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Periodical volume Nr. 158, 08.07.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

nicht unsympatisch gegenüger, ja sie würden ihrem Per 
sonale die vom sozialen Standpunkte völlig berechtigte 
Forderung gern zukommen lassen, wenn eben nicht der 
Herr Konkurrent „gegenüber" oder „einige Häuser unter 
halb" weniger human denken würde und sein Geschäft bis 
9 Uhr geöffnet ließen. Unter diesen Umständen waren die 
Bestrebungen aus den beteiligten Kreisen bisher in Groß- 
Berlin völlig ohne Erfolg. Damit, daß aber nun die 
Geschäftsinhaber selbst doch immer mehr für den 8 Uhr- 
Ladenschluß eintreten, erhält die Angelegenheit eine 
Wendung, die es als sicher erscheinen läßt. daß der früh 
zeitigere Ladenschluß zur Einführung kommt. Diese 
Hoffnung ist um so berechtigter als die Stadt Berlin nun 
mehr ernstlich daran geht, den 8 Uhr-Ladenschluß obliga 
torisch einzuführen. Es steht der Erlaß einer Anordnung 
bevor, nach welcher sämtliche offene Berkaufsstellen mit 
Ausnahme solcher für den Verkauf von Lebensmitteln 
(Kolonialwaren), Konfitüren, Zigarren, Lichten, Seifen, 
Drogen, sowie der Barbier- und Friseurläden an den 
Werktagen (außer Sonnabend) in der Zeit zwischen 8 Uhr 
Abends und 7 Uhr Morgens für den geschäftlichen Ver 
kehr geschlossen sein müssen. Der Kommissar des Königl. 
Polizei-Präsidiums bringt nunmehr zur öffentlichen 
Kenntnis, daß die Liste der beteiligten Geschäftsinhaber für 
die Dauer von 2 Wochen — vom 10. bis 23. Juli d. I. 
— werktäglich von 9 bis 11 Uhr Vormittags im Bureau 
des Gewerbe-Kommissariats. Krausenstraße 29, zur öffent 
lichen Kenntnis ausliegt. Einsprüche gegen die Richtigkeit 
und Vollständigkeit der Liste können daselbst bis zum Ab 
lauf der Frist schriftlich oder zu Protokoll erhoben werden. 
Wir mir vor kurzem mitteilten, soll in Schöneberg bereits 
der 8 Uhr-Ladenschluß für die Monate Juli und August 
eingeführt sein. 'Bisher erschien die Durchführung des 
8 Uhr-Ladenschlusses schon dadurch schwierig, daß die 
einzelnen Gemeinden örtlich zu nahe an einander liegen. 
Man denke nur an unsern Ort selbst. Dadurch, daß in 
Friedenau nicht durchgesetzt werden konnte, die Geschäfte 
in den Sommermonaten um 8 Uhr zu schließen, während 
in Schöneberg der frühzeitigere Ladenschluß zur Ausführung 
kam, werden die Friedenauer Geschäftsleute an der Grenze 
nur Vorteil haben, indem etwaige Bedürfnisse nach 8 Uhr 
eben in Friedenau gedeckt werden. Aus diesem Grunde 
warenEÜUch in anderen Vororten die Bestrebungen, den 
8 Uhr-Ladenschluß einzuführen, bisher erfolglos. Ist aberjin 
Berlin der 8 Uhr-Ladenschluß erst eingeführt, dann werden 
auch die Vororte nicht mehr länger zurückstehen und der 
8 Uhr-Ladenschluß wird in Groß-Berlin kein leerer Traum 
mehr sein. 
f Vom Sportparkgeläude. Mit der Anlegung 
der Straßen auf dem ehemaligen Sportparkgelände wurde 
bereits begonnen. 60 Arbeiter find mit den Planierungs 
arbeiten beschäftigt. Bezüglich der Varzinerstraße steht die 
Berliner Bodenkredit-Aktiengesellschaft noch in Unterhand- 
lnngen mit der Eisenbahndirektion. Bis Oktober soll die 
Anlage sämtlicher Straßen fertiggestellt sein. 
-s- Kabellegung. Die Legung der Kabel schreitet 
rasch vorwärts. Heute wurde mit den Arbeiten in der 
Rheinstraße begonnen. 
ch Jugendspiele. Zu den vielfachen Einrichtungen 
auf dem Gebiet der Schulhygiene unternimmt jetzt die Stadt 
Schöneberg auf Antrag des Stadto. Zobel einen Versuch, der 
von weittragendster Bedeutung für die Schuljugend werden 
kann: die Ferienspiele. Ausgehend von der Erwägung, 
daß nur ein verschwindend geringer Bruchteil der Schüler 
während der großen Ferien verreist oder die Wohltat 
einer Ferienkolonie genießt, soll allen zurückbleibenden 
Kindern Gelegenheit geboten werden, täglich während 
einiger Stunden auf einem großen Spielplatz in frischer 
Luft herumzutummeln. Die Schuldeputation hat darum 
an alle Eltern die dringende Bitte gerichtet, die Kinder 
zu regelmäßigem Besuch der Ferienspiele anzuhalten. Das 
Schreiben lautet: „An die Eltern unserer Schulkinder! 
Für diejenigen Schulkinder, die nicht das Glück haben, 
während der Ferien verreisen zu können, haben die 
städtischen Körperschaften den städtischen Platz der Ring- 
und Wannseebahn in der Nähe der Holbeinstraße als 
Erholungsstätte zur Verfügung gestellt. Hier sollen 
während der ganzen Ferien vom Montag den 10. d. M. 
an, unter Aufsicht von Lehrpersonen Ferienspiele statt- 
„„Hören Sie,"" fuhr er fort ,„ „was wir abgemacht 
haben. Mein Kollege, der die Aufsicht über Sie hat, be 
trinkt sich allnächtlich sinnlos, so daß er nicht vor sieben 
Uhr morgens aufwacht. Ich habe ihm lange etwas zuge 
dacht, denn er hat mir mein Mädchen abspenstig gemacht, 
der Hund!"" 
Ich begriff. Es war doch nicht reine Vaterlandsliebe! 
„„Also,"" hob er wieder an, „„ich wußte, daß ich an 
seinen Schlüsselbund kommen könnte, und versprach dem 
Kapitän, Sie mit Tagesgrauen hinüberzubringen. In einer 
halben Stunde müssen wir fort. Dann hole ich Sie, bringe 
Sie an Bord und eile schnell hierher zurück. Heut abend 
sticht die „Hoffnung", auf der Sie sich bis dahin im Lager 
raum verstecken müssen, in See. Unmittelbar vorher fahre 
ich auf einer Jolle hinüber, nachdem ich die Genugtuung 
gehabt habe, zu sehen, wie's meinem werten Kollegen.hier für 
seine Wachsamkeit an den Kragen geht. Also merken Sie 
wohl, in einer halben Stunde hole ich Sie."" 
Damit ging er hinaus. Alles in mir jubelte. Gerettet, 
gerettet! Schnell habe ich noch diese Zeilen in mein Tage 
buch eingetragen und mich fertig gemacht. Soeben tritt 
der Wärter ein. Jetzt geht's fort in die Freiheit! 
19. September 1924, mittags. 
Im letzten Augenblicke gescheitert! Verloren, alles ver 
loren. Noch kann ich's fast nicht begreifen, wie alles kam 
und was ich selbst getan habe! 
Es war noch dunkel, als wir meine Zelle verließen. 
Mein Führer ließ die Tür hinter uns unverschlossen und 
hieß mich einen Augenblick auf dem Gang auf ihn warten, 
weil er dem Trunkenen die Schlüssel wieder in die Tasche 
stecken wolle. Grinsend, sich befriedigend die Hände reibend, 
kam er zurück und flüsterte: „„Er schläft wie ein Mehlsack!"" 
Dann führte er mich durch lange Gänge zu einer 
eisernen Tür, die er mit einem Schlüssel öffnete und wieder 
verschloß, worauf es aberinals durch verwickelte, nur schwach 
erleuchtete Gänge über einen öden Hof in eine dunkle Tor 
einfahrt ging. Leise hieß er mich hier einen Augenblick 
finden, Vormittags von 9—12 Uhr für Mädchen, Nach 
mittags von 4—7 Uhr für Knaben. Diese Spiele werden 
sicher vom besten Einfluß auf die Gesundheit der Kinder 
sein, wenn sie regelmäßig daran teilnehmen. Wir 
empfehlen, den Kindern Kaffee und Brot mitzugeben, 
Bier oder andere geistige Getränke sind ausgeschlossen. 
Beengende Kleidungsstücke — Korsetts, hohe Kragen — 
sind gesundheitsschädlich. Schöneberg, den 4. Juli 1905. 
Städtische Schuldeputation." 
-j- Befitzwechsel. Das Grundstück Lauterstraße 19/20, 
Ecke Niedstraße 2, bisher Herrn Gastwirt Gundlach ge 
hörig, ist um den Preis von 250 000 Mk. in den Besitz 
eines Architekten übergegangen, der dort ein modernes 
Wohnhaus mit Laden aufführen lassen wird. 
-j- Schülerzeitkarteu. Während der Sommer- 
Ferien der höheren Lehranstalten in Berlin, Charlottenburg, 
Cöpenick, Friedenau, Friedrichshagen, Gr.-Lichterfelde, 
Grunewald, Pankow, Potsdam, Rixdorf, Spandau. 
Steglitz, Wilmersdorf und Zehlendorf, 8. Juli bis 14. August, 
haben die Schülerzeitkarten keine Giltigkeit. Ausgenommen 
sind nur solche, die für bestimmte Wochentage oder Sonn 
tage, also für Fortbildungsschüler, Konfirmanden rc. aus 
gestellt sind. 
-j- Der Fahrkartenvcrkauf für die Ferienzüge 
nach Stuttgart und Friedrichshafen (Bodensee, Schweiz). 
Abfahrt am 21. Juli, Abends 6.10 vom Anhalter Bahn 
höfe, hat gestern mit großer Lebhaftigkeit eingesetzt; er 
wird am 14. d. M., Abends 6 Uhr, geschlossen. Die 
Sonderzug-Rückfahrkarten Berlin-Stuttgart (III. 30,60 M.), 
Berlin-Friedrichshafen (III. 39,40 M.) und Berlin-Ulm 
(III. 34,80 M.) sind nur am Anhalter Bahnhof zu haben. 
— Auch im Amtlichen Reisebureau am Potsdamer Bahn 
hof herrschte am gestrigen Tage, dem Schulschlusse, wieder 
ein ungemein reges Treiben. Hier sind 24 männliche und 
weibliche Beamte unausgesetzt bemüht, die Reise-Kandidaten 
abzufertigen. Als Morgens gegen 8 Uhr das Bureau 
geöffnet ward, sahen sich die Beamten bereits einem 
Häuflein von 180 Personen gegenüber; in den Vormittags 
stunden wurden gegen 600 Erholungsbedürftige mit Fahr 
karten rc. ausgerüstet. Das Geschäft bringt natürlich auch 
etwas ein. Tages-Losungen von 50 000 und 60 000 M. 
ja, noch darüber hinaus, sind in diesen Ferientagen nichts 
Seltenes. 
-j- Im „Amtlichen Reisebureau" am Potsdamer 
Bahnhöfe herrschte in den letzten Tagen eine geradezu 
fieberhafte Tätigkeit, die wohl während der Hochflut des 
Ferienverkehrs noch anhalten dürfte. Gestern früh gegen 
8 Uhr warteten wohl an 300 Personen beiderlei Geschlechts 
auf die Eröffnung der Schalter an denen ste ihr Fahr 
karten, Rundreisehefte, Platz- und Bettkarten zu kaufen 
beabsichtigen. Es ereignete sich der seltene Fall, daß die 
Platzkarten eines O-Zuges gänzlich ausverkauft wurden 
und verschiedene Reflektanten leer ausgehen mußten, da 
diese Züge die vorgeschriebene Axenzahl nicht überschreiten 
dürfen. Vielfach wird hier nach Dingen gefragt und 
verlangt, die sich von selbst verstehen resp. auf anderem 
Wege viel bequemer zu haben find. So wird z. B. von 
der segensreichen Einrichtung der Vorauslösung der 
Fahrkarten und der Aufgabe des Reisegepäcks am Vortage 
der Reise wenig Gebrauch gemacht: Alles wird bis auf 
die letzte Minute aufgeschoben und dann kann selbst das 
„Amtliche Reisebureau" nicht helfen. Es sei deshalb 
nochmals daran erinnert, daß während des ganzen Juli 
die Fahrkarten- und Gepäck-Schalter der Berliner Fern 
bahnhöfe von 8 Uhr früh bis 10 Uhr Abends ununter 
brochen geöffnet sind und Fahrkarten schon am Tage vor 
dem Reiseantritt mit dem Tagesstempel des Reisetages 
verkaufen bezw. das Gepäck am Montage der Reise an 
nehmen. Wer hiervon Gebrauch macht, kann doch leichten 
Herzens abfahren . . . 
f Das Schnhwerk wird teurer. Die vereinigten 
Schuhmacherinnungen des Kreises Teltow sowie von 
Charlottenburg, Friedenau und Rixdorf tagten kürzlich 
in Schöneberg unter Vorsitz des Obermeisters W. Fölsch. 
Nach Erörterung der teuren Lederpreise wurde eine Reso 
lution angenommen, nach der eine Preiserhöhung für 
Schuhwaren stattfinden muß. Dies soll dem Publikum 
durch ein im Geschästslokal auszuhängendes Plakat zur 
Kenntnis gebracht werden. 
in einer Ecke warten, trat an ein in dem Durchgang befind 
liches Fenster heran und klopfte wiederholt, bis es sich 
mit leisem Klirren auftat. 
„„„Wer da?""" tönte eine verschlafene, mißmutige 
Stimme. 
„„Ich bin's, Hansen; zieh' das Tor auf."" 
„ „ „Was hast Du denn jetzt in der Nacht hier zu suchen? 
Du hast ja keinen Dienst!""" 
„„Pst! Ich war bei der Lotte und möchte nun noch 
etwas schlafen." " 
„ „ „So, so. Ein andermal richte Dich aber anders ein 
und störe mich nicht wieder.""" 
Die Feder der kleinen Eingangspforte neben dem Tor 
weg schnappte und das Fenster schloß sich klirrend. Hansen 
faßte mich bei der Hand, zog mich durch die Tür und warf 
sie hinter uns ins Schloß. 
„„Ich bin vorsichtig gewesen,"" sagte er kichernd, 
„„und habe für ein gutes Alibi gesorgt. Kein Mensch 
kann mich im Verdacht haben. Im Laufe des Tages werde 
ich dann irgend einen Auftritt herbeiführen, sodaß man 
mich für unbrauchbar für den Dienst erklärt und mich 
einer anderen Abteilung zuweist. Der Uebergang erfordert 
immer einige Tage, und so kann ich bequem und ohne daß 
mich irgend jemand vermißt, an Bord der „Hoffnung" 
gehen. Aber nun kommt schnell! Es beginnt schon zu 
dämmern."" 
Wir eilten durch die Straßen dahin und betraten die 
gewaltige Brücke, welche Neuyork mit Brooklyn verbindet. 
Hier, über der breiten Fläche des East 'River war es schon 
heller und man konnte bereits die zu dieser frühen Morgen 
stunde vereinzelt hin- und hergehenden Menschen erkennen. 
Ohne weiter auf sie zu achten, schritten wir rüstig vorwärts, 
dem östlichen Ende zu. Schon hatten wir die Mitte des 
mächtigen Bauwerkes erreicht. Uns entgegen kamen einige 
Kofferträger, hinter ihnen eine Anzahl soeben mit einem 
Schiff angekommener Reisender. Wir passierten eilends vor- 
über, dem Ziele zustrebend. 
Da plötzlich höre ich hintey Mr den (guten Jubelruf 
f Praktische Reisewinke. „Wer wandern will, 
— Der schweigt fein still, — Steh auf am frühen Morgen, 
— Und laß daheim die Sorgen!" Diesen Wahlspruch 
sollten sich alle Touristen zu eigen machen. Mann be 
ginne eine Wanderung frühzeitig und halte am heißen 
Mittag Rast. Vom Rauchen während deö Bergsteigens 
ist entschieden abzuraten. Will man auf dem höchsten 
Punkte eines Berges ruhen, so suche man einen vor rauhem 
Wind geschützten Platz aus, auch wandere man nie in 
feuchter Abendlust. Ferner ist zu empfehlen, während 
der Tour mäßig in Speise und Trank zu sein. Man esse 
nur kleine Portionen und enthalte sich während des 
Marsches des kalten Wassers; ein Schluck Kirschbrannt- 
wein oder guter Rotwein tut alsdann gute Dienste, auch 
Milch mit Cognac ist zu empfehlen, sowie mäßiger Obst 
genuß. Ebenso vergesse man nie, sich bei größeren Touren, 
namentlich bei Fußtouren, ein BUchschen Fleischextrakt ein 
zupacken, der neben seinem so vielseitigen Nutzen für die 
Hausfrau auch von allen Reisenden und Sportsfreunden 
mit Recht so hoch geschätzt wird. Eine Tasse heißen 
Wassers ist leicht zu beschaffen, darin 1 / 2 Teelöffel Extrakt 
aufgelöst, etwas Salz hinzugefügt, und die beste und der 
Gesundheit zuträglichste Stärkung ist zum Genuß fertig! 
Bei Fußtouren muß man sich nicht nur mit etwas 
Proviant sondern auch mit einer kleinen Hausapotheke 
versehen. Etwas Eau die Cologne als Riechmittel, Hoff- 
mannsche Tropfen bei Übelkeit, Pfeffermünztropfen oder 
Rhabarberwein bei Durchfall, welcher sehr oft durch 
schlechtes Trinkwasser erzeugt wird, — das Alles tut gute 
Dienste! Auch sorge man für ein warmes Plaid, Regen 
mantel und Schirm, kleide sich für gebirgige Gegenden 
oder feuchte Witterung wärmer, trage wollene Wäsche und 
wasserdichtes, nicht drückendes Schuhwerk. Wenn es irgend 
geht, nehme man täglich ein Bad. Des Abends wasche 
man die Füße mit Branntwein. Wenn Hornhaut oder 
Hühneraugen vorhanden find, reibe man diese öfter mit 
Ol ein. Nervöse, Brust- und Herz-Kranke sollen nie des 
Nachts reisen. Man tut gut, sich für das Übernachten im 
Gasthause mit Decken tzu versorgen. 
-j- In den Vogelpenfiouen herrschte dieser Tage 
Tage ein starker Andrang, da viele Leute herbeikamen, 
um während der Ferienreise ihre gefiederten Lieblinge der 
bewäheten Obhut des Penstonsvalers oder der Penstons- 
mutter anzuvertrauen. Auch die Hundepensionate, nament 
lich das große Tierasyl in Lichterfelde-Ost, wurden vielfach 
aufgesucht, da man natürlich seinen vierbeinigen Freund 
nicht mit auf die Reise nehmen kann. Während die 
Vögel sich willig in ihr Schicksal fügen, stoßen die Hunde 
meist bei der Trennung ein Jammergeheul aus und ge 
wöhnen sich nur langsam an die neue Ordnung. 
f Maler-Innung. In der gestern in Groß-Lichter- 
felde stattgefundenen Versammlung wurden 9 Lehrlinge 
eingeschrieben und beschlossen, für nächsten Winter Meister 
kurse abzuhalten. Zu einer längeren Debatte führte ein 
Antrag auf Entschädigung des neugewählten Vorstandes. 
Der Antrag wurde für dieses Jahr abgelehnt, 
MLnuer-Turnverern. Trotz der verschiedenen 
Veranstaltungen und der reichen turnerischen Arbeit in 
diesem Sommer wünschen die meisten aktiven Turner der 
Mägnerabteilung nicht auf die diesjährige Nacht-Turnfahrt 
zu verzichten, und zwar ist diesmal die herrliche Märkische 
Schweiz, Freienwalde, als Ziel gewählt. Die Teilnehmer 
versammeln sich am Sonnabend, den 22. d. Mts., Abends 
6 Ühr am Stettiner Bahnhof und fahren mit der Bahn 
nach Chorin. Von dort geht der Marsch zunächst nach 
dem am Amtssee gelegenen berühmten Kloster-Ruinen 
Chorin. Nachdem diese besichtigt und in der nahen 
„Neuen Klosterschenke" das Abendbrot eingenommen, geht 
eS weiter durch den hübschen Buchenwald, Forst Chorin, 
nach Eberswalde, wo ca. 12 Uhr ein einfaches Nacht 
quartier bezogen wird. Am nächsten Morgen wird der 
Marsch um 5 Uhr wieder aufgenommen und führt der 
Weg zunächst durch die Stadt, an dem Turnplatz, der 
Rudolphs-Eiche, dem Schützenhaus, den eisen- und schwefel 
haltigen Quellen des Gesundbrunnens, dem Zainhammer, 
dem Wasserfall des Flüßchens Schwärze nach Specht 
hausen, wo gefrühstückt wird. Dann beginnt der Haupt 
marsch durch den ausgedehnten Eberswalder Forst an dem 
Gut Köthen vorbei am Abhange des bewaldeten Paschen- 
einer weiblichen Stimme. Noch ahne ich nichts. Da fühle 
ich mich an der Kehle gepackt 
„Hab' ich Dich, hab im Dich endlich?" tönt mir Noras 
Stimme ins Ohr, und als ich mich umwandte, blicke ich in 
ihr von grausamer Freude leuchtendes Antlitz, wie ich es 
in meinen Träumen ges.hen. Ich suche mich loszuringen, 
sie klammert sich fest und schreit mit schriller stimme in 
die Morgenluft hinaus: 
„„Zu Hilfe, Norris, oder er entrinnt uns! Es ist 
Fritz Werner! Zu .Hilfe!"" 
Da faßt mich namenlose Wut. „Mein Traum, mein 
Traum!" schreie ich. Heiß steigt mir das Blut in die Augen, 
ich sehe alles ror und packe sie, daß sie mit einem lauten 
Wehruf und verzerrten Antlitz zusammensinkt. Ich sehe 
ihr Auge brechen und stehe entsetzt und fassungslos bei 
dem, was ich getan. Auch meine Verfolger haben einen 
Augenblick entsetzt stillgestanden, jetzt stürzen sie mit wüten 
dem Geschrei auf^mich los. Ich versuche, mich über das 
Geländer in die Tiefe hinäbzuschwingen. Zu spät! Schon 
erfassen mich nervige Hände, Fausthiebe regnen auf mich 
herab, die Besinnung schwindet mir. 
. Als ich wieder zu mir kam und die Augen langsam 
aufschlug, befand ich mich abermals in meiner Zelle, auf 
dem Bette ausgestreckt. Alle Glieder schmerzten mir. Als 
ich sie zu regen versuchte, hörte ich ein sonderbares Klirren 
und erkannte, daß man mir Fesseln angelegt hatte. Erst 
allmählich kehrte mir die Erinnerung an das Vorgegangene 
und hiermit die Erkenntnis meiner Lage zurück. Jetzt bin 
ich wirklich verloren! O, mir geschieht schon recht! Warum 
konnte ich nicht schweigen, warum mußte ich dies törichte 
Herz sein Inneres enthüllen lassen und so selbst das Un 
heil heraufbeschwören! Bin ich darum vor Nora wie vor 
meinem bösen Genius geflohen, um ihr zuletzt, als ich 
schon den Folgen meiner Unvorsichtigkeit entronnen zu sein 
glaubte, in die Arme zu laufen? 
> 
(Fortsetzung folgt.)
        
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