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Periodical volume Nr. 166, 18.07.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Alldeutschland trat an zur Wacht am Rhein. So 
hoch aber auch die Wogen der Begeisterung, und der 
Kampfesfreude gehen mochten, ein heiliger, weihevoller 
Ernst lag über der ganzen Nation. Kein übermütiges 
Prahlen, kein vorzeitiges Frohlocken wurde laut — alle 
traten mit dem Gefühle in den Kampf, daß er schwer und 
ernst sein werde. Mutig drangen unsere Heere über den 
Rhein, und wo fie mit dem Feinde handgemein wurden, 
da heftete sich der Sieg an ihre Fahnen. Der herrliche 
Siegespreis aber war die deutsche Kaiserkrone. 
An diesem Gedenktage wollen mir auch derer nicht 
vergessen, die todesmutig ihr junges Leben für des Vater 
landes Ehre zum Opfer brachten. Die Erinnerung an sie 
überdauert ihren Tod. Ihr Beispiel redet zu uns ein 
dringlicher, als irdische Stimmen es vermögen. Die zahl 
reichen Grabhügel in den Reichslanden und jenseits der 
Vogesen im Herzen Frankreichs richten die stumme Frage 
an uns und an das heranwachsende Geschlecht, ob wir 
das Unsrige getan haben, um den mit teuerm Blute er 
kauften Siegespreis sicherzustellen, gegen einen etwaigen 
neuen Angriff von außen, sowie um das Reich innerlich 
zu stärken, damit deutsche Ehre und deutsche Waffen jeder 
zeit so hell erglänzen wie damals. 
Freilich hat das große Jahr im deutschen Fühlen 
und Denken einen gewaltigen Umschwung herbeigeführt. 
Im neuem Glanze steht das Deutsche Reich unter den 
Völkern der Erde da, fest gefügt und wohl bewacht durch 
die Sorge des Kaisers und das deutsche Schwert; aber der 
Geist der nationalen Zwietracht macht sich wieder bemerk 
bar. Um ihn zu bannen, dazu soll uns helfen neben der 
Erinnerung an die große Zeit vor 35 Jahren der Hinweis 
auf das Erbe unserer Väter, das in uns fortlebt, und für 
das zu kämpfen die heiligste Pflicht jedes deutschen 
Mannes ist. 
Lokales. 
-j- Der Gesundheitsausschuß, bestehend aus den 
Herren Amtsvorsteher Schnackenburg, Geh. Kanzleirat 
Homuth, Klempnermeister Steinmetz und dem hinzuge 
zogenen Kreistierarzt Dr. Schäfer besichtigte gestern die 
hiesigen Molkerei- und Milchgeschäfte. Das Ergebnis soll, 
wie wir erfahren, nicht das allerbeste sein. 
-s Unser Schulgarten ein Mustergarten. Am 
Sonnabend traf hier eine Lehrerin im Aufträge der 
schwedischen Regierung ein und besichtigte unseren Schul 
garten. Herr Lehrer Ukrow übernahm die Führung. Die 
Dame war über den gewonnenen Eindruck höchst be 
friedigt; nach ihrem Urteil ist unser Schulgarten der 
schönste, den sie auf ihrer bisherigen Reise zu sehen bekam. 
f Nachahmenswert. Unsere Nachbargemeinde 
Steglitz erhält vom 1. September ab einen kommunalen 
Dienstbotennachweis. Die Stellenvermittlung soll für 
Dienstboten unentgeltlich sein, während die Dienstherrschaften 
eine Gebühr von 2 Mark zu erlegen haben, die sich für 
nicht in Steglitz wohnende Dienstgeber auf das Doppelte^ 
stellt. Für den Nachweis sind Bureauräume im Rathause 
eingeräumt. Die Steglitzer Gemeindevertretung hat den 
Plan genehmigt und die erforderlichen Mittel bewilligt. 
-s Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das 
in Friedenau, angeblich Wilhelmshöhecstraße 27/28 be 
legen?, im Grundbuche von Friedenau zur Zeit der Ein 
tragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des 
Kaufmanns Paul Pohl in Berlin eingetragene Grundstück 
am 15. August 1905, Vormittags 10 Uhr versteigert 
werden. Das Grundstück, Wohnhaus mit 2 Seitenflügeln 
und Hofraum ist mit 10 200 M. Nutzungswert zur Ge- 
Gebäudesteuer veranlagt. 
-j- Aus dem Nachlaß des Altmeisters Exzellenz 
Adolf von Menzel haben sich einige Stücke auch in 
die Brockensammlung des Vereins Dienst an Arbeitslosen, 
Ackerstraße 52, verirrt, die zur Abholung der letzten Reste 
der geräumten Wohnung aufgefordert worden war. Dar 
unter ist ein schönes ArbeitSjacket, das der Meister getragen, 
ein Riesenlineal und ein Malstock, die er gehandhabt hat. 
Während die Glücklichen unter den Menschen weitab in die 
Sommerfrischen und Bäder gereist sind, kleben die Armen 
an der Scholle und begehren in der Brockensammlung sich 
billig mit Kleidung, Wäsche, Schuhzeug oder Einrichtuugs- 
können, warum. Außer, daß es die Feigheit des bösen Ge 
wissens war. Denn der Mann war ein schlichter Landmann 
— der Wirt von Santa Alma. 
„Tornelli? Ihr?" rief er, fast erstickt vom Herzklopfen. 
„Sie kommen schon zu spät, Signor Ducetti, der Herr 
Abbate, der Zio, ist gestern schon gestorben," sagte Tornelli. 
„Tot? Ich wollte zu ihm." — stanunelte Ducetti. 
„Ja, ich weiß. Er ließ mich rufen und gab mir den 
Brief, ich sollte ihn besorgen, per Expreß, denn der Postbote 
war schon vorüber. „Soll ich nicht lieber von Cuneo aus 
telegraphieren?" fragte ich — „Man könnte ja einen reitenden 
Böten dahin schicken " — Aber er wollte nicht. Er sprach was 
von seinem Geld — es läge auf der Bant von Turin, — aber 
ich verstand nicht, was er nieinte, und denke, es stand in 
dem Brief." 
„Ja, ja!" nickte mechanisch Ducetti. 
„Ich sehe wohl, Signor, es greift Sie an. — Ja, ja — 
er war ein guter alter Herr, wir in Santa Alma wußten das 
am besten! Nun kommen Sie zu spät, Signor Ducetti, aber 
zum Erben nicht." 
„Nun, was wird er gehabt haben?" stanunelte dieser. 
Ihm war gräßlich zu Mute. Ter erste Mensch, der ihm 
begegnete, stieß die Apathie, in der er dahingegangen war, 
über den Haufen und versetzte ihn in einen Zustand von Angst 
und Aufregung, der ihm llebclkeit machte. Kaller Sch weiß 
trat ihm auf die Stirn, und Funken und feurige, gezackte 
Ringe tanzten ihm vor den Augen. „Nimm Dich zusammen!" 
rief er sich zu. 
Der Wirt Tornelli wunderte sich doch über seine unver 
kennbare Erregung. Er hatte gar nicht gedacht, daß der einzige 
Verwandte des Abbate sich ans dem alten Manne soviel 
gemacht hatte. 
Sie wollten noch in der Nacht ankommen, um ihn am 
Leben zu treffen, Signor Ducetti? — Sind nun doch zu spät 
gekommen, sollten nur ivieder umkehren nach Aqnadolce!" 
redete er ihm zu und meinte, sein Schwiegervater werde den 
Sianor aufnehmen können. 
stücken zu versehen. Die wenigen Schuhe, die etwa an 
kommen, sind meist innerhalb fünf Minuten nach Eröffnung 
des Verkaufs vergriffen. Mit leeren Händen muß gewöhnlich 
die stets wiederholte Anstage nach Frauen-, Kinder- und 
Männerwäsche abgewiesen werden. Auch der kleine Kleider 
vorrat verschwindet unter dem täglich sich wiederholenden 
Andrang. Kein Wunder! Denn der Preis für brauchbare 
Sacheu bewegt sich von 10 Pf. an für ein Paar Schuhe 
oder ein Hemd oder eine Bluse aufwärts. Selten steigt 
er für dergleichen über 1 Mk. Bei den geflickten oder 
erneuerten Sachen muß allerdings der Ersatz des Selbst 
aufwandes mit einem Aufschläge für Allgemeinunkosten 
gefordert werden und endlich müssen seltene und sehr gute 
Stücke den Ausfall bei den anderen decken helfen, woraus 
auch höhere Sätze sich ergeben. Aber die starke Nachfrage 
beweist am besten, wie sehr der Verkauf als Wohltat von 
den Armen empfunden wird. Bettler und Wanderer, die 
garkein Geld haben, können sich Hemden, Kleidungsstücke, 
Stiefel usw. bei freier Kost erarbeiten und immer wieder 
andere tun dies Tag für Tag. Die Brockensammlung 
Berlin N. 31, Ackerstraße 52, erbittet daher auch im Sommer 
von ihren Freunden in Stadt und Land abgelegte Sachen 
und allerlei Sammelwaren per Fracht oder Post frei Berlin. 
In Berlin selbst und Umgebung wird alles Dargebotene 
auf Verlangen kostenlos abgeholt. 
-j- Automobilkremser. Die ersten Automobil 
kremser konnte man am Sonntag im Grunewald beobachten. 
Nichts von den plumpen Sammetsitzen, nichts von dem 
ausgebauschten Mittelteil usw. ist da zu sehen; modern, 
dem „Zeitalter des Automobils" entsprechend sind die 
„Kraftkremser" gebaut. Elegant, mit jedem Komfort der 
Neuzeit ausgestattet, bewegt sich das Fahrzeug in eiligem 
Tempo vorwärts, an seiner um 80 Jahre älteren „Urahne" 
vorübersausend. 
t Der Friedenauer Stenographen - Verein 
Stolze-Schrey hielt am Freitag, den 14. Juli seine 
monatliche Hauptversammlung im Rheinschloß ab. Nach 
Erledigung und Besprechung einiger wichtiger Punkte der 
Tagesordnung wurde die Neuwahl des 1. und 2. Bücher- 
warts vorgenommen, die die Herren P. Böder als 1. Bücher 
wart und Herrn W. Kaminski als 2. Bücherwart traf. 
Hiernach fand noch eine Abschiedsfeier für den bisherigen 
2. Vorsitzenden Herrn Rob. Schmidt statt, der sein Amt mit 
diesem Abend abtrat, um eine Stellung bei einer größeren 
stenographischen Zeitschrift in Amerika anzutreten. Die 
besten Wünsche begleiten ihn auf seiner weiten Reise. 
-s Kinderfest. In der Feldkantine zum „Wilhelms 
höher Brünnen" finden von morgen Mittwoch ab 
wöchentlich jeweils am Mittwoch Kinderfeste mit ab 
wechselnden Kinderbelustigungen statt. 
f Mädchenhandel. Eine verschleppte Polin wird 
in Berlin und Umgegend von der Polizei gesucht. Am 
12. Juli langte auf dem Bahnhof in Thorn mit dem 
Abends um 10 Uhr 9 Minuten von Alexandrowo ein 
laufenden Zuge ein ungleiches Paar an, das dem dortigen 
Wachtmeister auffiel. Der Mann nannte sich Moyschel 
Spiro, während das Mädchen Valerie Jaworska zu heißen 
angab und auch einen auf diesen Namen lautenden Paß 
besaß. Der Beamte ließ beide Pe.sonen im Wartesaal 
dritter Klasse Platz nehmen, da er noch anderweit durch 
Paßgeschäfte in Anspruch genommen wurde. Als der 
Beamte dann in den Wartesaal zurückkehrte, war die 
Polin verschwunden. Spiro war noch anwesend und 
erklärte, daß das Mädchen fortgegangen sei, weiter wisse 
er nichts. Bei einem eingehenden Verhör im Revisions 
zimmer bequemte er sich zu dem Geständnis, daß das 
junge Mädchen nicht seine Tochter sei. Es ist anzu 
nehmen, daß er das Mädchen in einem unbewachten 
Augenblick in den Berliner Zug abgeschoben hat. Er 
selbst wurde unter dem Verdacht des Mädchenhandels fest 
genommen. Das Mädchen hält sich wahrscheinlich in 
Berlin oder in der Nähe Berlins auf. Das etwa 
19jährige Mädchen hat dunkles Haar, ist 1,50 bis 1,60 
Meter groß und trug ein rotes Kleid. Es wird gebeten, 
sich bei der Polizei zu melden mit dem Zusatz, daß ihm 
selbst nichts geschehen kann, daß es im Gegenteil auf 
Staatskosten in seine Heimat befördert wird. Ebenso 
werden die Leute, bei denen die Gesuchte Unterkommen 
gefunden hat, ersucht, der Kriminalpolizei Mitteilung 
zu machen. 
„Nein, nein, ich habe nicht viel Zeit übrig! — Wär' ich 
doch eher gekommen, wir habe» den Onkel vernachlässigt," 
zwang Ducetti sich, zu erwidern. 
Als er sich dann von Tornelli getrennt und dieser aus 
dem Gesichtskreis verschwunden war, mußte er sich auf einen 
Baumstamm setzen, der am Wege lag. Seine Kniee zitterten,' 
das Herz schlug ihm wie ein Hammer. — Alles in ihm war 
plötzlich in wilder Aufregung. 
„Mörder! Mörder! Du bist ein Mörder! Wie ist das 
nur möglich? Wie konntest Du es tun? Letzte Nacht, als der 
Mond auch so hell schien, warst Tu noch ciu Mensch wie 
andere; — heute — heute! — Großer Gott, sie ivar vielleicht 
nicht tot? — Ach, wenn er doch schlgcstoßen! Wenn sie nur 
ohnmächtig wäre! - Wie, wenn er sich das alles einbildete? 
Er träumte gewiß einen gräßlichen Traum? O sicher er 
träumte nur. — 
Aber als er dann scheu an seine Tasche griff! — Nur die 
stille Mondnacht sah es, wie ihm jeder Blutstropfen aus 
dem Gesichte wich. 
Nein — er träumte nicht! Leider, leider nicht! Aber 
ganz gewiß — er hatte diesen Mord nicht begangen! Er 
nicht. Er war ein unbescholtener Mann — ein liebevoller 
Vater! Mit keinein Gedanken hatte er an Mord gedacht, bis 
er die alte Frau gleich hinter Roqebrune in dem Sonder 
abteil schlafeiid in der Ecke des Wagens sah. Er und sie die 
einzigen Reisenden in diesem Waggon! 
Ta hatte es ihn durchzuckt — „töte sie!" 
So passierten sie Mcntone, und nieniand stieg zu ihnen 
ein — die alte Frau schlief weiter. 
Da tat er's! — Wie war er dazu gekommen? Die 
gräßliche Angst, daß seine Unterschlagung der Mündelgelder 
entdeckt würde, sie hatte ihn wahnsinnig gemacht! Nein — 
er selbst war's nicht gewesen — Satanas hatte für eine kurze, 
kurze Minute Besitz von ihm genonimen, und nun — nun 
, bist Du ihm verfallen!. O! O! 
j Und gestern noch hatte der Gedanke an Mord ihm 
I weltenfern gelegen! Nein, nein, nicht er hatte gemordet! Eine 
t „Falsche russische Deserteure" treiben seit 
einiger Zeit in Berlin und den Vororten ihr Unwesen. 
Sie sprechen gebrochen deutsch, erzählen allerhand Abenteuer 
von ihrer Flucht aus ihrer Garnison und de», nächtlichen 
Überschreiten der Grenze und schließen mit einer schier herz 
brechenden Schilderung ihres Elends... Mitunter begnügen 
sie sich mit einer kleinen Spende seitens der gutgütigen 
Zuhörer ihrer Schauermären; meist aber versuchem sie es 
mit einem alten Trick in neuer Aufmachung. Den „armen 
Deserteuren", die bei ihrer schleunigen Flucht alles im 
Stiche lassen mußten, ist cs — wie sie beteuern — gelungen, 
noch ein wertvolles Familienerbstück, eine schwere goldene 
Kette, eine Uhr oder einen Ring zu retten, zu dessen Ver 
äußerung sie nur durch die schlimmste Not gezwungen sein 
wollen. Dies billige Angebot und die Aussicht, ein gutes 
Werk zu tun und nebenbei noch einen günstigen Gelegen 
heitskauf zu machen, verleitet manchen zum Reinfall. Zu 
spät sehen die Käufer dann ^in, daß sie gewöhnlichen 
Berliner Neppern, welche unter der zeitgemäßen Maske 
russischer Flüchtlinge arbeiten, auf den Leim gegangen sind. 
-j- Warnung für Huudebefitzer. Gestern Nach 
mittag unternahm ein hiesiger Herr mit seinem gesunden, 
kräftigen Terrier einen Spaziergang durch die Felder in den 
Gemarkungen Schöneberg, Steglitz, Wilmersdorf, Friedenau. 
Lustig sprang der Hund vor ihm her; in der Nähe der 
hiesigen Kirche brach das schöne Tier — das bis dahin nie 
krank gewesen — plötzlich, wie von Krämpfen geschüttelt, 
zusammen. Angsterfüllt eilte der Besitzer mit seinem Lieb 
linge zu unserem Tierarzte Herrn Dr. Schäfer, welcher 
Strychninvergiftung feststellte, die sich der Hund auf dem 
Felde durch Fressen vergifteten Futters zugezogen haben 
mußte. Trotz sofort angewandter Gegenmittel erlag das 
edle Tier jedoch in kurzer Zeit der Vergiftung. Also Vor 
sicht beim Gange über die Felder! 
-s- Die Dampffirene meldete gestern Vormittag 
Feuer in Steglitz. Im Hause Düppelstraße 30 war die 
Dachetage in Brand geraten infolge mangelhafter Be 
schaffenheit der Waschküchen-Feuerungsanlage im 4. Stock 
werk. Feldwebel Schäfer von der Steglitzer Wehr griff 
mit dieser energisch ein, und es gelang, den Brand 
baldigst abzulöschen, sodaß die Hilfe der hiesigen und 
anderer auswärtiger Wehren nicht brauchte in Anspruch 
genommen zu werden. Der angerichtete Schaden dürste 
sich auf ca. 400 M. beziffern. 
f Polizeibericht. Gefunden wurde ein Maulkorb 
und eine Nadel. Zugelaufen ist ein Hund. Näheres im 
Polizeibureau in der Feurigstraße. 
Schöneöerg. 
— Über das Schöneberger Theater, dessen Bau, 
wie bereits gemeldet, von den städtischen Körperschaften 
endgültig beschlossen worden ist, steht bis jetzt Folgendes 
fest. Dem Theaterbau soll das Prinz-Regenten-Theater 
zu München als Vorbild dienen, d. h. das neue Theater 
soll ein großes Parquet und möglichst wenig Ränge ent 
halten Es sind 1200 Sitzplätze, nämlich im unteren 
Raume 800, in den Rängen und oberen Bogen 400, vor 
gesehen worden, während Stehplätze in Fortfall kommen. 
Die Baukosten sind auf 1 125 000 M. veranschlagt worden 
und zwar steht diese Summe bereits zur Verfügung. Mit 
dem Bau wird voraussichtlich noch in diesem Jahre be 
gonnen werden, da die Eröffnung des Theaters, wenn 
irgend möglich, am 1. Oktober 1906 stattfinden soll. Die 
Vorstellungen sollen für die breiteren Schichten des ge 
bildeten Mittelstandes berechnet sein, vor allem soll das 
bessere Schauspiel gepflegt werden. Das Theater wird 
sich bekanntlich auf dem Platz P erheben, der im soge 
nannten bayerischen Viertel an der Grunewaldstraße liegt 
und von allen Seiten her eine gute Straßenverbindung 
hat. Auch ist hier bereits eine Station der Untergrund 
bahn vorgesehen morden, die ihren Anfang am Nollen- 
dorfplatz nehmen wird. 
— HandelSregistereintraguug. 27 164. Offene 
Handelsgesellschaft Danner & Hausen, Berlin. Gesellschafter 
Rudolf Danner, Kaufmann, Pankow, Albert Hausen, 
Kaufmann, Schöneberg. Die Gesellschaft hat am 1. Juli 
1905 begonnen. 
— Verhaftet. Die hiesige Polizeibehörde ist einem 
längere Zeit schon gesuchten Flüchtling auf die Spur ge 
kommen. Der Verhaftete ist der 24 jährige Maschinen 
unheimliche, höllische Macht war's, dre ihn willenlos das 
hatte tun lassen — was ihm Geld und Rettung brachte — 
Rettung vor Schande und Zuchthaus. 
Stumm war die Nacht; — so feierlich stumm! Und der 
Mond warf wie gestern Fluten von Silber über das in der 
Ferne zuweilen aufblitzende Meer und das totenstille, starre 
Gebirge. 
Als er im ersten Tagesgrauen in Santa Alma ankam 
und das Gütchen erreichte, in welchem der alte Abbate mit 
der alten Teresina hausgehalten und zum Rechten gesehen 
hatte, fühlte er sich bis zur Ohnmacht krank und erschöpft. 
Er klopfte Teresina heraus. Sie wunderte sich gar nicht. 
„Ah, Sie sind es, Signor Ducetti! Ja, der arme Herr 
Abbate ist tot — hat nicht länger warten können!" sagte sie 
gelassen. 
Ducetti ließ sich eins der Zimmer ausschließen, die er und 
die Seinen früher öfter bewohnt hatte. Es sah vernachlässigt 
und wüst darin aus, Teresina hatte auch nicht einen Finger 
gerührt, irgend welche Vorbereitung für seine Ankunst zu 
treffen; — aber ihm war alles gleichgültig, er warf sich auf 
eins der Betten und wünschte nur zu schlafen. 
Und er schlief wie ein Toter. Sein erstes Empfinden, 
als er gegen Mittag erwachte, war ein seliges: Es war ein 
Traum! 
Aber als er die Augen aufschlug, die Gedanken sich wieder 
gleich Harpyen auf ihn stürzten! 
Er ließ sich Kübel voll kalten Wassers bringen und nahm 
ein Bad — dann forderte er Frühstück. 
Ihm kam heute seine Energie wieder. „Nur nicht bereuen, 
was nicht mehr zu ändern ist!" Das war ein Wort, welches 
er letzthin von seinem jungen Freunde, dem Juoice Palmieri 
oft gehört. Und dann setzte der fröhliche, junge Mann mit 
dem ganzen leichtherzigen Lachen seiner Jahre hinzu: „Besser 
machen! Besser machen!" — Er mußte heute lebhaft an ihn 
denken. Palmieri war Constanzes erster Verehrer — ein 
hübscher, tüchtiger Mensch von etwa fünf- oder stebenund- 
zwanzig Jahren. (Fortsetzung folgt.)
        
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