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Periodical volume Nr. 201, 28.08.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Handel- und Gewerbevercin sich des 8 Uhr-LadenschlusseS 
ernsthaft annehmen möchte. Dies würde am besten ge 
schehen, wenn sich auS Mitgliedern des Vereins eine Kom 
mission zur Herbeiführung des 8 Uhr-Ladenschlusses bilden 
würde. Dieser Kommission muß es übertragen werden, 
die nötigen Schritte bei der Behörde zu tun. Der 8 Uhr- 
Ladenschluß wird und muß kommen und würde für 
Friedenau eine soziale Tat ersten Ranges sein. A- H. 
Allgemeines. 
0 Die Wiederaufnahme des Eisenbahnverkehrs 
in Rußland hat weitere Fortschritte gemacht. Nach einer 
Bekanntmachung der Kgl. Eisenbahndirektion Berlin werden 
seit gestern Eilgüter und Passagiergut nach Warschau und 
darüber hinausgelegene Stationen von den Weichselbahnen 
wieder übernommen. 
Lokales. 
t Zur Frage der Veränderung der Vau- 
polizeiverordnnng für die Bororte sind viele Vorschläge 
an den „Verein der Vororte" eingesandt worden. Sie 
sollen bei der Besprechung über den Entwurf der umge 
arbeiteten Bauordnung im Abgeordnetenhause als Material 
überreicht werden. Der Minister für öffentliche Arbeiten und 
der Minister des Innern haben die Kommission des Vor 
ortvereins für Umänderung der Bauordnung zu einer 
Konferenz auf den 29. September, Vormittags 10 Uhr 
eingeladen. Die Vorschläge der Kommission gehen dahin, 
daß die Vorgärten bei Berechnung der Baufläche in An 
rechnung kommen. Früher wurde hinter der Baufluchtlinie, 
jetzt die hinter der Straßenfluchtlinie und, wo eine solche 
nicht vorhanden ist, der hinter der Straßengrenze liegende 
Teil der Grundstücke in Betracht gezogen. Ferner dürfen 
bei geschloffener und offener Bauweise innerhalb des Bau 
wich nun auch Veranden und Türvorbauten angebaut 
werden, sofern zwischen ihnen und der Nachbargrenze ein 
Abstand von mindestens 2,50 Mtr. verbleibt. Dagegen 
soll für die Bebauung von größenen Eckgrundstücken eine 
Beschränkung eintreten. Während bisher die Vergünsti 
gungen für 2000 Qmtr. gewährt wurden, sind jetzt nur 
1200 Qmtr. für die Sechzehntelbebauung zugelassen. Für 
die überschießende Fläche sind nur 5 / 10 zulässig. Hier 
sollen 1500 Qmtr. in Vorschlag gebracht werden. Weitere 
Abänderungsvorschläge nimmt der Berliner Vorortverein, 
Geschäftsstelle Universitätsstr. 3 b, noch bis zum 19. Sep 
tember d. Js. entgegen. 
f Mit der sogenannten Villettsteuer ist unser 
Nachbarort Steglitz, nachdem der Sportpark nach der 
Steglitzer Gemarkung verlegt ist und am nächsten Sonntag 
bekanntlich das erste Rennen stattfindet, gleichfalls schnell 
bei der Hand. Die Gemeindeverwaltung veröffentlicht eine 
neue Lustbarkeitsord'nung, worin die Erhebung der Billett 
steuer neu eingeschaltet ist. Die Steuer wird genau nach 
dem Friedenauer Muster erhoben und zwar von 1—1,50 
Mark 5 Pf., bis 2 M. 10 Pf., bis 3 M. 15 Pf., bis 
6 M. 20 Pf. und über 5 M. 30 Pf. 
-j- Der Sedantag wird auch in diesem Jahre vom 
hiesigen Männer-Turnverein festlich begangen werden und 
zwar am Sonntag, den 3. September, Nachmittags 
31/2 Uhr. Der Festort ist der Turnplatz am Birken 
wäldchen. Der Ordnungsgang der Feier wird folgender 
sein: 1. Gemeinsames Lied: „Es braust ein Ruf wie 
Donnerhall." 2. Ansprache des Vorsitzenden des Männer- 
Turnvereins. 3. Turnen der Männer-, Alters- und Lehr 
lings-Abteilung: a) Gemeinsame Eisenstabübungen, b) Ge 
rätturnen der Männerabteilung und Dreikampf der Lehr 
lingsabteilung. 4. Turnen und Spielen der Jugend 
abteilungen: a) Gemeinsame Freiübungen, b) Gerätturnen 
und Spielen, 0) Wettkämpfe und Verteilung von Ge 
schenken. 5. Verkündigung der Sieger im Dreikampf. 
6. Gemeinsames Lied: „Wir feiern frohe Feste," 7. Fest 
zug zum Holzstoß. 8. Abbrennen des Holzstoßes. Ge 
meinsame Gesänge: a) „Flamme empor!" b) „Deutsch 
land, Deutschland über alles", c) „Ich hab' mich er 
geben." 9. Rückmarsch zum Festplatz, Entlastung der 
Jugendabteilungen und zwangloses Beisammensein der 
Erwachsenen. 
t Die letzte» „Strohwitwer-Sonderzüge" sind 
Sonnabend und Sonntag früh an die Ostsee abgefahren. 
Mit ihnen verschwinden nunmehr auch die Sonderzüge, 
die jeden Sonntag nach der Märkischen Schweiz (Freien 
walde a. O., Eberswalde rc.) abgelassen wurden aus dem 
Fahrplan der Stettiner Eisenbahn. Zu den gewöhnlichen 
Sonntagszügen nach Biesenthal, Eberswalde, Chorin rc. 
bis Freienwalde a. O. werden aber bis auf weiteres immer 
noch Sonntags-Rückfahrkarten zum einfachen Fahrpreise 
hatte ja genug Grund dazu. Aber nun erst Beweise 
haben! Sie mußte das heraus bekommen, in wen sich 
ihr Mann verliebt habe, um ihn dann die Wahrheit ins 
Gesicht zu schleudern und ihn zu entlarven. 
Ihr Blick fiel auf eine Stelle in der Zeitung, in der 
sie schon ein ganzes Weilchen gedankenlos geblättert hatte. 
Da war es ja, was sie suchte. Eine Annonce unter den 
vermischten Anzeigen war es, die Frau Anna's ganze Auf 
merksamkeit auf einige Minuten in Anspruch nahm. Sie 
las dieselbe eifrig durch, überlegte noch einmal und ging 
dann, einem plötzlichen Impulse folgend, an den Schreib 
tisch, um auf einen zierlichen Briefbogen folgende Zeilen 
zu schreiben: Ersuche Sie, mich morgen Nachmittag 
zwischen 4 und 6 Uhr zwecks persönlicher Rücksprache auf 
suchen zu wollen," dann folgte Namen und Wohnung, der 
Brief wurde zusammengefaltet und wanderte in ein 
Kouvert, das die Aufschrift „Diskret. Postamt 9" bekam. 
Den wichtigen Brief trug Frau Anna selbst zum Briefkasten. 
Als der Gatte spät des Abends nach Hause kam, 
fand er die kleine Frau anscheinend im tiefsten Schlaf. 
Am andern Morgen erzählte er ihr von der gestrigen 
Theaterpremitzre in einem kleinen Theater des Nordens, 
wo eine junge Schauspielerin in ihrem ersten Debüt einen 
riesigen Erfolg erzielt habe. Fräulein Brentano habe so 
ausgegeben. Diese haben aber, wie schon der Name sagt, 
nur eintägige Giltigkeit. 
-s Die totale Sonnenfinsternis am Mittwoch 
wird als partielle Finsternis, bei welcher zwei Drittel 
der Sonne vom Monde verdeckt werden, zu sehen sein. 
Die Finsternis beginnt um 4 Uhr 9,9 Minuten mit dem 
Eingreifen des Mondes in den rechten Sonnenrand, er 
reicht ihre g.ößte Phase um 1 Uhr 16,5 Minuten und 
endigt um 3 Uhr 23,1 Minuten, indem der Mond links 
unten aus der Sonne herauszieht. Die Urania-Stern 
warte in der Jnvalidenstraße wird an dem genannten 
Tage von 12 Uhr ab für das Publikums geöffnet sein. 
Von 12 bis 1 Uhr wird Herr Dr. Ristenpart einen ein 
leitenden Vortrag über die Finsternis halten. 
-j- Friedenauer Verein für Ferienkolonien. 
Auch in diesem .Jahre hat der Verein während der 
Sommerferien eine Halbkolonie unterhalten. Die Mittel 
dazu waren ihm in dankenswerter Weise von Herrn 
Sanitätsrat Dr. Fromm zur Verfügung gestellt worden. 
Die Auswahl der Kinder hat Herr Rektor Hannemann im 
Auftrage des Vereins getroffen. Die Leitung der Halb 
kolonie war Herrn Lehrer Barsch übertragen. Abweichend 
von der Praxis der beiden Vorjahre sind in diesem Jahre 
mit den Kindern Ausflüge per Bahn, Kremser und Dampfer 
nach den verschiedensten Orten der Umgebung veranstaltet 
worden. Auf diese Weise sind die Kinder von ermüden 
den Fußtouren verschont geblieben. Im ganzen wurden 
vierzehn Halbtags - Ausflüge gemacht. Am meisten 
freuten sich die Kinder, wenn ein Ausflug nach dem 
Wannsee bei Beelitzhof unternommen wurde. Das Ufer 
des Wannsees ist hier wunderschön und vorzüglich zum 
Spielen für Kinder am Wasser geeignet. An dem hier 
herrschenden .Badeleben" haben die Kinder mit großem 
Vergnügen teilgenommen. In dem nahegelegen Walde 
bot sich dann die beste Gelegenheit zum Ausruhen und 
zur Aufführung allerlei Kreis- und Ballspiele. Die Ver 
pflegung der Kinder war gut;, für paffende Getränke 
(Milch, Kakao, Limonade) hatte man bestens gesorgt. Die 
beteiligten Kinder erschienen fast immer vollzählig, und 
sind ihnen die Ausflüge vorzüglich bekommen, Dank der 
vortrefflichen opferfreudigen Leitung. 
f Zu der Siegesfeier in Grotzbeeren, die am 
gestrigen Sonntag Nachmittag bei gutem Wetter zum 
Andenken an die vor 92 Jahren geschlagene Schlacht statt 
fand, waren zahlreiche Besucher namentlich aus Berlin und 
den Vororten erschienen. Hohe Flaggenmasten erhoben sich 
auf dem historischen Kirchhof zu beiden Seiten des von 
einer Girlande umwundenen Denkmals, und auch die 
beiden Kanonen waren mit Fahnen und Laubgewinden 
geschmückt. Vor dem Denkmal war ein Feldaltar errichtet 
worden, über das Pult breitete sich eine Decke aus 
schwarzem Sammet mit der Inschrift: „Gedenket der Jahre 
1813, 14 und 15." Um 2 Uhr marschierten die Krieger 
vereine und der Turnverein des Ortes auf. Die Feier 
wurde durch den Choral: „Lobe den Herrn" eingeleitet, 
worauf nach der Liturgie des Ortspsarrer Paristus eine 
Ansprache hielt, der er das Sonntagsevangelium 
(Lucas 19, 41—47) zu Grunde legte. Gebet und Segen 
schloß die Feier, nach deren Beendigung der Vorsitzende 
des Kriegervereins ein Hoch auf den Kaiser ausbrachte. 
In dem Orte entwickelte sich bald ein frohes Jahrmarkt 
treiben, in allen Lokalen fand Musik und Tanz statt. 
j- JubNäums-Fernfahrt „Rund mn Berlin". 
Die jährlich vom Gau 20 (Berlin) veranstaltete Fernfahrt 
„Rund um Berlin", die in zwei Abteilungen als Fern 
fahrt für Radfahrer und als Prüfungsfahrt für Kraft- 
Zweifahrer zum Austrag gelangt, ging gestern unter 
großer Beteiligung vor sich. Die zurückzulegende Strecke 
betrug 242,7 Kilometer und führte von Potsdam über 
Nauen—Cremmen—Herzberg—Löwenberg—Oranienburg- 
Bernau — Alt-Landsberg — Kalkberge— Erkner—Friedrichs 
hof— Königs-Wusterhausen — Zossen—Trebbin—Siehten— 
Schenkendorf—Gütergotz—Klein-Machnow und endete auf 
der Zehlendorfer Radrennbahn. In der Radfahrer-Kon 
kurrenz starteten 160 Fahrer, von denen ungefähr 50 das 
Ziel passierten. Sieger wurde Adolf Böhm, welcher die 
Strecke in 9 Stunden 45,28 Minuten zurücklegte. Die 
Zeit ist um so anerkennenswerter, als der Boden durch 
das ungünstige Wetter vollständig aufgeweicht war. 
Zweiter wurde Götzke in 10 Std. 1,09 Min., Dritter 
G. Schulze in 10 Std. 7,53 Min., Vierter W. Dreßler 
in 10 Std. 10,48 Min. und Fünfter A. Zademann in 
10 Std. 10,54 Min. An der Prüfungsfahrt für Kraft- 
Zweiräder nahmen 38 Motorfahrer teil. 15 von diesen 
erreichten das Ziel. Als Erster traf 12 Uhr 18 Minuten 
G. A. Horn-Berlin ein, in kurzen Abständen folgten 
M. Krumpa - Bernau, I. Menzel - Charlottenburg und 
M. Siebert-Eberswalde. 
ausgezeichnet, mit solcher Wärme und Natürlichkeit gespielt, 
daß sie entschieden würdig sei, an einem größeren Theater 
mit ihrem ungewöhnlichen Talente zu glänzen. Alsdann 
ging der Doktor in sein Arbeitszimmer, um zu arbeiten. 
Frau Anna war furchtbar aufgeregt. Sie hatte 
wegen ihres Vorgehens ein schlechtes Gewissen und hatte, 
um sich nur ja nich zu verraten, ein recht freundliches 
Gesicht gemacht und ihrem Gatten mit großem Jntereffe 
zugehört. Jetzt, als sie allein war, dachte sie über das 
eben Gesagte nach. Was veranlaßte ihren Mann, mit 
soviel Wärme von der Schauspielerin zu sprechen? Sollte 
es diese Brentano sein, der zu Liebe Rudolf sie selbst 
vernachlässigte? Doch sie würde ja bald, sehr bald 
Gewißheit haben. 
Nach dem Esten ging der Doktor, nachdem er sich 
von seiner kleinen Frau wie immer herzlich verabschiedet 
hatte, fort, um nach der Stadt, in die Redaktion zu fahren. 
Frau Annas Herz klopfte stürmisch, sie sah alle 
Augenblicke nach der Uhr, es war jetzt ein halb vier Uhr. 
Noch eine halbe Stunde — dann mußte der Bestellte 
kommen. Sie sagte dem Mädchen draußen Bescheid, daß 
ein Geschäftsmann, mit dem sie wegen einer Geburtstags 
überraschung für den Herrn zu verhandeln habe, kommen 
würde, derselbe solle sofort eingelassen werden. 
t Jur Zeichen der Erntefeste stand gestern unser 
Ort und waren die Veranstaltungen so naturgetteu, daß 
man in den Glauben versetzt wurde, man befände sich 
wirklich in einem Dorf bezw. auf dem Lande. . Hierzu 
trug besonders der Festzug bei, der mit dem bekannten 
Erntewagen, besetzt mit buntgekleideten Schnittern und 
Schnitterinnen, vorne die.Dorfmusikanten, die Straßen 
passierte. Für die Jugend war dies ein Jubel und für 
die Alten eine Überraschung. Es handelte sich um ein 
Erntefreudenfest im „Kaiser Wilhelm-Garten" und hatte 
derselbe einen regen Zuspruch. An Unterhaltung wurde 
dort auch viel geboten und das größte Vergnügen für die 
Kleinen und amüsant für die Großen war Bürkners Zwerg- 
theater. — Im Wilhelmshöher Brunnen (Feldkantine des 
Herrn Fritz Behrendt), war ebenfalls Erntefest und dort 
der Trubel nicht minder groß. Es saß sich im festlich ge 
schmückten Laubengelände recht behaglich. Die Kapelle 
sorgte munter für Musik, der Wirt flott für Speisen und 
Getränke. Die Verlosung der Feldfrüchte war für alle 
interessant und für manchen recht lohnend. Also auch hier 
verlief das Erntevergnügen in bester Weise und das Ge 
schäft war für die Wirte, zufolge der glücklichen Wendung 
des Wetters immerhin ein gutes. 
t Orgelkonzert. Am Mittwoch, den 30. August, 
Abends 71/2 Uhr veranstaltet der Königliche Musikdirektor 
Bernhard Jrrgang in der St. Marien-Kirche das nächste 
Orgelkonzert unter Mitwirkung von Fräulein Janka Major 
(Sopran), Frau Martha Sommerfeld-Kröning (Alt) und 
Herrn Alexander Altmann (Violine), Orgelkomposttionen 
von Bach, Ludw. Neuhoff und Cösar Franck. Ter Ein 
tritt ist frei! 
f Seltener Fund. Ein eßbarer Pilz im Gewicht 
von zwei Pfund und ca. 30 Zentimeter Durchmeffer 
wurde uns am Sonnabend auf den Redaktionstisch gelegt 
und zwar durch die Tochter unseres Mitbürgers Bäcker 
meister Herrn Weigel. Gefunden wurde der höchstseltene 
Pilz auf dem Erbgut des Herrn W. im sächsischen Erzgebirge. 
Man kann sich einen Begriff von der „Fruchtbarkeit" deS 
Besitztums machen. 
f Neuer Schwindel. Eine Anzahl unserer Ein-' 
wohner im Westen sind heute Vormittag durch einen ge 
riebenen Gauner ihre Scheren, Messer rc. losgeworden. 
Derselbe, ein noch junger Mann, bot sich den betreffenden 
an, genannte Schneideinstrumente gegen billiges Geld 
tadellos zu schleifen, um dann mit den Gegenständen auf 
Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Einen Schleifstein 
führte natürlich der Schwindler nicht mit sich. Unsere ge 
schätzten Leser werden hierdurch vor ihm gewarnt und ist 
er im gegebenen Falle der Polizei zu übermitteln. 
j- Schlägerei. In der Nacht zum Sonntag, gegen 
V 2 12 Uhr, schlug ein junger Bursche den Koch des Rhein 
schlosses, ^der vor der Gartentür stand um sich wenige 
Minuten zu erholen, mit einem Schirm hefttg über 
den Kopf, sodaß dieser blutete. Darauf nahm der Rowdie 
reißaus, vom Koch gefolgt, der ihn auf dem Straßendamm 
erwischte. In diesem Augenblicke kamen vier weitere 
junge Burschen hinzu, Freunde des ersteren, und nun ent 
stand auf dem Gleiswege eine flotte Keilerei. Die Be 
teiligten waren so eifrig bei der „Arbeit", daß hie Elek 
trische anhalten mußte. Diese 5 Schlaghelden sind Friede 
nauer und zwei von ihnen erkannt worden. Seitens deS 
Gerichts wird ihnen nun die Lehre zu teil werden, wie 
sie sich Nachts anständigen Leuten gegenüber zu ver 
halten haben. 
f Unter den eigenen Wage« geraten. Sonn 
abend Nachmittag fiel der Kutscher Hahn aus Schöneberg 
in der Schmargendorferstraße von seinem Arbeitswagen 
und wurde von diesem überfahren. H. erlitt dadurch 
eine Quetschung des linken Fußes und erfolgte die An 
legung des Verbandes in der hiesigen Sanitätswache. Der 
Verletzte mußte die Arbeit einstellen und seine Wohnung 
aufsuchen. 
Berlin und Wororle. 
8 Zur Vermehrung der elektrischen Automobil- 
Droschken wird uns gemeldet, daß das Berliner Polizei- 
Präsidium der neubegründeten Aktien-Gesellschaft, deren 
Entstehung deni bekannten Bankier Carl Neuburger zu 
verdanken ist, die beantragte Konzession zum Betriebe 
elektrischer Droschken nunmehr erteilt hat. Wie wir hören, 
beabsichtigt die Gesellschaft demnächst zehn dieser neuen 
Wagen in den öffentlichen Betrieb einzustellen. Wie 
bekannt, ist der elektrische Betrieb im Berliner Droschken 
wesen nichts neues; seit Frühjahr zirkulieren hier bereits 
zwölf elektrisch angetriebene Droschken sehr eleganter Bau- 
Es schlug 4 Uhr. Frau Anna zwang sich zur Ruhe. 
Nur keine Aufregung zeigen! — Jetzt klingelte es! — Sie 
hörte draußen hje Stimme ihres Mädchens und eine 
männliche, die nach der gnädigen Frau fragte. Dann 
wurde die Wohnzimmertür geöffnet, es klopfte und gleich 
darauf stand die mit schäbiger Eleganz gekleidete Gestalt 
eines Mannes auf der Schwelle. 
„Gnädigste Frau waren so gütig, mich hierher zu 
bestellen, um eventuell meine bescheidenen Dienste in 
Anspruch zu nehmen — gnädige Frau können sich mir in 
jeder Beziehung anvertrauen." 
Frau Anna hatte ihren Plan gründlich überlegt. Sie 
wies mit der Hand auf einen Stuhl, auf dsp. sich der 
Mann, der eben mit großer Gewandtheit, etwas näselnden 
Tones gesprochen, geräuschlos die Tür geschloffen und sich 
noch einmal verbeugt hatte, setzte. 
„Ich habe einen Bekannten, den ich gern zu beobachten 
wünsche, die näheren Details sind wohl überflüssig. Der 
Herr besucht viel die Berliner Theater, besonders die 
Premitzren. Der Herr wird heute Abend im „Neuen 
Theater" sein, auf welchem Platz kann ich leider nicht sagen." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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