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Periodical volume Nr. 198, 24.08.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

des direkten Zuges Berlin—Swinemünde (Ankunft daselbst 
10.40 Vorm.), geht der Bräunlich-Dampfer 12 Uhr Mittags 
in See. Außerdem verkehren am 29. August noch zwei 
Dampfer, einer, der im Anschluß an den Sonderdampfer 
(an Swinemünde 2.15 Nachm.) sofort in See geht und 
ein zweiter, der im Anschluß an den Berlin—Swine 
münder Sonderzug (Ankunft im Hafen 1.40 Nachm.) um 
2.45 Nachm, zur Beförderung der Besucher des englischen 
Geschwaders abgelassen werden soll. Der Fahrpreis für 
diese Dampferfahrten beträgt ab Swinemünde 3 M. Der 
Fahrkartenverkauf findet nur auf dem Stettiner Bahnhöfe 
statt und wird 24 Stunden vor Abgang der betreffenden 
Sonderzüge geschloffen, bei den über Stettin (Wafferweg)- 
Swinemünde lautenden Fahrkarten bereits bei Verkauf von 
600 Stück für jeden einzelnen Zug. 
Lokales. 
f Wegen Asphaltierung der Kaiserallee kann 
dieselbe bis auf Weiteres von Lastfuhrwerken nur im Zuge 
der Stubenrauchstraße durchkreuzt werden. Droschken und 
Leichenfuhrwerke können ihren Weg durch die Schmargen- 
dorferstraße, über die Zufahrtstraßen der Kirche nach der 
Wiesbadenerstraße nehmen. Die Asphaltierung, wie Gleis 
bau soll bis 1. Oktober fertiggestellt werden, was aber 
nur dadurch möglich ist, daß Tag und Nacht gearbeitet wird. 
f Der Ausbau der Linie 88 der Straßenbahn 
geht seiner Vollendung entgegen. Der Anschluß an das 
Geleise in der Rheinstraße ist fertiggestellt, sodaß auch mit 
der Aufstellung der Masten in der Saar- und Beckerstraße 
in diesen Tagen begonnen werden kann. 
f Ausbildung der Lehrer für Fortbildungs 
schulen. In der Zeit vom 27. September bis 
24. Oktober d. I. wird auf Veranlassung des Ministers 
für Handel und Gewerbe ein Kursus zur Ausbildung 
von Lehrern an gewerblichen Fortbildungsschulen abge 
halten werden, in dem Vorträge über deutsche Wirtschafts 
geschichte im 19. Jahrhundert; Verfassung und Ver 
waltung in Gemeinde, Staat und Reich; Genossenschafts 
wesen; Aufgaben, Einrichtung und Lehrmethoden der 
Fortbildungeschule; Geld-, Bank- und Kreditwesen; 
gewerbliche Buchführung und Kalkulation gehalten werden 
sollen. Zur Teilnahme an dem Kursus werden 40 bis 
45 Lehrer einberufen werden. Sie erhalten freien 
Unterricht, freie Eisenbahnfahrt für Hin- und Rückreise und 
ein Tagegeld von 5 Mark. Gesuche um Zulassung zu 
diesem Kursus können nicht mehr berücksichtigt werden. 
t Wahlberechtigte Kommunalwähler. Anläß 
lich der im nächsten Frühjahr stattfindenden Kommunal 
wahl mag es angezeigt sein, auf eine Entscheidung des 
Oberverwaltungsgerichts hinzuweisen, die den Unterschied 
zwischen einem Chambregarnisten und einem Schlafstellen 
inhaber festlegt. Danach sind Schlafstelleninhaber keine 
„selbständigen Bürger" und daher nicht wahlberechtigt. 
Dagegen ist der Chambregarnist, d. h. derjenige, der eine 
möblierte Wohnung inne hat, zum Wählen berechtigt. 
Der Unterschied zwischen Schlafstellenliegern und Chambre 
garnisten ist aber ein äußerst geringer. Chambregarnist 
ist jeder, der — wenn auch mit anderen zusammen — 
einen Wohnraum gemietet hat, ohne sich zu verpflichten, 
den Vermietern, die auch seine Angehörigen sein können, 
das Mitbenutzungsrecht einzuräumen. Tut er dies frei 
willig, so bleibt er doch Chambregarnist. Schlafstellen 
inhaber ist nur, wer eine direkte Verpflichtung dazn über 
nommen hat, seine Wirtsleute in seinem Zimmer wohnen 
zu lassen. Es empfiehlt sich also, daß diejenigen, bei 
denen hiernach die Voraussetzung zur Wahlberechtigung 
zutrifft, nachsehen, ob sie in die Liste der stimmfähigen 
Bürger aufgenommen sind, sonst muß Eintragung bean 
tragt werden. 
-s Bezüglich unrichtiger Raterteiluug des 
Rechtsanwalts hat das Reichsgericht kürzlich dahin ent 
schieden, daß der Rechtsanwalt für einen fahrlässig er 
teilten unrichtigen Rat dem Klienten im vollem Umfange 
schadenersatzpflichtig ist. 
-J- Ende der Hundstage. Heute haben die Hunds 
tage mit ihrer durstfördernden Macht ihren Abschluß 
gefunden. Zu Ende geht der Sommer, in den letzten 
Zügen liegt die Hitze. Wenn es auch unter Tags noch 
oft unangenehm heiß ist, die Abende werden schon kühler. 
Es beginnt langsam zu herbsteln. Die Bäume im Ort 
haben ihren grünen Mantel schon gegen einen solchen von 
bräunlicher Färbung vertauscht, die Modewarengeschäfte 
etablieren in den Schaufenstern die Ausstellung der Herbst- 
„Wer weiß? Aber vielleicht hätte er Dir doch davon 
etwas anvertraut?" 
„O, nein! Gegen mich ist er lange nicht mehr der 
Frühere. Er war seit unserer Rückkehr ein einziges Mal bei 
uns, traf uns aber nicht." — 
„Constanze! Aber als ihr von Eurer langen Reise 
zurückkämet —* 
„Ja, da stand er bei Euch andern und hatte auch 
Blunien für mich — aber kein einziges gutes, herzliches 
Wort, kein Zeichen der Freude, nur blasse finstere Mienen —. 
Was hab ich ihm getan? — O, das alles reimte sich auf 
meine unglückliche Idee und —* 
Wie vor einem plötzlichen neuen Gedanken erschreckend, 
brach sie ab. — 
Die Uhr schlug elf. — Ter bestellte Wagen kam, die 
junge Frau abzuholen. 
Sie nahm zärtlich Abschied. 
„Nun schlafe einmal im wahren Gottessrieden ein. Du 
törichtes, arnies Ding!" sagte sie und küßte das blaffe junge 
Mädchen. 
„Ja, Du hast mir diesen Frieden heute wiedergegeben." 
„Und nun stelle Dir vor, daß die Aermste sich eingebildet 
hat, eine Schuld — irgend eine geheime Schuld habe ihren 
Vater in den Tod getrieben!" schloß Frau Irene an diesem 
selben Abend den Bericht, den sie ihrem Gatten nmchte. 
Palmieri, das sah sie wohl, empfand eine ebenso herzliche 
Teilnahme für Constanze. Er war während ihrer Erzählung 
aufgesprungen und im Zimmer hin- und hergegangen. 
„Das arme Kind! Tie Bemitleidenswerte!" weiter hatte 
er nichts als Antwort, und seiner jungen Gattin fehlte plötz 
lich sein energischer Protest, seine lebhafte Inschutznahme des 
Verstorbenen. 
Neuheiten, die Stare rüsten sich zu ihrem Fluge gen Süden, 
die Sommerfrischler halten ihren Einzug in den Ort, die 
letzte Rose wird bald dahin sein. Alles, alles ist reif 
zum feierlichen Empfang des Herbstes. 
f Interessant für Schützen. Der Kaiser Ehren- 
Mitglied eines amerikanischen Schützenbundes. AuS 
Charleston, Süd-Carolina, wird gemeldet: Aus Anlaß deS 
goldenen Jubiläums des „Deutschen Schützenbundes von 
Charleston" wurde Kaiser Wilhelm zum Ehrenmitgliede 
des Bundes erwählt, um den Platz Kaiser Wilhelms I., 
der viele Jahre Ehrenmitglied gewesen ist, einzunehmen. 
Der Präsident des Bundes, Emil H. Jahns, hat jetzt vom 
Deutschen Konsulat in Atlanta ein Schreiben erhalten, in 
welchem mitgeteilt wird, der Kaiser habe in Anbetracht 
des Umstandes, daß sein Großvater auch Ehrenmitglied 
des Bundes war, die Wahl angenommen. Im Jahre 
1907, so wird hinzugefügt, wird daS große Schützenfest 
des Nordamerikanischen Schützenbundes in Charleston ab 
gehalten werden, und man hofft, daß der deutsche Kaiser 
sich bei dieser Gelegenheit repräsentieren läßt. 
st Der König der Belgier hat den Generalsekretär 
des Bundes der Industriellen, Herrn Dr. W. Wendlandt, 
unserem langjährigen Mitbürger zu einer Unterredung 
über das Brüsseler Handelsmuseum und den Weltwirt 
schaftlichen Kongreß vom 24. bis 29. September d. Js. 
in Mons (Kongres International d'Expansion Economique 
Mordiale) empfangen und das kürzlich erschienene 
Wendlandt'sche Werk: „Die Förderung des Außenhandels" 
in liebenswürdigster Weise entgegengenommen. Der König 
sprach über die Beteiligung deutscher Kreise an diesem 
Kongreß, dessen Urheber und Vorsitzender der König ist, 
seine lebhafte Freunde aus. Dr. Wendlandt hat einen 
Vortrag über „Die Organisation der Welthandelsmächte 
zur Förderung des Außenhandels" übernommen. Der 
Kongreß wird sich namentlich auch mit der Errichtung 
eines Internationalen Weltwirtschaftlichen Bureaus nach 
Art der Internationalen Bureau für litterarischen und ge 
werblichen Rechtsschutz in Bern beschäftigen. 
•{• Die neue Straßenbahn Steglitz-Dahlern, 
deren Bau sich bereits durch die Grunewaldstraße und die 
Dahlemer Chaussee bis zum Haupteingange des neuen 
botanischen Gartens erstreckt, wird jetzt nach Osten zu 
unter Kreuzung der Schloßstraße durch die Albrechtstraße 
bis zum Wannseebahnhof Steglitz fortgeführt. Hier findet 
sie auch Anschluß an die Siemensschen Straßenbahnen die 
von Südende und von Groß-Lichterfelde herkommen. Die 
Fahrgäste der westlichen Vorortbahn können an der 
Schloßstraße ebenfalls zu der neuen Bahn übergehen. 
t Mit den» Sommer ist eS nach einem alten 
Sprüchwort am heutigen Tage vorbei. Die alten Berliner 
sahen nämlich den 24. August, an dem der Stralauer 
Fischzug gefeiert wurde, als den letzten Sommertag an 
und rechneten die folgenden kalendermäßig noch zum 
Sommer zählenden Tage bereits zum Herbste. Und in 
der Tat macht sich im letzten Drittel des August Abends 
ziemlich frühzeitig herbstliches Dunkel in den Straßen 
bemerkbar. 
st Generalversammlung der Friseur-JnnungS- 
krankenkafse. Die Aufsichtsbehörde ladet die stimm 
berechtigten Jnnungsmitglieder der Kaffe zur Wahl der 
Vorstandsmitglieder auf Montag, den 4. September nach 
dem Restaurant „Zur Krone" in Steglitz, Albrechtstr. 130, ein 
und zwar die Jnnungsmitglieder um 8!/ 2 Uhr, die Kassen 
mitglieder um 9% Uhr Abends. Wahlberechtigt und 
wählbar sind nur diejenigen Kaffenmitglieder von Innungs- 
Mitgliedern, welche großjährig find und dir bürgerlichen 
Ehrenrechte besitzen. Als Legitimation dient das Kranken- 
kaffen-Quittungsbuch. Der Jnnungsbezirk erstreckt sich auf 
die Orte Steglitz, Friedenau, Gr.-Lichterfelde, Zehlendorf 
mit Schlachtensee und Nikolassee, Wannsee, Teltow, Lankwitz, 
Mariendorf, Stahnsdorf, Dahlem. 
st Friedenauer Männer-Gesangverein 1875. Die 
Vorbereitungen für das Sommerfest, welches der Verein 
am Sonnabend im „Rheinschloß" veranstaltet, sind von 
Seiten des Komitees in umfangreichem Maaße getroffen 
worden. Das Programm weist folgende Gesangs-Nummern 
auf: „Heut ist heut" von Rhein, „Wie schön bist Du", 
„Tiefest die Mühle verschneit", „Wüchsen mir Flügel", 
„Frohsinns-Marsch". Daß dieselben vom festgebenden 
Verein in vorzüglichster Weise vorbereitet sind, glauben mir 
wohl unbedingt annehmen zu dürfen. Auch das Pro 
gramm der Hauskapelle ist ein recht gewähltes. In 
musikalischer Beziehung wird also allen Teilnehmern das 
„Nicht wahr, lieber Mann, morgen gleich gebst Du zu 
Constanze und redest ihr den letzten Rest des törichten —?" 
Sie stockte. Palmieri war heftig zurückgefahren, erschreckt 
und abwehrend. 
„Nein, nein, wozu? Und weshalb ich?" 
Sie sah ihn groß an. 
Du? Warum Du? Weil Du, Palmieri, es ihrem Vater 
versprochen hast, seinen Kindern ein treuer Freund zu sein!" 
jagte sie verwundert. 
Er nahm sich zusammen. Zu ihr tretend, schloß er sie in 
seine Arme. — * 
Mute mir das nicht zu, mein Liebling! Sieh nur, es 
liegt doch so allerlei zwischen Constanze und mir —. Und 
wenn wir, statt wie bis jetzt rein Geschäftliches zu besprechen, 
nun plötzlich allerlei Gefühlsregungen bereden sollten —. 
Glücklich ist die arme kleine Con doch nicht, und mir würde 
unser schönes Glück vielleicht ihr gegenüber wie eine Art — 
ja, wie soll ich es nun gleich nennen — ? Nein, nein — ich 
nicht — ich nicht —!" 
Er lief ganz verwirrt hin und her. 
Die junge Frau folgte ihm ganz betroffen mit den 
Blicken. — Wie konnte er nur —? 
Da trat er schon wieder zu ihr. 
„Glücklich ist Constanze nicht, Irene! Mein früherer 
Argwohn, daß sie Deinen Bruder liebte — er sie — hat sich 
als ein Irrtum erwiesen, Leo denkt nicht an sie — 
„Aber sie empfindet feine Vernachlässigung und kränkt 
sich darüber," unterbrach sie ihn. 
„Wie sie in ihren unglücklichen Gedanken überhaupt arg 
wöhnisch und mißtrauisch gegen die einstigen Freunde ist. 
Hätte sie Leo damals ermutigt — ich glaube .* 
„Siehst Du, so habe ich auch gedacht. Er ging ja ganz 
auf in ihrer Pflege! Der arme Junge! Nun erkläre ich 
Beste geboten. Die Ausschmückung des Gartens wird am 
Sonnabend vor sich gehen. Die Tambola ist bereits mit 
50 Gewinnen ausgestattet und werden weitere 50 Ge 
winne zur Verlosung bereit gestellt. Der Eintrittspreis 
beträgt 30 Pf. Wir wünschen dem Verein bestes Ge 
lingen des Festes und — gutes Wetten 
st Kabarettvorstellüng. Wir machen hiermit noch 
mals auf die heute Abend im Hohenzollernsaale statt 
findende erste Vorstellung des Berliner Kabaretts auf 
merksam. Herr Direktor Weiß wird auch hier ein nur 
weltstädtisches Programm zur Aufführung bringen, das 
sicher den Beifall aller Kunstfreunde finden wird. 
st Warnung vor einem Schlafftelleudieb. Im 
Hause Feurigstraße 14 hat ein etwa 25—27 Jahre alter, 
1,75—1,78 Meter großer, schlanker Mann gewohnt, der 
angab Schncidergeselle zu sein. Nachdem er 1 1 / 2 Woche 
unangemeldet in diesem Hause wohnte und seine An 
meldung allein zu besorgen versprach, was er aber nicht 
tat, bestahl er seinen Schlafkollegen und verschwand dann 
spurlos. Der Unbekannte hat dunkelblondes Haar, eben 
solchen Schnurrbart, vollständige Zähne und besitzt zwei 
fast neue graue Jackettanzüge, weißen oben eingedrückten 
Strohhut, schwarze Schnürstiefel, führt schwarzen Holz 
koffer überzogen mit Wachsleinewand bei sich. Es ist an 
zunehmen, daß es sich um einen gewerbsmäßigen Schlaf 
stellendieb handelt, der sein Manöver öfters versuchen 
dürfte. Sachdienliche Angaben erbittet schleunigst die 
Kriminalpolizei. 
st Überfahren wurde gestern Abend in der 
Friedenauerstraße ein Kind, das den Fahrdamm über 
schreiten wollte, als die Elektrische kam. Schwerverletzt 
wurde das Kind zu den Eltern gelragen. 
st Eine wilde Jagd zwischen einem Fuhrwerks 
diebe und drei Radfahrern entspann sich gestern Abend 
gegen 8 Uhr in Schöneberg von der Feurigstraße aus 
nach Friedenau zu. Während der Kutscher eines Destillations 
geschäftswagens etwas abtrug, schwang sich ein Individuum 
auf den Wagen, ergriff die Zügel und jagte davon. Einige 
Männer nahmen sofort seine Verfolgung auf und glaubten 
ihn an der scharfen Biegung der Ebersstraße stellen zu 
können, umsomehr, als man annehmen konnte, daß bei 
dem rasenden Tempo das Pferd zu Falle kommen müsse. 
Jedoch der wilde Kutscher entkam und erst aus Furcht 
vor drei ihm nachsetzenden Radfahrern sprang er kurz vor 
Friedenau vom Wagen und lief davon. 
Schöneöerg. 
— Erntefest. Am Sonntag feierten die Besitzer 
der Villen- und Laubenkolonie am Marien- und Tempel 
hofer Weg das sogenannte „Herbst- und Erntedankfest." 
Buntfarbige Fähnchen und Girlanden zogen sich von Besitz 
zu Besitz oder waren an riesenhoher Stange in einer 
Blumenkrone vereinigt. Dazwischen wiegen sich unzählige 
phantastische Lampions in allen erdenklichen Formen und 
Größen. Laubgeschmückte Pforten mit einladender In 
schrift wie „Herzlich willkommen", „Hier herrscht echte 
Gemütlichkeit" luden hier und dort gastfrei zur Ein 
kehr ein. 
— Das Konkursverfahren über das Vermögen 
des Inhabers einer Delikatessen- und Weinhandlung 
August Angrick in Schöneberg, Hohenstaufenstraße 21, ist 
nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins aufgehoben. 
— Unter die Räder eines im schärfsten Trabe um 
die Ecke der Eisenacherstraße in die Hauptstraße zu Schöne 
berg einbiegenden Verdeckwagens geriet gestern abend nach 
8 Uhr Frau Emma Klitta, Gleditschstr. 19 wohnhaft, als 
sie mit ihrem Manne von der Arbeitsstätte auf dem Rade 
nach Hause fuhr. Trotzdem der Wagen über die Frau 
hinwegfuhr und sie auch von den Pferdehufen verletzt 
wurde, raste der Kutscher, von einer großen Menschen 
menge und zwei Radlern verfolgt, in wilder Flucht durch 
die Hauptstraße, über den Kaiser Wilhelmplatz durch die 
Colonnen- und Herbert- in die Ebersstraße, wo er end 
lich festgestellt wurde. Er führte einen Wagen der Firma 
Tom Becker u. Cie, Hauptstraße 25. Frau Klitta wurde 
nach der Unfallstation in der Herbertstraße gebracht. Die 
Verletzungen scheinen nicht lebensgefährlich. 
Berlin und Wororte. 
8 Im alten Botanischen Garten wird jetzt mit 
der Errichtung eines großen Bretterzaunes begonnen, 
welcher die noch auf eine Zeit lang der Pflanzenkultur 
gewidmeten Teile von dem verpachteten Hauptgelände ab- 
mir auch seine ernste Zurückhaltung! Und wie scheu vermeidet 
er jeden Damenverkehr! — Jede scherzende Anspielung auf 
seine Verheiratung ist ihm unangenehm. O, jetzt begreife 
ich —" 
„Warum er so selten zu uns kommt» Irene? Sollte 
sie ihm denn einen Korb gegeben haben? Das kann ich mir 
doch nicht denken?" grübelte Palmieri. 
„O nein, Leo wird es nicht so weit haben kommen 
lassen; — aber vielleicht liebte er sie und litt!" 
„Palmieri brach das Thema ab. Es überkam ihn eine 
plötzliche Unruhe bei dem Gedanken, sein Schwager könne 
vielleicht die Tochter des — Ducetti lieben. — 
Und diese Unruhe bemächtigte sich seiner, auch ganz ab 
gesehen von Leo. Es kam ihm der Zweifel wieder, mit dem 
er sich schon so furchtbar herumgequält: Durfte er schweigen? 
War es nicht seine Pflicht, zu reden? — Aber was 
hätte es genützt, wenn er laut verkündete: Der Tote har's 
getan! 
Nichts — gar nichts! Nur elend und unglücklich wären 
lebenslang die Unschuldigen geworden, seine Kinder. — 
Nein! Er mußte weiter schweigen! Lebenslang — gegen 
alle — alle ohne Ausnahme. — 
Constanze Ducetti war in der Tat wie erlöst nach 
Irenes Besuche. 
Jetzt gab es aber noch einen anderen Punkt, der sie 
schwer bedrückte, und auch über den wollte sie Aufklärung 
haben. — 
(Schluß folgt.)
        
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