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Periodical volume Nr. 302, 27.12.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Bahn, Ort und Übergang, werden Güter in Wagen» 
ladungen bis auf weiteres nicht angenommen, da die 
Warschau-Wiener Bahn Frachten nur in beschränktem 
Umfange übernimmt und die Übergangs - Bahnhöfe 
Scheppinitz und Kattowitz überfüllt find. Auch für 
Oderberg und OSwtecien, Ort und Übergang, können 
Güter bis auf weiteres nicht angenommen werden. 
[] Eine Interpellation betreffend den mangel 
haften Schutz der bedrohten Reichsdeutschen in den 
russischen Ostseeprovinzen durch die deutsche Reichsregierung 
wird, wie wir erfahren, von der rechten Seite des Hauses 
im Reichstage nach Neujahr eingebracht werden. 
[] Mit den Vorarbeiten für den Großschiffahrts 
weg Berlin-Stettin wird demnächst begonnen werden. Der 
Bezirksausschuß hat bereits angeordnet, daß auf der Strecke 
Hohensaathen—Stützkow—Schwedt jeder den anliegenden 
Besitzern auf seinen Grund und Boden Handlungen ge 
schehen zu laffen hat, welche zur Vorbereitung der Kanal- 
arbeiten — Wasserstraße Berlin—Hohensaathen — er 
forderlich sind. 
Lokates. 
t Weihnachten. Verrauscht sind wieder einmal 
die Festesklänge, verrauscht der alles umschlingende Zauber 
der fleischgewordenen göttlichen Liebe, des in alle Welt 
wiederhallenden: „Friede auf Erden". Verrauscht auch 
die Stunde, der so viele Kinderherzen in Träumen und 
voll seliger Hoffnung entgegenharrtcn. Nun liegt sie 
hinter uns, die köstliche Weihnachtszeit, an der man 
wieder einmal dem Geiste eine andere Anregung gegeben. 
An allen Orten hat die Liebe gewirkt, sie hat Verwandten 
und Freunden, aber auch Armen und Schwachen ihre 
hilfsbereite Hand aufgetan und gespendet, um Freude zu 
bereiten. Auch in unserem Orte ist die Weihnachtsfeier in 
jeder Hinsicht in recht zweckentsprechender Weise begangen 
worden. Schon in der Vorwoche haben verschiedene 
Vereine, so der Parochial-Verein, der Verein der Gast- 
und Schankwirte, durch eine Weihnachtsbescherung den 
Kindern der Mitglieder und hilfsbedürftigen Personen 
Freude bereitet. Am Heiligabend (Sonntag) fanden in 
der Kirche „Zum guten Hirten" und in der „Nathanael- 
Kirche" Christvespern statt, die sich eines außergewöhnlichen 
Besuches erfreuten. Damit war das Fest eingeleitet und 
als man bald nach Schluß dieser Christvespern die Straßen 
durchwanderte, da leuchteten aus vielen Fenstern die 
Flammen der Kerzen am Weihnachtsbaum. Jubelnde 
Kinderstimmen tönten aus jedem Hause und vereinten sich 
mit dem Gesang stimmungsvoller Weihnachtslieder. Das 
Herz wurde wieder jung, es fühlte wieder die Stunde ge 
kommen, der es als Kind ebenfalls mit Frohlocken ent- 
gegenschlug. Allen den fröhlichen Gesichtern sah man es 
an, daß sie befriedigt von dem, was der Weihnachtsmann 
bcichert hatte. Es war aber auch in den letzten Tagen, 
und besonders am Sonntag selbst, noch ein Hasten und 
Jagen in den Geschäften, es wurde hier und da 
noch ein Stück gekauft, so daß wir mit Befriedigung sagen 
dürfen, unsere Geschäftsleute haben in den letzten Tagen 
noch ein gutes Weihnachtsgeschäft gemacht. Auch ihnen 
wurde die rechte Freude zu diesem Freudenfeste beschert. 
Am 1. Feiertag und auch am 2. Feiertag wiesen die 
Hauptgottesdienste eine überaus große Zahl von Kirchen 
besuchern auf. Auch die übrigen kirchlichen Feiern waren 
gut besucht. Ebenso erfreuten sich die weltlichen Ver 
anstaltungen zahlreichen Zuspruchs. Zum Frühschoppen 
und zu delikatem Mittagessen fand man sich in best 
renommiertesten Lokalen ein. Am 1. Feiertag fand im „Rhein 
schloß" Großes Künstler-Konzert statt, bei dem die Leistungen 
der vorzüglichen Truppe volle Anerkennung zuteil wurde. 
Im Kaiser-WilhelmSgarten wurde der Theater-Vorstellung: 
»Ihre Familie", lebhafter Beifall gespendet. Am zweiten 
Feiertag war dann im „Hohenzollern", „Rheinschloß" und 
„Kaiser-Wilhelmgarten" Ball, an dem unsere Jugend be 
sonders regen Anteil nahm. Von privaten und Ver- 
' eins-Vcranstaltungen seien noch folgende erwähnt: Am 
Sonnabend Abend fand bei Herrn Hoflieferant Sachs eine 
erhebende Weihnachtsfeier statt, bei der 20 Kinder, die 
nicht der Armenpflege unterstehen, beschert wurden. Die 
Sanitätskolonne beging ihre Weihnachtsfeier am 2. Feier 
tag im „Rheinschloß", der Evangel. Jünglingsverein die 
seine im Evangel. Gemeindehause in bester Weise mit 
Verlosung rc. ebenfalls am 2. Feiertag. Heute nun ist in den 
meisten Arbeitsstätten wieder tätiges Leben. Nur Wenige 
setzen zu dem zweiten Feiertag noch einen dritten, diesen 
rst denn auch für heute noch Vergnügen in reichem Maße 
vergönnt, u. a. geht heute Abend im Kaiser-Wilhelm 
garten der Schwank „Eine tolle Nacht" über die Bretter. 
Halten wir noch einen kurzen Rückblick auf die Geschäfts 
tätigkeit vor dem Fest, so können wir sagen, daß sehr 
viel Friedenauer die Mahnung „Kaufet am Orte" berück 
sichtigt haben und unsere Geschäftsleute einen guten Um 
satz zu verzeichnen hatten. Der Weihnachtsbaummarkt 
hatte in diesem Jahre dagegen schlecht abgeschnitten, es 
blieben sehr viel Restbestände zurück und man verkaufte 
am letzten Tage die Bäume zu Spottpreisen. 
f Ernennungen. Dem Mitglieds des Kaiserlichen 
Patentamts, Herrn Regierungsrat Professor Wehage ist 
der Charakter als Geh. Regierungsrat verliehen worden. 
Der Legations-Kaffenbnchhalter Herr Winter ist zum 
Hofrat ernannt. Dem Geh. exped. Sekretär und Kalkulator 
im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Herrn Herr 
mann, ist der Charakter Rechnnngsrat verliehen worden, 
ebenso dem Oberbuchhalter bei der Reichsbank Herrn Joh. 
Typke. 
f Professor Schweutnger will gehen. Wie uns 
mitgeteilt wird, soll Professor Dr. Schweninger beab- 
sichrgen nach Ablauf seines Vertrages am 1. Juli n. Js. 
von der Leitung des Lichterfelder Kreiskrankenhauses 
zurückzutreten. Vielfach wird der Rücktritt Schweningers 
namentlich vielfach von ärztlicher Seite, mit Freuden be 
grüßt werden. Professor Scheninger hatte aber auch viele 
Freunde, die seinen Rücktritt bedauern werden. Nun man 
kann e§ eben allen Menschen nicht Recht machen. 
t Zur Frage -es elektrischen Eisenbahn 
betriebes wird uns von maßgebender Seite aus dem Eisen 
bahnministerium versichert, daß die Umwandlung der Stadt- 
Ringbahn- und Borortbahnlinien im Bereiche der Eisenbahn- 
direktion Berlinin elektrischen Betrieb Gegenstand eingehender 
Erörterungen der maßgebenden Stellen sind und daß in nicht 
zu langer Zeit die Eisenbahnverwaltung tatsächlich diese 
Umwandlung in Angriff nehmen will, wenn sich die 
parlamentarischen Körperschaften damit einverstanden 
erklären. Noch im Sommer 1906 sollen Projekte aus 
gearbeitet werden und vielleicht schon in der nächsten 
Session dem Landtage vorgelegt werden. Mitbestimmend 
bei dieser Reform ist hauptsächlich der Umstand, daß das 
Lokomotiven- und Wagenmaterial sehr der Erneuerung und 
Auffrischung bedarf und man mit der Neuanschaffung von 
Dampflokomotiven deshalb nicht anfangen will, da sich 
die Einführung des elektrischen Betriebes auf längere Zeit 
nicht mehr hinausschieben läßt. Die Versuchsbahn nach 
Lichterfelde-Ost hat sich im allgemeinen gut bewährt. 
1- Der Handel mit Neujahrskarten hat am 
heutigen Mittwoch seinen Anfang genommen. Einen ganz 
bedeutenden Umfang hat die Neujahrspostkarten-Jndustrie 
erreicht, die- in der Mannigfaltigkeit des Gebotenen ge 
radezu Erstaunliches geleistet. Ein starker Andrang, der 
sich bis zum Sylvesterabend immer mehr steigern wird, 
herrscht in den Geschäften, die sich mit der Herstellung von 
Visitenkarten befaffen, da die meisten Leute mit dem Be 
stellen ihrer Karten bis zum letzten Augenblick zu warten 
pflegen. 
-f Die militärischen WcihnachtSnrlauber sind 
zum Teil bereits ain gestrigen Abend hierher zurückgekehrt. 
Es sind diejenigen, deren Urlaub vor Weihnachten be 
gonnen hatte. Auch Personen aus dem Zivilstande, 
welche die Weihnachtsfeiertage in der Provinz oder im 
Reiche zugebracht haben, sind in großer Menge am 
gestrigen Abend mit den späteren Zügen wieder hier ein 
getroffen, da in den meisten Geschäften und kauf 
männischen Betrieben die Arbeit bereits am heutigen 
Tage wieder aufgenommen wird. Kleine Handwerker und 
Gewerbetreibende lassen sich dagegen nach alter Berliner 
Sitte ihren 3. Feiertag nicht nehmen und haben heute 
„blaugemacht" d. h. nicht gearbeitet. 
-j- Sylvester-Veickehr. In der Sylvesternacht 
werden, wie die Kgl. Eisenbahndirektion Berlin bekannt 
macht, u. a. die nachstehenden Sonderzüge verkehren: auf 
der Stadtbahn: ab Charlottenburg 1.01 (bis Schles. Bhf.), 
1.11 (bis Lichtenberg Friedrichsfeldc), 1.21 und 1.41 Nachts 
(bis Lichtenberg-Friedr.), ab PotSd. Ringbhf. 1.15 (nach 
Halensee-Charlottenburg, Stadtbahn bis Lichtenberg), ab 
Halensee 12.31 Nachts nach Potsd. Ringbhf., ab Schles. 
Bhf. 1.01, 1.18, 1.26 und 1.51 Nachts bis Charlotten 
burg, ab Berlin Wannseebhf.: 1.30 und 2.00 Nachts (bis 
Zehlendorf), ab Zehlendorf 1.31, 2.00 und 2.31, ab Wann 
see 2.27 (bis Berlin Wannseebhf.), ab Berlin Potsdamer 
Ringbhf. 1.25 nach Gr.-Lichterfelde-Wist. ab Gr.-Lichterfelde- 
West 1.45 und 2.05 Nachts nach Berlin Potsd. Ringbhf. 
Sehr wenig zufrieden mit dem Weihnachts- 
wetter sind die Eisbahnpächter, bcsonders die größeren, 
die für die diesjährige Saison umfangreiche Vorbereitungen 
getroffen haben. Das Ausbleiben des Frostes bedeutet 
für sie einen großen Schaden, da nach einer gewöhnlichen 
und durchaus berechtigten Annahme die Eisbahnen während 
der Weihnachtszeit die Pacht zu decken pflegen. Freilich 
wird, wenn es um die Weihnachtszeit keine Eisbahn gibt, 
den Pächtern ein Teil der Pachtsumme erlaffen, doch ist 
der Schaden immerhin noch groß genug. 
-f Vom Deutschen Kriegerbuud. Der Gesamt 
vorstand des die norddeutschen Bundesstaaten und Elsaß- 
Lothringen umfassenden Deutschen Kriegerbuudes hatte in 
der Sitzung vom 23. Januar d. Js. beschlossen, dem 
Kaiserpaare zur silbernen Hochzeit eine Festgabe zu über 
reichen, die dauernd den Wohlfahrtseinrichtungen des 
Bundes, also denjenigen Bedürftigen zugute kommen soll, 
für welche der Bund sorgen will. Die in Kameraden 
kreisen vorgenommenen Sammlungen haben, wie die 
„Parole" mitteilt, bisher rund 212 000 M. ergeben. Die 
Zinsen dieses voraussichtlich noch wachsenden Kapitals 
sollen zur weiteren Erziehung und Ausbildung der aus 
den 4 Krieger-Waisenhäusern des Deutschen Kriegerbundes 
entlassenen Zöglinge verwendet werden. Vorbehaltlich der 
Allerhöchsten Genehmigung besteht die Absicht, die Kaiserin 
zu bitten, zu den jährlichen Entlaffungsterminen die 
Zinsen aus dem Kapital unter dem Namen Kaiser- und 
Kaiserin-Spende als Erziehungsbeihilfen für die entlassenen 
Zöglinge zu verleihen. 
t Discouto-Gesellschaft. Eine Bekanntmachung 
des Instituts in unserem heutigen Anzeigenteil empfehlen 
wir der besonderen Beachtung unserer Leser 
-f Theater. Die am 1. Feiertage im Kaiser 
Wilhelmgarten stattgefundene Theater-Aufführung des 
Charakterstückes „Ihre Familie" erfreute sich eines sehr 
guten Besuches. Aber es war auch eine vorzügliche 
Gesellschaft, die Herr Siepert für sein Lokal erworben 
hatte. Die Leistungen übertrafen alle Erwartungen und 
spendete das Publikum überreichen Beifall. Heute 
(Mittwoch) Abend gibt die Direktion den Schwank „Eine 
tolle Nacht", die durch seinen urwüchsigen Humor wahre 
Lachsalven hervorrufen wird. Indem wir auch für heute 
Abend ein volles Haus erhoffen, bemerken wir noch, daß 
die Gesellschaft jetzt jeden Mittwoch Abend im Kaiser 
Wilhelmgarten Vorstellungen geben wird. 
-f Mit dew Auto verunglückte am Sonnabend 
Abend zwischen 6—7 Uhr der in Berlin wohnhafte Ritt 
meister a. D. o. T. vor der Goerz'schen Fabrik. Der 
Kutscher fuhr mit rasender Schnelligkeit an die Bordschwelle 
an, daß der Wagen umkippte und v. T. aus dem Wagen 
fiel, wobei die zerbrochene Fensterscheibe dem Fahrgast die 
ganze rechte Backe bis auf den Knochen aufschnitt. Der 
Verunglückte blutete so kolossal, daß er in der hiesigen 
Sanitätswache, wo er hingebracht wurde, in Ohnmacht 
siel. Erft nachdem das Blut gestillt und ein Notverband 
angelegt worden war. kam v. T. wieder zu sich und 
wurde nach seiner Berliner Wohnung gebracht. Das 
Automobil hatte außer den zertrümmerten Fensterscheiben 
keinen Schaden erlitten. 
-j- Roheit. Heute Vormittag gegen 11 Uhr stieß 
der noch schulpflichtige Sohn der in der Kirchstraße 
wohnenden Familie K. ein 10—11 jähriges Mädchen der 
artig gegen das linke Bein, daß eine größere Wunde 
entstand. DaS Mädchen erlitt dadurch erheblichen Blut 
verlust und klagte weinend über heftige Schmerzen. Von 
einigen Paffanten wurde dem Kind die erste Hilfe geleistet. 
Der bedauerliche Vorfall, der sich Ecke der Rhein- und 
Kirchstr. zutrug, hatte natürlich einen größeren Menschen 
auflauf zur Folge. Hoffentlich wird dem rohen Burschen 
seitens seiner Eltern eine gehörige Tracht Prügel zu teil. 
-j- Polizeibericht. Als gefunden sind hier 
angemeldet worden: 1 Brille nebst Futteral, als zu 
gelaufen: 1 Windhund, 1 Terrier und als zugeflogen: 
1 Zwergpapagei. Die rechtmäßigen Eigentümer vor 
benannter Gegenstände werden aufgefordert, ihre 
Ansprüche binnen 3 Monaten im hiesigen Amtsbüro, 
Feurigstraße 8, Zimmer Nr. 26, geltend zu machen, 
widrigenfalls anderweit über die Fundobjekte verfügt 
werden wird. 
Schöneöerg. 
— Ein Schutzmann für 30 000 Einwohner. 
Diese Tatsache ist jüngst auf der „Insel" in Schöneberg, 
dem Stadtteil zwischen .Potsdamer und Anhalter Bahn,, 
festgestellt worden. Die Schöneberger Schutzmannschaft ist 
zur Zeit so schwach, daß für diesen Stadtteil des NachtS 
keinMannalsPatrouilleabkömmlichist.AufandasBerlinerPo» 
lizeiprästdium ergangenen Beschwerden — die Schöneberger 
Exekutivpolizei untersteht dieser Behörde — ist geantwortet 
worden, daß eine Vermehrung der Schöneberger Schutz 
mannschaft in nächster Zeit vorgenommen werden wird. 
— Gegen da» SchulunterhaltungSgefetz hat 
sich der Magistrat in der letzten Freitagssttzung ausge 
sprochen, indem er dem Beschluß der Stadtverordneten 
versammlung beigetreten ist, in gemischter Deputatton über 
Mittel und Wege zu beraten, in welcher Weise den durch 
das Schulunterhaltungsgesetz der Gemeinde drohenden 
Schäden und Gefahren wirksam begegnet werden könne. 
— Die Berliner Tischler - Innung will ihren 
Bezirk auch auf Schöneberg ausdehnen. Der Oberprästdent 
hat den Oberbürgermeister mit den erforderlichen Fest 
stellungen betraut. 
Berlin und Vororte. 
8 Ueber hundert Millionen Mark Steuer» 
hat die Reichshauptstadt in dem letzten Etatsjahre aufge 
bracht; es ist dies das erste Mal, daß die Reineinnahme 
der Gemeinde- und Staatssteuern einen so hohen Betrag 
erreicht hat. Die ersteren, von 533 401 Steuerpflichtigen 
aufgebracht, bezifferten sich auf 68,73 Millionen, die letzteren 
von 522,982 Personen gezahlt, auf 33,37 Millionen M. 
Die Rein-Einnahme der Gemeindesteuern hat gegen daS 
Vorjahr um mehr als 6*/ 2 Million, die der Staatssteuern 
um mehr als l 1 /* Million M. zugenommen. Im Ein 
zelnen ist bei der ersteren Folgendes hervorzuheben: Dü 
Grund- rc. Steuern, von 26,892 benutzten Grundstücken 
mit einem Nutzertrag von 407,85 Millionen M. erhoben, 
brachte 21,77 Millionen M.; die Gewerbesteuer, von 16,536 
Betrieben erhoben, ergab 8,43 Millionen, davon in der 
ersten Klasse 5,71 Millionen M.; die Warenhaussteuer 
nur 775,783 M., die Umsatzsteuer wies eine Steigerung 
von rund 3 Millionen auf; es wurden 5,75 Millionen M. 
von 2213 Grundstücken erhoben, trotzdem sich die Zahl 
der letzteren gegen das Vorjahr um 218 vermindert hat. 
Die Zahl der Personen, die dem Staate von einem Ein 
kommen von mehr als einer Million Steuern zahlten, 
betrug 12, die der nichtphystschen Personen (Gesellschaften 
rc. 44. Hiervon deklarierte der Höchstbesteuerte ein Ein 
kommen von 12,775 Millionen M. und zahlte pro Jahr 
eine halbe Million Staatssteuern. Zur Ergänzungssteuer 
waren 6 Millionäre veranlagt. Den höchsten Steuerbettag 
(626,400 M. pro Jahr) zahlte an die Gemeinde eine der 
34 Gesellschaften, die zu einem Jahreseinkommen von 
einer bis zu 15,666 Millionen M. veranlagt sind. 
8 DaS EuteignuugSrecht hat der Kaiser der 
Stadtgemeinde Berlin verliehen behufs Erwerbung der zu 
bebauungsplanmäßigen Freilegung der Müllerstraße, der 
Straße 29. Abteilung X 1, der Seestraße und der Rigaer- 
stiaße erforderlichen Grundflächen. 
8 Sein 25 jährige» Jubiläum als Stadtver» 
ordneter begeht am 13. Januar k. I. 'der Rentier Heil- 
mann, Oranienburgerstraße 33. Derselbe vertritt den 14. 
Wahlbezirk (Stadtbezirk 202—254) erste Abteilung, seine 
gegenwärtige Wahlperiode läuft im Januar 1907 ab. 
Die Stadtverordneten-Bersammlung wird dem Jubilar an 
seinem Ehrentage eine Glückwunsch-Adresse überreichen 
lassen. 
8 Die Glückwunsch-Adressen, welche die Stadt- 
verordneten-Versammlung aus Anlaß des Jahreswechsels 
an das Kaiserpaar abzusenden gedenkt, sind in der letzten 
geheimen Sitzung festgestellt worden. 
8 Zu der geplante« Vergrößerung de» Bahn 
hofs Friedrichstraße, bei weicher, wie gemeldet, die 
jetzige Zufahrtstraße zwischen Bahnhof und Kaiser Wilhelm- 
Akademie (Pepinitzre) überbau: werden soll, macht das 
„Grundeigenth." darauf aufmerksam, daß die anstelle 
dieses Zufahrweges über das genannte Grundstück führende 
neue Verbindung zwischen Friedrichstraße und Reichstags 
ufer gewisserniaßen eine „Sackgasse" bleiben werde, da 
eine Überbrückung der Spree im Zuge derselben nicht vor 
gesehen sei. Würde eine solche geschaffen, so entstehe da 
mit ein direkter Straßenzug nach der Albrechtstraße und 
unter Verlängerung desselben über die Schumannstraße 
hinaus bis zur Philipp-, Hannoverschen- und Hesstschen- 
straße, einerseits nach dem Neuen-, andererseits nach dein 
Oranienburger Thor. Damit wäre dann zugleich auch 
eine zweite „Sackgasse", die Albrechtstraße, dem Verkehr 
eröffnet. — Der Vorschlag läßt sich hören, ob aber durch 
die geplante Verbindungsstraße der „am Bahnhof Friedrich- 
straße Abends kaum noch zu bewältigende Verkehr ab 
gelenkt" werden würde, darf wohl insofern bezweifelt 
werden, als doch von den genannten Toren her ein 
ziemlich starker Verkehr dem Bahnhof Friedrichstraße auch 
unmittelbar zugeführt werden würde.
        
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