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Periodical volume Nr. 159, 10.07.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Ortschaften — von letzteren kommen namentlich solche mit 
vorwiegend industrieller Beschäftigung der Bewohner in 
Frage — auch in den Volksschulen und, soweit dies nicht 
bereits geschieht, den Mittelschulen, und zwar auf der 
Mittel- und der Oberstufe, in wöchentlich zwei Stunden 
verbindlicher Turnunterricht erteilt wird. Wo es ohne 
Schwierigkeiten und Zeitverlust möglich ist, kann derselbe 
statt in zwei ganzen auch in vier halben Stunden gegeben 
werden. Wünschenswert ist, daß auch auf der Unterstufe 
Turnspiele und Vorübungen stattfinden. Daneben ist 
tunlichst auch außerhalb her Schulstunden Anregung und 
Gelegenheit zur Teilnahme an Jugendspielen im Freien 
zu geben. Da zur sofortigen Durchführung einer bezüg 
lichen Anordnung in vielen Städten die notwendigen 
Vorbedingungen mehr oder weniger noch fehlen, so ist zur 
Erreichung bezeichneten Zieles nach Maßgabe der örtlichen 
Verhältnisse allmählich vorzugehen und hierbei folgendes 
zu beachten: 1. Wo bereits neben Turnplätzen auch 
Turnhallen zur Mitbenutzung verfügbar und geeignete 
Lehrkräfte vorhanden oder unschwer zu beschaffen sind, hat 
die Einführung des verbindlichen Mädchenturnens für das 
ganze Jahr alsbald zu erfolgen. 2. Wo zwar noch keine 
Turnhallen, aber geeignete Turnplätze, oder als solche 
brauchbare Schulhöfe und die erforderlichen Lehrkräfte vor 
handen find, ist das Mädchenturnen für das Sommer 
halbjahr verbindlich zu machen. Demnächst ist behufs 
Ausdehnung dieses Unterrichts auch auf das Winterhalbjahr 
für allmähliche Beschaffung von Turnhallen Sorge zu 
tragen. 3. Soweit der Mangel brauchbarer Turnplätze 
oder einer ausreichenden Zahl geeigneter Lehrkräfte das 
Mädchenturnen zur Zeit überhaupt noch nicht gestattet, 
sind die einleitenden Schritte zu tun, um möglichst bald 
die erforderlichen Voraussetzungen für die verbindliche Ein 
führung desselben zunächst für das Sommerhalbjahr zu 
schaffen. Hierbei wird es sich in einigen Bezirken be 
sonders auch darum handeln, in größerem Umfange als 
bisher an den städtischen Mädchen-Volksschulen Lehrerinnen 
stellen einzurichten und mit solchen Lehrerinnen zu besetzen, 
die auch für den Turnunterricht befähigt find. Ob und 
wie weit dieser Unterricht in der Übergangszeit auch 
geeigneten Lehrern übertragen werden kann, bleibt dem 
pflichtmäßigen Ermessen der Schulaufsichtsbehörde über 
lassen. Der Kultusminister weist noch eindringlich auf 
die Schäden hin, die das Tragen des Schnürleibs dem 
jugendlichen weiblichen Organismus bringt: „Unter Bezug 
nahme auf die in den Lehrplänen vom 31. Mai 1894 
über den Anzug der Schülerinnen gegebene Anordnung 
weise ich wiederholt nachdrücklich auf die schwere gesund 
heitliche Schädigung hin, welche dem sich entwickelnden 
weiblichen Körper durch einschnürende Kleidung zugefügt 
wird. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der 
Zweck des Turnunterrichts bei solchen Schülerinnen, welche 
im Korsett turnen, nicht erreicht werden kann, da es die 
ausgibige und wirkungsvolle Ausführung der wichtigsten 
Übungen, insonderheit auch derjenigen Rumpfübungen 
hindert, welche der Gesundheit besonders dienlich sind, 
und eine freie, aufrechte, schöne Körperhaltung fördern. 
Das Tragen einschnürender Kleidung beim Turnen ist 
daher nicht zu dulden." 
Mgemeines. 
0 Die Berlin-Neapel-Expreftzüge Nr. 16 und 17 
werden nach dem von der bairischen Generaldirektion vor 
gelegten Entwurf des nächsten Winter-Fahrplanes von 
Anfang Dezember an, wie im verflossenen Winrer an den 
gleichen Wochentagen und Zeiten verkehren, nur daß sie 
in der nächsten Saison voraussichtlich bis Mitte Mai, 
nicht nur bis Ende April, zur Beförderung gelangen 
werden. In den O-Schnellzügen Nr. 21 und 26, Berlin- 
(bezw. Dresden-)München-Rom werden zwischen Regens 
burg und Innsbruck voraussichtlich Speisewagen geführt 
werden. Die direkten Schnellzüge Nr. 49 und 50, Berlm- 
München-Bozen-Meran verkehren in diesem Jahre sowohl 
im Oktober, als auch im April. Der Schnellzug Nr. 86 
wird um 20 Minuten früher gelegt, damit er in Rosenheim 
den Anschluß an Zug 50 finde. Die Bäder-Schnellzüge 
I) 35/36, Berlin-Kissingen, sowie die Paris-Karlsbad- und 
Oftende-Karlsbad-Expreßzüge fallen im Winter fort. 
sj In Odessa scheinen sich die Gemüter wieder 
einigermaßen beruhigt zu haben. Der König!. Eisenbahn 
direktion Berlin wird nämlich telegraphisch gemeldet: „Die 
Stationen Odessa-Sastawa und Odessa-Peressyp sind für 
den Gesamtoerkehr wieder offen. Die Unruhen scheinen 
sich danach auf den östlichen Stadtteil, den Hafen, zu 
beschränken. 
Lokales. 
t Sitzung der Gemeindevertretung. Eine 
Gemeindevertreter-Sitzung, wohl die letzte vor den Ferien, 
findet am kommenden Donnerstag, Nachmittags 6 Uhr, 
statt. Auf der Tagesordnung steht in öffentlicher Sitzung: 
Genehmigung des Entwurfs für den Hamburger Platz und 
Bewilligung der Kosten (2. Lesung), Antrag der Herren 
Gemeindeverordneten Berger und Schultz betreffend 
Prüfung der Frage wegen der Verpflichtung zur Zahlung 
von Anliegerbeiträgen, Referenten die Herren Antragsteller, 
Genehmigung des Entwurfs betr. Anlegung von zwei 
Gleisen auf der nördlichen Strecke der Kaiserallee und 
Antrag des Herrn Gemeindeverordneten Schultz betreffend 
Regulierung der- Kaiserallee (2. Lesung), Referent Herr 
Schultz. In geheimer Sitzung wird beraten über die Ver 
gebung der Regulierungsarbeiten für die Kaiserallee 
(Referent Herr Schöffe Draeger) und Vergebung der 
Regulierungsarbeiten für die Wilhelmstraße und Ham 
burger Platz. 
f Zur Elvktrizitätsfrage. Der Metallarbeiter 
streik in Süddeutschland hätte beinahe auch auf unser 
Friedenau einen Einfluß ausgeübt. Die Dieselmotoren 
werden bekanntlich in der Maschinenfabrik Augsburg her 
gestellt, in der eben die Metallarbeiter die Arbeit ein 
stellt hatten. In dem zwischen der Gemeinde und der 
Fabrik abgeschlossenen Vertrage hat sich diese verpflichtet, die 
Motore zum 1. September zu liefern, nur Streik und 
Aussperrung soll^ von der Einhaltung des Termins ent 
binden. Unter den gegebenen Umständen war man nun, 
da die Fabrik durch den Streik nicht in der Lage war, zu 
liefern schon mit der Firma Lahmayer in Verhandlungen 
getreten betreffs provisorischen Aufstellung einer Dampf 
maschine mit 150 PS. Dank der Vermittelung der 
bayrischen Regierung gelang es. den Stteik vergangener 
Woche beizulegen. Die Maschinenfabrik teilte nun tele 
graphisch mit, daß sie bestimmt in der Lage sei, bereits 
zum 11. Juli die ersten Maschinenteile zu liefern, sodaß 
die Maschinen überhaupt am 1. September montiert sein 
werden. 
's Die Regulierung der Kaiserallee. Durch 
Beschluß der letzten Gemeindevertreter-Sitzung wurde die 
Regulierung der Kaiserallee zur nochmaligen Beratung der 
verstärkten Baukommisston überwiesen. Die Sitzung der 
Kommission findet morgen Dienstag, abends 8 Uhr statt. 
t Asphaltzerstörung. In der Haupt- und 
Friedenauerstraße, welche beiden Straßenzüge von der 
Tempelhoferstraße an meist mit dem Namen Prachtstraße 
belegt werden, hat die Hitze, so schreibt das „Schöneb. 
Tagebl.", wahrhafte Verheerungen an dem Asphaltpflaster 
hervorgerufen. Vollständig zerbröckelte Stellen wechseln 
mit anderen wellenartig emporgehobenen Flächen ab, 
tadellose glatte Asphaltflächen findet man nur noch selten. 
Die Fahrbahn ist darum nichts weniger wie schön, und 
zahlreiche Radlerstürze und Pferdestürze kommen auf das 
Konto dieser durch dieHitze verschuldeten Pflasterunebenheiten. 
f Aus dem Dienste entlassen wurde der von der 
Gemeinde aushilfsweise angestellte Nachtwächter R, der 
betrunken in der Nacht vom Sonnabend zu Sonntag ein 
Betragen gezeigt hatte, wie es einem Beamten gewiß nicht 
geziemt. 
f Die Überanstrengung der Pferde bei Bauten 
hat in der gegenwärtigen Hochsaison für das Baugewerbe 
wieder einen hohen Grad erreicht. In Berlin besteht die 
polizeiliche Vorschrift, daß die Herstellung fester Fahr 
bahnen der Verwendung von Pferden an den Baustellen 
voran gehen muß. Leider sind die Vororte nicht in 
gleicher Weise gegen die Tierquälereien, die erfahrungs 
gemäß gerade hierbei am meisten vorkommen, eingeschritten. 
Auf eine diesbezügliche Anfrage des Deutschen Tierschutz. 
Vereins hat das Polizeipräsidium geantwortet, daß im 
Kreise Teltow für die Ortschaften Steglitz. Grunewald, 
Schmargendorf, Wilmersdorf, Friedenau und einige 
kleinere Gemeinden die Vorschrift betreffend Fahrbahnen 
besteht, in Treptow ist eine solche in Aussicht genommen. 
Dagegen fehlen im Kreise Niederbarnim eine ganze Reihe 
Orte, bei denen sich jetzt gerade eine lebhafte Bautätigkeit 
entwickelt. Eine einheitliche Behandlung des Schutzes der 
Tiere wäre dringend zu wünschen. 
-s Bei der Enthüllung des Peter Henlein- 
Deukmals ist außer unserem Mitbürger Herrn Bildhauer 
Meißner, der bekanntlich den Entwurf des Denkmals an 
gefertigt hat, noch ein zweiter Friedenauer Mitbürger 
beteiligt und zwar der Vorsitzende des Deutschen Uhr 
macherverbandes Herr Julius Marfels, der den Fest 
prolog verfaßt hat. Die Dichtung fand eine vorzügliche 
Wiedergabe durch Fräulein Luise Eisinger vom Hoftheater 
in Dessau, die als Klio dem Erfinder der Taschenuhr ihre 
Huldigung darbrachte. Auch ein Scherz des gleichen Ver 
fassers: „Huldigung der Studentenschaft an Peter Henlein" 
rief stürmische Heiterkeit hervor. Dem übermütigen 
Studentenulk lag der originelle Gedanke zu Grunde, den 
alten Nürnberger Meister als Erfinder des wichtigsten 
Versatzobjektes, der Taschenuhr, mit einer rauschenden 
Ovation zu ehren. 
-s Das Standbild Moltkes, das am Sonnabend 
Abend aus der Werkstatt des Bildhauers Casal zu 
Friedenau nach dem Königsplatz gebracht worden ist, 
zeigt uns „den rechten Mann im rechten Stteit", wie es 
in der Inschrift an: Postamente heißt, in derselben schlichten 
Art, in der man ihn so oft an dem Denkmalsplatze vorüber 
gehen sah, wenn er sich nach seiner Gewohnheit vom Reichs 
tage aus zu Fuß durch den Tiergarten nach dem General 
stabsgebäude begab. Die in weißem Marmor ausgeführte 
Figur ist bekleidet mit dem Jnfanterie-Jnterimsrock, auf 
der linken Brustseite steht man das eiserne Kreuz I. Klasse, 
an der Seite den alten Jnfanteriestoßdegen. Das Haupt 
ist mit der Mütze bedeckt, was ja bei keinem anderen 
militärischen Denkmal in Berlin der Fall ist. Die hohe 
etwas vornüber gebeugte Gestalt lehnt sich mit dem Rücken 
gegen einen Marmorblock, die Hände sind nach vorn über 
dem Leib zusammen gelegt. Diese Haltung pflegte der 
große Stratege anzunehmen, wenn er, was bekanntlich 
nicht allzu häufig vorkam, im Reichstag eine Rede hielt. 
f Todesfall. In Berlin starb gestern nach kurzem 
Krankenlager der Chefredakteur der „Morgenpost" und 
ehemaliger Redakteur der „Berliner Illustrierten Zeitung" 
Herr Hermann Dupont. Wenig bekannt dürste sein, daß 
der Verstorbene der Verfasser der „Rentier Mudicke'schen 
Stammtischreden" war. 
f Der Zweigvereiu Wilmersdorf-Schöneberg 
des Deutschen Privat-Beamtenvereins veranstaltete am 
Sonnabend, den 1. Juli d. Js. eine Wasserfahrt zur Be 
sichtigung der Anlagen des Teltowkanals auf der west 
lichen Strecke. Ein erhebliche: Teil der Mitglieder dieses 
Zweigvereins sind Angestellte der Firma Hovestadt & 
Contag in Wilmersdorf, die mit der Bauleitung des 
Teltowkanals betraut ist. Eingeladen waren zur Teilnahme 
an der Fahrt die Nachbarzweigvereine Berlin, Steglitz und 
Charlottenburg. In größerer Anzahl waren namentlich 
die Mitglieder des Berliner Zweigoereins, teilweise mit 
ihren Damen erschienen, sodaß ca. 160 Personen an der 
Fahrt teilnahmen. Die Reise begann auf einem seitens 
der Teltowkanal-Bauverwaltung zur Verfügung gestellten 
Personendampfer von der neuen Anlegestelle der Kreis- 
Kanalfahrzeuge an der Königstraße in Wannsee, ging durch 
den Prinz Friedrich Leopold-Kanal und den Griebnitzsee 
zunächst zur Kanalmündungsstelle bei Kl.-Glienicke. Nach 
kurzer Rast zurück über den Griebnitzsee und durch den 
Hauptkanal nach der großartigen Schleusenanlage bei 
Klein-Machnow. Nachdem dann im Schleusenrestaurant 
die Teilnehmer sich die bei der tropischen Hitze so sehr 
nötige Erfrischung gegönnt, ging die Fahrt zurück durch 
den Kanal und Havelaufwärts an der Pfaueninsel vorbei 
nach Beelitzhof, wo die Teilnehmer noch einige Stunden 
gemütlich miteinander verbrachten, bis der Fahrplan zur 
Heimkehr mahnte. Der Deutsche Privatbeamtenverein 
strebt zwar in erster Reihe ernsteren Zielen nach und zwar 
der Sicherstellung seiner Mitglieder und deren Angehörigen 
bei eintretenden Krankheits-, Jnvaliditäts- und Sterbefällen. 
Die Ende Mai cr. in Hildesheim abgehaltene Hauptver 
sammlung des Vereins, welche von über 400 Delegierten 
aus allen Teilen des Reiches beschickt war, hat erneut den 
Beweis der absoluten Sicherheit der seit 24 Jahren be 
stehenden Kasseneinrichtungen: Kranken-, Penstons-, Witwen- 
und Sterbekasse sowie der Waisensttftung erbracht. Der 
Verein zählt zur Zeit 20 000 Mitglieder, das Vermögen 
beträgt ca. 9 Millionen Mark. Der Beitritt kann allen 
Privatbeamten nur dringend empfohlen werden, ins 
besondere größeren Firmen zur Versicherung ihrer An 
gestellten. In Schöneberg und Wilmersdorf wohnenden 
Beamten erteilt gern nähere Auskunft der Vorsitzende des 
Zweigvereins Wilmersdorf-Schöneberg, Ingenieur R. Busse, 
Friedenau, Saarstraße 5, der auch Beitrittserklärungen 
entgegennimmt. 
f Friedenauer Schützengilde. Laut Beschluß 
des Bundesvorstandes „Kreis Teltow" findet heute Abend 
6 Uhr im Vereinslokal „Hohenzollern" eine außerordent 
liche Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: Wahl 
des Schriftführers, Anttag des Vorstandes bezw. Reprä 
sentations-Entschädigung des Vorstehers. Um zahlreiche 
Beteiligung wird gebeten. 
f Führmann - Walde - Sänger. Der beste 
Beweis dafür, daß uns nichts alltägliches geboten wird 
bet den Führmann-Walde-Sängern ist, daß sich der Besuch 
von Soiree zu Soiree steigert. Auch am letzten Sonnabend 
hatte sich Friedenau zahlreich eingefunden. Ein äußerst 
humorvolles Programm kam zu Ausführung und besonders 
Herr Walde wurde als Damenimitator wieder mit Bei 
fall überschüttet. Aber auch dem Ernste wurde Rechnung 
getragen. Die Liedervorträge der Herren Sandmann und 
Barthold vor allem entbehrten nicht eines gewissen 
künstlerischen Gepräges. Totlachen konnte sich das Publikum 
bei der Humoreske Papchen und der humoristischen 
Ensembleszene Fuhrmann Henkel, wobei besonders Herrn 
Walde Gelegenheit gegeben war, als fesche Dame zu 
brillieren. Herr Siepert, der rührige Gastwirt hatte 
aufs beste für guten Stoff und gute Getränke gesorgt. 
-s Unter denLebensversicheruugs-Gesellfchaften 
nimmt die Germania in Stettin wegen ihrer Größe, 
Sicherheit, hohen Leistungskraft und außerordentlich 
günstigen Bedingungen eine hervorragende Stelle ein. 
Ihr Versicherungsbestand umfaßt 708 Millionen Mark 
und ihre Sicherheitsfonds betragen 306 Millionen. Die 
Gesellschaft hat ihren Versicherten bisher 295 Millionen 
Mark Versicherungsbeträge ausgezähit und ihnen seit 
1871 nicht weniger als 84 Millionen Mark zur Verteilung 
von Dividenden zugewiesen. Die Versicherungsbedingungen 
gewähren Unverfallbarkeit und Unanfechtbarkeit/ die Polizen 
sind Weltpolizen. Die von der Germania betriebene 
Todessall-Versicherung mit Einschluß der Jnvaliditäts- 
gefahr bietet für alle Berufskreise eine wirklich gediegene 
Pensionsverstcherung. 
f Eigenartiger Unfall. Im Birkenwäldchen ließ 
gestern ein Junge seiUen Drachen steigen. Einem des 
Weges kommenden Herrn wickelte sich die Schnur derart 
um den Hals, daß Atembeschwerden eintraten und eine 
Überführung zur Sanitätswache nötig wurde. 
-f Schuhwareuschwindlerin. Ein bei einer hiesigen 
Herrschaft in Stellung befindliches Mädchen holte in 
einem Schuhwarengeschäft zwei Paar Stiefel und gab 
eine falsche Adresse an, wodurch das Geschäft geschädigt 
wurde. Also Warnung vor der Schwindlerin. 
Werlin und Wororte. 
8 Die städtischerseits geplante Strastcnbahu- 
liuie vom Spittelmarkt durch die hier neu anzulegende 
Straße nach dem Hausvoigteiplatz und weiter durch die 
Mohrenstraße über den Wilhelmsplatz und die Voß- nach 
der Königgrätzerstraße ist vom Minister der öffentlichen 
Arbeiten abgelehnt worden. Wir meldeten im März d. I. 
daß der Magistrat zur Erlastung der Leipzigerstraße jenen 
parallelen Verkehrsweg plane und mit Schienen zu be 
legen gedenke, falls die Aufsichtsbehörden dies genehmigen 
würden, und wir fügten damals hinzu, daß dieser neue 
Schienenweg nicht allein eine städtische Straßenbahn nach 
dem Potsdamer Viertel, sondern auch einige Linien der 
Großen Berliner Straßenbahn, die jetzt durch die Leipziger- 
straße gehen, aufzunehmen bestimmt sein sollte. Die 
Weiterführüng der städtischen Linie war dann so gedacht, 
daß diese von der Nord- durch die Königgrätzer- und 
Bellevue- oder Lennöstraße weiter nach dem Südwesten 
gehen sollte, wobei auch, nach einem vom Stadtv. Rosenow 
gemachten Vorschlage, ein Straßendurchbruch von der 
Königgrätzer- nach der Bellevuestraße ins Auge gefaßt 
wurde, der freilich einen Kostenaufwand von 6 bis 
8 Millionen Mark erfordert haben würde. Die direkte 
Einführung einer Straßenbahn in die Lennö- oder gar 
Bellevuestraße mußte wegen der obwaltenden Verkehis- 
verhältnisse von vornherein Bedenken erregen, dahingegen 
scheint der Minister dem Straßendurchbruchs-Projekte nicht 
unsympathisch gegenüberzustehen, weil dies allein — durch 
Schaffung eines neuen Verkehrsweges — die Entlastung 
der Leipzigerstraße und des Potsdamer Platzes, worauf ja 
in der Tat das Hauptgewicht zu legen ist, herbeiführen 
werde. Von der Leipzigersttaße abgelenkt können ja auch 
nur die Moabiter Linien der Großen Berliner Straßen 
bahn, die den Potsdamer Platz heute schon nicht mehr 
berühren; dahingegen würde eine gerade Parallelstraße 
vom Spittelmarkt zur Potsdamer Brücke von großem Ein 
flüsse auf (die vielbeklagte Verkehrsmisöre im oberen Teile 
der Potsdamerstraße sein. Die Gründe, welche zur Ab 
lehnung einer Straßenbahn durch die Mohren- und Voß- 
straße geführt haben, resultieren vornehmlich aus der Er 
wägung, daß es nun endlich Zeit ist. von einer weiteren 
Belastung unserer Hauptverkehrsader mit Niveaubahnen 
Abstand zu nehmen nnd für unterirdische Schnellbahnen
        
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