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Periodical volume Nr. 171, 23.07.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

schrift soll textlich und illustrativ ein Kunstwerk sein. 
Knaben und Mädchen wollen kleine, spannend geschriebene 
Erzählungen, die nicht Schaudergeschichten mit Mord und 
Todschlag zu enthalten brauchen. Märchen, deutsche und 
morgenländische Sagen aus alter Borzeit, Tiergeschichten 
verschiedenster Art, die beliebten Robinsonaden und 
Abenteuererzählungen sind, wenn man die rechte Auswahl 
trifft, sehr zu empfehlen. Jeder bessere Buchhändler kann 
uns eine große Auswahl vorlegen. Man sehe aber nicht 
nur auf Titel und Bilder, sondern prüfe den Inhalt, sei 
es, daß man auch nur einige Seiten flüchtig durchlieft. 
Auch die verschiedenen patriotischen Erzählungen, wie die 
so sehr belehrenden und doch angenehm unterhaltenden 
kulturhistorischen Erzählungen namhafter Autoren, reihe 
man dem Bücherregal der reiferen Jugend ein. Die 
sogenannten Jndianergeschichten, wenn sie im Muster wie 
Cooper, Marryat, Wörrishöfer, Falkenhorst sich anlehnen, 
haben ihren erziehliche» Wert genau so, wie die sogen, 
moralischen Erzählungen vieler Geistlichen, die nur von 
Musterknaben und Mustermädchen reden und uns ihre an 
den Haaren herbeigezogene Ethik so aufdrängen, daß wir 
und unsere Jugend den Geschmack daran verlieren. Um 
unsere Jugend auch mit den wichtigsten Zeitereignissen 
und dem Leben unserer Erde bekannt zu machen, werden 
wir ihr auch Schilderungen aus Afrika, Amerika, Australien, 
aus den Eismeeren und Tropenwüsten wie aus dem 
Lande der schlitzäugigen Japaner und zopfigen Chinesen 
zueignen. 
ch Amtsjubiläum. Herr Pastor Görnandt konnte 
am Sonnabend sein 25jähriges Amtsjubiläum feiern. Wie 
wir erfahren, wird die Kirchengemeindevertretung Herrn 
Pastor Görnandt nach seiner Rückkehr aus dem Urlaube 
ein Geschenk überreichen, zu dessen Ankauf von den Mit 
gliedern Beträge gestiftet wurden. 
f Abgewiesen wurde vom Kreisausschuß der Eigen 
tümer August Windisch-Friedenau, der den hiesigen Amts 
und Gemeindevorsteher wegen Nichterteilung einer Schank 
konzession in seinem Hause im Verwaltungsstreitverfahren 
verklagt hatte. Der Kreisausschuß hielt eine Vermehrung 
der Schankstätten in der Rheingaustraße nicht im öffent 
lichen Interesse. 
s- Die Erneuerung der Lose zur 2. Klasse der 
213. Preußischen Klassenlotterie hat bis zum 7. August zu 
geschehen. Die Ziehung beginnt am 11. August. 
t Elektrische Motor-Omnibusse. Vor einigen 
Jahren ist in der Reichshauptstadt bereits der Versuch 
gemacht worden, elektrische Motor-Omnibusse für die Per 
sonenverkehr einzuführen. Der Versuch scheiterte aber an 
geblich an den hohen Herstellungskosten dieser Wagen. 
Durch die fortschreitende Technik sind die Motorfabrikanten 
aber jetzt in der Lage, ihre Fabrikate bedeutend billiger 
herzustellen. Wie wir hören, ist eine Kommission von 
Privatunternehmern in Tätigkeit, um die allgemeine Ein 
führung von Motor-Omnibussen in Berlin zu organisieren. 
Die Berliner Motoromnibusse sollen nach dem Vorbilde 
der Londoner hergestellt werden. In London haben die 
ersten Ablieferungen der Omnibusse großes Interesse erregt, 
und auch der Berliner Polizeipräsident v. Borries, der 
kürzlich in London war, steht der Einführung elektrischer 
Onlnibusse in Berlin nicht unsympathisch gegenüber. Es 
wurde für wahrscheinlich gehalten, daß die Londoner 
elektrischen Straßenbahnen, die sich als erste Wettbewerber 
um den Ortsverkehr der Eisenbahnen erwiesen haben, 
ihrerseits in gleicher Weise unter dem Wettbewerb der 
Motor-Omnibusse werden leiden müssen und daß den 
Eisenbahnen noch mehr Einbuße droht, wenn zwischen 
Straßenbahnen und Omnibussen scharfer Wettbewerb ent 
steht, da zu diesem Zwecke beide die Fahrpreise weiter 
herabsetzen könnte, als die Eisenbahnen. Die Einführung 
der Omnibusse hat eine hervorragende Wirkung auf die 
Pläne derjenigen gehabt, die auf die Errichtung neuer 
elektrischer Straßenbahnlinien, gemeindlicher wie unab 
hängiger, hinarbeiten, nun aber mit der Festlegung end- 
giltiger Vorschläge warten, bis sich der Einfluß der 
Motoromnibuffe auf die Straßenbahnen gezeigt hat. In 
genieure haben indessen herausgefunden, daß die Omni 
busse hauptsächlich in Bezirken zu verwenden sein werden, 
wo nicht genug Verkehr sein würde, um.das Legen eines 
Geleises und den Betrieb einer Straßenbahn zu recht 
fertigen. Einige Gemeindeverwaltungen die Straßen 
bahnen betrieben, haben begonnen, in abliegenden Be 
zirken mit geringer Bevölkerung, wo die Erträgnisse von 
Straßenbahnlinien gering sein würden, Motoromnibusse 
anderweit beschäftigen als mit solch dummen Krampszuständen. 
Komme niorgen wieder!" beschied der Arzt, ohne Ahnung, daß 
sein „Witzchen" mit dem Herzen von dem Patienten sehr 
ernst genommen wurde. 
* 
Constanze setzte sich mit einer Handarbeit an das Fenster. 
Papa sollte versuchen zu schlafen, aber Papa lag lange, 
sah seine Tochter mit ernsten kritischen Blicken an und fand, 
daß sie nicht entfernt so schön wie Irene sei. Sie ahnte nicht, 
was in seinen, Innern vorging und daß er sich mit höchster 
Selbstbeherrschung zwang, ihr zuzuhören, ohne auch nur mit 
einem Hauch seine Qual zu verraten. 
Sie saß in ihrem weißen, buntgeblümten Hauskleidchen 
da, wie ein freundliches Frühlingsbild, so jung und kindlich 
noch, so heiter und sorglos! Sie war hellblond wie ihre 
Mutter, die großen grauen Augen mit langen Wimpern 
machten einen dunklen Eindruck. — Lebhaft plauderte sie. 
Alles, was sie in der Abwesenheit ihres Vaters erlebt, wie oft- 
der .Judice gekommen und wie gut und freundschaftlich er bei 
jedem Anlaß für sie und Donna Laura gesorgt, und wie 
Signor Tommaso Älti, der Baumeister, auch jede Gelegenheit 
benutzt habe, ihr zu beweise», wie wert er ihren Vater hielt. 
„Alle lieben Dich! Jeder fragt nach Dir. Und in Nom hat 
Dich der Leutnant Bartolet mit einer reizenden Dame nach 
der Villa Appaiantica hinausfahren sehen," — fiel ihr plötz 
lich ein. 
„Ah, wirklich, er sah mich?" 
„Ja, und er lachte, daß Du garnicht geahnt hättest, 
»oie nahe er Dir war. Wie heißt denn die schöne Signora, 
Papa?" 
„Irene Sordagna, ihr Bruder studiert Medizin, Du wirst 
beide kennen lernen, wenn ich Dich nächstens mitnehme nach 
Rom — 
einzuführen. Bei der in Berlin herrschenden Schwierigkeit, 
Fahrgelegenheit zu bekommen, dürfte die endliche Ein 
führung von Motoromnibussen nur zu wünschen sein. 
f Zweckverband der Vororte In einigen 
Sitzungen der Berliner Stadtverordnetenversammlung 
wurde in der vergangenen Session mehrfach die Schaffung 
eines Zweckverbandes zwischen Berlin und den Vororten 
angeregt, da ja doch mit einer Eingemeindung großen 
Stils kaum mehr gerechnet werden kann. Es ist auch nicht 
ausgeschlossen, daß derartige Zweckverbände mit den Vor 
ortskommunen abgeschlossen werden, denn es ist der Beweis 
erbracht, daß dieser Ausweg gangbar ist, um Berlin auf 
dem Gebiet großer kommunalsozialen Einrichtungen, die 
allen Vororten zugute kommen, einigermaßen zu entlasten. 
i Neubau der Schöueberger Genoffenschafts 
bank. Der Bau des neuen Bankgebäudes schreitet rasch 
vorwärts. ES besteht Aussicht, daß der Bau zu Ostern 
nächsten Jahres bezogen werden kann. Das Erdgeschoß 
erhält als Verputz Sandsteinbekleidung. Das Grundstück 
selbst kostete 200 000 M-, der Bau wird auf 350 000 M. 
zu stehen kommen, so daß die Gesamtkosten 550 000 M. 
betragen. In üer Mitte der Front soll die Büste des 
verstorbenen Stadtverordnetenvorstehers Gustav Adolf 
Müller angebracht werden. 
f Zur Frage der Abänderung der Bau 
polizeiverordnungen für Berlin und Vororte vom 
Jahre 1903. Am Freitag den 14. Juli fand in den 
Räumen der Potsdamer Handelskammer, Berlin, Dorotheen 
straße 72/74, eine Zusammenkunft von Interessenten statt, 
welche sich mit der Frage beschäftigte, auf welche geeignete 
Weise man eine Abänderung der Bestimmungen der neuen 
Baupolizeiverordnungen für Berlin und Vororte vom 
Jahre 1903, soweit dieselben für Fabriken nachteilig sind, 
herbeiführen könnte. Es wurde einstimmig beschlossen, 
zu diesem Zwecke eine Vereinigung einer möglichst großen 
Anzahl von Interessenten zu gründen, die es sich zum 
Ziele setzt, bei den zuständigen Behörden die notwendigen 
Schritte zu unternehmen und denselben noch auszu 
arbeitende Abänderungsvorschläge zu unterbreiten. Zugleich 
wurde ein Ausschuß, bestehend aus den Herren Dr. O. 
Blank i. Fa. Hugo Blank, Chemische Fabrik Berlin- 
Hoherlöhme, Dr. A. Bannow, i. Fa. C. A. F. Kahlbaum, 
Berlin-Adlershof, E. Becker jr., i. Fa. E. Becker, Berlin- 
Reinickendorf, Dr. C. Sarnow, i. Fa. Aktiengesellschaft für 
Teer- und Erdöl-Industrie, Berlin-Erkner, Richard Schulz, 
i. Fa. Messingwerk Marienfelde Richard Schulz & Co., 
Berlin-Marienfelde, gewählt, der die Klagen und Wünsche 
aller Beteiligten zu sammeln und zusammenzustellen hat, 
um auf Grund davon das Weitere zu bewirken. Es ist 
notwendig, so lautet der Beschluß, daß die Ausstellungen, 
welche jeder Jntereffent an der Bauordnung zu machen 
hat, mit näherer Begründung an den Ausschuß bekannt 
gibt. Sobald die Auslassungen von den verschiedenen 
Seiten vorliegen, werden sie zusammengestellt und sollen 
auf Grund derselben Vorschläge ausgearbeitet werden, die 
alsdann den Behörden unterbreitet werden sollen. Es ist 
beabsichtigt, im August eine weitere Versammlung abzu 
halten, um an Hand des eingegangenen und zusammen 
gestellten Materials über die geeigneten Schritte zu be 
schließen. Sämtliche Zuschriften sind zu richten an Dr. 
O. Blank, Berlin W, Derfflingerstraße 15. 
f DaS Moltke-Denkmal aus dem Atelier unseres 
Mitbürgers Casal stammend, steht jetzt auf seinem 
Postamente, und damit giebt es an und auf dem Königs- 
Platze 6 Bildwerke des großen Strategen. An der Sieges 
säule befinden sich 3 Reiterfiguren von ihm und zwar an 
den großen Bronzereliefs, welche die Schlachten bei Königs- 
grätz und Sedan und den Einzug der Truppen in Berlin 
darstellen, ferner sieht man ihn auf dem Mosaikbild, das 
unS die Kaiserproklamation vorführt. Auch an dem 
Denkmal Kaiser Wilhelms in der Sieges-Allee, das un 
mittelbar am Königs-Platze steht, erscheint sein Medaillon 
bild. Außerdem wird das Andenken des Verewigten 
durch die Moltkestraße und die Moltke-Brücke geehrt, die 
ebenfalls beide in der Umgebung des Königs-Platzes 
liegen. Der Platz kann übrigens in diesem Jahre auf 
ein 175 jähriges Bestehen zurückblicken. Er wurde im 
Jahre 1730 abgeholzt und als Exerzierplatz benutzt, wo 
von er die Bezeichnung „Exerzierplatz vor dem Branden 
burger Tor" hatte. Im Jahre 1864 wünschten die an 
grenzenden Bewohner die Bezeichnung „Hohenzollern- oder 
Sieges-Platz". Der Magistrat schlug den Namen 
„Friedrichs-Platz" vor, da Friedrich der Große hier seine 
„Mich? Mich wirst Du mitnehmen? Und nach Rom? 
O Väterchen, wie lieb bist Du!" 
Sie sprang auf und küßte ihn. Er wehrte aber ab: „Laß-. 
Kind — Du nimmst mir die Lust! Setz Dich wieder hin und 
plaudere — mir wird jedes Wort schwer —" bat er. 
Sie tat, was er ivollte. Ihr Horizont war nicht auch 
viel weiter, wie der einer Klosterschiilerin. Von der Villa 
drüben redete sie und tote viel die jetzigen Besitzer anwandten, 
sie im Innern auszuschmücken. Sie ivar froh, daß der Vater 
auch an ihr Haus etwas wenden wolle, und daß sie jetzt nicht 
mehr so ängstlich ju sparen brauchten. Sie freute sich auch 
ans Rom so sehr; der Vater müsse ,hr aber ein hübsches Kleid 
daztl schenken. Und Ellen sei sehr liebenswürdig und ge 
wandt — sie habe aber auch einige Jahre vor ihr voraus. — 
Wenn sie innehielt in der Meinung, er schlafe, forderte er: 
„Sprich weiter! — Weiler!" Und sie tat es. 
Er wollte nur reden hören; — ihn peinigte förmlich 
jede Stille. — Die inneren Stimmen mußten übertönt werden. 
Das Gesagte lenkte auch seine Gedanken, wenn selbst nur für 
Momente, ab. 
Wenn er nur wüßte, ob er die Kraft haben würde, vor 
den neuen Nachbarn Unbefangenheit zu heucheln? 
* * * 
Ja, er fand diese Kraft. Ein fester Wille vermag die 
Nerven wunderbar zu beherrschen. 
Im Zirkus trafen sie zilsammen. 
Ducetti mit seinen Damen, denen sich der junge Signor 
Palmieri und später ein paar andere Herren anschlossen, hatte 
eine Loge genommen, Constanzes Wunsch zu erfüllen, noch 
mehr aber aus dem steten Drange nach Zerstreuung, der ihm- 
nachgerade selbst ganz eigen und sehr unbehaglich wurde. — 
Ta treuen in die Nebenloge die Floris; — Ellen und Con 
stanze begrüßten sich mit Enthusiasmus von Schulsreundinnen 
Paraden abgehalten habe. Da aber verschiedene Könige 
hier Paraden abhielten, wurde durch Kabinets-Ordre vom 
18. Dezember 1864 der Name „Königs-Platz" bestimmt. 
f Eine Deputation unserer Feuerwehr wohnte am 
Sonnabend dem Stiftungsfeste der Britzer Wehr in Britz bei. 
P Der Deutsche Kriegerbuud wird am 13. k. M. 
in Kiel den 31. Abgeordnetentag abhalten. Am Tage 
darauf wird der 4. Abgeordnetentäg des Preußischen 
Landes-Kriegerverbandes stattfinden. Der letzte Ab 
geordnetentag war vor 2 Jahren in Hirschberg in Schlesien 
versammelt. Eine Fülle von Beratungsgegenständen wird 
diesmal den Deutschen Kriegertag beschäftigen. Den 
wichtigsten Punkt der Tagesordnung bildet die vom Vor 
stande des Deutschen Kriegerbundes vorgeschlagene Finanz- 
und Verwaltungsreform. Danach sollen die Verwaltungs 
beiträge für den Deutschen Kriegerbund von 2 auf 4 Pf. 
jährlich auf den Kopf erhöht werden. Ferner soll, um 
die Unterstützungstätigkeit des Bundes zu verallgemeinern 
und sicherzustellen, ein Bundesbeitrag von 24 Pf. erhoben 
werden. Die Erhöhung beträgt für die jetzt schon zur 
Unterstützungskasse gehörenden Vereine im ganzen 8 Pf., 
für die übrigen aber 26 Pf. jährlich auf den Kopf. Der 
Vorstand des Deutschen Kriegerbundes hat die Not-' 
Wendigkeit dieser durchaus bescheidenen Reformvorschläge, 
die indes bei der Mitgliederzahl des Bundes von 1^ Mill. 
Mitgliedern ihre große Bedeutung haben, wiederholt über 
zeugend nachgewiesen, und es ist dringend zu wünschen» 
daß der Abgeordnetentag sie sich zu eigen macht. 
Die rühmlichst bekannte soziale Liebestätigkeit des 
Deutschen Kriegerbundes, die Unterstützung kranker 
Kameraden, die Fürsorge für Witwen und Waisen alter 
Krieger, würde nicht in der bisherigen Weise ausgebaut 
werden können, wenn die Vorschläge des Vorstandes 
scheiterten. Neben der Bundesfinanzreform ist ein das 
amtliche Blatt des Deutschen KriegerbundeS betreffender 
Antrag des Vorstandes von besonderer Bedeutung. Jeder 
Verein des Bundes, jeder Verbandsvorstand und jede 
Kriegersanitätskolonne des Bundes soll danach verpflichtet 
sein, für jedes angefangene 50 der Mitgliederzahl die 
„Parole" mindestens in einem Exemplar zu halten. Dieser 
Vorschlag beruht weniger auf finanziellen Gründen; viel 
mehr sollen dadurch die ^besonders hierzu befähigten 
Kameraden veranlaßt werdest, sich mehr als bisher mit 
dem Kriegervereinswesen zu beschäftigen, um für deffen 
Bestrebungen und Ziele zu wirken. Auch für den Ab 
geordnetentag des Preußischen Landes-Kriegerverbandes ist 
eine reiche Tagesordnung aufgestellt. Da der Preußische 
Landes-Kriegerverband Mitglied des Deutschen Krieger 
bundes ist, so wird die Finanzreform des Deutschen 
Kriegerbundes ihn ebenfalls beschäftigen. Hervorgehoben 
zu werden verdient auch der Antrag des Vorstandes, wo 
nach der Preußische Landes-Kriegerverband seine Orgarni- 
sation der Krieger-Sanitätskolonnen aufgeben will, um sie 
in die Organisation des Roten Kreuzes einheitlich ein 
zugliedern. 
-j- AuSflug. Die Angestellten und Bediensteten der 
Speditionsfirma Schuhmacher dahier machten gestern ihren 
diesjährigen gemeinsamen Ausflug. 
f Giftpflanzen. An Wegrändern, auf Schutt, an 
unbebauten Orten, sowie aber auch auf Ackern und in 
Gärten findet sich von jetzt ab bis in den Herbst hinein 
eine Pflanze mit kleinen weißen, der Kartoffelblüte in der 
Form ähnlichen Blüten, die ungemein giftig ist, und vor 
der besonders Kinder, die allein im Freien spielen, nicht 
genug gewarnt werden können, nämlich der schwarze Nacht 
schatten (Solanum nigrum). Die Pflanze hat einen 
ungefähr 30 Zentimeter hohen, verzweigten, krautigen 
Stengel und ist mit ovalen, am Rande gezähnten Blättern 
besetzt. Aus den Blüten entwickeln sich bald erbsengroße, 
anfangs grünliche, zur Zeit der Reife schwarz aussehende 
Beeren, die ebenfalls, wie das Kraut, ein starkes Nerven 
gift (Solanin) enthalten und deren Genuß Kopfschmerzen, 
Schwindel und Betäubung, manchmal sogar den Tod 
herbeiführt. Vor allem müssen Kinder jeden Alters, die, 
leicht die den Heidelbeeren ähnlich sehenden Früchte in 
den Mund stecken, auf die Gefährlichkeit der Pflanze und 
ihrer Früchte aufmerksam gemacht werden. Gleiche 
Wirkung haben auch die scharlachroten Beeren einer 
anderen Nachtschattenart (Solanum dolcamara), die auch 
in den Monaten Juni, Juli und August ihre violetten 
Blüten entfaltet und sich' in feuchten Gebüschen, an Teichen 
und Flußufern der näheren Umgebung unseres Ortes 
es gab eine allgemeineVorftellnng,— ein Durcheinanderplaudern, 
wie cs nicht lebhafter sein konnte — und Ducetti hätte auf 
lachen mögen vor Freude. — Es ging alles gut, viel leichter, 
als er erwartet. Herr Doktor Floris erinnerte sich seiner eben 
so wenig wie eine der Damen; — und hätten sie es getan, er 
war darauf vorbereitet. Wer erinnert sich denn der Phy 
siognomie ganz gleichgültiger Reisegefährten? Also die Sorge 
war unnütz. 
Dagegen sagte Dr. Floris: „Man meldete mir, daß Sie 
meiner Hülfe bedurften, Signor Ducetti. Ich bedauere sehr, 
nicht daheim gewesen zu sein, wenngleich ich mehr Chirurg 
bin und leider meine Kunst seit zwei Jahren aufgeben mußte, 
da ich in Folge einer Verivundung an einer Schwäche der 
Hand leide." 
Er zeigte dabei, wie das Gelenk schwach und steif ge 
worden. 
Tann redeten sie von der Restaurierung ihrer Häuser — 
alles so harmlos wie möglich. 
Unterdeß führte man eine Pantomime auf, in welcher es 
an der üblichen Mordszene nicht fehlte. — Ducetti saß wie ein 
Steinbild und sah festen Blickes darauf nieder. — Herr Floris 
ging hinaus, und als er wieder eintrat, warf er einen scheuen 
Blick in die Arena, wo man jetzt einen Gladiatorenkampf 
aufführte. 
„Ich bin etwas nervös seit der Ermordung einer alten 
Verwandten. Sie werden davon gehört haben! Sie war eine 
ganz harmlose alte Frau, aber leidenschaftliche Spielerin, und 
wie wir jetzt wissen, hatte sie in Montecarlo sehr viel ge 
wonnen. — Sie werden wohl davon gehört oder gelesen haben." 
„Ja, ich las davon!" bestätigte Ducetti mit einem Kopf 
nicken. Zu sprechen getraute er sich nicht. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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