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Periodical volume Nr. 164, 15.07.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Sorten und Arten differierten nicht unerheblich. — Der 
Zuschlag wird den Bewerbern nach geschehener Beratung 
bekannt gegeben werden. 
| Gegen den 8 Uhr-Ladenschluß sprachen sich 
gestern zahlreiche Geschäftsinhaber in einer Protest 
versammlung in Berlin aus. Wie Berliner Zeitungen 
melden, wurde folgende Resolution angenommen: 
.Die heutige Versammlung der GeschLstsinhaber aller Branchen 
erläßt vor der schwerwiegenden Abstimmung über den 8 Uhr-Laden- 
schlutz einen dringenden Mahnruf an die Geschäftsinhaber von Berlin 
und den zugehörigen Vororten, bis zum 23. Juli er. die Listen im 
Gewerbekommissariat, Krausenstraße 29, unverzüglich einzusehen und 
im eigensten Jntereffe die ichLrfste Kontrolle in bezug auf Zugehörig, 
kett der betreffenden Branchen auszuüben. Die gegenwärtige Sommer- 
saison darf die Geschäftsinhaber nicht beeinflussen, eventuell für den 
8 Uhr-Ladenschluß zu stimmen. Die Pflicht eines jeden Detaillisten 
ist cS, im Konkurrcnzkawpk gegen die Großbasare die drohende 
Gefahr abzuwenden und gegen den 8 Uhr-Ladenschluß zu stimmen." 
Unter diesen Umständen erscheint es bereits fraglich, 
ob der 8 Uhr-Ladenschluß zur Einführung kommt. Inwie 
fern die Geschäftsinhaber durch den 8 Uhr-Ladenschluß 
geschädigt sein wollen, ist nicht recht einzusehen, wenn 
derselbe doch durch ortspolizeiliche Vorschrift allgemein 
eingeführt werden - soll. Man mag sonst ein Feind der 
Warenhäuser sein, aber gerade die großen Warenhäuser 
gehen längst mit gutem Beispiel voran und schließen um 
8 Uh'. Von dem 8 Uhr-Ladenschluß wird, wenn er 
allgemein eingeführt ist, der kleine Grünkramkrämer ebenso 
betroffen, wie der Großkaufmann. Es ist nur zu hoffen, 
daß unsere Geschäftswelt in etwas weniger engherziger 
Denkungsart als bisher, dieser sozialen Forderung nachgibt. 
-s- Für Ortskrankeukassen von Wichtigkeit ist 
eine Entscheidung, die der 3. Senat des Oberverwaltungs 
gerichts in dem Verwaltungsstreit des Ortsarmenverbandes 
zu Stendal gegen die Allgemeine Ortskrankenkaffe daselbst 
gefällt hat. Auf Kosten des Ortsarmenverbandes wurde 
die Ehefrau des Maurers Poggensee vom 20. Juni bis 
zum 13. Juli 1904 im Johanniterkrankenhause behandelt. 
P. war Mitglied der Allgemeinen Ortskrankenkaffe, welche 
den erkrankten Angehörigen ihrer Mitglieder freie ärztliche 
Behandlung und Arznei sowie die Hälfte des den Mit 
gliedern zustehenden Krankengeldes gewährt. Auf Grund 
dieser Bestimmung beanspruchte Klägerin von der Be 
klagten das entsprechende Krankengeld in Höhe von 18 M. 
Diese zahlte nur 4,50 M. mit der Behauptung, daß 
Poggensee am 25. Juni nach auswärts Stellung ge 
nommen habe und deshalb aus der Kasse ausgeschieden 
sei. In dem neuen Ort sei er einer anderen Ortskranken 
kaffe beigetreten. Der Ortsarmenverband strengte nun 
mehr gegen die Kaffe die Klage auf Zahlung der restieren- 
den 13,50 M. an, und der Bezirksausschuß gelangte auch 
zur Verurteilung der Beklagten mit der Begründung, daß 
deren Zahlungspflicht für die Dauer von 26 Wochen ge 
geben sei, sobald der Ehemann zur Zeit des Beginns der 
Erkrankung seiner Frau Mitglied der Krankenkasse ist. 
Dieses Urteil focht die Beklagte des wichtigen Prinzips 
wegen mittels der Revision und mit der Ausführung an, 
daß § 21 des Statuts vom Vorderrichter irrtümlich aus 
gelegt sei. Nach demselben stehe nur den Fqyiilienange- 
hörigen der Mitglieder denT-^'-nkengeld zu; d-^eauS folge, 
daß mit dem Aufhören der Mitgliedschaft des Mannes 
auch der Anspruch der Angehörigen derselben erlösche. Der 
höchste Verwaltungsgerichtshof erkannte auf Aufhebung des 
Bezirksausschußurteils und Zurückverweisung der Sache in 
die erste Instanz. Der Vorsitzende, Senatsprästdent Dr. 
v. Straus und Jorney, führte zur Begründung aus, daß 
die Verpflichtung der Kranken zur Gewährung des 
Krankengeldes an die Angehörigen des Mitgliedes nur so 
lange dauere, bis dieses einer anderen Kasse beigetreten 
sei. Dies werde von der Beklagten behauptet. Da bis 
her eine Prüfung dieser Tatsache unterblieben ist, mußte 
die Sache zu diesem Zwecke an den Bezirksausschuß zurück 
verwiesen werden. 
f Jin Wege der Zwangsvollstreckung soll das 
in Friedenau, angeblich an der Wiesbadenerstraße 24 be- 
legene, im Grundbuche von Friedenau zur Zeit der Ein 
tragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des 
Kaufmanns Paul Pohl in Berlin eingetragene Grundstück 
am 19. September 1905, Vormittags 11 Uhr versteigert 
werden. Das Grundstück ist 11 Ar 41 Quadratmeter groß 
und zur Gebäudesteuer noch nicht endgiltig veranlagt. 
-j- Die Reisezeit steht auf der Höhe — diesem 
Genuß — jenem Strapazen bietend, denn Reisen und 
Reisen ist zweierlei und zweierlei gehört auch zum Reisen 
nämlich erstens das nötige Geld und zweitens das nötige 
Verständnis für das Gesehene und die Fähigkeit, neue 
welche eben eine elegante Dacht segcljertig machten, aufs 
höchste; — er atmete ganz erleichtert auf, als er den Schatten 
und die Stille des alten Schlosses und seiner mächtigen Mauern 
erreicht hatte. In den Boökettanlagen an dem Fluß derselben 
stieg er einsam bergan, dann stand er schon auf der Terrasse 
hoch über dem blauen, zu seinen Füßen brandenden Meere, 
und über ihm, rund um ihn her grünte und blühte cs wie 
nirgend sonst. - Dieser Park war früher sein Lieblings 
aufenthalt gewesen; — immer hoch über den, Meere zieht er 
sich nicht sehr breit, aber durch die Anlage über seine Grüße 
täuschend, eine gute Strecke weit hin und bietet die köstlichste 
Vegetation. Seine Oliven mit dem silbernen Grün, die dunklen 
Steineichen, die Orangen und Citronen, Agaven und Myrthen 
und wie all dies tausendfältige Grün heißen mag, sind ganz 
durchsetzt und durchflochten mit der Blütenpracht des Früh 
lings, des Sommers und Herbstes, und über dem allen leuchtet 
die Sonne, blaut der Himmel in unbeschreiblicher Schone, und 
herrlicher als irgendwo leuchtet und schimmert das Meer zu 
Füßen dieses starren, silbergrauen Gebirgszriges. 
Wie hatte sich Ducetti sonst all dieser Schönheit gefreut! 
Wie sich daran berauscht! Denn er war ein leidenschaftlicher 
Naturfreund mit den Augen eines Malers. 
Heute! — O weh! Dies alles war nur für diejenigen, 
die mit sich selbst Frieden haben! 
Es trieb ihn fort — durch die stillen, schläfrigen Gaffen 
von Monaco, wo keinem Fremden jemals Quartier gegeben 
wird — hinab nach Monte Carlo zurück. 
Er irrte in dessen ivundcrbar schönen Parkanlagen, in 
den herrlichen PalmenaNccn umher; — überall Menschen — 
geputzte, vergnügte Menschen, denen die Tatenlust, die Genuß- 
sicuve aus den Augen sah. 
Noch eine volle Stunde! Wo konnte er allein sein? 
Eindrücke in sich aufzunehmen und zu verarbeiten. Wer 
in fremde Länder reist, möge sich erst genügend durch 
Sprachstudien vorbereiten. Besonders müßte der Reisende 
die Landessprache so verstehen, daß es sich auch mit dem 
im Dialekte sprechenden Volke unterhalten kann. Nur 
dann wird er Land und Leute, Sitten und ^Gebräuche 
richtig zu beurteilen wissen, denn der gewöhnliche Mann 
zeigt seine liebenswürdigen Seiten erst. wenn er weiß, 
daß er verstanden wird. Anders verhält sichs mit dem 
Reisen in schöne Gegenden. Hierzu genügt Natursinn; 
hier trifft man lebensfrohe Gesellen, denen angesichts der 
herrlichen Natur Herz und Gemüt aufging. Sehr beliebt 
sind auch die „Badereisen". Wer wirklich Erholung und 
Heilung sucht, wird nicht eines jener Weltbäder wählen, 
wo Luxus und Toilette herrschen und schwere Opfer 
fordern, wo durch Zerstreuung und Aufregung der Erfolg 
von Anfang an sehr fraglich ist, er wird vielmehr ein 
solches aufsuchen, das ihm neben dem heilkräftigen Wasser 
durch schöne Umgebung, einfache heitere Geselligkeit, ge 
sunde Bewegung in reiner Luft wesentliche Faktoren zur 
Bekämpfung krankhafter Zustände und Stimmungen bietet. 
Für ein schönheitsdürftiges Gemüt bietet eine Reise viel 
Erquickendes. Man muß es nur verstehen, auch die 
intimsten Schönheiten zu finden, denn es gibt kaum ein 
Fleckchen auf Erden, das reizlos wäre. Finden aber muß 
man die Schönheit, und wir haben Augen, sie zu suchen 
und die Fähigkeit zu genießen. Also man reise mit 
Nutzen, und damit die Daheimgebliebenen auch etwas von 
der Reise haben, so merkt fein auf das, waS Ihr seht, 
damit Ihr dann auch Interessantes zu erzählen habt! 
-j- Für Käufer von Grundstücken. Vor dem 
Erwerb von Grundstücken hole mqn über die auf diesen 
lastenden Anliegerbeiträge, d. h. die Beiträge zu den 
Straßenherstellungs- und Kanalisationskosten, Auskunft ein. 
Diese Beiträge, die von den obersten Gerichtshöfen als 
dingliche öffentliche Lasten erklärt wurden, haften auf dem 
Grundstücke und können jederzeit von dem jeweiligen 
Besitzer desselben eingetrieben werden, ohne daß dieser, 
unbeschadet besonderer Vereinbarungen, einen Regreß- 
anspruch an den ehemaligen Verkäufer hätte. 
f Der neue Sonnnerfahrplau der Hochbahn, 
der mit dem heutigen Tage in Kraft getreten ist, bringt 
vor allem die wichtige Neuerung, daß in der Zeit von 
Vormittags 8 Uhr bis Nachmittags Vs 6 Uhr die durch 
gehenden Züge fortfallen, sondern sowohl die von der 
Warschaner Brücke wie die vom Knie abgelassenen sämtlich 
über Station Potsdamer Platz fahren müssen, während sie 
bisher abwechselnd zwischen den Stationen Bülowstraße 
und Möckernbrücke direkt verkehrten, was eine Zeiler- 
sparnis von 4 Minuten ergibt. 
-s Die Freikonzerte des „Rheinschloffes" erfreuen 
sich täglich eines guten Besuchs. Die Kapelle leistet aber 
auch Vorzügliches und bei den behaglichen Aufenthalt und 
der vortrefflichen Bewirtung versteht sichs wohl von selbst, 
daß der Garten meistens vollbesetzt ist. 
f Interessante Abwechslung. Das Pottharst'sche 
mechanische Theater wird heute Abend Schloß- Ecke Born 
straße die Eröffnungsvorstellung bieten und ist aus guten 
Zuspruch seitens des Pnblikums zu rechnen. Die ge 
diegenen Vorführungen dauern jedesmal l 1 ^ bis l s / 4 
Stunden.! 
f Asphalt und Lastfuhrwerke. Daß Asphalt für 
Lastfuhrwerke kein taugliches Pflaster ist, davon konnte 
man sich gestern Mittag in der Rheinstraße überzeugen. 
Don der Lauterstraße kam ein mit Mauersteinen und 
Zement schwer beladener Wagen gefahren. Die Pferde 
zogen flott an, brachten aber den Wagen, als er auf daS 
von der Sonne vielleicht etwas durchglühte Asphalt der 
Rheinstraße kam, nicht mehr von der Stelle, bis ein 
anderer hilfsbereiter Fuhrknecht seine Pferde zum Vorspann 
hergab. Das Urteil der beiden Fuhrknechte über Asphalt 
wollen wir bester verschweigen, denn eine wortgetreue 
Wiedergabe erscheint unmöglich. 
f Durch daS entschlossene Eingreife« eines 
Zugführers sind gestern Nachmittag vier Menschenleben 
dem sicheren Tode entrissen worden. Auf der Gleisstrecke 
des SüdringkörperS waren Nachmittags in der Nähe des 
Potsdamer Güterbahnhofs 4 Arbeiter mit Hacken be 
schäftigt. Während der Arbeit hatten sie nicht das Heran- 
nahen des Südringzuges, der um 2 Uhr 15 Minuten den 
Potsdamer Ringbahnhof verlassen hatte, bemerkt. Der 
Zugführer glaubte natürlich, daß die Streckenarbeiter bei 
dem Herannahen des Zuges aus dem Gleis treten würden 
und fuhr daher weiter. Plötzlich hielt der Zug mit einem 
Da fiel ihm das Stationsgebäude der Zahnradbahn nach La 
Turoie hinein in die Augen. — Er kam gerade rechtzeitig, 
der Wagen war fast leer, und die Wildnis, durch die der Zug 
bergauf kletterte, entsprach seiner Stimmung weit mehr. — 
Ganz steil die Felswand hinan — erst durch Weinberge hier 
und da — an kleinen Bauernhäusern vorüber; — hier gab es 
keine Palmen, keine Pinien und Myrthen — nichts als kahles 
Gestrüpp, unbelaubte Weinstöcke, kümmerliches Gras und Fels, 
Fels, Fels! 
Dort oben dann freilich eine Aussicht —! Unvergleichlich 
herrlich! Aber er wandte den Kopf ab — fieberhafte Unruhe 
erfüllte ihn ganz und gar. — In dem Moment der Ankunft 
stieg er auch schon in den zu Tal fahrenden Wagen, und 
sofort ging es wieder hinab — hinab! — Jetzt hatte er nur 
noch Minuten zu warten — so wenige, daß er von der 
Station in höchster Elle nach dem Casino stürzte. Es fiel 
ihm ein, daß er ganz vergessen, zu frühstücken. 
Das durste er nicht unterlassen, das könnte seine Nerven 
kraft beeinträchtigen. 
Im Hotel de Paris ließ er sich ein Frühstück servieren. — 
Es war vorzüglich — es schmeckte ihm; mit Vergnügen bezahlte 
er den sehr hohen Preis; er fühlte, es hatte ihm gut getan — 
er war ganz ruhig geworden. So ging er hinüber — es sind 
kaum zwanzig Schritte. Dies Tageslicht draußen — die 
grelle Sonne — hatten ihn förmlich geblendet. Er saß nieder, 
wo gerade an einem Tische ein Platz frei war; — denn sie 
waren selbst jetzt wieder ganz umlagert. 
Minutenlang sah er sich das Spiel an und die Mit 
spieler. — Den Croupier kannte er — bei dem hatte er einnial 
einen großen Coup gemacht und gewonnen beinah' allemal. 
Er setzte! — Eine Minute — und er hatte gewonnen. 
* * *. (Fortsetzung folgt.) 
gewaltigen Ruck; in den Kupees sitzende Fahrgäste wurden 
von den Sitzen herabgeschleudert. Dicht vor den er 
schrockenen Arbeitern hatte der Zug gehalten. Unter An 
wendung all seiner Kräfte war es dem geistesgegen 
wärtigen Lokomotivführer gelungen, den Ringbahnzug noch 
im letzten Augenblick zum Stehen zu bringen und auf 
diese Weise schweres Unglück zu verhüten. 
f Hundcquäleret. Offizielle Hunderennen 
werden glücklicherweise nicht oft veranstaltet, jedenfalls 
weil das verständige Publikum diesen wertlosen Veran 
staltungen kein Jntereffe entgegenbringt. Es hat eine 
Antipatie gegen solche Tierquälerei. Täglich kann man 
aber eine andere Art Hunde- „rennen" sehen und zwar 
dient hier als Schrittmacher die Elektrische oder das Fahr 
rad. Unverantwortlich ist's wenn „Hundeliebhaber" (zu 
denen doch schließlich jeder Hundebesttzer zu rechnen ist,) 
ruhig zusehen können, wie ihre Vierfüßler mitunter stunden 
lang hinterher laufen. Öfter macht man gar die Wahr 
nehmung, daß sich derartige Hundebesttzer hieraus direkt 
ein Vergnügen machen, das beim schnellsten Tempo am 
köstlichsten ist. Allseitig sollte man diese Hundeschinderei 
verurteilen und die betreffenden Herren, die sich Hunde 
halten und sie nicht zu behandeln verstehen, plausibel 
machen, wie ihnen zu Mute wär, wenn sie anstatt deS 
Hundes solch qualvolles Dauerrennen mitmachen müßten. 
Das Arbeitsfeld des Tierschutzoereins, der ja in Friedenau 
auch besteht, ist ein großes und zur Abschaffung des vor 
erwähnten Mißstandes kann er viel tun. 
t Radbruch. In der Friedenauerstraße brach gestern 
Abend das linke Hinterrad eines mit Möbeln beladenen 
Lastwagens. Zu allem Unglück scheinen die Gegenstände 
nicht genügend fest verschnürt gewesen zu sein, denn in 
wildem durcheinander fielen Tische Stühle und Bade 
wannen zu Boden. Schließlich blieb nichts anderes übrig 
als zur großen Belustigung der Passanten, den ganzen 
Hausrat auf einen anderen herbeigeschafften Wagen um 
zuladen. 
-j- An die Luft gesetzt wurde heute Mittag ein 
Arbeiter in der Restauration Rheinstraße 14, der mit 
einem Brauer in Streit geraten und von diesem darauf 
ziemlich unsanft aus dem Lokale geworfen wurde. Der 
Vorfall hatte natürlich einen großen Auflauf zur Folge. 
Der Brauer zog es vor, sich in dem Lokale vor weiteren 
Angriffen gedeckt zu halten. 
-j- Polizeibericht. Als gefunden wird ein Sonnen 
schirm und als zugeflogen ein Kanarienvogel gemeldet. 
Näheres im Polizeibureau in der Feurigstraße. 
Schöneöerg. 
— Stadtverordueteuwahleu. Der Haus- und 
Grundbesitzerverein zu Schöneberg hat für die im Herbst 
stattfindenden Stadtverordneten-Neuwahlen bereits jetzt 
Vorbereitungen getroffen. Da im Ganzen sechszehn Neu 
wahlen stattfinden und die erste Abteilung zum ersten 
Male in zehn Bezirken wählen wird, wird es diesmal zu 
einem scharfen Wahlkampfe kommen. Unter den neu zu 
wählenden befinden sich zwei Mitglieder des Stadtoer- 
ordneten-Vorstandes, die Herrn Finke und Speck, die dem 
Stadtverordneten - Kollegium seit Bestehen angehören. 
Von den sechszehn Kandidaten sind dreizehn Hausbesitzer. 
— Firmeueiutragung. Bei Nr. 2761. (Firma 
R. Fretzdorff & Co., Berlin): Der Sitz der Firma ist nach 
Schöneberg verlegt. Inhaber wohnt in Schöneberg. 
— In einer entsetzliche« Weise «ms Lebe« 
gekommen ist der 34 Jahre alte Neger Emanuel 
Johnson, der in dem Milchgeschäft Eisenacherstraße 73 als 
Kutscher beschäftigt war. Eine besondere Vorliebe für 
Spezialitätenvorstellungen trieb ihn dazu, allabendlich das 
Dach des neben dem „Schwarzen Adler" liegenden 
Pferdestalls seines Arbeitgebers zu besteigen, um von dort 
den Vorstellungen auf einer Bühne in, Garten des 
Restaurants zu folgen. Am Mittwoch Abend hatte er 
nun auch, wie gewöhnlich, mit mehreren Bekannten das 
Dach bestiegen. Am anderen Morgen fand ihn sein 
Arbeitgeber mit dem Gesicht am Boden liegend, schwer 
verletzt auf dem Hofe vor. Er ließ ihn nun sofort nach 
der nahegelegenen Unfallstation schaffen, wo der amtierende 
Arzt den bereits eingetretenen Tod durch Schädelbruch 
konstatierte. Die Ursache dieses Unfalls ist noch nicht auf 
geklärt und wird sich erst durch die eingeleitete Unter 
suchung ergeben. Während einerseits angenommen wird, 
daß er beim Absteigen fehl getreten ist und durch den 
Sturz den Tod gefunden hat, hält man andererseits einen 
Racheakt nicht für ausgeschlossen. — Die Leiche ist 
polizeilich beschlagnahmt. Der Neger stammte aus 
Philadelphia und war bereits seit 8 Jahren hier ansässig. 
Berlin und Wororte. 
8 Der Bau der Handelshochschule, der sich um 
das erhalten gebliebene Kirchlein „Zum heiligen Geist" 
herumzieht, hat in der letzten Zeit sehr große Fortschritte 
gemacht und wird noch vor Ende des Sommers unter 
Dach und Fach gebracht werden. Ganz besonders inter 
essant ist die Art der Einbauung des Kirchleins, die sich 
jetzt schon in ihren Grundzügen erkennen läßt. Das 
Gotteshaus wird nämlich nicht ganz von der Hochschule 
eingeschlossen, sondern liegt hinter deren Baufluchtlinie in 
der Heiligengeistgasse 4 Meter und in der Spandauersttaße 
1 Meter zurück. Als Übergang dienen zwei mittelalterliche 
Türme, ein kleinerer und ein größerer. Der kleinere, 
dessen Oberbau in Angriff genommen wird, erhebt sich an 
der Heiligengeistgasse, der andere, für den jetzt die Funda 
mente gelegt werden und der von ganz bedeutendem 
Umfange sein wird, erhält seinen Platz an der Span 
dauerstraße. 
8 Die längste elektrisch beleuchtete Straße 
von Berlin wird die Friedrichstraße sein. Die Drähte 
für die elektrischen Bogenlampen sind bereits vom Belle- 
alliance-Platz bis zur Karlstraße an den Häusern an 
gebracht worden, sodaß bis zum nördlichen Endpunkt der 
Straße, dem Oranienburger Tor, nur noch ein paar Drähte 
fehlen, nach deren Anbringung dann mit dem Aufhängen 
j der Lampen begonnen werden wird. Nur um ein Weniges 
' kürzer als die Friedrichstraße ist die Charlottenburger
        
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