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Periodical volume Nr. 182, 05.08.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Eine Theater- und Spezialitäten-Vorstellung der Direktion 
Brosint findet morgen Abend 6 Uhr statt.- 
f Preis- und Wettfchkeßeu veranstaltet morgen 
von Nachmittags 4 Uhr ab der Tesching-Schützenverein 
Falke im Restaurant „Zum Begas", Dürerplatz 4. Schieß 
freunde sind hierzu herzlich willkommen. 
-j- Ausbruch des Vesuvs. Der Besitzer der Feld 
kantine zum „Wilhelmshöher Brunnen" wird heute Abend 
seinen Gästen wieder einen amüsanten Abend bereiten. 
Auf wiederholtes Verlangen sollen noch einmal „Die letzten 
Tage von Pompeji" und der „Ausbruch des Vesuvs" 
gezeigt werden. An dies pyrotechnische Schauspiel wird 
sich ein Sommernachtsball anschließen. 
-j- Auf verbotenen Wegen. Infolge der Geleiselegung 
in der Rheinstraße bei der Kaisereiche ist der Fahrdamm zur 
Zeit für den Wagenverkehr etwas verschmälert. Um nun 
rascher vorwärts zu kommen, fuhr heute Mittag ein 
Milchwagen auf das Fahrgeleis der Elektrischen. Durch 
einen Gemeindediener wurde der Fuhrknecht festgestellt 
und wird dieser wahrscheinlich ein Strafmandat erhalten. 
j- Denunziation. Aus unbekannten Gründen leistete 
sich der Bauarbeiter R. aus der Handjerystraße 38 eine 
Denunziation, bei der er schließlich der Hereingefallene 
war. R. teilte dem Amtsdiener Leder mit, der Gastwirt 
Konietzki der „Kaisereiche" beschäftige Kegeljungen, die noch 
zur Schule gingen. Die Recherchen des Amtsdieners er 
gaben jedoch, daß der Kegeljunge das 16. Lebensjahr bereits 
überschritten habe und auch schon in einem Geschäfte lerne. 
Der Gastwirt K. will nun gegen R., nicht unberechtigter 
weise, wegen falscher Anschuldigung klagend vorgehen. 
-j- Daß die Diebe mit den großen Fortschritten, die 
unsere Zeit auf technischem Gebiete macht, mitzugehen 
wissen, beweist die Tatsache, daß dieser Tage einem Archi 
tekten ü. von der Straße weg ein Automobil im Werte 
von 18 000 M. gestohlen wurde. Der Herr hatte das 
Fahrzeug, als er einen Neubau revidierte, einen Augenblick 
unbeaufsichtigt stehen lassen, und diese Gelegenheit benutzte 
ein Dieb, um sich damit aus dem Staube zu machen. 
Jedenfalls ist der Diebstahl von Automobilen, wenn der 
Dieb dabei nicht gefaßt wird, einträglicher als der von 
Fahrrädern. 
t Polizeibericht. Ein Jagdhund ist zugelaufen. 
Näheres im Polizeibureau in der Feurigstraße. 
Schöneöerg. 
— Der städtische Arbeits-Nachweis von 
Schöneberg besetzte im Monat Juli im ganzen 890 
Stellen, und zwar 398 für männliche, 332 für weibliche 
Personen und 140 für Dienstboteu. Die Zahl der offenen 
Stellen betrug zusammen 1149 und zwar 419 für männ 
liche, 402 für weibliche Personen und 328 für Dienstboten. 
Die Zahl der Arbeitsuchenden war im ganzen 1082, und 
zwar 526 männliche, 410 weibliche Personen und 146 
Dienstboten. 
— Postalisches. Zurzeit bestehen in Schöneberg 
Z Reichspostanstalten. Das Hausttpostamt Nr. 1 befindet 
sich in der Hauptstraße 26/27, das Postamt 2 befindet sich 
Hauptstraße 5/6, das Postamt 3 Hauptstraße 57. Ferner 
bestehen die Postämter Nr. 30 in der Neuen Winterfeldt- 
straße 14, und Nr. 91 in der Barbarossastratze 5 z. Die 
Zahl der beim Hauptpostamt beschäftigten Beamten beträgt 
gegenwärtig etwa 150. Nach der letzten Statistik sind im 
Laufe des Jahres eingegangen 9 204 400 Briefe, Post 
karten usw. 221 205 Pakete ohne, 1090 Pakete mit Wert 
angabe und 5622 Briese mit Wertangabe. Die Zahl der 
aufgegebenen Briefe usw. betrug 16 919 700. Der Betrag 
der aufgelieferten Postanweisungen stellte sich auf 8 782 552 
Mark, während 9 529 894 M. ausgezahlt wurden. Die 
Zahl der aufgelieferten Telegramme belief sich auf 32 627, 
der eingegangenen auf gegen 50 000 Stück. 
— Firmeneiutragung. Selten & Co., Gesell 
schaft mit beschränkter Haftung: Die Vertretungsbefugnis 
des Geschäftsführers Kaufmanns Detmund Selten in 
Schöneberg ist erloschen. 
Berlin und Wororte. 
8 Das Projekt der Fortführung der Hochbahn 
nach dem Spittelmarkt wird gegenwärtig umgearbeitet, da 
für diese Erweiterungsstrecke, wie gemeldet, eine neue 
Linienstcherung beabsichtigt wird. Wir haben die Tracen- 
Änderung bereits kurz mitgeteilt, sind aber heute in der 
Lage, dem noch Folgendes hinzufügen zu können: Nach dem 
neuen Projekt wird die Bahn von der Voßstraße aus die 
Mohrenstraße nun bis zum Gensdarmenmarkt verfolgen; 
hier schwenkt sie von der Südseite des Platzes in die 
Markgrafenstraße ein, wobei sie zugleich, oberhalb liegend, 
den Tunnel der städtischerseits geplanten Unterpflasterbahn 
„Nord-Süd" kreuzen wird. Von der Markgrafenstraße soll 
dann die Bahn in die Taubenstraße eingeführt werden. 
Dies geht indeß nicht so ohne Weiteres, da sich hier eine 
scharfe, aus betriebstechnischen Gründen unerwünschte Kurve 
ergeben würde. Diese kann nur dadurch abgeschafft werden, 
daß man den Tunnel unter das Eckgrundstück, Markgrafen 
straße 45 (Taubenstraße 19), verlegt. Hier wird gegen- 
wärtjg ein Neubau aufgeführt, der Eigentümer, Bauunter 
nehmer Theissing, hat sich nun bereit erklärt, an der Ecke 
des Neubaues die Fundamentmauern breit auszusperren, 
daß zwischen denselben der zweigleisige Tunnelbau aus 
geführt werden kann. Von der Taubenstraße führt die 
Bahn nach dem Hausvoigteiplatz, woselbst sie die nach dem 
Südosten der Stadt geplante städtische Unterpflasterbahn 
kreuzen würde, um dann in die Niederwallstraße einzu 
schwenken. Datz diese für einen Bahnbau keinen günstigen 
Boden bietet, haben wir früher bereits angedeutet; ihre 
Breite, knapp zehn Meter, gestattet aber eben noch die 
Verlegung des acht Meter breiten Tunnels. Nur am 
Spittelmarkt, wo die Straße nicht einmal dies Breitenmaß 
besitzt, würde daS Projekt scheitern, wenn nicht begründete 
Aussicht vorhanden wäre, wenigstens an dieser Stelle die 
Niederwallstraße etwas zu verbreitern. Das dem Kommerzien 
rat Vogel-Dresden und dem Kaufmann Tretropp gehörige 
Haus Niederwallstraße 23 wird zu dem behufe etwas be 
schnitten werden müssen, entweder im Wege freier Ver 
einbarung oder im Wege der Enteignung. Es würde 
dann in der ,Baufluchtlinie der übrigen Häuser der Nieder 
wallstraße liegen und dem Tunnelbau keinerlei Hindernis 
mehr bieten. Die auf dein Hausvoigteiplaß in Aussicht 
genommene Haltestelle, welche ohnehin etwas zu nahe an 
der geplanten Station Spittelmarkt liegen würde, muß 
bet der neuen Linienführung fortfallen und die zwischen 
Wilhelmsplatz und Spittelmarkt einzuschaltende Haltestelle 
etwa in die Tauben- oder Mohrenstraße zurückoerlegt 
werden. Im September hofft die Gesellschaft das neue 
Projekt den städtischen und staatlichen Behörden zur Ge 
nehmigung vorlegen zu können. 
§ Zu „Magistrats-Bauräteu" sind, wie kürz 
lich gemeldet, 17 unserer 24 Stadtbau-Jnspektoren vom 
Magistrat „ernannt" worden. Abgesehen von den beiden 
Chefs der städtischen Bauverwaltung, Hoffmann und Krause, 
von denen nur der erstere den Titel „Königlicher" Baurat 
zu führen berechtigt ist, befinden sich unter den höheren 
Baubeamten der Kommunalverwaltung sieben Königliche 
Bauräte, an ihrer Spitze die Direktoren der Wasser- und 
Kanalisationswerke, Beer und Adams. Die übrigen fünf, 
welche diesen Titel führen, gehören jenen 17 Bauinspektoren 
an, welche soeben zu „Magistratsbauräten" „avanciert" 
sind. Sie haben damit nichts gewonnen, denn im gewöhn 
lichen Verkehr pflegt man sie, nach wie vor, mit „Baurat" 
anzureden, wobei ein Unterschied zwischen dem staatlichen 
und städtischen Titel nicht gemacht wird. Begreiflicherweise 
ist ihnen an der „Rangerhöhung" auch nichts gelegen und 
so sagte denn kürzlich einer dieser „Magistratsbauräte", 
als ihn Jemand gratulierte und nach dem Werte des 
neuen Titels forschte, recht trocken: „Der andere ist mir 
lieber." 
8 Die Berliner Automobil-Droschken entsprechen 
zweifellos einem öffentlichen Bedürfnisse, das beweist die 
rege Nachfrage nach diesen Fahrzeugen, deren Zahl für eine 
Weltstadt zur Zeit freilich noch eine sehr geringe ist, Trotz 
dem werden schon seit einiger Zeit Klagen laut über das 
außerordentliche Geräusch, das mit dem Betriebe gewisser 
Systeme verbunden ist. Die Berechtigung dieser Beschwerden 
wird in behördlichen Kreisen durchaus anerkannt, man will 
aber diesem noch jungen Industriezweige eine gewisse 
Schonzeit gönnen. Tatsächlich ist ja auch die Kraftwagen 
bautechnik bestrebt, diesem Mißstände nach Kräften zu be 
gegnen. Die elektrisch betriebenen Fahrzeuge haben be 
kanntlich einen weit ruhigeren Gang, auch machen sie sich 
durch keinerlei üble Gerüche lästig. Es ist daher mit 
Freude zu begrüßen, daß sich eine Gesellschaft gefunden 
hat, die den automobilen Fuhrpark Berlins nicht allein 
vermehren, sondern dem Publikum auch Wagen zur Ver 
fügung stellen will, welche allen Anforderungen an Be 
quemlichkeit und Eleganz, sowie auch den berechtigten 
Wünschen der Anwohner und Straßenpassanten Genüge 
leisten. Tie Gesellschaft hat jetzt die Konzession zum 
Betriebe elektrischer Droschken beim Polizei-Präsidenten 
eingereicht und diese dürfte ihr auch ohne Weiteres erteilt 
worden. Selbstverstündlich wird sich dieser erste Versuch 
in mäßigen Grenzen halten und die Gesellschaft nicht so 
unklug sein, auf den ersten Hieb, wie behauptet wurde, 
300 Fahrzeuge einzustellen, vorerst wird es sich, wie wir 
hören, nur um die Einstellung von 10 elektrisch betriebener 
Droschken handeln. 
8 Im Dom ist jetzt das dritte Chorfenster, das die 
Auferstehung Christi darstellt, bis auf zwei Teile eingesetzt 
worden, deren Anbringung erst später erfolgen kann. Auf 
ihnen sind nämlich zwei Engel abgebildet, an deren Köpfen 
noch eine Veränderung vorgenommen werden muß. Vor 
den beiden anderen Chorfenstern sind Gerüste aufgeschlagen 
worden, da sie noch einmal sorglich verkittet werden. Ein 
jedes dieser großen Fenster besteht aus dreimal 15 Teilen, 
die hintereinander gesetzt werden. 
8 Die Freigebung des Schlosses Bellevue für 
das Publikum erinnert an ein anderes königliches Schloß 
bei Berlin, das vollständig vergessen dasteht und schon seit 
langer Zeit außer dem Kastellan keines Menschen Fuß 
betreten hat. Es ist das Lustschloß zu Nieder-Schönhausen, 
das im Anfang des 18. Jahrhunderts durch den Berliner 
Schloßbaumeister Eosander von Goethe, dem Nachfolger 
Schlüters, errichtet wurde und in dem lange Jahre hin 
durch die Gemahlin Friedrichs des Großen wohnte. Es 
dient jetzt nur noch als Aufbewahrungsort von solchen 
Gegenständen, die in anderen königlichen Schlössern ent 
behrlich geworden sind, und darf deshalb nicht mehr, wie 
in früheren Jahren, vom Publikum besichtigt werden. 
Von den Bildsäulen, die einst in der Umgebung des 
Schlosses standen, hat manche durch den Zahn der Zeit 
stark gelitten und ist herabgenommen worden. In seiner 
alten Schönheit aber prangt noch der Schloßpark mit 
seinem prächtigen Baumbestände, wie er in solcher Nähe 
Berlins kaum seinesgleichen hat. Der Garten wird von 
der Panke durchflossen, die hier noch ein klares, freund 
liches Gewässer ist. 
8 Eine eigenartige Bekrönung der Anschlag 
säulen an verkehrsreichen Stellen, so am Berliner Rat 
hause, auf dem Spittelmarkt neben der Normaluhr rc. er 
regt seit einigen Wochen die Neugier und auch die Spott 
lust der Vorübergehenden. Mitten auf den Säulen erblickt 
man einen blechernen Aufsatz, der, flüchtig betrachtet, den 
Eindruck eines Schornsteinaufsatzes oder eines hohen Müll 
eimers macht. Bei gutem Wetter ist der obere Deckel des 
Gefäßes weit geöffnet, bei Regenwetter wird er mittelst 
einer Schnur herabgelassen. Um dem Winde Widerstand 
zu leisten, ist das Blechgefäß mit Stricken sän dem oberen 
Kranzeder Säule befestigt. Man denkt zunächst an ein 
Ventilationsrohr für die Säule in deren Innerem ja 
feuchter Sand rc. aufbewahrt.zu werden pflegt. Diese 
naheliegende Erklärung ist indeß irrig; es handelte sich 
vielmehr um eine medizinalstatistische Vorrichtung, welche 
den Nachweis bezweckt, in welchem Maße sich Krankheits 
erreger durch Vermittelung des aufgewirbelten Straßen 
staubes verbreiten können. Im Inneren des Blechzylinders 
befindet sich nämlich eine präparierte Glasplatte, welche 
den einfallenden Staub und ' die in ihm enthaltenen 
Mikroben gleichsam fixirt. Die Platten werden täglich 
von Bakteriologen untersucht und über das Resultat Buch 
geführt. Über Nacht werden die eigentümlichen Apparate 
von den Säulen entfernt. 
8 Selbstmordversuch. Mit Platzpatronen in den 
Mund geschossen hat sich in selbstmörderischer Absicht daS 
22jährige Dienstmädchen Margarete P. aus der Fasanen- 
straße. Das Mädchen, dessen Herrschaft im Bade weilt, 
hatte den Besuch seines Bräutigams erhalten und war 
mit diesem in Streit geraten. Als er sich entfernte, nahm 
sie den an der Wand hängenden, blindgeladenen Revolver 
ihres Herrn und schoß sich, in dem Glauben, daß die 
Waffe scharf geladen sei, zweimal in den Mund. Die 
Wirkung der Platzpatrone war immerhin so stark, daß die 
Bedauernswerte durch die Unfallstation XI dem Kranken 
hause Westend zugeführt werden mußte. - 
8 Auf der Straße erschossen. Großes Aufsehen 
verursachte gestern Nachmittag am Görlitzer Bahnhof der 
Selbstmordversuch des 29jährigen Kaufmanns Josef B. 
aus Köln, der sich eine Kugel in die Brust jagte. Ge 
täuschte geschäftliche Hoffnungen gelten als Motiv der Tat. 
Der Zustand des Verwundeten ist bedenklich. 
Schmargendorf. Zu dem tödlichen Unfall, bei dem, 
wie wir gestern berichteten, das Töchterchen des Rektors 
Wehmeyer von einem Bierwagen der Schöneberger Schloß 
brauerei überfahren und getötet wurde, wird uns gemeldet, 
daß der Bierfahrer Karl Starke verhaftet und in daS 
Untersuchungsgefängnis eingeliefert wurde. Es wird ihm 
zur Last gelegt, daß er durch unvorschriftsmäßiges Fahren, 
weil er in kurzem Bogen und im Trabe um die Ecke bog, 
den Tod des Kindes verschuldet habe. Er entschuldigt sich, 
daß er durch Arbeiten von Kanalisationsreinigern ver 
hindert war, die vorgeschriebene Straßenseite zu benutzen. 
Das kleine Mädchen wollte zu einer Freundin nach der 
andern Seite hinüberlaufen. Als der Bierwagen kam, 
rief das beaufsichtigende Dienstmädchen ihm zu, eS solle 
dableiben. Auf diesen Anruf aber lief es gerade zurück 
und in sein Verderben. 
Südeude. Ein schwerer Unglücksfall hat sich gestern 
früh bei Südende auf der Eisenbahn zugetragen. Der 
26 jährige Maschinenheizer Friedrich Mangelsdorf aus 
Charlottenburg, Sophie Charlottenstraße 24, fiel während 
der Fahrt von der Maschine eines Personenzuges, als 
dieser soeben Südende passiert hatte. Mit schweren 
Schädelverletzungen wurde der Verunglückte in dem sofort 
angehaltenen Zug bis zur nächsten Station nnd von dort 
in einem Krankenwagen nach dem Kreiskrankenhaus Groß- 
Lichterfelde gebracht. 
Gerichtliches. 
P. Wege« einen überaus nichtswürdigen Diebstahl war 
Anklage gegen den bereits wegen Diebstahls vorbestraften Maurer 
Paul Lehmann, aus Echöneberg, erhoben. Bor dem Bettiner Schöffen- 
gericht mußte sich Lehmann, deshalb verantworten. Am 1. Mai d. I. 
hat der Angeklagte aus einer Baubude in Friedenau einen Sack mit 
Handwerkszeug, temlln der Handjerystr. 45 wohnhaften Maurer Dußner 
und dem Putzer Karst gehörig gestohlen. Die Bestohlenen waren in- 
folgedeffen nicht im Stande arbeiten zu können, weil ihnen ihr Hand- 
werkszeug fehlte. Auf einem Felde in der Nähe des Tatortes war 
der Dieb beobachtet worden, aW er das gestohlene Handwerkszeug 
sortierte, das für ihn brauchbare im Sack stecken ließ und daS für ihn 
unbrauchbare fortwarf — Bor dem Schöffengericht war L. geständig, 
jedoch behauptete er, er sei irrtümlich in den Besitz des Handwerks- 
zeuges gelangt, weil er erst glaubte, es sei sein eigenes. Dieser An 
gabe widersprachen indessen die vernommenen Belastungszeugen, 
welche bekundeten, daß sie den Angeklagten auf dem Felde beobachte, 
ten als er die brauchbaren Stücke von den Unbrauchbaren sonderte. 
Der Angeklagte erhob nunmehr den Einwand, er sei bei Begehung 
des Diebstahls betrunken gewesen, sonst hätte er „die Sache nicht ge 
macht. " Nach landläufigen Brauch ist aber Trunkenheit an sich keine 
Strafausschließungsgrund. Ter Staatsanwalt beantragte daher 2 
Wochen Gefängnis. Das Urteil des Gerichtshofes lautet auf 8 Tage 
Gefängnis. 
vermischtes. 
' Der Orientiernngsfin« der Brieftauben ist noch immer 
nicht ergründet. Man hat ihn auf das scharfe Gesicht dieser Tiere 
zurückgeführt, doch ist festgestellt, daß Tauben im Dunkeln schlechter 
sehen, als der Mensch und wenn auch die gefiederten Schnellsegler bei 
hohem Fluge wirklich meilenweit sehen können, so folgt daraus noch 
nicht, daß sie auf diese Weise den Rückzug zu dem oft Hunderte von 
Meilen entfernten heimatlichen Schlag wiederfinden können. Daß das 
Gesicht eine unwesentliche Rolle spielt, haben Versuche erwiesen, die 
unlängst im Loiredepartement vorgenommen wurden. In Cerenes 
wurden eine Anzahl Brieftauben Abends nach 10 Uhr bei bedecktem 
Himmel und solcher Dunkelheit aufgelassen, daß man nur wenige 
Meter weit sehen konnte. Kaum 20 Minute» nach ihrer Freilaffung 
hatte die erste Taube ihren 80 Kilometer entfernten Heimatsort 
Roanne erreicht und bis Mittewacht war ihr schon die Hälfte ihrer 
Reisegenossinnen gefolgt. Die übrigen Tauben fanden sich morgens 
ein. Für Kriegstauben ist diese Erfahrung insofern wichtig, als sie 
bei Nacht nicht geschossen werden können. Zugleich aber bestätige« 
diese Versuche die Annahme, daß der Orientiewngssinu der Tauben 
auf einer Eigenschaft bewht, die dem Menschen abgeht. 
' Chinese nnd Elektrizität. Die Fertigstellung der elektrischen 
Straßenbahn in Peking sieht bevor und nun hat sich unter der Be- 
völkerung hartnäckig das Gerücht verbreitet, fünfhundert Chinesen 
köpfe seien nötig und müßten unter dem Gebäude der Kraftstatiou 
begraben werden, bevor die Trambahn gehen könnte. Die Folge ist, 
daß seit der Zeit Abends und Nachts kein einziger Kuli für eine 
Fahrt nach den Vororten zu haben ist. 
, Wa» ist absurd. Wenn ein „Heller" Kopf „dunkles" Haar 
hat; wenn ein „Vater" seinen Sohn „unverwandt" ansieht; wenn et« 
„aufgewecktes" Kind „schläft"; wenn eine dumme „GanS" „Hühner 
augen" hat; wenn ein „Tauber" daS „Gras" wachsen hört; wenn sich 
einem „Kahlkopf" die Haare „sträuben". 
* Bache. Köchin einer Primadonna zu ihrem Geliebten: „Du 
kannst Dir gar nicht vorstellen, was für ein schmutziger Geizkragen 
meine Gnädigste ist!«Ich räch mich aber dafür! Jedesmal, wenn sie 
nicht zu Hause ist, sing' ich mit meiner blechemen Stimme laut zum 
Fenster hinaus, damit die Leute glauben sollen, die Gnädige fingt so 
miserabel!" 
Geschäftliches. 
WM" Astrachan-Caviar, fein und frisch, empfiehlt die be- 
kannte Weinhandluna Gebr. Habel, Hauffstr. 12, worauf hiermit 
alle Feinschmecker besonders aufmerksam gemacht werden. 
Hierzu eine Beilage.
        
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