Feldern umher 
bummelten und das Wild beunruhigten oder gar hetzten. 
Die Katze ist aber noch viel schlimmer und schädlicher. 
Sie begnügt sich nicht mit dem offiziellen Beruf eines 
Mäusefängers, sondern stellt in Feld und Garten den 
Singvögeln und Hasen nach. Viele verwildern vollständig 
und leben dann nur von Raub. Als Raubtier überragt 
die Katze sowohl Fuchs wie Marder. Sie hat sehr feine 
Sinne und ist außerordentlich gewandt. Dazu kennt sie 
nicht Scheu vor dem Menschen, übt vielmehr ihr Räuber 
handwerk ohne Furcht unter seinen Augen aus. Und die 
beklagenswerte Abnahme unserer Singvögel ist nicht nur 
auf die Nachstellungen im Süden, sondern fast ebensosehr 
auf das unheilvolle Wildern der Hauskatze zurückzuführen. 
Es liegt also ein doppeltes Interesse vor, die Zahl der 
Katzen zu vermindern. Zur Vertilgung der Mäuse und 
Ratten gibt es jetzt unfehlbare Mittel, die die Katze als 
Haustier zum mindesten entbehrlich erscheinen lassen. 
-s Nheinschloß-Ende. Wie wir aus sicherer 
Quelle erfahren wird der Restaurations- und Hotelbetrieb 
des Rheinschlosses am nächsten Montag eingestellt. Das 
ganze Gebäude soll abgerissen werden und einem prächtigen 
Wohnhause mit zwei Seitenflügeln und vier modernen 
Frau Anna nickte zustimmend. 
„Verzeihen Sie bitte die Störung, gnädige Frau. 
Mein Name ist Ella Brentano, ich bin Schauspielerin. 
Ich war heut in der Redaktion des Herrn Doktor, fand 
denselben aber nicht dort, und bin nun hierher gekommen, 
um den Herrn Doktor meinen herzlichsten Dank für die 
außerordentlich lobende Kritik über mein Spiel aus 
zusprechen." 
Frau Anna war sprachlos. ' Das überstieg denn doch 
alle Grenzen, daß die Person sogar hierher in die Wohnung 
zu kommen wagte. 
,,Haben Sie vielleicht sonst noch etwas auszurichten, 
was ich meinem Manne bestellen könnte?" fragte sie spitz. 
„Ich danke Ihnen, gnädige Frau, Sie sind sehr 
liebenswürdig", entgegnete die Schauspielerin und wandte 
sich nach einem anmutigen Neigen des Kopfes zum Gehen. 
Frau Anna schloß die Korridortür und ging in ihr 
Zimmer zurück. Sie ärgerte sich darüber, daß sie die 
Schauspielerin nicht genötigt hatte, einzutreten. Ihr 
Mann mußte ja heute zeitiger als sonst nach Haus 
kommen. Sie hätte dann das Mienenspiel der Beiden be 
obachten können und hätte vielleicht gleich Gewißheit ge 
habt. Dann fiel ihr wieder der Brief des Detektiv ein. 
Sie ging zum Schreibtisch, packte einen Hundertmarkschein, 
es war der letzte, den sie hatte, in ein Kouvert und sandte 
dasselbe an die gewohnte Adresse. 
Sie war kaum von ihrem kurzen Gange zurückgekehrt, 
als ihr Gatte mit einem anderen Herrn ankam. Sie hörte 
Läden Platz machen. Die Versteigerung des gesamten 
Inventars soll bereits Anfang nächster Woche stattfinden. 
f Sänger-Somrnerfest. Der "riedenauer Männer- 
Gesang-Verein 1875 veranstaltete am Sonnabend in den 
Gesamträumen des „Rheinschloß" fein diesjähriges Sommer 
fest. Der Garten war mit Guirlanden und vielen herr 
lichen Lampions geschmackvoll dekoriert und gewährte 
noch in später Nachtstunde einen geradezu feenhaften An 
blick. Der starke Regen, der am Abend einsetzte, konnte 
dem Besuch keinen Abbruch tun, denn in den Kreisen der 
rührigen Vereinsmitglieder war schon lange vor dem Fest 
für einen reichen Absatz von Billets gesorgt, sodaß eine 
starke Beteiligung auch bei ungünstigem Wetter gesichert 
war. Nach dem ersten Konzertteil, den die so beliebte 
Kapelle Apollo unter der Direktion des Herrn Börner 
sehr anerkennenswert zu Gehör gebracht hatte, mußte man 
der zunehmenden Feuchtigkeit wegen in den großen Saal 
flüchten, der nunmehr dicht gedrängt voll war, als der 
festgebende Verein in allbekannter Klangschönheit und 
Akkuratesse seine Gesänge zum Vortrag brachte. Reichen 
Beifall lohnte die wackeren Sängerschar und seinen Chor 
meister Herr Scheel. Bei Beginn des Tanzes gab es eine 
Verlosung praktischer und nützlicher Gegenstände, und 
wenn auch Fortuna manchen eine herbe Enttäuschung 
brachte, man sah es jedem Einzelnen an, er hatte keine 
verlorenen Stunden verlebt. Man schied hochbefriedigt 
und mit Dank an das rührige Komitee als sich Friedenau 
schon zu neuem Leben rüstete. 
f Die Distriktsloge XIV. Brandenburg des 
I. O. G. T. (Internationalen Guttemplerordens) hielt 
am Sonntag in den Unionsfestsälen Greifswalderstr. 227/228 
ihre diesjährige Hauptversammlung ab, die von etwa 500 
hiesigen und auswärtigen Milgliedern besucht war. Als 
Vertreter der Großloge war Großtempler H. Blume aus 
Hamburg erschienen, der den Ehrenvorsitz führte. Er über 
brachte der Distriktsloge die Grüße der kürzlich in Belfast 
tagenden Weltloge und erstattete über die für die Ent 
wicklung des Ordens äußerst wichtigen Verhandlungen und 
Beschlüsse derselben einen eingehenden Bericht, der mit 
lebhaftem Beifall aufgenommen wurde. Aus den Berichten 
der Beamten des 14. Distrikts ergab sich, daß die Gut 
templerbewegung hier auch im verflossenen Jahre gute 
Fortschritte gemacht hat. Es arbeiteten am 1. August im 
Distrikt 46 Logen mit zusammen 1857 Mitgliedern. Noch 
im Laufe des letzten Quartals wurden 4 Logen gestiftet, 
zwei in Berlin je eine in Friedrichsberg und Fürstenwalde. 
Stetig und unaufhaltsam breitet sich dieser Orden der 
tätigen Bruderliebe auch in unserer Provinz aus. 
-s Kabarett. Wie wir bereits mitteilten, findet 
diesen Freitag, den 1. September, auf vielseitigen Wunsch 
eine Wiederholung des Berliner Kabarett-Gastspiels im 
Hohenzollernsaale statt. Das Programm, das Herr 
Direktor Weiß uns bietet, ist diesmal ein sehr ab 
wechselungsreiches und doch abweichend von dem ersten. 
Fünfzehn mitwirkende Künstler bezw. Künstlerinnen, 
Sänger, Sängerinnen und Rezitatoren werden sich bemühen, 
dem geehrten kunstliebenden Publikum einige vergnügte 
Stunden zu bereiten. Eine geistvolle Abendunterhaltung 
wird und muß unser Friedenau gewiß zu schätzen wissen. 
t Auf Bahnhof Ebersstraße ist am 24. Juni, 
abends 9 Uhr, ein Arbeiter von einer während der Fahrt 
geöffneten Abteilungstür getroffen und zu Boden geschleudert 
worden. Die Zeugen dieses Vorganges werden gebeten, 
ihre Adresse bei Hermann Butschke, Rixdorf, Schöneweider- 
straße 23, abzugeben. 
f Beschlagnahmt. Gekauft und späterhin als 
verdorben beschlagnahmt und vernichtet wurden in den 
letzten Tagen einige Flundern und Rebhühner. Ein 
seltenes Vorkommnis in unserem Ort. 
-f Polizeibericht. Gefunden wurden ein Teschin, 
eine Brosche und zwei Schlüssel, welche Gegenstände von 
den rechtmäßigen Eigentümern im Polizetbureau in 
Empfang genommen werden können. 
Schöneöerg. 
— Acht neue Oberlehrerstellen werden an den 
in der Entwickelung begriffenen vier städtischen höheren 
Lehranstalten im nächsten Etatsjahre errichtet werden. 
— Die Wählerlisten zur Stadtverordueten- 
wahl sind bis. jetzt, mit Einschluß des Sonniags, im 
ganzen für 2525 Personen eingesehen worden. Die 
höchste Ziffer — 458 — wurde am Sonntag in den zwei 
die beiden Stimmen, die ihres Rudolfs und eines 
Fremden, auf dem Korridor. Bald darauf traten Beide ein. 
,.Liebes Frauchen", sagte Dr. Herbert, „ich bringe Dir 
heut einen lieben Gast mit, meinen guten Freund und 
Reisebegleiter von meiner Weltumsegelei, Herrn Dr. med. 
Walden, der damals Schiffsarzt war und mich von meiner 
scheußlichen Seekrankheit mit einem guten Rum kurierte." 
Der Fremde verbeugte sich: „Verzeihen Sie, meine 
gnädige Frau, daß ich Sie so zu überfallen wagte, aber 
Ihr Gatte, den ich heute in der Redaktion aufsuchte, ließ 
mich nicht wieder fort." 
„DaS wäre auch noch schöner", warf dieser munteren 
Tones ein. „heute kommst Du von Deiner fünfjährigen 
Reise zum ersten Male wieder nach Berlin, da wirst Du 
hübsch bei Deinem alten Freunde bleiben und ihm er 
zählen, wie es Dir ergangen ist. Was führt Dich eigent 
lich hierher?" 
„Ach, das ist eine lange Geschichte. Ich bin nämlich 
auf der Suche nach Jemand, und wie ich hoffe, hier auf 
der richtigen Fährte." 
„Das ist ja sehr interessant", warf die kleine Frau 
ein, um auch etwas zu sagen, „übrigens", wandte sie sich 
an ihren Mann, „war eben ein Fräulein Brentano hier, 
eine Schauspielerin, um Dir für eine gute Kritik oder, 
was weiß ich, persönlich zu danken." 
„Was sagen Sie, gnädige Frau, kam der Gast ihrem 
Rudolf mit der Antwort aufgeregt zuvor, „ein Fräulein 
Brentano? Und die war eben hier? Und Schauspielerin ist 
sie? Sie ist es ja, die ich suche!" 
Stunden von 11—1 Uhr erreicht. Die Listen liegen nük 
noch am Dienstag und Mittwoch von Vormittags 9 Uhr 
bis Nachmittags 2 Uhr im Rathause auS. Wer nicht in 
der Liste steht, ist. nicht wahlberechtigt! 
— Etüe Milcheutladestelle, die Schöneberg und 
Umgegend in erster Linie zugute kommt, läßt die Eisen 
bahndirektion der Anhalter und Dresdener Bahn jetzt 
zwischen Porkstraße und Möckernstraße Herrichten, wo die 
Erdarbeiten für eine besondere Rampe auf dem Terrain 
der früheren Schillingschen Steinsetzwerkstätten bereits be 
gonnen haben. Gleichzeitig werden auf dem Eisenbahn 
gelände mehrere über die Porkstraße führende Anschluß- 
geleise gelegt, um die Milchzüge nach der Abfuhrstelle 
dirigieren zu können. Die Zahl der über die Porkstraße 
führenden Eisenbahnzüge, die bisher 36 betrug, wird 
dadurch wiederum vermehrt. Die Anlage dieser selbst 
ständigen Milchabfuhrstelle wird, außer von der benach 
barten Bevölkerung, namentlich von den Milchhändlern 
mit Genugtuung aufgenommen werden, die bisher die 
Milch von den entfernteren Güterbahnhöfen am Tempel 
hofer Ufer abholen mußten, 
— Die Colonueustroße, der uralte Weg zwischen 
Schöneberg und dem Tempelhofer Felde, wird jetzt zwischen 
der Sedanstraße und dem Königsweg, wo ein neuer 
Stadtteil im Entstehen begriffen ist, ganz erheblich ver 
breitert. Zu diesem Zwecke sind gestern die schönen alten 
Bäume die hier standen sämtlich abgeholzt worden. Der 
Königsweg, über dessen schlechten Zustand in den letzten 
Jahren so viele Klagen laut geworden sind, wird asphal 
tiert und auf der Westseite mit modernen Wohnhäusern 
bebaut. 
Werlin und Wororle. 
8 Einen schönen bildnerischen Schmuck hat 
die am Görlitzer Ufer gelegene Tabor-Kirche, deren Ein 
weihung auf den 24. September d. Js. festgesetzt worden 
ist, an der Außenseite erhalten. Es sind 4 in Mosaik 
ausgeführte Bilder, die der Kaiser für das Gotteshaus 
gestiftet hat. Das größere, über dem Haupteingang be 
findliche stellt die Verklärung Christi auf dem Berge' 
Tabor nach Matthäus 17, 1—8 dar. In der Mitte steht 
die von einem hellen Glanz umflossene Gestalt des 
Heilandes, zu seiner Rechten sieht man Moses mit den 
beiden Gesetzestafeln und zur Linken den Propheten EliaS. 
Von unten blicken die Jünger Petrus, Jacobus und 
Johannes scheu zu der Gruppe empor. Dieses Bild wird 
von 3 Medaillonbildern umgeben, die Martin Luther, 
Philipp Melanchthon und den Kurfürsten Joachim IL 
zeigen. 
§ Ein großartiger Brückenbau wird augen 
blicklich in Charlottenburg vorgenommen. Diese Brücke 
soll im Zuge der neuen Heerstraße nach Döberitz über die 
8 Gleise des Nordrings hinwegführen. Sie wird nicht 
nur besondere Wege für den Fußgänger- und den Fähr 
verkehr, sondern auch solche für Radfahrer, Reiter und die 
Straßenbahn erhalten, während unter der Brücke in einem 
von mächtigen eisernen Trägern gebildeten Eisenwerk die 
Untergrundbahn hingeleitet wird. Diese untere Sonder 
brücke wird jetzt montiert und steht auf einem gewaltigen 
Baugerüst bereits aufrecht da. Nach Herstellung der neun 
mächtigen Pfeiler wird mit dem eigentlichen Brückenbau 
begonnen werden, der in einer Länge von 65 Meter und 
in einer Breite von 50 Meter ausgeführt wird. Diese 
gewaltige Brücke wird getragen von 45 mächtigen eisernen 
Pfählen, die auf Granitblöcken mit massiver Unterlage er 
richtet werden. Der Bau der Brücke soll bis April 1906 
fertig sein. 
8 DaS seitens des Kammergerichtspräfideuten 
erlassene Verbot in den Gerichtsgebäuden während der 
Dienststunden Bier zu trinken, findet in den Kreisen deS 
biertriukenden Publikums eine sehr geteilte Aufnahme. 
Und doch unterliegt es keinem Zweifel, daß die Ver 
fügung sowohl im Interesse der Beamten wie des Publikums 
liegt. Professor Kröpelin und seine Schüler haben durch 
sorgfältige Experimente über die psychischen Wirkungen 
des Alkohols nachgewiesen, daß schon geringe Mengen 
Alkohol (1—2, Seidel Bier) die Leistungsfähigkeit ge 
samten intellektellen Sphäre für vieles Stunden herab 
setzen, was natürlich subjektiv den davon Betroffenen nicht 
ins Bemußtsein kommt. Wenn irgendwo, so kommt es 
aber in Gerichtsverfahren, beispielsweise bei Abgaben und 
Beurteilung von Zeugenaussagen auf klare und voll- 
Jn die sind wohl sämtliche Männer verliebt, dachte 
Frau Anna etwas spöttisch, aber ein Blick auf den geradezu 
fassungslosen Dr. Walden belehrte sie, daß die Sache doch 
etwas ernster hier zu sein scheine. 
„Verzeihen Sie meine Aufregung, gnädige Frau", 
sagte dieser, „doch sie ist wohl begreiflich, wenn man so 
plötzlich von einem Menschen hört, den man über alles 
geliebt hat Und noch liebt. Ella Brentano heißt mit 
ihren richtigen Namen Brenner. Ihr Vater war Justizrat. 
Ich war damals Student und grenzenlos in Ella verliebt. 
Als ich zum Doktor promovierte, hielt ich um Ella an, 
bekam aber von der Mutter einen rundweg ablehnenden 
Bescheid. Ella und ich waren sehr unglücklich. Die 
Mutter wollte mit der Tochter höher hinaus. Da nahm 
ich Abschied und wurde Schiffsarzt, um draußen in dem 
wildbewegten Leben einen Trost für meinen Kummer zu 
suchen. Nach langer Zeit hörte ich, daß der Vater Ellas 
plötzlich gestorben war und Ella und die Mutter fast 
mittellos zurückgelassen hatte, daß Ella von den wenigen 
übrigen sich hatte ausbilden lassen und, um sich selbst und 
die Mutter zu ernähren, Schauspielerin geworden mar. 
Ich stand mit Ella längere Zeit in Korrespondenz und da 
hatte sie mir geschrieben, daß sie unter den Namen Bren 
tano auftreten würde. Seit Monaten haben mich jedoch 
keine Briefe mehr erreicht, sodaß ich den augenblicklichen 
Aufenthalt meiner Braut, denn als solche betrachte ich sie, 
nicht wußte. Sie werden nun meine Aufregung verstehen, 
gnädige Frau?" (Schluß folgt.)
        
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