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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Beilage zu Nr. 305 des „Friedenauer Lokal-Anzeiger". 
Sonnlagsptauderei. 
Zum neuen Jahr den alten Bater, 
Deß starker »nn die Welten hält; 
Er hat fein Volk seit grauen Tagen 
«ns Adler-flügeln treu getragen, 
Ihm sei die Zukunft hingestellt. 
Wenn die weithin hallenden Schläge der alten Kirch 
turmuhr das neue Jahr verkündet haben, wenn das Gläser 
klingen, daS Prositrufen verhallt ist, und daS tiefe, nächt 
liche Schweigen wieder in seiner geheimnisvollen Weise 
über der Erde lastet und unS in Träume einspinnt, dann 
lasten wir gern die einzelnen Phasen deS verflossenen Jahres 
an unserem inneren Auge vorüberziehen. Die milden 
Sonnenblicke und die kalten Regenschauer, die öden Wind 
stillen und die wilden Stürme. 
Wir alle, ob hoch, ob niedrig, ob arm oder reich, ob 
in der Blütenkraft des Lebens stehend, oder auf einem 
mehr oder minder sanften Abhange der Grabesliefe zu 
gleitend, wir alle werden von den LebenSwellen geschaukelt, 
und bald zum Gipfel bald zur Tiefe getragen. Und wenn 
wir denken, daß eS nur uns allein so ergeht, daß sich über 
anderen viel beneideten ein ewig blauer Himmel wölbte, 
während wir den Slprillaunen des Schicksals stille halten 
wüsten, so täuscht sich unsere Kurzsichtigkeit. 
Wer Gelegenheit hat, einen Blick hinter die Toulisten 
deS Menschendaseins zu werfen, und zugleich die seltene 
Fähigkeit besitzt, sich in daS Denken und Fühlen anderer 
hineinzuversetzen, der gewahrt wohl auch da diese steten 
Sonnabend, den 30. Dezember 1905. 
Hebungen und Senkungen die den Pulsschlag des Lebens 
bilden. 
Ja, daS Dasein — kann man kühn behaupten — ist 
umso ärmer, je geringer eben diese Schwankungen sind, 
und kein gefährlicheres Danaergeschenk könnte der Mensch 
heit werden, als ein stete* kampfloses Wohlergehen. In 
seiner verweichlichenden entnervenden Atmosphäre siecht alle 
geistige und körperliche Spannkraft dahin. 
Lehrt unS nicht das Schicksal ganzer Völker, die in 
Wohlleben und Üppigkeit versunken, dem Htz-n Anprall 
deS Schicksals erlagen, welche Gefahren solch eine vo^uns 
so sehnlich erwünschte glückliche Ruhe birgt? Wie manrM^ 
was uns im ersten Augenblick als ein Glücksfall erscheint, 
entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ein verkapptes 
Unglück I 
Im Gegensatze hierzu sagt ein tiefsinniger Spruch der 
Alten, daß diejenigen die Lieblinge der Götter seien, denen 
sie die unendlichen Leiden und die unendlichen Freuden 
ganz schenken. 
Erst lange, lange Jahre nachher, nachdem unS ein 
heißer Lieblingswunsch versagt worden ist, oder wir unS 
durch Widerwärtigkeiten aller Art hindurchkämpfen mußten, 
sehen wir ein. daß unser edleres Selbst Nutzen davon 
gezogen. 
Wie sagt Geibel? 
Kommt Dir ein Schmerz, so halte stille, 
Und frage, was er von Dir will. 
Die ew'ge Siebe schickt Dir keinen 
BloS darum, daß Du möchtest weinen. 
Allein gewöhnlich sträubt sich unser Herz in seiner 
Verzagtheit und Selbstsucht gegen diese Annahme. Fast 
immer vergißt eS, daß die Welt nicht um seinetwillen da 
ist, sondern es nur eine winzige Begleiterscheinung des ge 
waltigen WerdeprozesteS ist, besten Anfang und Ende in 
seiner unergründlichen Erhabenheit unsere Seele mit 
Schauern der Ehrfurcht erfüllt! 
Zum neuen Jahr die alten Sörzen, 
Noch find wir nicht im Jubeljahr! 
Noch wallen wir auf Pilgerwegxp. 
Berg auf, Berg ab, in ^Eonn' und Regen 
Roch gilt's zu kämpfen immerdar, 
singt Gerok. Darum unverzagt ^ upd mutig vorwärts! 
Nicht mit übertriebenen, unerfüllbaren Hoffnungen wollen 
wir in diesen neuen Lebensabschnitt hineintreten, aber 
auch nicht mit ebenso törichtem Bangen. Im Grunde ge 
nommen, halten sich die meisten Jahre die Wage. Wohl 
neigt sich das Zünglein bisweilen ein wenig mehr zu 
Gunsten der angenehmen, als der unangenehmen Creig- 
niste. Aber wenn man eine lange Reihe überblickt, wird 
man doch mit wenigen Ausnahmen finden, daß eines auch 
hinsichtlich des Inhalts die Fortsetzung der anderen 
bildet. 
Was wir uns wünschen wollen, ist: 
Zum neuen Jahr ein neuer Herz, 
Ein frischer Blatt im LebenSbuch, 
Die alte Schuld sei auSgestrtchen, 
Der alte Zwist sei ausgeglichen, 
Und ausgetilgt der alte Fluch. 
DaS malte Gott! 
Amtliche Anzeigen. 
Sitzung 
der Gemeinde-Vertretung. 
Die Herren Schöffen und Gemeinde- 
verordneten beehre ich mich zu einer 
Sitzung der Gemeindevertretung auf 
Donnerstag, de» >1. Januar k. I., 
Nachmit ags 8 Uhr 
im Sitzuugssaale de« Gymnasial» 
aebäude» an» Maybachplatz» unter 
Mitteilung der Tagesordnung mit dem 
Hinweis ergebenst einzuladen, daß die 
Vertretung bei Anwesenheit von mehr als 
12 Mitgliedern beschlußfähig ist und die 
Nichterfcheinenden fich den gefaßten Be- 
schlüffen zu unterwerfen haben. 
1. Mitteilungen deS Gemeindevorstandes 
2. TageSordnung: 
a) in öffentlicher Sitzung: 
1. Beschlußfassung über sie Giltigkeit 
seiner Wahl und Einführung der neu 
gewählten Gemeinde-verordneten Heun 
Rentier Gerken. 
2. Genehmigung zur Verwendung der 
10C0 Mk.-Beihilfen der Feuer verficherungS- 
Sesellscha'ten. 2 Lesungen. Referent Herr 
Schöffe Sadäe. 
3 Genehmigung eines Nachtrag» zum 
OrtSsta'ut betr. die Anstellung der Ge- 
meindebeamten vom ll. Januar 1901. 
Referent der Unterzeichnete. 
4. Vertrag mit der Oberpost-Direktion: 
a) wegen der Starkstrankkabel in der 
Rheinstraße, 
d) wegen Verlegung eine« RohrpoftrohreS 
Referent Herr Schiffe Draeger, 
5. KaifergebnrtStagSfeier. Refererent 
der Unterzeichnete. 
6. Bewilligung der Mittel einer Stiftung 
aus Anlaß der Silberhochzeit de» Kaiser. 
paareS. 2 Lesungen. Referent der Unter 
zeichnete. 
b) in geheimer Sitzung: 
7. Wahl eines Mitgliedes deS Vau 
auSfchuffeS.' 
8. Genehmigung eines Straßenbau- 
Vertrages. 
9. Bewilligung der Kosten für Her- 
strllung einer Urkunde. 
Referent zu Punkt 7—S der Unter 
zeichnete. 
Die bezüglichen Vorgänge und Akten 
find während der Dienststunden in meinem 
Amtszimmer für die Herren Gemeinde- 
verordneten einzusehen. 
Friedenau, den 30. Dezember 1905. 
Der Gemeinde -Vorsteher. 
Schnackenburg. 
jqmiflri 
1006 
Das ist der Tag, 
an dem man sich und seinen Lieben das Beste wünscht 
für das neue Jahr, vor allen Dingen Gesundheit. 
Venn dieser Wunsch in Erfüllung gehen soll, dann 
>- muß man auch entsprechend leben, muß man auf- - 
regende, die Gesundheit schädigende Getränke vermeiden und durch zuträgliche ersetzen. Hier kommt vor allem 
Kathreiners Malzkaffee, der nach den Urteilen der Aerzte ein vollkommen unschädliches, angenehmes Getränk 
darstellt, das durch seine hervorragenden Genußeigenschaften für Erwachsene wie für Kinder, für Gesunde wie 
für Kranke, einen wertvollen, geradezu unersetzlichen Grundbestand der täglichen Kost bildet. 
Der echte „Kathreiner" — der nur in geschlossenem j)aket mit Bild und Namenszug des Pfarrers Kneipp 
verkauft wird — zeichnet sich — das verdient besonders hervorgehoben zu werden — durch einen köstlichen 
aromatischen Kaffee-Geschmack vor sämtlichen anderen „Malzkaffees" aus. 
wohlauf also — Das neue Jahr mahnt uns laut an den wert der Zeit und an den wert dessen, was 
unser Leben verlängert, indem es uns gesund und ftisch erhält. — Dazu gehört auch „Kathreiners Malzkaffes"! 
- — ° Akademische Schule /Sr bild. Kunst von Conrad sehr, 
Frege-Strasse 5 
Kirchliche Nachrichte». 
Friede»«». 
Sonntag. 
vorm. 10 Uhr: P. Klein«. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Borm. 11'/, Uhr Kindergottrsdienst 
P. Kleine. 
Rachm.ZUhrSilvesterfeier: P.Görnandt. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Neujahr. 
vorm. 10 Uhr: P. Görnandt. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Nachm. 6 Uhr: P. Kleine. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Evaug. JünglingSvereiu: Sonntag 
Abend» 8—10 llhr im Gemeindehause. 
Gäste willkommen: 
Evang. Jungfrauenverein, Gemeinde- 
hau» Kaiser-Alle 76», 7—9 llhr. 
Ehristl. Jungftauenverein, Fregrstr. 46. 
5'/,—9 Uhr. 
Gchöneberg. 
Sonntag. 
Apostel PauluS-Kirche. 
Borm. 10 Uhr: P. Rauchstein. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Mittag» 12 Uhr Kindergottesdienst: 
P. Rauchstein. 
Nachm. 4 Uhr SUvrsterfeter: P. Mirbt. 
Nachm. 7 Uhr Silvesterfeier: K.-R/Jacobi. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Neujahr. 
vorm. 10 Uhr: P. Delbrück. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Nachm. 6 Uhr: P. Rodatz. 
Dann Beicht« und Abendmahl. 
Alte Kirche. 
Sonntag: 
vorm. 10 llhr: P. Habel. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Nachm. 2 llhr Kindergottesdienst: 
P. Delbrück. 
Nachm. 6 Uhr: P. Rauchslein. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Neujahr. 
vorm. 10 Uhr: P. Habel. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Nachm. 6 Uhr: P. Boehm. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Ktrchsaal Setanstr. 81. 
Sonntag. 
Borm. 10 Uhr: P. Boehm. 
Nachm. 2 Uhr KtndergotteSdienst: 
P. Boehm. 
Abends 11 llhr Jahresschlußfeier: P. 
Boehm. 
Neujahr. 
vorm. 10 llhr: P. Boehm. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Nathanael-Kirche. 
Sonntag. 
vorm. 10 Uhr: P. Neumann. 
Dann Beichte und Abendmahl, 
vorm. 11'/, Uhr: KtndergotteSdienst: 
P. Neumann. 
Nachm. 6 Uhr: P. Sic. Dr. Becker. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Neujahr. 
Bonn. 10 Uhr: P. Neumann. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Nachm. 6 Uhr: P. 8k. Dr. Becker. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Mittwoch Abend 8 Uhr vibelstunde: 
P. Neumann. 
Apostolische Gemeinde. 
Gottesdienste: Sonntag, vorm. 9'/, llhr 
Nachm. 4 Uhr. Mittwoch, Abend» 8 Uhr 
Schöneberg, Eolounenstraße 56, Hof I 
Friedenau, Handjerystraße 52. Hof l. 
Methodisten-Gemein de. 
Berlin-Schöneberg, Hauptstraße 7»-8. 
10 llhr u. 6 Uhr: Pred. C. Güther 
11'/, Uhr K.-G.-D. 
Jedermann ist freundlich eingeladen. 
Gotiesvtenstorduung 
tr die in Friedenau wohnhaften zur 
Pfarrei Steglitz gehörigen Katholiken. 
Katholische Kirche in Steglitz (Kieler 
Straße 11). 
An Sonn- und Festtagen: Meffe 7 llhr 
Borm. Hochamt und Predigt 9'/, Uhr 
Borm. Segensandacht 7 Uhr Abends. — 
An Wochentagen: Meffe 7'/« und 8 llhr 
vormittags. Beichtgelegenheit an den 
Abenden vor Sonn- und Festtagen und 
früh vor der Meffe. 
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mittel. — Wirkt energisch blutbildend» säfteeruenernd, appetitbringend, 
blutretnigend. Hebt die Körperkräfte in kurzer Zeit. Jahresverbrauch von 
Jahr zu Jahr steigend. Winter und Sommer zu nehmen, da immer frisch zu 
haben. Prei«: ». 2.10 und 4.60. Alleiniger Fabrikant: Apotheker 
Lahuaen in Breman. Da Nachahmungen, kaufe man von letzt ab nur noch 
unter dem Namen „Jodalla", welcher fich von außen auf jedem Kasten befinden muß. 
— Zu haben in allen Apotheken. - > > [4783 
Haupt-Niederlage in Frieden««* i Dadäe» Adler-Apotheke, Rheinstraße 16
        
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