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Periodical volume Nr. 154, 04.07.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Monats und zwar am 22. einen denkwürdigen Tag feiern; 
sind es doch an diesem Tage 25 Jahre, seitdem er sich in 
den Dienst der Kirche gestellt hat. Gewiß eine schöne 
Zeit, 25 Jahre Seelsorger! Im Jahre 1893 an unsere 
Kirche berufen, hat sich Herr Pastor Goernandt in den 
12 Jahren auch - hier allgemeine Beliebtheit und Hoch 
schätzung erworben. Es ist deshalb nicht zu verwundern, 
wenn sich keine vielen Freunde rüsten, ihm an diesem Tage 
besondere Ehrungen zu teil werden zu lassen. 
-s- Die neue» Stratzenbahuverbindnugen der 
Linien 61 und 88, die bekanntlich von der Rheinstraße 
durch die Saar- und Beckerstraße zum neuen Schöneberger 
Krankenhause führen werden, schreiten im Ausbau rasch 
oorwärts. Die Geleise sind nunmehr in der Beckerstraße 
bereits gelegt, so daß mit der Anlage der Oberleitung in 
nächster Zeit begonnen werden kann. Werden die Arbeiten 
in gleicher Weise weiter gefördert, so besteht wirklich Aus 
sicht, daß die Strecke am 1. August dem Betriebe über 
geben werden kann. 
t Unsere Schmuckanlagen. Floras Frühlings 
kinder sind verblüht, nichtsdestoweniger prangen unsere 
Schmuckanlagen in nicht minder schönem buntfarbigen 
Kleide. Das Auge eines jeden Blumenfreundes wird mit 
stiller Freude auf den so sinnreich angelegten Beeten unserer 
Schmuckanlagen ruhen bleiben. Was vor allem die Schmuck 
plätze so anmutig macht, das ist die gefällige Anlage, die 
sinnreiche Anordnung der einzelnen Blumen. Infolge der 
wirklich sorgsamen Pflege, die ja gerade in diesen heißen 
Tagen besonders nötig ist, zeigen sich jetzt die Anlagen in 
ihrer schönsten Pracht. 
f Gepäckbeförderung auf der Stadtbahn. Im 
Hinblick auf den Ferien-Berkehr sei daran erinnert, daß 
daß auf den Stadtbahnstationen aufgelieferte, für die Vor 
ortstationen der Strecke Erkner-Fürstenwalde bestimmte 
Gepäck aus Betriebsrücksichten auf dem Schlesischen Bahn 
höfe umgeladen werden muß. Es kann deshalb vor 
kommen, daß das Gepäck später auf der Bestimmungsstation 
eintrifft, als die Reisenden. Wer dies vermeiden will, 
muß das Gepäck auf dem Schlesischen Bahnhöfe aufgeben; 
von hier aus findet die direkte Gepäckabfertigung statt. 
-s Brennkaleuder für den Monat Juli. Die 
Abendlaternen werden angezündet vom 1.—19. Juli 
um 91/2 Uhr, vom 20.—27. Juli um 9 J / 4 Uhr und vom 
28.—31. Juli um 9 Uhr und brennen bis l 3 / 4 Uhr. Die 
Richtlaternen brennen am 1. und 2. Juli von 9 l / 2 bis 
2V4 Uhr, vom 3.—19. Juli von 9 l / 2 —2 i / 2 Uhr, vom 
20.—27. Juli von 91/.—2«/ 4 Uhr, vom 28.—31. Juli 
von 9—31/4 Uhr. 
f Das Getreide in den Feldern unserer nächsten 
Umgebung geht bereits der Reife entgegen. Trotz der 
schweren Gewitterregen der letzten Wochen ist der Saaten 
stand im allgemeinen ein guter zu nennen, sodaß auch 
Hoffnungen auf gute Ernte bestehen. 
t Handels- und Gewerbeverein zu Friedenau. 
Ordentliche Monatsversammlung am Mittwoch, den 5. Juli, 
pünktlich Abends 9 Uhr, im Restaurant „Hohenzollern", 
Handjerystraße 64 Tagesordnung: 1. Verlesen des 
Protokolls der letzten Sitzung. 2. Aufnahme und An 
meldung neuer Mitglieder. 3. Ausbau der Kaiserallee. 
4. Jnteressenfragen und Fragekasten. 
-j- Deutschnationaler Handlungsgehilfen-Ver- 
band, Ortsgruppe Friedenau. Morgen Mittwoch Abend 
9 l / 2 Uhr pünktlich im Vereinshause Piater & Co. geschäft 
liche Sitzung. Tagesordnung: 1. Kaufmannsgericht. 
2. Bücherei. 3. Ersatzwahlen. 4. Zeitungsversand. 
5. Verschiedenes. — Geselligkeit. Kaufleute als Gäste 
willkommen. 
Hamburger Sänger. Wir machen hiermit noch 
mals auf die morgen, Mittwoch, stattfindende Soiree der 
Hamburger Sänger aufmerksam. Wer Gelegenheit hatte, 
schon einmal einer Vorstellung dieser Sänger beizuwohnen, 
der wird gewiß nicht versäumen, morgen Abend wieder ins 
Rheinschloß zu kommen, um die so beliebte Sängerschar 
zu hören. Die Bortragsfolge ist vollständig neu. 
-j- Kinderfest« Donnerstag Nachmittag findet in 
der Feldkantine von Herrn Fritz Behrendt daS erste 
diesjährige große Kinderfest statt. Es sind zahlreiche Vor 
bereitungen getroffen, um unseren lieben Kleinen wirklich 
hübsche Überraschungen zu bereiten. Besonders in diesen 
heißen Sommertagen ist der Aufenthalt in dem kühlen 
Garten als Abendaufenthalt ganz besonders zu empfehlen. 
1° Zusammenstoß. In der Rheinstraße Ecke Ring 
straße. fuhren gestern Abend ein Radfahrer mit einem 
Transport-Dreirad eines Berliner Wäschegeschäfts zusammen. 
Der Radfahrer wurde vom Rade geworfen und erlitt 
ziemlich bedeutende Hautschürfungen, während das Rad 
unversehrt blieb. Das Transport-Dreirad wurde nur leicht 
beschädigt. Die Schuld an dem Zusammenstoß wollte 
natürlich keiner der Beteiligten tragen. 
-j- Zum Tode des Schlossers Moriz, der, wie mit 
geteilt, am Sonntag Mittag im Karpfenteich im Botanischen 
Garten zu Dahlem ertrunken ist, erfahren wir noch Einzel 
heiten, die den jungen Mann, der in diesem Jahre zum 
Militär kommen sollte, gerade nicht als braven Sohn er- 
scheinen lassen. Er soll zu wiederholten Malen im Zorn 
gegen seine Eltern tätlich vorgegangen sein und noch am 
Sonntag Vormittag seinen Vater mit dem Meffer bedroht 
haben. Wohl aus diesem Grunde zeigten die Eltern nicht 
besonders großen Schmerz, als ihnen der Tod ihres Sohnes, 
der schon einnial in einer Erziehungsanstalt zur Befferung 
seines Lebenswandels untergebracht war, mitgeteilt wurde. 
t Pottzeibericht. Als zugeflogen wird ein Kanarien 
vogel gemeldet. Gefunden wurde ein Portemonnaie mit 
Inhalt. Näheres im Polizeibureau in der Feurigstraße. 
Schöneöerg. 
— In der gestrigen Sitzung der Stadtverord 
neten Versammlung wurde vor Eintritt in die Tages 
ordnung derbekannte Briefverlesen,in dem Prof. Dr.Mellmann 
die zum zweiten Maxaus ihn gefallene Wahl zum Direktor 
an der Hohenzollernschule mit Dank ablehnt. Eine 
längere Debatte entspann sich über die Beantwortung der 
an den Magistrat von den Stadtverordneten Reinbacher 
und Genossen gerichteten Frage betr. angebliche Beschwerden 
über die Handhabung der Geschäfte der Steuer-VeranlagungS- 
kommiffion. In der sehr ausführlichen Beantwortung der. 
Frage heißt es zunächst: „Dem Magistrat sind keine ernst 
haften und berechtigten Beschwerden über die Art, in der 
die staatliche Steuereinschätzungsbehörde in unserer Ge 
meinde ihres Amtes waltet, bekannt geworden. Er hat 
deshalb keinen Anlaß. Maßregeln zu treffen, daß nicht 
übertriebene Härten bei der Veranlagung eintreten. Be 
kannt ist dem Magistrat nur, daß in einer Berliner Tages 
zeitung (Berliner Tageblatt) Artikel erschienen sind, die 
Angriffe gegen die Schöneberger Einkommensteuer-Veran- 
lagungs-Kommission und deren Vorsitzenden enthielten. 
Diese Zeitungsartikel haben auch anscheinend den Anlaß 
zu der Anfrage der Stadtverordneten Reinbacher und Ge 
nossen gegeben. Nachdem die Preßangriffe sich wieder 
holten, erschien es auch uns im Interesse unserer Stadt 
erwünscht, die gestellte Anfrage bald möglichst in öffent 
licher Sitzung der Stadtoerordneten-Ve.sammlung zu be 
antworten. Der Magistrat hatte dann die Absicht, durch 
Mitteilung zahlreicher Einzel-Veranlagungsfälle, wenn auch 
ohne Namensnennung, die Berechtigung des Vorgehens 
der Veranlagungsbehörde zu erweisen. Da die Veran 
lagungskommission indeß ein staatliches Organ ist, so mußte 
vorher die Genehmigung der Aufsichtsbehörde eingeholt 
werden. Diese gab den Bescheid, daß sie die beantragte 
Genehmigung nur in beschränktem Maße erteilen könne. 
Die Widerlegung der erhobenen Angriffe würde wohl 
durch Mitteilung von Einzelfällen leicht dargetan werden. 
Hiergegen aber sprächen die über die Sicherung der Ge 
heimhaltung der Steuererklärungen und der darüber ge 
pflogenen Verhandlungen bestehenden Vorschriften (§ 69 
E. St. G.). Daher müsse ' es genügen, wenn der 
Stadtverordneten - Versammlung zunächst nur eine Be 
antwortung allgemeinen Inhalts zuteil wird. In der 
Diskussion erklärte der Stadtv. Reinbacher, daß in der 
Beantwortung des Magistrats Erhebliches gegen die Be 
schwerden nicht habe vorgebracht werden können, während 
Stadtv. Dr. Marwitz sie für widerlegt hielt. Stadtv. 
Kuznitzky hielt die ganze Besprechung mit Rücksicht darauf, 
daß die Veranlagungs-Kommission zur Geheimhaltung ver 
pflichtet sei, für zwecklos. Von anderer Seite wurde her 
vorgehoben, daß man sich weniger über die Höhe der 
Veranlagungen als über die vielen Scherereien, denen die 
Leute ausgesetzt sind, und über die vielen auszufüllenden 
Formulare und Rubriken beklage. Namentlich Kaufleute 
würden oft zur Vorlegung von Büchern aufgefordert, die 
sie garnicht führen und auch garnicht zu führen brauchen. 
Stadtv. Küter teilte mit, daß er und zwei andere sozial 
demokratische Stadtverordnete zu hoch eingeschätzt worden 
wären und daß sie hiergegen mit Erfolg Einspruch erhoben 
hätten. Stadtv. Marie hob als langjähriges Mitglied der 
Voreinschätzungs-Kommission hervor, daß es aber unter den 
Zensiten auch viele Drückeberger gebe und daß daher genaue 
Recherchen oft wohl am Platze wären. Es folgte sodann 
der Bericht des Ausschusses über den Antrag der Stadtv. 
Küter und Genossen betr. Erhöhung der Löhne der städt 
ischen Arbeiter. Dieser Erhöhung wurde zugestimmt, auch 
wurde beschlossen, sie schon vom 1. Juli d. Js. ab eintreten 
zu lassen. Zugleich wurde der Magistrat ersucht, bis zur 
nächsten Sitzung den finanziellen Effekt nach den gefaßten 
Einzelbeschlüffen berechnen zu lassen. Der Antrag des 
Stadtv. Linicus und Genossen, den Magistrat zu ersuchen, 
dafür Sorge zu tragen, daß schleunigst der Mangel an 
Schulräumen für die schulpflichtigen Kinder der Insel 
(Stadtteil zwischen Potsdamer und Anhalter Bahn) beseitigt 
werde, wurde angenommen. Die Petitionen wegen 
Asphaltierung eines Teiles der Hohenstaufenstraße und 
wegen Verbreiterung der Sedanbrücke wurden dem Magistrat 
zur Berücksichtigung überwiesen. Die Projekte für die 
Neubauten der höheren Mädchenschule und der Realschule 
wurden genehmigt. Der Antrag des Stadtv. Zobel und 
Genossen betr. die Instandsetzung des städtischen Spiel 
platzes und Bewilligung von 450 M. zur Veranstaltung 
von Ferienspielen wurde angenommen. Die nächste Sitzung 
der Stadtverordneten-Versammlung findet Anfang Sep 
tember statt. 
— Bestätigung. Dem Leiter der Realschule 
Professor Dr. Stoewer wurde vom Kaiser die Bestätigung 
als Direktor der Anstalt erteilt. 
Berlin und Wororte. 
§ Die Beschwerden der Droschkenkutscher 
gegen die neue Fahrordnung werden gegenwärtig im 
Ministerium des Innern eingehend geprüft. Wie verlautet, 
dürfte eine Abänderung des § 112, nach welchem die 
Droschken erster Klasse (es kommen nur etwa 300 in 
Frage) bis zum 1. Oktober d. I. mit Fahrpreisanzeigern 
versehen sein müssen, nicht zu erwarten sein. Die Ein 
führung der' Taxameter-Droschken lag ebensowohl im 
Interesse des Publikums, wie der Droschkenkutscher selbst, 
was von den letzteren bezw. deren Vertreter bei Beratung 
der neuen Fahrorvnung auch anerkannt worden ist. Was 
die angeblichen Bestrafungen anbetrifft, so ist nach amt 
licher Auskunft eine Bestrafung wegen Übertretung neuer 
Vorschriften überhaupt noch nicht erfolgt; die Mehrzahl 
der in Frage kommenden Strafen ist verhängt worden, 
weil die Kutscher — entgegen der Vorschrift des § 71 — 
die ungezäumten Pferde, beim Füttern oder Tränken, 
unbeaufsichtigt gelassen haben, wodurch großes Unheil 
herbeigeführt werden kann. Dies im Interesse der öffent 
lichen Sicherheit erlassene Verbot besteht indeß schon seit 
langen Jahren. An Jbie Beseitigung der Scheuklappen 
endlich haben sich sowohl die Kutscher, wie die Pferde, 
längst gewöhnt; in einzelnen Ausnahmefällen ist ihnen 
aä ocolos demonstriert worden, daß es auch ohne Scheu 
klappen „geht" und mehrere der widerstrebenden Kutscher 
haben hinterher dankend anerkannt, daß diese Neuerung 
in ihrem eigensten Interesse liegt: ein Dröschkengaul, der 
vordem vor jeder Eisenbahn-Uberführung störrisch auf 
bäumte, geht jetzt, ohne Scheuklappe schlankweg unter den 
Brücken hindurch und zeigt gar keine Furcht mehr vor den 
Lokomotiven. Nach Sachverständigen - Gutachten könnte 
heute die Scheuklappe allenfalls noch in Frage kommen, 
wenn Rassepferde von verschiedenem Temperament neben 
einander eingespannt sind. 
8 Für die elektrischeBeleuchtnng der Friedrich 
straße sind jetzt in dem zwischen dem Belleallianca-Platz 
und der Kochstraße gelegenen südlichen Teile für die hier 
aufzuhängenden 25 Bogenlampen die Drähte sämtlich ge 
spannt werden. Man hat sie Dank dem Entgegenkommen 
der Hausbesitzer ohne Ausnahme mittels Rosetten an den 
Fassaden der Häuser und zwar über den Fenstern des 
2. Stockwerks angebracht. Die Lampen werden wie in der 
Leipzigerstraße über der Mitte des Fahrdammes hängen. 
Zuschriften. 
Zur Frage der Pflasterung der Kaiserallee stellt uns Herr 
Schöffe Bache ein an ihn gelichtetes Schreiben des Geheimen Ober- 
baurats O. Sarrazin Hierselbst vom 2. d. M. zum Abdruck zur 
Verfügung. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: 
Sehr geehrter Herr Geheimrat! Zur Frage selbst stehe ich so, 
daß ich Schlackensteinpflaster gegenüber Aiphaltpflaster für minder 
wertig halte — darüber besteht für mich als Techniker kein Zweifel. 
Und eine Straße mit Schlackensteinpflaster erscheint einer Straße mit 
Asphalt gegenüber in gewissem Sinne ebenfalls als minderweriig. 
Nun erinnere ich mich genau, daß als in Schöneberg vor einigen 
Jahren der Plan einer Eingemeindung Friedenaus in Frage war, 
der dortige Herr Erste Bürgermeister mit besonderem Nachdruck darauf 
hinwies, tag die Kaiserallee ihrer ganzen sage nach als Verkehrs- 
straße eine Zukunitsstraße ersten Ranges fei, und daß deren Besitz in 
der Ausdehnung Friedenaus für Schöneberg höchst begehrenswert und 
wichtig fei. Im „Fried. Lokal-Anz." fand diese Beweisführung des 
Cchönebergcr Herrn Bürgermeisters damals einen beredten Widerhall, 
wie dort nachgelesen werden kann. 
Nun meine ich, daß man eine Zukunftsstreße ersten Ranges bei 
einer auf Jahrzehnte berechneten Neupfla-'erung nicht mit einem 
minderwertigen Pflaster versehen darf — weder im ganzen noch stück- 
weise, soweit die Gemeinde Friedenau dies in der Hand hat. Und 
weiter meine ich, daß wenn dies geschehen sollte, die Katserallee in 
ihrer Bedeutung als ZukunftSstraße auf Jahre hinaus geschLdigt und 
heruntergedrückt wird — und zwar im vorliegenden Falle zugunsten 
der Rheinstraße, die Asphaltpflaster besitzt. 
Sollte für die Kaiserallee wirklich Schlackensteinpflaster beschloffen 
werden — ganz oder zum Teil —, was ich mir vorläufig nicht 
denken kann, so würde ich es ganz begreiflich tznden, wenn die 
Bestrebungen für eine Eingemeindung nach Schöneberg neue Nahrung 
erhielten, in erster Linie bei den Anwohnern der Kaiserallee, und daß 
dahingehende Anträge auf Erörterung dieser Frage z. n. im Haus- 
und Grundbesitzeroeretn eingebracht würden. Man könnte, und zwar 
mit einen Schein vom Recht, geltend machen, daß offenbare Jnter- 
effen der Einwohner in dem größeren Gemeinwesen zweifellos mehr 
Verständnis fänden und daß man in einem großen Gemeinwesen 
überhaupt am besten davor gesichert sei, daß nicht untergeordnete 
Wettbewerb-Rücksichten ausschlaggebend würden, daß dort vielmehr 
z. B. der Grundsatz anSschlaggecend sein würde: große städtische 
Verkehr?- und Zukunftsstraßen müssen mit Pflaster erster Ordnung 
versehen werden. 
Da ich auS meinem Herzen keine Mördergrube zu machen pflege, 
so stelle ich Ihnen selbstverständlich anheim, von diesem Briefe jeden 
Ihnen angemessen erscheinenden Gebrauch zn machen. 
Bezugnehmend auf Ihren gestrigen Artikel in Ihrer werten 
Zeitung gestatten Sie, daß ein Frredenauer Bürger der großes Ge- 
meinde-Jntereffe zeig:, einiges zu erwidern wagt. Sie schrieben, daß 
nur ein Zuhörer bei der letzten Sitzung des Gemeinderates sich ein 
gefunden hatte. Ist es ein Wunder, wenn Herr Amtsvorsteher 
Schnackenburg die Gemeindevertretung schon um 6 Uhr zusammen- 
ruft, wo viele Handwerker, Arbeiter und Gewerbetreibende noch nicht 
mal zu Hause sind, viel weniger um 6 Uhr schon im Sitzungssaal sein 
sollen, wo doch sehr viele Bürger in Berlin beschäftigt find. Bitte 
sorgen Sie, geehrter Herr Schultz, doch dafür, daß die Sitzungen doch 
um 8 Uhr beginnen, dann werden dieselben auch zahlreicher besucht 
fein. Nun die Berichterstattung. Die Leistungen unserer Gemeinde 
sind mit jedem Jahr gewachsen. Damit wächst aber auch die 
Protokollführung. Die Eintragung und Protokollführung dieser 
nackten Beschlüsse allein genügt nicht mehr, dazu gehören auch die 
Ausführungen der einzelnen Redner, denn aus diesen geht erst die 
Tragweite der Beschlüsse hervor. Nun könnte einem ja entgegen- 
gehalten werden, daß diese Reden ja in unserm „Frieden. Lokal-Anz. 
festgelegt würden. Gewiß, die Zeitungsberichte feien aber nicht 
immer einwandsfrei. Es sei durchaus notwendig, daß daneben eine 
autentische Festlegung der Reden vorgenommen wird. In einem 
Zeitungsbericht könne daS natürlich nicht geschehen. Die Zeitung sei 
darauf angewiesen, möglichst schnell zu berichten, und sei garnicht 
imstande ein vollständig genaues Bild zu geben waS gesprochen 
wurde. Dauert nun eine Gemeinderatssitzung etwa 4 Stunden, wie 
das nicht selten der Fall ist, so hat der Berichterstatter ein sehr 
schwieliges Werk zu verrichten, er. muß die Reden gan, gewaltig 
kürzen, aber doch darauf achten, daß die Gedanken des Redners im 
allgemeinen noch in der kurzen Wiedergabe enthalten find. Meine 
Ansicht, von einem den Bedürfnissen unserer Gemeinde entsprechenden 
Protokoll wäre die: Neben der durch die Gemeindeordnung vorge 
schriebenen Protokollführung müßten die Reden von einem Steno- 
graphen aufgenommen, gedruckt den Gemeinderatsmitgliedern zuge- 
stellt, eventl. auch ein Abonnement für Interessenten außerhalb de« 
Gemeinderats eröffnet werden. Ein solches Protokoll würde für die 
jungen Kräfte des Gemeinderates, eine Fundgrube für das Studium 
der kommunalen Aufgaben sein. A. H. 
Vermischtes. 
* Merkwürdige Verkehrshindernisse kommen in Amerika 
vor. Man erinnert flch, daß ein Schnellzug stecken bi et», weil ein 
Riesenftrom von Raupen weit und breit über die Gleise kroch. Jetzt 
hat der Pacific-Dampfer „City of Peru" in San Franzisko eine 
zwölfstündige Verspätung erlitten, weil die Quarantäne-Beamten an 
Bord den Ausbruch der schwarzen Pocken vermuteten. Einige der 
von Panama kommenden Damen klagten nämlich über rötlicbe 
Pusteln, die sich lästig bemerkbar machten. Nach eingehender Unter- 
suchung stellte sich aber heraus, oaß man es mit Flohstichen zu tun 
hatte. Eine lustige Gesellschaft dieser niedlichen Haustiere hatte die 
weite Seereise mitgemacht. 
* Zuviel verlangt. Doktor: „Eie müssen also das Rauch n 
und Trinken ganz einstellen und dabei baden geh.« und sich viel Be- 
wegung verschaffen." — Patient: „Ich danke, va werde ich mir weit 
lieber einen anderen Arzt verschaffen." 
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