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Periodical volume Nr. 206, 02.09.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Äußerungen, die auf ihre Tätigkeit anspielten, sich verletzt fühlen 
mußten, erklärte der Schriftführer Herr Reichau, der damals die Auf 
sicht führte, dem anwesenden Borfitzenden der Schützengilde Herrn Ober 
meister Hacker, daß die Kolonne Patrouillen von nun an nur stellen 
würde, wenn die Gilde vor jedesmaligem Feste einen diesbezüglichen 
Wunsch äußere. Da das nicht geschehen, hat sich die Kolonne für 
überflüssig gehalten. 
Ein bekanntes Sprüchwort lautet zwar: „Was Dich 
nicht brennt, das blase nicht" und wir wollten auch durch 
aus nicht in ein fremdes Wespennest greifen, aber nachdem 
einmal ein Friedenauer auch unS eine Zuschrift zugehen 
ließ, die wir in gestriger Nummer veröffentlichten, können 
wir nicht gut mit unserer Ansicht hinter den Bergen zurück 
halten. Wenn „der Augenzeuge der Explosion auf dem 
Schützenplatze in Steglitz" in der gestrigen Zuschrift von 
einem Sonntags-Nachmittagsspaziergang der Kolonne in 
der Rheinstraße spricht, so kann für die Steglitzer Kolonne 
natürlich nur die Schloßstraße in Betracht kommen und 
nicht die Rheinstraße. Die übrigen Punkte der Zuschrift 
können wir nur voll und ganz unterschreiben. Den Kopf 
müßen wir aber schütteln beim Lesen der Rechtfertigung 
oder wie sich der „Stegl. Anz." ausdrückt, der „Erklärung" 
d.r Steglitzer Kolonne. Welches ist denn das Ziel der 
Sanitätskolonncn? Das gesteckte Ziel, überall Nächstenliebe 
zu üben, ist doch so erhaben, daß jede persönliche Reiberei 
davor zurückstehen müßte. Wenn es das Wohl der 
Allgemeinheit gilt, bedarf es denn da wirklich erst eines 
besonderen Wunsches einer Korporation? Es ist eine 
erwiesene Tatsache, daß bei Bolksfesten stets Unfälle, 
Schlägereien vorkommen, die die Anwesenheit von aus 
gebildeten Samaritern als Notwendigkeit verlangen. Nur 
aus dem einfachen Grunde, weil im vorigen Jahre Mit 
glieder der Kolonne in Uniform durch Äußerungen, die 
auf ihre Tätigkeit anspielten, sich verletzt fühlten, sah sich 
die Kolonne veranlaßt, nur noch auf besonderen Wunsch 
Patrouillen zu stellen. Was sagt der Provinzialinspekteur 
der Sanitätskolonne, Herr Oberstabsarz Dr. Hering, zu 
dieser Begründung? Sie erinnert an die bekannte Geschichte 
von Nachbars Karlchen, der nicht mehr mitspielen will, 
weil ihn Schultzes Fritze gehänselt hat. Unsere Friedenauer 
Kolonne wird sich hoffentlich nicht an der Steglitzer Kolonne 
ein Beispiel nehmen. 
-j- Die Schoten des Goldregen sind nunmehr 
entwickelt und werden wegen ihrer entfernten Ähnlichkeit 
mit den süßen Schoten der Ebse zuweilen von Kindern 
gegeffen. Da der prächtige Goldregen als Zierpflanze in 
den meisten Anlagen zu finden ist, sei auf die starke 
Giftigkeit der Schoten aufmerksam gemacht, was wohl 
namentlich die Eltern und Kinderwärterinnen beachten 
mögen. 
-j- Das Stoppelfeld ist ein rechtes Wahrzeichen des 
Herbstes. Wenn die Ernte vorüber ist und nur noch die 
letzten Reste der Getreidehalme übriggeblieben sind, dann, 
dann weht auch schon der kühle Wind über die Stoppeln. 
Auf den leeren Äckern aber beginnt ein frisches Leben. 
Der sorgsame Landmann denkt schon an die neue Saat, 
und gar bald streut er Buchweizen oder weißen Senf oder 
pflanzt auch die Stoppelrübe an, alles Pflanzen, die nur 
wenig zum Wachsen bedürfen und dennoch gute Erträge 
liefern. Schon machen die Rebhühner das Feld zum 
Lieblingsaufenthalt! allerhand kleine Tiere, wie Feld 
mäuse, Heuschrecken treiben ihr Wesen dort. Einen 
besonderen Reiz hat es für Kinder, durch die Stoppeln zu 
gehen, wenn auch die Schuhe nicht gerade besser dadurch 
werden. Die Knaben wählen sich den Platz, um Drachen 
steigen zu lassen, und die Mädchen sehen ihnen dabei zu 
oder versuchen eS auch selbst. So bietet auch das 
Stoppelfeld noch manchen Nutzen. 
-sO- Männer-Turnverein. In sämtlichen Ab 
teilungen des Vereins wird jetzt der Turnbetrieb, der in 
den Ferien etwas abflaute, ja zum Teil vollständig ein 
gestellt wurde, in vollem Umfange zu den festgesetzten 
Zeiten wieder aufgenommen. Auch die 2. Mädchen 
abteilung turnt vom nächsten Freitag ab nicht mehr mit 
der 1. Mädchenabteilung zusammen, sondern Dienstags 
und Freitags von 5 bis 6 Uhr in der Gymnasial-Turn- 
halle. Regelmäßiger Besuch der Turnstunden ist dringend 
erforderlich, da zum Sedanfest, das der Verein am 
3. September auf dem Spielplatz am Birkenwäldchen 
feiert, und das einen vorwiegend turnerischen Charakter 
tragen soll, noch tüchtig geübt werden muß. 
fO. Von dem Gauturnfest in Oranienburg kehrte 
Herr Kuckert, Turnwart der Lehrlingsabteilung, als 
schlüssel aussah, in Wirklichkeit aber eiu feines drcischneldiges 
Stile! war, das aus einen Fedcrdruck blitzschnell aus der 
Schneide sprang. — Und dieses Stilet trug deutliche Blut 
spuren, als sei es nach einem Gebrauch schlecht abgewischt. — 
„Jetzt geht's ihm an den Hals!" sagte Monto und lachte 
erbittert, „denn Sie wissen, Signor Palmieri, Monto kann 
seine korsikanische Abkunft nicht verleugnen; er war es, der 
den Brüdern Floris nicht Ruhe ließ, die alte Frau zn rächen." 
„Nun? nun —? Und dann?" trieb Palmieri, da 
Sordegna sich die Schweißperlen von der Stirn trocknete; sie 
standen einander mit glühenden Augen gegenüber. 
„Ja — und dann! Ich hatte natürlich nur Monto und 
Floris angesehen, nnd plötzlich, als der Erstere das sagt: 
„Jetzt geht's ihm an den Hals!" — da — springt Ducetti 
mrt einem Schrei auf ihn, krampst ihm die Hände um die 
Gurgel und würgt ihn, reißt ihn zu Boden, eh wir nur einen 
Atemzug tun kpnnen. Wie erstarrt sichen wir, Monto wird 
ganz blau, er ringt in Todesangst,, wir stürzen uns auf 
Ducetti, reißen ihn empor, Monto ist fast erstickt, eine gräßliche 
Szene! Donna Laura auf den Knien — wie eine Todte so 
bleich —. Kein Schrei — kein Larit fast." 
„Und dann —? Ducetti?" stammelte Palmieri. 
„Das ist's! Wahnsinnig! Mit Mühe hatten wir ihn 
empor- und losgerissen, nun sah er uns an — schrecklich! 
Wie ein geprügelter Hund, scheu, schuldbewußt, ganz stumm, 
ganz dumpf." 
„O niein Gott! mein Gott! Und das sahen Sie kommen, 
Sordegna?" 
„Nein! Nicht so, nicht gleich dies! Ich habe mich seit 
zwei Wochen etioa entsetzt gefragt, was ist's niit ihm? Aber 
nicht entfernt dachte ich — daß — es wirklich so furchtbar —! 
O, und mir hat er nur Güte und Liebe — und ich soll ihn 
jetzt ausstreichen helfen aus der Reihe der Menschen, ihn für 
wahnsinnig —" 
Sieger heim. Auch die Faustballriege (Kuckert, Werner, 
Schoenrock, Rook, Fiedler) errang über die ausgezeichnet 
spielende Mannschaft des Zehlendorfer Männer-Turn- 
vereins einen schönen Sieg mit 86 : 77 ’ Bällen in 
Vs Stunde. 
t Der Friedenauer Mannergesangverein 1875 
übt morgen Donnerstag in seinem Vereinslokale „Rhein- 
schloß" zum erstenmale wieder nach den Ferien. — Am 
Sonnabend, den 26. August, veranstaltet der Verein in 
den Räumen und dem Garten des Rheinschloffes ein großes 
Sommerfest mit Instrumental- und Vokalkonzert. Tombola, 
Preisschießen usw. werden dazu beitragen, daß das Fest 
einen amüsanten Verlauf nehmen wird. Der Eintritts 
preis ist auf 30 Pf. festgesetzt, sodaß allen flreunden des 
Gesanges Gelegenheit geboten ist, sich einen schönen genuß 
reichen Abend zu verschaffen. 
f SauitätSkolouue vom roten Kreuz Friedenau. 
Die Kolonne beteiligt sich am Sonntag an der großen 
Verbandsübung bei Groß-Lichterfelde. Die Abfahrt erfolgt 
vom Wannseebahnhof aus mit dem Zuge 9 Uhr 49 Min. 
Vormittags nach Groß-Lichterfelde-West, wo sich am Bahn 
hof um IOV4 Uhr die Kolonnen versammeln. Nach einem 
Feldgottesdienste treten die Kolonnen zum Parademarsch 
an. Die Aufstellung vom rechten zum linken Flügel ist 
folgende: Feuerwehr Gr.-Lichterfelde, Musik, Fahnen, 
Kriegervereine, die Kolonnen Groß-Lichterfelde, Adlershof, 
Britz, Charlottenburg, Friedenau, Lichtenberg, Rixdorf, 
Schöneberg, Steglitz, Dt.-Wilmersdorf und Zehlendorf. 
Bei der Übung werden die vereinigten Kolonnen in 4 
Abteilungen geteilt. Der 1. Abteilung mit 50 Mann ge 
hören an, die Kolonnen Britz. Charlottenburg, und Lichten 
berg, der 2. Abteilung mit 70 Mann, Adlershof, 
Friedenau, Rixdorf und Steglitz, der 3. Abteilung, Groß- 
Lichterfelde mit 30 Mann und der 4. Abteilung mit 35 
Mann, Schöneberg und Zehlendorf, Alle 4 Abteilungen 
stehen unter dem Kommando des Kameraden Grothe. 
-j- Neues Spezialitäten-Theater. Unter der 
recht anheimelnden Bezeichnung „Schöneberger Winter 
garten" eröffnet Herr Direktor Eduard Ewald am Freitag 
den 18. d. M. Goltzstraße 9 in Schöneberg eine vor 
nehme Spezialitätenbühne. Dieselbe ist nach dem Vor 
bilde des Apollo-Theaters geschaffen, sehr geräumig und 
gleicht einem Schmuckkästchen. Das Innere des Theaters 
ist im Stile der Neuzeit elegant und bequem eingerichtet, 
der Zuschauerraum, welcher 650 Personen faßt, weißt 
200 Logenplätze auf. Jeden Abend wird gespielt, und 
nur erstklassige Kräfte werden vor das Publikum treten. 
Etwas derartig Gediegenes fehlt in unseren westlichen 
Vororten und Herr Direktor Ewald wird auf alle Fälle 
regen Zuspruch haben. Für solch intereffantes Unternehmen 
lag wirklich ein Bedürfnis vor, da man gute Speziali 
tätenkünstler immer gern steht, sie bieten eine angenehme 
Abwechslung. Wir wünschen nun Herrn Direktor Ewald 
mit seinem „Schöneberger Wintergarten" die besten Er 
folge, vor allem täglich ein volles Haus. 
t Die verschwundenen Aale. Munter und 
fleißig, wie die Lindenwirtin Frau Grube.immer ist, war 
sie auch gestern wieder flott beschäftigt sür ihre zahlreichen 
Gäste schmackhafte Speisen zuzubereiten. Darunter be 
fanden sich ,ca. 9 Pfund Aale, die gegen Abend fein 
säuberlich und appetitlich in 3 Schüsseln eingelegt wurden. 
In der zehnten Stunde bemerkte die Lindenwirtin zu 
ihrem Schrecken, daß die Aale verschwunden waren. Es 
muß doch ein spitzbübischer Feinschmecker die Gelegenheit 
abgepaßt haben, der Küche einen Besuch abzustatten. Wie 
er aber mit den drei vollen Schüsseln ungehindert weg 
gekommen, ist nicht ganz klar. Vielleicht war es ein 
Bekannter? 
t Unfall. Der Zimmerer Koch aus Berlin verletzte 
sich heute Vormittag auf einem Arbeitsplätze in der Cranach- 
straße durch einen Beilhieb den Ballen der linken Hand. 
Die heftig blutende Wunde wurde auf unserer Sanitäts 
wache verbunden. 
f Polizeibericht. Als zugelaufen werden zwei 
Hunde gemeldet. Näheres im Polizeibureau in der Feurig- 
straße. 
Schöneöerg. 
— A«S dem Handelsregister. Bei Nr. 1882. 
(Firma Franz Siemenroth, Berlin): Der Sitz der Firma 
ist nach Schöneberg verlegt worden. Inhaber wohnt in 
Schöneberg. 
' Heiße Tränen brachen aus des jungen Arztes Angen. 
Er schämte sich ihrer — aber Palmieris Herz rührten sie tief. 
„Wo ist er jetzt? Wissen die Damen —?* 
„Donna Laura ahnte das Unglück, wie ich. Sie weiß es 
— aber sie ist verschwiegen. Wir brachten ihn in seine 
Kammer, er ivar ividerstandslos. Ich hieß ihn sich nieder 
legen, gab ihm Morphium, er tat, was ich wollte, alles, 
und dann schlief er bereits. Monto und Floris werden 
schweigen. Wir haben seine Fensterladen und Türen geschlossen; 
dann lief ich zu Ihnen. Ihre Braut — sie darf das 
Schlimniste nicht ahnen; aber Sie sind doch derjenige, der jetzt —. 
Die armen Jungen! Noch kaum mehr als Kinder!" 
Arme Kinder! Arme Constanze! Wie ein Blitz schlug 
es vor Palmieri nieder: Jetzt — in dieser Not darf ich 
sie nicht verlassen! Da lag sein Brief noch, der ihrige daneben. 
Herr Gott, sollte er denn nicht zur Klarheit und Wahr 
heit wieder kommen? Irene! Sie konnte er doch nicht auf 
geben? 
Sordegna war unruhig im Zinimer hin und hergegangen. 
Er bildete sich offenbar ein, von Palniieri gleich Rat und 
Hilfe zu erlangen. 
„Ich bin eben so ratlos, wie Sie!" rief dieser gepeinigt. 
So kommen Sie, daß jemand dort als Autorität bei der 
Hand ist! Ducetti wird schlafen stundenlang ! Aber wir müssen 
Ihre Braut vorsichtig von unserer Befürchtung —" 
„Sordegna! Nennen Sie Constanze nicht mehr so. Da 
liegt ihr Absagebrief!" stieß Palmieri heraus. 
„Ihre — Ab — sage?" echote Sordegna grenzenlos er- 
staunt, denn daran hatte er noch mit keinem Gedanken 
gedacht. 
„Ich verehre Constanze weiter wie bisher trotz der Ent- 
frcmdung zwischen uns. Wie ein Bruder werde ich sür sie 
und die Jünglinge eintraten. —" 
Aertin und Wororte. 
8 Die Betriebsstörungen und Unfälle im 
Stratzenbahnverkehr hat ein Schriftchen zum Gegen 
stand, welches, nach einem Vortrage des Geh. Baurats 
Bork verfaßt, soeben in F. C. Glasers Verlag erschienen 
ist. Die hier wiedergegebenen Feststellungen dürfen um 
so mehr Anspruch auf Autentizität erheben, als Geheimrat 
Bork die technische Aufsicht über die Kleinbahnen im 
Bezirk der Kgl. Eisenbahndirektion Berlin auszuüben hat. 
Wir entnehmen dem Schriftchen, das sich nur mit den 
im Landespolizeibezirk Berlin belegenen Straßenbahnen 
beschäftigt, die folgenden, interessanten Mitteilungen: Die 
zum Betriebe unserer Straßenbahnen erforderliche Maschinen 
leistung stellt sich' zur Zeit des größten Bedarfs auf rund 
30 000 Pferdekräfte, während 70 000 zur Verfügung 
stehen. In den letzten zehn Jahren ist die Verkehrs- 
besörderung auf diesen Bahnen von 157 auf 395 Millionen 
Personen angewachsen. Im Vergleich zu den Beförderungs- 
ziffern der Berliner Stadtbahn (110 Millionen), der Hoch 
bahn (33 Mill.) und der Omnibusse (94 Mill) ist diese 
Leistung eine sehr bedeutende, sie erreicht annähernd die 
Leistungsfähigkeit der gesamten übrigen Straßenbahnen 
im Preußischen Staate. Die Gleislänge beträgt mehr als 
700 Kilometer, die Zahl der Wagen rund 2700, davon 
1600 Motorwagen. In der Übergangsperiode — vom 
Pferde- zum elektrischen Betrieb — hat sowohl der Verkehr, 
wie auch die Zahl der Unfälle erheblich zugenommen: auf 
eine Million beförderter Personen kamen vor zehn Jahren 
0,48, im Jahre 1900 1,18 schwere bezw. tödliche Ver 
letzungen (in absoluten Zahlen: 76 bezw. 334; im übrigen 
Fuhrwerksverkehr 642); namentlich waren die Unfälle durch 
Auf- und Abspringen (von 0,21 auf 0,36) und durch Um 
stoßen bezw. Überfahren (von 0,12 auf 0,59) gestiegen. 
Schon im Jahre 1904 zeigte sich eine erhebliche Abnahme 
dieser Unfälle, sie sanken auf 0,21 bezw. 0,22 herab, sodaß 
sie nunmehr nicht höher sind, wie früher beim Pferde 
betrieb. Diese erfreuliche Tatsache ist auf die verbesserten 
Bremsvorrichtungen, die Heranbildung eines aufmerksamen 
und entschlossen eingreifenden Fahrerpersonals und die 
Anwendung geeigneter Schutzvorrichtungen zurückzuführen. 
In letzterer Beziehung sind besonders die Schutzrahmen zu 
nennen, welche die Räder der Wagen umschließen; die 
sogen. „Schutzwesten" (Schutzgitter) an den Stirnseiten der 
Wagen haben einen Einfluß auf das Umstoßen von 
Personen nicht gezeigt. Im ganzen ist die Gesamtzahl der 
schweren Verletzungen und Tötungen in den letzten fünf 
Jahren von 1,18 auf 0,53 pro Million herabgegangen, 
und es sind diese Unfälle gegenwärtig im Verhältnis zu 
den beförderten Personen nicht viel zahlreicher, als früher 
beim reinen Pferdebahnbetrieb (0,48) — trotz der 
gewaltigen Zunahme des gesamten Straßenverkehrs. 
8 Die Arbeiten für die elektrische Beleuchtung 
der Friedrichstraße schreiten schnell vorwärts, sodaß die 
Straße am 1. September im Glanze des neuen Lichtes 
erstrahlen wird. Wie bereits gemeldet, haben einige 
Wirte die Genehmigung zur Anbringung von Rosetten an 
ihren Häusern nicht erteilt, sodaß dieser Tage, wie z. B. 
am Oranienburger Tor, einige Trägermasten haben auf 
gestellt werden müssen. Sonst sind die 'Drähte überall, 
auch an den amtlichen Gebäuden an Rosetten befestigt 
worden. So sieht man z. B. an der Kaserne des 
2. Garde-Regiments und an der Pepiniöre je 4 Rosetten. 
Im Ganzen wird die Straße durch einige 90 Bogen 
lampen erhellt werden. 
8 Im Tiergarteu wird jetzt zunächst in der Um 
gegend der Bellevue-Allee der gesamte Baumbestand durch 
eine Schar von Arbeitern sorgfältig untersucht, um zu 
ermitteln, welche Aste im Laufe des Sommers morsch 
geworden sind und bei starkem Winde herabfallen könnten. 
Bereits ist eine ganze Anzahl derartiger Aste mit der 
Säge entfernt worden. Bekanntlich ist vor einiger Zeit 
ein 3 jähriger Knabe durch einen herabfallenden Ast tödlich 
verletzt worden. 
8 Zu de« Grundstücken im alten Botanischen 
Garten, die nicht mit verpachtet worden sind, gehören an 
der Südseite diejenigen, auf denen das Botanische 
Museum und das alte Steuerhaus an der Ecke der Pots 
damer- und Grunewaldstraße stehen. In diesem einstöckigen 
Hause, das noch an die Zeit erinnert, als in Berlin die 
Mahl- und Schlachtsteuer erhoben wurde, wohnt jetzt der 
Afrikareisende Prof. Dr. Schweinfurth, der als bedeutend^ 
„O, sie wird diese herben Zecken bereuen!" murmelte 
Sordegna und sah plötzlich sehr verivirrt und unsicher aus. 
Eie gingen. Es lvar inzwischen schon Abend geivorden. 
Donna Laura empfiilg sie im Hausflur, sie sah zuin Er 
barmen verstört und blaß aus und erzählte, Herr Floris und 
Ellen seien bei ihr gewesen, aufs tiefste erschüttert und ganz 
derselben Meinung wie Sordegna. — Floris hatte dann auch 
allerlei Beobachtungen aus dem Schwurgerichtssaale erzählt, 
die ihm freilich erst jetzt nachträglich als sehr auffällig er 
schienen. Ducetti habe bei jeder belastenden Aussage befriedigt 
genickt, aber mit einem Nachbar fast Streit bekommen, der 
die Vermutung geäußert, man werde Renard zum Tode ver 
urteilen. 
Donna Laura hatte Ellen zu Constanze hinaufgeschickt, 
die nichts ahnen durfte und sich beNagte, daß man sie heute 
so allein ließe. 
Jetzt, wo letztere die murmelnden Stimmen unten im 
Hause hörte, schickte sie und ließ bitten, daß Sordegna oder 
Donna Laura noch ein halbes Stündchen zu ihr komme. — 
Sordegna! Sie schickte nach dem, wie wenn nichts natür 
licher wäre! 
Sordegna ging so eilig, dem Ruf zu folgen, als könne er 
nicht schnell genug kommen. 
Palniieri und Donna Laura zogen sich in Ducettis Stube 
zurück. Sie erzählte ihm die schreckliche Szene, wie sie dieselbe 
gesehen. Sie hatte den erschreckend wechselnden Ausdruck von 
Ducettis Mienen beobachtet, konnte gar nicht genug schildern, 
wie jede Empfindung Ducettis sich mit einer grotesken Masken- 
haftigkeit auf seinem Gesicht gezeigt, so rasch wechselnd, daß 
ihr der Atem schon vor Schrecken über sein Aussehen versagte, 
ehe er sich noch auf Monto stürzte, 
(Fortsetzung folgt.)
        
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