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Periodical volume Nr. 304, 29.12.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

t Die Personeuschiffahrt des KreiseS Teltow 
ouf dem Teltow-Kanal wird mit Beginn des Frühjahrs 
1806 (etwa Anfang Mai) bedeutend erweitert werden. 
Diese Schiffahrt, die eine immer größer werdende Be 
deutung für den öffentlichen Verkehr erlangt, soll vom 
Mai 1906 auch auf die Spreehalbung des Kanals 
(Machnower Schleuse—Teltow — Lichterfelde — Steglitz— 
Mariendorf—Britz—Nieder-Schöneweide bezw. Zweigkanal 
über Johannistal nach Köpenick) ausgedehnt werden, nach 
dem bis jetzt nur die Havelhalbung (Neubabelsberg— 
Klein-Machnow) und der Griebnitzsee und Prinz Friedrich 
Leopold-Kanal befahren wurde. Die Kreisflotte, die bis 
her aus 4 Dampfern für 120 Personen für die Seen und 
4 Motorbooten (75 Personen) für den Kanal bestand, hat 
nunmehr einen Zuwachs von 2 großen Doppelschrauben- 
dampfern („Steglitz" und „Wannsee") für 234 bezw. 259 
Personen erhalten, die den Sterndampfern ähnlich gebaut 
sind. Die Flotte wird also im Frühjahr mit 10 Fahr 
zeugen auf dem Wasser erscheinen. 
-j- Eiue neue Station des Südringes wird jetzt 
projektiert. Zwischen Halensee und Schmargendorf beab 
sichtigt die Eisenbahndirektion einen neuen Bahnhof zu 
errichten, der den Bewohnern des Südens von Halensee 
und des Nordens und Nordwestens von Friedenau und 
Wilmersdorf dienen soll. Die Ausdehnung der genannten 
Orte erfordert gerade für diese Teile eine besonders er 
weiterte Verbindung nach Berlin. Bedauerlicher Weise 
wird dadurch für Halensee und Charlottenburg die Fahrt 
nach Berlin resp. Schöneberg verteuert, da durch die Ein 
legung der neuen Station die gewöhnliche Taxe nach 
Berlin sich um 100 Prozent also auf 20 Pfennig, er 
höhen wird. 
t Zum bevorstehenden Jahreswechsel sei darauf 
hingewiesen, daß es zulässig ist, auf gedruckten Visiten 
karten die Adresse deS Absenders, seinen Titel sowie mit 
höchstens 5 Worten oder mit den üblichen Anfangsbuch 
staben gute Wünsche, Glückwünsche pp. hinzuzufügen. 
Diese Vergünstigung gilt nur für gedruckte Visitenkarten. 
Andere Drucksachen in Kartenform — insbesondere An 
sichtskarten — mit solchen Vermerken dürfen zur Postbe- 
förderung gegen die ermäßigte Taxe für Drucksachen nicht 
zugelassen werden. Die Fassung der Glückwünsche re. un 
terliegt, abgesehen von der Wortzahl, keinerlei Beschränkung. 
Eine gedruckte Visitenkarte mit den handschriftlichen Ver 
merk „sendet herzlichen Glückwunsch" darf daher von der 
Beförderung nicht ausgeschlossen werden. Dagegen ist es 
nicht gestattet, auf gedruckten Visitenkarten, die gegen die 
Drucksachentaxe befördert werden sollen, außer den oben 
erwähnten handschriftlichen Angaben noch die Worte „und 
Frau", „und Familie" u. dcrgl. hinzuzufügen. 
s- Aufhebung der Sonntags-Paketbestellung. 
Die' Paketbestellungen an Sonn- und Feiertagen wurde im 
Ober-Postdirektionsbezirk Berlin im Juli d. I. zur För 
derung der Sonnragsruhe der Beamten aufgehoben. Die 
Maßregel galt als ein Versuch, der auf das ganze Reichs- 
Postgebiet ausgedehnt werden sollte. Dies wird im Februar 
1906 geschehen. Dann wird bei sämtlichen Postämtern 
an Sonntagen und an den Feiertagen, an denen der 
Schalterdienst beschränkt ist, eine Bestellung von Paketen 
nicht mehr stattfinden. Um in dringenden Fällen dem 
Empfänger die Möglichkeit zu gewähren, Pakete zu erhalten, 
können dann nicht nur Paketabholer die Pakete an den 
Sonntagen während der Stunden, da die Schalter geöffnet 
sind, abholen, sondern jedermann kann dann seine Pakete 
abholen. Nur für den Fall, daß die Abholung zu großen 
Umfang annehme und zu wesentlichen Unzuträglichkeiten 
führen sollte, ist der Widerruf vorbehalten. 
ft Die neue Nummer des „Friedenauer Wohnungs 
Anzeigers" erscheint morgen Sonnabend und sind An 
kündigungen hierfür bis Mittags 12 Uhr der Geschäfts 
stelle Rheinstraße 15 zu übermitteln. Später eingehende 
Ankündigungen müßten bis zum 2. Januar zurückgesetzt 
werden. 
-J- Der Giacobinische Komet 1905 c wird am 
heutigen Freitag den Äquator überschreiten, da er auf die 
Sonne zuläuft, wird"er schnell heller und ist bei klarem 
Wette«- schon mit unbewaffnetem Auge zu sehen; freilich 
muß man sich sehr zeitig aus den Federn machen, wenn 
man den seltenen Gast, der unser Sonnensystem nur ein 
mal besucht und dann auf Nimmerwiedersehen in den 
Weltenraum verschwindet, am Morgenhimmel aufsuchen 
will. Wie Direktor Archenhold im „Weltall" mitteilt, ist 
1905e der lichtstärkste Komet des ganzen Jahres. 
ft Die alljährliche Weihuachtsbefcherung des 
Friedenauer Männer-Gesang-Vereins 1875 fand gestern 
Abend im „Rheinschloß" statt. Die Beteiligung der 
Sänger war eine gute und stattlich war die Anzahl der 
Kinder. Eingeleitet wurde die Feier mit dem stimmungs 
vollen Weihnachtslied „O du fröhliche", worauf der vom 
Dirigenten Herrn Scheel eigens zu diesem Abend gebildete 
Kinderchor „Freuet Euch des Weihnachtsfestes" sang. Die 
Bescherung war reichlich und fiel zur allgemeinen 
Zufriedenheit aus. Unter der Obhut des Vorsitzenden 
Herrn Ebers sagten die Kleinen ihre Weihnachtsgedickte 
auf und zwar teilweise so drollig, daß herzlich darüber 
gelacht wurde. Ganz besonders gefiel aber ein Duett von 
zwei kleinen Mädchen. Nach diesen Darbietungen 
rummelten die Kinder wieder fröhlich im Saal herum 
und machten dann auch ein Tänzchen. Zur Abwechselung 
brachte der Männerchor Kompositionen: „Wie hat ich sie 
geliebt" und „Der Fahlmann" zum Vortrag, die den 
Sängern lebhaften Beifall eintrugen. Es folgte darauf 
die Kinderpolonäse, geleitet von Herrn Baarmann, und 
eine amerikanische Versteigerung. Für die Alten war es 
ein gemütlicher Abend und den Sprößlingen der Sänger 
hatte man eine große Meihnachtsfreude bereitet. 
1- Karpfcnschief-n. Zum letzten Mal in diesem 
Jahre-vereinte sich die Friedenauer Schützengilde, um vor 
Jahresschluß das übliche Karpfenschießen vorzunehmen. 
Die Beteiligung war eine außerordentlich rege. Als bester 
Schütze zeigte sich Herr Ostwald, der mit 15 Pfund 
Karpfen abziehen durfte. Nach dem Schießen fand man 
sich zu einer kleinen Jahresschlußfeier zusammen, die durch 
eine Bowle eingeleitet wurde. Zu Beginn brachte der 
Vorsitzende das Kaiserhoch auS. Es folgten dann Toaste 
ans den Ehrenvorsitzenden der Gilde, Herrn Bürgermeister 
Schnackenburg, ferner auf Herrn Bürgermeister Buhrow, 
der angekündigt, daß der Steglitzer Platz für das Schützen 
fest der Friedenauer Gilde freigegeben sei. Weitere 
Hochs galten dem Gründer, dem Vorstand der Gilde, der 
Steglitzer Gilde rc. Die Stimmung war die fidelste, so 
daß aus der einen Bowle deren 10—11 wurden. Mit 
der Hoffnung, im neuen Jahre sich wieder zu fröhlichem 
Tun einznftndcn, trennte man sich zu später Stunde. 
f Am Königlichen Jnstitnt für Meereskunde, 
Georgenstraße 34/36, findet am Freilag. den 5. Januar, 
Abends 8 Uhr, ein öffentlicher, Herren und Damen zu 
gänglicher Vortrag statt. Es spricht Herr Dr. Kraus- 
Frankfurt a. M. über: „Die geographischen Grundlagen 
des Seeverkehrs", mit Lichtbildern. Einlaßkarten sind zum 
Preise von 25 Pf. von 12 bis 2 Uhr Mittags und an 
dem Vortragsabend selbst von 6 Uhr ab im Institut erhält 
lich; außerdem in der Zeit von 9 biß 4 Uhr im Deutschen 
Flottenverein, Bernburgerstraße 35 I. 
-j- Kriegsveteranenverein Seine Weihnachts 
feier beging der Verein am 21. d. Mts. im Vereinslokal 
„Kaiser-Eiche". Eine Kinder-Bes> erung wurde nicht vor 
genommen, dagegen erhielten die Witwen und bedürftige 
Kameraden in barer Münze reichlich beschert. Für die 
Frauen war außerdem von einem Spender für Kaffee und 
Kuchen gesorgt, für die Kameraden hatte eine Brauerei 
Bier gespendet. Der Verlauf der Feier war der Beste 
und vergnügten sich alle aufs vortrefflichste. 
f Die Freiwillige Feuerwehr veranstaltete ihre 
Weihnachtsfeier gestern Abend im „Hohenzollern." Ge 
sänge von Weihnachtsliederu leiteten die Feier ein. Der 
Führer hielt eine Ansprache in der er auf die nun folgende 
Bescherung der Kinder hinwies. Fröhliche Weihnachts 
lieder, Tänze rc. machten diese- Festchen zu dem ver 
gnügtesten. 
-j- Im „Restaurant zum Rembrandt" fand 
gestern Abend die Auslosung für die vom Wirt Herrn 
Louis Ehrenberg gestellte Weihnachtsscherzaufgabe statt. 
Der Wirt hatte nämlich folgende schon in Frenffen's 
„Hilligenlei" aufgeführte Scherzaufgabe gestellt: Jeder 
Gast sollte die Zahl der in einem versiegelten Weißbier 
glase befindlichen Erbsen feststellen und in eine aufliegende 
Liste Zahl und Namen vermerken. 200 Lösungen waren 
vermerkt worden und freiwillige Zähler von der dies 
jährigen Volkszählung hatten die Auszählung der Erbsen 
übernommen, wobei sie von dem zahlreich anwesenden 
Stammpublikum scharf kontrolliert wurden, waren doch 
fünf Preise (zwei für Herren, drei für Damen) ausgesetzt, 
die jeder gern besessen hätte. Namentlich eine Standuhr 
von Bronze, ein Wrack als Barometer und ein Bronze 
toilettenspiegel waren der Wunsch vieler Gäste. Wer die 
Zahl der Erbsen annähernd geraten halte, war Gewinner. 
Ermittelt wurden bei der Zählung 3187 weißbierglas- 
bewohnende Erbsen, zwei Herren aus Friedenau, zwei 
Damen aus Friedenau und eine ans Rixdorf waren die 
glücklichen Gewinner, sie hatten 3200 geraten. Bemerken 
wollen wir noch, daß die vier „Friedenauer" Gewinner 
eigentlich Schöneberger sind, denn sie wohnen alle im 
Ortsteil jenseits der Bahn von Friedenau aus. 
f Deutscher Flotten-Verein (Ortsgruppe Friede 
nau.) Wie uns von zuständiger Seite gemeldet wird^ 
nimmt heute die Werbeaktion der Ortsgruppe ihren festen 
Fortgang. Wieder gehen ein paar Tausend Aufrufe an 
die Einwohner ab. Die gestrige Werbung hat bereits 
einen fröhlichen Erfolg aufzuweisen, da sofort ein großer 
Teil der angebogenen Karten mit Beitrittserklärungen 
zurückgekommen ist. Der patriotische und nationale Sinn 
der Friedenauer bewährt sich auf treffliche Weise. Möge 
auch weiter jeder Empfänger mit kurzem Entschlüsse sofort 
seinen Beitritt anmelden, und mögen alle Freunde der 
Flottensache mit Kraft und Energie mündlich die Werbung 
unterstützen. 
t Evangelischer Arbeiter-Verein fürFriedeuau 
u Umgegend. Am 3. Januar 1906, Abends 8 Uhr 
findet im Vereinslokal „Kaiser Wilhelmgarten", Rhein 
straße 65, eine Weihnachts Feier statt. Für Unterhaltung 
ist bestens gesorgt. Es erfolgen: Musikalische Darbietungen, 
Ansprache des Herrn Pastor Kleine, eine Verlosung deren 
Reinertrag der Unterstützungskasse des Vereins zufließt. 
Der Vorstand ersucht um zahlreichen Besuch. 
f Großer Sylvester-Ball findet Sonntag Abend, 
beginnend um 7 Uhr, im „Rheinschloß" statt. Der Herr 
Wirt wird für besondere Überraschungen Sorge tragen. 
•f Polizeibericht Als gefunden wurde angemeldet: 
1 Segeltuchschuh, der dem Verlierer im hiesigen Amtsbüro 
ausgehändigt wird. 
Merlin und Wororte. 
8 Der Magistratsautrag, betreffend die Aus 
arbeitung der Spezial-Entwürfe für die Nord-Süd-Unter- 
pflasterbahn ist, wie aus dem Stadtverordneten-Sitzungs- 
protokoll erhellt, nicht „einstimmig" — mit 117 gegen 
0 Stimmen — sondern mit „sämtlichen abgegebenen 114 
Stimmen" angenommen worden, wobei bemerkt wird: 
„Der Stadtverordnete Mommsen hat sich der Abstimmung 
enthalten." Die Gesellschaft für den Bau von Hoch- und 
Untergrundbahnen, welche die Spezial-Pläne für das 
Tunnelprojekt der Großen Berliner Straßenbahn in etwa 
2 l / 2 Monaten fertiggestellt hat, wird dre ihr vom Magistrat 
aufgetragene Arbeit, wie man hofft, in längstens zwei 
Monaten ausführen, sodaß es möglich sein wird, schon 
Anfang März k. Js. mit den Einzelberatungen des Nord- 
Süd-Projektes im Rathsuse zu beginnen. Zu dieser Zeit 
wird auch das in den städtischen Baubüros bearbeitete neue 
Projekt — Linienführung durch die Friedrichstraße — schon 
fertig vorliegen. Die diesbezüglich vom Stadtbaurat ge 
machte Mitteilung, daß die Aufsichtsbehörden sich gegen 
diese Linienführung ausgesprochen hätten, wird an zu 
ständiger Stelle für irrig erklärt. Es ist also begründete 
Aussicht vorhanden, daß die Nord-Südlinie den geraden 
und direkten Weg durch die Stadt nehmen kann. 
8 Infolge der Beschwerde über die Dampf- 
straßenbah« Gr.-Lichterfelde. — Stahnsdorf - Machnower 
Schleuse fand am gestrigen Donnerstag eine Besichtigung 
der Strecke und des Betriebsmaterials statt, an welcher 
als Vertreter der eisendahntechnischen Aufsichtsbehörde der 
Reg.-Rath Holzbecher, ferner der Landrat des Teltower 
Kreises von Stubenrauch u. a. teil nahmen. Reg.-Bau- 
meister Grimsehl von der Firma Bachstein führte an der 
Hand der Dienstbücher den Nachweis „daß erhebliche Zug 
verspätungen, mit Ausnahme eines Falles, der auf Defekt- 
werden einer Maschine zurück zuführen ist, nicht vorge 
kommen sind; trotzdem ist aber eine Verbefferung des Fahr 
planes insofern für die nächste Zeit beabsichtigt, als. an 
stelle der Anschlußzüge Stahnsdorf-Machnower Schleuse, 
künftig die Morgen- und Abend-Züge zwischen Gr.-Lichter- 
felde und Stahnsdorf wieder verkehren sollen. WaS 
den Wagenpark anbelangt, so überzeugten sich die 
Vertreter der Behörden davon, daß die erhobenen Beschwer 
den arg übertrieben sind; selbst die älteren Wagen, welche 
allmählich aus dem Betriebe zurückgezogen und durch 
neue ersetzt werden, befanden sich in ordnungsmäßigem 
und sauberen Zustande. Es schloß sich eine Strecken- 
Besichtigung an, bei welcher auch der Oberbau der Dampf 
straßenbahn eingehend geprüft wurde; die Beschwerdeführer 
hatten behauptet, daß sich derselbe in einem miserablen 
Zustande befände. Die eisenbahntechnische Prüfung ergab, 
daß der gesamte Oberbau in keiner Weise zu wünschen 
übrig läßt. Von Stahnsdorf aus wurde die Besichtigungs 
fahrt über die Anschlußstrecke bis zur Machnower Schleuse 
ausgedehnt; auch hier ergaben sich keinerlei Beanstandungen. 
8 Trauerfeier. Für den früheren UnterstaatS- 
fekretär des Reichsschatzamtes v. Fischer fand heute Vor 
mittag in der katholischen Kirche zu Groß-Lichterfelde, dem 
letzten Wohnsitze des Verstorbenen, ein feierliches Requiem 
statt, das von dem Kuratus Beyer unter Assistenz deS 
Kaplans Wittig und des Kadettenhaus-Pfarre ,s Ruland 
abgehalten wurde. Die Gesänge führte ein Männerchor 
unter Leitung des Organisten der Kirche Siebert aus. Der 
Feier wohnten in Vertretung des Präsidenten des Reichs 
schatzamtes Frhrn. v. Stengel der Unterstaatssekretär Twele. 
ferner Ministerialdirektor Kühn und fast sämtliche Räte 
des Amtes bei. Als frühere Beamte des Reichsschatzamtes 
waren Staatsminister Frhr. v. Thielmann und Unter 
staatssekretär a. D. Dr. Aschenborn, sowie von der 
Württembergischen Gesandtschaft der Oberstleutnant v.Dorrer 
erschienen. Der mit Kränzen, Blumen- und Palmen 
arrangements bedeckte Sarg, der von einem Hain hoch 
stämmiger immergrüner Blattpflanzen umgeben und durch 
das Licht von 8 hohen Wachskerzen bestrahlt wurde, war 
vor dem Hochaltar aufgebahrt worden. Am Fußende deS 
Sarges lagen auf zwei Kissen die vielen hohen Orden deS 
Verstorbenen. Die Beisetzung fand auf dem evangelischen 
Kirchhof an der Moltkestraße statt, da Groß-Lichterfelde 
einen katholischen Kirchhof noch nicht besitzt. 
8 Am Neubau der französischen Kirche auf dem 
Gendarmenmarkt wird jetzt die Inschrift, die bisher nur 
provisorisch auf Holzleisten angebracht worden war, auf 
dem Sandstein des Giebelfeldes an der Westseite in großen 
Goldbuchstaben ausgeführt. Sie lautet: „Gott zur Ehre, 
— der Gemeinde zum Segen, — Unter dem Schutze der 
Hohenzollern — Erbaut 1705 — Erneuert 1905. 
8 Der Verein Fraueu-Erwerb (E. V.) veranstaltet 
seinen nächsten Vortragsabend Mittwoch, 3. Januar, 8 Uhr 
im Berliner Rathaussaal. Fräulein Julie Müllerhartung, 
Großherzoglich Sächsische Kammersängerin, hat dazu 
freundlichst Lieder und Rezitationen zugesagt. Das außer 
ordentlich reichhaltige Programm, Liedertexte und Ein 
ladungskarten sind kostenlos durch die Zentralstelle deS 
Vereins, W 15, Lietzenburgerstraße 13, zu beziehen, dies 
mal aber nur auf schriftlichem, da die sonst üblichen 
Sprechstunden bis Mitte Januar ausfallen. 
Zuschriften. 
In Nr. 29t deS .Friedenauer Lokalanz-iger" stand ein sehr be- 
herzigungSwerter Artikel über .Körperübungen und Gesundheit', in 
welchem auf den günstigen Einfluß müßig und systematisch betriebener 
sportlicher Bewegung auf Körper und Seele wieder einmal hinge 
wiesen wurde und besonders auf das Turnen, als am besten dazu 
geeignet, aufmerksam gemacht wurde. Das Turnen ist ja nun, in 
voller Erkenntnis dieses großen Nutzens für die Gesundheit, in den 
meisten Volks chulen auch für Midchen als festes Unterrichtsfach 
eingeführt, während in den höheren Töchterschulen dies vielfach noch 
nicht der Fall ist; bedauerlicher Weise, denn oft wird schon gerade in 
den Entwickelungsjahren der Mädchen besserer Kreise durch über 
mäßige geistige Anstrengung, die nicht durch geeignete körperliche Be- 
wegung rechtzeitig ausgeglichen wird, der Keim gelegt zu der über 
aus weitverbreiteten Reroofität späterer Jahre und ihren daraus ent- 
stehenden vielfachen Leiden unserer Frauenwelt der höheren Stände. 
Als bestes Schutz- und Heilmittel für Bleichsucht, Blutarmut und 
uervöse Krankheiten sollte von den Aerzten das Turnen in geeigneter 
Form beim weiblichen Geschlecht viel mehr verordnet werden, als dies 
zur Zeit geschieht, da es ohne große Kosten und zu jeder Jahreszeit, 
dank der überall vorhandenen geschützten Tumhallen angewendet u d 
dauernd beibehalten und geübt werden kann, wodurch für die Ge- 
sundheit ein viel größerer Nutzen entsteht, als durch die koji- 
jpieligsten Badereisen jemals erreicht werden wird, ohne daß letztere, 
wo dir Mittel dazu vorhanden, darum als überflüssig ausgeschlossen 
werden sollen, aber eben wo diese Mittel fehlen, vermag in gesund- 
heitltcher Hinsicht daS Turnen den besten Eifax zu bieten und des 
halb sollten auch in späteren Jahren unsere Damen sich dafür intec- 
essierrn und begeistern lernen. Man sieht alle Altersklassen der Frau.n 
sich am Radsatz» und Automobilsport, cie mit so vielen Gefahren für 
Leben und Gesundheit verknüpft sind, voll Eifer und häufig mit nur 
wenig Geschick, beteiligen, aber daS gesundheitsfördernde -gefahrlose 
Turnen, das fo sehr geeignet ist auch dem we blichen Körper nicht nur 
Geschicklichkeit, Grazie und Anmut biS inS spätere Lebensalter hinein 
zu erhalten urd zu bilden, sondern auch Kraft und Elastizität zu 
verleihen, wird unbeachtet gelassen. Bei den Rinnerturnvereinigungea 
findet man Herren, die bis in die sechziger, ja selbst firbziger Lebens- 
fahre hinein von dem von Jugend auf geübten und geliebten Turnen 
nicht lassen können und mit der Jugend um die Wette noch ihre 
Kräfte messen und stählen, und sich dadurch selbst jung und ftisch er- 
halten. Warum eifern die Frauen ihnen darin nickt nach? Düser 
Jungbronncn fließt für Alle und selbst der emanzipationsfeindlichste 
Mann wird daS Bestreben der Frau, ein gesundes, krättigcS Geschlecht 
heranbilden zu wollen, nicht verurteilen, Nach beendeter Schulzeit 
bleibt von den vielen tausenden der angehenden jungen Damen nur 
ein kleiner Prozentsatz vielleicht noch einige Jahre oer edlen Tuincrei 
treu, aber dann ist es damit vorbei. Turnriegcn für ältere Mädchcn 
und Frauen, in denen dieselben sachverständige Anleitung >ür passende 
Körperübunqen erhalten, aus eigener Initial ve herauszubilden, dazu 
soll dieser Artikel anregen. Daß in unserer Frauenwelt das Bedürf 
nis wie das Verständnis für die g fundheitlichen Vorteile deS Turnens 
vorhanden sind, zeigt die rege Beteiligung und das stetige Anwachsen 
eines Kreises älterer Damen der besten G-iellschaftSkraff^n, der sich 
feit kurzen in Berlin gebildet hat, um allwöchentlich einmal gemein-
        
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