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Periodical volume Nr. 170, 22.07.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

wünschen übrig, soviel auch schon daran herumgeflickl 
worden ist. Warum wird denn immer noch gesäumt, ein 
Projekt zu entwerfen? Friedenau braucht ein Rathaus, 
die Mittel sind in der Anleihe vorgesehen, warum noch 
länger warten? Warum wieder rückständig sein? Mit 
Volldampf voraus! Das Ansehen Friedenaus wird ganz 
entschieden noch mehr wachsen, wenn eS erst ein Rathaus 
hat. Ein Wohnungsuchender wird, wenn er das erstemal 
nach Friedenau kommt» in nicht seltenen Fällen zum Amte 
gehen und dort in erster Linie Erkundigungen einziehen über 
Steuerverhältnisse u. a. Kommt er nun von der Ring 
bahn. so präsentiert sich ihm in den nächsten Jahren rechter 
Hand daS gewiß schön bebaute Sportparkgelände, links der 
monumentale Bau des Gymnasiums und voll Erwartung 
wird er den Weg zum Rathause fortsetzen, um schließlich 
vor einem unansehnlichen Gebäude zu landen, das nur 
das preußische Wappen, das Wort Polizeiwache und die 
öffentliche Ausschreibung der Trunkenbolde als AmtS- 
gebäude kennzeichnet. Fährt der Wohnungsuchende mit 
der Elektrischen von Berlin nach Friedenau heraus, so ist 
der Eindruck, den er von unserer Prachtstraße erhält, 
gewiß der allerbeste» die schönen Vorgärten, selbst die 
neue Bedürfnisanstalt am Marktplatze werden ihm gut 
gefallen, nicht minder die Lauterstraße mit ihren schönen 
Alleebäumen, auch die Feurigstraße wird den guten Ein 
druck nicht verwischen, dann aber wird es ihm nicht anders 
gehen als seinem Freunde, der von der Ringbahn kommt; 
kopfschüttelnd werden beide vor dem Bau stehen, der sich 
Amtsgebäude benennt. Schließlich wagen sie e§ aber doch, 
betreten das Haus, studieren das Bureauverzeichnis und 
staunen, was nicht alles in dem kleinen Häuslein unter 
gebracht ist. Sie halten es nicht für möglich, daß der 
beleibte Wachtmeister, der ihnen eben in zuvorkommendster 
Weise eine Auskunft erteilt hat, hier, wo alles doch so 
eng und schmal ist, sein Amtszimmer hat. Der schlechte 
Eindruck, den die beiden vom AmtSgebäude gewonnen 
wird schließlich nur durch das freundliche Entgegenkommen 
der Beamten verwischt und die Wohnungsuchenden ent 
schließen sich doch, in Friedenau zu mieten, besonders 
nachdem ihnen schwarz auf weiß aus dem Voranschlag ge 
zeigt, was alles in Friedenau in nächster Zeit geschehen 
soll. Daß diese Wünsche alle Tatsachen werden, dafür 
wollen die Herren Gemeindeverordneten sorgen, nicht zum 
mindesten unser Herr draußen im Hotel am Ostseebade, 
der vor lauter Rathausgedanken seine beabsichtigte 
Dampferfahrt vergeffen hat. Ein Blick auf die Uhr: 
mittels Droschke wäre die Anliegestelle noch zu erreichen. 
An Droschken ist vor dem Hotel kein Mangel, in nicht 
allzuraschem Fiackertempo geht es vorwärts. Da gibt eS 
noch Zeit, von Friedenau weiter, zu träumen, während 
der Wagen dahinrollt. Eigentlich sitzt es sich recht bequem 
iu den Polstern. So etwas gibt es in Friedenau auch 
nicht.' Ja man kann wohl mittels Droschke von Berlin 
nach Friedenau fahren, aber in Friedenau selbst gibt es 
keinen Droschkenhalteplatz. Das wäre auch etwas, 
was Friedenau nötig hätte, denkt sich unser Herr 
Gemeindeverordneter und der Gedanke läßt ihm keine 
Ruhe bis er auf dem Dampfer festen Fuß gefaßt hat. 
Eine dringende Notwendigkeit ist es für Friedenau, daß 
ein Droschkenhalteplatz geschaffen wird, das ist das Ent- 
resultat seiner Fahrt. Nun gehts aber hinaus in 
die klare See. Hier fühlt er sich frei von allen 
Gemeindesorgen, besonders da er sich jetzt sein 
Programm für die nächste Sitzungsperiode gemacht 
hat. Die Schiffskapelle spielt die „Holzauktion" aber die 
Grunewaldbahn durch die Kirchstraße liegt in zu weiter 
Ferne, als daß er sich heute schon darüber Sorgen machen 
sollte, er starrt hinaus in den blauen Äther, ein herrliches 
Fata morgana spiegelt sich dort: der Friedensengel, nach 
Muster, wie er auf dem Friedenauer Lokalanzeiger zu 
sehen ist, hält seine Blumen über eine Volksbadeanstalt, 
ein Rathaus und eine Droschke, die an der Kaiser- 
eiche steht. F. B. 
Allgemeines. 
ff Für die Anmeldung von Ferngesprächen 
sind wiederum eine Reihe neuer Anordnungen ergangen, 
die zum Teil von allgemeinem Jntereffe sind. Die Ver 
bindungen für Gespräche von gleichem Range nach dem 
selben anderen Orte werden in der Reihenfolge der An 
meldungen ausgeführt. Für Vororts» und Ferngespräche 
mit Voranmeldung wird die Herstellung der Verbindung 
ihn bitten, für eine Viertelstunde zu mir zu kommen; die 
Sache habe Eile, sage noch, Beppo!" 
„Sehr wohl, Signor Ducetti!" 
»Und laß niir einen Kaffee und ein paar Eier schicken, 
Beppo!" 
„Sehr wohl!" 
„Und meine Cousine und die Siguorina sollen nicht ge 
weckt werden, Beppo, ich will erst ruhig mit dem Signor 
Mello reden." 
„Sehr wohl, gnädiger Herr!" Beppo verschwand. 
Ducetti ging im Zimmer auf und ab, mit kritischen, 
peinlich überraschten Blicken. 
Wie das alles abgenutzt und verwohnt war! Auf keinen 
Fall konnte er eine junge Frau so heimführen. Es würde 
einen Haufen Geld kosten! Und Irene hatte keinen Soldo. 
Aber er hatte es! Er konnte es sich jetzt erlauben. Schade, 
daß es jetzt nicht in die Zeitung kommen sollte, was es um 
seine Erfindung war! Aber das Kriegsministerium war nicht 
dumm! Andere Länder würden für dieselbe vielleicht das 
Doppelte zahlet. Ja — das — das ist man seinen: Vater 
lande schuldig! Gott, wie hatte er hier in diesen: verstaubten 
Zimmer gegrübelt und sich abgeängstigt mit dieser Erfindung, 
und draußen vor der Stadt in der elenden Hütte, iu welcher 
er sich seiue Werkstatt, sein Laboratorium eingerichtet. — Jetzt 
wurde das alles anders: — jetzt konnte er auftrete::, er würde 
sich ein geeigneteres Lokal mieten — nein — er würde es 
sich bauen — die Regierung hatte ihm ja die Mittel zur 
Verfügung gestellt. 
Er kan: als ein ganz anderer wieder nach Mailand. 
N:e:na::d nahm seither Notiz von dem armen Schlucker, dem 
Ingenieur Ducetti. Das wurde jetzt auch anders. Geld 
regiert die Welt. Vor dem Gelde kriecht die Menschheit; mit 
einer Flasche Champagner läßt sich schon mancher seine 
Mciuuna abkaufen. — Man muß eben das Geld richtig ge- 
auf Wunsch der anmeldenden Sprechstelle tunlichst so lange 
hinausgeschoben, bis sich die verlangte Person gemeldet 
hat. Die Namensübermittelung selbst erfolgt sobald als 
möglich nach Eingang der Anmeldung mittels Fernsprecher 
oder telegraphisch. Die verlangten Sprechstellen werden 
von der gewünschten Verbindung und der in Betracht 
kommenden Stunde der Ausführung sogleich in Kenntnis 
gesetzt. Auf Wunsch des angerufenen Teilnehmers kann 
die Verbindung auch mit anderen als der von auswärts 
verlangten. Sprechstelle innerhalb des Ortsnetzes hergestellt 
werden. Bei Gesprächen an öffentlichen Sprechstellen kann 
die Auswahl zwischen mehreren Stellen an demselben Orte 
zum Herbeirufen der verlangten Person der Vermittelungs 
stelle des Fernorts überlaffen werden. Die bei den öffent 
lichen Sprechstellen eingehenden Gesprächsankündigungen 
werden auf Telegramm-Ankunftsformulare geschrieben und 
offen bestellt. Wenn der Herbeizurufende am Fernorte 
nicht angetroffen wird oder der Aufforderung zum Ge 
spräche keine Folge leistet, so wird die öffentliche Sprech 
stelle, von der die Aufforderung ausgegangen ist. oder die 
Vermittelungsstelle, an die die Teilnehmerstelle des Auf 
fordernden angeschloffen ist, sowie der Auffordernde hiervon 
verständigt. 
0 Neue Vorschrift bet Quittungen auf Post 
anweisungen. Die Quittungsleistungen über Post 
sendungen an Handelsgesellschaften rc. zu deren Vertretung 
ein Gesellschafter für sich allein berechtigt ist, erfolgt gegeu- 
wärtig in der Weise, daß der Gesellschafter die volle Firma 
in der handelsgerichtlich eingetragenen Form eigenhändig 
niederschreibt. Jetzt ist jedoch angeordnet, daß, sofern die 
Firma außer einem oder mehreren Personennamen noch 
eine auf ihren Sitz oder ihre Erzeugniffe bezügliche Angabe 
enthält (z. B. Vereinigte Berlin-Charlottenburger Hut- 
fabriken W. Krüger & Co.) die vom dem Gesellschafter zu 
bewirkende eigenhändige Niederschrift auf deu Namenteil 
— W. Krüger & Co. — beschränkt, der Sachteil — Ber 
einigte Berlin-Charlottenburger Hutfabriken — aber durch 
Stempelabdruck gemacht werden kann. 
Lokales. 
f Drei neue Bürgermeister in den westlichen 
Vororte«. Wie wir erfahren, wurde der Titel Bürger 
meister auch den Gemeindevorstehern von Wilmersdorf 
und Steglitz verliehen. Auf jeden Fall hat die Regierung 
sehr gut daran getan, den Gemeindevorstehern dieser großen 
Borortgemeinden diesen Titel zu verleihen, der doch mehr 
auf das städtische Gepräge dieser Orte hinweist, das den 
selben eigen ist. Denn daß diese Vororte vielmehr einer 
Stadt gleichen, als manche Gemeinden, die wirklich Stadt 
recht haben, wird wohl nicht zu leugnen sein. 
Zwei Gemeinden Steglitz und Wilmersdorf wollen 
ja auch bereits Stäbe werden, nun. einen Bürgermeister 
haben sie ja jetzt schon. Herr Buhrow war ja auch schon 
früher Bürgermeister in Aschersleben. 
t Zur Herbstparade erhält Friedenau wieder, wie 
in früheren Jahren, Einquartierung an Mannschaften und 
Pferde des Gardekorps. In den westlichen und südlichen 
Vororten sollen außer Infanterie 4 Kavallerie- und 2 Feld 
artillerie-Regimenter untergebracht werden. Die Beschaffung 
geeigneter Pferdeställe macht den Gemeinden viele Mühe 
waltung. Die Einquartierung erfolgt fast durchweg mit 
Verpflegung. 
f Wichtiges vom Güterverkehr für Berlin 
und feine Vororte. (Amtliche Originalmeldung.) In 
der letzten Zeit sind vielfach Beschwerden darüber laut 
geworden, daß Güter, welche für Berliner Vororte bestimmt 
waren, nur bis zu dem Berliner Eingangsbahnhof be- 
fördert und von dort nach vorheriger erfolgloser Avisierung 
dem Empfänger zugerollt worden sind, obwohl die Zu 
rollung von einem der Wohnung des Empfängers näher 
gelegenen Bahnhof möglich gewesen wäre. Hierdurch 
erwachsen wegen der weiten Entfernung sehr hohe Roll 
gelder, die nicht entstehen würden, wenn das Gut zu der 
für den Güterverkehr eingerichteten Station, die dem 
Wohnort des Empfängers am nächsten liegt, befördert 
wäre. Die Namen der in der Umgebung Berlins 
liegenden Ortschaften werden sehr häufig in der Zusammen 
setzung mit der Ortsbezeichnung „Berlin" gebraucht, z. B. 
Rixdorf-Berlin, Berlin Steglitz, Friedenau bei Berlin. Bei 
Sendungen nach solchen Ortschaften wird entweder diese 
Zusammensetzung als Station auf dem Frachtbrief an 
gegeben, auch wenn der in Frage kommende Vorort keine 
brauchen" Jeder hat seinen Preis, und es hängt nnr dävbn 
ab, daß man die Leute richtig nach ihrem Preis taxiert. — O, 
wer mit offenen Augen in die Welt sieht! 's war zun: 
Lachen! Alle betrogen, alle! Und wollten doch alle betrogen 
sein! Der Eine so, der Andere anders. — Nun, er halte bis 
jetzt wie ein Maulwurf im Dunkeln gelebt, das sollte jetzt 
vorbei sei. Und nur nie rückwärts blicken — niemals! — 
Vorwärts schauen und die Welt nehn:en, wie sie ist! 
Die Magd brachte den Kaffee — sie hieß Teresa und 
erinnerte ihn dadurch an die alte Haushälterin des Zio Abbate 
in Santa Alma — und an allerlei anderes! — Fort damit! 
»Teresa, was habt Ihr angefangen? Wäret Ihr alle 
gesund?" begann er zu fragen. 
„O, wir schon, aber der Signor sieht bleich und krank 
ans!" erwiderte sie ihm. — Hatte sie nun Recht oder 
Beppo? 
„Ich bin vor Hunger ganz schwach, gestern Abend fand 
ich nicht Zeit mehr znm Essen!" erklärte er ihr; er wußte cs 
freilich besser und hatte auch ganz gut soupiert, aber was 
kan: es auf die kleine Lüge an? 
„In meinem Gepäck habe ich für Euch alle Geschenke, 
Teresa, auch für Dich einen Kleiderstoff, Teresa, und eine 
römische Perlenkette," sagte er, als sie ihm nun erzählte, was 
sie von semen beiden Buben zu berichten hatte. 
„Sie sind sehr vergnügt in der Pension, Signor, aber sie 
kommen alle paar Tage und holen sich von Donna Laura 
Geld und Chokoladen und Süßigkeiten. Aber gut war es, daß 
sie in die Pension kamen, die Signorina und Donna Laura 
verwöhnen die jungen Herren mehr, als es eine Mutter täte. 
Es taugt nichts, wenn solche Bürschlein im Haus das Kom 
mando führen." 
„Nein, meine Teresa! Du hast Recht! Und Donna 
Laura ist allzu schwach! Wenn eine Herrin im Hause regiert, 
ist es anders." 
für den Güterverkehr eingerichtete Station hat, oder es 
wird die zusammengesetzte Ortsbezeichnung in die Adresse 
geschrieben, während als Station nur „Berlin" im Fracht 
brief vorgeschrieben wird. Dies Verfahren hat nach den 
bestehenden Vorschriften zur Folge, daß die Güter nur bis 
zu dem für die Eingangsstrecke vorgesehenen Berliner 
Endbahnhof befördert werden können und von dort dem 
Empfänger zugerollt werden. Die Eisenbahnoerwallung 
ist nach den Vorschriften der Berkehrsordnung nicht er 
mächtigt, die Güter ohne besondere Anweisung bis zu der 
dem Vorort nächstgelegenen Station mit Güterabfertigung 
zu befördern. Für sie ist vielmehr einzig und allein die 
Angabe der Station im Frachtbrief magebend. Beschwerden 
müssen daher als unbegründet zurückgewiesen werden. Um 
solche Fälle und die hieraus entstehenden Weiterungen zu 
verhüten, empfiehlt es sich, daß die Versender statt der 
mit „Berlin" zusammengesetzten Ortsbezeichnung den Orts 
namen nur in der Adreffe hinter dem vorgedruckten Wotte 
„Station" im Frachtbrief aber nur die Bezeichnung der 
zweckmäßigst gelegenen (nächsten) Güterstation als Be 
stimmungsort angeben. Die Besteller^von Waren werden 
gut tun, wenn sie ihre mit den Verhältniffen in Berlin 
nicht vettrauten Versender nach dieser Richtung belehren. 
P Unsere Gemeinde»Körperschaften. Unser 
Gemeindevorstand ist zur Zeit wieder, nach erfolgter 
Bestättgung des neugewählten Schöffen Herrn Sad6e, voll 
zählig. Im nächsten Jahre und zwar am 8. Februar 
läuft die Wahlzeit des am 18. Januar 1901 gewählten 
Herrn Schöffen Draeger ab. Die Wahlzeit des Herrn 
Schöffen Lichtheim läuft bis 10. Mai 1910. Von den 
Herren Gemeindeverordneten haben im Laufe des nächsten 
Jahres die Herren Rentier Bierhan, Architekt Haustein, 
Bankdirektor Hertzer, Geheimer Rechnungsrat Schremmer 
und Gastwirt Schu am 1. April 1906 auszuscheiden. Für 
Herrn Sadoe ist eine Neuwahl nötig. 
j- Von der Elektrische«. Mit mehreren sogenann 
ten Leerwagen wurde gestern von Schöneberg zur Kaiser 
eiche gefahren. Ob diese Probefahrten mit dem Ausbau 
der Linie 88 zusammenhängen, konnten wir nicht ermitteln. 
P Die sogenannten HuudStage nehmen mit 
dem morgigen 23. Juli ihren Anfang. „Wenn die Tage 
langen, kommt die Hitze gegangen," heißt es beim Volke, 
und in der Tat bringt uns jener Zeitabschnitt, der sich 
bis zum 23. August erstreckt, die höchsten Wärmegrade. 
Den auffallenden Namen haben die Hundstage nicht etwa 
wie man häufig annimmt, davon, daß mit ihnen die Zeit 
der tollen Hunde beginne (obgleich die alten Römer in 
diesem Sinne schon von „dies canictüares“ sprachen), 
sondern von dem Hundsstern, dem am südlichen Himmel 
strahlenden Sirius, der mit dem 23. Juli, wenn er, 
gleichwie die Sonne, in das Zeichen des Löwen tritt, 
übrigens auch in Südeuropa erscheint. Die Griechen 
nannten diese Zeit „Opora" und tauften die Hundstage 
sehr richttg „Wärmebringer". „Wenn die Sonne in den 
Löwen geht," — verkünden auch die alten Bauernregeln — 
„Die große Hitze im Jahr ansäht." Im Mittelalter 
wurde während der Hundstage kein Gottesdienst abgehalten. 
-j- Der Sturm, der in den letzten Tagen tobte, hat 
wieder mancherlei Unheil angerichtet und viele Bäume und 
Dächer beschädigt. Auf der Spree wurde in der Nähe 
von Treptow durch einen heftigen Windstoß ein Boot zum 
Kentern gebracht. Nur unter großen Beschwerden gelang 
es noch im letzten Augenblick, die Insassen, zwei ältere 
Herren, den stürmischen Fluten zu entreißen. Auf den 
Feldern ist das gemähte und bereits aufgestellte Getreide 
infolge des Sturme umgestürzt worden. 
f Es wird alles gemacht. Die meisten nach 
Holland übergesiedelten Berliner Wett- und Sport-BureauS 
versenden jetzt an hiesige Wettlustige ihre Prospekte, auf 
denen die Bedingungen verzeichnet stehen, unter welchen 
sie trotz des Totalisatorgesetzes Wettaufträge aus Deutsch 
land übernehmen. Es heißt auf diese Prospekten u. a.: 
„Wenn kein Depot in Höhe der erteilten Aufträge in 
unseren Händen ist, so muß der Betrag telegraphisch und 
zwar spätestens zur gleichen Zeit mit dem telegraphischen 
Auftrage abgesandt werden, andernfalls die Ausführung 
unmöglich ist. Depots werden von 50 Mk. an aufwärts 
angenommen. Es liegt im Interesse der Auftraggeber, 
Depots zu haben, da telegraphische Geldsendungen zu 
kostspielig sind." Man sieht, es wird alles gemacht. 
f Friedenauer auf deu KrebSfaug. Die Ferien 
werden so auf die verschiedenste Weise verbracht; der eine 
Teresa riß die Augen weit auf. — Aber Signor Ducetti 
schickte sie fort, die Briefe herauf zu holen, sie hatten beide 
eben den Briefträger kommen und gehen gehört. 
* * * 
Eine halbe Stunde später erschien Herr Mello und 
übernahm den Auftrag, die ganze Villa in einem ordnungs 
mäßigen und eleganten Zustand zu versetzen. Ducetti schritt 
selbst mit ihm durch die sämtlichen Räume, nur die Schlaf- 
und Ankleidezimnier der beiden Damen unberücksichtigt lassend. 
Darüber hörten diese aber seine Stimme, klingelten und 
erfuhren durch Teresa, was sich begab. 
Herr Mello machte seinen Kostenanschlag, und Herr 
Ducetti genehmigte denselben, indem er ganz genaue Abrede 
über den Wert der Tapeten und sonstiger Anschaffungen 
traf. — Es ging alles flott und coulant von statten, Herr 
Mello wußte, daß sein Auftraggeber selbst ein Mann der 
Arbeit war. 
„Man redet in Milana davon, Sie hätten eine Erbschaft 
gemacht, Signor Ducetti? Darf man gratulieren?" fragte er. 
„O, die Erbschaft! — Sie war nicht so groß. Aber ich 
habe eine Erfindung gemacht, Herr Mello, und das Patent 
sehr gut verkauft," sagte er lachend. Er hatte sich von vorn 
herein klar gemacht, wie viel er sagen dürfe und was er ver 
schweigen müsse. 
„Ja, so eine Erfindung! Sie sind also nun ein reicher 
Mann, Signor Ducetti?" Der ar:nc Mello, obwohl sehr 
wohlhabend, wurde ganz neidisch. 
„Reich? — Noch lange nicht, mein Lieber, aber ich habe 
gute Chancen und bin auf den: Wege, es zu werden." 
Natürlich lief Herr Mello, sobald er Zeit hatte, mit 
dieser Neuigkeit zu seinen Freunden, und andern Tages stand 
es schon im Courier mit einem vorsichtigen: Gerüchtsweise 
verlautet, daß unser genialer Mitbürger, der Ingenieur 
Ducetti rc. (Fortsetzung folgt.)
        
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