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Periodical volume Nr. 169, 21.07.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Steglitz durchläuft, führt diese jetzt vier Namen: Haupt-, ( 
Friedenauer-, Rhein- und Schloßstraße. 
f Konkursverfahren, über das Vermögen des 
Privatiers I. F. E. Hoffer in Schöneberg, Fregestraße 10, 
ist am 18. Juli 1905, Nachm. 2 l j 2 Uhr, das Konkurs 
verfahren eröffnet. 
-j- Blaubeerzeit. In den Wäldern unserer Heimat, 
mögen sie nun die weitgedehnte Ebene beschatten oder an 
den Felswänden der Gebirge hinaufklettern, wächst in 
dichter Menge ein Kraut, aus zähem Stämmchen kräftig 
grünes Laub treibend, darin im Frühjahr grünrote 
Blütenkrönchen hängen. Der Forstmann steht es mit 
ungnädigen Augen an, wenn das Gewirr gar zu üppig 
sich um Strauch' und Baum drängt, als wäre der gute, 
dunkelbraune Waldboden nur zu seiner speziellen Benutzung 
da. Der einsam streifende Wanderer aber, der Sommer 
gast, die Kinderschar, die den Wald durchtollt, sind 
anderer Meinung. So lange nichts zu sehen ist als das 
leuchtende Grün der schmalen Blätter, ist das Interesse 
freilich nicht groß unb auch der bescheidene Blütenflor 
findet nur Beachtung, wenn Berechnungen auf kommende 
Genüsse angestellt werden. Sowie aber der junge Sommer 
eingekehrt ist, kommt die Blaubeere zu hohen Ehren. 
Ungezählte Tausende schwarzblauer Kügelchen sind in das 
Laub geschüttet, süß und saftig, daß kein Koch nachzu 
helfen braucht, und ganze Prozessionen andächtiger Ver 
ehrer wandern mit Taffen, Krügen, Körben, Papierdüten, 
im Notfall auch mit abgenommenen Kopfbedeckungen auf 
die Weideplätze, sammeln, lecken und schlucken, was der 
liebe' Sommer serviert hat, und kriegen immer nur Appetit 
auf noch mehr. Wie herrlich liegt es sich so „an der 
Quelle" ins Moos gestreckt — im Blaubeerfelde selber 
wäre das Platznehmen nicht ganz angebracht, sei es denn, 
man wolle Busch's schönes Sprüchlein: „Der Knabe Fritz 
ist schwarz betupft" illustrierenl — ein Butterbrod in der 
Hand und das schwarze Dessert in Greifweite l Der 
bissigste Philosoph muß sanft und satt werden, wenn er 
es so gut hat. Nur schade, daß der Heidelbeersaft in 
unserem Zeitalter der Fälschungen noch so unstreitbar echt 
färbt! Mit so einem Gebiß, wie nach dem Heidelbeer- 
mahle, kann man kleinen Kindern den Menschenfresser vor 
spielen. Freilich gibt es ein Mittel, diese dunklen Spuren 
des gehabten Genusses :zu vertilgen: etwas Zitronensaft 
genügt, um Lippen und Zähnen ihre natürliche Farbe 
wiederzugeben. Doch ich erteile Dir einen guten Rat, 
lieber Leser: Nimm Dir, wenn Du in die Blaubeeren 
gehst, keinen Zitronensaft mit! Putze Dir nicht die Zähne 
damit! Denn es nützt nämlich nichts. Sowie man seine 
Kauwerkzeuge einigermaßen gesäubert hat, steckt man den 
Zitronensaft weg und fängt von vorn an zu essen! 
-j- Sommergäste Friedenaus. Friedenau hat in 
diesem Jahre besonders viele Sommergäste erhalten, 
vielleicht um 100 oder 200 mehr als im Vorjahre. Es 
sind überhaupt wanderlustige Gesellen, alles fremde ge 
bräunte Gesichter, viele sind sogar aus weiter Ferne ge 
kommen, sie sprechen eine Sprache, die mit dem Friede 
nauer Deutsch (eine bessere Abart des Berliner Dialektes) 
nichts gemein hat. So sehr es diesen Sommergästen tags 
über bei uns zu gefallen scheint, die meisten fahren Abends 
nach Berlin und kommen erst in den frühesten Morgen 
stunden wieder. Ganz besonderes Augenmerk schenken 
die Gäste dem Sportparkgelände, der Kaiserallee und dem 
Elektrizitätswerke sowie den zahlreichen Neubauten westlich 
der Kaiserallee. Lustig sind die Wandergesellen, die auf 
fallender Weise ohne Damenbegleitung erschienen sind, so 
lustig, daß unsere Polizei schon zu verschiedenenmalen zu 
etwas mehr Ruhe warnen mußte. Am gehobensten ist die 
Stimmung jeweils Sonnabend, da geht es besonders in 
den kleineren Restaurationen hoch her und die Sommer 
gäste lassen ein hübsches Stück Geld sitzen. Bis Oktober, 
gedenken sie hier zu weilen, wahrscheinlich um der Ein 
weihung des Elektrizitätswerkes und der feierlichen Über 
gabe neuasphaltierten Kaiserallee beizuwohnen. 
-j- Unsere alte Hausseife, deren Desinfektions 
kraft sowohl von jeder Waschfrau wie von jeder ver 
ständigen Hausfrau schon längst praktisch erprobt ist, 
kommt jetzt endlich auch wissenschaftlich zu Ehren. Der 
berühmte Münchener Chirurg Professor v. Nußbaum pflegte 
in der Vorlesung seine Studenten darauf hinzuweisen, 
daß eines der besten Desinfektionsmittel immer das 
Wasser und die Seife bleiben würde. Diese Annahme ist 
neuerdings durch experimentelle Untersuchungen des Fran 
zosen Rodet bestätigt worden. Auch dieser Forscher er 
kennt den antiseptischen Wert der Hausseife ganz an; 
Ducetti gratulierte sich zu seiner Klugheit, sich so fröh 
liche Gesellschaft verschafft zu haben. Nur zuweilen fuhr 
er aus seinem angenehmen Vergessen auf und fragte sich: 
,.Wic ist es möglich, daß sie gar nicht ahnen, wer neben 
ihnen sitzt?" — Und dann lachte er höhnisch in sich hinein: 
„All der . Nonsens vom Instinkt der reinen, Seelen! Ueber- 
haupt! Wer nur et st begriff, wie diese Welt aufgebaut 
ivar von Lügen und Vorspiegelungen, und wie die Heuchelei 
als Siegerin durch sie hindurchging." 
Aber solches Aufzucken aus dem Halbschlaf der Seele war 
er sehr beflissen, möglichst zu verhindern, und wenn das nicht 
gelang, neue Betäubungsmittel anzuwenden. 
Der Tag in der Villa Hadrians und in Tivoli verging 
wie die vorhergehenden, nur noch angenehmer, denn das schöne 
Mädchen jubelte mit dem Bruder um die Wette'und erwies 
Ducetti, dem Wohlläter ihres Leo, allerlei kleine Aufmerk 
samkeiten. 
♦ 
Morgen sollte er nun zur Audienz konimen. — Ein höherer 
Ministerialbeaniter hatte ihn im Aufträge seines Chefs im 
Hötel de Londres ausgesucht und ihm viel Liebcnsivürdiges 
und Anerkennendes gesagt. — Ducetti konnte herausfühlen, daß 
der Herr sich betreffs seiner orientieren sollte, und daß man 
geneigt war, ihm, falls die gebotene Summe ihm zu gering 
erscheinen sollte, einen Orden darauszulegen. — Seine lange 
Entmutigung betreffs seiner Erfindung sck)lug jetzt in ihr Gegen 
teil um. Der Erfolg machte ihn seines Könnens sicher; — er 
sagte sich jetzt, daß er noch Großes leisten würde, und ohne zu 
prahlen, wußte er dem Ausforscher eine hohe Meinung von 
seiner Leistungsfähigkeit beizubringen. 
Nach diesem Vorspiel war der Erfolg der Audienzein Ducettis 
Erwartungen weit übertreffender. Man hatte ihn: große Aner- 
schon 1 Prozent Seife vermag nicht sehr widerstandsfähige 
Bakterien zu töten, 5 Prozent Seife tötet Typhusbazillen 
ab. Die bakterientötende Kraft der Seife hängt von der 
Temperatur der Lösung ab. bei 37 0 ist sie größer als bei 
25 o. .. Das gewöhnliche Waschen und Bürsten der Hände 
mit warmen Seifenwasser stellt daher eine vorzügliche 
Desinfektionsmaßnahme dar. Auf manche praktisch er 
fahrene Hausfrau dürften diese wiffenschaftlichen Experi 
mente als „olle Kamellen" direkt komisch wirken, da sie 
längst aus eigener Praxis weiß, daß 37 " heißes Seifen 
wasser besser „greift" als 25 " laues. 
f Eine Übung unserer Feuerwehr fand gestern 
Abend am Spritzenhause statt. Ein schaulustiges Publi 
kum wohnte der Übung bei, die in allen Teilen recht flott 
ausgeführt wurde. 
f Reiseschilderungen aus Perste«. In der 
heutigen Zeit, wo der ferne Osten die ganz besondere 
Aufmerksamkeit der Kulturmenschheit erregt, wird ein 
Vortrag lebhaftes Interesse finden, den der Lektor an der 
Berliner Universität Herr Dr. F. Stolze am nächsten Sonn 
abend im benachbarten Steglitz halten wird. Er gibt in 
Thurleys Bürgergarten, Schloßstraße 92, Abends S 1 ^ Uhr, 
im dortigen Mieterverein Reiseschilderungen aus Persien 
nach eigenen Erlebnissen. Unseren Lesern ist Dr. F. Stolze 
als Verfasser des spannenden Romans „Das entschleierte 
Bild zu Sais" bekannt geworden, den vor kurzem der 
„Friedenauer Lokal-Anzeiger" veröffentlichen konnte. Wer 
den Roman gelesen hat, wird gern die Gelegenheit wahr 
nehmen, den Verfasser am nächsten Sonnabend persönlich 
kennen zu lernen. Gäste, auch Frauen, sind herzlich will 
kommen. 
f Den pilzsammelnden Laien, die zur Jetztzeit 
die Wäldern bevölkern, mögen nachstehend einige wichtige 
Regeln zur Beachtung empfohlen sein: 1. Alte, madige 
und morsche Pilze nehme man nie. 2. Einen milchenden 
Pilz halte man immer für verdächtig. 3. Die giftigen 
Pilze haben einen widerlichen Geruch, zumal, wenn man 
sie zerreibt. 4. Wenn man einen gesundheitsgefährlichen 
Pilz zerbricht oder, was noch besser ist, mit dem Messer 
zerschneidet, sowird gewöhnlich (aber nicht immer) die 
Schnittfläche blau. 5. Wenn man ein Stückchen von 
einem giftigen Pilze in den Mund nimmt und etwas 
zerkaut — natürlich so, daß nichts verschluckt wird — so 
wirkt es auf der Zunge stechend oder brennend. Am ge 
fährlichen Fliegenpilz, den wohl jeder kennt, läßt sich 
dieser Versuch leicht machen. 
f Staub und Ungeziefer sind die ständigen Be 
gleiterscheinungen schöner Sommertage. Gegen den ersteren 
vermögen unsere Sprengwagen im Orte selbst einiger 
maßen anzukämpfen, aber draußen auf den Landstraßen 
und Feldwegen sieht es in dieser Beziehung oft sehr böse 
aus, und der Landmann wirft dann mit Recht bedenkliche 
Blicke nach dem wolkenlosen blauen Himmel empor. Der 
Ausflüger, der natürlich auch sehr unter Staub und Hitze 
zu leiden hat, wird obendrein in den Waldungen auch 
noch durch Fliegen und Mücken geplagt, weshalb niemand 
versäumen sollte, auf größeren Spaziergängen und Touren 
stets ein Fläschchen mit Salmiakgeist bei sich zu führen 
und obendrein sorgfältig darauf zu achten, das „blinde" 
Fliegen, die sich auf Hals und Hände setzten, schleunigst 
verscheucht werden. Der Stich solches Insekts, das oft 
von faulenden Stoffen herkommt, kann unter Umständen 
sehr verhängnisvoll werden. 
f Mechanisches Theater. Die täglichen Vor 
stellungen finden guten Zuspruch, verdienten aber sogar 
ein ausverkauftes Haus, denn was uns im mechanischen 
Theater gezeigt wird, sind Rätsel, vor denen wir staunend 
stehen bleiben müssen. Selbst ein Mechaniker von Beruf 
wird den Kopf schütteln bei dem verblüffenden Akrobatenakt, 
er wird keine Aufklärung geben können, wie es möglich ist, 
dieser Puppe ihre Akrobatenkunststücke ausführen zu lassen. 
Wer bisher noch nicht Gelegenheit hatte, einer Vorstellung 
beizuwohnen, dem können wir den Besuch schon dieser 
einen. Nummer wegen nur empfehlen. Wir bemerken 
nochmals, daß die Schaustellung für Erwachsene ebenso 
interessant ist, wie für Kinder. 
t Das sportliebende Friedenau. Auch ohne 
Sportpark finden Spiel und Sport immer noch eine 
Pflegestätte in Friedenau. Den Beweis dafür bilden die 
westlich der Kaiserallee und an der Friedenauerstraße an 
gelegten Sportplätze, auf denen stets reges Leben herrscht. 
Besonders der Lamntennis-Sport wird hier in aus 
giebigster Weise gehuldigt. 
bietuiigen gemacht, wenn er nur für die Regierung arbeiten 
würde; man sick,crte ihm wertvolle Hilfsmittel zu, die zü be 
schaffen er bisher nick,t die Mittel gehabt. 
Er verließ das Ministerium mit der Gewißheit, daß er 
ein gcniachter Alaun sei. Ein großes Kapital war sein redlich 
erworbener Lohn, für seine Experimente gab die Regierung 
bereitwillig Vorschüsse, und — den Orden hatte der Minister 
ihm eigenhändig angeheftet. 
Se. Exzellenz war keineswegs erschrocken, sondern fand es 
recht erklärlich, daß Ducetti säst ohnmächtig wurde und grau- 
blaß aussah. 
„Nun ja! Der Erfolg! Der große Erfolg!" Er war der 
Erste, der Ducetti grauilierte: „Schonen Sie nur Ihre für Ihr 
Vaterland so wertvolle Gesundheit, mein verehrter Herr!" 
„Verfluchtes, tückisches Schicksal! Wie unnütz alles war! 
Ducetti knirschte es in sich hinein, als er das Ministerium 
verließ. Ach, jene eine Stunde! Konnte er sie doch zurück 
kaufen! Wie unnütz hatte er seiner Seele Seligkeit geopfert! 
Oh, vielleicht konnte er durch gute Werke seine Schuld ver 
ringern, die ihn zu erdrücken drohte! 
* * * 
Am Abend dieses Tages war Leo Sordegna der glück- 
lichstederMenschcn. Herr Ducetti, „dieser wahrhafte galanwomo", 
dieser beste, edelste aller Menschen, hatte für ihn ein Kapital 
auf der Bank deponirt, welches die Vollendung seiner Studien 
sicherte. 
Irene küßte ihm, ehe er es nur ahnen konnte, die Hand 
— seine Hand! Und die Marchesa fuhr am Hotel vor, lud 
Ducetti ein, mit ihr Corso zu fahren und sprach ihm hohe 
Anerkennung für seinen Edelmut aus. 
Sie war eine Weltdame durch und durch; aber „die Wohl- 
tätigkeit ist eben eine Pflicht der Bevorzugten", und ein Mann, 
f Auf der Wohnungssuche. Das Vermietungs 
geschäft zum nächsten Ziele ist bereits flott im Gange. 
Besonders in den Neubauten westlich der Kaiserallpe wird 
sehr viel vermietet, wahrscheinlich deshalb, weil dort 
auch kleinere Wohnungen zu billigeren Preisen zu erhalten 
sind. Auf jeden Fall ist für den Oktober wieder ein 
starker Zuzug zu erwarten. 
f Warnung. Eine schon viel gerügte Unsitte, 
Kirschkerne auf den Bürgersteig zu werfen, hatte gestern 
in der Lauterstraße wieder einmal einen Unfall zur Folge, 
indem eine ältere Dame dort auf einen Stein trat, zu 
Fall kam und leichte Verletzungen am Knie erlitt. Be 
sonders Kinder sollen darauf angewiesen werden, die 
Kirschkerne nicht auf die Bürgersteige zu werfen. 
1° Die Steiuwürfe auf die Züge der Wannseebahn 
nehmen kein Ende. So wurde gestern wieder auf einen 
von Friedenau abfahrenden Zug kurz hinter der Saar 
brücke mit einem großen Stein geworfen, der in ein 
Wagenabteil 3. Klasse flog. Die 3 Insassen bekamen be 
greiflicherweise einen großen Schreck und unser Mitbürger 
Herr Willi Wank, wurde durch die herumfliegenden Glas 
splitter im Gesicht verletzt. Wie uns mitgeteilt wird, soll 
der Attentäter ein junger Bursche gewesen sein. Die 
Bahnverwaltung als auch die Polizei sollte alles 
mögliche tun, um diesem lebensgefährlichen Unfug ein Ende 
zu bereiten. Unter den jetzigen Umstäuden muß man ja 
Angst haben eine Fahrt auf der Wgnnseebahn zu machen. 
t Ein Bürschchen im ungefähren Alter von 
12 Jahren, normale Größe, schwächliche Gestalt, frische 
Gesichtsfarbe, geht mit Ansichtskarten hausieren — um zu 
stehlen, wo sich eine günstige Gelegenheit dazu findet. In 
dem Hause Wrangelstraße 6/7 in Steglitz schlich sich der 
Bengel in ein offen stehendes Zimmer, durchwühlte die 
Komodenkästen und stahl daraus 4,50 M. — Bei einer 
anderen Familie fiel ihm bei seinem unlauteren Handel 
noch eine höhere Summe in die Hände. Bisher ist es 
noch nicht gelungen, den meistens in blaugestreifter Jacke 
und barfuß einhergehenden jugendlichen Spitzbuben abzu 
fassen. Im Interesse der hiesigen Einwohner wollen wir 
bitten, wenn der jugendliche.Dieb hier in Friedenau an 
getroffen wird, seine Verhaftung veranlassen und der 
Steglitzer Polizei Mitteilung machen zu wollen. 
Schöneöerg. 
— Konkursverfahren. Über den Nachlaß des am 
9. Mai 1905 in Schöneberg verstorbenen Kaufmanns 
(Rentiers) August Ringewaldt ist am 19. Juli, Nachm. 
2 1 /z Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Der Kaufmann 
Goedel in Berlin, Melchiorstraße 24, ist zum Konkurs 
verwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 
18. September 1905 bei dem Gericht anzumelden. — In 
dem Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns 
Martin Jacob! in Schöneberg, Luitpoldstraße 17, soll die 
Schlußverteilung der Masse erfolgen. Nach dem in der 
Gerichtsschreiberei niedergelegten Verzeichnisse sind dabei 
171,61 M. bevorrechtigte und 16 040,85 M. nicht 
bevorrechtigte Forderungen zu berücksichtigen, wofür ein 
Bestand von 76,50 M. vorhanden ist. 
— Firmeueintragungen. Nr. 18 847. Berthold 
Scheck, Berlin. Jetzt Offene Handelsgesellschaft. Der 
Kaufmann Alfred Scherl in Schöneberg ist in das Geschäft 
als persönlich haftender Gesellschafter eingetreten. Die 
Gesellschaft hat am 1. April 1905 begonnen. — Nr. 23404. 
Theodor Langer, Berlin. Der Sitz der Firma ist nach 
Schöneberg verlegt. Inhaber wohnt in Schöneberg. 
Werttn und Wororte. 
§ Die neue Universitätsklinik für Lungenkranke 
fln der zwischen der Oranienburger Straße und dem Kupfer 
graben neu angelegten noch unbenannten Straße ist jetzt 
im Rohbau fertig. Das stattliche Gebäude grenzt an die 
Universitäts-Frauenklinik und steht mit seiner prachtvollen 
Sandsteinfassade im Einklang mit dem.schräg gegenüber 
liegenden Kaiser Friedrich-Museum. 
8 Mit der Regulierung der verlängerte« 
Alten Jakobstraste an der Westfront des neuen Reichs- 
Patentamtes ist jetzt begonnen worden. Augenblicklich ist 
man mit der Legung der Kanalisationsrohre beschäftigt. 
Die Grundstücke dieses neuen Straßenteils werden die 
Nummern 148 bis 165 erhalten. Die Nr. 165 ist aber 
nicht die letzte der Straße, denn diese befindet sich nicht 
an deren Endpunkt, wie bei anderen Straßen, sondern an 
der Ecke der Hollmannstraße. An der gegenüberliegenden 
Ecke dieser Straße, aber auf derselben Seite der Alten 
der wie dieser Signor Tücclli beicit ist. größere materielle 
Opfer zu bringen, Ivar immer eine Acquisitiou für die Partei, 
der sie angehörte. 
Außerdem ivar ihr auch noch eine andere Idee gekommen 
— natürlich auf Grund der enthusiastischen Schilderungen 
Irenes; — und dieser Idee gab sie Worte, als sie später 
aus deni Pincio Ducettis Arm nahm und zweimal die Tour 
um die Anlagen machte. 
Sie war glücklich, in Irene ein so schönes, liebens 
wertes Mädchen als Ersatz für ihre verheiratete Tochter zu 
haben. Alan fühlte sich so allein, wenn inan sein liebes 
Kind einem Manne zu eigen gegeben, dem es nur zu gern 
folgte. Aber immerhin — es würde sehr egoistisch von ihr 
sein, nicht trotzdem zu wünschen, daß sich für das liebe Kind, 
die Irene, eine passende Heirat fände! Indeß war das nicht 
leicht! Nur ein Aiann in ganz gesicherten Verhältnissen 
konnte ein völlig armes Mädchen heiraten, und abgesehen 
davon, daß Irene iniiuer die älteren Herrn bevorzugte, konnte 
bei den heutigen Ansprüchen der jungen Männer ein solcher 
für sie gar nicht i» Frage kommen. Und überdies — wie viel 
vertrauensvoller würwe sie Irene einem gesetzten Manne über 
geben, der diesen reichen Schatz von Schönheit, Jugend und 
Reinheit zu würdigen wüßte! 
Ducetti verstand vollkommen! Aber er war vor den Kopf 
geschlagen, denn der Gedanke war ihm noch nie gekommen; 
— Irene sein Weib? 
Er hatte überhaupt-nicht die Absicht gehabt, sich wieder 
zu verheiraten, niemals. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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