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Periodical volume Nr. 177, 31.07.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

0 Ein schmeichelhaftes Urteil über «ufere 
Eisenbahnen fällte Professor Dr. Hadley, Präsident 
der Pale-Universität in New-Haven, einer der besten 
Kenner des Eisenbahnwesens der Vereinigten Staaten von 
Nordamerika, dessen Schriften über Eisenbahnfragen auch 
auf dem letzten Kongreß zu Washington Anerkennung 
fanden. Professor Hadley ist weit entfernt davon, wie 
die Durchschnitts-Amerikaner, auf die Bahnen europäischer 
Staaten mit Geringschätzung herabzublicken; die Ansicht, 
daß die amerikanischen Bahnen die besten der Welt seien, 
stehe „lange nicht mehr so fest, wie vor 20 Jahren." Sie 
seien vielmehr von den deutschen Bahnen eingeholt, 
vielleicht auch von denen anderer Staaten. „Verschiedene 
sachverständige Beobachter sind sogar der Ansicht", so 
äußert Hadley, „daß die deutschen Bahnrn allen be 
rechtigten Ansprüchen des Publikums besser nachkommen, 
als die unsrigen. Ihre Überlegenheit in einigen Be 
ziehungen, wie bei der Aufstellung der Fahrpläne für den 
Personenverkehr und in dem Bestreben, die kleinen Be 
frachter vor Benachteiligung (wie etwa durch verspätete 
Auslieferung der Frachtgüter) zu schützen, ist anzuerkennen, 
wenn ich auch nicht in der Lage bin, diese Überlegenheit 
allgemein zuzugeben. Die Fortschritte jedoch, die seit dem 
Regierungsantritt des jetzigen Kaisers gemacht worden sind, 
erscheinen so bedeutend, doß jetzt schon das Ergebnis eines 
Vergleichs zweifelhaft ausfällt, wo es früher ganz klar 
lag." Professor Hadley äußert sich dann weiter über die 
Ursachen der Tatsache, daß die amerikanischen Bahnen ihre 
führende Stellung allmählich verlieren. Die großen 
Monopol-Bahnsysteme, so meint er, haben einen un 
günstigen Einfluß auf das Personal, von den untersten 
Angestellten bis zum Präsidenten hinauf, ausgeübt. Vor 
20 Jahren war jeder Angestellte bestrebt, die Bahn vor 
wärts zu bringen, alte Arbeits-Methoden abzuschaffen und 
bessere einzuführen. Jetzt ist alles anders geworden: bei 
den Angestellten haben die Arbeiter-Verbindungen mit 
ihren starren Satzungen ungünstig auf die Leistungen der 
Leute eingewirkt, und bei den obersten Verwaltungs 
beamten spielen die Rücksichten auf Bank und Börse eine 
wichtigere Rolle, als die technischen und gewerblichen, und 
die Zahl der tüchtigen Oberleiter ist bedeuten!) geringer 
geworden. So könne man heute „mit recht wenig Zu 
versicht in die Zukunft blicken ..." 
U Reinigen und Desinfizieren von Etz- und 
Trinkgeschirr. Die Frage, ob und in welchem Umfang 
Infektionskrankheiten durch die gemeinsame Benutzung von 
Gebrauchsgegenständen durch mehrere Personen übertragen 
werden können, ist in neuerer Zeit wiederholt Gegenstand 
wissenschaftlicher Untersuchungen gewesen. Eine bemerkens- 
werte Arbeit über diesen Gegenstand hat der Direktor des 
hygienischen Instituts der Universität Göttingen, Professor 
Dr. E. v. Esmarch unter dem Titel „Verbreitung von 
Infektionserregern durch Gebrauchsgegenstände und ihre 
Desinfektion" in Nr. 1 der „Hygienischen Rundschau", 
Jahrgang 1901 veröffentlicht. In derselben wird der 
Nachweis jgeführt, daß die Diphteriebakterien bis zu 
15 Tagen, der Bazille prodigiosus bis zu 3 Monaten, 
an Eß- und Trinkgeschirre angetrocknet, lebensfähig bleiben, 
und daß eine ausreichende Beseitigung dieser Keime durch 
Abwaschen der Gläser und Trockenreiben mit sterilen 
Tüchern nicht zu erreichen ist. Auch Gabeln und Messer 
ließen sich durch bloßes Abreiben von Krankheitserregern 
nicht befreien. Dies gelang dagegen vollkommen durch 
Behandlung mit einer 2 proz. Sodalösung von 50 0 C. 
innerhalb 1 Minute. Auf Grund dieser Versuche empfiehlt 
v.^Esmarch für Heil- und Kuranstalten, Hotels und dergl., 
in denen Kranke mit einer übertragbaren Krankheit sich 
aufhalten, aber auch für Privatfamilien eine entsprechende 
Reinigung und Desinfektion der für den Gebrauch dieser 
Kranken bestimmten Eß- und Trinkgeschirre. Wie das 
„Ministerialblatt der Handels- und Gewerbeverwaltung" 
mitteilt, hat auch der Direktor des Instituts für Infektions 
krankheiten die Ergebnisse dieser Untersuchung bestätigt und 
empfohlen, den Versuch zu machen, auf dem Wege der 
öffentlichen und privaten Belehrung, die Durchführung 
einer größeren Reinlichkeit in der Behandlung der Eß- 
und Trinkgeschirre usw. in öffentlichen Wirtschaften, 
Krankenhäusern usw. zu erzielen. Dieser Auffassung 
pflichten auch die Handels- und Gewerbeoerwaltung sowie 
das Kultusministerium bei; sie vermögen sich aber von 
dem Erlaß bezüglicher Polizeioerordnungen nicht viel zu 
versprechen. 
Lokales. 
t Steuererhebung. Mit der Einziehung der 
Steuern für das Vierteljahr Juli—September wird bereits 
morgen begonnen. Wir verweisen auf die heutige Be 
kanntmachung im Anzeigenteil. 
t Eine katholische Kirche.in Friedenau? Ein 
bis jetzt noch unkontrollierbares Gerücht geht in unserem 
Orte um. Die katholische Kirchengemeinde Steglitz soll 
beabsichtigen, sich von Friedenau zu trennen und gemeinsam 
mit Schmargendorf auf Friedenauer Terrain, in der Wies 
badener, Ecke Rheingaustraße einen Block anzukaufen, auf 
dem eine Kirche erbaut werden soll. 
Neuer Spielplatz. Auf dem Platze, wo in der 
Goßlerstraße das zweite Volksschulgebäude erbaut werden 
soll, ist von heute ab, wie uns Herr Schöffe Lichtheim 
mitteilt, ein Spielplatz eingerichtet. 
ss- Ruhe im Väckergewerbe. In der letzten 
Quartalsoersammlung der Berliner Bäckereiinnung wurde 
mitgeteilt, daß die vollständige Betriebsruhe in Bäckereien 
an den hohen Festtagen in Aussicht ist. Die Behörden 
scheinen dem Vorschlage, ein vollständiges Backverbot 
herbeizuführen, geneigt zu sein. Durch Unterschriften 
sammeln hat sich herausgestellt, daß von den Berliner 
Bäckermeistern 1460 Meistern für vollständiges Backverbot 
eintreten und nur 106 dagegen sind. Ehe der Polizei 
präsident aber eine derartige Verordnung erlassen kann, 
muß auch in den Vororten ein entsprechender Antrag ge 
stellt werden. Dies war bis jetzt von allen Bäcker 
innungen der Vororte mit Ausnahme von Reinickendorf 
bereits geschehen. Auch diese Innung hat sich nunmehr 
der Bewegung angeschlossen. 
-j- Die Witterung im August soll nach Falbs, 
des jüngeren Prognose, veränderlich und teilweise trübe 
werden. Niederschläge wären für die ersten und letzten 
Tage des Monats zu gewärtigen. Dagegen soll es um 
den 10. schön sein. Sowohl der 1. als auch der 30. August 
sollen sich zu kritischen Terminen 1. Ordnung gestalten, 
von denen der letztere noch durch eine Sonnenfinsternis 
Verstärkung erfährt. Den 15. des Monats bezeichnet 
Falb als kritischen Tag 2. Ordnung. Der hundertjährige 
Kalender stellt für den 1.—6. August klares, heißes 
Wetter, für den 8.—13. aber trübe, regnerische Witterung 
in Aussicht. In der Zeit vom 14.—17. sollen sich Ge 
witter einstellen, vom 18.—25. große Hitze herrschen, 
während der letzten Tage des Monats aber wieder Regen 
wetter eintreten. 
Beim Baden ertrunken. Aus Lindow i. d. M. 
kommt uns die Trauernachricht zu, daß unser Mitbürger 
Kart Klemme, der dort im Sommeraufenthalte weilte, 
beim Baden ertrunken ist. Die Leiche konnte noch nicht 
geborgen werden. Herr Klemme zählt zu den ältesten 
Einwohnern Friedenaus und erfreute sich allgemeiner 
Beliebtheit. 
f Beerdigung. Auf dem hiesigen Kirchhofe fand 
gestern Nachmittag die Beerdigung der Gattin des Königl. 
Kammermusikers Günther statt. Der Verstorbenen, die 
Mitglied des Chores des Theaters des Westens war. gaben 
zahlreiche Kollegen und Kolleginnen das letzte Geleite. 
Herr Generalintendant Prasch ließ eine prachtvolle Kranz 
spende am Grabe niederlegen. 
-j- Die Erntefeste in den Laubenkolonien haben 
gestern an der Peripherie und in der Umgegend der Stadt 
ihren Anfang genommen. Die einzelnen Lauben waren 
durch Girlanden aus bunten Papierschnitzeln mit einander 
verbunden und mit Fahnen, Girlanden und Kränzen reich 
geschmückt. Nachmittags fand ein großer Umzug statt, bei 
dem es auch an einem von Ziegenböcken gezogenen und 
mit Kindern im Schnitterkostüm besetzten Erntewagen nicht 
fehlte. Hinter ihm schritten der Amtmann, der Großknecht 
mit der Großmagd, der Schulmeister mit der Geige und 
allerlei lustiges Volk. Abends scholl aus allen Lauben 
froher Gesang und Musik, die auf der Ziehharmonika oder 
„Knautschkommode", wie der Berliner sagt, ausgeführt 
wurde. Die junge Welt erfreute sich an einem Tänzchen, 
das natürlich ebenfalls im Freien stattfand. Das Abbrennen 
von Feuerwerk, das früher bei diesen Festen üblich war, 
wird jetzt von der Polizei mit Recht nicht mehr gestattet. 
t Kaiser Wilhelmgarteu Im Restaurant 
Kaiser Wilhelmgarten traten am Sonnabend die Führ 
mann, Walde-Sänger wieder mit Erfolg auf. Nach 
einem humoristischen Quodlibet „Allotria", von den 
Herren Barthold, Seegall, Charton und Sandmann gesungen, 
brachte Herr Seegall einige Kouplets zum Vortrag, die 
besonders durch die ansprechende Vortragsweise allgemein 
gefielen. Herr Hugo Barthold sang das stimmungsvolle 
„Aus deinen Augen strahlt die Liebe" und „Tie Kirschen 
in Nachbars Garten"", war aber anscheinend nicht völlig 
disponiert. Aus dem weiteren Programm wollen wir vor 
allem die Solovorträge der Herren Wehling, Walde und 
Charton erwähnen, besonders dieser .ries mit seinem 
Grotesk-Kouplet „Drüben an der Ecke, wo die Omnibusse 
stehn" stürmischen Beifall hervor. Zum Schlüsse gab es 
noch eine Burleske mit Gesang und Tanz „Friedenau auf 
Walzen". Sprudelnder Humor, reich an Möglichkeiten 
und Unmöglichkeiten, ließ das Publikum nicht aus der 
Stimmung kommen. Besonders Herr Walde als Tragödin 
Lola Milchreis wurde wieder mit Beifall überschüttet, 
aber auch die übrigen Mitwirkenden erzielten gute 
Leistungen. — Gestern Sonntag Abend veranstaltete die 
Direktion Brosini eine Vorstellung, die ebenfalls aufs 
beste amüsierte. Die Tanz-Soubrette Little Eddi und 
die Gesangs-Soubrette Elsa Grimont boten Vorzügliches. 
Die beiden Einakter „Onkel Nolte" und „Der dumme 
Hans" kamen in guter Besetzung zur Aufführung. Wenn 
auch nicht alles so ganz war. wie es sein sollte, man sah 
den guten Willen. — Auf das morgen Abend stattfindende 
Benefiz für Herrn Max Brosini machen wir besonders 
aufmerksam. 
-f Sommerfest. Am 2. August ds. Js. von 5 Uhr 
abends ab veranstaltet der Inhaber des Parkrestaurants 
Südende Herr Waldemar Pillau in den Parkanlagen 
seines Etablissements ein großes patriotisches Sommerfest, 
verbunden mit feenhafter Beleuchtung und großartigem 
pyrotechnischem Schauspiel. Das Konzert wird von der 
Kapelle des 1. Garde-Regiments zu Fuß unter Leitung 
des Herrn Musikdirektor Möller ausgeführt. Der Reiner 
trag des Festes wird zu Gunsten der 4 Kriegswaisenhäuser 
in Cant, Römhild, Osnabrück und Wittich verwendet. Der 
Eintrittspreis beträgt 30 Pfg. 
-f Allgemeine Heiterkeit erregte heute Vormittag 
ein Leierkastenmann, der seine Orgel auf einem von Pferden 
gezogenen Wagen mit sich führte. Das Geschäft muß sich 
also doch rentieren. 
t Auflauf. Gestern Abend fiel ein Herr an der 
Haltestelle der Kaisereiche vom Wagen. Er wollte auf 
steigen, kam aber zu Fall, da der Wagen, ohne das 
Klingelzeichen des Schaffners abzuwarten, abfuhr. Ob 
wohl der Mann ohne Verletzungen blieb, verursachte der 
Vorfall doch einen großen Menschenauflauf, die Stimmung 
gegen den Wagenführer war eine äußerst erregte. 
f Teschingschießerei. Wie wir erfahren, fand die 
Teschingschießerei, von der wir in der Sonnabendnummer 
berichteten, nicht im Hause Rheinstraße 52 sondern Rhein 
straße 50 statt. 
f Abgenommene Diebesbeute. Bor 4 Wochen 
wurde einem Kanalarbeiter seinfast neues Fahrrad gestohlen. 
Seine Vermutung, daß nur ein Arbeitsgenosse der Dieb 
sein könnte, fand am Sonnabend seine Bestätigung, als 
er einen russischen Kollegen auf seinem Rade hier radeln 
sah. Ein hiesiger Polizeibeamter hielt den Dieb an, und 
brachte ihn zur Wache, wo ihm die Beute wieder ab 
genommen wurde und der Dieb dann nach Moabit 
wandern mußte. 
Spitzbubeufrechhett. Vor einigen Tagen ist 
aus einer, in der 4. Etage des Hauses Maybachplatz 10 
gelegenen Waschküche ein neuer großer, kupferner Wasch, 
kessel gestohlen worden. Das bewundernswerte ist. daß 
der Dieb mit dieser umfangreichen Beute entkommen ist. 
Polizeiliche Ermittelungen nach dem Diebe sind bereits 
im Gange. „ '. 
-j- Polizeibericht. Als gefunden stnd hier angemeldet 
worden: 1 Sonnenschirm, 1 Offiziersachselstück, 1 ver 
goldete Busennadel. 1 Sack mit Handwerkszeug. 1 Zieh' 
breit und Richtholz und als zugelaufen 1 Terrier. Die 
rechtmäßigen Eigentümer vorbenannter Gegenstände werden 
aufgefordert, ihre Ansprüche binnen 3 Monaten un 
hiesigen Amtsbureau. Feurigstraße 8, Zimmer 26, geltend 
zu machen, widrigenfalls anderweit über die Fundobjekte 
verfügt werden wird. - 
Schöneöerg. 
— Tchöuebergs Wachstum. Als im Jahre 1860 
die große Einverleibung von Schöneberger Gebiet bis zum 
Landwehrkanal in den Berliner Gemeindebezirk erfolgt war, 
hatte Schöneberg nach der Volkszählung von 1861 nur 
eine Bevölkerung von 2636 Seelen. Im Jahre 1890 war 
die Zahl erst auf 28 721 angewachsen, um dann im 
folgenden Jahrzehnt auf 95 998 zu gelangen. Dann ver 
langsamte sich die Zunahme wieder, und die Bevölkerung 
betrug im Oktober 1904 rund 130 000 Köpfe. Seit 1890 
mar die Bautätigkeit sehr rege. Ende Oktober 1904 belief 
sich die Zahl der bewohnten Grundstücke auf 1824 gegen 
1697 bei der vorjährigen Ermittelung, sie nahm somit um 
127 zu. Die Bewohnerziffer pro Grundstück stellt sich im 
Durchschnitt auf 71,2 gegen 70,9 im Vorjahre. Im Be 
zirk X betrug die Ziffer nur 29,1 im Bezirk VI dagegen 
94,5. Die Zahl der Haushaltungen betrug Ende Oktober 
1904 32 927 gegen 30 218 am gleichen Zeitpunkte des 
Vorjahres. Die Haushaltungen mit Dienstpersonal stiegen 
von 7308 auf 7900, die mit Zimmermielern und Schlaf 
leuten von 5861 auf 6698. Die Zahl der unvermieteten 
Wohnungen belief sich am 9. Mai d. I. auf 1139. 
— Nene Gebührenordnung für den Friedhof. 
Die Stadt Schöneberg hat die Erhebung der Grabstellen 
und sonstigen Gebühren für den Gemeinde-Friedhof neu 
durch Ortsstatut geregelt. Wir entnehmen demselben 
folgendes: Die Erbbegräbnisse haben eine Tiefe von 3,70 
Meter. Sie werden abgegeben für zwei Grabstellen ifl 
einer Breite von 2,80 Meter, für 3 Grabstellen in einer 
von 3,80 Meter und darüber hinaus in beliebiger Breite. 
Es sind zu entrichten für ein Erbbegräbnis von 2 Stellen 
520 M., für ein solches von 3 Stellen 700 M., bei 
größeren Erbbegräbnissen für jedes weitere, wenn auch nur 
angefangene Quadratmeter 100 M. Für eine Gitterstelle 
von 2 Stellen 360 M., für eine solche von 3 Stellen 
490 M., für eine solche von 4 Stellen 560 M. Für eine 
Wahlstelle 1. Klasse für Erwachsene sind zu zahlen 60 M., 
für Kinder bis zu 12 Jahren 25 M.. für eine Wahlstelle 
2. Klasse für Erwachsene 45 M., für Kinder bis zu 
12 Jahren 15 M. Reservierte Stellen werden neben 
Wahlstellen 1. und 2. Klasse und neben Stellen in ge- 
wöhnlicher Reihe abgegeben. Es stnd zu entrichten: für 
eine Wahlstelle 1. Klasse für Erwachsene 75 M., für eine 
gleiche Stelle für Kinder (bis zu 12 Jahren) 40 M., für 
eine Wahlstelle 2. Klasse für Erwachsene 50 M., für eine 
gleiche Stelle für Kinder (bis zu 12 Jahren) 30 M., für 
eine Stelle in gewöhnlicher Reihe für Erwachsene 30 M., 
für eine gleiche Stelle für Kinder (bis zu 12 Jahren) 
15 M. Für die Herstellung einer Gruft ist zu zahlen auf 
Erbbegräbnissen und Gitterstellen 15 M., auf Wahlstellen 
1. Klasse für einen Erwachsenen 10 M., auf Wahlstellen 
1. Klasse für ein Kind (bis zu 12 Jahren) 6 M., auf 
Wahlstellen 2. Klasse für einen Erwachsenen 8 M., auf 
Wahlstellen 2. Klasse für ein Kind (bis zu 12 Jahren) 
5 Mark, auf Stellen in gewöhnlicher Reihe für einen Er 
wachsenen 6 M., auf Stellen in gewöhnlicher Reihe für 
ein Kind von mehr als 3 bis zu 12 Jahren 4 M., auf 
Stellen in gewöhnlicher Reihe für ein Kind bis zu drei 
Jahren 2 M. 
Merlin und Mororte. 
8 Auch unsere Königlichen Museen können in 
den nächsten Tagen ein Jubiläum begehen; am 3. August 
werden es fünfundstebzig Jahre, seitdem das alte Museum 
zum ersten Male seine Pforten dem Publikum öffnete. 
Für dieses 75jährige Bestehen des beliebten Kunstinstituts 
wird bereits eine kleine Feierlichkeit vorbereitet, über die 
Entstehung dieser hervorragenden Kunstsammlung wird 
uns folgendes mitgeteilt. Nach dem Ende der Freiheits 
kriege war man bemüht, alle Verluste, die die Kunst 
sammlungen in den königlichen Schlössern erlitten hatten, 
zu ersetzen und der preußische König zeigte sich zur Be> 
reicherung der Sammlungen bereit. Der Gedanke, ein 
Museum zu gründen, war durch den Anblick der Pariser 
Sammlungen angeregt worden. Die aus Paris nach 
Berlin zurückgebrachten Kunstschätze bildeten die Grund 
lage, auf der weiter gebaut wurde. Männer wie Welheim 
von Humboldt, Hunsen, Schinkel und Rauch, Minister 
von Altenstein und Alexander von Humboldt wirkten zu 
diesem Zwecke zusammen. Die Erwerbungen steigerten 
sich rasch an Umfang und Wert. Leider gerieten die 
Sammlungen ins Stocken. Anfänglich hatte die Absicht 
bestanden, die zu gründende Sammlung im Universttäts- 
gebäude unterzubringen, der König befahl jedoch im 
November 1815 zum Zwecke der Anlegung eines Museums 
die Kavallerieställe im Akademiegebäude Unter den Linden 
auszubauen. Dieser Beschluß des Königs bezeichnet den 
entscheidenden Schritt zur Verwirklichung der Idee eines 
Museums in Berlin. Der Gedanke, für die Kunst 
sammlungen ein selbständiges, allein ihrer Aufstellung und 
Benutzung gewidmetes Gebäude zu errichten und dafür die 
Stelle am Lustgarten dem königlichen Schlosse gegenüber 
zu wählen, gehört Schinkel allein an. Er war es, der 
im Januar 1823 sich mit einer Darlegung dieses 
Gedankens an den König wandte und dabei zugleich den 
Plan des Alten Museums in ungefähr der Gestalt vor 
legte, in der es ausgeführt worden ist. Durch Kabinetts 
ordre wurde der Plan genehmigt. Vor der Feststellung 
der inneren Einrichtung erhielt Schinkel im März 1826
        
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