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Periodical volume Nr. 168, 20.07.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Bürgerschein, noch besser mit einer Paßkarte durchkommen, 
letztere genügt ja auch in Österreich-Ungarn usw. Andere 
Länder hingegen stellen höhere Ansprüche, indem sie als 
Legitimation den „Paß" vorschreiben und zu diesem noch 
das Visum einer Botschaft oder Gesandschaft unbedingt 
verlangen. Mit einem Paß kommt man in Italien, 
Frankreich, sogar in Bulgarien und Serbien usw. durch, 
hingegen in Rußland, Rumänien, der europäischen und 
asiatischen Türkei nur mit einem „visierten Paß". Hierzu 
sind Konsulate wohl nur zum Heil berechtigt, zum „Paß- 
und Visazwang" ist das Anrufen der Botschaften und 
Gesandtschaften erforderlich. 
t Bodenspekulation am Tcltowkanal. Teltower 
Kanalverein Aktiengesellschaft. Unter dieser Firma ist in 
das Handelsregister des Amtsgerichts I Berlin eine Aktien 
gesellschaft mit dem Sitze zu Berlin und einem Grund 
kapital von 6900000 Mk. eingetragen worden. Gegenstand 
des Unternehmens ist Erwerb von Grundstücken, namentlich 
am Teltowkanal oder in dessen Nähe, sowie deren Ver 
waltung und Verwertung, Veräußerung im ganzen oder 
in Parzellen. Die Gründer der Gesellschaft, die sämtliche 
Aktien übernommen haben, sind: 1. Königl. Baurat Max 
Contag, 2. Kunstoerleger Richard Bong, 3. Amtsvor 
steher a. D. August Grabowski zu Berlin-Dt.-Wilmers- 
dorf, 4. Ingenieur Fritz Lucas zu Berlin-Dt.-Wilmersdorf 
und 5. Regierungsbaumeister a. D. Franz Holzapfel zu 
Berlin-Dt.-Wilmersdorf. Teltower Kanal-Terrain-A.-G. in 
Berlin. In diese soeben gegründete Gesellschaft brachte 
Baurat Contag, Wilmersdorf, 1 255 887 qm Grundstücke 
für 5 140 800 SDl. ein, wogegen ihm unter Anrechnung dar 
auf ruhender 1240800 M. Hypotheken netto 3900000 M. 
vollgezahlte Aktien übergeben wurden. Weitere 2750000M. 
Aktien zeichnete Contag, restliche 250000 M. Aktien die 
übrigen Gründer unter Einzahlung von 25 pCt. Die 
eingebrachten Grundstücke sind von zwei Taxatoren auf 
10 796 160 M. geschätzt. Sie liegen in den Gemarkungen 
Teltow, Kl.-Machnow, Lankwitz, Steglitz und Gr.-Lichter- 
felde. Der erste Aufsichtsrat besteht aus Max Contag, 
Landrat v. Haniel, Direktor Willy Gerschel, Bankier Emil 
Kaufman und Kaufmann Philipp Nirrnheim. 
t Nachsendung von Zeitungen in die Sommer 
frische. Wir machen die verehrlichen Leser unserer Zeitung 
darauf aufmerksam, daß die Nachsendung der Zeitung für 
vorübergehende Zeit nach einem anderen Orte nicht in 
unserer Geschäftsstelle, sondern bei dem jeweiligen Zeitungs 
spediteur Fleischmann bezw. Deget zu beantragen ist, die 
den „Friedenaner Lokgl-Anzeiger" bestellen. 
t Als eine große Natioualfeier wird die 
36 jährige Wiederkehr der Schlachten von Spichern, Wörth, 
Vionville, Gravelotte, St. Privat rc. von den noch lebenden 
Kriegsveteranen aus Deutschlands großer Zeit feierlichst 
begangen werden. Die Feier findet am Sonnabend und 
Sonntag den 5. und 6. August statt. Die Arrangements 
sind von den Kriegsveteranen des Vereins „Deutsche 
Eiche von 1864—66, 70—71" getroffen, denen sich mehrere 
Krieger- und Veteranenvereine angeschlossen haben. Der 
Ausschuß ist bemüht, die Feier zu einer der Erinnerung 
würdigen zu gestalten und sind die weitgehendsten Vor 
kehrungen getroffen. Die Veteranen versammeln sich am 
Sonnabend den 5. August Nachmittags 2 1 / 2 Uhr auf dem 
Exerzierplatz der 2. Garde-Jnfanterie-Brigade. Dort findet 
um 3 Uhr großer Veteranen-Appell statt vor den Ehren 
gästen und Ehrenmitgliedern. Um 3'/z Uhr Feldgottes 
dienst und Festansprache. Um 4 Uhr Abmarsch nach der 
Siegessäule, wo eine pietätvolle Feier durch Ansprache und 
Niederlegung eines Kranzes dem Andenken der für König 
und Vaterland gefallenen Kameraden gewidmet wird. 
Dann Abmarsch durch die Siegesallee, Brandenburger Tor, 
Unter den Linden, nach dem Festlokal, dem Schweizer 
garten, unter Begleitung von mehreren Militärkapellen. 
Am Sonntag den 6. August, dem Tage von Spichern 
und Wörth, ist großer Veteranentag (Vormittag 11 Uhr) 
im großen Saale der Brauerei Königstadt, Schönhauser 
Allee 11/13. Weiteres zur Veranstaltung des National 
festes wird noch durch den Ausschuß mitgeteilt. Vom 
10. Juli ab werden täglich Vormittags von 11—1 Uhr, 
sowie Nachmittags von 4—6 Uhr, Heiligegeiststraße 38 p. 
Anmeldungen entgegengenommen, sowie auch Einlaß- und 
Legitimationskarten verausgabt. Damit den alten Kriegs- 
Kameraden von auswärts Gelegenheit geboten und die 
Ehre erwiesen wird, ihre Reichshauptstadt kennen zu 
lernen, so hat der Ausschuß das Ersuchen an das Eisen 
bahnministerium gerichtet, für die Fahrt zu den Festtagen 
nach hier Militärbilletts an dieselben verausgaben zu 
der Angeklagte seine Frau mit seiner Angabe hinters Licht 
geführt hatte. Unter dies,» Umstünden entschlossen wir uns, 
nach Neuyork, durch welches wir vorher glatt hindurch 
gefahren waren, zurückzukehren und kamen heute morgen 
vor Sonnenaufgang mit dem Dampfer hier an. Mitten 
auf der Brücke — ich war gerade in einem wichtigen Ge 
spräch mit Richard Walker begriffen — stieß Frau Nora 
Fernbach einen läuten Schrei aus und stürzte einem Manne 
nach, der soeben an uns vorbeipassiert war. Wir hatten 
zuerst keine Ahnung, um was cs sich handle, und blieben 
ruhig stehen. Als aber ihr Ruf: „Zu Hilfe, Norris, oder 
er entrinnt uns! Es ist Fritz Werner«! Zu Hilfe!" zu 
uns herübertönte, da begriff ich die Situation. In edler 
Selbstaufopferung hatte das heroische Weib sich auf den 
Feind unseres glorreichen Landes gestürzt, um sein Ent 
rinnen zu verhindern. Aber was vermochte sie gegen die 
Riesenkraft dieses Menschen! Eben, als wir sie beinahe 
erreicht hatten, brach sie mit einem Jammerlaut zusam 
men.""" 
Ein wildes Geheul der aufgeregten Masse*'unterbräch 
ihn. Tausende von Fäusten streckten sich in die Lust und 
ebensoviel«: rachedürstende Augen hefteten sich auf mich. — 
Als der Lärm sich gelegt hatte, fuhr Norris fort: 
„„„Zu spät langten wir an, um sie vor ihm zu 
schützen, glücklicherweise nicht zu spät, sie zü rächen und 
uns seiner zu bemächtigen. Unserer zehnfachen Uebermacht 
zum Trotz, und obwohl wir doch keine Schwächlinge sind, 
war es ein harter Kampf. Aber es gelang. Ihre Sache, 
meine Herren Geschworenen, ist es, die furchtbare Tat — 
wie ein deutscher Dichter sagt — zu sühnen mit des 
Mörders Blut!""" 
Ein entsetzlicher Wutschrei der Menge folgte seinen 
wollen. Die auswärts wohnenden Kameraden können sich 
beim Ausschuß, Heiligegeiststraße 38 p., bei Erdmann 
melden. 
t Die ersten Birnen sind hier eingetroffen. Die 
Preise sind natürlich der Zeit entsprechend noch ziemlich hohe. 
-j- SchneiderzwangSinuung. Die nächste Quartals 
sitzung findet am Montag, den 17. Juli nachm. S 1 /» Uhr 
im Restaurant „Zur Krone", Albrechtstrabe 130 statt. 
Tagesordnung: Ein- und Ausschreiben von Lehrlingen, 
Entgegennahme von Meldungen zum Zuschneidekursus, 
Jahresbericht, Rechnungslegung, Genehmigung des Haus 
haltungsplanes. Wahl von 3 Vorstandsmitgliedern, Kranken 
kassenbericht, Verschiedenes. Das Ein- und Ausschreiben 
der Lehrlinge findet um 4 Uhr statt. 
f Verein der Gast- «nd Schankwirte. Der 
Verein hielt gestern seine Monatsversammlung beim 
Kollegen Thiel, Rheinstraße 14, ab. Vorsitzender Herr 
Fechner eröffnete die Sitzung in üblicher Weise. Zur An 
meldung gelangten die Kollegen Schindler und Mehlitz. 
Beschlossen würde, zur Bannerweihe des Brudervereins in 
Steglitz am 18. August eine Deputation zu entsenden. 
Nach Erledigung von Verbandsangelegenheiten wurde über 
die Kassenreviston Bericht erstattet. Es wurde alles in 
schönster Ordnung befunden. Nach Besprechung innerer 
Vereinsangelegenheiten wurde dem Warenmarkts wacker 
zugesprochen und sodann die Sitzung geschlossen. 
-j- Stenographen - Verein „Gabelsberger" 
Friedenau. Eine Monatssitzung findet am Donnerstag, 
den 13. Juli 1905, Abends 9 Uhr, pünktlich, im Vereins 
lokal „Hohenzollern" statt. Tagesordnung: Geschäftliches. 
Vorbericht für den Stenographentag. Vertreterwahl. 
Berliner Stenographenvereinigung. Verschiedenes. Gäste 
find willkommen. 
-j- Kinderfeste finden von übermorgen (Donnerstag) 
ab wöchentlich in der Feldkantine „Zum Wilhelmshöher 
Brunnen" statt. Hoffentlich ist die Witterung unseren 
Kleinen günstig, daß ihr Vergnügen nicht zu Wasser wird. 
-j- Restaurant „Waldkater" in Schmargen 
dorf. In dem beliebten Ausflugslokale unseres Nachbar 
ortes finden in diesem Jahre jeden Mittwoch Spezialitäten- 
Vorstellungen statt. Die „Leipziger Sänger" geben jeden 
Sonntag Vorstellung. Beide Veranstaltungen finden den 
ungeteilten Beifall des Publikums. 
t Im Juli sind die Obstbäume mit durchdringenden 
DUngergüssen zu versorgen; schwerbehangene Aste sind zu 
stützen. Um das Vermehren der Raupen zu verhüten, 
sind die madigen Früchte zu vernichten. Auch, der Wein 
stock ist sorgsamst zu pflegen. Alle Tragreben werden 
2—4 Blatt über der obersten Traube gekappt. Ruten 
ohne Trauben sind wegzubrechen. — Im Gemüsegarten 
sind die Saatbeete — bis zum Aufgehen — gegen 
Sonnenbrand rc. durch Sackleinewand zu schützen. Anfang 
Juli ist Grünkohl, Endivien und Winterkohl zu säen. — 
Im Blumengarten sind die verblühten Blumen abzu 
schneiden. Da hierdurch Samenverschwendung vorgebeugt 
wird und die Blütenpflanzen reichlicher und schöner 
blühen. — Rosen auf das schlafende Auge okulieren. 
f Eine Verkehrsstörung entstand Sonntag Nach 
mittag gegen 1 l 2 b Uhr auf der Wannseebahn. Kurz vor 
der Station Friedenau hatte die Maschine eines Potsdamer 
Zuges Defekt erlitten, infolgedessen der Train auf freier 
Strecke liegen bleiben mußte. Erst nachdem eine Ersatz 
maschine herbeigeschafft war, konnte der Verkehr, der etwa 
dreiviertel Stunde unterbrochen war, wieder aufgenommen 
werden. 
1- Unglaubliche Vergeßlichkeit, über die sprich- 
wörtliche Professorenzerstreutheit geht folgendes Vor 
kommnis, daß einem Friedenauer am Sonntag passierte. 
Derselbe, ein Familienvater, besuchte mit seinen elf- und 
zwölfjährigen Kindern im Norden Verwandte. Von dort 
ging der Familienvater nach einem großen Vergnügungs 
lokal in der Schönhauser Allee, wo sich die Kinder beim 
Karuffellfahren usw. amüsierten. Inzwischen hatte unser 
Mitbürger einen alten Bekannten getroffen und mit ihm 
beim edlen Gerstensaft frühere Erlebnisse ausgetauscht. 
Das freudige Wiedersehen wurde natürlich ordentlich „an 
gefeuchtet" und gegen Abend trennten sich die beiden 
Freunde. In der vergnügtesten Stimmung trat der 
Familienvater die Heimfahrt an und erst zu Hause an 
gelangt, fiel ihm ein, daß er die Kinder vergessen hatte. 
Diese hatten sich, nachdem sie ihren Vater längere Zeit 
vergeblich gesucht, bei ihrer Großmutter eingefunden. 
-f I« der Badeanstalt Seebad Wilmersdorf er 
trunken ist am Sonntage der im zweiten Jahre dienende 
Worten. Einen Augenblick glaubte ich, man würde mich 
zerreißen, denn schon machten einzelne Anstalt, über die 
Schranken zu mir herüberzusteigen. Aber es gelang dem 
Präsidenten nochmals, Ruhe zu schaffen. 
„Nun, ArMklagter," " redete er mich an, „ „was haben 
Sie diesem erschütternden Zeugnis gegenüber zu sagen?"" 
„Zunächst, daß der aktuelle Vorgang auf der Brücke 
zwar im wesentlichen richtig geschildert ist, daß ich mich 
aber im Stande der Notwehr befand (Hohngelächter), und 
daß dies der Fall war, werde ich jetzt beweisen. (Sen 
sation.) Alles, was der Zeuge von den Motiven Nora 
Fernbachs erzählt hat, aus denen sie mich verlassen und 
dann verfolgt hat, ist nichts als eine einzige große Lüge, 
und der Zeuge weiß das!" 
Ein drohendes Gemurmel erhob sich. Norris stand auf. 
„ „Ich bitte, den Angeklagten nicht zu unterbrechen!"" 
rief der Präsident. „„Angeklagter, wie kommen Sie zu 
dieser Behauptung? Wie dürfen Sie cs wagen, dem Zeugen 
solche Beschuldigungen ins Gesicht zu werfen?"" 
„Weil ich sie beweisen kann. Man vernehme telephonisch 
den Direktor des Concordia-Theaters im Nationalpark bei 
der.Riesin. Ich bin dort mit Nora Fernbach zusammen am 
Trapez aufgetreten, nachdem ich sie am ganzen Leibe ebenso 
tätowiert hatte, wie ich es bin. Zum Bruch zwischen uns 
ist es am 5. dieses Monats gekommen, einmal, weil sie 
mich bestohlen hatte und dann, weil sie meiner 
überdrüssig geworden war und sich einen Liebhaber 
angeschafft hatte, den sie überdies dazu anstiftete, bei meinen 
Uebungen am Trapez einen Unglücksfall herbeizuführen, 
um sich meiner auf diesem bequemen Wege zu entledigen." 
Einen Augenblick herrschte tiefe, verlegene Stille im 
Saale. Dann sagte der Präsident: 
Eisenbahner Körner von der 8. Kompagnie des 2. Eisen 
bahnregiments. Dem Bademeister war es, gegen 5 Uhr 
nachmittags aufgefallen, daß die Uniform eines Soldaten 
schon mehrere Stunden lang in dem Ankleideraum hing, 
und er stellte sofort fest, daß sich unter den Badenden 
kein Soldat befand. Durch weitere Nachfrage wurde er 
mittelt, daß gegen 3 Uhr nachmittags ein Soldat des 
genannten Regiments die Badeanstalt betreten hatte und 
so konnte nur mit der Möglichkeit eines Unglücksfalles 
gerechnet werden. Das Bassin wurde sofort sorgfältig 
durchsucht und nunmehr auch die Leiche Körners auf 
gefunden, der allem Anscheine nach beim Hineingehen in 
das Wasser von einem Schlaganfalle getroffen und lautlos 
untergesunken ist. Bei dem außerordentlich starken Besuch, 
den die Anstalt am Sonntag auszuweisen hatte, ist es 
erklärlich, daß dem Bademeister der Unfall entgangen war. 
f Schlägerei. Zu einer Schlägerei, bei der Zaun 
latten das Angriffs- und Verteidigungsmittel bildeten, 
kam es gestern Abend 10 Uhr am Kaiserplatz in Wilmers 
dorf. Sechs kaum der Schule entwachsene Burschen waren 
in einer hiesigen Gastwirtschaft in Streit geraten und 
setzten diesen auf dem Wege nach Wilmersdorf fort, wobei 
es dann am Kaiserplatz zu Tätlichkeiten kam, die wohl 
noch schwerere Folgen gehabt hätten, wenn nicht die 
Polizei erschienen wäre, uin die Namen der jungen Helden 
festzustellen. 
f Gestürztes Pferd. In der Saarstraße stürzte 
heute Vormittag das Pferd eines Lastwagens und konnte 
nur mit Mühe wieder in die Höhe gebracht werden. 
Schöneöerg. 
— Ausschuß zur Erhaltung des Botanische« 
Gartens. Dem Ausschuß ist in letzter Zeit wiederholt 
der Vorwurf gemacht worden, er hätte seine alte 
Rührigkeit nicht mehr genügend betätigt. Zur öffentlichen 
Agitation lag für den Ausschuß, nachdem er alle erdenk 
lichen Mittel und Instanzen zur Erreichung seiner Zwecke 
gebraucht hatte und an maßgebender Stelle von einer 
Parzellierung zu privaten Zwecken Abstand genommen 
worden war, kein Grund vor, solange nicht ein bestimmter 
anderer Verwendungszweck, der den Tendenzen des Aus 
schusses entgegen war, in Aussicht genommen wurde. 
Dieses kann nunmehr von der augenblicklichen Verpachtung 
nicht mehr behauptet werden. Dieses Projekt ist vielmehr 
als im Sinn des Ausschusses liegend zu betrachten, zumal 
der Park nicht nur wie jetzt nur an bestimmten Tagen 
und Stunden und nur an Wochentagen, sondern auch 
Abends und Sonntags dem öffentlichen Besuch zur Ver 
fügung stehen wird. Die große Mehrzahl der Bewohner 
des Westens, die einer täglichen Beschäftigung nachgeht 
und zu Tausenden zählt, hat in Zukunft die Annehm 
lichkeit. sich von des Tages Lasten und Mühen im Park 
erholen zu können. Wie wir hören, wird die Pächterin 
in liberalster Weise den Wünschen des großen Publikums 
entgegenkommen und denkt nicht im entferntesten daran, 
den Park für das Publikum abzuschließen oder eine Vogel 
wiese daraus zu machen, was beides auch gegen den Pacht 
vertrag verstoßen würde. Der vornehme Charakter des 
Parkes soll auf jeden Fall gewahrt werden. 
— Der Verein für Handel und Industrie hat, 
wie wir s. Zt. berichteten, bei der Berliner Handels 
kammer angeregt, in den Gebäuden der Landgerichte I und II 
in Berlin Fernsprech-Automaten aufzustellen, welche dem 
bei Gericht tätigen Publikum während den oft langen 
Wartezeiten zur Erledigung -dringender geschäftlicher 
Angelegenheiten, zur Einholung wünschenswerter Aus 
künfte rc. zur Verfügung stehen. Die Postbehörde hat sich 
zur Aufstellung solcher Automaten nur unter der Be 
dingung bereit erklärt, daß für eine Einnahme aus dem 
Betrieb eine Garantie in Höhe von 180 M. für jedes der 
Gerichtsgebäude übernommen würde. Die Handelskammer 
war der Meinung, daß das erhebliche allgemeine Interesse 
dieser Einrichtung in diesem Falle der Verzicht der Post 
verwaltung auf die sonst übliche Garantie rechtfertigen 
sollte. Mit Rücksicht auf die vielseitige Beteiligung des 
Handelsstandes an den gerichtlichen Verhandlungen erklärte 
die Kammer sich jedoch bereit, diese Garantie einstweilen 
für ein Jahr zu übernehmen, um eine baldige Aufstellung 
der Automaten herbeizuführen. 
— ZwaugsversteigernngSergebuiS. Der r/zAnteil 
des Kaufmanns Alb. Weimar vom Grundstück Sedanstr.43/44 
in Schöneberg. 7,4 Ar. Mit dem Gebot von 10750 M. 
bar blieb Gärtnereibesttzer W. Weimar in Britz u. A. Meist 
bietende. 
„„Ich sollte"meinen. Sie sehen nicht aus wie jemand, 
der qm 5. dieses Monats am Trapez verunglückt ist."" 
„Das bin ich auch nicht. Ich entdeckte den hinterlistigen 
Anschlag. Der Direktor wird es bezeugen." 
„ „Und deshalb soll die Dame Sie mit ihrem Hasse 
verfolgt haben? Lächerlich!"" 
„O nein, nicht deshalb, sondern weil ich ihrem sauberen 
Galan zum Lohn für seinen Mordversuch das Nasenbein 
mit einem Faustschläg zerschm-ttert habe. Uebrigens wird 
auch der Oberbeamte des Distrikts diese Tatsachen be 
stätigen." 
Eine Stille und dann ein allgemeines Gemurmel folgte 
meinen Worten. Die Leute blickten sich verständnisinnig an 
und lächelten. Die Damen richteten ihre Augen auf mich, 
lorgnettierten mich und flüsterten sich eifrig zu. Offenbar 
war ich eine interessante Persönlichkeit geworden, und man 
begann mir zu glauben. Da sagte plötzlich der Präsident, 
mit dem ein Beisitzer leise ein paar Worte gewechselt hatte: 
„„Und das alles soll 'unser Tom Norris gewußt 
haben?" " 
„Freilich! Ich habe es ja, als ich auf dem Kampfplatze 
von Chikago in der Nacht vom 12. zum 13. ds. Mts. hinter 
einem der großen Steinpfeiler stand, mit meinen eigenen 
Ohren gehört, wie sie es ihm erzählte und verlangte, er 
solle ihr zur Rache an mir verhelfen. " 
Norris fuhr zusammen. Dann sprang er- auf und rief: 
„„„Es ist nicht wahr! Kein Wort hat sie mir davon 
gesagt!" " " 
Ich wurde immer ruhiger. Ich glaubte schon den Sieg 
in Händen zu haben. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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