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Periodical volume Nr. 181, 04.08.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Pastor Kleine hielt die Predigt. Prächtige Kranzspenden 
von Freunden und Bekannten wurden an dem Grabe des 
auf so tragische Weise aus dem Leben Geschiedenen nieder 
gelegt. 
P Die Klagen über die Fahrkarten-Antomaten 
auf unseren Bahnhöfen wollen noch immmer nicht ver 
stummen. Es ist in der Tat auch höchst unangenehm, 
wenn man eilig eine Stadtbahn- oder Bahnsteigkarte 
braucht, auch den nötigen Nickel geopfert hat, nun vor 
den stummen Verkäufer steht, der trotz allen Klopfens und 
Rüttelns weder die gewünschte Karte herausgibt, noch das 
Geld zurückerstattet. Solche streikenden Automaten sollen 
jetzt von den Vorstehern der Fahrkartenausgabestellen 
häufiger durch Einwerfen des Fahrpreises kontrolliert 
werden. Das erforderliche Geld haben sie dann von der 
Gesellschaft für automatischen Verkauf zu hinterlegenden 
Beträgen zu entnehmen und die gelösten Karten am 
Schalter weiter zu verkaufen, um jenen Betrag wieder er 
gänzen zu können. Künftig sollen auch solche Automaten, 
die zwar nicht völlig versagen, aber doch unregelmäßig 
und schwerfällig arbeiten, außer Betrieb gesetzt werden. 
Endlich soll, um das Publikum vor Weitläufigkeiten zu 
bewahren, auch das Aufsichts-Personal über das Verfahren 
bei Störungen im Betriebe der Karten-Automaten genau 
unterrichtet werden. 
P Die Erneuerungölose zur 2. Klasse der 213. 
Preußischen Klassenlotterie sind bis zum 7. August Abends 
8 Uhr bei Verlust des Anrechts einzulösen. Die Ziehung 
der 2. Klasse beginnt am 11. August. 
t Vom Botanischen Garte«. Nachdem nunmehr 
der größere Teil des alten Botanischen Gartens, welcher 
bisher dem Publikum als Spielplatz freigegeben war, an 
einen Unternehmer verpachtet worden ist, wird nach 
ministerieller Verfügung der Zutritt zu dem noch im 
Betriebe verbleibenden kleinen Teile der Nord- und West 
seite nur noch solchen Personen gestattet, welche sich im 
Gartenbureau eine Eintrittskarte zum einmaligen Besuche 
des Palmenhauses erbitten. Kinder unter 10 Jahren sind 
vom Besuche ausgeschlossen. Kinder von 10 bis 14 
Jahren haben nur in Begleitung erwachsener Personen 
Zutritt, wiederholter Besuch ist nur Interessenten gestattet. 
Das Palmenhaus sowie das Gartenbureau sind von 12 
bis 1 1 / 2 Uhr geschlossen. Sonntags ist der Garten dem 
Publikum überhaupt nicht geöffnet. Der nene Botanische 
Garten ist bis Ende September an jedem Sonntag, 
Dienstag, Mittwoch und Freitag, Nachmittags von 2 bis 
7 Uhr geöffnet, an anderen Tagen mit Ausnahme des 
Sonntags unter den im Bureau des alten Gartens und 
bei den Pförtnern des neuen Gartens zu erfahrenden Be 
dingungen. Kinder unter 10 Jahren sind auch hier vom 
Besuche ausgeschlossen. 
f Die Deutsche Turnerschaft umfaßt nach der 
letzten soeben bekanntgegebenen Erhebung vom 2. Januar 
dieses Jahres 7296 Vereine mit insgesamt 732 032 er 
wachsenen Vereinsangehörigen beiderlei Geschlechts. In 
972 Frauenabteilungen turnten 31 260 Mitglieder. In 
den von den Vereinen geleiteten Schüler und Schülerinnen 
abteilungen turnten 42 029 Knaben und 18 231 Mädchen. 
Rechnet man diese der Deutschen Turnerschaft zu, so be 
läuft sich ihr Gesamtbestand auf 792 292 Angehörige, also 
nahezu 800 000. Die Höchstzahl erwachsener Turnender 
in Orten mit mehr als 50 000 Einwohnern weist, wie seit 
Jahren, Leipzig auf mit 10 624 Turnern, an zweiter Stelle 
steht Berlin mit 8608 erwachsenen Mitgliedern. Dann 
folgen München mit 7810, Hamburg m.t 7578, Nürnberg 
mit 6261 und Dresden mit 6061. Im Verhältnis zur 
Einwohnerzahl hat das Königreich Sachsen turnerisch die 
dichteste Bevölkerung, nämlich 3,55 Proz., d. h. mit 35 
36 Turnern auf 1000 Einwohner. Dann folgen das 
Oberwesergebiet mit rund 3 Proz., Schwaben und 
Thüringen mit etwas geringerer Dichte. Im allgemeinen 
nimmt die turnerische Bevölkerungsdichtigkeit im nord 
deutschen Flachlande beträchtlich ab. Brandenburg steht 
mit 1,02 Proz., also je 1 Turner auf 100 Einwohner, 
an vorletzter Stelle. Der Nordosten, die Provinzen Ost- 
und Westpreußen umfassend, nimmt mit 0,98 Proz., also 
nicht ganz 1 Turner auf 100 Einwohner, die letzte Stelle 
ein. Es ist leicht ersichtlich, daß die großen Industrie 
städte und Jndustriebezirke die Mittelpunkte der Turnpflege 
sind, während Orte und Bezirke mit vorwiegender Land 
baubevölkerung der Turnsache noch ferner stehen. Es 
würde dies noch kraffer hervortreten, wenn sich die Er- 
Abcr Constanze stand sleifnackig, mit eigensinniger Miene, 
neben ihm und schwieg. 
Palm weis Zorn kochte förmlich. Er hätte dies kindische 
Geschöpf schlagen mögen. Daß seine Braut ein Blick traf, 
wie sie einen solchen von ihm nie gesehen, konnte er nicht 
hindern. 
Inzwischen hatte Irene bereits mit einem kleinen Scherz 
wort die gespannte Stimmung gelöst. Und wenn sie die 
Herzensgute eines Engels gehabt hätte, sie würde haben 
suhlen müssen, welchen Triumph Constanze ihr bereitere. 
Denn jetzt plauderte sie schon, als sei nichts vorgefallen, »ul 
Palinieri, so heiter und ungezwungen ivie nur je; sie redete 
Eonslanze von neuem an, und als diese fortfuhr, uuauS- 
stehlich zu sein, erzählte sie Palmieri, seine arme Braut leide 
sehr viel an schwerem Kopfweh. So tat sie alles, was sie 
konnte, eine Unbefangenheit herzustellen, und sah ent 
zückend ans. 
.Constanze blieb den ganzen Abend so unliebenswürdig 
- Sie fühlte sich wie von einem Dämon beherrscht aber sie er 
schien leider Palmieri auch vollkommen so. 
Irene hatte sich längst wieder entfernt, aber auch das 
hatte ihreic Mißmut nicht gebessert, und vergeblich suchte- 
Palmieri sie zu besänftigen. 
Da schwoll ihm doch von neuem der Zorn. Er durfte 
sich das Zeugnis geben, daß er redlich Selbstüberwindung ge 
übt, aber es ging schließlich doch über seine Geduld, ansehen 
zu müssen, wie seine Braut sich so tief stellte und ihm ganz 
unmöglich machte, Irenes Vorzüge zu übersehen. 
Das Ende des unerfreulichen Abends war, daß er zur 
Strafe für Constanze sich in ein längeres Gespräch mit Irene 
vertiefte, an dem riefe mit keiner Silbe teilnehmen konnte, 
da es sich auf römische Eesellschastsverhältuisse bezog, daun 
auf die von Bologna. 
Irenes Vater hatte in demselben bis zu seinem Tode 
eine große Rolle gespielt; sie war das Kind vornehmer 
Hebung auch auf die außerhalb der Deutschen Turnerschaft 
stehenden Turnvereine mit politischer Tendenz erstrecken 
würde. Welche Bedeutung die turnerische Betätigung für 
die körperliche Tüchtigerhaltung unseres Volkes hat, er 
gibt, die Feststellung, daß im Jahre 1904 nicht weniger 
als 29 601 Turner aus der Deutscherschaft in das stehende 
Heer entlassen morden sind. 
sv. t In dem Konkursverfahren über das Ver 
mögen der Spar- und Darlehnskasse des Deutschen Jn- 
spektorenvereins, Eing. Gen. m. b. H., in Friedenau, soll 
mit Genehmigung des Gläubigerausschusses eine weitere 
(2.) Abschlagsverteilung erfolgen. Hierzu ist ein Bestand 
von 4456,86 M. vorhanden und sind nach den nieder 
gelegten Verzeichnissen zu berücksichtigen 40 Proz. auf 
nachträglich festgestellte Forderungen von 3996,74 M. 
— 1598,70 M. als 1. Verteilung, 10 Proz. auf sämtlich 
festgestellte Forderungen von 28 581,68 M. = 2858,16 
Mark als 2. Verteilung. ' 
f Um Selbstentzündung aufgestapelter Preß 
kohlen zu vermeiden, müssen die Preßkohlenstapel auf 
je zwei Meter Länge Ventilationskanäle in ihrer ganzen 
Tiefe und Höhe erhalten. Diese Kanäle laffen sich leicht 
dadurch herstellen, daß 2 Preßkohlen mit 6 Zentimeter 
Zwischenraum als Läufer und über diese gleichfalls zwei 
Preßkohlen mit demselben Zwischenraum als Binder und 
in der gleichen Weise durch den ganzen Stapel flach hin 
gelegt werden, und zwar dergestalt, daß dadurch nicht nur 
ein senkrechter Luftkanal, sondern auch zwei sich kreuzende 
horizontale Kanäle gebildet werden. Die hierdurch statt 
findende Lasterneuerung erscheint geeignet, die Selbst 
entzündungen der Preßkohlen zu hindern. 
f Die Kohleuversorgung Berlins und seiner 
Vororte im ersten Halbenjahr 1905 weist folgende Resul 
tate auf: Die Zufuhr an den Bahnhöfen und Häfen in 
Berlin betrug an Steinkohlen, Koks und Briketts insge 
samt 1 150 334 To. (davon aus Oberschlesien 642 699 To.), 
der Versand 102778 fTo., verbleiben 1 047 556 To. An 
Braunkohlen und Briketts wurden insgesam 575 422 To. 
zugeführt; der Versand betrug 2617 To., bleiben 572 805 To. 
Die Zufuhr (abzüglich des Versands) an den Bahnhöfen 
und Häfen außerhalb des Weichbildes von Berlin betrug 
an Steinkohlen, Koks und Briketts in der oben angege 
benen Zeit insgesamt 575 001 To., an Braunkohlen und 
Briketts 218 679 To. 
f Ein interessantes militärisches Schauspiel 
war am 29. Juli Abends gegen 8 Uhr auf dem Rangier 
bahnhof Pankow zu beobachten. Ein auf dem Rück 
transport vom Schießplatz in die Garnison befindliches 
Bataillon (mehr als 450 Köpfe) hatte in Pankow kurzen 
Aufenthalt zwecks Verpflegung. Jeder Unteroffizier und 
Mann erhielt außer einem großen Weißbrot und einem 
Stück Wurst noch 1 / a Liter Bouillon. Diese war von der 
Maggi-Gesellschaft aus einem nach patentiertem Verfahren 
hergestellten neuen Produkt, dem gekörnten Bouillon- 
Extrakt zubereitet; sie fand offenbar auch den vollen 
Beifall der Offiziere. Die Verabreichung erfolgte für jede 
Kompagnie an einem besonderen Stand und war binnen 
5 Minuten vollständig erledigt. Neu gestärkt fuhr das 
Bataillon nach einem Aufenthalt von etwa x / 2 Stunde 
weiter der Garnison zu. 
f Sportplatz Zehlendorf. Am kommenden 
Sonntag kommen auf der Radrennbahn Zehlendorf wieder 
Rennen zum Austrag, welche ein großes Interesse beim 
Publikum nicht verfehlen werden. Außer einem Match 
über 20 und 30 Kilometer hinter Motorführung zwischen 
Curt Rosenlöcher, Dresden, und Adolf Schulze-Zehlendorf 
kommt ein Match in drei Läufen zwischen dem Weltmeister- 
Willy Arendt und Willy Bader, letzterer von seiner 
Tournöe aus Frankreich, sowie beide von der Weltmeister 
schaft zurückgekehrt sind, und dem Münchner Fritz 
Kurzmeier zum Austrag. Es ist in diesem Jahre der 
erste Start des Weltmeisters Willy Arendt, welcher sich 
momentan m vorzüglicher Form befindet. 
P Friedenauer Schützengilde. Der Schützenbund 
„Kreis Teltow" begeht am Sonntag den 6. bis Dienstag 
den 8. August das 8. Kreis-Bundes-Königs-Schießen. 
Als Bundesmitglieder wird um recht rege Beteiligung ge 
beten. Die Kameraden versammeln sich um 9 Uhr beim 
Kameraden Gundlach zur Abfahrt mit Fahne nach 
Zossen. 
f Friedenauer Männer-Quartett 1904. In 
der gestern im Vereinslokal „Kaisereiche" stattgehabten 
Elter», in einem vorueliuien Hanse ausgewachsen. Das machte 
er seiner Braut in diesem Gespräche klar, und damit erregte 
er Irenes dankbarste Freude, oie seine Absicht sehr wohl ver 
stand Daß ihre beiderseitigen Sympathien für einander 
wuchsen, merkten sie in dem Moment nicht. Sie vergaßen 
zuletzt, daß sie nicht allein waren, widmeten sich ausschließlich 
ihren von den andern nicht geteilten Interessen, und Constanze 
saß dabei, blaß und blasser, bis sie fast umsank. 
„Sich, was Dein Unverstand angerichtet hat!" flüsterte 
Donna Laura zum Ueberfluß ihrer Nichte zu. Constanze 
haßte sich selbst, haßte Irene aber noch mehr, sie haßt Palmieri 
und alles, was da war. 
„Ich habe nicht nur abscheulich, ich habe dumm ge 
handelt!" rief sie sich zu, als sie in elender Verfassung aufs 
Bett sank. Ohne Kuß, ohne Gruß war sie in ihr Zimmer 
verschivunden, während man aufbrach. 
Donna Laura, die Irene aufrichtig gern hatte, umarmte 
diese, entschuldigte Constanze bei Palmieri und nickte sehr ernst 
haft, als Irene fast weinend den Letzteren bat: „O bitte, 
sprechen Sie nie mehr mit mir!" — Ach, sie hörte nicht, was 
er aus dem Ton hörte; sie ahnte nicht, wie Irene zu 
Mute war. 
„Das Kind ist krank," betonte die Gute immer wieder, 
„es ißt nicht, schläft kaum, ist so ungleich und ruhelos, es 
steckt sicher ein Fieber dahinter." 
Am andern Tage gab es eine ernste Aussprache, wie schon 
öfter; — man hatte beiderseits den guten Willen, einander 
zu vergeben, sich kleine Schwächen gegenseitig nachzusehen, so 
kam denn ein gutes Verhältnis bald wieder zu Stande. 
Das war aber Palmieri doch aus allem klar geworden, 
Constanze gehörte sein Wort, das Herz Irene; und diese 
beiden Tatsachen ahnte seine Braut — „seine arme, ober- 
i fiächliche, kleine Eon!" — mit dem sicheren Instinkt eines 
! reinen, geradsinnigen Herzens. 
Wenn er gegen sie als Sieger aus dieser Zwistigkeit 
außerordentlichen Mitgliederversammlung, die der Vor 
sitzende, Herr Edward Koch, um V2 10 Uhr eröffnete, 
wurden Ersatzwahlen vorgenommen und war das Resultat 
folgendes: 2. Vorsitzender: Herr Max Striesche. 1. Schrift 
führer: Herr Ruhland und Notenwart: Herr Klemm, 
Der auf der Tagesordnung stehende Punkt: „Statuten 
änderung" wirrde bis zur im Dezember stattfindenden 
Generalversammlung vertagt. Zwei Mitglieder wurden 
aufgenommen. Nach Verlesung des Protokolls der Ver 
handlungen, das einwandsfrei war, wurde die Versamm 
lung geschloffen. 
f Männer-Turnvereiu. Die Alters - Abteilung 
des Männer-Turnvereins nimmt am Dienstag, den 
15. August ihre regelmäßigen Turnübungen wieder auf. 
Die Abfahrt zur Beteiligung am Gauturnfest in Oranien 
burg erfolgt am 13. August früh 7 Uhr 35 Min. vom 
Stettiner Vorort-Bahnhof. — 
f Krieger- und Landwehrverein. Die nächste 
Monatsversammlung findet am Sonnabend, den 12. d. M. 
im Vereinslokate statt. 
P Jünglingsverein. Am kommenden Sonntag 
findet die zweite diesjährige Hauptversammlung statt, zu 
welcher alle Mitglieder herzlich eingeladen sind. Auf der 
Tagesordnung stehen neben den üblichen Berichten einige 
Anträge, darunter auch das Stiftungsfest. — Am Sonn 
abend den 5. d. M. besuchen unsere Turner eine Turn 
stunde des Jünglingsvereins zu Groß-Lichterfelde. Teil 
nehmer versammeln sich 8 / 4 8 Uhr Rheinstraße, Ecke 
Kaiserallee. Geturnt wird im Gymnasium, Berlinerstraße, 
Ecke Wilhelmstraße. Auch für diesen Besuch ist rege Teil 
nahme sehr erwünscht. 
f Die Bautätigkeit war in diesem Jahre bisher 
eine besonders rege. Zahlreiche Neubauten wurden fertig 
gestellt. Viele Wohnungen stehen noch leer. Morgen 
Sonnabend gelangt nun wieder eine Nummer des so be 
liebten Wohnungsanzeigers zur Ausgabe. Aufträge werden 
bis mittags 12 Uhr in der Geschäftsstelle, Rheinstr. 15, 
angenommen. 
t Schlimme Folgen hatte die Liebhaberei für 
Amateurphotographien für einen hiesigen Einwohner. 
Herr K., der Angestellter der Firma C. P. Goerz dahier 
ist. brachte seinen Urlaub in Swinemünde zu. Eines 
Tages bestieg er den dortigen Leuchtturm, um von dort 
aus mit seinem Apparate Bilder aufzunehmen. Das Ver 
gnügen fand aber eine überraschende Unterbrechung durch 
seine plötzliche Verhaftung. Der Spionage bezichtet 
mußte er längere Zeit in Haft bleiben, bis sich die Be 
hörde überzeugt hatte, daß Herr K. nur aus Liebhaberei 
die Bilder aufgenommen hatte. 
f Eine schwere Verletzung erlitt gestern Nach 
mittag 6 Uhr der Arbeiter Sackow aus Berlin dadurch, 
daß ihm bei der Geleiselegung in der Saarstraße eine 
Schiene auf den Fuß fiel. Nachdem ihm auf der Sanitäts 
wache die erste Hilfe geleistet wurde, konnte sich S. 
nach seiner Wohnung in Berlin begeben. 
f Unfall. Dem Bierfahrer Krönicke aus Friedrichs 
berg siel gestern Nachmittag beim Bierabladen in Groß-Lichter- 
felde eine Tonne auf den rechten Fuß und quetschte ihm 
sämmtliche Zehen. Während der Fahrt nach Berlin zu 
rück, stellten sich solche Schmerzen ein, daß sich K. ge 
nötigt sah, die hiesige Sanitätswache aufzusuchen, wo ein 
Notverband angelegt wurde. 
P Feuer. Gestern Abend 1 / 2 10 Uhr ertönte das 
Signal „Feuer außerhalb." Es brannte in Steglitz und 
zwar Forststraße 24. Der Dachstuhlbrand konnte durch 
die Steglitzer Wehr in kurzer Zeit gelöscht werden, sodaß^ 
die Wehren von Friedenau, Schmargendorf und Wilmers 
dorf, die ebenfalls herbeigeeilt waren, nicht in Tätigkeit 
treten brauchten. 
Schöneöerg. 
— Im Säuglingsheim in der Akazienstraße 7 
befindet sich ein etwa 14 Tage altes Mädchen, das dort 
vor dem Hause ausgesetzt wurde. Es war in ein großes 
grauschwarzbraunes wollenes Tuch eingewickelt. Die Mutter 
ist noch nicht ermittelt. 
— Firmeneiutragnug« Bei Nr. 4156. Otto 
Andersch Lichtpausanstalt, Berlin. Der Sitz der Firma 
ist nach Schöneberg verlegt. 
— In dem Konkursverfahren über das Ver 
mögen des Inhabers einer Delikatessen- und Weinhand 
lung, August Angrick in Schöneberg, Hohenstaufenstr. 21, 
hervorging, so fühlte er sich selbst keineswegs ruhinwürdig 
und siegreich, im Gegenteil, ihm war nie schlimmer zu Mute 
gewesen. 
Einige Tage blieb er noch in sehr wechselnder Stimmung. 
Eonstauze gab sich zärtlicher und liebenswürdiger wie je zuvor 
— nicht im äußerlichen Sinne nur, sondern von Herzen. 
Sie war doch ein gutes kleines Ding! Es schmeichelte ihm. 
wie sehr sie ihn liebte. — Einmal sagte sie zu ihm: „Ich 
habe Dich unverdient gewonnen durch des Schicksals Gunst; 
jetzt muß ich Dich erst verdienen und Dich an mich in Liebe 
zu fesseln suchen. 
♦ * 
Vor der Abreise Palmieris kam Ducetti zurück; man 
hatte ihm den Verkauf ins Ausland freigegeben, well man kein 
Recht hatte, ihm denselben zu verbieten; aber man hatte 
ihn moralisch und materiell noch fester an seine Verpflich 
tungen gegen die Regierung gebuuden. 
Man sah es dem vom Glück so sehr begünstigten Manne 
an, daß seine Erfolge ihn sehr stolz, ja fast eitel machten; in 
des blieben der Stolz wie die Eitelkeit bei ihm mehr innere 
als äußere L>chwächen, denn es fehlte ihm eben jede Begabung 
„aus sich selbst was zu machen". Er blieb auch jetzt der an 
scheinend unbedeutende Mensch, der sich zwischen der Menge 
sofort verlor. 
Aber für die Seinen war er doch ein anderer geworden 
Früher nahezu geizig mit den geringen Mitteln, fühlte er 
sich letzt bis zur Verschwendung reich und freigebig; seine 
kostbaren Geschenke für sie alle waren ohne Verständnis ge 
kauft, machten aber durch den Glanz der Iniveien dennoch 
unendliche Freude, lind wo man sein Ungeschick in solchen 
Dingen vor Augen hatte, fand man es nur diesem aemag, 
dag er ^zrene eine Halskette mitbrachte, die schöner als die 
Constanzes war. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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