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Periodical volume Nr. 205, 01.09.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

verlangen. Es werden aber noch viel notwendigere Sachen 
vergeflen, so die Betten, die man sich vielfach in die 
Sommerfrische mitnehmen muß; es sind nicht weniger als 
vier Betten „überzählig." Worauf mögen die vergeßlichen 
Eigentümer geschlafen haben? Man ersieht daraus, wie 
notwendig es ist, die aufgegebenen Sachen zu signieren, 
dann weiß man, wenn sie vergessen oder verschleppt sind, 
wem sie gehören. 
ch Mondfinsternis. Morgen früh findet eine 
partielle Mondfinsternis statt, die um 3 Uhr 39 Min. 
mit dem Eingreifen des Erdschatten in den linken unteren 
Mondrand beginnt. Um 4 Uhr 41 Min., zur Zeit der 
größten Phase, sind die unteren 3 / 10 des Mondes, also die 
Bergpartien, um Tycho, verfinstert. Bald darauf, um 
4 Uhr 55 Min., geht der Mond unter, sodaß das Ende 
der Finsternis um 5 Uhr 43 Min. in Berlin nicht mehr 
zu beobachten sein wird. 
f Katzensteuer. Die Einführung einer Katzensteuer 
ist von der Gemeindevertretung des Vorortes Eichwalde, 
trotz allen Spottes, den das Projekt hervorgerufen, ein 
stimmig beschlossen worden. Gleichzeitig wurde ein be 
sonderes Statut hierzu zum Schutze der Singvögel erlaffen. 
t Die Tätigkeit unserer Sanitätskolonne ist 
auch in der letzten Zeit eine sehr rege gewesen. Im 
Monat Juli hatten die Kameraden in ca. 27 Fällen die 
erste Hilfe zu leisten. Der Monat August hat ebenfalls 
der Kolonne mehrfach Gelegenheit gegeben, den Samariter 
dienst auszuüben (z. B. bei dem Unfall auf der §-Linie 
in der vorigen Woche am Friedrich Wilhelmplatz). Die 
Übungen wurden regelmäßig abgehalten. Um den Alarm 
der ganzen Kolonne auch bei größeren Unglücksfällen 
möglich zu machen, soll ein diesbezügliches Statut mit 
Herrn Bürgermeister Schnackenburg ausgearbeitet werden. 
Zugleich sollen Verträge mit hiesigen Fuhrwerksbesitzern 
geschloffen werden, damit die Kolonne imstande ist, 
Verletzte so schnell als möglich in ein Krankenhaus zu 
schaffen, ohne erst stundenlang auf den Krankenwagen 
warten zu müssen. Wir können es nur mit Freude be 
grüßen, wenn es der Kolonne gelingt, auch nach dieser 
Richtung hin für das Wohl der Mitmenschen zu sorgen. 
Wir erinnern nur an das stundenlange Warten auf den 
Krankenwagen bei den verschiedensten schweren Unglücks 
fällen. Es waren dies Zustände, wie sie nicht schlimmer 
gedacht werden konnten. Unsere Fuhrherren werden sich 
den Dank aller Bürger Friedenaus erwerben, wenn sie es 
unserer Sanitätskolonne ermöglichen, neben der ersten 
Hilfe auch für den schnellsten Transport zu sorgen. 
f Ein Friedenauer Sieger bei der Dauer 
fahrt Dresden—Steglitz (200 Kilometer). Am 
13. August veranstaltete der Radfahrerklub Steglitz 1896 seine 
Dauerfahrt, und hatten sich zu diesem Zwecke die Fahrer 
schon am Sonnabend nach Dresden begeben. Sonntag 
früh %5 Uhr wurden die Herren von dem „Dresdener 
Radfahrer-Verein Wanderlust 1888" abgestartet. In 
bereitwilliger Weise hatte de: Herr Regierungspräsident zu 
Potsdam die Erlaubnis zu dieser Veranstaltung erteilt, 
und hatten sämtliche Vereine, die in den Hauptpunkten 
der Fahrstrecke ihren Wohnsitz haben aus Sportintereffe 
die Kontrolle übernommen. Bereits um 10 Uhr früh 
hatte sich am Ziel, Kilometerstein 10,1 in Steglitz, bei 
herrlichem Wetter, das für diese Fahrt wie geschaffen war 
neben mehreren Mitgiiedern der Klubs eine nach hunderten 
zählende Menschenmenge aus Friedenau und Steglitz rc. 
eingefunden, ein Beweis, eines wie großen Ansehens sich 
der Klub erfreut. Mit großem Interesse wurden die ein 
gehenden Depeschen verfolgt und an der Hand der von 
Herrn Schröder wunderbar angefertigten Orientierungskarte 
konnte man ersehen, wo sich die Fahrer zur Zeit befanden. 
Nachdem die Zeit bis Mittag vorgeschritten war, hatte die 
Spannung derj Anwesenden ihren Höhepunkt erreicht und 
konnte bereits gegen 1 Uhr die Neugierde befriedigt 
werden. Um 1 Uhr 11 Min. 30 Sek. ging Herr Stoltzen- 
burg - Friedenau als Erster durch's Ziel, ihm folgte in 
einer Handbreite Entfernung um 1 Uhr 11 Min. 31 Sek. 
Herr Tieke - Friedenau aufs lebhafteste von Herren des 
Vereins und vom Publikum begrüßt und beglückwünscht. Der 
Vorsitzende des Klubs überreichte nun dem Sieger, Herrn 
Stoltzenburg einen großen Lorbeerkranz und brachte den 
beiden Siegern nach Radlerart ein dreimaliges „All-Heil" 
dar. Nach weiteren 10 Minuten kam um 1 Uhr 23 Min. 
52 Sekunden Herr Kirste-Steglitz als Dritter durchs Ziel 
und als Vierter endlich Herr Eicke II aus Steglitz. Leider 
hatten auch einige Herren, wie es auf einer so großen 
Tour von ca. 200 Kilometer unausbleiblich ist mehr oder 
minder große Raddefekte, sodaß besonders einige Favoriten, 
auf die, man mit ziemlicher Bestimmtheit rechnete, die 
Hause und zog sich sofort in sein Schlafzimmer'zurück. Wo 
er nach dem Schluß der Sitzung gewesen, erfuhren sie nicht. 
Sordegna fand keine Gelegenheit, Tucetti zu beobachten. 
Was thn viel mehr erregte als dies, war die wachsende 
Empörung über Palmieris passive Unhöslichkeit gegen seine 
Braut. 
Gewiß, er hatte als Beamter zunächst und vor allem 
andern seine Pflicht zu tun. Aber konnte er es wirklich 
nicht ermöglichen, m vier Tagen strengen Dienstes eine einzige 
halbe Stunde zu finden, um seine in derselben Stadt mit 
ihm wohnende Braut zu begrüßen, wenn er diese Braut auch 
nur halb so sehr liebte, wie dieselbe es verdiente? 
Konnte man deutlicher seine ivahre Meinung zeigen? 
Und demselben Manne, dessen treuloser Charakter sich so offen 
kundtat, sollte er Irene geben? Aber war sie Besseres wert? 
O, ivie er seiner Schivesker grollte! Wie er sie 
schonungslos im Herzen verurteilte und doch Donna Laura 
jedes Wort gerechter Verteidigung dankte! 
Aber fiihlte denn Constanze so gar nichts von der 
Beleidigung, die für sie in Palmieris Benehmen lag? Es 
schien nicht; und Constanze war nicht die Natur, sich zu ver 
stellen. — Ihre Heiterkeit, ihre harmlose Liebenswürdigkeit 
blühten mit jedem Tage mehr wieder auf. Sic sing an, im 
Zimmer umherzugehen, sie wollte nichts als vergnügt sein, 
„nach der langen schrecklichen Zeit." — 
Und daß sic unter dieser Bezeichnung nicht allein ihre 
Krankheit, sondern den ganzen Sommer in Tetri verstand, 
leugnete sie auch gar nicht. 
Sie war am glücklichsten, wenn sie, Sordegna sich gegen 
über, Donna Laura neben sich, plaudern konnte. Wovon? 
Sie wußten es alle Drei kaum, aber sie langweilten sich nie. 
Fahrt unterbrechen mußten. Die errungenen Preise zu 
denen verschiedene Gönner de« Klubs erhebliche Beträge 
beigesteuert haben, werden den Siegern nebst Diplom am 
Stiftungsfest des Klubs, am 7. Oktober d. Js. überreicht. 
Der Abend vereinigte noch die Sieger sowie die Mitglieder 
und Gäste zu einem gemütlichen Beisammensein im Klub 
lokal „Schloßpark". „All-Heil" den Siegern. 
f Das internationale Wettschwimmen, das 
der Deutsche Schwimm-Verband am gestrigen Sonntag 
aus Anlaß seines XIX. Verbandsfestes im Kochsee zu 
Charlottenburg veranstaltet hatte, war ganz außerordentlich 
stark besucht und nahm einen sehr intereffanten Verlauf. 
An dem Feste, das am heutigen Montag wieder durch 
ein Wettschwimmen und am Abend durch einen Kommers 
mit Damen gefeiert wird, sind im ganzen 53 Vereine, 
darunter 12 Berliner, beteiligt. Unter den 17 Wett 
kämpfen, die gestern stattfanden, nahm das Schwimmen 
um den Kaiserpreis über 1000 Meter den ersten Platz 
ein. Es wurde von Emil Rausch, Poseidon-Berlin, dem 
vorjährigen Sieger in 16 Min. 28,2 Sek. gewonnen. Ein 
ganz bedeutender Gegner war ihm aber in dem Halber- 
städter Oskar Schiele, einem 16jährigen jungen Mann, 
entstanden, der gestern zum ersten Mal bei einer Konkurrenz 
in Frage kam und mit 16 Min. 39,2 Sek. Zweiter 
wurde. Sehr viel Heiterkeit erregte das Wasserballspiel, 
bei dem der Berliner Schwimm-Klub Germania über den 
Berliner -Schwimm-Klub Amateur mit 4 : 1 Goal siegte. 
Die Resultate sämtlicher Wettkämpfe sind folgende: 
1. Juniorstafette 4 X 100 Meter. Sieger Berliner 
Schwimm-Klub „Otto" (6 Min. 12% Sek.) 2. Schwimmen 
um den Kaiserpreis über 100 Meter Rausch (Poseidon- 
Berlin) 1 Min. 16 4 / 5 Sek.) 3. Seiteschwimmen 300 
Meter Parizot (Bremer Schwimm-Klub 4 Min. 48% Sek.) 
4. Juniorspringen Rother (Germania-Berlin 18% Punkte). 
5. Brustschwimmen um den.Preis der Stadt Berlin 400 
Meter, Ehrenwanderpreis, Zacharias (Weißensee 1896, 
6 Min. 59% Sek.) 6. Schwimmen um den Kaiserpreis 
über 500 Meter, Rausch (7 Min. 53% Sek.) 7. Springen 
um die Meisterschaft von Europa, Walz (Schwaben, 
Stuttgart, 124 5 / 10 Punkte). 8. Hindernisschwimmen 200 
Meter, Gedat (Charlottenburg 1887, 2 Min. 57% Sek.) 
9. Juniorbrustschwimmen 200 Meter, Borchard (Potsdam 
1893, 3 Min. 26% Sek.) 10. Rückenschwimmen um den 
Staatspreis, 200 Meter, Brack (Charlottenburg 1887, 
3 Min. 16% Sek.) 11. Junior-Spanischschwimmen, 100 
Meter, Schein (Charlottenburg 1887, 1 Min. 20 Sek.) 
12. Seniorspringen Kühne (Poseidon-Berlin, 24% Punkte). 
13. Juniorschwimmen 100 Meter Berndt (Amateur-Berlin, 
1 Min. 27 Sek.) 14. Springen um den Kaiserpreis, 
15 Sprünge, Walz-Stuttgart (58% Punkte). Gegen das 
Resultat von Nr. 17, Senior-Stefette, wurde mit Erfolg 
Protest eingelegt, sie wird heute zum Austrag gelangen. 
f Mit den» Ban der Znschaner-Tribünen für 
die Herbstparade ist auf der Westseite des Tempelhofer 
Feldes bereits begonnen worden. Der Militärfiskus soll 
mit dieser neuen Einrichtung im letzten Frühjahr ein ganz 
gutes Geschäft gemacht haben. Freilich sind die Baukosten 
in Anbetracht der kurzen Ausnutzung nicht gering. 
f Der Schntzenplatz in Steglitz bot gestern wieder 
das alte Bild. — Buden der verschiedensten Art und 
Menschen über Menschen, darunter eine erhebliche An 
zahl Friedenauer und Friedenauerinnen mit Kind und 
Kegel. Geschäfte sind gestern überaus gute gemacht 
worden, natürlich auch übergenug Lärm — aber der gehört 
nun einmal zu einer Vogelwiese. Glücklicherweise be 
findet sie sich nicht auf unserem Gelände und zeigt auch 
keine Ausdauer. Die Schankzelte waren alle voll besetzt 
und hatte ein solches auch unser Mitbürger Siepert. 
Dort fehlten diesesmal jedoch leider die drallen „Bier 
madel" wie solche beim Friedenauer Schützenfest vertreten 
waren, und darum schien's auch gestern beim Kaiser 
Wilhelmgarten-Wirt nicht so lebhaft und gemütlich als im 
Mai zuzugehen. 
ch Bannerweihe. Diejenigen Kollegen der hiesigen 
Vereinigung der Gast- und Schankwirte, welche sich an 
der Bannerweihe des Brudervereins am Freitag, dem 
18. ds. Mts. in Steglitz zu beteiligen beabsichtigen, 
wollen sich beim Vorsitzenden, Herrn Fechner bis spätestens 
Mittwoch melden. 
1- Der Engpaß in der Rheinstraße an der Kaiser- 
Eiche, der durch die Arbeiten zufolge des Ausbaues der 
Linie 88 geschaffen ist, ruft sowohl unter der Bürgerschaft, 
vor allem aber unter den Führern von Fahrzeugen arge 
Mißstimmung hervor. Man sollte meinen, daß die Durch 
fahrt etwas breiter gemacht werden könnte und, was die 
Hauptsache ist, auf alle Fälle Abends eine beffere Be- 
Ein Brief von Irene an Donna Laura kam. Sie hatte 
ihn dem Pvstbvten im Hausflur abgenommen, ihn Constanze 
verheimlichen ivollen fand dann aber, daß Irene offenbar für 
diese ihr Schreiben berechnet hatte. — 
--Ich habe die Großranie sehr schwach, aber nicht gerade 
krank gesunden. Mein Besuch machte ihr die größte Freude, 
und sie will mich nun bei sich behalten, wo auch der beste 
Platz für mich ist, bis mir Gott zeigen wird, was er weiter 
mit mir vorhat." Das war nebst heißen Tankesivorten für 
Donna Laura und Dncettis alle der Inhalt des kurzen 
Brieses. — 
„Sie lieben meine Schwester nicht, Signorina Constanze?" 
wagte Sordegna nach dem Verlesen dieses Brieses zuerst zu 
fragen. 
Costanze wurde glühend rot und sichtlich sehr verlegen. 
Nach kurzen. Zögern sagte sie aber mit Offenherzigkeit: „Ich 
beneidete sic, ich war im häßlichsten Sinne neidisch; sie ist so 
schön, so geistvoll und liebenswürdig! Alle Welt liebte sie, 
und mich übersah man natürlich!" 
„Mit den, einen offenen Bekenntnis beweisen Sie daß 
Sie viel, viel besser sind!" rief er schmerzlich, und ans seinen 
Augen leuchtete ihr eine Aufrichtigkeit entgegen, die alle 
erlittenen Zurücksetzungen reichlich vergütete. 
Ein glückliches, zärtliches Lächeln dankte ihm und machte 
sein Herz so unruhig, daß er aufspringen und im Zimmer 
umhergehen mußte, um sich nicht zu verraten und ebenso 
unredlich gegen Palmieri zu werden, wie dieser es gegen Con 
stanze gewesen und Irene gegen sie u,ld ihren Wohltäter. — 
Ohne recht zu wissen, ivas er tat, griff er das eben ge 
kommene Zeitnngsblatt auf. 
»Man erwartet den Schluß der Sitzungen morgen, soweit 
leuchtung geschaffen wird. Die beiden „Lämpchen", die 
den Eindruck machen als ob sie jeden Augenblick absterben, 
sind kaum bemerkbar und man muß sich wundern daß bei 
dem gestrigen starken Verkehr von Kutschen, Automobilen, 
Motorzweirädern und Fahrrädern nichts passiert ist. 
Heute fuhr ein Fouragewagen der Firma Dahlemann- 
Steglitz in eine Droschke, wodurch diese bedeutende beschädigt 
wurde. Der Zustand bedarf einer schleunigen Abhilfe ehe 
noch ein größeres Unglück passiert. Hoffentlich helfen diese 
Zeilen! 
f Einbrnch. Bei dem Grünkramhändler D. rn der 
Lauterstraße 34 wurde am Sonntag Nachmittags 7 Uhr 
ein Einbruchdiebstahl verübt und dabei die Ladenkaffe mit 
5 Mark Wechselgeld erbeutet. Der Täter kann nach den 
vorgefundenen Fußspuren zu urteilen, nur eine Frauens 
person sein. Die Fensterscheiben der Wohnung neben dem 
Laden sind mit dem Fuße eingestoßen, die Flügel mit der 
Hand geöffnet. Der Dieb hatte 'es scheinbar nur auf bares 
Geld abgesehen, da er eine wertvolle goldene Uhrkette un 
berührt ließ. Vom Laden aus hat der Täter eine Licht 
scheibe in einer spanischen Wand, die das Gelaß des 
Dienstmädchens abschließt, ebenfalls zertrümmert, wagte 
aber doch nicht in den Raum zu dringen, wo sich der 
Kleiderkorb des Mädchens mit dessen Ersparnissen befand. 
Die Recherchen unserer Polizei richten sich bereits nach 
einer bestimmten Frauensperson. 
f Wieder einmal eine Dennnziatton. Zu 
einer aufregenden Szene kam es heute Morgen an der 
Kaisereiche. Der Zeitungshändler B. aus Rixdorf bot wie 
sonst,jeden Montag dort seineZeitungen, wo zum Verkauf bei ihm 
eine Frau half. Eine zweite Frauensperson kam hinzu 
und bald kam es zwischen den drei Personen zu lauten 
Auseinandersetzungen. Schließlich lief eine der „Damen" (die 
Ehefrau) zurPolizei, wo sie angab, ihrMann der Zeitungsver 
käufer wohne nicht in Friedenau, habe keinen Wanderge 
werbeschein und dürfe deshalb hier auch keine Zeitungen 
feilbieten. Die Frau die ihm beim Verkaufe helfe, sei 
eine Witwe aus Rixdorf mit der er zusammen lebe, 
während sie von ihm gerichtlich nicht getrennt sei. Die 
Erhebungen der Polizei bestätigten die Richtigkeit der An 
gaben und die Folge davon war, daß B. den Verkauf ein 
stellen mußte und somit Friedenau heute teilweise ohne 
„Zeit und Welt am Montag" blieb. 
ch Büberei. Von der am Wannseebahnhof ange 
brachten Tafel mit unserem wöchentlich erscheinenden 
Wohnungsanzeiger, wird seit einiger Zeit dieser regelmäßig 
wie auch die Stifte gestohlen, mit denen der Anzeiger be 
festigt ist. Hoffentlich gelingt es einmal den Täter bei 
dieser Büberei abzufassen. 
ch Stnrz vom Rade. In der Kaiserallee stürzte 
gestern Nachmittag der Radfahrer Kant aus Berlin von 
seinem Rade und verletzte sich durch den Sturz erheblich 
an der Hand. Unsere Sanitätswache übernahm die An 
legung eines Verbandes. 
f Folgen einer Explosion. In einem offenen 
Wursthalle auf dem Schützenplatze in Steglitz explo 
dierte gestern Nachmittag ein Spirituskocher. Ein vor 
dem Stande stehendes Mädchen die zwölfjährige Schülerin 
Alwine Jädicke fing mit ihren Kleidern Feuer. Statt 
die Flammen nun mit Decken zu ersticken, wurde daS 
Mädchen im Sande gewälzt. Die Flammen erstickten 
zwar, aber der Schmutz, der in die schweren Brandwunden 
im Gesicht und rechten Arm durch diese Behandlung ein 
drang, dürfte die Heilung der Wunden sehr erschweren. 
P Schlägerei. Der Kutscher Prill aus Wilmersdorf 
geriet am Sonnabend Nachmittag mit Erdarbeitern in der 
Stierstraße, Ecke Hähnelstraße in Streit. Im Verlaufe des 
Streites erhielt P. einen Schlag mit einem festen Gegen 
stände auf den Kopf, so daß er blutüberströmt die Sanitäts 
wache aufsuchen mußte, wo ihm ein Notverband angelegt 
wurde. 
ch Nächüiche Rnhestömng verübten heute Nacht 
vier anscheinend dem besseren Stande angehörige Herren 
in der Niedstraße durch Schreien und Singen, sodaß sie 
ein Gemeindediener belehren mußte, daß die Nacht nicht 
zu überlauten Gesangsübungen bestimmt ist. 
P Die Pornpadonr-Ränber haben ihr „Arbeits 
feld" auch auf die Vororte ausgedehnt und treiben in den 
Waldungen der Umgegend ihr Unwesen. Aus Schlachtensee, 
Dalldorf und Karlshorst, also aus den verschiedensten 
Himmelsrichtungen, werden Überfälle gemeldet. Die Täter 
sollen in allen Fällen jüngere Burschen sein, die den 
Spaziergängerinnen ihre Täschchen entrissen und damit 
fortliefen. Es ist ihnen übrigens nur in einem Falle, 
bei dem Überfalle einer Witwe R. in Dalldorf, ein 
größerer Geldbetrag in die Hände gefallen. 
die Ranbmordangelegeuheit in Frage kommt. Alle weiteren 
Fälle bieten wen g Interessantes und werden auch in rascher 
Folge erledigt sein," las er. 
„O, mein Gott!" hatte Constanze ausgerufen und war 
aufgesprungen. 
Alle zarte Röte war wie ivcggewischt von ihren Wangen. 
Sie sah geängstigt und erschreckt ans, niochte aber für die 
Gemütsbewegung noch zu schwach sein, kenn ne taumelte uno 
Sordegna sprang herzu, sie wied-r nach ihrem Stuhle zurück 
zuleiten. 
'Dabei spiegelte sich ihre Erregung in seinen Mienen. 
Apch er wußte: Jetzt muß die Entschc.düng kommen zwischen 
Constanze und Palmieri und zwischen diesen und ihm und 
Ducetti. 
Bestand letzterer auf dem Wunsche, Irene zu seinem 
Weibe zu machen — waZ dann? 
Konnte er ihm entgegentreten? Dem Manne, dem er so 
viel verdankte und — von dem er noch so unendlich viel 
mehr und Schöneres hoffte? 
Aber ivürde Constanze fest bleiben, ivenn Palmieri Irene 
opferte und sich für die reiche Braut entschied? 
Eine unbeschreibliche Angst überfiel ihn. Sollten diese 
kurzen glückseligen Wochen vielleicht nur ein Traum geiveseir 
sein? 
Ta blickte er ans und in Constanzes Augen. Und in 
denen las er dieselbe herzbeklemmende Angst. 
* _ * 
(Fortsetzung folgt.)
        
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