Path:
Periodical volume Nr. 157, 07.07.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

angrenzenden Straßen durch die Überschwemmungen nicht 
beseitigt werden könnten. Die Grundbesitzer hätten durch 
die bei einen, noch garnicht einmal starken Regen durch 
das Vollaufen der Keller großxn Schaden. Vielleicht 
könnten die Gemeindearbeiter beim Auspumpen der Keller 
den erschöpften Mannschaften der Wehr Hilfe leisten. 
Herr Regierungsbaumeister Püttmann bemerkt hierzu, 
die Kanalisation sei in Schöneberg nahezu fertiggestellt, 
nur ein Stück Rohr fehle noch. Ferner könnte das 
Ableitungsrohr am ehemaligen „Schwarzen Graben" in 
Wilmersdorf vielleicht verstopft sein. Herr Schöffe 
Draeger kann mitteilen, daß er beim Schöneberger 
Magistrat gewesen sei, um Klage zu führen über die Miß 
stände in der Hähnelstraße. Es sei ihm dort gesagt 
worden, es fehle an der Kanalisation nur ein Stück 
Druckrohr bei der Eisenbahnunterführung. Der Eisenbahn 
fiskus lasse die Durchführung nicht zu, man hoffe die 
Verhandlungen in 4 Wochen zu Ende zu führen, so daß 
dann die Kanäle geöffnet werden können. Bedauerlicher 
Weise scheinen sich die Verhandlungen mit der Bahn doch 
noch mehr in die Länge zu ziehen. Herr Lichtheim be 
merkt, daß die Gemeindearbeiter bei der Wassersnot selbst 
genügend Arbeit hätten, also nicht Dienst bei der Feuer 
wehr tun könnten. Was die Anlegung der elektrischen 
Feuermelde-Einrichtung betreffe, so laffe die Firma 
Siemens & Halste die Arbeiten durch einen Friedenauer 
ausführen, der auch die späteren Reparaturen zu über 
nehmen habe. 
Über die Auswahl der Lampen für die Straßenbe 
leuchtung sprach Herr Ingenieur Mulertt. Es sei ja klar 
gewesen, daß nur Bogenlampen in Betracht kommen könnten, 
die Frage sei nun, ob man die alten Bogenlampen nehmen 
solle, oder Flammen - Bogenlampen, die das bekannte 
strahlende Licht verbreiten. Nun habe man vor einigen 
Wochen eine Probebeleuchtung vorgenommen, bei der ja die 
meisten Herren zugegen gewesen seien. In der Rheinstraße 
wurden Flammen-Bogeniampen, in der Ringstraße, die mit 
Bäumen dicht bewachsen ist, auch die alten Bogenlampen, 
die das matte weiße Licht verbreiten, angebracht. Es sei nun 
den Herren eine Tabelle mit zwei Anordnungen vorgelegt 
worden, er schlage vor, die Anordnung II zu wählen und für 
die Rheinstraße, Kaiserallee und Friedrich Wilhelm-Platz 
Flammenbogenlampen, für die anderen Straßen die alten 
Bogenlampen nehmen. Die Kosten würden 10 530 Mk. 
betragen. Herr Gemeindevorsteher Schnackenburg unter 
stützt diese Ausführungen, und empfiehlt den Vorschlag 
der Elektrizitätskommission anzunehmen. Herr G.-V. 
Homuth hat einige Wünsche hinsichtlich der Brenndauer 
der Lampen, die jetzige Brenndauer werde nicht völlig 
innegehalten. Herr Mullert kommt nochmals auf die 
Kostenfrage zu sprechen und bemerkt, daß für die gewöhn 
lichen Bogenlampen niedrigere Lampen zur Verwendung 
kommen, wodurch 1200 Mk. gespart werden. Es empfehle 
sich die Anordnung II wodurch ca. 3470 Mk. bei der An 
läge und an Betriebskosten ca. 2700 Mk. gespart würden. 
Die Versammlung beschließt dem Antrage des Referenten 
gemäß. 
Der nächste Punkt der Tagesordnung „Anlegung 
einer Zentralheizung in der Volksschule" wird aus An 
regung deS Gemeinde-Vorstehers bis zum Herbste vertagt. 
Allgemeine Spannung machte sich nun bemerkbar, 
als in die 2. Lesung des Antrages des G.-V. Schultz, 
die Kaiser-Allee in ihrer ganzen Länge zu asphaltieren, 
eingetreten wurde. Herr Gemeindevorsteher Schnackenburg 
führte aus: Er möchte zunächst mitteilen, was inzwischen 
geschehen sei. Als man das letztemal auseinander ge 
gangen sei, habe er doch geglaubt, daß es seine Pflicht 
sei zu versuchen, ob sich nicht ein Modus finden laste, der 
zu einer größeren Einigkeit führen könnte, denn die Ab 
stimmung von 11:12 und von 12:11 gebe von vornherein 
kein überzeugendes Gepräge. Er habe nun geglaubt, daß 
eine größere Einigkeit dadurch zu erzielen sei, daß man 
diejenigen Herren für Asphalt zu gewinnen suche, die gegen 
den Asphalt sind, weil die Gemeinde kein zweites Geleise 
erhalte. Er sei nun mit der Straßenbahn neuerdings in 
Verhandlungen getreten. Diese Verhandlungen seien bis 
her mündlich gepflogen worden, nun sei eben (während 
der Sitzung) die schriftliche Antwort von der Direktion 
eingegangen. Diese Antwort gebe der Angelegenheit eine 
ganz andere Wendung, die Sachlage verändere sich so er 
heblich, daß er glaube, man komme um eine Kommissions 
beratung und um eine nochmalige Sitzung nicht herum. 
Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: 
An den Gemeinde-Vorstand Friedenau. Zum gefälligen Echreiben 
vom 4. d. Mts. Wenn wir auch nach wie vor ein Bedürfnis zum 
Einbau des zweiten Gleise- in der Kaiser-Allee zwischen dem Friedrich- 
Wilhelmplatz und der Rheinstraße nicht anzuerkennen vermögen, so 
wollen wir uns doch, um auch im vorliegenden Falle unser Entgegen- 
kommen zu betätigen, bei der bevorstehenden Asphaltierung der 
Kaiser-Allee mit der Anlage des zweiten Gleises unter der Bedingung 
einverstanden erklären, daß uns dem dortigen Vorschlage gemäß für 
die Neubefestigung des für das zweite Gleis erforderlichen Bahn 
körpers von der Gemeinde nur der Betrag in Rechnung gestellt wird, 
den wir evtl, für eine Befestigung des Bahnkörpers mit Schlacken, 
steinen zu zahlen hätten; «die hiernach sich ergebende Differenz in 
Höhe von etwa 14 000 M. bis 15 000 M. übernimmt die Gemeinde 
Friedenau. Außerdem aber würde die Gemeinde Friedenau für die 
Unterhaltung des Bahnkörpers auf der in Betracht kommenden Wege 
strecke statt der in dem bestehnden Zustimmungsvertrage vorgesehenen 
sünsjährigen Garantie eine solche auf weitere fünf Jahre zu über- 
nehmen haben. Wir würden den Einbau des zweiten Gleises auch 
dann in Aussicht nehmen, wenn auf der ganzen Strecke zwischen Ring- 
bahn und Friedrich Wilhelmplatz und Rheinstraße Schlackenstein- 
Pflaster zur Verlegung gelangen würde. Aber auch dann würden wir 
von der Gemeinde in Hinsicht auf die geringere Widerstandsfähigkeit 
solchen Materials bei starker Inanspruchnahme, die Übernahme einer 
zehnjährigen Unterhaltungspflicht verlangen müffen. 
Die Direktion. 
In dem Schreiben seien Bedingungen enthalten, die 
bei den mündlichen Besprechungen, die noch mittags ge 
pflogen wurden, nicht ausgesprochen worden seien. Man 
stehe also vor völlig neuen Tatsachen, die finanziell so 
bedeutungsvoll seien, daß sie ein ganz anderes Bild geben. 
Er meine deshalb, die Frage der Regulierung nochmals in 
den Bauausschuß zu verweisen und die Entscheidung dann in 
nächster Sitzung zu treffen. Ferner möchte er mitteilen, daß 
die Interessenten zwischen Friedrich Wilhelmplatz und 
Rheinstraße nunmehr auch selbst in den Beutel greifen 
wollen, um Asphalt zu erhalten. Infolgedessen sei ihm 
von Herrn Direktor Sarrazin eine Liste überreicht worden, 
aus der sich ergebe, daß sich weitaus der größte Teil der 
Anwohner verpflichte, 100 bis 200 M. zu den Kosten bei 
zutragen. Es komme dabei' eine Summe von etwa 4000 
Mark heraus. Herr G.-V. Homuth ist für Vertagung, 
selbst auf die Gefahr hin, daß die Arbeiten in diesem 
Jahre nicht mehr ausgeführt würden. Herr Schöffe 
Lichtheim stellt den Unterantrag, daß die Kommission 
durch drei Mitglieder verstärkt werde, er schlage die 
Herren Hendrich, Homuth und Berger vor. Herr Gemeinde 
vorsteher Schnackenburg ist ebenfalls für Verstärkung 
der Kommission. Herr G.-V. Leo Schultz bleibt auf 
seinem Antrage bestehen, die Sache werde so in die Länge 
gezogen, daß man in diesem Jahre überhaupt nicht mehr 
zur Ausführung der Arbeiten komme. Die Herren Schöffe 
Draeger nnd G.-V. Schremmer sprechen sich für Ver 
tagung aus. Herr G.-V. Kunow glaubt, daß in der 
Kommission nichts erreicht werde. Auch Herr G.-V. 
Berger spricht diese Ansicht aus und ist für sofortige 
Entscheidung. Herr Gemeindevorsteher Schnackenburg 
meint, man soll das Kind doch nicht mit dem Bade aus 
schütten, man müffe doch einsehen, daß andere Umstände 
hervorgetreten sind, welche die ganze Berechnung über den 
Haufen werfen, die Arbeiten würden sicher noch in diesem 
Sommer ausgeführt werden. Herr G.-V. Schultz 
beantragt, daß über die Dringlichkeit seines Antrages ab 
gestimmt werde. Nachdem die Herren Schöffe Lichtheim 
und G.-V. Frölich gegen die Dringlichkeit gesprochen 
haben, wird der Antrag abgelehnt. Der Antrag, die 
Kommission durch drei Mitglieder zu verstärken und die 
Angelegenheit in der Kommission nochmals zu beraten, 
wird angenommen. 
Lokales. 
Ferien. Ein Zauberwort, das Jung und Alt 
elektrisiert und das den herrlichen Ausblick auf eine lange 
„Reihe schöner Tage" gewährt. Die Ferien bilden nicht 
nur im Leben der schulpflichtigen Kinder die schönste Zeit, 
sondern werden auch von den Eltern mit Freude begrüßt. 
Die 4 Wochen der Freiheit bringen die einzelnen Familien 
glieder einander näher, und Vater und Mutter gewinnen 
gerade in diesen Tagen einen viel tieferen Einblick in die 
Seelen ihrer Söhne und Töchter, als es während des 
übrigen Jahres möglich ist. Die Schule und ihre Arbeiten 
erfordern manche Stunde des Tages, und wie wenig bleibt 
da für das Familienleben übrig! Jetzt aber kann das 
alles nachgeholt werden. Ungezwungen gibt sich ein jeder, 
froh die Muße genießend, und bei Spaziergängen in 
Wald und Feld schließen sich die Herzen auf, und so 
manches belehrende Gespräch wird da geführt. Besonders 
an Regentagen zeigt sich so recht die Vorliebe des einzelnen 
Kindes durch die Wahl seiner Beschäftigung. Der zu 
künftige General kennt kein schöneres Spiel als Krieg, 
und wo die Bleisoldaten nicht ausreichen, da müssen die 
Brüder und Freunde als lebendige Soldaten mit aushelfen. 
Wer Farben- und Formensinne besitzt, was der spätere 
bildende Künstler braucht, der malt schon als Kind gern 
oder zeichnet allerhand Bildchen, während der mit Wifsens- 
drang Begabte in Büchern herumstöbert oder die Dinge 
im Hause auf ihre Zusammensetzung untersucht. Aber 
auch Charaktereigenschaften zeigen sich gerade während der 
Ferien am deutlichsten. Verträglichkeit, Sanftmut, 
Ordnungsliebe und ihre Gegenteile gedeihen in der Freiheit 
am besten. Oft sind die Eltern ganz überrascht, wie 
anders die Kinder sich jetzt geben, als sonst, wo sie gleichsam 
nur Gäste im Elternhause sind und die Schule ihre Haupt 
zeit ausfüllt. Vater und Mutter aber bieten sich dadurch 
die besten Mittel zur Beurteilung der werdenden 
Charaktere. 
f Die abnorme Hitze der letzten Tage hat an dem 
Straßenbahn-Oberbau mit unterirdischer Stromzuleitung 
arge Verwüstungen angerichtet. Wie schon gemeldet, 
stockte der Verkehr sowohl am Opern- wie am Potsdamer 
Platz und am Brandenburger Tor, weil dort die Strom 
abnehmer abbrachen und in den Rillen stecken blieben. 
Die letzteren, die eine lichte Weite von 30 Millimetern 
haben, haben sich bis auf 20 Millimeter herab verengt. 
Es ist dies auf den Seitendruck des Asphaltpflasters 
zurückzuführen, daS sich in der Hitze dehnte und die 
Schienenrillen zusammenpreßte. Da diese Verengung 
naturgemäß sehr ungleichmäßig auftrat, so sprangen die 
beweglichen Stromabnehmer (Pflüge) an den engen Stellen 
heraus, während die festen Stromabnehmer, die senkrecht 
Herabgelaffen werden und nicht ausweichen können, in den 
Rillen stecken blieben und sich fest fuhren. Um die 
Schienen wieder passierbar zu machen, müffen nun neben 
denselben lange Streifen des Asphaltpflasters aufgerissen 
und die Rillen wieder erweitert werden. Auch an den 
Wagen mit unterirdischen Stromabnehmern sind kostspielige 
Reparaturen erforderlich. Es ist damit zum ersten Male 
der Nachweis erbracht, daß die elektrische Unterleitung auch 
im Sommer nichts taugt. 
t „Bescheinigungen über Zugverspätungen" 
sind das Neueste, was die Staatsbahn-Verwaltung den 
Reisenden einräumen mußte. Es ist dies eine Folge 
der totalen Umwandlung unserer Verkehrs-Derhältniffe. 
Wenn man vor einem Vierteljahrhundert im Bureau, in 
der Schule k. zu spät kam, so entschuldigte man sich 
damit: „Die Brücke war aufgezogen". Und das „zog" 
immer. Heute kommen die Leute aber nicht mehr per 
pedes apostolorum nach der Arbeitsstätte, sie fahren 
Stadt- und Ringbahn und „Klappbrücken" sind inzwischen 
fast ganz ausgeschaltet. Nun kann es vorkommen, daß 
ein Zug sich verspätet, bei dem regelrechten Eisenbahn 
betrieb unserer Zeit glaubt das aber so leicht Niemand. 
Für diese seltsamen Verspätungen wünschen die davon 
Betroffenen daher eine amtliche Bescheinigung. Die 
Staatsbahn-Verwaltung will diesem Wunsche in koulanter 
Weise nachkommen. Die aufsichtsführenden Bahnsteig 
beamten sollen künftig vorgedruckte Blocks ausfüllen und 
darauf den Beamten, Arbeitern, Schülern rc., die darum 
nachsuchen, bescheinigen, daß der Zug Nr. so und so, den 
jene benutzt haben, so und sooiele Minuten (es müssen 
aber mehr als 5 sein) Verspätung gehabt hat. Natürlich 
darf der vielbeschäftigte StationSbeamte dadurch nicht un 
gebührlich aufgehalten werden. Oft wird ja eine Be 
scheinigung für eine ganze Fabrik. Schule rc. ausreichen. 
-j- Der alte Botanische Garte« wird auch nach 
der Verpachtung nicht aufhören, eine staatliche Pflegestätte 
für Pflanzen zu sein, sondern er wird es mindestens noch 
für einen Zeitraum von 2 Jahren bleiben. An der Nord 
seite ziehen sich nämlich parallel mit der Pallasstraße eine 
Reihe von Gewächshäusern hin, die teils mit tropischen 
Nutzpflanzen, teils mit ostasiatischen Pflanzen, namentlich 
japanischen und ostindischen, angefüllt sind. Diese Pflanzen 
stehen, wie immer, so auch in diesem Sommer im Freien 
auf großen Beeten, die vor den Gewächshäusern liegen. 
Da für diese letzteren im neuen Garten zu Dahlem sich 
vorläufig ein Ersatz noch nicht schaffen läßt, so werden sie 
samt den Beeten von einem großen Zaun umgeben werden, 
dessen Richtung bereits durch Holzpflöcke abgesteckt worden 
ist und der auch das vorläufig noch bestehen bleibende 
Palmenhaus einschließen wird. Dagegen werden das von 
Schinkel herrührende alte Kalthaus mit seinen hölzernen 
Säulen, das Arboretum und das baufällige Viktoriahaus 
abgerissen werden. Die Chamiffo-Laube, d. h. soviel davon 
noch übrig ist, wird zerlegt und nach dem neuen Garten 
gebracht werden. Diese von einer nordamerikanischen 
Weinart umrankte Laube führt übrigens, wie wenig 
bekannt fein dürfte und wie in dem amtlichen „Rundgang 
durch den Garten" zu lesen ist, auch den Namen 
„Wildenow-Laube" nach dem berühmten Botaniker 
Wildenow, der von 1801 bis 1812 Direktor des Gartens 
war. Chamiffo war vom Jahre 1818 bis 1838 am 
Garten als Kustos und Harbar angestellt. 
si Jubiläum. Am 11. d. Mts. begeht der Haus 
eigentümer und Gastwirt Herr Hermann Schulze, Friede- 
nauerstraße 63 mit seiner Ehefrau das Fest der Silber 
hochzeit. Der Jubilar ist langjähriges Mitglied des 
Haus- und Grundbesttzervereins in Schöneberg, des Krieger 
vereins Friedenau, Mitbegründer des Gastwirtevereins von 
Schöneberg und Friedenau und feit 1893 in Schöneberg 
ansässig. Die Feier des Festes, zu der alle Freunde und 
Bekannten des Jubelpaares willkommen geheißen werden, 
findet am Ehrentage von vormittags 10 bis nachmittags 
4 Uhr in der Wohnung, und nachdem im Rheinschloß zu 
Friedenau statt. 
Das Gauturufest des Havelläudische« 
Gaues, der in seinen Männer-, Zöglings- und Frauev- 
abteilungen fast 8000 Mitglieder umfaßt, findet vom 12. 
bis 14. August d. I. in Oranienburg statt. Die dortigen 
Vereine, „Männer-Turnverein" und „Turnerschaft", find 
seit Monaten eifrig an der Arbeit. 
f Die Fliegerrenuen, welche am Sonntag den 
9. Juli auf der Radrennbahn des Sportplatz Berlin- 
Zehlendorf stattfinden, haben zahlreiche Nennungen aufzu 
weisen. Die Rennen versprechen somit recht intereffant zu 
werden, da u. a. auch der Münchener Kurzwein. die 
beiden Dänen Axel und Andreas Hansen, Theile rc. 
teilnehmen. 
f Verband Berliner Abstinenzvereiue. Das 
Neueste im Kampf gegen den Alkoholismus ist ein Ver 
band Berliner Abstinenzvereine. Es haben sich in ihm die 
gesamten Berliner Abstinenzorganisattonen zu gemeinsamer 
Arbeit vereint, mit alleiniger Ausnahme des Arbeiter- 
Abstinentenbundes, der aus politischen Gründen mit den 
Bürgerlichen unter keinen Umständen zusammen gehen zu 
können meint. Der Verband hat zur Erledigung seiner 
vielseitigen Aufgaben seine Arbeit verschiedenen Einzel 
kommissionen überwiesen, die mit ihrer Tätigkeit schon jetzt 
begonnen haben, sodaß er bereits im Winter mit seinem 
Wirken an die Öffentlichkeit treten wird. Nähere Auskunft 
erteilt der Vorsitzende vr- msd. Strecker. Berlin N. 28. 
f Führmann - Walde - Säuger. Die beliebte 
Sängergesellschaft gibt morgen Abend im Kaiser Wilhelm- 
Garten wieder eine ihrer so sehr beliebten Soireen mit 
vollständig neuem Programm. Freunde eines gesunden 
Humors wollen nicht versäumen, sich die Vorstellung an 
zusehen. 
I Die Ausbildung der neuen Amtsdiener 
auf der Polizeischule hat sich anscheinend recht gut bewährt, 
denn gestern sah man einen der neuen Herren namens 
Steudner, als er einem Klamottenkutscher zurief, langsam 
um die Ecke der Kirchstraße zu fahren, der Kutscher aber 
fuhr unter Zurufung einer unflätigen Antwort im Galopp 
weiter, der Beamte lief wohl nach. konnte das Gespann 
aber nicht erreichen, schnell entschlossen borgte er sich von 
einem radelnden Jungen ein Fahrrad und fuhr nach, 
holte ihn am Maybachplatz ein, wo die Feststellung 
erfolgte und er zur Anzeige gebracht wird. Wie schnell 
der Kutscher gefahren ist, geht daraus hervor, daß das 
ganze Geschirr dabei zerrissen ist. 
t Verkehrsunfall. Die unglückselige Steigung des 
Dammes an der Rhein- und Peschkestraßenecke hat schon 
viele Unfälle herbeigeführt. Gestern Vormittag brach einem 
schwer beladenen Gerüstwagen beim Umbiegen das Rad und 
Leitern, Latten nnd Eisenriegel überschütteten mit lautem 
Krachen die Geleise der Elektrischen. Den Kutscher mußte 
man unter dem Wagen hervorziehen und zum Arzt bringen, 
da er augenscheinlich innere Verletzungen davongetragen hat. 
Dom Schöneberger Depot wurden an zwanzig Angestellte 
mobil gemacht, um die Geleise frei zu legen. Trotzdem 
hatten die Wägen über zwanzig Minuten Verspätung auf 
zuweisen. 
Schlägerei. In vergangener Nacht rempelte eine 
Anzahl Steglitzer einige Friedenauer Bürger in der Lauter 
straße an und entstand schließlich eine große Keilerei. Als 
ein Gemeindediener erschien, nahmen die Prügelhelden 
Reißaus, jedoch gelang es einige derselben festzustellen. 
Schöneöerg. 
— Abgereist nach Halberstadt ist gestern Bürger 
meister Dr. Gerhardt, der bisherige Kämmerer, zur Über 
nahme seines neuen Postens. 
— Die Wahl eines Kämmerers, für welchen 
Posten der Magistrat, wie gemeldet, den Rechnungsdireklor 
Machowicz vorgeschlagen hat, kann erst nach den bis zum 
September dauernden Ferien vorgenommen werden. Diese
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.