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Periodical volume Nr. 156, 06.07.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

hiesigen Lehrter Bahnhöfe ab und trifft in Bremen um 
4.04 Morgens, im Emden um 6.26 und in Norddeich um 
8.06 Dorm. ein. — Zu den Ferienzügen nach dem Harz 
werden Vorzüge gefahren werden, die in der Regel zehn 
Minuten vor den Häuptzügen verkehren; so am 7. und 
8. Juli zu Zug 30, ab Berlin, Potsd. Bahnh. 11.55 
Vorm., Ankunft in Harzburg 4.20 Nachm. Am 6. und 
7. Juli Abends 11.25 wird je ein Gepäck-Sonderzug vom 
hiesigen Potsdamer Bahnhof nach den Harzstationen ge 
fahren. Man kann mit diesen Zügen am Vorabend der 
Abreise das Gepäck mitsenden, das dann sorgfältiger und 
pünktlicher bestellt werden kann, als dirs mit den meist 
überfüllten Personen- und Schnellzügen möglich ist. 
Lokales. 
Dieuftstundenctnteilung. Während derSommer- 
monate Juli und August ist die Dienstzeit für die Gemeinde- 
Bureaus auf die Zeit von 7 Uhr morgens bis 2 Uhr 
nachmittags festgesetzt. Das Einwohnermeldebureau bleibt 
wie bisher zur Entgegennahme von polizeilichen An- und 
Abmeldungen die zur Erledigung von dringlichen 
Angelegenheiten und Anfragen. 
f Achtuhr-Ladenschluß. Was hier in Friedenau 
nicht gelungen ist, das ist in unserer Nachbarstadt 
Schöneberg durchgesetzt worden. Seit kurzem wurde dort 
in den kaufmännischen Kreisen dafür agitiert, während der 
Sommermonate die Geschäfte bereits um 8 Uhr zu schließen. 
Die Beteiligung an der Ausführung dieses Planes ist 
schon heute eine derartig starke, daß man sie eine allgemeine 
nennen kann. Die größeren Geschäfte haben sich durch 
weg entschlossen, mährend der heißesten Zeit im Sommer 
ihre Verkaufsräume bereits um 8 Uhr zu schließen und 
so ihren Angestellten Gelegenheit zu geben, sich nach des 
Tages Last und Mühe zu erholen. Der Achtuhr-Laden- 
schluß wird zum ersten Mal am kommenden Montag er 
folgen und bis Ende September beibehalten werden. Der 
Plan, während dieser Zeit auch die Geschäfte an Sonntagen 
von 12—2 Uhr geschlossen zu halten, ist gescheitert. Es 
wäre nur interessant zu erfahren, ob dieser 8 Uhr-Laden 
schluß durch ortspolizeiliche Vorschrift obligatorisch einge 
führt worden ist, oder ob er nur auf gegenseitiger Verein 
barung der Geschäftsleute beruht. Sollte ersteres der 
Fall sein, so würden jetzt gewiß auch hier mehr Geschäfts 
inhaber für einen solchen 8 Uhr Ladenschluß zu haben 
sein, so daß die Frage vielleicht im kommenden Jahre 
mit mehr Erfolg entgegen getreten werden kann. 
-j- Der heißeste Tag war nach den amtlichen 
Beobachtungen der Beobachtungsstation in Berlin SW. 
(Teltower Straße) am Sonnabend, den 1. Juli. Mit 
einer Mitteltemperatur von 28,5# C. übertraf er selbst 
noch den heißesten Tag des berüchtigtigten Vorsommers, 
den 16. Juli 1904, um 3 / 10 Grad, während seine 
Maximaltemperatur fast genau dieselbe war wie an diesem 
Tage (36,3 gegen 36,4" 0.) Der Sonnabend war seit 
40 Jahren der heißeste Tag, der in Berlin konstatiert 
wurde. Am Sonntag blieb die Maximaltemperatur 
hinter der des Sonnabends um 1— 1 / 2 ° zurück; auch die 
Mitteltemperatur war — allenfalls nur infolge des ab 
kühlenden Gewitters — niedriger als am Vortage 
(27,0» 0)). Heute ist endlich durch die ausgiebigen 
Gewitterregen die ersehnte Abkühlung eingetreten. 
-j- Handel- und Gewerbevereiu zu Friedenau. 
Vorsitzender Herr Berger eröffnete die gestrige gut 
besuchte Monatsoersammlung um 1 / 2 ^0 Uhr und hieß vor 
allem die erschienenen Gäste herzlich willkommen. Nach 
Verlesung und Annahme des letzten Sitzungsprotokolls 
machte Vorsitzender die Mitteilung, daß der Vorstand hin 
sichtlich des 8 Uhr-Ladenschlusses in den Monaten Juli 
und August an die Gemeindevertretung mit einem dies 
bezüglichen Antrage herangegangen sei. In der kurzen 
Zeit sei aber die nötige Mehrheit nicht zu erhalten 
gewesen, immerhin hätten sich 50 Ladeninhaber für den 
8 Uhr-Ladenschluß erklärt. Zur Aufnahme in den Verein 
hat sich angemeldet Herr Kaufmann Haag, über die Auf 
nahme soll in nächster Sitzung entschieden werden. Als 
Mitglieder aufgenommen wurden die Herren Eisenhändler 
Unger und Ingenieur Schmidt. Zur Frage der Regulierung 
der Kaiserallee ergriff nach einigen einleitenden Worten 
des Herrn Vorsitzenden Berger, Herr Leo Schultz das 
Wort und führte aus, daß sich.zur Sachlage selbst nicht 
mehr viel neues sagen lasse, bemerken möchte er aber, daß 
bei Asphaltierung der Straße eine Bewäfferungsanlage 
für die Bäume nötig wäre, die 24 000 M. kosten würde. 
Auch die Unterhaltungskosten kämen bedeutend höher 
zu stehen, als angenommen, wenn auch die Unterhaltung 
des Quadratmeters nur 30 Pfg. koste, so erhalte man 
doch bei den vorhandenen 22 000 Quadratmetern den 
Betrag von 6600 M., den die Unterhaltung koste. Für 
die Reinigung der Straße müßten vier neue Gemeinde 
arbeiter angestellt werden, die ebenfalls 4000 M. kosten 
würden. Herr v. Wrochem bemerkt, daß über die Frage 
der Unterhaltungskosten noch nicht diskutiert werden 
könne, solange offizielle Zahlen noch nicht öffentlich vor 
liegen. Herr Dr. Loh mann tritt in längeren Aus 
führungen für gleichmäßiges Asphaltpflaster ein und 
bezweifelt die von Herrn Schultz gemachten Angaben über 
die Kostenhöhe der Bewässerungsanlagen für die Bäume. 
Herr Berger stellt einen Herrn Dr. Lohmann in seinen 
Ausführungen unterlaufenen Irrtum richtig, es sei in der 
letzten Sitzung nicht beschloßen worden, den einen Teil 
mit Asphalt, den anderen mit Schlackensteinen zu pflastern. 
Vor allem müsse die Kaiserallee einheitliches Pflaster 
erhalten. Herr Gerken macht die Mitteilung, daß nach 
den Erkundigungen, die er bei der Firma Jeserich & Cie. 
eingezogen habe, in der Jetztzeit die meisten Straßen 
Asphalt erhalten. Herr v. Wrochem rekapituliert noch 
mals die verschiedenen Beschlüsse, die in der Angelegenheit 
schon ergangen und fragt an, warum man am 17. Februar 
zugelassen habe, die Kaiserallee in 'der ganzen Länge zu 
asphaltieren, damals habe man nichts gehört von Wider 
spruch; am 11. Mai, als man die Anwohner im Süden 
erwürgte, habe man mit einem Male beschlossen, im Süden 
Schlackensteine zu nehmen. Herr Berger spricht sich dahin 
aus, daß bis jetzl neues die Debatte nicht gezeitigt habe. Herr 
Gerken bestreitet dies, indem er auf die von ihm vor 
gebrachten Äußerungen der Firma Jesserich hinweist. Herr 
Berger hält das Urteil Vieser Firma für nicht ausschlag 
gebend, es sei natürlich, daß die Firma ihr eigenes 
Fabrikat nicht in schlechtes Lichr stelle. Herr o. Wrochem 
kommt nochmals auf die privat erteilte Auskunft des 
Materialprüfungsamtes zu sprechen. Herr Steinmetz 
spricht sich entschieden gegen Asphalt aus. Nachdem weitere 
Redner nicht mehr zum Worte gemeldet, wird die Debatte 
geschlossen. Herr Berger macht sodann die Mitteilung, 
daß Herr Ingenieur Wolgien bereit sei, Anfragen In 
stallationen von elektrischem Lichte betreffend zu beant 
worten. Herr Leo Schultz nimmt die Gelegenheit und 
fordert die Anwesenden auf sich doch recht zahlreich von 
der Vergünstigung der Befreiung von Zählermiete zu be 
teiligen durch Anmeldung von Bezug elektrischer Kraft bis 
zum 1. August. Da Anfragen au Herrn Wolgien nicht 
gerichtet werden, werden unter „Jnteressenfragen" weitere 
Fragen aufgeworfen. Herr Kaufmann Borrmann fragt 
schriftlich an, ob derVerein nichteinmalStellungnehmenwollte 
gegen die schlechte Bedienung seitens des Telephonamtes. 
In der Diskussion wird allgemein anerkannt, daß den 
Damen keine Schuld an der mangelhaften Bedienung zu 
zuschreiben sei, vor allem mangele es eben an Personal. 
Auch über mangelhafte Zustellung der Postsendungen wird 
Klage geführt, die aber ebenfalls auf das nicht aus 
reichende Personal zurück zu führen ist. Herr Haber 
mann regt zum Schluffe noch an, daß dafür Sorge ge 
tragen werden solle, daß Friedenau eine Badeanstalt er 
halten. Herr Leo Schultz tritt ebenfalls für Errichtung 
einer Badeanstalt ein. Es wird beschlossen, die Ange 
legenheit im Auge zu behalten. Gegen 11 Uhr konnte 
die Sitzung geschlossen werden. 
f Gemeindebeamten-Vereiuigung. Der Verein 
hielt gestern im Restaurant „Kaisereiche" unter guter Be 
teiligung und umsichtiger Leitung seines Vorsitzenden 
Herrn Klauert eine Versammlung ab. Nach Erledigung 
der geschäftlichen Angelegenheiten folgte ein geselliges 
Beisammensein, welches die Mitglieder in der gemütlichsten 
Stimmung noch einige Stunden zusammenhielt. 
f Vom Schützenfest in Steglitz. Unser Mit 
bürger Herr Steinsetzmeister Nitze erhielt neben dem König 
und seinen Rittern den ersten Preis, eine prächtige 
silberne Bowle. 
f Hamburger Sänger. Der gute Ruf der 
unserem Mitbürger Steidl und seiner Gesellschaft voran 
geht, vermochte auch gestern wieder, trotz der unheimlichen 
Saalschwüle, im „Rheinschloß" einen verhältnismäßig guten 
Besuch herbeizuführen. Das vorzügliche Ensemble, in 
gesanglicher und humoristischer Beziehung, unterhielt bestens 
das vergnügte 'Publikum, welches auch wohlverdienten 
reichen Beifall zollte. Es erübrigt sich vollständig, nach 
den beiden vorangegangenen Gastspielen, nochmals auf die 
tadellosen Leistungen näher einzugehen. Als Sänger, 
Humoristen und Jnstrumentalisten bot die routinierte 
Gesellschaft das Beste und allgemein hat man den Wunsch, 
daß sie eine neue Soire geben möge, jedoch aber in einer 
Zeit, in der man nicht unter tropischer Hitze zu leiden hat. 
Wir rufen daher den Sängern aus vollem Herzen „Auf 
fröhliches Wiedersehen im Herbst" zu. 
f Barackenban. Unsere Sanitätskolonne beteiligte 
sich am Sonntag Vormittag gemeinsam mit den Steglitzer 
und Lichterfelder Kameraden in Neubabelsberg an einer 
Übung im Barackenbau. Es wurden die Deckerschen Lazaret- 
baracken aufgebaut, welche Arbeiten bis gegen 5 Uhr nach 
mittags dauerten und die größte Anerkennung des Ober 
stabsarztes Herrn Dr. Hering fanden. Die Samariterdiener 
mußten natürlich unter der furchtbaren Sonnenglut- schwer 
leiden. 
-j- Krieger- und Landwehrverein. Der Verein 
hält am Sonnabend im Vereinslokal „Hohenzollern" seine 
Monatsversammlung ab. Die Tagesordnung wird in der 
Versammlung bekannt gegeben. 
-j- Bauernregeln vom Juli. Ein trockener heißer 
Juli ist dem Landmann willkommen, denn in den alten 
Bauernregeln heißt es: „So golden im Juli die Sonne 
strahlt — so golden sich der Roggen mäht," und „Nur in 
Juliglut — Wird Obst und Wein dir gut." — „Im Juli 
muß vor Hitze braten, — Was im September soll ge 
raten." „Im Juli will der Bauer schwitzen — Anstatt 
hinterm Ofen sitzen." Dagegen: „Juli kühl und naß — 
Scheuer leer und Faß." Weiterhin spricht das Volk: 
„Wer nicht fleißig rechen tut — Wenn die Mücken summen 
— Guckt gefälligst in den Hut — Wenn der Winter ge- 
kummen". Auf die einzelnen Tage im Monat haben 
folgende Reimsprüche Bezug: 2. Juli: Maria Heim 
suchung mit Regen — Wird 40 Tuge sich nicht legen. 
8. Juli: Am St. Kilian — Säe Wicken und Rüben an. 
10. Juli: Wie's Wetter am Siebenbrüdertag — Es sieben 
Wochen bleiben mag. 13. Juli: Regnet's am Mar 
garethentag — Keine Nuß gedeihen mag'. — Die erste 
Birn braucht Margareth — Drauf überall die Ernt' an 
geht. 22. Juli: Regnet's am Magdalenentag — Folgt 
stets noch Regen nach. 25. Juli: Ist hell es auf 
Jakobustag — Bringt uns der Winter große Plag' — 
Doch Früchte man sich viel versprechen mag. Fällt an 
Jakobus die Blüte vom Kraut — Wird keine gute 
Kartoffel erbaut. Vor Jakobi schön drei Tag — Gut 
das Korn geraten mag. 26. Juli: Werfen um St. Anna 
die Ameisen auf — So folgt ein trüber Winter drauf. 
f Wohuuugsanzeiger. Jnseratenaufträge für den 
am Sonnabend zur Ausgabe gelangenden Wohnungsanzeiger 
müssen bis Sonnabend mittags 12 Uhr in der Geschäfts 
stelle, Rheinstraße 15, eingeliefert werden. 
f Polizeibericht. Als gefunden sind angemeldet worden 
1 Damenhandtasche nebst Inhalt und 1 Peitsche, als zu 
geflogen 1 Kanarienvogel. Die rechtmäßigen Eigentümer 
vorbenannter Gegenstände werden aufgefordert, ihre 
Ansprüche binnen 3 Monaten im hiesigen Amisbureau, 
Feurigstraße 8, Zimmer 26, geltend zu machen, widrigen 
falls anderweit über die Fundobjekte verfügt werden wird. 
Schöneöerg. 
— Über Grnndbefitzwechsel i« Schöneberg 
während des Monats Mai werden folgende Angaben 
veröffentlicht: Freiwillig verkauft wurden 8 bebaute und 
28 unbebaute Grundstücke. Zur Zwangsversteigerung kam 
1 bebautes Grundstück, während 6 bebaute und 1 unbe 
bautes durch Vererbung bezw. Schenkung in anderen Be 
sitz übergingen. Der Gesamtumsatz im Grundstücksoerkehr 
setzt sich aus 2 745 000 Mk, für die bebauten und 
6 981 622 Mk. für die unbebauten Grundstücke zusammen. 
— DaS Konkursverfahren über das Vermögen 
des Kaufmanns Siegfried Baron zu Schöneberg, Nöllen- 
dorfstraße 33. früheren Inhabers eines unter der Firma 
Baron & Loewinsohn in Berlin, Kronenstraße 37, 
betriebenen Geschäfts, ist nach erfolgter Abhaltung des 
Schlußtermins aufgehoben. 
— Verschüttet. Am Bahnhof General Papestraße 
wurde gestern ein Arbeiter durch herabfallende Sandmassen 
verschüttet. Bei der von Tempelhof nach Schöneberg 
führenden neuen Straßenanlage waren mehrere Arbeiter 
damit beschäftigt, Erdreich von einer hohen Böschung los 
zulösen. Dabei kam eine starke Lehmwand ins Gleiten, 
und während die übrigen sich noch rechtzeitig in Sicher 
heit zu bringen vermochten, wurde einer der Leute von 
dem Erdreich getroffen und verschüttet. Es gelang jedoch, 
den Verunglückten bald zu besteien, so daß er nur eine 
Reihe von äußerlichen Verletzungen davontrug. 
Wertin und Wororte. 
8 Die Emil Quensel-Stiftuug, deren Annahme 
die städtischen Behörden, wie gemeldet, beschlossen haben, 
ist, wie alle derartigen, gemeinnützigen Zuwendungen, nicht 
unbestritten, wie die Simon Bladstiftung u. a. wird sie 
erst im Prozeßwege erkämpft werden müssen. Das 
Testament des Erblassers, das um Juli v. Js, gerichtlich 
eröffnet worden ist, datiert vom 6. Juni 1902; es setzt 
die Stadt Berlin zur Alleinerbin des rund 665 500 M. 
betragenden Nachlasses mit der Maßgabe ein, daß der 
letztere zu einer bei der Waisenverwaltung zu begründen 
den milden Stiftung Verwendung finde. Auf dem Nach 
lasse haften 7000 M. lebenslängliche Renten und Ver 
mächtnisse in Höhe von 22 700 M. Bis hierher wäre 
Alles in Ordnung. Nun harte Herr Quensel aber seine 
durch Reskript des Justizministers legitimierte Tochter, die 
jetzt 25 Jahre alt ist, früher zur Allein-Erbin eingesetzt; 
auf diese Erbeinsetzung hat die Tochter gegen Zahlung 
von 30 000 Dt. verzichtet, den Erbverzicht dapn aber 
Ende 1901 — wegen angeblichen Zwanges — als nichtig 
angefochten. Von dem Herzog!. Landgericht in Dessau hat 
sie ein obsiegendes Erkenntnis erstritten. 
8 Das Gebäude der „Komischen Oper" am 
Weidendamm geht seiner äußeren Vollendung entgegen. 
Das verhältnismäßig kleine Grundstück ist sehr geschickt 
ausgenützt worden, denn der Zuschauerraum des neuen 
Hauses, das im Oktober d. Js. eröffnet werden soll, wird 
1280 Sitzplätze enthüllen (das Opernhaus faßt 1546 und 
das Schauspielhaus 1050 Personen. Das Theater hat ein 
Parkett und drei Ränge, jeder Rang hat an beiden Seiten 
je ein besonderes breites Treppenhaus und einen Korridor, 
der in direkter Verbindung mit dem Treppenhause steht.' 
Außerdem bekommt jeder Rang eine besondere Garderobe. 
Die Beleuchtung wird eine indirekte sein, d. h. bei Ver 
meidung eines Kronleuchters werden die elektrischen Be 
leuchtungskörper in den Stuckverzierungen angebracht werden. 
Das Orchester liegt tiefer als der Zuschauerraum und wird 
Platz für die 60 Mitglieder bieten, aus denen die Kapelle 
besteht. Auf der Bühne, die gleich dem Zuschauerraum 
im ersten Stockwerk liegt, wird durchweg elektrischer Betrieb 
herrschen, auch wird sie mit den neuesten maschinellen Ein 
richtungen versehen werden. Zur Regelung des Wagen- 
verkehrs hat auf Anordnung der Polizei unterhalb der an 
der Ostseite des Hauses gelegenen Bühne eine lange Durch 
fahrt hergestellt werden müssen, die vom Weidendamm 
nach der auf der Ostseite vorläufig noch geschlossenen Privat 
straße führt, welche die Friedrichstraße mit der Prinz LouiS 
Ferdinandstraße verbindet. Durch diese Durchfahrt soll 
vor allem eine Mehrbelastung der Friedrichstraße vermieden 
werden. 
§ Neue Brücke. Die neue monumentale, aus 
Eisen und Stein bestehende Fußgängerbrücke, die im Zuge 
der Flensburgerstraße über die Unterspree nach dem auf 
dem rechten Ufer im Entstehen begriffenen neuen Stadt 
teil hinüber führt, ist nahezu vollendet. Besonders 
wirkungsvoll nehmen sich die beiden hohen architektonisch 
sehr schön ausgestalteten Sandsleinlore aus, die sich auf 
den Uferpfeilern aufbauen. Die Brücke wird vor allem 
auch den Schülern des Werderschen Gymnasiums zu Gute 
kommen, das bekanntlich nach dem neuen Stadtteil verlegt 
werden wird. 
8 Der neue, aus grauem Syenit bestehende 
Grabstein des „Geister-Hoffmann" ist jetzt am Grabe 
auf dem alten Jerusalemer-Kirchhof an der Bellealliance 
straße aufgestellt worden. Der Stein ist etwas höher als 
der alte, die Inschrift lautet: „E. T. W. Hoffmann geb. 
zu Königsberg 24. Januar 1776 gest. zu Berlin den 
25. Juni 1822 Kammergericht5rat, ausgezeichnet im Amte, 
als Dichter, als Tonkünstler, als Maler. Gewidmet von 
seinen Freunden." 
8 Familieudraura. Gestern nachmittag versuchte 
der Kutscher Paul Scherer, Pücklerstr. 50 wohnhaft, seine 
Frau zu vergiften. Es goß ihr, als sie von Hause ab 
wesend war, in den Kaffee einen viertel Liter Lysol, in 
der zugestandenen Absicht, sie dadurch zu töten. Die Frau 
merkte jedoch an dem eigenartigen Geruch rechtzeitig das 
Gift und erstattete Anzeige, worauf der Mann verhaftet 
wurde. Grund zur Tat sind aufs neue ausgekrochene 
Ehezwistigkeiten, infolgedessen die Frau schon früher ein 
mal vier Wochen von ihrem Mann getrennt gelebt hatte. 
Gerichtliches. 
P. Wechselreiterei führte den Kaufmann Willy Wurzel von dem 
Strafrichter. Dem Genannten war zu Geschäftszwecken ein Darlehn 
von 4000 M. in Aussicht gestellt. Als er sein- Bemühungen in 
dieser Beziehung vereitelt sah, griff er zu einem ebenso gefährlichen 
als auch strafbaren Mittel der Selbsthilfe. Er fälschte Wechsel über 
2000 M., 609 M., 150 M., 2250 M. und 950 M auf dem Namen 
des Kohlenhändlers Albert Hermann und der Hausbesitzern Frl. Graf.
        
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