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Periodical volume Nr. 158, 08.07.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

berges entlang nach Falkenberg. Hier wird ans der Karls 
burg. einem herrlichen Aussichtspunkt nach dem weiten 
Oderbruch, eine längere Mittagsrast gehalten. Nachdem 
geht es durch die eigentliche Märkische Schweiz, stets durch 
Wald, über Mieren-Berg, Tobben-Berg, Schweizerhaus, 
Hammertal, Heilige Hallen, Monte Caprino, Königshöhe, 
durch den Schlotzgarten mit dem Ruinenberg nach Freien 
walde. Nach Besichtigung der Stadt und den Haupt 
sehenswürdigkeiten erfolgt von hier die Rückfahrt mit der 
Bahn nach Berlin ca. 9 Uhr Abends. Der zurückzulegende 
Weg beträgt: am Sonnabend 12 Kilometer, Sonntag 
Vormittag 20, Nachmittags 8 Kilometer. Die Gesamt- 
fahrkosteu mit Nachtquartier betragen ca. 3 M.; es wird 
gebeten, sich möglichst niit Proviant zu versehen und die 
Liederbücher nicht zu vergessen. Diese Turnfahrt darf 
zweifellos zu den schönsten und interessantesten gezählt 
werden, die je von der Männer-Abteilung gemacht sind 
und ist daher eine rege Beteiligung nur zu empfehlen und 
sehr erwünscht. Auch Gäste und besonders die Turn 
genossen der Altersabteilung sind herzlich willkommen. 
Anmeldungen zur Teilnahme sind an den Turnabenden 
der Männerabteilung am Montag und Donnerstag, Abends 
von '/z9 bis 1 / 2 11 Uhr in der Gymnasial-Turnhalle an 
den Turwart Herrn Nerve zu richten. Daselbst werden 
auch Anmeldungen zum Beitritt der Männer-Abteilung 
entgegengenommen. 
-j- Verein der Gast- und Schankwirte von 
Friedenau und Umgegend. Die nächste Monats-Ver 
sammlung findet am Montag, den 10. Juli, Nachm. 
5 Uhr, beim Kollegen Thiel, Rheinstraße 14 statt. Tages- 
Ordnnng: Verlesen des Protokolls der letzten Sitzung, 
Verlesen eingegangener Schreiben und Offerten, Anmeldung 
und Aufnahme neuer Mitglieder, Wahl zur Entsendung 
einer Deputation nach Steglitz zur Bannerweihe, Verbands- 
Angelegenheiten, Kassenrevision, Verlesen der Präsensliste, 
Innere Vereinsangelegenheiten, Geschäftliches, Fragekasten. 
-s Theater- und Spezialitätenvorstellung im 
Kaiser Wilhelmgarten. Die Direktion Brosini ver 
anstaltet morgen Abend wieder eine Vorstellung. Die 
bisher stattgefundenen Vorstellungen haben uneingeschränkten 
Beifall des Publikums gefunden. Die einzelnen Nummern 
sind äußerst dezent. Wir können den Besuch der Vor 
stellung nur empfehlen. 
f Das Suchen nach vierblättrigem Klee wird 
bei Landpartien und Ausflügen speziell von der jungen 
Damenwelt mit ebenso viel Eifer wie Vergnügen be 
trieben, soll doch die kleine unscheinbare Futterpflanze alle 
zeit bereit sein, für den, der sich ihres Besitzes erfreut, ein 
gutes Wort bei Frau Fortuna einzulegen. Den Reisen 
den bewahrt das Vierblatt in den Rock genäht, vor Ge 
fahren, dem Spieler bringts Glück und der Abergläubische legt 
es ins Gesangbuch und nimmts sonntäglich mit in die 
Kirche — nämlich nicht dieses Aufbewahren ist ein Aber 
glaube, wohl aber die Meinung, dies Mitnehmen in die 
Kirche erhöhe die Wirkung des Zaubers! Den Römern 
war das Kleeblatt das Zeichen des Sommers, den ersten 
Christen ein Sinnbild der Dreieinigkeit, den Irländern ist 
es das Nationalzeichen ihres Heiligen Patrick. Der Klee 
erfreut sich schon im Mittelalter der allgemeinen Be 
achtung und häufig preisen die Minnesänger Binomen und 
K14. Das Wort „Klee", althochdeutsch chleo, ist noch in 
der ursprünglichen Bedeutung vorhanden im niederdeutschen 
Klöwen = spalten; also Klee = dass! gespaltene Blatt. 
In der gotischen Baukunst wurde es viel verwendet, auch 
bei Grabkreuzen (die vier Enden des Kreuzes in Form der 
Kleeblätter). Mit Wonne erlabt sich unser Weidevieh am 
giünen Klee — es darf gern dreiblättriger sein; denn 
ebenso wenig wie nach einem alten Verse der Kuh 
Muskate nützt, ebenso wenig vermag ihr ein Vierblatt 
jener Pflanze besonderen Genuß zu bereiten, ihr schmeckt 
eins wie das andere — sie will ja doch auch durch den 
Klee nicht glücklich, sondern nur satt werden! 
t Gut abgelaufen. Gestern Abend 7 Uhr er 
eignete sich in Schöneberg kurz vor der Martin Luther 
kirche ein Straßenbahnzusammenstoß, der leicht schwere 
Folgen hätte zeitigen können. Ein von Steglitz kommen 
der Wagen mit Anhänger der Linie E fuhr in die dortige 
Weiche, die richtig gestellt war, ein. Der Motorwagen 
selbst fuhr in das richtige Heleis ein, während der An 
hänger plötzlich auf das abzweigende Geleise übersprang, 
ohne sich jedoch von dem Hauptwagen loszureißen. In 
demselben Augenblicke kam ein E-Wagen von der Link- 
straße her und fuhr, obwohl der Führer sofort die Not 
bremse zog, direkt in den Anhänger hinein. Durch den 
heftigenZusammenstoß wurden diePassagiere im Wagen durch 
einander geworfen und erlitten zum Teile leichtere Kon 
tusionen. Der Materialschaden ist bei beiden Wagen nicht 
unerheblich. Nur dem Umstande, daß beide Wagen nicht 
in voller Fahrt waren, ist es zu danken, daß ein größeres 
Unglück verhütet wurde. Erst nach längerer Zeit konnte 
die Verkehrsstockung beseitigt werden. 
-j- Unfall in der Laube. Ein hiesiger Lauben 
besitzer wollte sich während des letzten Gewitters von 
seiner Sommerlaube in die Winterlaube begeben und stieß 
dabei mit dem Kopfe derart gegen eine Holzwandung, daß 
er schwere Verletzungen am Kopfe erlitt und ein Not 
oerband auf der Sanitätswache angelegt werden mußte. 
-f Polizeibericht. Als gefunden wird gemeldet: 
1 Ball und 1 zweirädriger Handwagen mit Inhalt. 
Näheres im Polizeibureau in der Feurigstraße. 
Schöneöerg. 
— Ju dem Konkursverfahren über das Ver 
mögen des Inhabers einer Delikatessen- und Weinhandlung 
August Angrick in Schöneberg. Hohenstaufenstraße 21, ist 
zur Prüfung der nachträglich angemeldeten Forderungen 
Termin auf den 18. Juli, Vorm. 11 Uhr, anberaumt. 
Merlin und Wororte. 
§ Die Klage der Stadtgemeinde gegen die 
Große Berliner Straßenbahn-Gesellschaft, welche 
die Feststellung bezweckt, ob die letztere gegen die Ge 
nehmigung zur Fortführung der Hochbahn in das Stadtinnere 
ein Widerspruchsrecht besitzt bezw. aus derselben Ent 
schädigungs-Ansprüche herzuleiten berechtigt ist oder nicht, 
wird übermorgen, Montag, das Reichsgericht in der 
Revisions-Instanz beschäftigen. 
8 Das Gebäude des in der Luisenstraße gelegenen 
Reichspatentamtes, mit dessen Verlegung nach dem großen 
Neubau in der Gitschinerstraße bereits in der nächsten 
Zeit begonnen werden wird, soll in Zukunft dem Zweck 
des Generalstabes dienen und wird dessen kartographische 
Abteilung aufnehmen, da es in dem Generalstabsgebäude 
am Königsplatz auch allmählich anfängt etwas zu enge 
zu werden und bei diesem nach allen Seiten hin freiligenden 
Hause ein Erweiterungsbau nicht möglich ist. Das ehe 
malige Privathaus Luisenstraße 32, das dem Reichsfiskus 
gehört und gleich einer Anzahl im Privatbesitz befindlicher 
anderer Häuser der Luisenstraße den Zwecken des 
Patentamtes diente, soll eine ganz eigenartige Verwendung 
finden. Es soll nämlich dem Vernehmen nach in Zu 
kunft als Wohnhaus für verheiratete Unteroffiziere des in 
der Nähe gelegenen 2. Garde-Regiments dienen. Auch 
die verheirateten Unteroffiziere des Garde-Füsilier-Regiments 
haben vor Kurzem die Kaserne verlassen müssen und ein 
eigens für sie errichtetes Wohngebäude bezogen, das in 
der Kesselstraße nahe der Jnvalidensäule liegt und 
räumlich von der Kaserne in der Chausseestraße durch den 
großen Exerzierplatz, den Grützenmacher, getrennt ist. Die 
neuen Berliner Kasernen haben bekanntlich alle besondere 
Wohnhäuser für verheiratete Unteroffiziere. 
8 Das alte Gebäude des Kaiserin Augusta- 
Stifts zu Charlottenburg an der Kaiserin Augusta-Allee 
wird demnächst abgebrochen werden. Damit schwindet 
eine Stätte dahin, an die sich zahlreiche Erinnerungen an 
die erste deutsche Kaiserin knüpfen. Unter dem Könige 
Friedrich Wilhelm H. wurde das alte Fabrikgebäude er 
richtet, dann später in ein Kabinettshaus umgewandelt 
und nach dem Feldzuge gegen Frankreich von der Kaiserin 
Augusta für ihre neue Stiftung für verwaiste Offiziers 
töchter erworben. Da das Gebäude im Laufe der Jahre 
den Anforderungen nicht mehr genügte, so siedelte das 
Stift im Jahre 1902 nach seinem neuen Heim am Pfingst- 
berge zu Potsdam über. Nach dem Abbruch des Ge 
bäudes wird das Grundstück in 8 Bauparzellen zerlegt 
werden. 
8 Kleine Notizen. Der Bezirksausschuß zu Berlin 
hält in der Zeit vom 21. Juli bis 1. September d. I. 
Ferien; während derselben dürfen Termine zur mündlichen 
Verhandlung in der Regel nur in schleunigen Sachen ab 
gehalten werden, auf den Lauf der gesetzlichen Fristen 
haben die Ferien keinen Einfluß. — Mit Genehmigung 
des Kultusministers und des Ev. Ober-Kirchenrats nach 
Anhörung der Beteiligten ist in der evangelischen Luisen- 
Kirchengemeinde zu Charlottenburg jetzt eine sechste Pfarr- 
stelle errichtet worden. — Der Pastor Joh. Beyreiß aus 
Pyrmont (Waldeck) ist zum Pastor der „von der Gemein 
schaft der evangelischen Landeskirche sich getrennt halten 
den" evangelisch-lutherischen Gemeinde Berlin (Westteil) 
bestellt, und es ist seine Befähigung zur Anstellung nach 
Nr. 4 der General-Konzession vom 23. Juli 1845 nach 
gewiesen worden. — Der Amtssitz des für Deutschland zu 
ständigen General-Konsultats für Uruguay ist von Ham 
burg nach Berlin verlegt worden, der bisherige Titulan 
der Behörde, General-Konsul, Arturo Roberto Brown, 
wird auch in Berlin dem Generalkonsulat vorstehen, 
8 Auf der Treptow-Steruwarte spricht Direktor 
Archenhold am Sonntag den 9. Juli, Nachmittags 8 Uhr: 
„Wolken, Blitze und andere Erscheinungen in unserer 
Atmosphäre", um 7 Uhr: „Der Mond im Treptower 
Riesenrefraktor". Am Montag, Abends 9 Uhr, über: 
„Einführung in die Astronomie". Während der ganzen 
Woche wird Nachmittags die Sonne und Abends der 
Sternhaufen im Herkules, beziehungsweise der Mond mit 
dem großen Fernrohr beobachtet. 
Wilmersdorf. Eine Abänderung der Bezeichnung 
des Ringbahnhofes Schmargendorf haben der Haus- und 
Grundbesitzerverein und der Bezirksverein Rheingau in 
Dt.-Wilmersdorf bei der Eisenbahndirektion Berlin be 
antragt, da der Bahnhof auf Wilmersdorfer, nicht aber 
auf Schmargendorfer Gemeindegebiet liegt. Auch in 
Schöneberg hat sich bereits unter den Bewohnern des 
südwestlichen Stadtteiles die Meinung geltend gemacht, 
wegen einer Abänderung des Namens des Wannsee 
bahnhofes Friedenau, der sich auf Schöneberger Gelände 
befindet, vorstellig zu werden. Der Eisenbahnfiskus dürfte 
schwerlich diese Anträge berücksichtigen. 
Aufchristen. 
In der Mittwochsnummer Ihrer geschützten Zeitung brachten Sie 
eine vergleichende Berechnung Wischen den Kosten des Gaslichts und 
der elektrischen Beleuchtung, die den Unterzeichneten veranlassen, auch 
hierzu einige Bemerkungen zu machen. Der Verfasser des erstge 
nannten Artikels, ein „Friedenauer Hausbesitzer", stellt darin die Be 
hauptung auf, daß ein gewöhnliches Gasglühlicht von 40 Kerzen Stärke 
einen stündlichen Verbrauch von ca. 60 Liter Gas habe. Dem möchte 
ich gegenüberstellen, dah nach Versuchen von Prof. Wedding, der z. Z. 
als einer der größten Autoritäten auf dem Gebiete des BeleuchtungS- 
wefens gllt, ein Gasglühlicht von 50 Kerzen einen Gasverbrauch von 
100 Liter in der Stunde hat. Dies- Angabe ist in jedem technischen 
Kalender, z. B. Hirsch-Wilking S. 138 zu finden. Hierbei ist aber 
zu berücksichtigen, daß diese Zahlen im Laboratorium gefunden sind, 
wo peinlich darauf geachtet wird, daß der Gasdruck immer konstant 
bleibt und der Glühstrumpf überhaupt durch nichts beunruhigt wird. 
In der Praxis aber ergeben sich, sowohl für die Leuchtkraft wie den 
Gasverbrauch viel ungünstigere Werte, da z. B. der Glühstrumpf 
gegen höheren Gasdruck sehr empfindlich ist. Noch optimistischer be- 
urteilt der Verfasser des erstgenannten Artikels das hängende Gas 
glühlicht. Die Angabe daß ein solcher Brenner bei 70 Kerzen Leucht 
kraft nur 80 Liter Gas pro Stunde verbrauche, müßte erst einmal 
von einer berufenen Autorität nachgewiesen werden, ehe der Unter 
zeichnete sich davon überzeugen läßt, da er diese Angabe noch von 
keiner anderen Seite erhalten konnte. Es wäre auch zu auffallend, 
daß man dann den für das hängende Gasglühlicht verwendeten 
Strumpf nicht einfach in stehender Anordnung verwendet, wobei der 
Glühlichtstrumpf sich noch einiger Maßen haltbar erwiesen hat. Dem 
Unterzeichneten ist nun bekannt, daß oaS hängende Gasglühlicht sich 
dort eingeführt hat, wo man z. B. einem Lokal einen vornehmeren 
Anstrich geben und mit den „hängenden Lampen" den Anschein er- 
wecken wollte, als wenn das betreffende Lokal elektrische Beleuchtung 
hätte. Dem Unterzeichneten ist aber von vielen Seiten mitgeteilt, daß 
man sehr bald wieder von dem „hängenden GaSglühlicht" abgekommen 
sei, da die Kosten für verbrauchte Strümpfe und Zylinder hierbei alle 
Befürchtungen übertroffen habe, dix man von vornherein bei Ver 
wendung von Gasglühlicht hatte. Uber diesen Punkt hat leider der 
oben angeführte Verfasser sich nicht geäußert Der Uu'.ee; ich eie 
wollte mit diesem Artikel nur kurz seine Erfahrungen und Ansichien 
allen Interessenten mitteilen. Der jahrelange St eit zwischen elektrischen 
flicht und Gasglühlicht tobt ja leid r unentwegt weiter. Eins aber 
ist dem Unter-eichneten sicher. Mag das eleunsche Licht nun teurer 
oder billiger sein, seine von keiner anderen Beleucht» igsa t erreichten 
Vorteile werden dem elektrischen Licht hier in Friedenau wie in der 
ganzen Weit einen siegreichen Einzug fast in jedes Haus zusichern 
trotz stehender oder auch hängender Glühlichtstrümpfe. 
Ein Freund der elektrischen Beleuchtung. 
Sehr geehrte Redaktion! Unsern Ausflüglern möge folgendes 
Erlebnis als Warnung dienen. Einige Mitglieder eines hiesigen 
Vereins machten vor kurzem einen Ausflug nach Teltow und Um 
gegend. Von der Kolonie Seehof aus begaben sich die Teilnehmer 
durch das kleine Wälochen nach dem Teltower See und gingen dann 
in der Richtung nach Kl. Machnow am Teltowkanal entlang. Nahe 
bei Teltow erlitt der Ausflug eine unliebsame Unterbrechung. Ein 
Gensdarm, der auf seinem Rade die harmlosen Spaziergänger ein- 
geholt hatte, hielt diese an, erklärte ihnen, daß sie sich auf verbotenem 
Wege befänden und stellte die Namen der Ausflügler fest, obgleich 
man dem Herren erklärte, daß der Kanil auf einem öffentlichen 
Wege erreicht worden sei und daß auf der ganzen zurückgelegten 
Strecke keine einzige Warnungstafel sichtbar gewesen sei. Mehrere 
Teilnehmer erhielten hierauf ein Strafmandat von je 3 Mark. Eine 
mündliche Erklärung bei der Polizeiverwaltung von Teltow sowie 
ein schriftliches Gesuch blieben erfolglos. Da sonntäglich viele Aus- 
flügler ebenso sorglos die Ufer des Kanals in jener Gegend, wo zur 
Zeit nicht mehr gearbeitet wird, als Spazierweg wählen, und somit 
in gleicher Gefahr schweben, dürfte diese Veröffentlichung wohl an 
gebracht sein. B. L. 
Wie ich außer anderen Bewohnern unseres Hauses zufällig er- 
fahre, hat der Besitzer des Neubaus auf dem Nachbargrundstück 
Jllstr. 7 die Absicht, einen großen prächtigen Kastanienbaum — 
hoffentlich nicht mehr als einen — vor seinem Hauseingang zu ent 
fernen, da der Baum angeblich die „schöne" Hausfront nicht zur 
Geltung kommen lasse, oder aus irgend einem andern nichtigen 
Grunde. Die Ausführung dieses Planes aber wäre Jammer und 
Schaden für unsere schöne Straße! Es gibt in Friedenau wahrlich 
noch nicht zu viel Bäume, eher bald zu viele Mietskasernen! Viel 
leicht kann kräftiger Einspruch seitens der vielvrrmögenden Presse, als 
der berufenen öffentlichen Stimme, die Gefahr abwenden; jetzt ist 
noch Zeit zu energischem Protest und zur dringenden Bitte an die 
Gemeindevcrwaitung. der etwa beabsichtigten Entfernung der Bäume, 
die ja doch ästhetischen und hygienischen Zwecken dienen, ihre Ge- 
n.hmigung zu versagen. Denn die Straßen-Alleebäume gehören doch 
wohl der Gemeinde und nicht dem einzelnen Hausbesitzer? Daß sie 
ohne Erlaubnis voreilig und eigenmächtig abschlagen werden, gilt 
sicher als ausgeschlossen. Möge aber Ihr verehrter Herr Schultz als 
erwählter Gemeindeoertreter in seiner bekannten Tapferkeit zum 
öffentlichen Wohle auch vorliegendenfalls „Baumfre-el" wirksam ver- 
hüten helfen! Mit Hochachtung ergebenst O. L. 
Geehrte Redaktion. Schon oft ist svon Ihnen erwähnt worden 
„Kaufe im Ort". Auch ich bin dafür, denn ich bin selbst Geschäfts 
mann aber es wird einem in manchen Artikeln verleidet, hier zu 
kaufen, so ist es jetzt wieder gewesen. Mein Sohn kaufte für sich 
in einem Geschäft in der Rheinstraße am Sonnabend Abend einen 
Stehkragen. AIs mnn Sohn damit nach Hause kam, da entdeckten 
wir, daß es ein getragener Kragen, der übrigens noch entzwei war. 
Am Sonntag früh wollten wir den Kragen nun umtauschen. Da 
kämmen wir aber schön an. Erstens, sagte die Frau, ße habe den 
Kragen nicht verkauft und ihr Mann sei nicht da. Im selben 
Momente kam dieser aber aus einem Zimmer gesprungen und forderte 
uns auf, den Laden zu verlassen, was wir auch sofort getan haben. 
Es ist doch traurig, daß es solche Geschäfte in Friedenau gibt, die 
den ganzen Ort verderben. I. M. 
In der vorgestrigen Ausgabe Ihres gesch. Blattes, dessen Abonnent 
ich bin, finde ich eine Mitteilung über die Emil Ouensel-Stiftung. 
Nicht nur allein daß Fräulein Quensel Anspruch auf den Nachlaß 
ihres Herrn Vaters erhebt, sondern ich habe Namens der offenen 
Handelsgesellschaft Gebr. Holz, Hierselbst einen Anspruch aus früherer 
geschäftlicher Verbindung in Höhe von ca. Mk. 100000 erhoben. 
Dieser Anspruch ist bereits durch Zeugen und den gerichtlichen Sach 
verständigen beim Landgericht II in der Prozeßsache Quensel c./a. 
Holz durch unsere Widerklage festgestellt. Der weitere Verhandlungs 
termin findet am 11. ds. bei obigem Gericht statt. Die Stadt Berlin 
will sich aber mit uns in Güte einigen, sobald die königliche Ge- 
nehmigung erfolgt ist. Nach dem ganzen Vorleben der verstorbenen 
Quensel ist es wohl schwerlich zu hoffen, daß Seine Majestät der 
König die Genehmigung zur Annahme der Erbschaft seitens der 
Stadt Berlin, erteilt, da ja noch mehrere unbemittelte Verwandte vor- 
Handen sind. Ich bitte sic geehrter Herr Redakteur dieses in der 
Quensel'schen Stiftungssache in Ihrem gesch. Blatte zu ergänzen. Mit 
vorzüglicher Hochachtung H. Holz, Vertreter und Mitinhaber der Firma 
Gebr. Holz. 
Vermischtes. 
* Blankenburg a« Harz, 4. Juli. Der durch das letzte 
Unwetter in den Feldern und Wiesen unserer Niederung angerichtete 
Schaden ist freilich groß, sodaß jetzt eine öffentliche Sammlung für 
die betroffenen kleinen und minderbemittelten Besitzer veranstaltet 
worden ist. Die Berichte mancher auswärtigen Zeitungen über das 
Unwetter, nach denen die Stadt und Umgegend als verschlammt und 
versandet, die Wege als unpassierbar bezeichnet werden, find arg 
übertrieben. Die an einzelnen Straßen und Wegen vom Wasser an 
gerichteten Zerstörungen sind längst wieder beseitigt und alle Straßen, 
Spazierwege, Gärten usw. in bestem Zustande. ES braucht sich also 
niemand, der der Harzstadt einen kürzeren oder längeren Besuch 
zugedacht hatte, davon abhalten zu lassen und keiner der zahlreichen 
Kurgäste und Sommerfrischler der gewohnten Erholungsstätte fern 
zubleiben. 
* Tischgebräuche des Deutschen Kaiser». Hauptsächlich 
genießt der Koiser, wie die „Dresdner Nachr." zu erzählen wissen, 
nur weiche Sachen. Vor allem hält er viel auf frisches Gemüse. 
„Ich habe so viele Hofgärten, daß ich wohl auch auf meiner Tafel 
täglich frisches Gemüse beanspruchen darf," äußerte er sich einmal. 
Eins der Lieblingsgerichte des Kaisers ist deutsches Beefsteak mit 
Quetschkartoffeln. Gegen Austern hat der Kaiser eine gewisse Aversion, 
seitdem während einer Hvfjagd in Letzingen der Genuß von „ge 
backenen Austern" schlimme Folgen für die Beteiligten hinterlassen 
halle. Eine hohe englische Persönlichkeit hatte dem Kaiser so viel 
von „gebackenen Austern mit frischem Gemüse" vorgeschwärmt, daß 
dieser das Gericht auf die Letzinger Hoftafel beorderte. Der Genuß 
der englischen Speise wurde aber für einige von der Hofgesellschaft so 
verhängnisvoll, daß Kaiser Wilhelm das warm empfohlene Gericht 
sofort ein für alle Mal von dem kaiserlichen Küchenzettel strich. DaS 
gewöhnliche Menü der kaiserlichen Tafel besteht aus Suppe, Fisch 
(dieser darf nie fehlen), Gemüse mit Beilage, Braten, süßer Speise 
und Käse. Von den süßen Speisen gibt der Kaiser dem deutschen 
Eierkuchen den Vorzug. Die Weine werden stets nur in unetikettierten 
und ungekapselten Flaschen serviert. Jeden Abend vor dem Schlafen- 
gehen nimmt der Kaiser eine Mischung von Apfelsinen- und Zitronen- 
fast zu sich. Zum Frühstück liebt er besonders geröstetes Weißbrot 
mit Butter. Obst schält sich der Kaiser an intimer Tafel nie selbst. 
Dieses besorgt der neben ihm sitzende Hofmarschall. 
' Aus der Gesellschaft. Ein seiner boshaften Zunge wegen 
bekannter und gefürchteter Herr sagt im Gespräch zu einer stark 
geschminkten Dame: „Wollen Gnädige meine Meinung hierüber 
ungeschminkt anhören?" — „Gewiß, Herr Doktor." — „Zu welcher 
Zeit dürfte ich Ihnen meine Aufwartung machen?" 
" Angenehme Aussicht. Zerstreuter Professor (im Kolleg): 
„Ich hoffe, meine Herren, Ihre Zeit nicht zu lange in Anspruch 
genommen zu habcn." — Eine Stimme unter den Zuhörern: „Bitte, 
das macht nichts. — Professor: „Wieso?" — Dieselbe Stimme: 
„Ich bin der Droschkenkutscher, der sie hergefahren hat, und den Sie 
auf Zeit genommen haben." 
Vom RusfischrJapauischeu Kriegsschauplatz.
        
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