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Periodical volume Nr. 164, 15.07.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Chaussee, die bereits in ihrer ganzen Ausdehnung, vom 
Brandenburger Tor bis zum Bahnhof Tiergarten, elektrische 
Beleuchtung aufzuweisen hat. 
8 Der Ban der Charlottenburger Brücke, der 
nach Abtragung der alten Brücke und der Beseitigung des 
nördlichen Steuerhauses einige Zeit lang geruht hat, ist 
jetzt wieder aufgenommen worden. Ferner ist mit der 
Straßenerhöhung, die in der Nähe der Brücke etwa 
2 Meter betragen wird, auf der Ostseite begonnen worden. 
Hier hat man eine etwa 30 Meter lange Stützmauer 
gezogen, die die Häuser der königlichen Porzellan-Manufaktur 
gegen den höher gelegenen Straßendamm abschließt, da 
die Basis dieser Häuser durch den Umbau erheblich unter 
dem Straßenniveau liegen wird. Dieser erhöhte Straßen 
teil wird ebenso wie ein auf der Westseite herzustellender 
mit in den monumentalen Brückenbau einbezogen werden. 
8 Personalien. Dem dirigierenden Arzt des Kreis- 
krankenhauses in Britz, Dr. Riese, und dem Arzt Dr. 
Salenz in Brandenburg a. d. H. ist das Prädikat 
Sanitätsrät, und dem Hofarzt Sanitätsrat Dr. Ziegler 
in Potsdam der Charakter als Geheimer Sanitätsrat 
verliehen worden. 
8 Der Verein der Vororte Berlins zur 
Wahrung gemeinsamer Interessen hat durch seine Post- 
kommission den Erfolg erzielt, daß dem Vorort Heiners 
dorf bei Pankow die durch Eingabe vom 10. Juni erbetene 
Postagentur durch Bescheid des Staatssekretärs Krätke be 
willigt worden ist. Diese wird unter Beibehaltung der 
bisherigen Posttaxe im Rechnungsjahr 1906 eingerichtet. 
Der Bürgerverein Heinersdorf hat der Postkommission und 
dem Borstand des Vorortvereins den Dank der Gemeinde 
für den Erfolg schriftlich ausgesprochen. 
8 Treptow-Sternwarte. Nachdem die berühmten 
Marskanäle photographiert sind, ist kein Zweifel an ihrer 
wirklichen Existenz mehr möglich. Hierdurch gewinnt die 
Frage nach der Bewohnbarkeit der Welten neues Interesse. 
Am Sonntag, den 16. Julis Nachmittags 5 Uhr spricht 
Direktor Archenhold im Hörsaal der Treptow-Sternwarte 
über: Die Bewohnbarkeit der Welten" und um 7 Uhr 
Abends über: „Moderne Riesenfernrohre und ihre 
Leistungen." Da während der ganzen Woche mit dem 
großen Fernrohr der Mond beobachtet wird, lautet das 
Thema für den Montags-Vortrag, Abends 9 Uhr: „Altes 
und Neues vom Mond." Am Tage wird die Sonne und 
außerdem Abends noch ein interessanter vierfacher Stern 
im Sternbild der Leier gezeigt. 
§ Die Graf Pücklervereinigung hat jetzt ein 
blutrotes Banner aus Kartonpapier anfertigen lassen, das 
beim Auftreten des Grnfen diesem vorangetragen wird. 
Auf der einen Seite trägt das Banner einen Adler mit 
der Inschrift: „Deutschland, Deutschland über Alles", auf 
der anderen Seite liest man: „Des Kaisers Freund, der 
Juden Feind." 
Zuschriften. 
Reinlichkeit ist's halbe Lebe«. Für Reinlichkeit strebt wohl 
jeder halbwegs ordnungsliebende Mensch und gerade zur jetzigen 
Jahreszeit nehmen diese Menschn gern ein Bad — aber wo her 
nehmen wenn im Ort keine Badeanstalt besteht? Erst die nächst 
gelegene Stadt aufsuchen macht schon Schwierigkeiten und hält 
manchen, das dem Körper so wohltuende Bad zu nehmen, sehr oft ab; 
sei dies aus Beq emlichkcit, wegen Zeitverlust, deS Fahrgeldes wegen 
oder aus irgend einem anderen Grunde. Ich sollte meinen, daß sich 
Friedenau bei seiner ausgezeichneten finanziellen Lage und seinem 
außerordentlichen Verständnis für kommunale und volkswirtschaftliche 
Interessen, unbedingt die notwendige hygienische Einrichtung, wie 
solche einer Badeanstalt unbedingt leisten kann und muß. Ich will 
versuchen den Stein in's Rollen zu bringen und unsere Herrn Stadt- 
väler auf dielen wichtigen Punkt aufmerksam machen. Sie haben es 
ja so vortrefflich verstauben die schwierige Frage der Kaiserallee zu 
lösen, warum sollte da nicht auch die einfache selbstverständliche Bade 
anstalt-Angelegenheit ba>d angefaßt und günstig geregelt werden 
könn n. Ein Rsiko dürfte schwer vorhanden sein, da wir Friedenauer 
alles propre Menschen sind und gerne baden und wenn's wie es ein 
diesiger Polizeibeamter getan hat, im Wannsee ist. Vielleicht lassen 
sich auch noch einige andere Stimmen aus dem Publikum hören. 
Ein Kämpfer für die Badeanstalt. 
Manöver-Plaudereien. 
Von M. v. R.-Friedenau. 
Nach der Siegeslaufbahn der preußischen resp. dentschen 
Heere in den Kriegen 1866 und 1870, die sich in aller 
Stille, in rastloser Friedensarbeit vorbereitet hatte, fragte 
die ganze Welt erstaunt nach den Ursachen dieser beispiel 
losen Erfolge. Währen die Einen sie in dem „Schul 
meister von Königgrätz", also der überwiegenden Schul 
bildung des Volkes suchten, glaubten Andere den 
preußtschen Drill als Grundlage dafür annehmen zu sollen, 
gleichzettig aber richtete man sein Augenmerk auf die „all 
gemeine Wehrpflicht" und die in Preußen schon lange 
ausgeführten „Herbstmanöver". Über den Wert der 
letzteren ist nun lange gestritten worden, damit schließlich 
sich alle Staaten diese Einrichtung aneignen sollten. 
Namentlich die wieder in Deutschlbnd zuerst in Szene ge 
setzten großen Manöver eines oder mehrerer Armeekorps 
haben in hervorragender Weise die Kritik deS Auslandes 
hervorgerufen und auch das Publikum nimmt nicht 
geringen Anteil an solchen militärischen Schauspielen. 
Wo ein Manöver ist, da stehen alle Räder still; jeder 
mann wandert hinaus, die Dienstboten verlassen die 
Arbeit und. da wo Einquartierung ist, ist mehr oder 
weniger Alles aus dem Häuschen. Wie könnte eS bei der 
allgmeinen Wehrpflicht auch anders sein? Neben frag 
lichen großen Unbequemlichkeiten bringt ein Manöver viel 
fach eine erwünschte Abwechselung in das tägliche Einerlei 
und meistens wird in der betroffenen Gegend viel Geld 
umgesetzt. 
Mit Stolz sehen die Alteren die Armee, die aus den 
Kindern des Vaterlandes zusammengesetzt, wie sie sich übt 
das Schwert zu schwingen. 
Was für eine Unsumme stiller ^Arbeit und selbst 
oerleugnenden Mühe steckt in jenen Heeresmassen, die nach 
dem Willen des Führers bald hier-, bald dorthin ge 
worfen werden, was für Hingebung an den Beruf hat 
dazu gehört, um aus dem steifen ungelenken Bauern 
jungen, oder aus dem verweichlichten Muttersöhnchen jenen 
strammen Paradesoldaten, den gewandten Schützen oder 
schneidigen Reiter zu machen. In der Tat ist ein Manöver 
der Prüfstein für die Truppe, ein scharfes Examen für 
den Führer. 
Welchen Wert hat nun aber ein Manöver, wie kann 
es ein Bild des Krieges darstellen, wenn die blauen 
Bohnen nicht pfeifen? Wo bleibt Mut und Tapferkeit, 
diese entscheidendsten Faktoren im Kriege? Wie kann man 
denn siegen» wenn man nach der ganzen Veranlagung des 
Manövers, z. B. nach den Quartieren, schon weiß, daß 
man zurückgehen muß? 
Dies zu erklären und ein allgemein verständliches 
Bild darüber zu geben, sei der Zweck dieser Zeilen. 
Vorweg sei gesagt, daß der Hauptzweck der großen 
Herbstübungen die Ausbildung der höheren Führer ist. 
Nur in wenig sehr großen Garnisonen haben diese Ge 
legenheit sich im Truppenführen zu üben und dann ge 
schieht dies in einer Gegend, die meistens allerseits genau 
bekannt ist. Darum hinaus i ganz wo anders hin! Wer 
an einem Manöoertage die Truppenmassen sich hin und 
her bewegen sieht, gewinnt leicht den Eindruck, daß es 
garnicht anders sein könne; und doch wie unendlich schwer 
ist die Kunst des „Führers" — ein mißverstandenes Wort 
und die Karre ist verfahren. 
Nicht die ganze Zeit der Herbstübungen sind den 
eigentlichen Manövern, also dem Kampfe zweier Parteien 
gegeneinander gewidmet, es Zehen ihnen vielmehr die 
Exerzitien und Übungen im Regiment und demnächst 
Brigadeoerbande vorher. 
Doch nun nähert sich der feierliche Tag des Aus 
rückend Der Monat Juli mit seinen Marsch- und Gefechts 
übungen, seinen großen Schießübungen ist vorbei und die 
Ausbildung des Rekruten ist im wesentlichen beendet. Er 
hat exerzieren und Parademarsch gelernt, seine Glieder 
sind durch Turnen und Bajonettfechten gelenkig geworden, 
im Schützengefecht weiß er seinen Mann aufs Korn zu 
nehmen, er versteht, sich an den Feind heranzuschleichen, 
ohne selbst gesehen zu werden, sein Gewehr kennt er in- 
und auswendig, kurz aus dem „dummen Rekruten" ist in 
10 Monaten ein ganzer Kerl geworden, der mit Be 
geisterung seines Königs Rock trägt. Nun aber soll die 
Hauptprobe für ihn kommen, an seine Leistungsfähigkeit 
und Ausdauer werden hohe Anforderungen gestellt werden. 
Sorgfältiger als früher werden die Stiefeln geschmiert 
und verpaßt und obschon der erfahrene Hauptmann be 
fohlen hat, um 8 Uhr schon „in der Klappe zu liegen", 
da es andern Morgens schon um 4 Uhr losgehl, so findet 
unser Freund doch noch Zeit, auf ein paar Minuten zu 
„Karline" zu gehen, um sich von ihr zu verabschieden. 
Ein ordentlicher Zippel Wurst, einige Zigarren und eine 
große Flasche voll Kaffee, denn Schnaps hat der Haupt 
mann streng verboten, von „Karline" schön eingewickelt, 
belohnt ihn großartig für die Betätigung seiner An 
hänglichkeit. „Franz, daß Du mich auch treu bleibst ins 
Manöver!" hatte sie ihm noch beim Abschied gesagt. 
In aller Frühe versammelt nun der Bataillons 
kommandeur seine Kompagnien und unter den Klängen 
der Regimentsmusik und den Wirbeln der Tambours geht 
es hinaus. Trotz der Morgenstunde ist schon ein zahl 
reiches Publikum versammelt, das den „Scheidenden" das 
Geleite gibt. Ach wie herrlich marschiert es sich in der 
frischen Morgenluft; da spielen sie gerade „Muß i denn, 
muß i denn zum Städtle hinaus", und voll Rührung 
denkt Franz an seine Karline: „Na, nachher bei der Leber 
wurst will ich der guten Seele gedenken! jetzt muß ich 
Marschordnung halten!" 
Auf einmal schwenkt die ,Musik ab, der Kommandeur 
läßt sich noch einen Parademarsch von der Marschkolonne 
machen, bei dem es ziemlich energisch zuging und dann 
wird von den Tambours „abgeschlagen", d. h. jetzt darf 
Jeder bequm marschieren, er darf rauchen, singen oder sich 
mit seinem Nachbar unterhalten. 
Mit der Musik löst sich aber ein Begleiter nach dem 
andern vom Bataillon ab und bald wirds langweiliger 
und stiller. 
Das ganze Manövergepäck ist doch höllisch schwer, 
denkt so mancher, und auch die Stiefel, die haben doch 
immer so gut gepaßt, heute wollen sie garnicht recht fitzen. 
„Na, nach 3 Meilen sind wir im Quartier, hat der Herr 
Unteroffizier gesagt und die haben wir ja täglich gemacht," 
Die Sonne scheint aber früh um 8 Uhr heute schon 
mächtig heiß und der Durst ist schon groß. Doch da vorn 
wird gehalten und im Schatten kühler Bäume die Ge 
wehre zusammengesetzt. Jetzt kommt „Karlinens" Leber 
wurst zu ihrem Recht und an die gute Seele denkt Franz 
mit einer Sehnsucht und Innigkeit, die er sich selbst kaum 
zugetraut hätte. Ja, er hat Recht, die nächsten Tage gabS 
magere Quartiere, ohne „was zum mitnehmen." 
(Fortsetzung folgt, j : 
Am Avend. 
Wie strahlt, von Abendrot umflossen 
Der Buchenwald am stillen See 
Von tiefer Ruhe übergössen — 
Und friedsam grast das schlanke Reh. 
In heißen Abendlüften gaukeln 
Der Buchen Kronen hin und her, 
Und in dem Baumgeäste schaukeln 
Des Waldes Sänger's lust'ge Wehr. 
Hart an dem Rand des Seees stehet 
Ein hölzern Muttergottesbild, 
Von sanften Lüften leis um wehet, 
Wie blickt's uns an, so traut, so mild! 
Des Sees bewegte Fluten kosen 
Bis an des alten Kreuzes Fuß; — 
Hier bringen weiße Wasserrosen 
Der Jungfrau ihren Abendgruß. 
Und durch das stille Abendschweigen 
Ertönt der Vögel Liederchor; 
Und alle Blumen stumm sich neigen — 
Es steigt zum Bild ihr Dust empor. 
Der Bäume dumpfes, leise Säuseln: 
Ein stummes Lied, ein fromm Gebet! 
Es klintzt dxr Fluten sanftes Kräuseln, 
Als wenn ein Kind zur M«"-»- 
' ^Augsburg. 
• Vermischtes. 
• Der Spinat ist bekanntlich eines der gesundesten Gemüse, 
welche das ganze Jahr hindurch zu haben sein sollte. Da der Spinat 
den Sommer über gern .schießt', so ist zu empfehlen, den Samen 
auf kühlen, tiefgründigen Boden zu säen; eine schattige Lage ist 
während genannter Jahreszeit besonders geeignet. Am besten ist eS, 
wenn alle 10 Tage Aussaaten zwischen Beerensträuchern oder anderen 
Pflanzungen gemacht werden. Notwendig ist es, die Pflanzen zu ver 
dünnen, damit fich die bleibenden besser entwickeln können. Sind die 
Pflanzen ca. 4 Zentimeter hoch gewachsen, so müssen fie zum zweiten 
Male im Zickzack verdünnt werden. Die entfernten Spinatpflanzcn 
sind auf vorher gut zubereiteten Boden auf 15 Zentimeter von ein- 
ander entfernten Reihen und auf 30 Zentimeter in der Reihe zu 
pflanzen und gut anzugießen. Eine solche Pflanzung widersteht Frost 
und Unwetter sehr gut, da die Pflanzen eine ungemeine Stärke er 
langen. Um oaS Ungeziefer davon abzuhalten, genügt eine mehr 
malige Bestäubung mit einer Mischung von felngesiebter Asche 
und Ruß. 
* Gut gegeben. „Eie tun ja in keiner Sitzung den Mund 
auf,' sagt ein Reichstagsabgeordneter zu einem andern. — .Durch 
diese Behauptung tun Sie mir unrecht,' erwiderte dieser, .denn so oft 
Sie sprechen, muß ich gähnen.' 
Hierzu eine Beilage. 
ln dem Hause RhOinStfäSSC 19 (Ecke Kirchstrasse) an der Kaisereiche habe ich eine Filiale meines 
Beerdigungsinstitutes 
ßncfmr NIsthoi-t — — Innungs-Tischlermeister — == 
vlUblaV i lUDvll Beerdigungs - Institut u. Sarg-Fabrik 
Hauptgeschäft: Berlin W., Potsdamer Str. 114. 
eröffnet. 
Grosses kager von Holz- u. Metallsärgen. 
Übernahme von Beerdigungen, Leichentransporten u. Feuerbestattungen 
unter vorheriger Berechnung aller Kosten einschl. der Grabstell- u. Kirchengebühren.
        
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