Path:
Periodical volume Nr. 182, 05.08.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Gleichzeitig Organ für den Hriedenauer Grtsteil von Schoneberg nnd den Bezirksverein Süd - West. 
Unparteiische Zeitililg für Kommnnale 
Bezugspreis 
bei Abholung aus der Expedition, Rhein- 
K 15,1,20 M. vierteljährlich; durch Boten 
,»aus gebracht oder durch die Poit be 
zogen l M. 50 Pf., monatlich 50 Pf. 
Bestellungen 
in der Expedition, bei sämtlichen Zeitnngs- 
spediteuren und Postanstalten. 
Fernsprecher: Nr. 129. 
Erscheint täglich abends 
Besondere 
Jeden Mittwoch: 
Witzblatt „Seifenblasen". 
Druck und Verlag von 
Leo Schultz in Friedenau. 
nnd bürgerliche Angklegkicheiieii. 
Erscheint täglich abends 
Beilagen 
Jeden Sonnabend: 
Wlcitter für deutsche Krauen. 
Verantwort!. Redakteur: 
Leo Schultz in Friedenau. 
Anzeigen 
werden bis 1 Uhr mittags angenommen. 
Preis der 5 gespaltenen Zeile oder deren 
Raum 25 Pf. 
Die Reklamezeile kostet 60 Pf. 
Anzeigenannahme 
in der Expedition, Rheinstraße 15, sowie 
in allen Annoncenexpeditionen. 
Fernsprecher: Nr. 129. 
gte. 182. 
Friedenau, Sonnabend den 5. August 1905. 
12. Iahrg. 
den finnischen Schären erscheinen sollten. — In der 
gestrigen zweiten Konferenz in Peterhof wurden 38 Para 
graphen des Bulyginschen Verfassnngsentwurfes ange 
nommen. 
Das Ministerium des Innern recherchiert, ob jene 
auswärtigen Blätter, welche in der letzten Zeit sensationelle 
Nachrichten über die Lage im Innern Rußlands gebracht 
haben, tatsächlich Korrespondenten in Rußland haben. 
Der Zar hatte eine Besprechung mit Jgnatiew, 
Trepom, Chilkow und Bulygin, in welcher die Maßnahmen 
erörtert wurden, welche ergriffen werden müßten, falls es 
zu einer allgemeinen Volkserhebung kommen wird. 
Paris. Der Neuyorker Korrespondent des „Mattn" 
berichtet: Herr von Witte steht seit seiner Ankunft in 
Neuyork in Verbindung mit Journalisten. Die pessimistischen 
Ansichten sind bei ihm noch immer vorwiegend. In einer 
Unterredung versicherte er dem Korrespondenten, nuß man 
sich kein endgiltiges Urteil bilden könne, solange nicht die 
japanischen Bedingungen bekannt seien. Heute wird Herr 
von Witte wahrscheinlich von denselben Kenntnis erhalten, 
und zwar anläßlich eines Diners beim Präsidenten 
Rovsevelt. Witte erklärte noch, er gehe zur Konferenz 
mit dem aufrichtigen Wunsche, ein Ergebnis zu erzielen. 
Gelingt dies nicht, so sei das nicht die Schuld Rußlands. 
London. Der englische Automobilklub beschloß, sich 
nicht um den Gordon-Bennett-Pokal im Jahre 1906 zu 
bewerben. v 
London. Es ist unmöglich, an amtlichen Stellen 
eine Bestätigung der Wiener Meldung zu erhalten, wonach 
eine Zusanimenkunft Kaiser Wilhelms mit König Eduard 
eplagnt sei. 
Bom Rufisch-Japanischen Kriegsschauplatz. 
Tokio. Die Front des Generals Liniewitsch erstreckt 
sich auf eine Entfernung von 500 Kilometer, und zwar 
umfaßt diese Linie den Tumenfluß, den Amur und die 
Küste bis Wladiwostok. Die Ankunft neuer Truppen 
abteilungen aus Europa gab Anlaß zu Differenzen zwischen 
Liniewitsch und seinem Generalstabe. Liniewitsch verlangt, 
daß alle Truppen an die Front gebracht werden, um eine 
größere Tätigkeit zu entfalten, während der Generalstab 
für starke Reserven eintritt. 
Wichtige Krankenkassenentscheioung. 
Eine sehr beachtenswerte Entscheidung hat der 2. Senat 
des Oberverwaltungsgerichts getroffen. Es handelt sich 
darum, ob die Träger (Vorstandsmitglieder) der Kranken 
versicherung Kassenmittel für die Entsendung von Ver 
tretern zu Beratungen von Verbänden, Kongressen usw., 
die sich mit anderen als den gesetzlichen Aufgaben der 
Krankenversicherung befassen, verbrauchen dürfen. Das 
Oberverwaltungsgericht hat dahin entschieden, daß Gelder 
der Krankenkassen zu obigen Zwecken nicht verwendet 
werden dürfen. Die Entscheidung datiert vom 13. April 
d. I. und lautet wie folgt: 
Die Ortskrankenkaffe für usw. in N hat am 29. April v. Js. 
beschloffen, dem § 40 ihres Statuts folgende Fassung zu geben. 
Die Mitglieder des Vorstandes verwalten ihr Amt als Ehren 
amt. Für den durch Wahrnehmung der VoiftaudSgeschäfte ihnen 
erwachsenden Zeitverlust und entgehenden Arbeitsverdienst erhalten 
a) die Vorstandsmitglieder 2 Mark pro Sitzung und Kassen- 
revision. Außerdem 
b) der Vorsitzende 20 M. pro Monat und 
c) der Schriftführer 10 M. pro Monat. 
Auch werden diejenigen Kosten ersetzt, welche durch die Beteiligung 
an Veranstaltungen sozialpolitischer Art (Kongressen) zur Bekämpfung 
von Tuberkulose, Alkoholismus, Geschlechtskrankheiten und sonstigen 
Volksseuchen, Behandlung der Wohnungsfrage usw. entstehen. Die 
Aufwendungen für diese Zwecke dürfen den Betrag von 1500 Mark 
pro Jahr nicht übersteigen. 
Nachdem der Bezirksausschuß die Genehinigung durch Beschluß 
versagt hatte, beantragte die Kaffe den § 40, wenn er in der neuen 
Fassung nicht ganz genehmigt werden könne, unter Ausschaltung der 
Worte „Veranstaltungen sozialpolitischer Art" zuzulassen. 
Durch Urteil vom 25. Oktober genehmigte der Bezirksausschuß 
den eisten Absatz des § 40, dagegen hielt er für den zweite» Absatz 
an der Versagung der Genehmigung fest. 
Die Revision der Kaffe ist nicht begründet. 
Das Krankenversicherungsgesetz verbietet in § 23 Absatz 2 die 
Aufnahme von Satzungen in das Statut, die mit dem Zweck der 
Kaffe nicht in Verbindung stehen oder gesetzlichen Vorschriften zuwider 
laufen. Soweit Satzungen, wie die hier streitige, daL Ausgaberecht 
der Kaffe betreffen, ist ihre Zulässigkeit insbesondere auch unter 
Berücksichtiaung des § 28 Absatz 2 zu prüfen, der dahin lautet: 
„Zu ankeren Zwecken als den statutmäßigen Unterstützungen, der 
statutmäßigen Ansammlung und Ergänzung des Reservefonds und 
Deckung der Verwaltungskosten dürfen weder Beiträge von Mit 
gliedern erhoben werden noch Verwendungen aus dem Vermögen der 
Kasse erfolgen." Der Sinn dieser Vorschrift ist, daß den Kaffen zu 
anderen als den hier angegebene» Zwecken sowohl die Erhebung von 
besonderen Beiträgen^ wie auch die Verwendung der zulässigen 
Beiträge und allersßnstigen Einnahmen, wie Ordnungsstrafen, 
Zinsen usw. untersagt wird. Was von den gesamten Einnahmen für 
die statutmäßigen Unterstützungskosten nicht'verbraucht wird, ist dem 
Reservefonds zuzuführen. 
Für die Zulässigkeit der beanstandeten Satzung beruft die Kaffe 
sich darauf, daß die Kongresse, an denen sie sich durch Entsendung 
von Mitglieder oder Beamten beteiligen will, auf die Verhütung der 
Entstehung und Verbreitung von Volksseuchen und anderen Krank 
heiten abzielen. An der Förderung ihrer Bestrebungen seien die 
Kassen insofern wesentlich beteiligt, als deren Verwirklichung zu einer 
Minderung der Erkrankungsgefahr und damit auch der Ansprüche an 
die Kaffen führen würde. 
Die Kaffe beabsichtigt danach nicht, derartige Bestrebungen ihrer 
seits durch Zuwendungen an die Mitglieder zu fördern, um ihnen vor 
beugende Maßnahmen gegen Erkrankung zu ermögliche». Dies verstieße 
auch gegen das Gesetz. 
Statutenmäßige Unterstützungen sind im Sinne des Gesetzes nur 
insoweit zulässig, als es sich hierbei um Leistungen handelt, zu denen 
die Kassen durch das Gesetz ihren Mitgliedern gegenüber verpflichtet 
oder doch ermächtigt worden sind. Als solche dem eigentlichen Zweck 
des Gesetzes entsprechende Leistungen kommen die zeitliche Unterstützung 
erkrankter Mitglieder oder Angehöriger derselben, von Schwangeren 
und die Gewährung von Sterbegeld in Betracht. Hierüber hinaus 
sind die Kaffen zur Unterstützung ihrer Mitglieder aus der Rücksicht 
einer weiteren Gefährdung ihrer Gesundheit vorzubeugen nur insofern 
ermächtigt, als sie erkrankten Mitglieder», die trotz des Bezuges der 
Krankenuntcrstützung ihre volle Genesung nicht erlangt haben, 
während der Dauer der Wiedergenesung eine Fürsorge nach ihrem 
Ermessen zuteil werden laffen dürfen (siehe § 21 Nr. 3 a und die 
Begründung hierzu, auch § 46 Nr. 3). 
Die Gewährnng von Unterstützungen an die Mitglieder zum 
Zweck ihrer Bewahrung vor dem Eintritt von Krankheit oder Er 
werbsunfähigkeit ist den Kassen in Ermangelung einer besonderen ge 
setzlichen Ermächtigung, wie sie den Jnvalidenversicherungsanstalten 
erccilt worden ist, verjagt. 
Die Kaffe hat nach ihrer Erklärung auch sonst nicht die Absicht, 
die Erfahrungen, die ihre zum Besuch von Kongrcffen entsandten 
Depeschen. 
Mannheim. Die am verflossenen Montag im 
städtischen Gaswerk erfolgte Explosion hat gestern zwei 
weitere Opfer gefordert. Maschinenmeister Becker nnd der 
Schlosser Stollberg sind im Krankenhanse gestorben. Es 
sind nunmehr 3 der Verunglückten gestorben, die übrigen 
schweben noch in Lebensgefahr. 
München. Die „Äugsb. Abendztg." teilt mit, daß 
seit mehreren Wochen zwischen den einzelnen Gruppen 
der süddeutschen Textilindustriellen Verhandlungen statt 
finden, die auf gemeinsame Einführung des Zehnstunden 
tages unter entsprechender Lohnerhöhung hinzielen. Der 
Anstoß hierzu ist von der Augsburger Textilindustrie aus 
gegangen. 
Innsbruck. Bei Bruneck fuhr ein von Wien 
kommendes Automobil gegen .einen Chausseestein und 
wurde zertrümmert. Von den Insassen wurde Ingenieur 
Gintsch getötet, die übrigen verletzt. 
Wien. Der bekannte SchriftstellerPanl vonSchönthan 
ist gestern gestorben. 
Budapest. Die Steuereingänge werden immer 
geringer. Nach dem gestern erschienenen Ausweis wurden 
in Budapest im Semester 1905 an Staatssteuern 
9 963 915 Kronen gegen 15 183 204 Kronen im Vorjahre, 
bezahlt. Der Ausfall beträgt 5 224 239 Kronen. In der 
Provinz sieht es natürlich noch trauriger aus. 
Bukarest. Jene Offiziere und Unteroffiziere, welche 
bei Besetzung des „Potemkin" sich durch taktvolles, aber 
energisches Auftreten ausgezeichnet haben, erhielten vom 
König Auszeichnungen, die ihnen vor versammelter Mann 
schaft übergeben wurden. 
Petersburg. Die letzten Konzessionen, welche der 
Zar und die Minister in Angelegenheit der Semstwos- 
vertretung zugestanden haben, sollen, wie verlautet, 
ziemlich wichtig sein. Die Regierung habe die nicht un 
begründete Hoffnung, daß sie den Wünschen der Semstwos 
entgegenkomme. Bei den letzten Konferenzen handelte es 
sich darum, einen endgiltigen Entschluß zu fassen, mit der 
Vergangenheit zu brechen und den Zeitverhältnissen 
Rechnung zu tragen. Man erörterte weniger die Art der 
künftigen Volksvertretung als vielmehr das Prinzip einer 
Verfassung überhaupt. Nachdem sich die Mehrheit der 
Konferenz für eine solche ausgesprochen hat, soll nunmehr, 
wie von unterrichteter Seite bestätigt wird, die Ent 
schließung der Regierung bestimmt am 12. August, dem 
Geburtstage des Thronfolgers, veröffentlicht werden. 
Hier zirkulieren Gerüchte, daß am 12. August ein 
Amnestieerlaß für religiöse und politische Vergehen ver 
kündet werden soll. 
Die „Nowoje Wremja" ist der Ansicht, daß die 
englische Flottendemonstration in der Ostsee sich nicht 
gegen Deutschland, sondern gegen Rußland richte, welches 
zum Nachgeben bei den Friedensverhandlungen gezwungen 
werden soll. Die Engländer sollen aber, so fährt das 
Blatt weiter fort, Acht geben, daß sich kein zweiter Hüller 
Zwischenfall ereignet, falls britische Schiffe ungebeten in 
«Sie Mache iß mein." 
Kriminal-Roman von L. Haid heim. 
21. (Nachdruck verboten. Älle Rechte vorbehalten.) 
Schon in den nächsten Tagen wollte Ducetti ins Ausland 
reisen; — er hatte sich dazu einen kaufmännisch gebildeten 
Begleiter engagiert; — darüber kam das Gespräch aus Leo 
Sordegna, der im Spätherbst sein letztes Examen zu machen 
hatte. 
Ducetti stand bald nachher neben Irene. Die beiden 
Mädchen hatten sich mit den Halsketten geschmückt, zum 
ersten Mal trug sie ein so wertvolles Stück, und in echter 
Mädchenweisc strahlte sie vor Freude darüber. 
Da beugte er sich zu ihr hin und sagte, als sei dies das 
Selbstverständlichste von der Welt: „Wenn ich von der Reise 
zurückkomme, kehren wir in die Stadt zurück, Irene, und 
dann soll unsere Hochzeit sein." — 
So lange sie in seinem Hause lebte, hatte er nie wieder 
mit einem Wort ihre Verheiratung berührt, neben ihr hin 
gelebt wie etwa ein Vater und sie glauben lassen, er sei 
von dieser Absicht zwar zurück gekommen, betrachte sie aber in 
seinen: großen Edelmut völlig als seine Schutzbefohlene. 
Sie blieb wie versteinert vor Schrecken zurück. Was sie 
in Ron: mit völlig freiem Herzen ihm bereitwillig zugestanden: 
die Seine zu werden — das hatte seitdem ein ganz anderes 
Gesicht gewonnen, das war einfach jetzt unmöglich. 
Sie hätte laut aufschreien und ihm zurufen mögen: 
Nein! nein! nein! 
Er aber hatte sich abgewandt und Donna Laura zu, die, 
unruhig werdend über seine Vertraulichkeit mit Irene, ihn 
plötzlich allerlei Dringendes zu fragen wußte. 
Irene Sordegua schrie auch nicht aus. In der harten 
Schule der Marchcsa lernte sie gründlich ihre eigenen Gefühle, 
Ansichten, Wünsche so tief als möglich zu verbergen; — hier, in 
der steten Furcht, sich ihre Stellung im Hause zu verderben, 
hatte sie fortgefahren, sich in dieser schweren Kunst zu üben. 
Also lächelnden Mundes den Sturm drinnen aushalten! 
Froh sein, daß nur jetzt nicht gerade jemand sie anredet, sie 
wohl gar zum Singen bittet! 
Nein! Sie kann ihn nicht heiraten! Sic kann's nicht! 
Er ist ein alter Alaun und sie ist jung! Sein Herz weiß 
von ihren Wünschen nichts; — das ihre aber hat jetzt gelernt, 
zu lieben! Palmieri zu lieben! 
O, und wie liebt sie „ihn!" Still, ganz heimlich, denn 
man wird sic sonst mitleidlos aus den: Hause setzen! — Ganz 
verstohlen liebt sie ihn, liebt ihn glühend, und er liebt sie 
auch — er, Constanzes Bräutigam. 
O, wie sie diese „kleine Eon" beneidet! Aber „Con" ist 
jetzt reich, sie hält in ihrer kleinen Hand einen Schlüssel, der 
ihr und ihren: Galten das Leben mit aller Lust und allein 
Glanz weit austut. 
Und Palnüeri? Ist er so edel, so hochsinnig, so ehren 
fest, daß er sie deshalb all diese Zeit gemieden, um der „kleinen 
Con" treu zu bleiben? Oder ist auch er klug genug —? 
Denn das weiß sie ja, weiß es mit größter Sicherheit, 
Palmieri liebt nicht „Con", sondern sie, Irene! 
Was würde aber aus ihnen beiden, wenn sie alles von 
sich würfen, jedes Band zerrissen, sich um Ehre und Pflicht 
nicht küinmerlen? Palmieri liebte den Luxus, und sic hatten 
beide nichts! Ein Leben der Misere würde der Lohn der 
Unklugheit sein. 
Ach, was ging in dem schönen, armen Mädchcnkopf vor 
bei solchen Gedanken! Wie schrecklich war dies, bedeutsame 
Ueberlcgcn! Und welche Verzweiflung mußte man tränenlos 
niederschlucken! 
„Es ist gemein, um des Geldes Willen zu heiraten!" rief 
sic sich in wilder Aufregung zu, als sie allein war; „aber 
was soll ich tun?" 
Dienen konnte sie nicht, sie hatte dazu das einfachste nicht 
gelernt, die Geduld in: Ertragen! — Man würde sie von 
Haus zu Haus schicken und jeder Mann, wie in Rom bei der 
Marchesa, sie fühlen lassen . O Gott, nein, das zu 
ertragen, vermochte sie nicht wieder. 
Finster und in sich gekehrt ging sie grübelnd allein. Sie 
und Palmieri vermieden dies:nal das Abschicdnehmen über 
haupt; er war froh, daß sie sich im Walde „verspätete." 
Palmieri hatte Constanze seit der letzten großen Szene 
nicht mehr seine „kleine Con" genannt. Sic hatte ihn zu tief 
in ihr Herz sehen lassen, als daß er ungerührt hätte bleiben 
können, und da er nun fest entschlossen war, sein Wort zu 
halten, gab er sich auch redlich Mühe, sich wieder zu ihr 
zurückzufinden. 
Eine hochachtungsvolle, ruhige Zärtlichkeit war von seiner 
Seite an die Stelle des spielenden Getäiüiels getreten; sie 
c:npfand das dankbar und fand ihn danüt anziehender als 
je zuvor. 
Aber am letzten Abend traf ihn wieder ein Wort Giu- 
lianos, das alle seine Ruhe über den Haufen zu werfen drohte. 
Er rief im Gespräch: „Wovon Irene so blaß ist? Sie hat 
gesagt: Vom Hunger nach einen: bischen Glück!" 
Und wieder — nach langer Zeit zum ersten Mal wie 
der! — trafen sich ihre Blicke. — Ach, und welche Welt von 
Angst und Seelcnpein lag in denen der Heiinlichgeliebten! 
Ohne sie später noch wiedergesehen zu haben, mußte er 
abreisen. Er fühlte sich wie befreit, wie ein Gefangener,
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.