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Periodical volume Nr. 195, 21.08.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

fachen Fahrt gleichkommen, also etwa betragen: nach 
Stettin 9.10 M. (II.) bew. 6,40 M. (III.); nach Swine- 
mönde 13,50 M. (II) bezw. 9,50 M. (III.) Bezüglich 
der Dampferanschlüfse in Stettin wird die Dampfschiffs- 
gesellschaft Bräunlich das Nähere bekannt geben. — 
Auch auS anderen Direktionsbezirken (Magdeburg, Halle, 
Hannover, Breslau rc.) sollen, wie wir hören, Sonderzüge 
an die Ostsee abgelassen werden. 
Lokales. 
f Amtliches. Wir verweisen auf die amtliche 
Bekanntmachung, Quartierleistungen betreffend, im Anzeigen 
teil der heutigen Nummer. 
-j- Auszeichnung. Dem Professor Herrn Dr. Emil 
Koehne, hier, wurde der Rote Adlerorden vierter Klaffe 
verliehen. 
-j- Von der Linie 88. Mit der Aufstellung der 
Masten für den Ausbau der Linie 88 konnte am Sonn 
abend an der Kaisereiche begonnen werden. 
f Herbstparade. Das Polizeipräsidium teilt mit: 
Gesuche um Wagenkarten zur bevorstehenden Herbstparade 
gehen beim Polizeipräsidium wiederum in großer Menge 
ein. Durch den von der Militärbehörde genehmigten Bau 
einer Zuschauertribüne auf dem Paradefelde ist jedoch der 
zur Aufstellung von Wagen dort zur Verfügung stehende 
Raum neuerdings so sehr eingeschränkt worden, daß nur 
noch wenige Wagen mit Zuschauern auf das Tempelhofer 
Feld zugelassen werden können. Dagegen ist einer größeren 
Menge von Personen die Möglichkeit gegeben, sich die 
Parade von der Tribüne aus bequem anzusehen. Das 
schaulustige Publikum wird deshalb in seinem eigenen 
Interesse darauf hingewiesen, daß Tribünenplätze käuflich 
zu haben sind, während das Polizeipräsidium kaum noch 
in der Lage ist, Gesuchen um Wagenkarten Folge zu geben. 
t Der Briefträger auf der Hintertreppe. Die 
Frage, ob ein Hauswirt verlangen darf, daß der Brief 
träger die Seiten- oder Hintertreppe benutze, um den 
Mietern ihre Postsachen zu überbringen, ist wieder einmal 
in Charlottenburg akut geworden. Dort hatte der Eigen 
tümer eines „hochherrschaftlichen" Hauses sich für berechtigt 
gehalten, dem Briefträger die Benutzung des anderen 
„herrschaftlichen" Aufganges zu verbieten und zu be 
stimmen, daß Post- und andere Boten dep durch den 
Keller führenden Neben-Eingang und die in den Seiten 
flügeln befindlichen „bequemen und hellen Treppen" zu 
benutzen hätten. Die Postboten weigerten sich bald und 
erklärten, sie hätten von dem Postvorsteher die Weisung 
erhalten, „unbedingt" die Vordertreppe zu benutzen. Wenn 
dies nicht gestattet werde, würde über das Haus die 
Sperre für die Postbestellung verhängt, und die Mieter 
müßten dann selbst für die Abholung -ihrer Postsachen 
Sorqe tragen. Auf eine Beschwerde des Hauswirtes wurde 
derselbe auf mehrere Gerichtsurteile verwiesen, die das 
Verlangen des Postbeamten rechtfertigten. Der Syndikus 
der Berliner Grundbesitzervereine, Rechtsanwalt Baron, 
tritt dieser Auffassung bei und riet dem betr. Hauswirt, 
die Vordertreppe den Postboten freizugeben. Der Ver 
mieter könne wohl die Vordertreppen durch Vertrag für 
gewisse Personen (Dienstboten rc.) sperren, nicht aber für 
Beamte, welche im öffentlichen Dienst die Mieter auf 
suchten; geschehe das Letztere demnach, so sei die Behörde 
zur Verhängung der „Postsperre" berechtigt. 
-j- Die Felder werden immer leerer und öder. 
Von Tag zu Tag schwindet immer mehr und mehr die 
sommerliche Herrlichkeit, schon treiben welke Blätter im 
Winde ihr neckisches Spiel — die Vorboten des Herbstes. 
Der Gesang der Vögel im Walde ist verstummt. Überall 
zeigt sich der Ernst der Natur, der die Sommerlust ver 
treibt. Die Vögel veranstalten große Manöverübungen, 
um sich für den „Zug nach dem Süden" zu rüsten. Nur 
die dreisten Burschen der Straße, die Sperlinge;' küinmern 
sich nicht um die Jahreszeit. Unverdrossen und unbesorgt 
tummeln sie sich in den Straßen und Gärten und finden 
noch überall einen gedeckten Tisch. 
-f Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das 
in Schöneberg, angeblich Prinz Georgstraße 7, im Kreise 
Teltow belegene, im Grundbuche von Schöneberg Band 62, 
Blatt Nr. 2156, zur Zeit der Eintragung des Ver 
steigerungsvermerkes auf den Namen der verwitweten 
Frau Emilie Henke, geb. Schroeder in Friedenau ein 
getragene Grundstück am 31. Oktober 1905, Vorm. 11 Uhr, 
versteigert werden. 
losigleit? Ter Schein zeugt gegen sie und daß Ducetti jetzt 
die Meinung der Damen seines Hauses teilte, bewies er 
durch die Gleichgültigkeit, die er betreffs ihrer gezeigt. 
Ihre scheinbare Undankbarkeit drückte Irene schwer und 
ließ sie nicht so recht froh werden, wie sie es unter den 
jetzigen Verhältnissen ivohl hätte sein können. 
* * * 
Wochen, Monate gingen so still dahin. 
Der Sommer kam, die Mutter mit dem kranken Sohn, 
genesend nannte er selbst sich mit vollster Zuversicht, wandte 
sich nach Abbazia und Irene begleitete sie. 
Nichts auf der Welt fehlte der reichen Frau Sommerset, 
als die Gesundheit ihres Sohnes, und ivie die Aermste auch 
Wohltaten und gute Werke ans liebevollstem Herzen um sich 
streute, sie konnte dies höchste Glück für ihr Btutterhcrz nicht 
damit erkaufen. — 
Gegen Irene zeigte sie sich, je länger diese bei ihr war, 
um so gütiger und liebevoller. Zweimal lud sie Palmieri zu 
sich ein und sie, wie der Sohn, fanden großen Gefallen an 
ihm, der sich glücklich fühlte, sich gegen sic offen aussprechcn 
zu können über die innnerhin peinliche Situation den Dueettis 
gegenüber. — 
Mrs. Sommerset riet dem jungen Paar, nicht aus Egois 
mus, die Heirat mit Rücksicht aus Constanze Ducetti noch 
eine Weile hinauszuschieben, um so mehr, als Palmieri die 
Vertretung jenes von neuem erkrankten Vorgesetzten hatte 
übernehmen müssen. Daß man ihn jetzt nicht versetzen würde, 
lag aus der Hand — also warten. 
Irenes Bruder hatte sich auf Ducettis Veranlassung 
und ermutigt von dem alten Sinedi und dem Direktor der 
Irrenanstalt in Mailand niedergelassen, und wenn seine junge 
Praxis ihm auch nur erst ein mäßiges Auskommen gab, so 
hoffte er doch, sich mit der Zeit Bahn zu brechen. 
(Fortsetzung folgt.) 
f Die bevorstehende Eröffnung der neuen 
Radrennbahn in Steglitz ruft die Erinnerung daran wach, 
daß sich der erste Berliner Rennplatz ebenfalls auf Steg 
litzer Gebiet befunden hat, denn das älteste Berliner Pferde 
rennen wurde anläßlich der Vermählung des Prinzen von 
Preußen mit der Prinzessin August« von Sachsen-Weimar 
am 17. Juni 1829 zwischen Steglitz und Lichterfelde an 
der Potsdamer Chaussee abgehalten. Zu diesem Zwecke 
hatte sich ein Rennverein gebildet, der bald auf 1200 Mit 
glieder wuchs und am Tage darauf noch ein zweites 
Rennen veranstaltete. Bei diesem Rennen wurden, wie 
es in den damaligen Berichten hieß, „ziemlich hohe Wetten 
entschieden." Neben diesem Verein tat sich später der 
Jockey-Klub auf, und beide Vereine veranstalteten dann 
ihre Rennen bis zum Jahre 1867 auf dem Tempelhofer 
Felde. 
f Unsere SanitätSkolouue beteiligte sich gestern 
an einer kriegsmäßigen Sanitätsübung gemeinsam mit 
den Kolonnen von Adlershof, Britz, Charlottenburg, 
Lichtenberg, Groß-Lichterfelde, Rixdorf, Schöneberg, Steglitz, 
Wilmersdorf und Zehlendorf auf dem Gelände südlich der 
Haupt-Kadettenanstalt. Die Groß-Lichterfelder Kolonne 
hatte mit den Kriegervereinen die Mitglieder der übrigen 
Gemeindeverbände am Bahnhof Groß-Lichterfelde-West 
empfangen. Unter Vorantritt der Kapelle der Haupt- 
Kadettenanstalt marschierten die vereinigten Kolonnen dann 
nach dem Übungsgelände, um dort zunächst einen Feld- 
gottesdienst abzuhalten. Pfarrer Dr. Töpte hielt die 
Ansprache. Nach dem Gottesdienst gliederten sich die 
Kriegervereine und Sanitätskolonnen zur Paradeaufstellung. 
Unter den Klängen des Präsentiermarsches schritten dann 
Oberst Mckisch v. Rosenegk und Oberstabsarzt Dr. Hering 
die Front ab. Nunmehr begann die Übung, der folgende 
Idee zugrunde lag: Eine Westarmee ist bei Groß- 
Lichterfelde geschlagen worden und wird in der Richtung 
auf Wannsee verfolgt. Die Freiwilligen Sanitätskolonnen 
der vorgenannten Ortschaften sind zur Unterstützung des 
militärischen Sanitätsdienstes herangezogen worden und 
haben die Verletzten dem Lazarett« in Tempelhof zuzu- 
führen. Oberstabsarzt Dr. Hering leitete unter Assistenz 
des Vorsitzenden der Groß-Lichterfelder Kolonne Freystadt 
die Übung. Die Verletzten markierten Mannschaften des 
Garde-Schützen-Bataillons. Bei der Übung wurden zum 
ersten Male die Sandloren der Teltower Kanal-Bahn, die 
nach einem Plane des Herrn Grothe zu Krankentransport 
zwecken hergerichtet waren, mit bestem Erfolge verwendet. 
Die Übung verlief sehr anregend. Sowohl der Leiter der 
Übung wie auch Oberst Nickisch v. Rosenegk, der sich daS 
Wort erbat, zollten den Kolonnen Worte größter An 
erkennung. Den Schluß bildete ein Parademarsch. 
-s An die falsche Adresse. Freitag Abend wurde 
dem Inhaber einer hiesigen Firma durch die Post ein 
Gerichtsbrief nebst Zustellungsurkunde vorgelegt, der den 
Namen des Adressaten falsch wiedergab — anstatt Schultz 
— Schultze. Die Annahme wurde selbstverständlich ver 
weigert, da erstens die Sendung für einen anderen Em 
pfänger bestimmt sein konnte und man weiter verlangen 
kann, daß man seinen eigenen Namen richtig geschrieben 
erhält — auch wenns vom Gericht kommt. Die hiesige 
Post hatte nun den Briefboten dreimal zum Adressaten 
geschickt und immer wieder mußte die Annahme verweigert 
werden. Schließlich erschien der Postbote zum viertenmal 
und überlieferte einfach trotz Protest den Brief dem ver 
mutlichen Adressaten. Es ist bereits eine Beschwerde an 
die Kaiserliche Oberpostdirektion über diese Angelegenheit 
abgegangen und man kann gespannt sein, wie die Ant 
wort oder Untersuchung ausfällt. Keinesfalls ist man 
gezwungen einen Brief der einen falschen Namen trägt, 
anzunehmen, auch kann unmöglich eine postalische Bestim 
mung existieren, daß man dem Adressaten „auf Anordnung 
des Postamts" eine mit falschem Namen versehene Sendung 
auszwingen darf. Wenn dies der Fall ist, der einzig 
dastehen dürfte, dann hätte der Briefträger die Pflicht 
gehabt, gleich bei der ersten Bestellung sich so zu verhalten, 
wie er es beim vierten Gang getan hatte; abgesehen davon 
daß eine Erklärung nichts geschadet hätte, auf Grund welcher 
Bestimmung ein derartiges Verfahren besteht. Jedenfalls 
ist diese eigenartige Sache für die breite Öffentlichkeit von 
größtem Interesse und wir werden unsere geschätzten 
Leser von dem weiteren Verlauf gerne in Kenntnis setzen. 
f Fahnenweihe im Steglitzer Gastwirteverein. 
Die Feier verlief, von gutem Wetter begünstigt, in jeder 
Beziehung stimmungsvoll. Die Beteiligung war eine wohl 
über Erwarten große. Man sah die Fahnen von nicht 
weniger als 20 Vereinen, darunter auch des Vereins der 
Friedenauer Gast- und Schankwirte und Hunderte von 
Vertretern. Der Abends stattgehabte Umzug bot mithin 
einen durchaus reizvollen Anblick. Eröffnet wurde das 
im Schloßpark abgehaltene Fest mit einigen Konzertstücken 
der gut geschulten Mariendorfer Kapelle. Den Prolog 
sprach Frl. Dabergotz. Frau Berger überreichte namens 
der Damenwelt dem Verein eine Huldigung in Form 
einer schönen Fahnenschleife. Die Herren Maffert-Steglitz 
und Verbandsprästdent Nümann-Berlin ergriffen sodann 
zu den offiziellen Ansprachen das Wort. Nachher folgte 
ein Festessen. 
-j- Fährmann - Walde-Säuger. Wohl noch nie 
hat der rührige Gastwirt Herr Siepert ein gleich volles 
Haus verdient, wie am Sonnabend. Ohne daß wir auf 
die einzelnen Leistungen eingehe», können wir ohne jede 
Einschränkung sagen, was uns ?von den Führmann-Walde- 
Sängern geboten wurde, war gut, ja es war sehr gut. 
Herr Walde übt vor allem wieder seine bekannte An 
ziehungskraft aus, e r war ein Mädchen, das alle bestrickte, 
so zweifelhaft die Redewendung auch erscheint. Dem 
Unternehmer ist auch fernerhin ein gleich guter Erfolg zu 
wünschen. 
t Plattdütsch-Vereen „Waterkant - för de 
westl. Vörnrte von Berlin. Steglitz, Schützenstr. 2 
an de Albrechtstr. Wirtshus „Schützenhof" Dunnersdag, 
den 24. August, Klock '/z9, Tohopkamen mit Familien. 
, Jngeführte Gäst willkamen. 
, -st Holzarbeiterversammlung. Für die Mit- 
1 glieder der Zahlstellen Steglitz und Groß-Lichterfelde des 
Deutschen Holzarbeiter-Verbandes, sowie für die in den 
Ortschaften Steglitz, Groß-Lichterfelde, Friedenau, 
Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde, Lankwitz, Südende 
und Schmargendorf beschäftigten Holzarbeiter findet am 
Dienstag, den 22. August, eine Holzarbeiterversammlung 
im „Birkenwäldchen", Steglitz, Schützenstraße, statt. 
f Leichenfnud. Am 15. August, Vormittags gegen 
7 j / 2 Uhr, ist auf dem unbebauten Gelände in der Hol- 
steinischenstraße, zwischen der Schloß- und Schöneberger 
Straße im benachbarten Steglitz, die Leiche eines neuge 
borenen Knaben in einem Pappkarton, Zeitungs- und 
Packpapier verpackt, aufgefunden worden. Der Papp- 
karton ist gelbbraun gemustert und hat anscheinend zur 
Aufnahme von Damenschuhen gedient. Auf dem hell 
braunen Packpapier befindet sich der mit Tinte geschriebene 
Vermerk „100 Löwenbrocker m. 3 Füßen". Das Kind ist 
vollständig entwickelt, scheint lebensfähig gewesen zu sein 
und die Geburt erst in den letzten Tagen stattgefunden zu 
haben. Sachdienliche Mitteilungen nimmt jedes Polizei 
revier schriftlich oder mündlich und die Kriminalpolizei, 
Polizeipräsidium Zimmer 334, zu Nr. 6165 IX./ 46 05 
entgegen. 
Schöneöerg. 
— Neubau von B^reauräurneu für die OrtS, 
kraukeukaffe. Das eigne Heim der Schöneberger Orts- 
krankenkasse, das sich diese in der Grunewaldstraße Nr. 42 
errichtet, ist bereits bis zur 3. Etage gediehen. Der aus 
bestem Material aufgeführte Bau, aus Vorderhaus, Seiten 
flügel und Quergebäude bestehend, erhält an der zum 
größten Teile durch rote Verblendsleine geschmllnten Front 
an der Grunewaldstraße Loggien und Erker, während für 
die mit gelben Steinen verblendeten Hintergebäude Balkons 
vorgesehen sind. Der Bau soll am 1. April 1906 seiner 
Bestimmung übergeben werden. 
— Schöneberger Liedertafel. Heute Abend be 
ginnen nach den Ferien wieder die übungsstunden im Ver- 
einSlokal „Lindenpark", Hauptstraße. Nach den Gesangs 
übungen finden Besprechungen statt und zwar: 1. Familien 
ausflug. 2. Sängerfahrt. 3. 25jähriges Stiftungsfest. Die 
Sangesbrüder werden ersucht vollzählig zu erscheinen. 
— Vorn Tode des Erstickens gerettet. Drei 
Menschenleben vom Tode des Erstickens zu retten gelang 
am Sonnabend den unausgesetzten Anstrengungen der 
Mannschaften der städtischen Feuerwehr, die um 12 Uhr 
Mittags nach der Belzigerstraße 27 gerufen wurden. In 
folge des fortwährenden Einatmens von Benzindünsten 
brachen plötzlich die in einem Raume gemeinsam beim 
Reinigen beschäftigten drei Arbeiter Otto Brückner in 
Berlin, Richard Walter in Schöneberg, bei den Eltern, 
und Albert Waßmut, Wilmersdorf, besinnungslos zusammen. 
Der sofort von der Unfallstation IV in der Herbertstraße 
herbeigerufene dirigierende Arzt Dr. Speyer und die 
gleichfalls an der Unglllcksstelle erschienenen Mannschaften 
der Feuerwehr trafen alle Maßregeln, um die Verunglückten 
ins Leben zurückzurufen. Infolge der sofortigen Zu 
führung von Sauerstoff, die unter Aufsicht des Dr. Speyer 
geschah, gelang es erst nach anderthalb Stunden den erst 
genannten Arbeiter wieder ins Bewußtsein zu bringen, 
worauf er nach seiner Wohnung geschafft wurde. Bald 
darauf kamen auch die beiden anderen Arbeiter wider zu 
sich; ihr Zustand war jedoch ein derartiger, daß sie nach 
dem Elisabeth-Krankenhause gefahren werden mußten. 
— Wohnungs-Elend. In dem Hause Bahn 
straße 15 und zwar im Keller des linken Seitenflügels, 
wohnt seit längerer Zeit der Kohlenarbeiter Barfknecht mit 
seiner Familie. Die „Wohnung" besteht aus einem 
kleinen Zimmer und einem anstoßenden Verließ. Diese 
beiden engen, niedrigen und obendrein noch dunklen Räume 
beherbergen nicht weniger als acht Personen, Mann und 
Frau sowie fünf Kinder im Alter von vier Monaten bis 
zu sieben Jahren und die Großmutter. Die Zustände, die 
sich in der Wohnung allmählich herausgebildet hatten, 
waren geradezu entsetzlich. Um die Kinder» deren Gesund 
heit arg litt, vor dem Schlimmsten zu bewahren, sah sich 
schließlich die Polizeibehörde veranlaßt, einzuschreiten. 
Kürzlich erschienen mehrere Beamte, welche die fünf Kinder 
abholen und in dem Kinderheim „Zionshilfe" in der 
Rubensstraße unterbringen wollten. Die Eltern erklärten 
sich erst nach längeren Auseinandersetzungen bereit, die 
Kinder dort unterbringen zu lassen. 
Werttn und Mororte. 
8 Für die neu errichtete Stephanus-Kircheu- 
gerneinde hat das Kgl. Konsistorium der Provinz 
Brandenburg die nachfolgenden Bestimmungen getroffen: 
Die interimistische Verwaltung der beiden Pfarrstellen 
übernehmen die Geistlichen: Pastor Nürnberger (St. Pauls 
kirche) und Pastor Otto (StephanuSkirche); beide werden 
auch die Anmeldungen der in dem neuen Parochialbezirke 
wohnhaften, wahlberechtigten Gemeindemitglieder zur 
Wählerliste an noch bekannt zu gebenden Stunden ent 
gegennehmen. Die Zahl der zu wählenden Kirchen 
ältesten beträgt 12, an Gemeindevertretern sind 36 zu 
wählen. Die ersten Erneuerungswahlen haben im Herbst 
stattzufinden. Der Kirchengemeinde ist das Wriezener- 
straße 23 belegene Grundstück zu übereignen und das 
Nutzungsrecht an-dem Grundstück, Ecke Prinzenallee und 
Soldinerstraße, zu übertragen. 
8 Das neue Ergänzungsgebäude für die 
Technische Hochschule, eine Versuchsanstalt für Wasser- 
motore, die augenblicklich auf der vom Landwehrkanal ge 
bildeten Halbinsel unweit der Charlottenburger Brücke 
errichtet wird, ist jetzt im Rohbau fertig. Sie erhebt sich 
in unmittelbarer Nähe der Anstalt für Wasserbau und 
Schifffahrt, da die Zwecke, denen diese beiden Anstalten 
dienen, in einem engen Zusammenhange miteinander stehen. 
Das Gebäude, da? im Stile der modernen Architektur in 
roten Verblendstetnen aufgeführt worden ist, zeigt eine 
reiche Gliederung und wird von einem schlanken sechseckigen 
Dachreiter gekrönt. Die innere Einrichtung wird noch 
längere Zeit in Anspruch nehmen, so daß die Anstalt erst 
zu Beginn des nächsten Sommersemesters in Benutzung 
genommen werden kann.
        
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