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Periodical volume Nr. 175, 28.07.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Wir haben tüchtige Vertreter, die sich gründlich um 
die Verhältnisse kümmern und tief in die Sache hinein 
steigen; die sich Müh' und Arbeit nicht verdrießen lassen, 
um Friedenau zu einem Ort zu gestalten, in dem es sich 
gut wohnen läßt und der den Forderungen der Neuzeit 
entsprechend, auch immer weiter — also modern — aus 
gebildet wird. 
Man muß bei Besprechung der hiesigen Verhältnisse 
auch inbetracht ziehen, daß Friedenau von den Vororten 
Berlins der jüngste, noch in der Entwickelung begriffene 
ist und da sollte ich meinen, hat derselbe in der kurzen 
Spanne Zeit von 30 Jahren doch schon sehr, sehr Tüchtiges 
geleistet und nimmt eine ganz andere Stellung ein wie 
z. B. Schmargendorf und verschiedene andere. Rom ist 
auch nicht in einem Tage erbaut. 
Mit Stolz können wir auf die bisherige Entwickelung 
und das Gedeihen unseres Ortes zurückblicken. Daß dies 
so geschehen ist, haben wir nicht zum mindesten der Um 
sicht, Tatkraft und verständigem Wirken unserer Gemeinde 
vertretung und dem rührigen Eingreifen unserer Ein- 
mohner zu danken. 
Unser Schiff befindet sich in guten, sicheren Händen. 
Wir haben gegründete Hoffnung, daß es in der bewährten 
Hand seines Steuermanns seinen guten Kurs beibehalten 
und sich nicht in unruhiges Gewässer treiben lassen wird, 
zum ferneren Blühen und Gedeihen unseres lieben 
Friedenau. s. 
Lokates. » 
t Der Titel Bürgermeister scheint doch mehreren 
Menschen Kopfschmerzen zu bereiten. Dem „Berl. Tagebl." 
wird geschrieben: 
Die Vorsteher der Landgemeinden Eteglitz und Friedenau sind 
vom Etaatsministertum zu Bürgermeistern ernannt worden. Die 
Presse bringt diese Nachricht, ohne irgend welche Betrachtung daran 
zu knüpfen. Man hat also die Empfindung dafür verloren, daß der 
Staat vier mit rauher Hand in das Verfassungsleben der Gemeinden 
eingegriffen und den höchsten Titel, den die Bürgergemeinde zu ver 
geben hat, für sich expropriiert hat. Die Dienstbezeichnung als Bürger 
meister ist nicht Schall und Rauch und kein leerer Name, sondern der 
höchste Grad in den Gemeindeämtein. Die Vergebung des Amtes 
nebst seinen Titel steht der Gemeinde zu. IDer Staat hat nur das Be- 
stäligungsrecht. Durch die erstmalige Verleihung des Bürgermeister- 
titels an die Vorstünde von Landgemeinden wird also nicht nur die 
äußerliche Grenze in der Gemeindeorganisation, der Unterschied 
zwischen Stadt- und Landgemeinde, vollständig verwischt. Der Titel 
als Bürgermeister verliert auch seinen eigentlichen Inhalt, weil er 
i ur noch eine äußerliche Auszeichnung für persönliches Wohlverhalten 
oder, wenn man will, auch für persönliche Verdienste darstellt, 
während ihm die reale Bedeutung der amtlichen Tätigkeit vollständig 
fehlt. Die Bürgerschaft des Landes hat allen Grund, sofort die 
tast.nde Hand, die in das Vcffassungsleben der Gemeinde hineingreift, 
abzuwehren, wie überhaupt der Sinn der Bevölkerung etwas empfind 
licher werden sollte gegen Titularauszeichnungen des Staates für die 
Vorstände von G'Nieindeverwaltungen. Dem Staate stehen Mittel 
genug ,u, um die Verdienste in öffentlichen Ämtern zu würdigen, da 
es an Orden, die auch noch den Grad der Verdienste charakterisieren 
könnten, wirklich nicht fehlt. Ein Gemeindeoderhaupt bedarf keiner 
staatlichen Charakterbezeichnung, die es in eine bestimmte Rangklaffe 
unterordnet, während es in seinem eigenlichen Dienstbezirk den höchsten 
Rang bekleidet. Durch dieses äußerliche Moment werden die Ge 
meinde, orstände in eine gewisse Abhängigkeit zum Staate gebracht, 
und es gab eine Zeit, da man — in Berlin wenigsten — in diesem 
Punkte sehr kitzlich und feinfühlig war. Der Oberbürgermeister Zelle 
war für sein Amt unmöglich geworden, als er, der in seiner Person 
die Geuieindeautonomie zu repräsentieren hatte, den Minister des 
Innern als seinen jChef bezeichnete. Heute, im Zeitalter der Friedens- 
marschälle, ist die Empfindung dafür verloren gegangen, daß nur der 
innerste Gehalt einem amtlichen Titel seinen Wert verleiht, daß aber 
der Titel als Schmuck, wie Schopenhauer sagt, doch nur ein simulierter 
Wert ist. „Der Rang", so heißt es bei diesem geradezu brutalen 
Pessimisten der Wahrheit, „so wichtig er in dem Auge des großen 
Haufens und der Philister und so groß sein Nutzen im Getriebe der 
Staatsmaschine sein mag, läßt sich mit wexigen Worten abfertigen. 
Er ist ein konventioneller, das heißt eigentlich ein simulierter Wert. 
Seine Wirkung ist eine simulierte Hochachtung und das Ganze eine 
Komödie für den großen Haufen." Solange allerdings die Kosten 
für diesen äußerlichen Schmuck und Behang nicht mit ideellen Ver 
mögensstücken bezahlt werden, liegt kein Grund vor, irgend welche 
Betrachtungen darüber anzustellen. Hier aber wird eine ganz offen- 
kundige Münzverschlechterung getrieben, gegen die entschieden Ver- 
Wahrung eingelegt werden muß. Der Bürgermeistertitel darf nicht zu 
einer tauben Nuß werden. Das müssen sich vor allen Dingen die 
Landboten gesagt sein lassen, die hoffentlich in der nächsten Tagüng 
an diesem Vorgang nicht stillschweigend vorübergehen werden. 
Wir können nicht begreifen was die Verleihung des 
Titels „Bürgermeister" an einen Vorsteher der Amts- und 
Gemeindeverwaltung für eine Schädigung der Selbstver 
waltung bringen soll. Tatsächlich z. B. hat Friedenau 
seine Selbstverwaltung beibehalten und wird auch, so lange 
es selbständig bleibt, so weiter bestehen. Was nun die 
Verleihung des Titels selbst betrifft, so wollen wir ver 
raten, daß die Gemeindevertretung s. Z. in geheimer 
Sitzung (in Abwesenheit des Herrn Schnackenburg) ein 
„Da geschähe Ihnen recht, warum sprechen sie nicht!" 
rief Constanze erbost. 
„Aber sic mußte doch wissen —" 
„Ach was — wissen! Wie könnte ich wissen, daß mein 
Verlobter mich liebt, wenn cr's nicht gesagt und um mich gc- 
ivorben hätte, gerade nachdem wir reich geivorden. Es ist 
niemand eingefallen zu denken, daß er ein Geldjägcr sei!" 
Das war ein erdrückendes Argument. Ter arme Signor 
Monto schwieg und fragte sich entsetzt, ob er recht getan. 
Und nun tröstete ihn Constanze wieder und so vergingen 
den beiden dke Stunden wie im Fluge. Sie hatten sich so 
unendlich viel zu sagen! Monto konnte nicht genug von 
Ellen hören, und Constanze fühlte sich zum ersten Male im 
Leben in der wundervollen Wichtigkeit der Vertrauten und 
Ratgeberin eines ratlosen Verliebten. 
* ♦ 
Während sie so sprachen, hatten Ducetti und Irene eine 
nicht weniger ernste Unterhaltung. 
Es war dem ersteren noch eben zweifelhaft gewesen, ob 
er das verhängnißvolle Wort sprechen solle; es drängte ihn 
heute nichts dazu, er sagte sich ganz klar, daß er keinem 
Weibe auf der Welt Liebe zu bieten habe, in dem Sinne, 
wie die Jugend liebt. Ihm kam auch die Angst vor all den 
Verpflichtungen, die eine schöne junge 'Frau ihrem Gatten 
auferlegt, und er verabscheute derartige Rücksichten, hatte auch 
weder Zeit, noch Verständnis dafür. 
Und während er so zauderte, überkam dem jungen Mädchen 
mehr und mehr das klare Bewußtsein seiner unbeschreiblich 
peinlichen und demütigenden Lage. 
Nachdem die Marchesa Irene mit schonungsloser Deut 
lichkeit gesagt, daß eine Partie, wie Ducetti, ihr voraussichtlich 
nicht wieder geboten werden würde, und daß außerdem 
Dankbarkeit sie verpflichtete, den großmütigen Freund nicht 
stimmig beschloß, für den Herrn Amts- und Gemeinde 
vorsteher den Titel Bürgermeister zu beantragen und 
.wurde der Herr Landrat ersucht, dies Gesuch bei der 
Regierung zu befürworten. Wenn trotz des Titels Bürger 
meister einstweilen unser Ort doch Landgemeinde bleibt, 
so wird jeder, der Friedenau kennt, es nur als eine regel 
rechte wohlhabende Stadt bezeichnen. Landwirtschaft 
treiben einstweilen nur die Laubenkolonisten. Aber auch 
diese werden, indem so weiter gebaut wird, in 5 Jahren 
verschwunden sein. 
t Straßenregulierung. Noch in keinem Jahre 
dürften in unserem Orte so umfangreiche Straßen 
regulierungsarbeiten ausgeführt worden sein, wie in 
diesem Sommer. In der Kaiseralle? ist bereits an ver 
schiedenen Stellen das Steinpflaster entfernt und an der 
Kirche sogar schon die Betonunterlage gelegt. Die Fertig 
stellung der Arbeiten bis zum 1. Oktober wurde einzelnen 
Firmen streckenweise übertragen und zwar die Strecke 
zwischen Platz bis Wiesbadener- und Schmargendorferstraße 
und Rheinstraße der Firma Hein & Andrch der Friedrich 
Wilhelmplatz vonEWiesbadener- und Schmargendorferstraße 
sowie die Strecke zwischen Platz und Ringbahn der Firma 
„Deutsche Asphaltgesellschaft". Die Regulierungs- und 
Asphaltierungsarbeiten in der Wilhelmstraße, die demnächst 
in Angriff genommen werden sollen, sind der Firma 
Reh & Co. übertragen, die des Hamburger Platzes und 
eines Teils der Stubenrauchstraße dem Steinsetzmeister 
Herrn Ritze hier. Ferner werden im Laufe des Sommers 
die Straße 8, von der Wiesbadener- zur Schwalbacherstraße, 
und die Straße 10, vom Friedhof zur Taunusstraße 
Asphalt erhalten. Der Ausbau der Straßen 2 und 4 
wird in diesem Jahre kaum mehr erfolgen. Zur Be 
aufsichtigung der in diesem Jahre zur Ausführung 
kommenden Arbeiten hat die Gemeinde eine technische 
Hilfskraft angestellt. 
■f In tiefe Trauer wurde unser Mitbürger Herr 
Kgl. Kammermusiker Günther durch den Tod seiner 
Gattin versetzt. Herr Günther sowohl als seine Gemahlin 
(eine hervorragende Sängerin) sind in unserem Orte 
wohl bekannt durch ihre Opferwilligkeit, mit der sie 
jederzeit ihre Kunst in den Dienst der Wohltätigkeit 
gestellt haben. Die Beerdigung findet am Sonntag 
Nachmittag V2 4 U£jt auf dem hiesigen Friedhofe statt. 
t Rasch tritt der Tod den Menschen an. Aus 
Bad Nauheim kommt uns die Nachricht zu, daß infolge 
eines Herzschlages, der dort zur Kur weilende Kgl. Amts- 
gerichtsrat Bach von hier plötzlich verschieden ist. Herr 
Bach, der Schwiegersohn des im vorigen Jahre verstorbenen 
Rentiers Carl Eggers, hatte das Bad Nauheim zur Kur 
aufgesucht und wollte nun nach Beendigung derselben seine 
Angehörigen aus dem Seebade abholen. Am Tage der 
Abreise erlitt er nun einen Herzschlag, der seinem Leben 
ein jähes Ende bereitete. 
ch Zweimal begraben. Ein unliebsamer Vorfall 
spielte sich gestern auf unserem Friedhofe ab. Auf ^6 Uhr 
war die Beerdigung der Zwillingskinder des in der Albc- 
straße wohnhaften Kürschnermeisters H. festgesetzt. Als 
die trauernden Eltern wenige Minuten nach 1 / 2 6 Uhr aus 
dem Friedhofe eintrafen, wölbte sich bereits der Grabes 
hügel über den beiden kleinen Leichen. Der Friedhof 
inspektor hatte die Beerdigung bereits veranlaßt, weil er, 
wie er selbst angab, geglaubt hatte, die Mutter liege noch 
krank und der Vater sei an der Arbeit. Die Eltern 
waren natürlich über diese Pietätlosigkeit auf höchste ent 
rüstet, zu dem die Uhr noch nicht 5 Minuten über 1 / i 6 Uhr 
zeigte. Die Angelegenheit wurde dem hiesigen Standes 
amte unterbreitet. Die Leichen werden ausgegraben und 
müssen auf Kosten des Friedhofsinspektors nochmals be 
erdigt werden. 
-j- Roggenernte. Auf den Feldern in der Um 
gegend Berlins waren gestern viele Hände mit dem Ein 
fahren des Roggens beschäftigt, von dem ein großer Teil 
wegen der regnerischen Witterung der letzten Zeit noch 
nicht geborgen werden konnte. Schon am Mittwoch hatte 
das warme Wetter zum Trocknen des Getreides viel bei 
getragen. 
f Mänuer-Turuvercin. Als Ergänzung zu der 
gestrigen Notiz diene folgendes: Das Gauturnfest des Havel 
ländischen Gaus findet am 12., 13. und 14. August in 
Oranienburg statt. Der Verein als solcher fährt Sonn 
abend, den 12. August vom Stettiner Vorortbahnhof um 
5.25 Uhr nachmittags ab. Als Standquartier ist das 
„Hotel Reichsadler" — Oranienburg, Bernauerstr. 30 — 
zurückzuweisen, nachdem sie Irene dann klar gemacht, welche 
Zukunft ihrer warte, als armes Mädchen, im Dienst vornehmer 
Damen — da hatte diese sich ohne Weile bereit erklärt, die 
Werbung anzunehmen. 
Warum sollte sie auch nicht? Die Marchesa war bei 
dem tadellosen Verhalten gegen ihre Dienerschaft eine harte, 
rücksichtslose Herrin, der es nie in den Sinn kam, deren 
Gefühle zu schonen. — Irene, verwöhnt ini Eltcrnhause, aus- 
gewachsen in dem Wahn- an eine schöne Zukunft, hatte nur 
zu deutlich gefühlt, daß die Marchesa sich mit ver Glorie der 
Barmherzigkeit schmücken wollte, als sie sich des plötzlich ganz 
verivaisten Mädchens annahin. Und dann war das, was sie 
ihr bor, eine endlose Kette von Kränkungen, Verletzungen und 
Demütigungen gewesen — eine Kette ohne Ende, die jetzt 
plötzlich Ducettis Heiratsantrag durchbrechen sollte. 
Und sie hatte ihm in ihrem Sehnen nach Freiheit, in 
ihrem unbegrenzten Vertrauen zu ihm ganz offen gezeiqt, daß 
sie nur auf seine Frage warte. 
Ter ganze Mädchenstolz brach in der Gekränkten zu 
sammen, und ehe sie es selber wußte, wie ihr geschah, stürzte 
ihr ein Strom von Tränen aus ihren Augen. 
Er erschrak, begriff und bedauerte sie, und so kam es 
daß er nun doch sprach. Aber er selbst hörte, wie seltsam ge 
zwungen und gewunden die paar Sätze klangen; ihm war 
dabei, als hielte ein rätselhaftes Etwas jedes Wort zurück. 
Sie nahm seinen Antrag dennoch an, aber ebenso kühl 
und fast nüchtern; nur sehr bedrückt und traurig. 
„Sie wollen mich nur aus Mitleid heiraten. Sie sind der 
edelste aller Menschen," sagte sie müde, „aber sie lieben mich 
nicht, und meine Dankbarkeit und Verehrung sind ja auch 
nicht Liebe, wie ich mir sie vorstelle!" 
„Und nun weisen Sie mich ab?" rief er mit plötzlich 
ganz verändertem, erschrecktem Ton. 
in Aussicht genommen. Anmeldungen zur Teilnahme an 
dem Fest sind spätestens bis zum 30. Juli an Obrrturn- 
wart Kühn. Friedenau, Eschenstr. 1- 1 Tr. l., zu richten. 
In denselben ist anzugeben, ob und für welche Tage 
freies Nacht-, oder billiges Gasthausquartier gewünscht 
wird. Der Festbeitrag von 60 Pfg. pro Person darf auch 
nachträglich entrichtet werden. — Vorschriftsmäßiger Turn 
anzug ist dringend erwünscht, Turnerhut unerläßliche 
Bedingung. 
t Der Jüuglingsverei» beteiligt sich am nächsten 
Sonntag an einem Ausflug des Kreisverbandes Berliner 
Jünglingsvereine nach dem Müggelsee. Treffpunkt 6% Uhr 
Friedenauer-, Ecke Stierstratze, dann Marsch nach Bahnhof 
Papestraße. Fahrt nach Treptow. Nachzügler fahren um 
71/2 Uhr ab Friedenau-Wilmersdorf bis Treptow. — Die 
Versammlung fällt an diesem Tage aus. 
f Kaiser Wilhelmgarteu. Wir machen hiermit 
auf die morgen Abend im Kaiser Wilhelmgarten statt 
findende Vorstellung des Ensembles der Führmann, 
Walde-Sänger ganz besonders aufmerksam. Das Pro 
gramm ist vollständig neu und dürfte vor allem die 
Burleske „Friedenau auf Walzen" stürmische Heiterkeit 
hervorrufen. Auch die übrigen Nummern des Programms 
werden gewiß allgemeinen Beifall finden. Herr Walde 
als Damenimitator findet ja nicht leicht eine ebenbürtige 
Konkurrenz. Wenn Herr Walde als fesche Soubrette über 
die Bühne schreitet, dürfte er manche „echte" Soubrette in 
den Schatten stellen. Gang, Haltung und Sprache sind 
so vollkommen einer Dame gleichend, daß man sich, wie 
uns von einigen Besucher versichert wurde, in diese Pseudo 
dame verlieben könnte. Auf jeden Fall wird niemand das 
Theater gelangweilt verlassen. 
f Feuer auf de« Güterbahnhof. Heute Vor 
mittag 1 / 2 11 Uhr ertönte das Signal „Feuer im Ort" 
Auf dem Güterbahnhof Friedenau-Wilmersdorf war ein 
Waggon Preßkohlen durch Selbstentzündung in Brand 
geraten. Die Wilmersdorfer Wehr war schleunigst zur 
Stelle. Mit ihrer Hilfe wurde der Wagen auf das äußerste 
Geleise geschoben und das Feuer mit einer Schlauchleitung, 
die an den nächsten Hydranten angeschlossen war, erfolg 
reich bekämpft. Die Friedenauer Wehr brauchte nicht in 
Tätigkeit zu treten. Kurz nach 11 Uhr war jede wettere 
Gefahr beseitigt. 
Werttn und Vororte. 
8 Zur Fortführung der Hochbahn nach dem 
Spittelmarkt haben wir bereits gemeloet, daß die Gesell 
schaft sich jetzt bereit erklärt hat, die Erweiterungslinie 
auch unter die Tauben- anstatt Mohrenstraße zu legen, 
wowohl die Wetterführung des Tunnels vom Hausvogtei 
platz durch die Niederwallstraße wegen der geringen 
Breiten der letzteren einige Schwierigkeiten bietet. Am 
Spittelmarkt ist die Straße nicht viel über 10 Meter 
breit, von denen der Tunnelbau allein 8 Meter für sich 
beansprucht; zwischen den Fundamenten der Häuser und 
den Tunnelwänden bleibt demnach npr ein schmaler 
Raum übrig, in den die Gas- und Wasserrohre verlegt 
werden müssen. Trotzdem hat sich die Gesellschaft zu 
einer Änderung des Projekts entschlossen, weil sie hofft, 
damit die Schmierigkeiten beseitigen zu können, welche sich 
dem Plane der Anlage einer Parallelstraße vom Haus 
vogteiplatz nach dem Spittelmarkt entgegenstellen. Zu 
diesem Straßendurchbruch, der ca. 7 Mill. Mark kostet, 
will die Gesellschaft bekanntlich nur eine Million bei 
steuern, während der Magistrat 3 Millionen verlangt; an 
eine Einigung auf dieser Grundlage ist kaum zu denken, 
zumal die Gesellschaft zum Bau ihres Tunnels einer 
Straße garnicht bedarf. Freilich würde die erstgeplante 
Trace durch die Mohrenstraße eine fast schnurgerade Linie 
darstellen und schon um des neuen Verbindungsweges, 
der zur Entlastung der Leipzigerstraße dringend notwendig 
erscheint, der Führung durch die Taubenstraße vorzuziehen 
sein. Dazu kommt, daß die Stadtgemeinde sich im 
Vertrage doch das Recht der Übernahme der Bahn nach 
20 oder 25 Jahren vorbehält, also im eigenen Interesse 
handelt, wenn sie unnötige Krümmungen der Bahn 
möglichst vermeidet. Indeß wird man auch den neuen 
Vorschlag mit Freude begrüßen müssen, da dieser mehr 
Gewähr dafür bietet, daß die Hochbahnoerlängerung, um 
welche man jetzt seit 8 Jahren streitet, in absehbarer Zeit 
ausgeführt wird. Ob mit dem Tunnelbau zugleich die 
längst ersehnte Verbreiterung der Niederwallstraße ver 
bunden werden wird, erscheint fraglich, da diese wohl 
Daß sie ihn zurückweisen könnte, empfand er zu seiner 
eigenen Uebcrraschung wie einen Schlag. 
Sein Aufschrei berührte sie nun aber wie eine Tröstung 
für ihren verivundeten Stolz. 
„Ich will die Ihre werden, Herr Ducetti, und Ihnen 
aus meinen Knieen danken, daß Sie mich aus der Sklaverei, 
in der ich lebe, befreien. Aber — lassen Sie mich offen sein 
— Sie sind alt — viel älter als ich —." 
„Wahr! Wahr! Ich bin alt — bin nicht —' 
»Nein, nein, Herr Ducetti," unterbrach nun wieder sie 
ihn — „das hab ich nicht sagen wollen! Lassen Sie mir 
nur Zeit, mich in Ihre Art hineinzugewöhnen. Ich will mein 
Bestes tun, mein edler teurer Freund, nur — nur —. Nehmen 
Sie mich mit nach Mailand zu Donna Laura! O, Sie stutzen? 
Sie begreifen mich nicht? Ach, ahnten Sie nur, wie die Mar 
chesa daraus brennt, mich los zu werden, wie all ihre schönen 
Worte, ihre Güte nichts sind als Komödie, und wie —. 
Doch, rch will sie nicht anklagen. Ihr Neffe liebt mich, er 
töm mich heiraten, und darum muß ich fort um jeden Preis 
— sei es als Ihre Gattin, sei es im äußersten Falle in ein 
Kloster!" 
Sie hatte seine Hände ergriffen, sie sprach zu ihm mit 
dem Verrrauen einer Tochter. 
Er zog sie an sich: „Ich danke Ihnen, Irene, für ihr 
Vertraueii. Sie sind offen — Sie geben mir sehr ivenig — 
aber —* er wurde furchtbar bleich — ,.jch habe kein Recht 
auf mehr. ^ Komliien e--ie in mein Haus als ivillkommener 
^st-^ 'Ü das Ihrige, sobald Sic es betreten." 
Für einen Moment war das volle Vergessen über ihn 
gekommen und eine junge, frohe Wärme; aber sofort verpflog 
fi’- C r ® C J U W» und stammelnd, ganz aus allen Himnieln 
j gestürzt, schloß er, sich uiit unmenschlicher Gewalt bezwingend. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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