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Periodical volume Nr. 192, 17.08.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

stärkeren Geschlecht. Hausdiener, Lauf- und Arbeits 
burschen, Lehrlinge sind ebenso schwer zu erhalten wie 
Handwerksgehilfen. Hier liegt vielleicht sogar ein Hemm 
schuh für ein gedeihlicheres Aufblühen unseres Gewerbe 
standes. Vergeblich wenden sich die einzelnen Berufs 
zweige an die einschlägigen Verbände, die die Stellenver 
mittelung übernommen haben, mögen noch soviel Arbeits 
lose vorhanden sein, nach Friedenau gehen sie nicht heraus. 
Warum nicht? Die Arbeitsstätte liegt ihnen von ihrer 
Wohnung zu weit entfernt, die tägliche Hin- und Zurück 
fahrt verursacht ihnen große Kosten. Die Arbeiter 
bevölkerung des Westens von Berlin findet im Westen 
selbst genügend Beschäftigung, so daß Arbeitskräfte nur 
aus den Arbeitervierteln des Nordens, Ostens und 
Südens heranzuziehen wären. Der Weg von dort nach 
Friedenau kostet aber tatsächlich Zeit und Geld. 
Nun wird aber nicht mit Unrecht gesagt, die Leute 
sollen eben nach Friedenau ziehen, wenn sie hier Arbeit 
nehmen. Mit diesem Gedanken sind wir aber auch auf 
dem springenden Punkte der ganzen Materie angelangt 
und wir finden hier die Antwort auf die eingangsgestellten 
Fragen, warum sind in Friedenau keine Arbeitskräfte zu 
erhalten und wie wäre diesem Mißstande abzuhelfen. 
Friedenau war ursprünglich Villenort und erst all 
mählich trat anstelle des Villenbaues der Hochbau. In 
den Jahren 1873 bis 1875 wurden allein 80 Villen er 
baut, während im Jahre 1904 34 Hochbauten aus 
geführt wurden und 35 Hochbauten sich im Bau 
befanden. Durch diesen allmählichen Übergang vom 
Villenbau zum Hochbau ist auch die Zusammensetzung der 
Bevölkerung bedingt. Der Villenort Friedenau war 
natürlich nicht der Wohnort für kleine Leute; die Villen 
wurden meist von einzelnen Familien bewohnt und selbst 
die Gewerbetreibenden kamen erst mit den Hochbauten. 
Nun gab es ja Wohnungen genug aber die Mieter waren 
wiederum aus den oberen oder doch mittleren Regionen, 
der kleine Mann konnte die hohen Mieten nicht bezahlen. 
Es lag ja damals auch noch keine Notwendigkeit für ihn 
vor, nach Friedenau zu ziehen. Die wenigen Gewerbe 
treibenden konnten damals noch ihren Bedarf an Arbeits 
kräften aus Berlin decken. Friedenau wuchs dann aber 
immer mehr und mehr. Der Gewerbestand begann sich zu 
entwickeln. Nun begann die Misöre. Es fehlte an kleinen 
Wohnungen für die Handwerksleute. Heute liegen die 
Verhältnisse nicht viel besser, wenn man auch im letzten 
Jahre damit angefangen hat, besonders westlich der 
Kaiserallee Wohnhäuser mit kleineren Wohnungen und 
geringen Mietspreisen zu erbauen. 
Immerhin fehlt es heute noch in Friedenau an 
kleinen Leuten; hätten sich solche bei Gründung der Ge 
meinde bereits angesiedelt, so wäre inzwischen eine 
Generation herangewachsen, die heute ihr Brot im Orte ver 
dienen könnte. Wird in dem Bestreben, auch kleinere billigere 
Wohnungen im Orte zu schaffen, fortgefahren, so sehen wir 
damit auch den Weg geebnet, der dahin führt, daß die 
mißlichen Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt eine Bestehung 
erfahren. 
Lokales. 
t Auszeichnung. Dem Großkaufmann und Land 
wehroffizier a. D. Herrn Max Jaenicke hier, Goßlerstr. 9 
wohnhaft, ist von Sr. Durchlaucht dem regierenden Fürsten 
von Echwarzburg - Sondershausen Carl Günther die 
Jubiläumsmedaille in Silber am blau-weißen Band 
verliehen worden. Herr Jaenicke war Vorsitzender des 
Komitees der Schwarzburg-Sondershäuser von Groß-Berlin, 
welches dem Fürsten am 17. v. Mts. anläßlich seines 
25jährigen Regierungsjubiläums eine kostbare Ergebenheits- 
adreffe persönlich überreichte, er nahm auch an den Hof 
festlichkeiten teil, zu denen ihm Einladungen zuge 
gangen waren. 
t Tportparks Auferstehung. Große Umände 
rungen vollziehen sich hier im nördlichen, an Wilmers 
dorf grenzenden Ortsteil. Auf dem ehemaligen Sport- 
parkgelände ist man mit der Anlage von fünf neuen 
Straßen beschäftigt, durch die wichtige Verbindungen zwischen 
der Ringbahn, der Varziner-, Handjery- und Btsmarck- 
straße, dem Maybachplatz und der Kaiser-Allee entstehen. 
Die Bebauung auf diesem in der Nähe des Ringbahn- 
hofes Wilmersdorf-Friedenau gelegenen Gelände wird noch 
in diesem Herbst einsetzen. 
-j- Zu der vielgestaltigen Frage der Pflaster- 
kosten-VeitragSpflicht liegt jetzt eine neue beachtens 
werte Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts vor. Der 
ruhig lind ivic sonst und der Diener habe nicht gewagt, ihn 
aufzuhalten, da Sordegna gegangen, den berühmten Chefarzt 
der Senavra zu sprechen, dessen Erfahrung auf dem Gebiete 
geistiger Erkrankungen für Ducetti noch Hilfe finden würde, 
wenn es solche gab. 
Sie nahmen beide das Fortbleiben Duccttis vorläufig nicht 
schwer. Es war eben nur eine neue Unannehmlichkeit, daß 
man in abermalige Unruhe um ihn geriet. Palmieri besonders 
tröstete mit Ueberzeugthcit: „Er ist ja iminer seinen Ideen 
nachgegangen; er wird schon wiederkommen." 
Aber Ducetti kam nicht und jetzt wurde die Sorge doch 
wach. Indes — wer konnte bei ihm auf Regelmäßigkeit 
rechnen? 
Sie überlegten, daß man am besten täte, möglichst wenig 
Aufhebens von diesem Verschivindeu zu machen, damit nicht 
etwa die Zeitungen sich „des interessanten neuen Stoffes" 
bemächtigten. 
Währenddessen faß Constanze vergnügt und mit einer 
liebevollen Zärtlichkeit, die jedeni, der in ihre Nähe kam, 
wohlzutun wünschte, mit Monto und Ellen zusanimen und 
neckte Leo Sordegna, daß er so ernst und schivermütig blicke, 
als niache er heimlich Liebesgedichte. 
Dann holte sie Papier und Feder und alle mußten „der 
lieben, armen Irene" schreiben, die nicht mit ihnen vergnügt 
sein konnte, sondern die alte Klostertante pflegen mußte. 
Ganz zuletzt schrieb sie dann noch zärtliche schwesterliche Worte: 
„Verzeih' mir, Irene, daß ich oft nicht freundlich gegen Dich 
war, Du Geduldige. Ich litt schwer, Irene, an einer Bürde, 
die mir fast das Herz abdrückte; das machte mich ungerecht. 
Jetzt bin ich genesen und frei und hoffe, noch einmal glücklich 
werden zu können." 
Sachverhalt ist folgender: Die Kaiser Wilhelm-Gedächtnis 
kirche war vom Gemeindevorsteher von Deutsch-Wilmersdorf 
mit einem Beitrage für die Asphaltierung der Achenbach 
straße belegt worden. Der Bezirksausschuß sprach aber 
dem Gemeindevorsteher das Recht zu seinem Vorhaben ab, 
da es sich um eine Unternehmerstraße handle, die unter 
§ 15 des Fluchtliniengesetzes falle; für die Unterhaltung 
solcher Straßen dürfen Beiträge auf Grund des § 9 des 
Kommunalabgabengesetzes nicht erhoben werden. Das 
Oberverwaltungsgericht hielt aber die Vorentscheidung auf 
recht und führte abweichend von früheren Entscheidungen 
aus, es könne nicht die Absicht des Baufluchtliniengesetzes 
gewesen sein, für die Anlieger neuer Straßen ein 
Privilegium zu schaffen, das sie vor jeder Auflage sicherte, 
die für die Unterhaltung ihrer Straße Verwendung fände. 
Es sei zwar unzulässig, die Anlieger neuer Straßen zu 
den Kosten der Unterhaltung gerade ihrer Straßen anders 
als nach Maßgabe des § 15 des Fluchtliniengesetzes 
heranzuziehen, es stehe aber den Gemeinden frei, die 
gemäß § 9 des Kommunalabgabengesetzes Beiträge zu 
einer einheitlichen Straßenunterhaltung von den Anliegern 
erheben, nach Ablauf der in 8 15 festgesetzten fünf Jahre 
auch die Anlieger der neuen Straßen mit der Abgabe zu 
belegen. Die rechtsirrige Vorentscheidung müßte aufge 
hoben werden; trotzdem gelangte aber das Oberverwaltungs- 
gericht zu dem Ergebnis wie der Vorderrichter, weil § 1 
des Ortsstatuts den Grundsatz der Gleichmäßigkeit verletze 
und daher ungiltig sei. 
-j- Zum Acht' Uhr - Ladenschluß. Der Kauf 
männische Verband für weibliche Angestellte (Hauptsitz 
Berlin), der Ortsgruppen in allen Teilen des Deutschen 
Reiches besitzt nnd als unermüdlicher Vorkämpfer für den 
Acht-Uhr-Ladenschluss bekannt ist, hat erneut an seine Mit 
glieder die Aufforderung gerichtet, keine Einkäufe nach 
8 Uhr zu besorgen und alle Angehörigen und Bekannten 
zu gleichem Vorgehen zu veranlaffen. Zu diesem Zwecke 
hat er Zettel drucken lasten, die den Ladeninhaber darauf 
hinweisen, daß der Käufer für den Acht-Uhr-Ladenschluß 
eintritt. Diese Zettel werden bei Einkäufen an der Kaste 
oder dem Prinzipal selbst übergeben. 
-j- Biersteuer. Die Treptower Gemeindevertretung 
hat die Einführung der Biersteuer gegen den Einspruch 
der Gastwirte beschlossen und nun auch von der Aufsichts 
behörde die Genehmigung des bezüglichen Ortsstatuts 
erhalten. Die neue Steuer dürfte der Gemeinde jährlich 
5—8000 M. einbringen. 
f Besichtigung des Teltowkanals. Unter 
Leitung des Landrats v. Stubenrauch hat am Dienstag 
durch die Kanalbaukommisfion des Kreises Teltow eine 
Besichtigung des Teltowkanals stattgefunden. Sie erstreckte 
sich vor allem auf den gegenwärtigen Stand des Baues 
des Kanals. Mittels Motorbootes fuhr die Kommission 
von Grünau bis Britz und von dort in mehreren Wagen 
bis zur Kl.-Machnower Schleuse, die einer eingehenden 
Besichtigung unterzogen wurde. 
,-s Ein Automobil - Omnibus Zoologischer 
Garten-^nt|)eLhof - Marieudorf soll 
spätestens im ÜttoW d. I. in Betrieb genommen werden. 
An die beteiligten Gemeinden ist das Ersuchen um 
Konzessionierung der neuen Omnibusverkehrslinie ergangen, 
und es ist ihnen gleichzeitig anheimgegeben worden, ihre 
Wünsche im einzelnen bei dieser Gelegenheit geltend zu 
machen. 
-j- Der 35. Jahrestag der Schlacht von 
Vionville wurde gesteru in der „Neuen Welt" durch die 
brandenburgischen Krieger-Vereine festlich begangen. Zu 
der Feier hatte sich eine ganze Anzahl aktiver und inaktiver 
Offiziere eingefunden, von denen der zum Kommandanten 
von Berlin ausersehene Generalleutnant von Bergemann 
und die Gen. Majore v. Spalding und Körber, sowie der 
Wirkl. Geh. Ober-Reg.-Rat von Falkenhayn, der in der 
Uniform des Regiments 48 erschienen war, besonders er 
wähnt seien. Von 4 Uhr ab war Konzert im Garten, 
das von der Kapelle des 48. Regiments und der Haus 
kapelle ausgeführt wurde. Um 8 Uhr abends sammelten 
sich die Veteranen von 19 Vereinen und marschierten mit 
ihren Fahnen- und Standartenträgern an der Spitze in 
den Saal, wo ein Festkommers abgehalten wurde. 
Rechnungsrat Graeber, der Vorsitzende des Vereins der 
Ehemaligen vom Regiment 48, richtete eine Begrüßungs 
ansprache an die Anwesenden, in der er auf die hohe Be 
deutung der Schlacht von Vionville hinwies und die 
Jugend aufforderte, wenn einst das Vaterland wieder ein 
mal in Gefahr kommen sollte, es den Alten gleich zu tun 
Palmieri saß in seiner Amtsstube, vertieft in die Vorarbeit 
zu der Weiterfübrung des Prozesses gegen Renard, welcher 
durch die neu aufgefundenen Beweise zur Ueberführung des 
Verbrechers Hoffnung gab, nachdem dieselbe schon fast ganz 
geschwunden schien. 
Vor dem Richter lagen die in Renards Besitz befindlich 
gewesenen, als Eigentum der Ermordeten erkannten Sachen, 
das in Turin gefundene Stilet usw. und auch ein kleines 
Kästchen, welches ein kleines abgebrochenes Stück eines goldenen 
Knopfes enthielt. 
Ganz vertieft in die kunstvolle Gedankenarbeit, die 
Schuld des Angeklagten aus dem vorhandenen Material der 
Aussagen und Indizienbeweise zu konstruieren, war der in 
letzter Zeit so stark überanstrengte junge Beamte plötzlich in 
ein momentanes Starren verfallen, welches sich auf jenes offene 
kleine Kästchen richtete. 
Und doch sah er nichts davon, sondern seine geistige Tätig 
keit hatte plötzlich eine andere Richtung genommen: Ducetti I 
Der Unglückliche war feit zwei Tagen verschwunden und noch 
immer nicht zurückgekommen. 
Welche Augst sie alle um ihn hatten! Die arme Con 
stanze und Donna Laura zerflossen schier in Tränen. Donna 
Laura! Wie sie damals an dem Abend ihm die Szene zwischen 
Ducetti und Monto so anschaulich geschildert. Er sah sie wieder 
sich gegenüber und sich selbst sah er, wie er gespannt zuhörte 
und wie seine Finger auf ein goldenes Knöpfchen 
Da riß der Gedankengang ab und Palmieris Augen 
hefteten sich plötzlich überrascht auf das winzige Teilchen jenes 
Manschettenknopfes, den man in dem Eisenbahnwagen 
gefunden, in welchem auch die Ermordete gelegen. 
Wie seltsam! Er nahm das Stückchen in die Hand. 
Wunderbar! Das hier hatte auch einen Smaragd — einen 
kleinen kleeblattförmigen Stein. 
an Tapferkeit, Hingebung und Treue. Redner schloß mit 
einem Hoch auf den Kaiser. Im weiteren Verlauf deS 
Festes ergriffen dann noch die Kameraden Galow und 
Conradt das Wort. Eine Ansprache Gen.-Majors von 
Körber, der einige Episoden aus der Schlacht erzählte, 
wurde mit großem Beifall aufgenommen. An den Kommers 
schloß sich ein Feuerwerk und ein Ball. 
f Erntefest. Großes Erntefest mit Kinderbelustigung, 
Fackelzug und Feuerwerk veranstaltet der Lindenwirt 
Herr Grube am Sonntag in der Laubenkolonie „Schwarz 
wald" an der Schwarzwald- und Wilhelmstraße. Für 
Speisen und Getränke wird bestens gesorgt. 
f Reiseandenken haben, wie alle Dinge in der 
Welt, ihre Licht- und ihre Schattenseite. Wie freut man 
sich, wenn einem ein lieber Verwandter oder ein guter 
Freund etwas Hübsches mitbringt, wie unangenehm aber 
berührt es uns, erhält man Sachen, die nicht nur ganz 
überflüssig, sondern auch wertlos und unschön find. Das 
Schenken ist ja an sich betrachtet schon eine Kunst. Auf 
Reisen aber, wo besonders in größeren Orten in jedem 
Laden und Lädchen Trinkbecher, Gläser, Ansichten usw. 
zum Kaufe locken, wird oft die Auswahl schwer. Wer 
den Geschmack derjenigen kennt, denen er eine kleine 
Erinnerung an. seinen Anfenthalt in der Ferne schenken 
will, wird ohne große Mühe das Richtige finde». Auch 
sonst gibt es genug Gegenstände, die jedem Freude machen 
werden. Am angebrachtesten erscheint es, gerade etwas, 
was als Spezialität eines Landes gilt, zum dauernden 
Andenken mitzubringen, so z. B. aus dem Schwarzwald 
eine Kuckucksuhr, aus dem Erzgebirge eine geklöppelte 
Spitze oder aus Holland einen in Delft-Manier gemalten 
Gegenstand. Man braucht durchaus nichts Kostbares zu 
wählen; das Originelle des Reiseandenkens und die Liebe, 
mit der es gegeben wird, machen es auch dann wertvoll, 
wenn selbst der materielle Wert gering sein sollte. Es 
gibt auch sonst noch Sachen genug, die sich gut als „Mit 
bringsel" eignen, wie ein Bild der Gegend, wo man 
lange gewesen ist, oder der Bewohner in Volkstracht. 
Da§ kann man selbst der verwöhntesten Familie verehren. 
f Ein guter Fang. Der Steglitzer Polizei ist 
vorgestern die Festnahme der frechen Burschen geglückt, 
welche auf die Züge der Wannseebahn bezw. der Fernbahn 
wiederholt Steine geworfen haben, wodurch mehrere 
Personen verletzt wurden. Es war der Behörde bekannt, 
daß einer der jugendlichen Übeltäter charakteristische Täto 
wierungen am Arm hatte. Dieser Umstand führte dann 
auch zur Festnahme der ganzen Sippschaft. Es handelt 
sich um etwa 15 jährige Burschen aus Steglitz bezw. 
Lichterfelde. Die jugendlichen Sünder, deren Personalien 
noch teilweise festgestellt werden müssen, sind bereits ge 
ständig. Einer von ihnen ist auch einer weiteren Schand 
tat Überführt worden. Er hat nämlich ein umfangreiches, 
von dem Gutsbesitzer Berlinicke neu angelegtes Drahtgitter 
in der Verlängerung der Straße Kuhligshof durchschnitten 
und dadurch völlig wertlos gemacht. 
f Eine Verletzung am Kopfe erlitt gestern Nach 
mittag ein Tischler aus Berlin auf dem hiesigen Güter- 
bahnhofe durch vom Wagen fallende Bretter. Die stark 
blutende Stirnwunde wurde auf der Sanitätswache zugenäht. 
Schöneverg. 
— Stadtverordueteuwahlen. Die im nächsten 
Herbst notwendig werdenden Stadtverordnetenwahlen 
umfassen 20 Mandate. In der dritten Abteilung im 3., 
5., 6., 7., und 10. Bezirk werden voraussichtlich heftige 
Kämpfe zwischen den bürgerlichen Parteien und der Sozial 
demokratie, die bereits mit der Wahlagitation begonnen 
hat, stattfinden. Von den 16 infolge Ablaufs des 
Mandats zu vollziehenden Wahlen fallen fünf auf die 
erste Abteilung für die Stadtverordneten Behrend, Schüler, 
Knoll, Kuznitzky und Lohausen. In der zweiten Abteilung 
erfolgen sechs Wahlen für die Stadtverordneten Hänschke 
(5. Bezirk), v. Frankenberg (6. Bez.), Lessig (7. Bez.), 
Kubig und Val. Fröhlich (8. Bez.). Treugebrodt (9. Bez.) 
und in der dritten Abteilung fünf Wahlen für die Stadt 
verordneten Masuch (3. Bez.), Fincke (5. Bez.), Bergmann 
(6. Bez.), Speck (7. Bez.) und Schellack (10. Bez.). Außer 
dem sind der Auslosung unterworfen in der 1. Abteilung 
die Stadtv. Claus, Hagner und Linicus, in der 2. Abtei 
lung die Stadtv. Gansow und Gutsche (im 4. Bez.), in 
der 3. Abteilung die Stadtv. K. Schneider (2. Bez.),, 
Prasch (9. Bez.) und Zobel (10. Bez.); ausgelost werden 
vier Stadtverordnete. Die erste Abteilung wählt diesmal 
zum ersten Male in den neugebildelen zehn Bezirken. 
Wie erstarrt sah der Richter das Steinchen an — die 
Form des halben Knopfes, auf dem man neben dem Stein 
deutlich den Stiel erkannte. 
Aber das war ja ganz unglaublich! Das war ja geradezu 
lächerlich! Als wenn dies hier das fehlende Stück wäre zu 
jenem zerbrochenen Knopfe in Ducettis Hause!? 
Der Richter wies mit einem Kopfschütteln die Gedanken 
ab, die, töricht an sich, ihn von seiner Arbeit abzogen. 
Er begann wieder zu schreiben, aus den Akten Sätze 
halblaut zu lesen. 
Plötzlich ertappte er sich, wie er gleichsam verzaubert auf 
das Stückchen Knopf starrte. Es war doch auch seltsam! 
Konnte Ducetti in demselben Wagen kurz vorher gefahren 
sein? Ja, warum auch nicht? 
Uno auf dies winzige Stückchen Gold hatte man im 
Anfang der Untersuchung Hoffnungen auf die Entdeckung des 
Mörders gebaut. — 
Nein, da waren die anderen Sachen doch bedeutsamer. 
Hier — da stand ja sogar der Name der Ermordeten —. 
Wo der unglückliche Ducetti nur sein mochte? 
Wenn man den nun des Mordes angeklagt hätte? Auf 
dieses Stückchen Gold hin und den halben Knopf, der in der 
kleinen Schale aus seinem Tische lag? 
Fort mit all dresen zerstreuenden Gedanken! — 
Palmieri arbeitete nun wieder mit voller Anstrengung; er 
war ganz bei der Sache. 
Endlich konnte er die Feder niederlegen. 
Uebermorgen würde wieder Sitzung sein. Dann sollte 
Renard das in Turin gefundene Stilet vorgelegt werden, von 
dessen Entdeckung er nichts ahnte. — Daim würde er nicht 
länger leugnen. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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