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Periodical volume Nr. 303, 28.12.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Jahr 
evangelisch 
Anzahl der Schüler 
katholisch 
mosaisch 
1899 
794 
34 
5 
1900 
845 
31 
3 
1901 
889 
33 
5 
1902 
996 
46 
4 
1903 
1102 
52 
3 
1904 
1137 
59 
3 
1905 
1349 
75 
2 
Der katholische Religionsunterricht wird von dem Pfarrer 
Deitmer in Steglitz erteilt, z. Z. werden wöchentlich 4 Std., 
vom 1. Oktober 1905 ab werden 8 Std. wöchentlich gegeben. 
4 Std. erteilt Lehrer Wiesener. 
Auf die Beschaffung möglichst guter und möglichst zahl 
reicher Anschauungs- nnd Lehrmittel wurde besonders Gewicht 
gelegt, weil Anschauung die Grundlage alles Unterrichts ist. 
Im Etat find für diesen Zweck jährlich 20 Mark pro Klaffe 
zur Verfügung gestellt. Besonders reichhaltig sind die An 
schauungsmittel für den Naturgeschichtsunterricht. Es wurden 
nicht nur gute Abbildungen gekauft, sondern auch ausgestopfte 
Tiere beschafft. Der Lehrer Schulz II hat sich dadurch um die 
Schule ein besonderes Verdienst erworben, daß er viele aus dcr 
Letzlinger Forst gelieferte Vögel (Prachtexemplare) in muster- 
giltiger Weise ausgestopft hat und zwar in Stellungen, die der 
Natur abgelauscht sind, und er hat sie mit einem Beiwerk ver 
sehen, das die Lebensweise der Tiere sehr treffend kennzeichnet. 
(Ueber Vogelhaus und Schulgarten siehe weiter unten.) 
Auch die vorhandenen Anschauungs- und Lehrmittel für 
Zeichnen, Physik, Chemie. Geschichte, Erdkunde und Gesang 
find als ausreichend zu bezeichnen. 
Die Kinder der Oberklassen bekommen zur häuslichen 
Lektüre Bücher überwiesen. Jede der 1. und 2. Klasse hat 
soviel Bücher, als Kinder vorhanden sind. Ferner befinden 
sich in jeder Klasse eine Anzahl Bücher, die als besonders wert 
voll zu bezeichnen sind, in mehreren Exeniplarcn, so daß sie 
alle Kinder im Laufe eines Halbjahres lesen können. Dem 
Lehrer bietet sich dadurch die Möglichkeit, falls er Zeit dazu 
gewinnt, diese Bücher zur Grundlage einer Besprechung zu 
machen oder Aufsatzthemen daraus zu nehmen, wodurch die 
Kinder zur Selbständigkeit im schriftlichen Ausdruck erzogen 
werden. (Fortsetzung folgt.) 
Lokales. 
-f Die zwölf Nächte. Die zwölf Nächte, die sich 
vom WeihnachtStage bis zum 6. Januar erstrecken, und 
die man kurzweg als die „Zwölften" bezeichnet, sind nach 
uralten Volksglauben für die Zukunft des Menschen be 
stimmend. Die Träume, die man in diesen Nächten hat, 
sollen der Reihe nach für die kommenden zwölf Monate 
von besonderer Bedeutung sein, und bezüglich des Wetters 
gilt der alte Satz: „Wie sich das Wetter von Christag 
bis heilige Dreikönig erhält, so ist das ganze Jahr bestellt". 
Während der Zwölften treiben auch Hexen Dämonen und 
vor allem Frau Holle und der wilde Jäger ihr Unwesen, 
sodaß man die Alltagsarbeit am besten ganz ruhen läßt. 
Der Drudenfuß, das Kreuz und Strohseile schützen das 
Vieh und die Wirtschaft, wozu im katholischen Oberdeutsch 
land der Vorsicht wegen auch noch eine Besprengung mit 
Weihwaffer oder die Anwendung von Weihrauch kommt. 
Im Hinblick auf letzteren Brauch spricht man von Rauch- 
oder Rauhnächten. In Mecklenburg dürfen in dieser Zeit 
bestimmte Tiere nur durch einen außergewöhnlichen Namen 
bezeichnet werden, z. B. der Fuchs durch Langschwanz und 
die Maus durch Bönlöper! Als besonders wichtig gelten 
die drei Heilignächte, d. h. Christ-, Neujahrs- und Drei 
königsabend. Ursprünglich hatten die zwölf Nächte gar- 
nichts mit Spuck und Gespenstergeschichten zu tun, sondern 
sie waren lediglich eine Zeit des sorglosen AusruhenS, 
wie man denn auch die Sonne in solcher Ruhe dachte. 
Daher lebt noch jetzt in manchen Gegenden Deutschlands 
der Glaube, daß in den zwölf Nächten gewiffe Arbeiten 
nicht vorgenommen werden dürfen, namentlich sei e§ nicht 
erlaubt, zu spinnen. Während dieser Zeit mußte man 
sich vordem der größten Ruhe befleißigen; wer nur die 
Tür derb zuschlug, hatte im nächsten Jahre den Blitz zu 
fürchten. Dafür lärmte in den zwölf Nächten das wütende 
Heer, der wilde Jäger Hackelberg brauste durch die Lüfte. 
„Spukedinger" und Irrwische tanzten, die „Feuermänner" 
flackerten. Bei den heidnischen Angelsachsen hießen die 
zwölf Nächte „Modranecht", Mutternächte, weil sie das 
kommenden Jahr mit seinem Glück und Unglück gebären 
sollten. Nach germanischem Glauben hielten in den 
„Zwölfen" die Götter, besonders Wodan und Frigga, 
ihren feierlichen Umzug, um die Natur wieder zu beleben, 
den Pflanzen Wachstum und Früchte zu spenden, das 
Waffer zu Wein zu machen. Gerichtsfriede herrschte in 
diesen geheiligten Tagen bei unseren Altvorderen, Alle er 
gaben sich der festlichen Freude. Sie beschenkten sich gegen 
seitig mit Wildpret und wildem Honig, und zwölf Tage 
lang ruhte jeder Kampf und jede Feindschaft. Todfeinde 
saßen in Frieden nebeneinander, und der eine reichte dem 
andern das Trinkhorn. Zwölf Tage hindurch fühlte der 
Mörder sich vor seinen Verfolgern, -der Ehrabschneider vor 
der Rache sicher. Erst nach Ablauf dieser Frist erneuten 
sich die alten Freindschaften und die Gewalten der Rache 
und der Sühne traten wieder in ihre Rechte ein. 
-j- Rohrpost «ach Friedenau. Eine außerordent 
lich wichtige Verkehrsverbesserung wird der .hiesige Ort 
durch die von der Postverwaltung beabsichtigte Erweiterung 
des Rohrpostnetzes bis nach Friedenau erfahren. Bisher 
ging ein Rohrpostlaufrohr nur bis zum Hauptpostamt in 
Schöneberg. Dasselbe soll nun bis zum hiesigen Postamt 
verlängert werden, infolgedessen letzteres auch Rvhrpostamt 
wird. Alle hier zur Aufgabe gelangenden oder hier an 
kommenden Rohrpostsendungen werden also künftig von 
unserm Postamt befördert werden. 
t Versorgung von Briefmarken für Neujahr. 
Amtlich wird darauf hingewiesen, daß es im Interesse 
einer glatten Geschäftsabwickelung erwünscht sei, sich recht 
bald mit dem benötigten Quantum von Marken für 
Neujahrsbriefe zu versehen und mit deren Ankauf nicht 
bis zum letzten Dezember zu zögern. Auch liegt es im 
ergnen Interesse des Publikums, die Neujahrsbriefe mög 
lichst frühzeitig aufzugeben und auch bei Mitlelstädten die 
Wohnung deS Empfängers zu bezeichnen. Für Berlin ist 
außerdem die Angabe deS Bestellpostamtes dringend an 
zuraten. 
t Die Nordöstliche Baugewerk» - BerufS- 
geuoffeufchaft Sektion I für Berlin, Charlottenburg, 
Schöneberg und Rixdorf, Amtsbezirke Tempelhof, Britz. 
Steglitz, Gr.-Lichterfelde. Dt.-Wilmersdorf und Friedenau 
jat an die Herrn Baugeschäftsinhaber ihrer Sektion I ein 
Rundschreiben gerichtet, in dem es heißt, daß die zahl 
reichen Unfälle in der letzten Zeit bei Ausführungen von 
Massivdecken in Stein oder Beton mit oder ohne Eisen 
einlagen dem Vorstand die Pflicht auflegen, bei jedem 
Unfall streng zu prüfen, ob die Bauleitung bei der Kon 
traktion und Aufstellung der Rüstung und der Einschalung, 
der Verankerung, der Aufbringung und Verarbeitung des 
Materials usw., die nach den Regeln der Baukunst er 
forderliche Sorgfalt angewendet hat. 
f Souderausstellungen auf der 20. Wander 
ausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft zu 
Berlin - Schöneberg vom 21.—26. Juni 1906. Ganz 
besonderes Interesse haben immer die Gruppenausstellungen 
auf den Wanderausstellungen der Deutschen Landwirtschafts 
Gesellschaft bei den Besuchern hervorgerufen, welche ganz 
bestimmte Zwecke der landwirtschaftlichen Gütererzeugung 
oder der landwirtschaftlichen Nebengewerbe vorführten. 
Auch die 20. Wanderausstellung, welche vom 21. bis 
26. Juni zu Berlin-Schöneberg stattfinden wird, wird nach 
dieser Richtung hin viel Sehenswertes bringen. So wird 
eine besondere Ausstellung seitens der Spiritusintereffenten 
geplant. Dieselbe zerfällt in die wissenschaftliche Abteilung, 
welche durch das Institut für Gärungsgewerbe aufgebaut 
wird, und in eine Abteilung für technische Verwertung 
von Spiritus, in welcher Lampen, Spiritusmotore und 
andere Maschinen zu sehen sein werden. Außerdem wird 
für die Berliner Wanderausstellung eine ganz besondere 
Veranstaltung nach der Richtung hin zur Durchführung 
kommen, daß sich unmittelbar an die Ausstellung ein 
Biergarten anschließen soll, der für die abendlichen Unter 
haltungen bestimmt ist. Dieser Biergarten wird durch 
Spiritusglühlicht und durch elektrisches Licht, für welches 
der Strom durch Spiritusmotore erzeugt wird, beleuchtet 
werden. Dieser Biergarten wird einen derartigen Umfang 
erhalten, daß für 4000 Personen Sitzplätze geschaffen 
werden. Gerade bei den weiten Entfernungen in 
Berlin werden Abendunterhaltungen, wie sie in andern 
Ausstellungsstädten stets veranstaltet werden, sich nicht 
durchführen lasten, sodaß dieser Biergarten einen guten 
Ersatz dafür bilden und reichen Besuch haben wird. 
t Neue Karpfenzufuhren finden jetzt statt, da am 
Heiligabend unter dem beliebten Fisch ganz bedeutend 
aufgeräumt worden ist und für Silvester, an dem der 
Karpfen noch begehrter ist als am Heiligabend, die Vor 
räte ganz erheblich ergänzt werden müsten. Mit dem 
Silvesterkarpfen ist auch noch ein Aberglaube verbunden, 
denn kein richtiger Berliner versäumt es, einige Schuppen 
von ihm zu entnehmen und sie in die Geldbörse zu 
stecken, die dann das ganze Jahre über nicht leer werden soll. 
t Der nächste Reichskommers der alten Burschen 
schafter Berlins und der Umgegend findet Sonnabend, 
den 13. Januar k. I., Abends 8V 2 Uhr, im großen Saal 
der Philharmonie statt. Es ist dies der 25. Kommers 
alter Burschafter in der Reichshauptstadt. 
ffO. Mäuner-Turnverein. Am Donnerstag, den 
21. d. Mts., fanden in der Gymnastal-Turnhalle die 
Weihnachtsfeiern der beiden Schülerabteilungen statt. Sie 
waren reicher ausgestaltet, als es bisher üblich war. Die 
II. Schülerabteilung feierte zuerst. Unter Absingen des 
Liedes „Des Sonntags in der Morgenfrüh" schritten etwa 
90 Knaben ein verhältnismäßig schwierigen Aufmarsch, 
durch den sie zur Aufstellung in Achterreihen gelangten. 
Nach dem Aufmarsch führte Turngenosse Beer mit den 
größeren Knaben der Abteilung einen wohlgelungenen 
Reigen vor. Daran schlosten sich Spiele. Den Schluß 
des turnerischen Teils bildeten Pyramiden am Pferd, die 
vom Turnwart Koch geleitet wurden und die durch ihre 
schöne Zusammenstellung und gute Ausführung den leb 
haftesten Beifall der Zuschauer erregten. Nun folgte die 
eigentliche Weihnachtsfeier, die mit dem Liede „Am Weih 
nachtsbaum die Lichter brennen" eingeleitet wurde. Die 
vom Turnverein gestifteten kleinen Geschenke, die im 
großen und ganzen alle gleichwertig waren, wurden in 
der Weise verteilt, daß die Schüler, die dem Verein 
längere Zeit angehören und sich durch regelmäßigen Besuch 
und musterhaftes Betragen ausgezeichnet haben, ein Ge 
schenk wählen durften, während den anderen die Ver 
günstigung des Wählens nicht zu teil wurde. Dieser 
Modus ist auch vom erzieherischen Standpunkte durchaus 
richtig, und nur Unverstand und blinde Eigenliebe kann 
darin eine Ungerechtigkeit erblicken. Die Knaben der 
I. Schülerabteilung, die bei den Kleinen das mühevolle 
Amt eines Vorturners verwaltet hatten, erhielten nütz 
liche Bücher als Anerkennung für die geleisteten« Dienste. 
Mit dem Liede „Stille Nacht" wurde die Feier beschlosten. 
— Die nun folgende Feier der I. Schülerabteilung war 
in ihrem turnerischen Teil vielseitiger. Der Aufmarsch in 
seiner schlichten Einfachheit und doch sehr gefälligen Form, 
insbesondere aber in der flotten, sicheren Darstellung muß 
füglich als mustergiltig bezeichnet werden. Die sich an 
schließenden Freiübungen gestatteten infolge ihrer Eigenart 
keine so gleichmäßige Ausführung, wie sie von dem 
lickenden Metronom gefordert wurde. Bei dem Gerät 
turnen zeigte besonders der erste Zug recht beachtenswerte 
Leistungen. Die Leiterpyramiden von den Turnwarten 
Altenkrüger und Wegener geleitet, boten schöne Bilder, 
waren meistens schwierig, wurden aber gut und sicher dar 
gestellt und lieferten so einen schönen Beweis von dem 
Mut und dem turnerischen Geschick der Darsteller. Derzweite 
Teil der Feier verlief in ähnlicher Weise wie der in 
der II. Schülerabteilung. Zum Schluß hielt Herr 
Rechnungsrat Evers, der Vorsitzende des Vereins, eine 
Ansprache, in der er auf die Bedeutung der Jugend 
abteilungen näher einging und auch mit warmen Worten 
des edlen Freundes unserer Jugendabteilungen, des ver 
storbenen Ehrenmitgliedes Retzdorff, gedachte. — Die 
Weihnachtsfeiern der Mädchenabteilungen am nächsten 
Tage, den 22. d. MtS., nahmen einen ähnlichen Verlauf. 
Jedoch hatte die II. Mädchenabteitung auf jede turnerische 
Vorführung verzichtet und erfreute statt besten durch eine 
kleine theatralische Darbietung. — Die I. Mädchen 
abteilung zeigte Stabllbungen und Uebungen an den 
Schwebestangen, die mit Anmurt ausgeführt wurden. — 
Der Zweck der Weihnachtsfeiern: zu erfreuen, zu beglücken, 
in Weihnachtsstimmung zu versetzen, wurde vollständig er 
reicht; das bewiesen die glänzenden Augen, das bewiesen 
die freudestrahlenden Gesichter der Kinder. Die Feiern 
sollten ja keine großen Weihnachtsbescherungen sein — 
denn dazu waren die kleinen Geschenke nicht angetan — 
sondern nur ein einleitender Akkord, ein stimmungsvolles 
Präludium zu dem schönsten Feste der Christenheit, dem 
Weihnachtsfeste. 
-j- Deutscher Flotten-Verei» — Ortsgruppe 
Friedenau Das politische und nationale Leben in 
Deutschland steht gegenwärtig unter dem Zeichen der 
Flotte. Unsre Kultur- und Handelsbeziehungen breiten sich 
mächtig zum Wohle des gesamten Volkes, insbesondere 
der erwerbenden und arbeitenden Kreise, über die ganze 
Erde. Sie fordern naturgemäßen Schutz, den nur eine 
starke Flotte gewähren kann. Die Entscheidung über die 
neue Marinevorlage muß demnächst im Reichstage fallen. 
In dieser Erkenntnis der Lage wendet sich die hiesige 
Ortsgruppe des Flottenvereins in diesen Tagen an die 
gesamte Einwohnerschaft Friedenaus mit einem besonderen 
Aufrufe, den an 30 angesehene Männer aller Kreise, 
darunter auch Gemeindevertrelcr, Gemeindeschöffen und 
der frühere Gemeindevorsteher, unterschrieben haben. Alles 
Nähere geht aus dem Aufrufe selbst hervor, der in 
Tausenden von Exemplaren durch die Post bestellt wird. 
Zugleich fordert der Aufruf zum Beitritt zur hiesigen Orts 
gruppe auf, um dadurch die öffentliche Meinung zu 
Gunsten der Flottenvermehrung zu verstärken. Die Mit 
glieder der Ortsgruppe erhalten gleichfalls den Aufruf zu 
gesandt, damit sie Über diese Werbetätigkeit Bescheid 
misten und im Sinne derselben in ihrem Bekannten- und 
Freundeskreise wirken möchten. 
f Weihnachtsfeier. Gestern Abend veranstaltete 
der Krieger- und Landwehr-Verein im „Hohenzollern" 
seine Weihnachtsfeier. Eingeleitet durch Gesang von 
Weihnachtsliedern, folgte eine Ansprache des Führers» 
Herrn Geheimrat Hendrich, die die Bedeutung der Feier 
hervorhob, welche er besonders als ein Kinderfest bezeichnete. 
Es wurde daraufhin die Bescherung der Kinder vor 
genommen. Nachdem noch verschiedene Weihnachtslieder 
gesungen und unterhaltende Spiele Groß und Klein 
erfreuten, wurde ein Kinderball veranstaltet, der mit einer 
Polonaise eröffnet wurde. Fleißig schwangen unsere 
Kleinen da das Tanzbein und allzu schnell kam ihnen der 
Schluß. Ungern, aber mit freudevollem Herzen trennten 
sich alle schließlich von der Stätte, die so fröhliche Stunden 
gezeitigt. 
f Ein auserwählt künstlerisches Pro gram« 
wurde für den vonHerrn FritzBrand veranstalteten Lieder-und 
Balladen-Abend im „Rheinschloß" am 5. Januar zusammen 
gestellt. Herr Konzert- und Oratoriensänger Alexander 
Dal!mann, der hier als hervorragender Bariton nicht 
unbekannt ist, wird unter anderem den Prolog auS der 
Oper „Die Bajazzi" von Leoncavallo zu Gehör bringen. 
Der Sänger wurde von dem Komponisten, als dieser zur 
Premiere seines „Roland" in Berlin weilte, nachdem er 
ihm diese Nummer vorgetragen hatte, durch eine äußerst 
anerkennende eigenhändige Widmung ausgezeichnet. Frl. 
Lotte Kersten, die bereits wiederholt mit E folg in 
Berliner Konzertsälen sang, wird Lieder von Mendelssohn, 
Meyer-Helmundt und Reisiger singen. Herr Fritz Brand 
rezitiert Dichtungen von Geibel, Felix Dahn, Gellert und 
seine eigene junge Dichtung „Weihnacht".^ 
-j- HohenzollerU'Theater. Die Vorstellungen im 
neuen Jahre eröffnet Herr Direktor Behle am Dienstag, 
den 2. Januar, mit einem Hochinterestanten Gastspiel. Der 
berühmte Charakterkomiker Herr Edmund May, welcher 
sich auf einer Tournee durch ganz Deutschland befindet, 
wird auch bei uns ein einmaliges Gastspiel absolvieren, 
und zwar in einem ganz neuen Lustspiel „Der Herr im 
Hause" von Udo Ottersleben. Glänzend und geradezu 
einzig in seiner Art dastehend sind die Erfolge, welche 
Herr Edmund May mit diesem Stücke in der Rolle des 
Musikdirektors Block erzielt hat und dieselben werden 
dadurch am besten gekennzeichnet, daß Herr May diese 
Rolle bereits mehr als 450 Mal auch u. a. an den 
hervorragendsten Bühnen wie Leipzig, Darmstadt, Stettin, 
Mannheim usw. gespielt hat. Edmund May ist ein 
gastierender Künstler, welcher ein vollständig neues Genre 
schauspielerischer Darstellungskunst geschaffen hat. Die 
komischen Charaktere, die Herr May darstellt, sind dem 
Leben abgelauscht und trotzdem der Künstler nicht über 
treibt, wirkt er gerade durch die Natürlichkeit seines Spiels 
überwältigend komisch. Die Lustspiclnovität „Der Herr im 
Hause" ist eine so humorvolle, daß die Zuschauer von 
Anfang bis Ende nicht aus dem Lachen herauskommen. 
Niemand wird das Theater verlassen, ohne sich zu sagen, 
er habe einen wirklich genußreichen Abend durch die Auf 
führung dieses ebenso originellen wie amüsanten Lust 
spiels gehabt. Im Anschluß an diese Novität bringt unS 
Direktor Behle an diesem Abend noch ein zweites, neues 
Lustspiel der deutschen Bühnenliteratur, nämlich den Ein 
akter „Zum Einsiedler" von Benno Jacobson. Der Vor 
verkauf zu diefer interestanten Vorstellung hat bereits 
heute begonnen. 
-j- „Eine tolle Nacht!" Dieser Schwank in vier 
Aufzügen von Rudolf Kneisel relangte gestern Abend im 
„Kaiser Wilhelm-Garten" zur Aufführung. Nach dem 
alten Muster der Verwechselungen hat dieses Stück gerade 
nichts neues für sich, dennoch birgt es komische Szenen in 
Hülle und Fülle, die dann wahre Lachsalven hervorrufen 
und man sich bestens amüsiert. So können wir denn auch 
über die gestrige Aufführung im Kaiser Wilhelmgarten nur 
sagen, daß die „Tolle Nacht" reichen Beifall fand. Unler 
der Oberspielleitung des Herrn Carl Fenz bot das 
Ensemble das Beste, so daß sich das Publikum recht im
        
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