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Periodical volume Nr. 199, 25.08.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

westlich und nordwestlich an das Dahlemer Gelände stößt, 
für die Bebauung vorbereitet. Dieser Tage sind die Straßen 
abgesteckt worden, auch hat man bereits vor einiger Zeit 
die GullieS eingebaut. — Für einen Erweiterungsbau des 
Kreiskrankenhauses werden jetzt an der Dahlemer Straße 
die Erdarbeiten ausgeführt. 
Gerichtliches. 
(0 Einer reichsgerichtliche« Entscheidung nach hat ein 
S zeßbevollmächtigter der mit der Verteidigung gegen Unter- 
ungsansprüche seitens eines Ehegatten betraut worden ist, nicht 
die Berechtigung kraft seiner Vollmacht nach eigenem Ermeffen die 
Erhebung der Scheidungsklage zu beantragen oder auf Wiederher- 
stellmig der ehelichen Gemeinschaft zu klagen. EL bleibt dies 
vielmehr lediglich der persönlichen Entscheidung des Gatten vor- 
behalten. 
(:) Trotz zahlreicher Fälle, deren Ausgang neugierigen und 
boshaften Menschen doch endlich zur Warnung dienen sollte, kommt 
«S leider noch sehr häufig vor, daß Unbbefugte^Briefe öffnen, die für 
einen anderen bestimmt sind. Diese Verletzung des Briefgeheimnisses 
wird glücklicherweise aber streng bestraft, denn § 299 deS Reichs- 
flrafgesetzbuches lautet: .Wer einen verschloffenen Brief oder eine 
andere verschloffene Urkuude, die nicht zu seiner Kenntnisnahme 
bestimmt ist, vorsätzlich und unbefugter Weise eröffnet, wird mit 
Geldstrafe bis zu 300 M. oder mit Gefängnis bis zu 3 Monaten 
bestraft. Die Verfolgung tritt nur auf Antrag ein." 
Vermischtes. 
* Von der Wichtigkeit der Haarnadel» Viel zu wenig 
nimmt man im praktischen Leben Rücksicht auf die das Kopfhaar zu- 
sammenhaitende v-iormig gekrümmte, auS biegsamen Draht ver- 
fertigte, wohlfeile, überall zu habende Nadel. In Wirklichkeit hat fie 
noch viel andere Zwecke zu erfüllen, sowohl im gewöhnlichen Leben, 
als auch in der Medizin. — In ihrer ursprünglichen 8orm ist die 
Haarnadel eine gute Sicherheitsnadel zur Befestigung von Verbänden 
Umschlägen usw. Man braucht dabei nur die Spitzen der Nadel um 
zubiegen. — Wird jedoch das abgerundete Ende derselben nach der 
Fläte zu leicht oder stark gekrümmt, so haben wir ein sehr brauch- 
bares Instrument zum Ausziehen von Fremdkörpern aus der Nase, 
äußerem >r^hr oder anderen zugänglichen Körperhöhlen. Vorher wird 
die Nadel entweder durch Ausglühen in einer Spirituslampe oder 
durch Einlegen in 5 Proz. Karbollösung desinfiziert. Schwarze Haar 
nadeln darf man für diese Zwecke nicht nehmen. — Zn gleicher Weise 
muß dieses nützliche Instrument präpariert sein, wenn es zum AuS- 
kratzen von zu üppip granulierenden oder stark belegten Wunden ver- 
wendet wird. Die aufgebogene, gerade gerichtete Nadel kann ganz 
gut die Sonde ersetzen zur Prüfung des Tastsinns, zum Sondieren 
der Wunden und Fisteln usw., wobei fie den Vorteil gewährt, daß fie 
oftmals gewechselt werden kann, was bei teuren Sonden wegfällt. 
Der silbernen Sonde bei dem Schleimfluß des Tränensackes soll die 
glatte und mit abgerundeten Ecken versehene Haarnadel kaum nachstehen. 
Um im Notfälle Wundränder auseinander zu ziehen (bei Weichteilen 
oder beim Luftröhrenschnitt), biegt man nun die Haarnadel 
ganz auf und krümmt die eine Spitze dementsprechend. — Von be- 
[anderer Wichtigkeit ist sie jedoch, wenn sie zur Blutstillung bei Ver- 
letzung größerer oder kleinerer Gefäße gebraucht werden soll. Man 
faßt das Gefäß oder den blutenden Stumpf zwischen die Gabeln der 
Nadel und biegt dann die letzteren mehrmals ineinander, wodurch die 
blutende Stelle stark zusammengepreßt wird. Endlich dient sie noch 
als Lidöffner, zum Entfernen von Fremdkörpern aus dem Auge und. 
glühend gemacht, ,um Ausbrennen von Hornhautgeschwüren. — 
Wahrlich eine Vielseitigkeit, von der man sich gewöhnlich nichts 
träumen läßt! 
* Der wärmste Ort in Europa ist Malaga in Spanien. 
Das Mittel der täglichen Extremen gibt 19,1 Grad Celsius Jahres- 
wärme, der wärmste Monat, Augusts hat eine tropische Temperatur 
von 27,1 Grad. Es gibt hier nach der .Deutschen Rundschau für 
Geographie und Statistik" im Jahre nur 48 Regentage, an denen 
61 Kubikzentimeter Regeu fallen. Das Temperaturmaximum erreicht 
43,3 Grad, das absolute Minimum ist in außerordentlich strengen 
Wintern 0,0 Grad. Von allen südspanischen Städten macht keine 
«inen so auffallend südlichen Eindruck wie Malaga; Nordafrika kann 
sich nicht entfernt mit diesen Tälern am Südabhange der Sierra 
Ncvida meffen, die kein rauher Wind berührt. Die sonst am Mittel- 
meer nur einzeln angepflanzte Banane bringt hier reife Frucht. 
" Züge au« de« Sitte« fremder Völker. Die Scneka- 
Jndianer haben einen schönen Aberglauben. Wenn nämlich in diesem 
Stamme ein Mädchen stirbt, sperren fie einen jungen Vogel ein, bis 
er anfängt, seine Stimme zum Gesänge zu prüfen. Dann setzen fie 
ihn auf das Grab der Gestorbenen, tragen ihm Grüße und Küste und 
Zärtlichkeiten an sie auf, öffnen die Tür seines Käfigs, und wenn er 
nun fortfliegt, fort ins Weite, glauben sie, er werde die Flügel nicht 
zusammenlegen und die Augen nicht schließen, bis er ins Land der 
Geister gekommen, die Geliebte und Verlorene gefunden und ihr die 
Grüße und Küffe und Zärtlichkeiten überbracht, die er für fie 
empfangen. Es soll geschehen, daß einer Vorangegangenen zwanzig 
bis dreißig solcher Vögel nachgesendet werden. — Diese Sitte ist 
höchst poetisch. 
Gemeinnütziges. . 
Kürbis einzumachen. Die nicht zu reifen Melonen 
kürbisse von gelber Farbe eignen sich am besten dazu. 
Man schneidet den Kürbis durch, entfernt das Kernhaus 
und sticht mit einem Kartoffelausstecher kleine Kugeln auS, 
oder schält ihn und schneidet länglich viereckige Stücke. 
Den so vorbereiteten Kürbis legt man über Nacht in ver 
dünnten Essig, nimmt ihn am anderen Morgen heraus 
und läßt ihn gut abtropfen. Nun wird auf 2 Kilo 
Kürbis 1 J / 2 Kilo Zucker gekocht, der Kürbis hereingegeben, 
die durchsichtigen Stückchen herausgenommen. Dem Saft 
fügt man noch etwas Essig oder Wein, eine Zitronenschale 
und den Saft einer Zitrone hinzu und läßt ihn einkochen, 
ehe man ihn auf die Frucht gießt. Nach einigen Tagen 
kocht man ihn nochmals auf. Statt der Zitronenschale 
gibt man auch kleine Stückchen Ingwer als Schutz obenauf. 
Der Saft muß über der Frucht stehen. 
Die Fricdenaucr Wohnuilgcn 
werden größtenteils nach dem „Friedenauer WohnungS- 
anzeiger" gemietet. Die nächste Ausgabe erfolgt am 
Sonnabend und sind Ankündigungen bis Mittags 12 Uhr 
an diesem Tage der Geschäftsstelle Rheinstraße 15 zu 
übermitteln. 
In dem Hause RhcinStfctSSC 19 (Ecke Kirchstrasse) an der Kaisereiche habe ich eine Filiale meines 
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Hauptgeschäft: Berlin W., Potsdamer Str. 114, 
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Übernahme von Beerdigungen, Leicbentransporten u. Feuerbestattungen 
unter vorheriger Berechnung aller Kosten einseht der Grabstell- u. Kirchengebühren. 
Amtliche Anzeigen. 
Bekanntmachung. 
L. 14323. Berlin, den 1 August 1905. 
Anläßlich der diesjährigen Einquartierung 
während derHeibstübungen macheich darauf 
aufmerksam, daß es für die durchmarschieren 
den Truopen — besonders bei Hitze — eine 
Notwendigkeit ist, gutes Waffer zu trinken 
und daß auf das Entgegenkommen der 
Einwohner hinsichtlich Bereitstellung ge- 
süllter Wasserqefäße längs der Ortsstraßen 
auf Ansuchen der durchmarschierenden 
Truppen gerechnet wird 
Der Landrat des Kreises Teltow 
von Stubenrauch. 
Veröffentlicht 
Friedenau, den 22. August 1905. 
Der Gemeinde-Vorsteher. 
Schnackenbnrg. 
Bekanntmachung. 
Die Anmeldung der zum I. Oktober 
d. I. schulpflichtig werdenden Kinder hat von 
Montag» de« 28. August d. IS. ab 
bi« Freitag, de« 1. September d. I 
zwischen 11 und 12 Uhr 
im Amtszimmer deS Rettors, Albestr. 32, 
zu erfolgen. 
Schulpfl chtig sind alle Kinder, welche in 
der Zell vom 1. April bis 30. September 
1905 sechs Jabre alt werden. 
Vorzulegen sind Impf- und Taufschein, 
von ungetauften Kindern die Geburts 
urkunde. 
Friedenau, den II. Auanst 1905. 
Der Gemeinde-Vorstand. 
Schnackenburg. 
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