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Periodical volume Nr. 180, 03.08.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

uon Wagen mit Pulver oder Sprengstoffen (22a) von 
Bahnpostwagen (31) rc. Das Gefahrstgnal (4). welches 
die Wärter zum Schließen der Schranken und zum An 
halten jedes Zuges veranlaflen soll, darf nicht gegeben 
werden, wenn, wie beim Entlaufen von Wagen in gleicher 
Richtung mit dem Zuge rc. durch das Anhalten die Ge 
fahr für den Zug noch vergrößert werden würde. Das 
Signal 23 (Achtung) mit der Dampfpfeife soll nicht mehr 
vor Abfahrt eines jeden Zuges, sondern nur dann gegeben 
werden, wenn es notwendig erscheint, vor Gefahr zu 
warnen oder die Aufmerksamkeit des Zugpersonals rc. oder 
dritter Personen zu erregen. Das Signal 27 (Abfahrt) 
mit der Mundpfeife ist bei Tage durch eine senkrechte Be 
wegung mit dem Arme, bei Dunkelheit mit einer schwingen 
den Bewegung der Handlaterne zu begleiten. 
0 Die Herbst-Manöver unserer Truppen 
werfen ihre Schatten voraus. Die Regierungspräsidenten 
der beteiligten Bezirke lassen die Bestimmungen der Feld 
gendarmerie-Ordnung veröffentlichen, welche von den Be 
fugnissen der zu den Manövern herangezogenen Gendarmerie- 
Patrouillen handeln. Diesen von den Truppen komman 
dierten Begleitmannschaften wird auch bei den diesjährigen 
Herbstmanövern die Befugnis beigelegt, in Ausübung ihres 
Dienstes, wie die Wachen, Zivilpersonen vorläufig festzu 
nehmen, welche entweder den Anordnungen der Mit 
glieder der Gendarmerie-Patrouille tätlich sich widersetzen 
oder sonst keine Folge leisten, oder sich der Beleidigung 
gegen die Mitglieder der Patrouille sich schuldig machen, 
falls die Persönlichkeit des Beleidigers nicht sofort fest 
gestellt werden kann. Militärpersonen gegenüber haben 
die Begleitmannschaften in Ausübung ihres Dienstes die 
Befugnifle eines Wachthabenden; bei jeder erforderlich 
werdenden Einschreiten müssen sie aber den Führer der 
betr. Truppen-Bagage Anzeige erstatten, der sodann die 
Verantwortung für die Unregelmäßigkeiten zu übernehmen 
hat. Eventuell ist auch dem Gendarmerie-Offizier, bezw. 
in dessen Abwesenheit dem Leiter des Manövers Meldung 
zu erstatten. 
Lokales. 
f Gemeinschaftliche Kanalisation. Zum weiteren 
Ausbau des Kanalisationsnetzes werden zunächst in elf 
Hauptstraßenzügen die Sammel- und Spülkanäle hergestellt, 
und zwar in der Hohenstaufen-, Goltz-, Schwäbischen-, 
Grunewald-, Franken-, Barbaroffa-, Kyffhäuser-, Holbein-, 
Rubens-, Eisenacher- und Albertstraße. Mit der Aus 
führung der Arbeiten hat man schon begonnen; die 
Gesamtkosten für die Herstellung dieser Kanäle belaufen 
sich auf rund 1 200 000 M. Die Kanäle sind derartig 
angeordnet, daß sämtliche Strecken zwischen den hoch 
liegenden Spülbehältern bezw. Spülkanälen und den tief 
liegenden Sammelkanälen miteinander zirkulieren, so daß 
jede Einzelstrecke stets mit großen Waffermengen und zwar 
in der Regel mit gestauten Kanalwassermengen sauber 
gespült werden kann. Aufstau und Umschaltung der 
Wassermengen geschehen durch Stau- und Spültüren, 
Schieber und Klappen, die direkt in di/Kanäle eingebaut 
werden. Schöneberg will jetzt in etwa 14 Tagen seine 
Kanalisation fertig gestellt haben und soll dann auch der 
Anschluß Friedenaus erfolgen. Die leidigen Über 
schwemmungen am Friedrich Wilhelm- und Maybachplatz 
werden dann hoffentlich beseitigt. 
f Am Tage von Sedan soll nach einer 
ministeriellen Anweisung in allen Schulen eine angemessene 
Feier stattfinden. Der Ausfall des Unterrichts, ohne eine 
Schulfeier zu veranstalten, ist nicht zulässig. 
t Der elektrische Betrieb des Teltowkanals 
wird schon im Laufe des Monats August aufgenommen 
werden. Zunächst wird probeweise der elektrische Schleusen 
betrieb eingerichtet, um das Personal einzuüben. Das 
Kraftwerk des Kanals ist nahezu fertig. Eine Dampf 
maschine von 300 Pferdekräften ist vollständig montiert. 
Als modernste aller Anlagen erhält das Werk jetzt auch 
zwei Dampfturbinen von je 840 Pferdekräften. Schon in 
diesen Tagen kann zum ersten Male Strom vom Kraft 
werk zur Schleuse geleitet werden. Dort sind die Antriebs 
maschinen fertig. Die Gleise für die elektrischen Treidel- 
Lokomotiven sind auf der ganzen Oststrecke von Grünau 
bis westlich von Britz auf beiden Seiten vollständig 
verlegt, ebenso ist die Oberleitung fertig. Auf der West 
strecke sind die Schienen zum Teil verlegt und die Masten 
aufgestellt. Die Brückenbauten gehen ihrer Vollendung 
entgegen. 
t Brennkalender für den Monat August. Die 
Abendlaternen brennen vom 1.—4. August von 9—1 3 / 4 Uhr, 
vomö.—10. August von 8%_1«/ 4 Uhr, vom 11.—16.August 
von 8 l / 3 — 1% Uhr. vom 17.—23. August von 8i/ 4 —1»/ 4 
und vom 24.—31. August von 8—1% Uhr. Die Richt- 
laternen brennen vom 1.—4. August von 9—3% Uhr, 
vom 5.-10. August von 83/ 4 —3i/ 4 Uhr, vom 11.—16. 
August von 81/2—31/2 Uhr. vom 17.—23. August von 
31/4—8% Uhr und vom 24.—31. August von 8—4 Uhr. 
t Vogelschutz im Sommer. So nötig, wie in 
harten Wintern das Streuen von Futter für die Vögel, 
so nötig ist es in heißen Sommern, ihnen Gelegenheit 
zum Baden und Trinken zu verschaffen. Diese Annehm 
lichkeit kann aber ein jeder seinen befiederten Freunden 
bieten, auch wenn er keinen Garten, sondern bloß eine 
Terrasse, einen Balkon, ein Vordach oder sonst ein 
geeignetes Plätzchen zur Verfügung hat. Als Gefäß kann 
ein großer Blumentopf-Untersatz dienen, besser noch ein 
doppelt so großes Becken aus Zinkblech mit senkrechtem, 
3 Zentimeter hohem Rande. Dieses Gefäß kann bei 
keiner oder geringer Katzengefahr auf den Boden gestellt 
werden auf einen Platz, wo es gut in Sicht ist, z. B. 
einige Schritte von dem von der Familie gewöhnlich 
benutzten Sitzplatz im Freien entfernt; bei Katzengefahr 
stellt man es auf einen Tisch mit kleiner Platte, den es 
ganz bedeckt. Der Platz sollte nicht den ganzen, aber 
etwa den halben Tag Sonne haben. Dieses Gefäß wird 
1% bis 2 Zentimeter hoch mit reinem Wasser gefüllt, 
öfters nachgefüllt und wöchentlich wenigstens einmal 
gründlich gereinigt. — Wer einmal ein solches Vogelbad 
in Betrieb gesetzt und sich an der Freude seiner Besucher 
ergötzt hat, wird es keinen Sommer mehr missen wollen. , 
Auch in öffentlichen Anlagen, auf Friedhöfen und Plätzen! 
sollte man gleiche Vogelbäder einrichten, selbst wenn sich 
unter den Badegästen die Spatzen in gewohnter Be 
scheidenheit vordrängen sollten. 
t Von der Bezirksvortnruerstuude am letzten 
Sonntag in Lichterfelde, an welcher auch die Vorturner 
Friedenaus teilnahmen, wird uns berichtet; diese Turn 
stunde fand statt, um bestimmte Übungen zum Gau 
turnfest in Oranienburg durchzuturnen. Gegen 50 Mann, 
kräftige Gestalten, denen man die turnerische Durchbildung 
ansah, marschierten gegen 1 / 2 4 Uhr in den schönen Räumen 
der Gymnasial-Turnhalle vor einem großen Kreis von 
Turnfreunden zu den Stabübungen auf. die, von Knappe 
(Schmargendorf) kommandiert, in straffer Weise ausge 
führt wurden. Darauf ordneten sich die Turner nach 
Fähigkeiten in 4 Riegen und übten unter Gericke (Schöne 
berg) den vorgeschriebenen Stoff zuerst in der Halle an 
den Geräten, dann auf dem Turnplatz im Springen und 
Werfen, wobei besonders im Dreisprung und Steinstoßen 
einige gute Leistungen erzielt wurden. Darauf gab man 
sich nach Schluß des Turnens um 5 Uhr nach dem 
Pavillon, wo das Durchgeturnte besprochen und kritisiert 
wurde. Um i/z8 Uhren fuhren die Gäste wieder ihren 
Heimatsorten zu. 
-s Friedeuauer Stenographen-Verei« Stolze» 
Schrey. Die monatliche Hauptversammlung findet am 
Freitag den 4. August, Abends 9 Uhr im roten Saale 
des Restaurants „Rheinschloß" statt. Tagesordnung: 
Aufnahme neuer Mitglieder, Wahl des 2. Vorsitzenden, 
Einteilung der Kurse, Allgemeines. 
t Bergunfall. Aus Bozen erhalten wir die Nach- 
richt, daß man dort den Touristen Dr. Bruno Oettinger 
aus Friedenau seit einem Ausflug ins Gebirge vermißt. 
Man vermutet, daß Dr. Oettinger an einem Abgrund 
heruntergestürzt ist. 
t Verunglückte Droschkenfahrt. Daß Fahr- 
gästen der Boden unter den Füßen schwinden kann, daß 
mußten einige Friedenauer am Montag Abend erfahren. 
Nachdem diese den Ausstellungspark in Moabit besichtigt 
hatten, sollte die Heimfahrt nach hier erfolgen. Man be 
stellte eine Droschke, stieg ein und nach kurzer Fahrt war 
der Boden durchgebrochen. Der Kutscher hatte den Vorfall 
nicht gleich bemerkt und so mußten die Fahrgäste eine 
Strecke in Angst und Schrecken „mitlaufen". Verletzungen 
haben die drei Insassen nicht erlitten. Jedoch wird der 
von ihnen, der die meisten Schwierigkeiten bei dem 
Durchfall hatte, eine bescheidene Anfrage an die Auf 
sicht fürs öffentliche Fuhrwesen richten, ob die Droschken 
noch genügend und vorschriftsmäßig kontrolliert werden. 
-f Unter den Spezialisten im DicbeSfach treiben 
gegenwärtig die Obst- und Gemüsediebe ihr gefährliches 
Handwerk in besonders ausgedehntem Maße. Den 
Gärtnereibesitzern und Laubenpächtern bereiten diese 
Sommersaisondiebe in diesem Jahre außerordentlich große 
Schäden. Nur zu oft kommt es leider vor, daß Lauben 
pächter, die noch am Tage vorher im Schweiße ihres An 
gesichts auf ihrem Lande gearbeitet haben, am nächsten 
Morgen kaum noch ein Salatkopf vorfinden. Über Nacht 
ist alles gestohlen und ausgeplündert worden. Aus vielen 
Laubenkolonien laufen gerade in den letzten Tagen leb 
hafte Klagen über derartige Diebstähle ein. Besonders 
schwer heimgesucht werden die Kolonisten in Rixdorf, 
Schöneberg und Tempelhof. Durch die reichlichen Regen 
güsse ist der Obst- und Gemüsestand ein selten guter. 
Dies wissen die Diebe sehr wohl, und so suchen sie die 
„günstige Konjunktur" auszunützen. Nur in den wenigsten 
Fällen gelingt es, die Spitzbuben, unter denen auch das 
weibliche Geschlecht recht stark vertreten ist, bei der „Arbeit" 
zu überraschen und unschädlich zu machen. Auch unsere 
Laubenkolonisten klagen vielfach über Diebstähle und sollen 
sich die Spitzbuben besonders an dem Geflügel vergreifen. 
Es empfiehlt sich, daß unsere Laubenkolonisten mehr denn 
je auf das Diebesgesindel aufpassen und es rücksichtslos im 
Ertappungsfalle der Polizei überliefern. 
- ______ 
— Zürn Andenken an den verstorbenen ersten 
Stadtverordnetenoorsteher von Schöneberg, Gustav Müller, 
hat der Magistrat auf dem im vorigen Jahre der Be 
bauung erschlossenen Gelände auf der Insel der Straße 82 
den Namen „Gustav Müllerstraße" gegeben; es ist dies 
die Straße, die mit der Sedanstraße und dem Königsweg 
parallel läuft, die Kolonnen- mit der Torgauer Straße 
verbindet und den großen, für den Bau einer Kirche be 
stimmten Platz durchschneidet. 
— Beim Kaufmaunsgericht lagen am Beginn 
des Monats Juni 4 Streitsachen vor, während der Zu 
gang im gleichen Monat 19 Streitfälle betrug. Die 
neuen Klagen waren angestrengt in 18 Fällen von 
Handlungsgehilfen gegen Kaufleute und in einem Falle 
von Kaufleuten gegen Handlungsgehilfen. Davon wurden 
erledigt durch Zurücknahme 1 und durch Vergleich 5. Es 
blieben demnach unerledigt 17 Fälle. 
Werttn und Wororte. 
§ Zur Abänderung der neuen Droschken» 
fahrordnuug ist vom Minister des Innern ein ab 
lehnender Bescheid ergangen. Gleich nach Inkrafttreten 
der neuen Fahrordnung wurde seitens der Droschkenfuhr- 
herren und -Kutscher dagegen eine große Protestbewegung 
eingeleitet. Dem Polizeipräsidenten v. Borries wurde eine 
ausführlich begründete Eingabe überreicht, in der ver 
schiedene Abänderungen, vor allem Aufhebung des Scheu- 
klappenverbotS und der strengen Fahrscheinbestimmungen 
verlangt wurden. In einer Unterredung mit den Fuhr- 
herren erklärte der Polizeipräsident, er könne die noch so 
neue Verordnung nicht gleich wieder ändern; eine schrift 
liche Antwort auf die Eingabe erfolgte nicht. Von einer 
neuen großen Droschkenbesitzerversammlung wurde dann 
dem Minister des Innern eine Beschwerde über den 
Polizeipräsidenten eingereicht, zugleich mit einer neuen 
Eingabe, der die Gutachten des königlichen Oberstallmeisters 
v. Wedel und anderer Autoritäten gegen das Scheuklappen 
verbot beigelegt wurden. In der Antwort, die Minister 
v. Bethmann-Hollweg jetzt dem Vorsitzenden des Verbandes 
der Fuhrwerksbesitzer auf jene Eingabe zukommen ließ, 
wird mit kurzen Worten das Verlangen der Droschken- 
besttzer und Kutscher abgelehnt. Der Minister sehe kernen 
Grund, eine Verordnung, die erst so kurze Zeit in Kraft 
sei, jetzt schon wieder zu ändern. Der Kampf um die 
Droschkenfahrordnung ist damit vorläufig beendet. 
8 Ein altes Erinnerungszeichen an Kaiser 
Wilhelm I., der Kaiserstein neben dem Steuerhause am 
Eingang zum Tempelhofer Felde, der schon fast ganz zer 
fallen war, ist jetzt sorgfältig ausgebessert worden, so daß 
er wieder seine alte Form hat. Es ist eine aus Back 
steinen bestehende 40 cm. breite und 2% m. lange Mauer, 
die von beiden Enden aus sanft ansteigt und mit deren 
Hülfe der alte Kaiser in der letzten Zeit seines Lebens bei 
Paraden zu Pferde zu steigen pflegte. In früheren Jahren 
befand sich ein solcher Stein an der Ecke der Bellealliance- 
und Kreuzbergstraße, als hier noch keine Häuser standen. 
Ein jetzt hier gelegene Gastwirtschaft führt zum Andenken 
daran noch heute den Namen „Zum Kaiserstein". 
Z Absperrung des Tempelhofer Feldes. Auf 
der Ostseite des Tempelhofer Feldes ist 40 m von der 
Chaussee entfernt gegenüber der einsamen Pappel, bei 
welcher der Kaiser nebst seinem Gefolge bei Paraden den 
Vorbeimarsch der Truppen abzunehmen pflegt, ein etwa 
200 m breites und über 400 m langes Stück durch einen 
Stachelzaun für das Publikum vollständig abgesperrt 
worden. In Abständen von 3 in sind 1% m hohe starke 
Pfähle in die Erde getrieben worden, die durch eine 
doppelte Reihe von Stacheldrähte mit einander verbunden 
sind. Die Absperung hat den Zweck, an dieser Hauptstelle 
des Paradefeldes den Rasen üppig und kräftig wachsen zu 
lassen und ihn vor dem Zertreten durch die Füße der 
Menschen zu bewahren. Durch den regen Verkehr des 
Publikums, der namentlich an Sonntagen hier herrscht, 
hatten sich kahle sandige Stellen gebildet, so daß, besonders 
wenn während der Parade Westwind wehte, der durch die 
Tritte der marschierenden Truppen aufgewirbelte Staub 
des kaiserlichen Gefolges ins Gesicht getrieben wurde. 
§ Kleist's Grab. Die „Südd. Reichskorr." bringt 
über Kleists Grab folgende Auslassung: „Über das wenig 
würdige Aussehen der Ruhestätte des Dichters Heinrich 
von Kleist, sowohl der Umgebung wie des Grabes selbst, 
ist in der Presse nicht mit Unrecht Klage geführt worden. 
Der Reichskanzler konnte aber in dieser Sache nicht so 
eingreifen, wie er es selbst , gewünscht hätte. Die 
Schenkungsurkunde vom 28. April v. I. machte die Über 
weisung der Grabstätte an das Reich von der Erfüllung 
eines Vorbehalts wegen Abgrenzung der später zu be 
stimmenden näheren Umgebung abhängig. Diese Ab 
grenzung ist erst vor nicht langer Zeit rechtsgiltig geregelt 
worden. Die Auflassung des Hauptgrundstücks mit der 
Grabstätte ist Anfang vorigen Monats erfolgt, die Auf 
lassung einer kleineren zugehörigen Parzelle steht noch 
bevor. Hiernach war die Reichsverwaltung bisher nicht 
in der Lage, zur Instandsetzung des Kleistgrabes über die 
ihr noch nicht vollständig übereignete Bodenfläche amtlich 
zu verfügen. Ein Plan zur würdigen Herstellung wird 
aber bereits ausgearbeitet, und die erforderlichen Mittel 
werden im Etat des Reichsamts des Innern für 1906 er 
beten werden. Inzwischen wird der Reichskanzler aus 
seinem Dispositionsfonds einen Betrag zur Verfügung 
stellen, um schon jetzt wenigstens die eigentliche Grabstätte 
des Dichters in angemessener Weise vorläufig herrichten 
zu lassen." 
8 Zu den trübseligsten Begräbnisstätten bei 
Berlin gehört der Anstalts-Kirchhof des Strafgefängnisses 
Plötzensee, von dem in der letzten Zeit soviel die Rede 
gewesen ist. Er liegt inmitten des südlich vom Spandauer 
Schiffahrtskanal noch übrig gebliebenen Teiles der Jungfern 
haide. Zunächst gelangt man durch das Eingangstor auf 
einen freundlichen Friedhof, auf dem die Beamten des 
Gefängnisses und sonstige Bewohner des Gutsbezirkes 
Plötzensee zur letzten Ruhe bestattet werden. Erst hinter 
der Leichenhalle beginnt der eigentliche Anstalts-Friedhof. 
Hier steht man in langen Reihen die niedrigen schmuck 
losen Hügel, unter denen die während ihrer Strafhaft ge 
storbenen Gefangenen ruhen. Am Kopfende erhebt sich ein 
kleines Kreuz aus Eisen, auf dem in weißer Farbe eine 
Nummer geschrieben steht. Nur hin und wieder wird 
diese Einförmigkeit durch einen Grabstein unterbrochen, 
den Angehörige der Gefangenen „dem lieben Sohn" oder 
„dem guten teuren Vater" gesetzt haben. Rechts von der 
Leichenhalle dehnt sich der Friedhof der Selbstmörder aus, 
denn groß ist die Zahl derer, die in dem Forst der 
Jungfernhaide oder in den Fluten des Kanals freiwillig 
den Tod gesucht haben. In der äußersten Nordwest-Ecke 
aber liegen die Hingerichteten. Kein Hügel, kein Kreuz 
deutet an, daß hier Menschen begraben sind. Wildes 
Gestrüpp und wildwuchernde Brennesseln bedecken den 
kargen Boden. 
Zuschriften. 
In der No. 178 Ihres geschätzten Blattes ist in einer Zuschrift 
des Herrn 8. S. auf eine Äußerung meinerseits in Frage der Anlieger- 
beitrüge Bezug genommen. Da Herr L. S. mich mißverstanden haben 
muß, bezw. meine Äußerung nicht richtig wiedergegeben hat, sehe ich 
mich gezwungen, meine Äußerung öffentlich klar zu stellen. Bei einer 
Aussprache über Anlicgerbeiträqe im Anschluß an den bekannten An 
trag Schulz, Berger in der Gemeindevertretung, besten Vorteile ich 
für die Ge neinde Friedenau übrigens für ein zweischneidiges Schwert 
halte, weil voraussichtlich diese schwierige Materie etwas aufregend 
auf die Gemüter friedlicher Bürger wirken dürfte, sprach ich von de: 
Entwäfferungsabgabe für den alten Ortsteil, welcher allgemein auf 
5,10 Mk. pro lsd. m. Straßenfront festgesetzt und auch teilweise er- 
hoben worden ist. Ich äußerte ferner, daß das bisherige Privileg der 
Freiheit von der Straßenbaupfiicht, der vorhandenen bebauten Straßen, 
insbesondere der sogenannten historischen Straßen durch den 8 9 bezw. 
20 der Komunalabgaben von 14. Juli 1893 erschüttert sei. Nach 8 9 
können auch die Anlieger der alten historischen Straßen >ur Deckung 
der Kosten für die Herstellung und Unterhaltung von Veranstaltungen, 
die durch das öffentliche Interesse erfordert werden, soweit heran- 
gezogen werden, als ihnen durch d ese Veranstaltungen besonteie 
wirtschaftliche Vorteil- erwachsen, und zwar sind die Beiträge rach 
den Vorteilen zu bemessen. Die Beitragsleistung darf sich sniemals 
auf den gesamten Kostenbedarf einer Veranstaltung seistrecken. Viel 
mehr ist der dem öffentlichen Interesse entsprechende Teil des Kosten- 
bedarfS einer Veranstaltung aus den zur Bestreitung der allgemeinen 
Ausgaben bestimmten Einkünften der Gemeinde und nur der hiernach 
verbleibende Restbetrag durch Beiträge zu decken. Diese beiden
        
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