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Periodical volume Nr. 305, 30.12.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Fkieirimn F«K«>-Aii?kiskr. 
Gleichzeitig Grgä für den Hriedenauer Grtsteil von Schöneberz nnd den Bezirksverein Süd-West. 
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Leo Schultz in Friedenau. 
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Fernsprecher: Nr. 129. 
Nr. 30» 
Friedenau, Sonnabend den 30. Dezember 1905. 
12. Iahrg. 
Iinserer IreuÄeserfchaft 
foroie unseren verehrlichen Jenten und Mitarbeitern 
wünschen wir von Herzen, d^aS neue Jahr ihnen ein 
recht glückliches sein möge. J 
Die Redaktioprd Geschäftsstelle 
1eS 
„AriedenauersoKat - Anzeiger." 
Zum ner 
Was uns an Tr 
Das alte Jahr in 
Sein Schmerz und 
Froh richten sich di 
Und mit dem G 
Fleht still zu Gott 
„Herr, wolle gnädig 
Ein segensreiches n 
Das alte Jahr 
Ein neues grüßt d 
Und in den Herze 
Ein neues Hoffen 
zugemessen 
!m Lauf, 
eS ist vergessen, 
^rzen auf. 
snllang, dem hehren, 
Frommen Schar: 
ls bescheren 
Jahr!" 
müde nieder, 
locken Schall 
t sich wieder 
all. 
»ahmten Bomben ist unc 
sämtlicher Berhasteten fir 
schlagnahmt worden. J^ 
Besitze von Revolution^ 
Aetzyen. 
Moskau. Nunmehrflrkcht wieder völlige Ruhe 
Der bewaffnete Aufstand 1 vollständig niedergeworfen 
Der größte Teil der Führever Revolution ist geflüchtet 
oder verhaftet. Die tetzterfwerden vor ein ordentliches 
Gericht gestellt. Große Begnis herrscht wegen des von 
Petersburg nach MvskÄ per Eisenbahn entsandten 
Semenowregiment, da.» brütet, daß der betreffende 
Eisenbahnzug von »eoofPjiärcn in die Lust gesprengt 
worden sein soll. 
Petersburg Der ^egouoerneur von Tambow ist 
ermordet worden. Die »Ml der in Moskau beschlag 
blich groß, beim fünften Teile 
ine ober meutere Bomben be 
tn Hellem der Häuser, die im 
lflnd, liegen Tausende von 
Leichen unbeerdigt. Jnücfligen Hafen fand ein Zu 
sammenstoß zwischen Arb rsi und Militär statt, wobei 
mehrere Arbeiter verwuni und ein Kosak getötet wurden. 
Riga. Der Gen^treik ist beendet, trotzdem ver 
kehren die Eisenbahnzü immer noch unter Militär 
bedeckung. Alle Bersa langen sind verboten. Aus 
Libau find zwei Torpe oote eingetroffen und dort vor 
Anker gegangen. Eine!endung von 22 000 Patronen, 
die per Schiff nach Mit gebracht werden sollten, wurde 
von Revolutionären efangen. Der Bürgermeister 
Adolph von Goldungen i de von Revolutionären ermordet. 
Belgrad. iJn d der Regierung nahestehenden 
Kreisen wird behaupte mS gegenwärtige Kabinett habe 
die Zollunion mit Bul ien nur als drückende Erbschaft 
Pafltschs übernommen s werde bemüht sein, dieselbe 
sobald als möglich auf eben. 
Der Hofmarschall rter König Alexander Oberst in 
Pension R'kolajewilsch ,ab sich dieser Tage von Belgrad 
Tausrndskttg (Unglück. 
Roh von H. Hill. 
28. I Wctf.Stnt! s t'-oten.) 
.Das ,st geschästitzig gesprochen." sagte sie kurz. 
.Wenn Sie in eineruben Stunde wiederkommen, werde 
ich herausgefunden hab was Sie wünschen." 
Da Jauet seit ihrilbreise nichts gegessen hatte, verbrachte 
sie die Zeit bei einclKonditor, und als sie sich wieder 
bei Frau Webley eint), traf sie sie noch immer in emer 
«ntgegenkonlmenden S mung. .. , . _ 
ö,jer ist die Adrt obwohl ich nicht weiß, ob der Herr 
noch dort wohnt," saghe und händigt« dem jungen Mädchen 
ein Stück Papier ei^vofür Janet ihr voll Eifer den ver- 
sprochENn-o^ereigüuh beschreiben?" fragte sie. 
Aber ohne aufzucken murmelte Frau Webley über ihrem 
Strickleuge, daß sie s nicht könne, da sie den Herrn me- 
mals gesehen habe, st Briese waren immer durch die Post 
^o^n^Augenblichäter war Janet auf der Straße. In 
fieberhafter Erregun»s sie folgende Adresse, d.e mit Bleistift 
TanveErane. Mühlhaus. Chipping Wyvern, 
Effex'" j 
14. Kapitel. 
<v anct a erstes ffühl, nachdem sie Frau Webleys Hand- 
,, > u hsltte rr dasjenige der Enttäihlchung. Sie hatte 
schritt geprr > ' unter der Adresse „Danvers 
krane" erhalten uuan Roger Diarkes weiterbefördert hatte. 
nach Kragujewatz, erhielt aber vom dortigen Kreispräfekten 
den Auftrag, sofort die Stadt zu verlassen. Angeblich 
befürchtet man seine Agitation im Offizierkorps gegen die 
Verschwörer. 
Rom. Beim gestrigen Empfang des diplomatischen 
Korps äußerte der Minister des Äußeren Marchese 
Sanguliano gegenüber den Vertretern Deutschlands und 
Österreich-Ungarns, daß sie an ihm einen treuen Mit 
arbeiter an dem Friedenswerke des Dreibundes haben 
werden. 
. Paris. Das „Journal" meldet aus Marseille: Ver 
schiedene der beschlagnahmten Papiere find gestern in An 
wesenheit der beiden verhafteten Deutschen verlesen worden. 
Diese Dokumente sollen bestimmt die Schuld der beiden 
dargetan haben. „Echo de Paris" meldet: Gestern zirku 
lierten erneut Gerüchte, daß der französische Botschafter 
in Berlin, Bihourd, wegen der jüngsten Ereignisse seinen 
Berliner Posten verlassen werde, und durch Bourgnis 
ersetzt werden solle. Im auswärtigen Amte wird die 
Meldung als völlig erfunden bezeichnet. 
Aus Dijon meldet der „Malin" daß eine dort ver 
storbene Dame ihr gesamtes Vermögen im Betrage von 
25 Millionen Francs der Stadt vermacht habe. 
London. Daily Mall meldet aus Algier: Die 
französische Regierung habe den Generalgouoerneur von 
Algier Instruktionen erteilt, um für alle Eventualitäten 
Maßnahmen an der marokkanischen Grenze zu treffen. 
London. „Daily Mail" meldet aus Moskau: 
Tausende von Leichen liegen noch unter den Barrikaden. 
Die Aufrührer begossen bie Oarrilaben mit Wasser, 
welches Infolge der großen Kälte sofort fror, sodaß den 
Truppen größerer Widerstand entgegengesetzt werden konnte. 
Madrid. Die spanische Regierung hat dem Sultan 
von Marokko amtlich mitgeteilt, daß die Konferenz in 
AlgeciraS am 16. Januar beginnen werde. Als Ursache 
>er Verzögerung wird die Vermählung der Infantin 
Jsabella mit dem Prinzen Ferdinand von Bayern an 
gegeben. 
Montero Rios dementiert die Meldung, wonach er 
Iieabsichtige, sich aus dem politischen Leben zurückzuziehen. 
Er erklärt im Gegenteil, er werde in der Kammer eine 
Debatte herbeiführen, um sein Verhalten zu rechtfertigen. 
Algier. Tausend Japaner welche sich in russischer 
Gefangenschaft befunden hatten, sind auf der Fahrt nach 
ihrer Heimat gestern hier eingetroffen und an Land 
gegangen. 
Neuyork. „World" meldet aus Carraras, 
daß infolge der freundschaftlichen Behandlungen, zwischen 
dem englischen Gesa. oten und dem Präsidenten Castro 
der englisch-venezolanische Konflikt beigelegt sei. 
Montreal. Die Regierung erklärte die Unmöglichkeit» 
dem Rotschildschen Plan, betreffend die Auswanderung 
nach Canada, irgendwelche besondere Vorteile zu gewähren. 
Nach dem Gesetz sei jeder gleich zu begünstigen, in hervor 
ragender Weise aber das landwirtschaftliche Element. 
in welchem Falle allerdings ihre Vermutung betreffs Klara 
Rivingtons letzter Aeußerung bestätigt worden wäre. 
Daß diese Aeußerung irgendwie aus ihren Mörder Bezug 
hatte, daran zweifelte Janet auch nicht einen Augenblick, aber 
wenn es ihr nicht gelang, irgend einen Zusammenhang 
zwischen ihr und Roger Marske herauszufinden, hatten solche 
Vermutungen für Rivingtons Entlastung wenig Wert. Seine 
Schwester konnte in Korrespondenz mit zwanzig Danvers 
Cranes gewesen sein, ohne daß dies irgend ein Licht auf 
ihre geheimnisvolle Beschuldigung geworfen hätte; das arme 
Mädchen hatte nichts von Danvers Crane gesagt; ihre Worte 
hatten gelautet: „Mann . . . Maske . . . Roger . . 
Aber immerhin war die Möglichkeit vorhanden, daß Roger 
Marske trotz alledem damit in Verbindung stand; einem ab 
gefeimten Schurken, dem es darum zu tun war, seine Iden 
tität zu verheimlichen, fiel der Gebrauch eines falschen Namens 
sehr leicht, obwohl Janel nicht verstehen konnte, weshalb 
derselbe in seinen Benehungen zu Frau Webley notwendig 
gewesen wäre, da Klara Rivington doch seinen wahren 
Namen gekannt hatte. Sie sah auf ihre Uhr und bemerkte, 
daß es beinahe sieben war. Es war beim besten Willen 
zu spät, um sich nach Essex, an einen unbekannten Be 
stimmungsort. zu begeben, der vielleicht meilenweit von der 
Station enfernt war, und so mußte sie sich wohl entschließen, 
an ein Nachtasyl zu denken. Sie begab sich, dem vorgefaßten 
Plane gemäß, zu der ehemaligen Köchin in Bloomsbury, 
wurde mit herzlicher Freude empfangen und so gut unter, 
gebracht, als die Umstände es gestatteten. 
Sie war sehr früh auf und nahm in Liverpool Stteet 
einen der ersten Züge nach Brcntwood. Dort vergewisserte 
sie sich durch Erkundigungen auf der Station, daß Chipping 
Wnvern ein bloßer Weiler, drei Meilen entfernt, im Herzen 
Mgemeines. 
fj Deutscher Levante-Verkehr über Bremen 
seewärts. Mit dem 1. Januar k. Js. tritt ein neuer 
Tarif nebst Nachtrag I in Kraft für den direkten Güter 
verkehr über, Bremen von Stationen der preußisch-hessischen, 
der badischen, baierischen, sächsischen, oldenburgischen und 
württembergischen Staatsbahnen und der Eisenbahnen in 
Elsaß-Lothringen, der westfälischen Landes-Eisenbahn, der 
pfälzischen, Siegener, Neuhaldenslebener, der Nordhausen- 
Wernigeroder, der Lausitzer, Zschipkau-Finsterwalder und 
Crefelder Eisenbahn usw. nach den Häfen Alexandrien, 
Beirut, Dedeagatsch, Naider-Pascha, Konstantinopel, Malta, 
(Valetta) Odessa, Piräus, Salonik, Smyrna usw. Die 
Beförderung zur See erfolgt durch die Bremer Dampfer- 
linie „Atlas" (Ges, m. b. H. in Bremen). Der erste 
Dampfer nach Malta, Piräus, Smyrna, Salonik, Kon- 
stantinopel, Odessa usw. wird voraussichtlich schon am 
15. Januar k. Js., der erste Dampfer nach Alexandrien 
und Beirut am 25. Januar k. Js. von Bremen abgehen. 
Der genauere Fahrplan wird noch bekannt gemacht werden. 
Der neue Tarif enthält Gesamt-Frachtsätze nach den vor 
genannten Häfen und dem im Anhange zum Tarif auf 
gezählten Nicht-Anlaufhäfen, Klaffen-Einteilung und Klassi 
fikation sind die gleichen, wie im Levante-Tarif über 
Hamburg. In den Frachtsätzen sind einbegriffen: Die 
Fracht für die Eisenbahn-Beförderung bis Bremen, die 
Gebühren für Entladung, Vermittelung, Lagerung. Ueber- 
führung, die Seefracht bis zum Bestimmungs-Hafen. Die 
Tarifdrucksachen können von den beteiligten Güter 
abfertigungsstellen, sowie von der Bremer Dampfschiffs 
linie „Atlas" und ihren Filialen zum aufgedruckten Preise 
bezogen werden, ebenso die für den neuen Verbandsverkehr 
vorgeschriebenen Frachtbrief-Vordrucke. 
Lokales. 
ch Ernennung. Unserem Mitbürger Herrn Gauger, 
Geheimer exped. Sekretär und Kalkulator im Kriegs 
ministerium, Handjerystraße 53 wohnhaft, ist der Charakter 
als Rechnungsrat verliehen worden. 
f Die billigsten und teuerste« Orte im Kreise 
Teltow. Die wenigsten Steuern im Kreise Teltow hat 
man zu zahlen in Grunewald (15 Proz.) für Staatsein- 
kommensteuer und 39 Proz. Kreissteuern, Hernsdorf 
(75 Proz.), Wilmersdorf, Ragow, Wietstock (90 Proz.), 
Friedenau (100 Proz.), die meisten Steuern sind zu zahlen 
in Dabendorf, Kl.-Besten, Siethen (240 Proz.), Gallun, 
Köris,! Kl.-Kienitz (250), Kl.-Beuthen (300), Philippstal, 
Sputendorf bei Töpchin (450) und in Fahlhorst, einem 
ganz kleinen Dorfe sogar 560 Prozent. Der kleine Mann, 
der hier 8 Mark Staatseinkommensteuer zahlt, muß 
42 Mark Kommunalsteuer für das Jahr zahlen, etwas 
viel für den Mann, der ein Jahreseinkommen von rund 
1200 M. hat. 
-J- Jubiläum. Herr Generalleutnant z. D. Friedrich 
Metzler, der hier im Ruhestande lebt, kann am 1. Januar 
1906 den 60jährigen Gedenktag seines Eintritts in das 
der Gegend war. Da es ein lieblicher Sommertag war nnd 
Janet sich erst erkundigen wollte, ehe sie an das Mühlhaus 
ging, erlangte sie Weisungen von einem freundlichen Portier 
und begann, die Entfernung in raschester Gangart zurück 
zulegen. 
Eine Meile hinter den Vorstädten folgte sie der 
Landstraße, und dann kürzte sie den Weg ab, indem sie 
einen Psad einschlug, den man ihr beschrieben hatte. Der Pfad 
führte durch wogende Kornfelder und saftige grüne Wiesen, 
bis Janet auf ein Tal herniederiah, durch das sich rin 
von Bäumen umsäumter Fluß wand. 
Unmittelbar unter ihr lag eine Gruppe von Hütten, 
in der sie nach der Beschreibung Chypping Wyvern erkannte 
aber sie war ein wenig vom Fluß entfernt, und es war 
auch kein Haus darunter, in welchem ein vornehnier Herr 
möglicherweise wohnen konnte. Jane: wendete den Blick 
zur Linken und entdeckte die spitzen Giebel eines Daches, das 
sich eine halbe Meile vom Weiler entfernt über dm Pappel- 
bäumen erhob, ’ Ein silberner Schimmer unter den Bäumen 
zeigte ihr an, daß das Gebäude am Wasser stand und wahr- 
lich das Mühlhans war. 
Sie ging den Hügel hinab und schlug eine Straße ein, 
die sie zu den Hütten brachte, und eine Erkundigung in der 
ersten derselben'bestätigte die Richtigkeit ihrer Vermutung. 
„Ich hoffe. Sie werden das Mühlhaus mieten, Fräulein," 
sagte das ehrliche Weib, das ihr die Auskunft erteilte. „Wir 
brauchen wieder feine Leute darin, die uns Eier und unser 
Geflügel abkaufen. Zu Weihnachten sind es vier Jahre, daß 
niemand darin gewohnt hat." 
„Vier Jahre!" ries Jauet erstaunt aus. Das waren also 
noch zwei Jahre, bevor Klara Rivington ihre Briese an Fra» 
Webley adressiert hatte, un: sie an Danvers Crane befördern
        
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