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Periodical volume Nr. 199, 25.08.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Brücke und Steglitzer Grenze (die bisherigen Häuser 
Rembrandtstraße 1 und 2) zur Körnerstraße geschlagen 
find und die Bezeichnung Körnerstraße 46 und 47 erhalten 
haben. Um eine vollständige Umnumerierung bei Rem- 
brandtstraße zu vermeiden, hat man folgenden AuSweg 
gewählt. Die bisherigen Häuser Nr. 3 und 4 haben 
Doppelnummern erhalten und werden bezeichnet alS 
„1 und 2" und „3 und 4“, die übrigen Häuser haben 
die alten Nummern behalten. Durch diese Änderungen 
liegen Knaus- und Körnerstraße sowohl in Friedenau und 
Steglitz; ihren alten Postbestellbezirken bleiben sie erhalten. 
Trotzdem den Postanstalten diese Neuerung bekannt ist, ist 
jüngst ein Brief nach Friedenau. Körnerstraße 47, vom 
hiesigen Postamt mit dem Vermerk „Körnerstraße Hierselbst 
nicht bekannt" nach Berlin W 35 Körnerstraße gesandt 
worden. Daß es in Steglitz auch eine Körnerstraße, 
wenn auch noch unbebaut, gibt, darauf war man auf dem 
hiesigen Postamt nicht verfallen. 
1° Die Erweiterungsarbeiten auf dem Güter 
bahnhof Wilmerdorf-Friedenau schreiten rüstig vorwärts. 
Das für die Verbreiterung der Gleisanlagen erforderliche 
Bahnplanum zwischen dem Personenbahnhofs Wilmersdorf 
und der Station Ebersstraße ist fast vollständig ange 
schüttet; die erweiterte Überführung der Haupt- und 
Friedenauer Straße steht bevor. Auch die Herstellung des 
Bahnplanums zwischen der Prinzregentenstraße und der 
Kaiserallee — nach der Sxite des ehemaligen Sportparkes 
hin — geht der Vollendung entgegen. Hier waren be 
sondere Schwierigkeiten zu überwinden, weil für das Gleis, 
welches auf dieser Strecke vorgestreckt werden sollte, erst 
eine lange und stabile Stützmauer errichtet werden mußte 
und der bisherige Tunnel-Ein- und Ausgang zwischen 
Bernhardstraße und Sportpark zu verbreitern war. Die 
Verbreiterung an der bisherigen Überführung an der Prinz- 
regenten- und Handjerystraße und die Beseitigung des 
Weichenstellwerks steht noch bevor. Zu diesem Zweck ist 
bereits ein neues Dienstgebäude hart an der Handjerystraße 
errichtet, in welches außer dem Stellwerk auch die Stations 
kasse Wilmersdorf-Friedenau verlegt werden wird. 
f Die Tage beginnen schon wieder abzu 
nehmen. Die Lampe, die bis dahin ein verstaubtes 
Dasein in irgend einer Ecke führte, wird hervorgeholt und 
muß bereits zum Abendbrot ihr mildes Licht spenden. 
Die schönste Zeit haben wir nun wieder hinter uns, 
hoffentlich kommen aber noch recht viele Sommerabende, 
die man (natürlich mit der nötigen Vorsicht) im Freien 
perbringen kann. Zu lange jedoch darf dieser Genuß nicht 
ausgedehnt werden, namentlich sollen Kinder nicht so lange 
„aufbleiben", wie es vielfach geschieht. Früh zu Bett und 
früh wieder auf, das ist eine Gesundheitsregel, die ganz 
besonders für das Kindesaller zutreffend ist. Leider ist es 
in vielen Familien Sitte, daß die Kinder zusammen mit 
den Erwachsenen bis in die späten Abend-, ja Nachtstunden 
aufbleiben. dürfen. Kindern gefällt dies natürlich, um so 
besser, wenn Besuch da ist; aber um so mehr regen sie sich 
dann auf. Früh, wenn es zur Schule gehen soll, sind sie 
nur mit Mühe und Not aus dem Schlaf zu rütteln — kein 
Wunder, denn sie haben nicht geschlafen. Ein Kind 
braucht mehr Schlaf als ein Erwachsener; es braucht Ruhe 
im Liegen und Schlafen zum Wachsen, Ruhe für das 
junge Gehirn, um aufmerksam sein und lernen zu können. 
Kinder bis zu zehn Jahren müßten um acht, spätestens 
halb neun Uhr ins Bett, und in den letzten Schuljahren 
werde neun Uhr als letzte Grenze festgesetzt. Ein seltener 
lieber Besuch, eine besondere Festlichkeit mag eine Aus 
nahme machen, aber es muß eben eine Ausnahme bleiben. 
Die Schularbeiten können um diese Zeit fertig sein, wenn 
sie rechtzeitig begonnen und ohne Zerstreuung und 
unnötige Unterbrechung gefertigt sind. Das „Lernen" 
werde möglichst auf Tagesstunden und auf ein paar mal 
verteilt, es sitzt dann viel besser als das auf einmal 
Gelernte. 
f Angesichts der Hühnerjagd sind die folgenden 
Verhaltungsmaßregeln, die uns ein alter Weidmann gab, 
für die Nimrode unter unsern Lesern vielleicht von Wert. 
1. Um sich unnötigen Zeitverlust zu ersparen, tut man 
wohl daran, wenigstens in der Frühe des geplanten Jagd- 
tages die Hühner zu verhören. 2. Möglichst gegen den 
Wind suchen und bei festem Vorstehen des Hundes diesen 
rasch umkreisen, damit die gestandenen Hühner zwischen 
Hund und Schützen kommen. 3. Schwache Hühner unbe- 
schossen lassen: der geringe Preis dafür lohnt nicht den 
Schaden, den man dem eigenen Jagdbestand zufügt. 
in seliger Freude eng aneinander geschmiegt nach Irenes 
Wohnung. 
Aber — o weh! Gleichzeitig mit Ihnen fuhr ein 
zweiter Wagen da vor — Monte» sprang heraus. 
„Ich bringe ihrer Schwester gute Nachricht,' rief er 
Sordegna zu, „Mrs. Sommerset schreibt mir sie habe die 
"Absicht, Irene eine Erbschaft auszuzahlen, welche ihr ver 
storbener Sohn dieser durch mündliche, letzwillige Verfügung 
hinterlassen." 
Plötzlich, mitten im Sprechen wurde Monto sich bewußt, 
daß dies junge Paar doch wohl einen ganz besonderen Zweck 
haben mußte, zusammenzukommen. 
Er wurde sehr betreten — sehr verlegen und lief plötz 
lich weg. 
Sie sahen ihm lachend nach. ■ 
^ Und dann eilten sie zu Irene hinauf, und dort, in der 
Schwester Milfreude, kam erst das ganze volle Glück über sie, 
und sie konnten sich endlich unter tausend Küssen sagen, wie 
sehr sie sich nach einander gesehnt. 
Monto hatte Palmieri am Nachmittag aufgesucht und ihm 
die Nachricht gebracht, die Leo und Constanze völlig vergessen, 
ja kaum verstanden zubaben bekannten. 
Betreffs der beiden glückstrahlenden Verlobten fragte 
Monto seinen Freund nur leise: „Du nimmst also die Ver 
antwortung ans Dich?" Und dabei sah er ihm tief und 
durchbohrend in die Augen. 
„Mein Mündel wird glücklich werden, so weit ich dazu 
beitragen kann. Und das ist, was ich gelobt habe!" sagte 
Palmieri in festem Ernst, und es war ihm, als atme Monto 
erleichtert auf. 
Ende, 
4. Angeschossene Hühner lasse niyn vor der Nachsuche etwas , 
in Ruhe, weil sie (sich in diesem Falle eher festdrücken. 
5. Die Suche soll Morgens nicht zu früh beginnen und 
nicht zu sehr in den Spätnachmittag ausgedehnt werden, 
um den Hund nicht naseloS werden zu lassen; bei 
warmem, windstillem Wetter hallen die Hühner besser, 
das einzeln liegende Huhn hält besser aus, als daS ganze 
Volk. 6. An heißen Tagen unterlasse man nicht, die 
gestreckten Hühner „auszuziehen", d. h. mittelst eines 
zugespitzten Holzhäkchens das Gescheide durch das Weidloch 
herauszunehmen. 
P Cabaret in Friedenau. Die Direttion Weiß 
hatte uns gestern im „Hohenzollern" beschert was noch 
nicht da war — ein „Berliner Cabaret". Der Besuch 
war leider nicht der gewünschte, da man wohl Ängstlich 
keit für daS neue Unternehmen hier zeigte und das schöne 
Wetter das Publikum noch nicht in die Theatersäle drängt. 
Trotzdem ging es recht gemütlich und gediegen zu und der 
zahlreichen Künstler- und Künstlerinnenschar wurde reicher 
Beifall zu teil. Es wurde eigentlich zuviel des Guten und 
weniger Guten geboten, so daß es nicht möglich ist auf 
alle Leistungen einzugehen. Die verschiedensten Gebiete, 
Deklamation, Rezitation, Gesang, Tanz, Witz und Humor 
kamen zum Wort und trug zu letzterem besonders der 
Humorist Sauer bei. Das Hauptinteresse schienen die ver 
gnügten Zuhörer jedoch der kleinen Frau Walkotte, die 
sich als schneidige, temperamentvolle Soubrette zeigte und 
über eine ausgezeichnete Stimme verfügt, zuzuwenden. 
Herr Direktor Weiß brachte einige selbstverfaßte kleine Ge- 
dichtchen wirkungsvoll zu Gehör, von denen das der 
„Dänischen Prügelstrafe" am besten gefiel. Alle die Mit 
wirkenden waren bemüht das Auditorium zu amüsieren 
und es ist ihnen auch gelungen. Nächste Woche findet die 
zweite Vorstellung statt, die jedenfalls besser besucht sein 
dürfte. — Allgemein gerügt wurde, daß sich auch ein 
halbes Dutzend 8—13 jährige Kinder im Saal befanden, 
die im Bett besser aufgehoben gewesen wären. Vorsichtige 
Eltern sollten ihre Kinder von solchen Veranstaltungen 
fern halten. 
f Beim Spiele» verunglückt. Das fünfjährige 
Kind des Händlers H. aus Steglitz spielte heute früh 
7 Uhr in der Friedenauerstraße, nahe des Straßendammes. 
Von einem an dieser Stelle stehenden Brauerwagen fiel 
ein Faß zur Erde, wodurch dem Kleinen die Finger der 
rechten Hand erheblich gequetscht wurden. Die hiesige 
Sanitätswache leistete die erste Hilfe. 
f Roheit. Gestern Abend zwischen 5 und 6 Uhr 
geriet der Maurermeister Schulze, Odenwaldstraße, der 
Ecke Schwalbacher» und Stubenrauchstraße einen Neubau 
aufführen läßt. dort mit dem Malergehilfen Jaeschke, 
Schliemannstraße 7, Berlin wohnhaft, in Differenzen. 
Nach heftigem Wortwechsel nahm letzterer einen Mauer 
stein und schlug damit den Bauherrn auf den Kopf, und 
erlitt dadurch Sch. eine erhebliche Kopfwunde, die von 
einem Arzt verbunden wurde. Den verdienten Denkzettel 
für diese Roheit erhält I. später. 
t Ueberfahreue Hunde. Heute Nacht wurde der 
Hund des Kohlenhändlers Herrn Nickel, Rembrandtstraße am 
Wannseebahnhof überfahren. Das Tier, welches den 
Kohlenplatz zu bewachen hatte, war über den Zaun ge 
sprungen und unter die Räder eines Schnellzuges geraten. 
Der Hund war derartig zugerichtet, daß er getötet werden 
mußte. — Der zweite Hund, Herrn Tapeziermeister K., 
Rheinstraße 21 gehörig, kam besser weg; er geriet unter 
die Elektrische und erhielt nur lerchte Verletzungen, die 
Herr Tierarzt Dr. Scharfer bald geheilt haben wird. 
Schöneöerg. 
— Eine zweite höhere Mädchenschule wird in 
Schöneberg zu Ostern 1907 eröffnet werden; sie ist für 
den Friedenauer Ortsteil bestimmt und enthält bis zur 
Erbauung eines eigenen Heims Unterkunft in dem Ge 
meindeschulgebäude an der Rubensstraße. Zunächst werden 
die vier untersten Klassen eingerichtet. 
— Heidenmäßig viel Geld hat unsere Stadt, 
denn die Sparkasse wird dort in solchem Umfange in An 
spruch genommen, daß die bisher zur Verfügung stehenden 
Diensträume bei weitem nicht ausreichen. Deshalb ist der 
rechte Seitenflügel der 1. Etage im Rathause ausgebaut 
worden, damit hoffentlich schon in nächster Woche sämtliche 
Bureau-Räume der Sparkasse dem öffentlichen Verkehr 
übergeben werden können. 45 000 Einzahler mit 28 Will. 
Mark Einlage weist die Sparkasse auf. Die Zweigkasse 
in der Hohenstausenstraße. die am 1. Oktober 1903 er 
öffnet wurde, hat 6000 Bücher ausgegeben, auf welche 
über 2 Millionen Mark eingezahlt wurden. 
— Firmeueiutragung. Bei Nr. 23 430 (Firma 
Paul Thom, Berlin). Die Handelsniederlassung ist nach 
Schöneberg verlegt. Inhaber wohnt in Schöneberg. 
— Anfgebote. Die Frau Bahnmeister Clara Post 
geb. Boettcher, in Bad Nauheim, hat beantragt, den ver- 
schollenen Bäckergesellen Friedrich Karl Franz Max 
Boettcher, geb. am 22. März 1865 in Schlawe, Sohn des 
ehemaligen Sergeanten, späteren Betriebssekretärs Julius 
Boettcher, zuletzt wohnhaft in Schöneberg bei Berlin, für 
tot zu erklären. Der bezeichnete Verschollene wird auf 
gefordert, sich spätestens in dem auf den 1. November. 
Mittags 12 Uhr, vor dem Gericht, Hallesches Ufer 26, 
anberaumten Aufgebotstermine zu melden, widrigenfalls 
die Todeserklärung erfolgen wird. — Die verwitwete Frau 
Helene Flick, geborene Skowronek zu Schöneberg, Motz 
straße 26, hat das Aufgebot des Grundschuldbriefes vom 
9. Juli 1895 über die in dem Grundbuch von Treptow 
gelegenen Grundstücks bei dem Miteigentum des Schneiders 
Hermann Karl Theodor Flick eingetragenen Grundschuld 
von 1000 M. nebst 5 Proz. jährlichen Zinsen für den 
Schneider Hermann Karl Theodor Flick beantragt. Der 
Inhaber der Urkunde wird aufgefordert, spätestens in dem 
auf den 16. September, Mittags 12 Uhr, anberaumten 
Aufgebotstermine seine Rechte anzumelden und die Urkunde 
vorzulegen, widrigenfalls die Kraftloserklärung der Urkunde 
essolgen wird. 
ZSertin und Iororte. 
8 Der Ober-Staatsmrwalt am Karumergericht, 
Geh. OberHustizrat Ludwig Wächter, begeht am 2. Sep 
tember sein 50 jähriges Dienstjubiläm. 1835 in Breslau 
als Sohn des dorttgen' Kreisgerichtsdirektors Dr. Ernst 
Wachler geboren, besuchte der Jubilar das Maria Magda- 
lenen-Gymnastum und sodann die Universität Breslau, an 
der schon sein Großvater den Lehrstuhl für Geschichte inne 
gehabt hatte, und wurde, nach Ablegung der Auskultatoren» 
Prüfung am 2. September 1855 für den Justizdienst ver 
eidigt. Den Vorbereitungsdienst als Referendar absolvierte 
Herr Wachler am Kreis- und Appelationsgericht zu 
Breslau, woselbst er auch einige Zeit die Syndicatsstelle 
beim dortigen Magistrat verwaltete. 1867 wurde er HilfS- 
richter beim Stadtgericht zu Breslau, dann Kreisrichter in 
Brieg und 1870 Staatsanwalt am Kreis» und Schwur 
gericht zu Oppeln. Kurz vor der Gerichtsreorgqnisation 
wurde Herr Wachler als Kreisgerichtsdirektor nach Wesel 
berufen, um dann, am 1. Oktober 1879 nach Berlin zu 
übersiedeln. Hier wirkte der Jubilar zunächst als Erster 
Staatsanwalt am Landgericht II und später, 1887 in 
gleicher Eigenschaft am Landgericht I. Nachdem er vier 
Jahre als Ober-Staatsanwalt am Landgericht zu Posen 
gewirkt hatte, wurde Herr Wachler am 1. April 1892 
Ober-Staatsanwalt am Kammergericht zu Berlin. In den 
Jahren 1876/78 vertrat der Jubilar den Wahlkreis 
Schweidnitz-Striegau im Preußischen Abgeordnetenhause; 
er gehörte der national-liberalen Partei an. Bei den 
Arbeiten der Kommission zur Reform des Strafprozesses 
hat Wachler als Mitglied eifrig mitgewirkt; seit zwei 
Jahren ist er auch Präsident des Vereins zur Besserung 
der entlassenen Strafgefangenen. Schriftstellerisch ist er 
schon in der zweiten Hälfte der 60er Jahre hervor 
getreten: er behandelte mit Vorliebe das schlesische Pro» 
vinzialrecht, u. a. in der „Schief. Ztg." Später lieferte 
er jahrelang wertvolle Beiträge für „Gottdammers Archiv." 
Von Wachters sonstigen Schriften erwähnen wir: „Die 
Ausbildung des preuß. Referendars bei der Staatsan 
waltschaft", „Zur rechtlichen Stellung der Frau", „Die 
Verfassung des Deutschen Reichs", „Die Vollstreckbarkeit 
erkannter Strafen gegen Abgeordnete" und den 1878 er 
schienenen „Kommentar zur preuß. Vormundschaftsordnung". 
— In den Kreisen der Richter, Staatsanwälte, Gerichts 
beamten usw. werden für den Ehrentag des beliebten 
Jubilars mancherlei Ovationen vorbereitet: am 2. Sep 
tember werden Deputattonen in der Wohnung desselben, 
Luitpoldstraße 46, ihre Glückwünsche überbringen und für 
den 30. September (der späte Termin mußte mit Rücksicht 
auf die Gerichtsferien gewählt werden) ist im Zoologischen 
Garten ein Festmahl geplant, welches den Jubilar und 
seine Familie mit vielen seiner Kollegen Richter und 
Beamten, Rechtsanwälten rc. des Kammer- und Land- 
gerichts, vereinigen wird. 
8 Eine Petition au daS ReichsgesundheitSamt 
haben die Bewohner des Stadtteils an dem städtischen 
Zenrral-Biehhof wegen der üblen Gerüche gerichtet, die 
von verschiedenen auf dem Viehhos befindlichen privaten 
Fabrikbetrieben, wie die Pepton - Futterwerke, der Fett 
kocherei, der Haarentfettungsanstalt und den Darm- 
schleimereien, ausgehen. Der Petition haben sich auch 12 
in der Gegend wohnende Ärzte angeschlossen und das 
Schriftjtück zum Teil mit sehr bemerkenswerten Auslassungen 
versehen. So schreibt Herr Dr. A. Neumann, der Direktor 
der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses im Friedrichs 
hain: Es wäre, speziell im Interesse der Patienten des 
Krankenhauses im Friedrichshain, sehr erwünscht, wenn 
Mittel und Wege gefunden werden könnten, die zeitweise 
außerordentlich störenden üblen Gerüche zu verhindern." 
Noch schärfer schreibt ein anderer Arzt, Dr. Daniel: „Ich 
kann nur bestätigen, daß selbst bei geschloffenen Fenstern 
dieser pestilenzartige Gestank in die Wohnräume dringt 
und die Luft zum Atmen unerträglich macht." Besonders 
klagen die Geschäftsleute, da die Ausdünstungen selbst bei 
geschlossenen Ladentüren und Fenstern in die Verkaufs 
räume dringen und sich auf den dort ausliegenden Waren 
wie Fleisch, Butter, Milch, Backware und Obst, festsetzen. 
Da die Gegend um den Viehhof sich in den letzten Jahren 
ungemein gehoben hat, so bitten die Petenten, im öffent 
lichen und hygienischen Interesse eine strenge Überwachung 
der Fabriken anordnen und, falls sich ein geruchloser Be 
trieb nicht ausführbar erweisen sollte, eine Entfernung der 
Fabriken vom Viehhof veranlassen zu wollen. 
8 Das berüchtigte SchiffahrtShiudernis in der 
Unterspree beim Bahnhof Jungsernhaide ist jetzt endlich 
vollständig beseitigt worden. Die Ausmeißelung des letzten 
Teils des Pfeilerfundaments machte des stark in die Spund- 
abteilung strömenden Wassers wegen viele Arbeit. Nach 
dem die Spundwände entfernt worden waren, ging man 
sofort auch an die Beseitigung des mächtigen, hölzernen 
Eisbrechers, der vor dem Brückenpfeiler stand Augen 
blicklich werden an der Brücke hart am Ufer Pfähle zur 
Befestigung der Kähne eingerammt, ferner wird unter der 
Brücke das Fahrwasser durch Baggerung um weitere 20 
Zentimeter vertieft. 
8 Das Waffer der Havel ist gesnndheits» 
schädlich. Anläßlich der in Werder a. H. auftretenden 
Typhuserkrankungen hat sich ergeben, daß die Betreffenden 
Haoelwasser benutzt hatten. Es wird deshalb jetzt amtlich 
vor dem Genuß und Gebrauch von Havelwasser gewarnt. 
8 Treptow»Sternwarte. Am Sonntag, den 
27. August, Nachmittags 5 Uhr, spricht in Vertretung 
Direktor Archenholds Herr Dozent Jens Lützen auf der 
Treptow-Sternwarte unter Vorführung zahlreicher Licht 
bilder: „Über die bevorstehende Sonnenfinsternis am 
30. August", um 7 Uhr über: „Die Entwickelung der 
Himmelskörper." Der Dortrag am Montag, Abends 
9 Uhr, lautet: „über die^ bevorstehende Sonnenfinsternis 
am 30. August." — Mit dem großen Fernrohr wird am 
Tage die Sonne und Abends ein Fixstern und der Saturn 
beobachtet. 
Grotz.Ltchterfelde. Hier wird jetzt die an der 
Potsdamer Provinzialchaussee zwischen dem neuen botanischen 
Garten und dem Kreiskrankenhause gelegene Feldmark, die
        
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