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Periodical volume Nr. 172, 25.07.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

sie zwar nichts vermissen, dagegen desto mehr an Deut 
lichkeit, die ja doch die Hauptsache ist. Die nötigen Ab 
änderungen werden nun getroffen werden. 
Vom Dieselmotor. Der Zylinder des im 
Elektrizitätswerk zur Aufstellung kommenden Dieselmotors 
muß ständig beim Betrieb mit Waffer gekühlt werden, 
um ein Heißlaufen zu verhüten. Diese ununterbrochene 
Zuführung von Leitungswaffer würde aber große Kosten 
verursachen und die Gemeinde hat daher einen Brunnen 
bohren lassen, um aus diesem das Kühlwasser zu ent 
nehmen. Man war anfänglich der Ansicht, solches schon 
bei einer Tiefe von 6 Metern zu erhalten, die Versuche 
lieferten jedoch erst bei 13 Metern ein günstiges Resultat. 
An der Maschine selbst wird nun eine Säugpumpe an 
gebracht werden, die das Wasser aus dem Brunnen direkt 
dem Zylinder zuführt. Auf jeden Fall spart die Gemeinde 
auf diese Weise viel Geld. 
-j- Vorortverein. In der Wanderversammlung in 
Birkenwerder am letzten Sonnabend wurde der Entwurf 
der umgearbeiteten Baupolizeiverordnung für die Vororte 
von Berlinin zwei Druckexemplaren mit einem Schreiben 
des Ministers der öffentlichen Arbeiten und des Ministers 
des Innern vorgelegt. In dem Schreiben heißt es, daß 
der Entwurf einer Anzahl von Sachverständigen und 
Interessenten vorgelegt werden solle, und daß auch der 
Berliner Vorortverein aufgefordert werde, Abänderungs 
vorschläge zu machen und zu einer Ende September im 
Abgeordnetenhause abzuhaltenden Besprechung zwei Ver 
treter zu entsenden. Zum Schluß des bemerkenswerten 
Schreibens wird gesagt: 
„Wir bemerken noch, daß aus naheliegenden Gründen die Ab 
grenzung der einzelnen Bauklaffen nicht Gegenstand der Besprechung 
sein kann. Im Hinblick hierauf beschränkt sich der Entwurf auf die 
materiellen Bestimmungen der Verordnung, auch wie diese allein in der 
Beratung im Ageordnetenhause zur Erörterung gelangen sollen." 
Die Petition an die königl. Eisenbahndirektion Berlin 
mit Wünschen für den Winterfahrplan hat eine sehr um 
fangreiche Beantwortung erfahren, aber das Ergebnis ist 
recht dürftig. Abgelehnt hat die Eisenbahndirektion 
das Gesuch, den Preis der Fahrradkarten im Vorortverkehr 
auf 25 Pfg. herabzusetzen. In den Gründen für diese 
Ablehnung heißt es: 
„daß die Beförderung ron Fahrrädern in erheblich größerer Zahl 
als jetzt, bei dem Fahrplan und den sonstigen Einrichtungen des Lor- 
ortzugverkehrs unmöglich sein wü de. Dagegen werden die Vorschläge, 
die einmal gelöste Foh, radkarte beim Übergang von einer auf die 
andere Voronstrecke. sowie von einer Vorort- auf eine Fernstrecke und 
umgekehrt bis zur Bestimmungsstation für gültig zu erklären, in Er- 
Wägung gezogen". 
Grundstücksmarkt. Westlich der Kaiserallee sind 
in den letzten Tagen wieder mehrere Grundstücke verkauft 
worden; wenn auch die Auflassung noch nicht erfolgt ist, 
so ist doch zu erwarten, daß wahrscheinlich noch in diesem 
Jahre mit der Bebauung begonnen werden wird. Angekauft 
wurden Parzellen an der Wiesbadenerstraße, die dritte 
bisher noch unbebaute Ecke am Schillerplatz für 250 000 
Mark und das Grundstück, auf dem sich zur Zeit der 
Grube'sche Spielplatz befindet, der jedoch noch bis Oktober 
bestehen wird. Auch in der Feurigstraße ging ein größerer 
Grnndstückswechsel vor sich und zwar für 208 000 Mark. 
Auch hier soll die Auflassung noch erfolgen. 
st Jakobus. Der heutige 25. Juli ist dem An 
denken an den Apostel Jakobus, den älteren, geweiht, der 
in Spanien unermündlich für die Ausbreitung des Evan 
geliums tätig war und der heute als der Schutzheilige 
jenes Landes angesehen wird. Jakobus der Altere hat 
von allen Aposteln als erster den Märtyrertod erlitten; 
Herodes Aprippa I. ließ ihn enthaupten. Hier knüpfte 
die volkstümliche Legende an, wonach der Ankläger des 
Apostels sich schließlich selbst als Christ bekannt habe und 
dann zugleich mit Jakobus den Märtyrertod gestorben sei. 
Der Jakobustag, der meistenteils die Ernte einleitet, wurde 
früher Kartoffeltag genannt, weil von diesem Tage an 
einheimische Kartoffeln der Gesundheit wegen erst verkauft 
werden durften. Die Einführung von Frühsorten hat 
diesem Gebrauch ein Ende gemacht. An manchen Orten 
wird dieser Tag durch Wallfahrten gefeiert. Der Aber 
glaube meint: „Regen an diesem Tag verdirbt die Eicheln, 
viele Lämmer am Himmel bedeuten viel Schnee für den 
künftigen Winter". Wird Weißkohl nicht vor Jakobi be 
hackt, so bleiben seine Köpfe klein. In der Gießener 
Gegend, wo die Frauen am Jakobitage das erste Gemüse 
zu holen pflegen, kennt man den eigentümlichen Brauch, 
dabei an eine große Kohlpflanze zu schlagen und zu 
sprechen: „Jakob! Dickkopf! Häupter wie mein Kopf! 
Blätter wie meine Schürze! Strünke wie mein Bein!" 
Die schwarzen Jakobsbeeren, die man in Thüringen an 
Jakobi sucht, sollen gegen viele Krankheiten helfen, und 
ebest solche Wirkung schreibt man in Böhmen frischem 
Ziegenblut zu, das man an diesem Tage auffängt und 
besonders gern gegen Fallsucht anwendet. Hier dürfte 
wohl eine Erinnerung an ein uraltes, heidnisches Opferwesen, 
hauptsächlich Donar zu Ehren, an dessen Stelle in späterer 
christlicher Zeit Jakobus trat, vorliegen. Richt minder 
weisen auch die Jakobifeuer im Berner Oberlande auf 
heidnisch-germanische Opferfeste zurück. Vielfach sammelt 
man am Jakobustage die ausgegrabenen Wurzeln des 
weißblühenden Wegwart. Jakobus kündet ferner die 
Birnenreife an. — Ein alter Spruch sagt von diesem 
Tage: Jst's Wetter drei Tage vor St. Jakob schön, — 
So wird gut geraten das Korn auf den Höh'n, — Da 
fern es jedoch trübe und regnerisch wird, — Die Erde 
zumeist milzig Korn gebiert. 
t An Blinddarmentzündung erkrankt ist unser 
allgemein beliebter Mitbürger, Herr Schlächtermeister M. 
aus der Rheinstraße. Die Krankheit nahm in kurzer Zeit 
solch bedrohlichen Charakter an, daß eine Überführung in 
ein Krankenhaus dringend notwendig erschien. Obwohl 
das Lichterfelder Krankenhaus näher liegt, entschied man 
sich doch für das Britzer Krankenhaus, wo ja der dortige 
Professor ein hervorragender Chirurg ist. Die Operation 
wurde gestern ausgeführt und nahm, wie wir erfahren, 
einen guten Verlauf. 
f Das Abschneiden der Bronzedrähte der 
Telegraphenverwaltung in der Umgebung Berlins will 
kein Ende nehmen. Die Kaiserliche Oberpostdirektion 
Berlin hat deshalb die Belohnung für die Ermittelung 
der Täter jetzt von 50 auf 100 M. erhöht. 
f Die für die Anlage «nd Erweiterung des 
Schöneberger Stadtparks von den städtischen Körperschaften 
beschlossene Abänderung des Bebauungsplanes an der 
Wilmersdorfer Grenze hat nunmehr die Genehmigung der 
Polizeibehörde gefunden; es erfolgt die Verlegung der 
Kuppenheimer- und Erfurter Straße. Die Kuppenheimer 
Straße wird später einen Teil des vom Kaiser gewünschten 
großen Reitweges durch das Westgelände von Schöneberg 
aufnehmen, durch die Prinzregentenstraße gehen und am 
Bahndamm die Varzinerstraße in Friedenau entlang nach 
dem Grunewald enden. 
f Das Statistische Amt der Stadt Berlin 
bereitet mehrere wichtige Veröffentlichungen vor. Obenan 
steht hier eine Finanzstatistik von Berlin und den Vor 
orten. Dazu kommt eine Darstellung des Kranken 
versicherungswesens in Berlin seit der Einführung des 
Krankenversicherungsgesetzes von 1883 usw. 
f Ein Idyll aus demTierlebe» zu betrachten waren 
wir gestern^Zeuge. Eine junge Drossel machte im Garten 
eines Hauses in der Rheinstraße ihre ersten Flugversuche, 
von den Eltern dabei sorgfältig überwacht. Wohl etwas 
ermüdet, saß das kleine Tier nun auf einer Treppe, als 
der übermütige Teckel des Hausbesitzers .herangesprungen 
kam und den noch nicht ganz flüggen Sänger vertreiben 
wollte. Aber dem Störenfried sollte das nicht gelingen. 
Sofort waren Vater und Mutter Drossel zur Stelle und 
pickten im Fliegen, als sie ihren Liebling in Gefahr sahen, 
mit ihrem Schnabel auf den Hinterteil des Teckels ein, 
der nun seinerseits vorzog, schleunigst das Weite zu suchen. 
Die kleine Drossel kehrte dann ungehindert in das nahe 
Rest zurück. Gewiß ein schönes Bild aus dem Tierleben. 
t Rund um die Müggel. Der Bund für Jugend 
wanderungen „Alt-Wandervogel" veranstaltet auch während 
der Ferien neben den großen mehrwöchentlichen Wander 
fahrten regelmäßige Sonntagsausflüge. Am kommenden 
Sonntag ist eine besonders lohnende Wanderung in 
Aussicht genommen: Rund um den Müggelsee! Die 
Kosten des Ausfluges betragen einschl. Fahrgeld nur 
1,50 M. — Jeder wanderlustige Schüler ist herzlich will 
kommen. Anmeldungen auf Rückantwortkarte umgehend 
an den Führer Herrn Elektrotechniker Fritz A. Meyen, 
Steglitz, Schützenstraße 34 zu richten. 
Mechanisches Theater. Im mechanischen 
Theater, Ecke Schloß- und Bornstraße, finden heute und 
morgen Abend bie letzten Vorstellungen statt. Morgen 
Mittwoch, Nachmittag, Familien- und Kindervorstellung. 
Niemand versäume den interessanten Vorstellungen bei 
zuwohnen. 
f Baumfrevel. Allgemein wird darüber Klage ge 
führt, daß auf der Baustelle Jllstraße 7, Ecke Ringstraße 
die Nägel für die Baulaternen in die Bäume eingeschlagen 
werden. Es wären doch Mittel und Wege zu finden, die 
Laternen an anderen Gegenständen zu befestigen. 
Auf der Tour. Von einem Berliner Jnseraten- 
schwindler wird gegenwärtig die Provinz Brandenburg 
unsicher gemacht. Er stellt sich bei Hausbesitzern, die 
Läden zu vermieten oder Grundstücke zu verkaufen haben, 
als der Generalvertreter der Geschäftsverkaufs- und Ver 
pachtungsbörse, Berlin, vor und veranlaßt sie, in dem von 
der Gesellschaft herausgegebenen Offertenblatte zu inserieren, 
wobei er gleich das Geld für den Jnsertionsauftrag ein 
zieht. Der Schwindler, der früher bei der Gesellschaft 
tätig war und Karl Storch, aus Friedrichshagen gebürtig, 
heißt, hat etwa 75 M. durch diesen Schwindel erlangt. 
Schöneöerg. 
— Mit der Ausschreibung des Personal 
bedarfs für das Auguste Viktoria-Krankenhaus hat der 
Magistrat jetzt begonnen. Außer den 8 Ärzten und den 
beiden Apothekern werden 102 Personen für den Betrieb 
eingestellt. Die Eröffnung des Krankenhauses wird vor 
aussichtlich am 1. Juli n. I. erfolgen. Zur Erweiterung 
des Krankenhausgeländes ist eine nahezu 3 Ar große 
Parzelle erworben worden. 
— Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das 
in Schöneberg, angeblich an der Vorbergstraße 5 belegene, 
auf den Namen der offenen Handelsgesellschaft Blumen 
reich & Selten in Berlin eingetragene Grundstück am 
3. Oktober 1905, Vormittags 11 Uhr, versteigert werden. 
Das Grundstück, Hofraum, bezw. Vorgarten ist 14 Ar 
27 Quadratmeter groß und zur Gebäudesteuer noch nicht 
endgiltig veranlagt. 
— Automobilunfall. Derselbe trug sich vorgestern 
Nachmittags gegen 6 Uhr in der Grunewaldstraße zu. 
Dort wurde die Verkäuferin Anna Fiedler von einem 
übermäßig schnell fahrenden Automobil niedergerissen und 
überfahren. Die Räder gingen ihr über beide Beine hin 
weg, deren Unterschenkel gebrochen wurden. Die Ver 
unglückte wurde nach einem Krankenhause übergeführt. 
Wertin und Wororte. 
8 Die Bismarckstraste am Königsplatz, deren Name 
bekanntlich in Bismarck-Platz umgeändert werden soll, er 
hielt ihre Bezeichnung durch eine Kabinettsordre, die der 
alte Kaiser Wilhelm am 23. April 1866 an den damaligen 
Handelsminister richtete. Das Schreiben lautet: „Ich be 
stimme hiermit, daß eine der in der Gegend der Alsen- 
hrücke angelegte, nunmehr zu benennenden Straßen mit 
der Bezeichnung „Bismarckstraße" versehen werde, und will 
Ihrem Berichte darüber, welche dieser Straßen mit dem 
erwähnten Namen zu belegen sein wird, binnen Kurzem 
entgegensehen. Bis dahin soll die in Ihrem Berichte vom 
2. d. Mts. beantragte ablehnende Bescheidung der Haus 
eigentümer Pantz und Genossen auf das Gesuch wegen 
Umänderung des Namens „Wassertorstraße" in „Bismarck 
straße" noch ausgesetzt bleiben." Durch eine 2. Kabinetts 
ordre vom 15. Dezember 1866 wurde dann die Benennung 
endgültig festgesetzt. 
8 Mit der Errichtung neuer Baulichkeiten 
für die Akademie -er Künste ist jetzt auf dem Hinter 
lande des Arnimschen Palais auf dem Pariser Platz, dem 
zukünftigen Heim der Akademie, begonnen worden. Der 
Neubau der königlichen Bibliothek, in der auch die. Akademie 
der Wissenschaften untergebracht werden wird, ist in der 
letzten Zeit ziemlich weit vorgeschritten, so daß einzelne 
Teile bereits bis zum 1. Stockwerk emporragen. Beide 
Akademien haben jetzt eine provisorische Heimstätte in der 
alten Musikhochschule in der Potsdamerstraße. 
8 Eine von Richard Wagner herrührende 
Grabinschrift auf dem alten Jerusalemer Kirchhof an 
der Bellealliancestraße beginnt jetzt zu verlöscheu. Sie be 
findet sich an dem Gedenkstein für den früh dahingeschiedenen 
berühmten Berliner Pianisten Karl Taustg. Die schwer 
verständliche Inschrift lautet mit genauer Interpunktion: 
„Reif sein zum Sterben, des Lebens zögernd sprießende 
Frucht, frühreif sie erwerben in Lenzes jäh erblühender 
Flucht, — war es> dein Loos, war es dein Wagen, wir 
müssen dein Loos wie dein Wagen beklagen. (Richard 
Wagner.)" 
8 Die vielen großen und kleine» Reliefbilder 
an der neuen Grünstraßenbrücke sind jetzt fertig. , Je 2 
große Reliefs zu beiden Seiten stellen Szenen dar, wie sie 
in der Nähe einer Brücke vorkommen. Man sieht auf dem 
einen eine Schar junger Wäscherinnen ihre Arbeit am 
Flusse verrichten, auf dem andern wird in sehr lebendiger 
Weise die Rettung eines Menschen vorgeführt, der ins 
Wasser gefallen ist. Zu beiden Seiten des steinernen 
Bogens sieht man einen Mann die Brücke überschreiten, 
der eine schwere Last auf dem Rücken trägt. Das Brücken 
geländer sowie andere Teile des Bauwerks sind mit aller 
hand Wassertieren geschmückt. Die Brücke wird bereits in 
einigen Wochen für den Fußgängerverkehr freigegeben 
werden können. 
8 Die Königliche Gärtner - Lehranstalt z« 
Dahlem bei Steglitz veranstaltet vom 14. bis einschließlich 
den 19. August einen Obst- und Gemüseverwertungskursus 
für Damen und Herren, durch welchen den Interessenten 
Gelegenheit gegeben werden soll, ihre Kenntnisse in der 
Obst- und Gemüseverwertung zu erweitern und die Fort 
schritte in derselben kennen zu lernen. Vormittags von 
9—11 Uhr: Vorträge; Nachmittags von 3—6 Uhr: Prak 
tische Übungen. Das Unterrichtshonorar beträgt für Preußen 
6 Mark, für Nichtpreußen 9 Mark. 
8 Treptow-Sternwarte. Am 146. Beobachtungs 
abend des „Vereins von Freunden der Treptow-Stern? 
warte" Mittwoch, den 26. Juli, Abends 8 x / 2 Uhr, spricht 
im Hörsaal der Treptow-Sternwarte Herr Dr. Jaeckel 
über: „Die Entwickelungsgeschichte der Erde". Der Vor 
tragende wird die Hauptperioden der Erdgeschichte, Gas 
zustand, Verdichtung, Abkühlung. Mondbildung, Entstehung 
des organischen Lebens, wie auch: Phasen stärkerer Ab 
kühlung (Eiszeiten), Zukunft der Erde, behandeln. Mit 
dem großen Fernrohr wird von 9 x / 2 bis 12 Uhr Stern 
haufen im Herkules beobachtet. Ferner gelangen noch 
einige Geschenke für das Museum der Treptow-Sternwarte 
zur Vorlage. Gäste haben Zutritt. 
Steglitz. Der Bau der elektrischen Bahn von der 
Schloßstraße nach Dahlem—Grunewald schreitet rüstig 
vorwärts. Die Beschotterung der Grunewaldstraße ist zum 
größten Teil fertig, Dampfwalzen geben dieser. GleiS- 
unterlage die ersorderliche Festigkeit und Dauerhaftigkeit. 
Grunewald. Die günstigsten Wohnungsverhältniffe 
von Groß-Berlin weist Grunewald auf, wo sich die Ein 
wohnerschaft von 4377 Seelen auf 933 Familien verteilt,, 
so daß sich in jedem Hausstande durchschnittlich noch nicht 
ganz fünf Personen (genau 4,69) befinden; auf jedem 
Grundstück lebt im Durchschnitt nur eine Familie. Die 
Einwohnerzahl hat sich seit der letzten Volkszählung bis 
jetzt um 1147 Seelen oder um 35,5 v. H. vermehrt. 
Zuschriften. 
Auf eine Anfrage „Mehrerer Friedenauer" im „Friedenauer Lokal- 
Anzeiger" Nr. 170, welche wohl an mich gerichtet sein soll, diene 
folgendes zur Beantwortung t Ich selbst habe bei dem Bau nur die 
Maurer- und Zimmerarbeiten auszuführen, und keinen Einfluß darauf, 
daß die inneren Arbeiten, welche die Gemeinde Friedenau in eigener 
Regie ausführt, schneller gefördert werden. Bemerken möchte ich aber, 
daß ein kleines Gebäude, iir welchem sämtliche Professtonistew tätig 
fein müffen, dieselbe Arbeit wie ein größeres Gebäude verursacht. 
Diese Bemerkung diene den Fragestellern „Mehreren Friedenauer»", 
man kann wohl sagen „Mehreren Laien", zur Orientierung. 
Oscar Haustein. 
gerichtliches. 
P. Morphinismus. Eine übelbeleumundete Persönlichkeit 
wurde aus dem Moabiter Untersuchungsgefängnis der Strackammer 
vorgeführt. Der 63 jährige vormalige'Redakteur Hugo Püchel (auch 
genannt Püchler, Pichet rc.) mußte sich wegen eigenartiger.Urkunden- 
fälschungen und versuchten Betruges vor der genannten Strafkammer 
verantworten. P. war vor etwa 24 Jahren in Charlottenburg trotz 
hoher geistiger Begabung in vollständigen Verruf geraten, weil er 
durch seine unlauteren Manipulationen mit dem Strafgesetz in 
Konflikt geraten war. Seit jener Zeit ist er nicht weniger als 19 mal 
wegen Hochstapelei, Betrug, Unterschlagung rc. vorbestraft worden. 
Zuguterletzt ging P. unter die Morphinisten. Er war dem unde- 
zwinglichen Laster des Morphium- und Opiumgenießens verfallen. Um 
Morphium und Opium sich verschaffen zu können, fälschte er selbst- 
gefertigte Rezepte mit der Unterschrift „Dr. med. Püchler". Darauf- 
hin ließ er in verschiedenen Apotheken in Moabit, Charlottenburg. 
Schöneberg rc. Arzneien, zumeist Morphium-Präparate herstellen, d.e 
er für seine angeblichen Patienten gleich mitnehme, manchmal 
sogar auf Borg. Man wartete vergebens auf das Wiedererscheinen 
des Herrn Doktors. In dieser Weise machte „Dr. Püchel" die Runde, 
vom Halleschen Torbezirk in Berlin anlangend, nach Moabit und über 
Charlottenburg nach Schöneberg ziehend. Überall erhielt er das ge- 
wünschte Quantum Morphium. In Schöneberg wurde der Herr Doktor 
abgefaßt und der Polizei übergeben. — Vor der Strafkammer gab 
Püchel die ihm zur Last gelegten Straftaten zu. Er st llte aber ven 
Antrag, ihn auf seinen Geizieszustand untersuchen zu lassen. Der 
Gerichrshof lehnte diesen Antrag ab. Der Staatsanwalt beantragte 
2 Jahre Gefängnis. 5 Jahre Ehrverlust im Hinblick auf die vielfacden 
Vorstrafen. Das Urteil des Gerichtshofes lautete aus 9 Monate Ge 
fängnis und 2 Jahr Ehrverlust. 
Vermischtes. 
* Rathenower Schützenfest. Immer näher kommen die Tage 
heran, an welchen das große Schützenfest, die 75 jährige Jubelfeier 
der Wiedererrichtung der Rach nower Schützengilde veranstaltet wird. 
Die Vorbereitungen für die Festtage find, um sie äußerst glanzvoll ut 
gestalten, sorgfältig getroffen. Das Programm ist folgendermaßen 
festgesetzt: Sonnabend den 29. Juli: 8 Uhr abends Zapfenstreich; 
9 Uhr Kommers im Schützenhause. Sonntag den 30. Juli: 6 Uhr 
vormittags großes Wecken; 8 bis rl Uhr Empfang der auswärtig, n 
Kameraden auf den Bahnhöfen; 11'/, Uhr Ausstellung des Festzuges 
auf dem Markt und Abholung der Fahnen aus dem altstädtischen 
Rathause. 12 Uhr Abmarsch, Begrüßung durch Herrn 1. Bürger
        
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